DLV Challenge, 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst

24 Stunden am Stück laufen? Geht denn das?

Als meine Lauffreundin Sabine Strotkamp, immerhin erfolgreiches Mitglieded der Deutschen Nationalmannschaft, mir gesagt hat, dass ich vom 20. auf den 21. Juni beim DLV-Challenge im 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst antreten sollte, dachte ich mir: das musst Du einfach ausprobieren!

DLV Challenge 2009, OldenburgDLV-Challenge 2009, Delmenhorst, 24-Stunden-Lauf

Aber ganz so einfach war es dann doch nicht. Die DLV Challenge setzt voraus, dass Du Mitglied in einem Laufverband bist, das bin ich schon seit meinen ersten Laufversuchen im Jahr 2004.

Nun brauchst Du noch eine Startpass-Nummer, die über den Verein beim Landesverband des DLV beantragt werden muss. Aber auch das war irgendwann erledigt.

Ich habe mich sofort angemeldet, ohne mir die Ausschreibungen genau anzusehen. Ich habe also nicht bemerkt, dass es dort zwei 24-Stunden-Läufe gibt, einen der „offenen Klasse“ und eben die DLV Challenge. Bei der „offenen Klasse“ wirst Du immer gewertet, egal, wo Du ankommst, bei der DLV Challenge aber gilt für die Wertungsklasse M40 und M45 die Mindestanforderung 150 Kilometer.

150 Kilometer! Noch nie war ich so weit gelaufen. Zwei Mal Biel, zwei Mal 100 Kilometer, das war es. 24 Stunden! Noch nie war ich so lange unterwegs, lediglich die gut 14 Stunden beim „Mt. Everest Treppenmarathon“ in Radebeul standen hier zu Buche. Und so kreisten meine Sorgen der letzten Woche um die Angst, 148 Kilometer zu packen, aber nicht gewertet zu werden.

DLV-Challenge

Schon der Anfang war schwer. Es war eine wirklich überschaubare Anzahl an Mitstreitern und damit diese Menge nicht zu klein würde, wurden die „Nationalläufer“, das A-Kader, gewissermaßen zwangsverpflichtet, hier mitzulaufen. Ein Lauf unter wirklich Großen also – und ich fühlte mich entsprechend klein.
Gabi war dankenswerterweise als Betreuerin mitgefahren und sie durfte sich mit ihren Sachen im DLV-Zelt unterstellen. Das war gut für die Unterhaltung und auch sehr lehrreich.
Gleich zu Anfang wurde ich gefragt, was ich laufen wolle und ich erzählte von meinen Ängsten, die 150 Kilometer – Hürde zu „reißen“. Ein kleines Ziel für die Cracks, ein großes Ziel für die meisten Ultra-Läufer, ein sehr großes Ziel für mich …

Ich begann den Lauf, indem ich immer parallel mit der erfahrenen und auch für die Nationalmannschaft laufenden Sabine Strotkamp lief. Und ich schämte mich. Wir waren letzte – und das bald mit großem Abstand. Sabine aber machte sich nichts daraus und sagte immer wieder: eine 7er Zeit macht am Ende 200 Kilometer, wenn Du das Tempo durchhältst. Und der Trainer winkte uns immer wieder zu, dass wir zu schnell wären.
Schon bald fiel ein Läufer aus – endlich nicht mehr Letzter!
Markant waren drei Läufer mit einem knallorangenen Trikot aus Zetel, die uns permanent überrundeten. Die Cracks, die an uns vorbeizogen, waren auch toll zu beobachten. Sechs Stunden vergingen, zwölf Stunden vergingen. Es geschah ein kleines Wunder für mich: meine Rundenzeiten von exakt 7 Minuten pro 1-Kilometer-Runde blieben konstant. Ich erinnere mich an meine Probleme in Biel. Spätestens bei km 70 wurde ich signifikant langsamer. Nach 12 Stunden hatte ich knapp über 102 Runden geschafft, perfekt.

Die Zahl „100“ ist für mich ein Meilenstein, „von Null auf 100“ heißt eine Unterseite auf http://www.marathonundlaenger.de, ich will in den 100er Marathon Club und es ist eben die längste Strecke, die ich je gelaufen bin.
Es war die Idee des „Mental-Coaches“ Michael, dass Gabi mich jetzt ansprach und sagte, ich solle mir als nächstes Ziel unser „Familienalter“ vornehmen.
Familienalter? OK, ich bin 47, Gabi ist 46, Milena ist 17 und Pascal ist 15, zusammen … 125! Tolle Zahl.

Ein ganz besonders gutes Gefühl war es, eine Runde lang ein Fähnchen zu tragen. „100 km“ stand auf dem ersten, „125 km“ auf dem zweiten. Alle anderen Läufer und die Zuschauer haben Dich da beglückwünscht, einfach herrlich! Immer und immer wieder.

Am nächsten Morgen sah ich die Jungs mit den knallorangenen Shirts wieder. Über Nacht hatten sie andere Trikots angezogen, daher haben sie sich meiner Aufmerksamkeit entzogen. Ich war mittlerweile bei 159 Kilometern angelangt, längst im „sicheren Hafen“, was die Wertung angeht – und die Jungs waren noch in Sorge, an dieser Hürde zu scheitern. Die Strategie, ganz langsam anzulaufen und so konstant wie möglich zu sein, ging auf. Unglaublich, diese Disziplin. Sabine Strotkamp hat es übrigens geschafft, ihre Rundenzeiten bleiben fast konstant. Wir beide hatten 102 Runden nach 12 Stunden, sie hat es dann auf etwas mehr als 200 Runden gebracht, viel konstanter geht es nicht, oder?

Mein finales Ergebnis waren 177,520 Meter, also durfte ich die Fähnchen für 150 Kilometer und für 175 Kilometer auch noch spazieren tragen. Insgesamt wurde ich von 28 männlichen Startern in diesem hochkarätigen Teilnehmerfeld 10., das bedeutete 5. Platz der Wertung M45, sechshundert Meter hinter dem 4. Platz der Wertung M45 und über 15 Kilometer vor dem 6. Platz der Wertung M45. Alle waren mit mir zufrieