100 Kilometer DODENTOCHT …

Morgen um 21 Uhr starten Horden wilder Belgier und ebenso wilder Nicht-Belgier, um jeweils 100 Kilometer belgisches Land zu erobern.
Dabei darfst Du wandern oder joggen, Du darfst nur nicht schneller sein als 10 Stunden (die Gefahr besteht bei mir sowieso nicht …) und Du darfst nicht langsamer sein als 24 Stunden (die Gefahr besteht bei keinem von uns …) – und ich starte mit.

Ich freue mich – kommt jemand mit?

Bella Donnas

Das Aosta-Tal beginnt in Reichweiler.
Das kleine Örtchen an der Grenze zum Saarland kannte ich schon von den beiden Starts beim K-UT, aber ich bin noch nicht über die erste Kurve nach dem Ortseingang hinaus gekommen. Dieses Mal ging es aber durch das Örtchen bis zum Ende. Und dort, wo Reichweiler aufhört, da fängt Eric Tuerlings Reich an.
Ein sensationell schönes Haus mit einem unverbaubaren tollen Blick über die Hügel, so weit das Auge reicht. Ich muss sagen: ich war beeindruckt.

Uwe Herrmann und ich trafen uns also am Donnerstagabend vor zwei Wochen bei Eric, um uns von ihm rund 800 Kilometer weit bis nach Italien chauffieren zu lassen. Unser Ziel war die Stadt Donnas im Aosta-Tal, weil dort die vierte von sieben Etappen des Tor des Géants (TdG) beginnt.

Eric ist von uns Dreien der Planer. Er hat nahezu alle Erlebnisberichte über den TdG 2010 im Internet gelesen und wenn diese in einer fremden Sprache verfasst wurden, dann wurde Tante Google mit ihrem Übersetzungsprogramm zu Hilfe gebeten. Eric kennt jeden Berg, jede Etappenstadt und er hat schon einen detaillierten Zeitplan erarbeitet, der uns drei in 149 Stunden 59 Minuten und 59 Sekunden über die 330 Kilometerstrecke führt.
“Auf der vierten Etappe sind die meisten Läufer ausgestiegen, die vierte Etappe ist diejenige, die die Psyche der Läufer am meisten belastet hat und sie bietet mit 5.200 Höhenmetern im Aufstieg und 4.200 Höhenmetern im Abstieg mehr als ein Fünftel der Gesamt-Höhenmeter” sagte Eric. Einige Gründe, die Besichtigung der Strecke in “bella” Donnas zu beginnen.

Wir starteten am Freitagmorgen etwas später als geplant und fuhren Richtung Lausanne, Martigny und dann durch den Tunnel des St. Bernhard Massivs. Mit jedem Kilometer wurde es wärmer und wärmer. Während in Deutschland ein kühles regnerisches Wetter herrschte, hatten wir dort immerhin 28 Grad auf dem Thermometer.
Nach dem netten Besuch im Fremdenverkehrsbüro von Donnas, dem Umziehen und dem Packen der Rucksäcke war es schon 16.30 Uhr bis wir starten konnten, also entschieden wir uns, nur bis zu dem Örtchen Marine zu laufen und dort zu übernachten. Ein einziger Berg mit 400 Höhenmetern und nur wenige Laufkilometer waren bis dorthin zu bewältigen.

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Nach dem abendlichen “Schwarzbrotfest” ging es am nächsten Morgen um 6.30 Uhr wirklich los, erst runter und dann lange bergauf, hoch zum “Rifugio Coda” auf 2.242 Metern.
Dort kamen wir gut gelaunt und hungrig an und der “Athletenrabatt”, der uns angeboten wurde, erhellte unsere Stimmung weiter. All das nur, weil wir den TdG laufen wollen …
Vom TdG 2010 hingen Fotos und Plakate an der Hüttenwand und viele Augen schätzten uns ein und packten uns in irgendeine Schublade. Ob wir in die Schublade “Finisher” gepackt wurden oder in die Schublade “Nee, die Jungs auf keinen Fall …” weiß ich nicht, ich bin aber sicher, dass wir noch einiges dafür tun müssen, alle in die Schublade “Finisher” zu gelangen.

Danach ging es wieder steil bergab, herunter zum Lago Vargno, zu dem Stausee, an den wir Drei noch oft denken werden. Nicht weil Uwe, unser Frontläufer, kurz davor gestürzt ist und sich dort auch gleich verlaufen hat, sondern weil wir uns dort unfreiwillig getrennt haben.
Eric und ich wunderten uns zuerst, warum Uwe nicht auf uns warten wollte und so gingen wir, uns als Nachhut wähnend, unseres Wegs über die provisoirische Staumauer, nach links, gleich nach rechts hoch Richtung Col Marmontana herauf und nach einigen Minuten steilen Anstiegs kam rechter Hand ein Haus und dort kläffte ein aufgeregter und wenig nett dreinblickender Hund, der uns, weil er die Sicht auf ein Schild auf einen anderen Weg versperrte, uns unfreiwillig richtig führte.
Uwe, der durch den Sturz und das Verlaufen hinter uns war, hat sich jedoch dort mit dem Hund angefreundet und der hat ihm, zum Dank gewissermaßen, den Blick auf das andere Schild Richtung Col Marmontana herauf erlaubt. Die Folge war ein Verwirrspiel, wie ich es selten erlebt habe.

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Beide Wege hätten ja auf den Col Marmontana geführt, aber mein Vorschlag, dass wir uns dort oben treffen, blieb unbeachtet.
Also warteten wir erst rund 90 Minuten auf Uwe, der irgendwie versucht hat, zu uns zu kommen. Aber mach’ das mal, wenn Du nicht weißt, ob Du rechts oder links des richtigen Weges bist!
Manche unserer Telefonate grenzten an debile Seniorengespräche. Ob da Bäume bei uns seien, ob da ein See war, ob es dort eine Geröllwüste gab … alles Fragen, die man an fast jedem Punkt der Strecke alle mit “ja” beantworten könnte.
Dann gingen wir doch einige Hundert Höhenmeter nach oben, allerdings auch das ohne Erfolg und nach weiteren 60 Minuten haben sich meine beiden Mitstreiter dann auf meinen Vorschlag eingelassen, dass wir uns alle zum letzten gemeinsamen Punkt, also zum Lago Vargno zurückbewegen sollten.
So fanden wir uns also wieder, eine kleine Ewigkeit allerdings war bis dahin vergangen.

Auf den Col Marmontana herauf war es einigermaßen annehmbar, aber die Suchaktion nach einander hatte Spuren hinterlassen in unserer Psyche und so sank die Stimmung mit der Sonne ein wenig ab.


Noch einmal runter und rauf, was schwer und bedrückend war und dann sollte es “schnell” runter gehen zu einem Refugio, um noch etwas zu essen. Es war mittlerweile schon recht spät und die Hütten bieten nicht allzu lange noch ein Nachtessen an. Bald war klar, dass wir bis zum nächsten Ort nach Niel herunter müssen in der vagen Hoffnung, dass dort noch ein Restaurant geöffnet sein würde.
“Italiener essen spät,” dachten wir, aber wir kamen rund eine Stunde später in Niel an wie erhofft.
Die Getränkeflaschen waren bei allen leer und die Essensvorräte gegessen. Es war also der ideale Zeitpunkt, an dem Eric einfiel, dass da doch noch vor dem Etappenende in Gressoney ein Berg, der Col di Lazoney, zu bewältigen sei!
900 Höhenmeter bis zum Gipfel auf 2.387 Metern über N.N. ohne Wasser und Nahrung sind ja ein Kinderspiel!
Ich war jetzt richtig sauer, weil wir Niel vollkommen tot vorfanden, die Bürgersteige waren schon lange hochgeklappt, alles war sauber und schön, aber eben menschenleer, eben richtig tot.

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Uwe suchte im Dorf eine Wasserstelle, natürlich erfolglos. Ich wiederum sah ein Haus, vor dem ein Schild “aperto” hing. Es war kein Restaurant und es war auch kein Hotel. Ich dachte: “Schau da doch mal rein, vielleicht gibt es wenigstens einen Wasserhahn dort, den wir anzapfen können.”
Ohne Nahrung laufen geht ja, ohne Wasser laufen geht aber gar nicht.

Die Türe war nicht abgeschlossen und ich ging ins Haus. Die ersten Zimmer waren allesamt zugeschlossen, kein Toilettchen war zu sehen. Aber es war etwas zu hören. Von ganz oben kamen Geräusche und so ging ich vorsichtig hinauf.
Eine Handvoll Menschen kam mir im Treppenhaus entgegen und oben fand ich einen wunderschöner Raum vor, in dem ein Mann Nudeln mit grünem Pesto aß. Eine hübsche Frau stand in angemessener Entfernung neben ihm und ich frage sie: “Is this a restaurant?”
Die Dame bejahte das. Und sie bejahte auch meine Frage, ob wir dort noch etwas zu essen bekommen würden. Ich erzählte ihr von uns drei Unglücklichen, die auf der Suche nach dem Glück den TdG laufen würden und dass wir unglaublich hungrig seien.

Die Küche wollte gerade schon sauber machen und schließen, ließ sich aber auf drei Portionen vegetarische Pesto-Lasagne ein. Die war wirklich lecker. Noch leckerer aber waren die beiden Bierchen, die sich Eric genehmigte. Uwe und ich gönnten uns zwei Coca-Cola und ich mir noch ein Red Bull – Döschen.
Wir waren im Himmel – und der Himmel war zweifellos italienisch!

Die Dame erzählte uns, dass viele diese vierte Etappe als Test auswählen würden und dann, bei ihr angekommen, erklären würden, dass sie den TdG auf keinen Fall laufen würden. Wenn ich vor dem Essen und vor der Cola ähnliche Gedanken gehabt haben sollte, dann waren diese durch diese Aussage wie weggewischt.
Beim TdG wird dann sogar ein Verpflegungspunkt direkt unten am Hauseingang sein.

Es war aber auch noch ein Riesen-Schokokuchen übrig, den wir uns zu dritt einverleibt haben. Und der war so lecker!

Wir füllten noch unsere Getränkeflaschen auf und setzten den Weg fort, hoch auf den Col di Lazoney. Ob es die verbesserte Laune, das Essen oder die Gedanken an dies nette Italienerin war: so leicht sind mir 900 Höhenmeter nach oben noch nie gefallen.
Es könnte aber auch an dem Umstand gelegen haben, dass der Weg lange richtig gut gepflastert war.

Abwärts ging es dann sehr flach und lange, immer weiter Richtung Gressoney. Uns war schon klar, dass wir zu einer “unchristlichen” Zeit dort ankommen würden, also liefen wir relativ langsam und gemütlich die Wiesen und Wege herab ins Tal, dorthin, wo beim TdG dann eine “Base Vita” sein wird.
Bei uns aber gab es all das nicht, nur die Notwendigkeit, 90 Minuten auf den ersten Bus nach Donnas zu warten. Wir waren müde, kaputt und verdreckt. Wir rochen wie ein Moschus-Ochse am Hinterteil und wir wussten nicht, ob wir uns freuen sollten oder ob wir uns ob der vielen Laufstunden Sorgen für den TdG machen sollten. Ein wenig schneller sollten wir im September dann doch sein.

Wir waren dann alleine im Bus, so störte sich niemand an unserem Geruch und das erste, was wir nach der Ankunft am Auto taten war, uns ein italienisches Frühstück zu gönnen.
Auf der Rückfahrt nahmen wir den Weg über den Pass des Großen St. Bernhard, den Tunnel wollten wir vermeiden und wir waren froh, diesen Pass wieder zu sehen, den Pass, der Teil vieler Läufe ist. Ob es der Lauf Verbier / St. Bernard ist oder der PTL, immer wieder kommst Du auf diesen Berg. An die Gedanken an diese Läufe wollten wir alle uns erinnern.

Und an dieses wunderschöne “Männer-Laufwochenende” werden wir uns auch noch lange erinnern. Es wird uns dann auch helfen auf unserem langen Weg von Courmayeur wieder nach Courmayeur.

Man könnte fast meinen, dass es im September einfach ein verkürzter “CCC” wird, ein “CC” eben.
Und der kann einfach nicht wirklich schwer sein.

Feels Like Home To Me …

Wenn man so etwas vorhat wie den Tor des Géants (TdG) zu laufen, dann ist es hilfreich, die Strecke des Laufs zumindest teilweise vorab zu erkunden. Eric Tuerlings hat die meisten deutschen Läufer dazu eingeladen, Uwe Herrmann und ich sind diesem Ruf gefolgt.

Wir haben uns die vierte von sieben Etappen zum Probelaufen ausgesucht, gerne noch garniert mit einer anderen Etappe – oder zumindest mit einem Teil davon. „Die vierte Etappe,“ sagte Eric „ist die schwerste von allen. Hier sind die meisten Läufer ausgestiegen, 5.200 von 24.000 Höhenmetern gibt es auf dieser Etappe und auch die Organisatoren warnen vor der Schwierigkeit dieser Etappe.“
2010 hat der schnellste Finisher diese Etappe in gut 13 Stunden bewältigt, der langsamste Finisher hat dafür 29 Stunden gebraucht.
Knapp über 50 Kilometer in einer so langen Zeit? Gut, wir sind nicht beim Stadtmarathon, aber vier Stundenkilometer sollten im Schnitt immer drin sein, mit Essenspausen sollten 16 Stunden also ausreichen, dachten wir. Wir irrten uns gewaltig, soviel sei vorab verraten.

Die Strecke war nicht wirklich sensationell. Es fehlten die grandiosen Ausblicke auf Gebäude oder Landschaften, es war nicht der UTMB mit dem Blick auf den „weißen Riesen“, nicht der Grand Canyon oder der Zion National Park.
Aber es war eine ehrliche und typische Berglandschaft, wie ich sie vielfach als Kind bei den Wanderungen mit meinen Eltern und meinen Geschwistern erlebt habe.

Als Kind und als Jugendlicher habe ich die Wanderungen mit meinen Eltern nie wirklich geliebt. Meine Eltern waren stets zu schnell für uns Kinder, zudem war der Spaßfaktor stets extrem gering. Also blieben mir nur sehr wenige Highlights in den Alpen in Erinnerung, dazu gehörten auch die Drei Zinnen bei Sexten. Erst Jahre später habe ich dann die  Drei Zinnen am Abschlusstag des TransAlpineRun 2008 erneut erlebt und die Erinnerungen waren auch sofort wieder da. Meine Eltern jedoch hat das alles leider nur wenig interessiert.

Genau wie damals war es auch an diesem Wochenende. Die wenig spektakulären, aber vertrauten Bergwelten weckten in mir sofort Erinnerungen an damals und sofort fühlte ich so etwas wie ein „zuhause sein“ in den Alpen.
Ich kann gar nicht wirklich erklären, was es genau war, das mich zu dem Gefühl brachte, “zuhause” angekommen zu sein, aber gerade die italienischen Dolomiten mit ihrer Schroffheit und mit durch aufgeschichtete große Steinplatten begehbar gemachten Wege sind mir ja so vertraut.

Auch die enorme Freundlichkeit der Italiener gab mir das Gefühl „zuhause“ zu sein.
Das begann schon mit der netten Dame im Fremdenverkehrsbüro in Donnas. Wir brauchten eine Unterkunft für die Nacht und sie organisierte die Anmietung einer kleinen Wohnung in einem der Nachbardörfer.
Und wir stellen ihr Frage auf Frage und anstatt verärgert zu reagieren, beantwortete sie diese alle mit einem „Ja“, egal, womit wir auch ankamen.
Wahrscheinlich hätte sie auch weiter gehende Fragen mit einem freundlichen „Ja“ beantwortet, aber wir waren zufrieden und froh, dass jeder von uns nebenbei ein Magazin mit den Höhenwegen des Aostatals erhalten hat. Dieses Magazin ist sehr nützlich für die Detailplanungen für den TdG, finde ich.
Sie rief auch bei den Vermietern an, kündigte uns als Zu-Fuß-Ankommer an und sie wusste natürlich auch alles über den TdG.


Unsere Vermieterin im hübschen Örtchen Marine mit ihrer erwachsenen Tochter war sehr stolz, TdG –Läufer im Haus zu haben.
Natürlich wusste auch sie alles über den TdG
.
Für unser Frühstück schenkte sie uns drei saftige und leckere Birnen und sie verwies uns auf das just an diesem Freitag stattfindende „Schwarzbrotfest“, das eigentlich eher ein „Fleischfest“ war.
Natürlich gingen wir dort hin, setzten uns an einen Tisch, der noch freie Plätze hatte. Wir aßen, Eric und Uwe zuerst Speck auf Schwarzbrot, danach wir alle einen überbackenen Ziegenkäse auf Toast, anschließend einen Salat und zuletzt einen prall gefüllten Fleischteller mit so vielen Fleischsorten, dass dem geneigten Fleischesser keine Wünsche mehr offen blieben.

Und auch ich als Vegetarier wurde versorgt. Ich erhielt einen Käseteller, der so übervoll war, dass es unmöglich war, ihn am Abend komplett zu leeren, also blieb noch etwas für das Frühstück am nächsten Morgen übrig.
Als Schüler habe ich einige Jahre lang Käse auf dem Wochenmarkt verkauft, ich kenne mich mit Käse also einigermaßen aus. Und das, was mir an diesem Abend geboten wurde war wirklich sehr ordentlich, richtig lecker.

Wir saßen neben zwei älteren Paaren, wobei der eine Herr nicht nur früher ein richtig guter Marathonläufer war, sondern auch beim TdG 2010 geholfen hatte. Alle vier wussten natürlich alles über den TdG und eine der Damen hatte auch eine eigene Meinung dazu. Sie schaute uns mitleidig an und klopfte sich mit dem Zeigefinger an die Schläfe. Aber sie war auch diejenige gewesen, die dafür gesorgt hat, dass ich meinen tollen Käseteller bekommen habe.
Was in Deutschland wohl ein Zeichen für “Ihr spinnt doch … ” ist, bedeutet im Aosta-Tal ganz sicher etwas wie “Wahnsinn, dass Ihr Euch das zutraut. Wir werden Euch unterstützen, wo wir können!”

Am nächsten Tag, beim Lauf, erreichten wir gegen Mittag hungrig die erste Hütte, ein Refugio. Dort haben wir nicht nur viele Menschen getroffen, die uns nach dem TdG befragt haben, natürlich wussten auch die alles über den TdG.
Wir bekamen von der Hüttenwirtin sogar einen “Athletenrabatt”, ein alter Bergspezialist von der Bergwacht versprach auch, uns, falls notwendig, aus dem Berg zu retten.
In der Hütte hingen das TdG-Plakat vom letzten Jahr, garniert mit vielen Unterschriften und daneben hingen etliche Fotos von TdG-Läufern.
Das ganze Aosta-Tal scheint im TdG-Fieber zu sein. Ist das nicht herrlich?


Am Abend, viel später als geplant, erreichten wir das Örtchen Niel, endlich, gefrustet und mittlerweile ohne Wasservorräte, hungrig und ohne einen Riegelvorrat. Direkt nach Niel beginnt ein 900 HM Aufstieg, den man nicht mit leerem Magen angehen sollte. Aber was tust Du, wenn es schon 22.30 Uhr ist und eigentlich alles schon geschlossen hat?
Uwe suchte nach dem Dorfbrunnen, ich schlich mich in ein Haus, das weder ein Restaurant war noch ein Hotel, es schien mir eher eine Art “Zimmervermietung mit Verköstigung” zu sein.
Die Türe war offen und ich hoffte, zumindest frisches Wasser für uns zu bekommen.

Immer halbstöckig waren Zimmertüren, von denen die ersten vier Türen aber alle geschlossen waren. Dann aber kamen mir Menschen entgegen und ich hörte Stimmen von ganz oben. Ich ging weiter und fand einen wunderschönen Raum vor, wo ein Mann vor einer Schale Nudeln mit Pesto saß und mit der Dame des Hauses redete.
Ich fragte ganz lieb, ob das hier ein Restaurant sei und erzählte, dass wir drei hungrig und durstig seien.
“Ihr seid hier wegen dem TdG?” fragte die Dame des Hauses und ich bejahte das. Auch sie wusste natürlich alles über den TdG und sagte, dass die Küche schon etwas für uns zaubern könnte.
Wir waren so glücklich und meine Sorgenfalten auf der Stirn verschwanden. Wir waren „zuhause“, das Gefühl war riesig und wärmte uns sehr.
Wir bekamen eine vegetarische Lasagne mit Pesto, viele Hinweise über den TdG, unter anderem den, dass viele Läufer wie wir die vierte Etappe auswählen würden, um dann zu resignieren und zu erklären, nicht starten zu wollen.
Ganz ehrlich, auch ich hatte phasenweise ähnliche Überlegungen, nach dieser Information aber ging es mir wieder viel, viel besser.
Wir hinterließen unsere Namen, damit die Dame des Hauses nachsehen kann, wie es uns dann ergehen wird und sie verriet uns, dass dann beim Event direkt vor ihrem Haus ein Versorgungspunkt sein wird.

Am Ende fragte sie noch, ob wir einen “gateaux” haben wollten und wir drei schauten uns dekadent an, grinsten und nickten zufrieden.
Es gab für jeden ein unglaublich großes Stück Schokoladenkuchen, das wir dann, wider besseres Wissen, komplett verschlangen.
Am liebsten hätte ich die Dame “Mama” genannt, ich fühlte mich wohl, wie früher als Kind, wenn es eine Belohnung gab.

Kurzum, ich bin ja einer, der immer “das Gefühl” braucht und all das gab es im Aosta-Tal zu Hauf.
2010 haben 1.200 Helfer dafür Sorge getragen, dass die Läufer bestmöglich versorgt wurden, dieses Jahr werden es nicht weniger sein.
Eric, Uwe und ich werden dann im September „zuhause“ sein, uns „zuhause“ fühlen.


Bella Italia, danke an alle, die so lieb zu uns waren.
Die Strecke selbst aber war extrem hart, aber dazu beim nächsten Mal …

514 Mal “DANKE”: was bisher geschah …

Vor einer Woche, genauer am 18. Februar, habe ich den Blog-Beitrag über meinen Lauf von Nürnberg nach Nürburg geschrieben. Und ich habe nach Hilfe gefragt, weil es viel leichter ist, so ein Vorhaben mit guten Freunden im Rücken zu stemmen.

Viele haben sich spontan beteiligt, ich will nur einige Beispiele davon nennen, die stellvertretend stehen für alle, die mich angerufen, angemailt, angetwittert oder sonstwie unterstützt haben.

So hat “Monsterliesel” Eva dazu aufgerufen, den Platz auf der Couch freizumachen und hat einen entsprechenden Tweet an ihre Follower auf Twitter und Facebook geschickt. Achim Knacksterdt hat mir eine Schlafgelegenheit mit heißer Dusche und heißem Tee angeboten, Jeffrey Norris hat sich lange mit mir über diesen Lauf ausgetauscht und mir hilfreiche Tipps gegeben, zudem hat er mich eingeladen, wieder in Brugg/CH mit ihm zu laufen und auch wieder den Sprecher der Veranstaltung zu machen.
Torsten Riemer versucht, seinen Dienst so zu tauschen, dass er mich am ersten und vielleicht sogar am zweiten Tag mit dem Auto supporten kann, sensationell, ein herzlichstes “Danke schön”!

Die große Marke SKINS hat auch spontan per Tweet geholfen und auf diesen Lauf hingewiesen und sie haben mir ihren Facebook-Account als Darstellungsfläche angeboten.
Gerne werde ich das im März nutzen.

Unzählige “Gefällt mir” – Buttons wurden gedrückt und vielleicht wird auch Niels Grimpe-Luhmann beim Lauf vertreten sein. Und wenn, dann definitiv im Röckchen. Ob ich dann einen indonesischen Sarong tragen sollte?

Eine ganz besondere Freude allerdings machte mir Udo Schick aus Fürth bei Nürnberg. Udo Schick ist bei vielen regionalen Läufern Werbeläufer im Kilt für World Vision, er ist in vielen sozialen Bereichen engagiert, so bei Greenpeace, Verdi, Vier Pfoten/Europäisches Tierhilfswerk und eben auch World Vision, er und seine Familie haben seit 2005 ein Patenkind in Kenia.
Udo ist Organspender, Mitglied in der DMKS und Fan vom Laufclub 21/Down-Syndrom Marathonstaffel e.V. und …

… er wird mit mir in Nürnberg an den Start gehen und mich einen Tag lang begleiten!


Darauf freue ich mich und darauf bin ich stolz.

Und wenn Niels noch im Röckchen dazu kommt, wenn Udo im Kilt und ich im indonesischen Sarong laufen würden, dann wäre eine Horde “vollkommen durchgeknallter Läufer” beisammen.

Eigentlich fehlst dann nur noch …. DU !

Warum ich 514,36 Kilometer laufen werde …

Am Anfang war die Idee

“Nach etlichen Jahren in Weeze wechselt der StrongManRun seinen Veranstaltungsort und geht nach Nürnberg!”

So stand es in einer Pressemitteilung, die ich irgendwie über Twitter bekommen habe. Nürnberg? In meine Geburtsstadt? Wohin denn da genau, fragte ich mich und las weiter, dass der Nürburgring ein ideales Gelände für den 2011er StrongManRun sein würde.
Der Nürburgring bei Nürnberg?

Schon zwei Tage später tickerte die Meldung ein, dass es sich in der besagten Pressemitteilung um einen Tippfehler gehandelt hätte, gemeint war natürlich das Eifel-Städtchen Nürburg am Nürburgring. OK, dachte ich, so klingt das logisch. Nürburg ist von uns aus nur rund 30 Kilometer entfernt, ein Städtchen direkt vor meiner Haustüre also.

Mich lies der Gedanke, der mir dann kam, nicht mehr los: beide Städte haben etwas mit meinem Leben zu tun, der StrongManRun hat mich als Lauf schon immer fasziniert, ich kenne die Macher hinter dem Lauf. “Alles Dinge, die mit Dir zu tun haben,” dachte ich weiter und dann beschloss ich, diese Dinge miteinander zu verbinden.
Die Idee war geboren.


Der Weg zum Ziel

“Trailschnittchen” Julia Böttger hat es mit ihrem “Weg nach Chamonix” vorgemacht, bei meinem Lauf durch die Nacht nach Ratingen (“Ein 5.000 Meter-Lauf mit reichlich Anlauf”) bin ich schon einmal zu einem Event lange und weit hingelaufen.
Und jetzt mache ich das als Lauf zum StrongManRun 2011. Ich bin begeistert!

Und ich wurde hektisch. Die Idee musste vorgestellt werden, die Laufroute musste geplant werden. 514,36 Kilometer werden es sein, mehr als ich dachte. Zumindest sagt das map24.de mit der Option “Fußgänger”. Vielleicht werden es sogar noch einige Kilometer mehr, wer weiß das schon.
5 Tage habe ich dafür eingeplant, aber einen Puffertag am Ende gönne ich mir auch noch.

Bei Zurückrechnen der Tage stellt sich heraus, dass der Starttag der Montag, der 11. April sein wird.
Montag, der 11. April 2011?

Da war doch was …, dachte ich und dachte an die Afrika-Rundreise, die nicht anzutreten aus verschiedenen Gründen die erste Familien-Entscheidung in 2011 gewesen war.
An jenem 11. April wollte ich eigentlich in Tansania am N’gorongoro Krater sein, um am Abend meinen, nein unseren  … ja genau … 25. Hochzeitstag zu feiern.
Auch dieses Datum hat mit meinem Leben zu tun. Manche mögen darüber spekulieren, ob das herzlos ist, ich finde aber, dass es ein hervorragendes Datum ist, um so einen Lauf zu beginnen.

Am Freitag Abend will ich dann in Nürburg sein und bis dahin jeden Tag durchschnittlich 103 Kilometer weit gelaufen sein. Und dann gibt es einen Tag lang Entspannung und Massagen.
Oder ich muss “nachsitzen”, falls ich die Strecke innerhalb der geplanten Zeit nicht schaffen sollte.
Also besser pünktlich sein und sich nett verwöhnen lassen.
Und am Sonntag danach noch die 18 Kilometer des StrongManRuns ablaufen, ganz entspannt, ohne jeglichen Zeitdruck.
Einfach den Lauf genießen.

Die Umsetzung

Eine Weile habe ich daran gedacht, diesen Lauf sogar mit dem blinden Weltrekordler Jeffrey Norris zu machen, aber er hat nach zwei Telefonaten leider abgesagt, weil der zeitliche Abstand zu seinem nächsten Event zu gering ist. Schade, immerhin hätten wir uns dann mit dem Wohnmobil begleiten lassen können.
So aber bleiben noch viele Fragen offen.

Da ist zum Beispiel die Frage, wo ich nächtigen werde. Eine Frage, die fast automatisch zur Einschätzung der Wetterverhältnisse an diesen Tagen führt. Ich überlege hier, eventuell mit einem Single-Bivy unterwegs zu sein, aber der notwendige Schlafsack, das Bivy und die Isomatte erzeugen ein zusätzliches Gewicht, das ich eigentlich nicht tragen will.
Oder ich versuche, in Pensionen unterzukommen. Das macht manches gemütlicher, aber es hat auch Nachteile.
Wenn ich die Nächtigungen vorbuche, dann muss ich mich definitiv und verbindlich auf bestimmte Etappenlängen einstellen. Mit Grausen erinnere ich mich noch an den unglaublichen Regen, in den Hauke König, Susanne Alexi und ich beim Lauf auf dem Elberadweg von Dresden nach Hamburg gekommen sind.
Und wenn Du dann noch 30 Kilometer bis zu Deiner Herberge laufen musst, dann verflucht man schon mal den Wettergott, Frau Holle und die Kachelmänner dieser Welt, einzeln oder auch alle zusammen.
Wenn ich aber nicht vorbuche, dann muss ich vielleicht gegen oder nach Mitternacht irgendwo klingeln. Ob honorige Pensionswirtinnen einem nassgeschwitzten Läufer mitten in der Nacht aber wirklich noch ein Zimmerchen anbieten?
Immerhin sehe ich weder so gut aus wie George Clooney noch bin ich so gewinnend wie Thomas Gottschalk.
Wie man es dreht und wendet: mit einem Wohnmobil an der Seite wäre vieles einfacher.
Das aber geht nicht, also weg mit diesem Gedanken.

Weiterhin ist da auch die Frage, wie ich an Wechselwäsche und Wechselschuhe komme und wo ich ausgewechselte Wäsche und Schuhe deponieren kann. Natürlich denke ich da sofort an die vielen Läufer, Blogger, Twitterer und Förderer, die an meiner Laufstrecke wohnen. Vielleicht hilft es, hier fündig zu werden, wenn Du diesen Artikel tweetest?

Auch will ich ja fotografieren, twittern und bloggen während der Veranstaltung.
Zeit dafür habe ich aber eigentlich nicht, immerhin habe ich rund 17 Stunden pro Tag zu laufen.
Und ich will die Fotos auch irgendwie Euch zur Verfügung stellen. Der Transport der Fotos ins Internet wird aber nicht in einer Plastiktüte stattfinden können und auch Upload-Zeit ist Zeit, die mir fehlen würde.
Ein weiterer Grund für Freunde und Unterstützer rund um die Laufstrecke, mir da Arbeit abzunehmen.

Unterstütze mich, wenn Dir die Idee gefällt

52 Tage vor dem Beginn des Events bitte ich Dich, mir beim Finden von lokalen Unterstützern behilflich zu sein.

Wenn Du bei Deinen Followern und Freunden diese Idee und Bitte erwähnst und das auch andere tun, dann sollten wir alle gemeinsam doch das eine oder andere hierbei erreichen. Die Läufer-, Twitter- und Facebook-Gemeinde ist doch riesig.

Und dann heißt es hoffentlich mal wieder: “TomWingo, you never walk alone!”

Und was ist mit der Startkarte für den wunderschönen Wien-Marathon? Na ja, für diesen Lauf lasse ich die doch gerne ungenutzt …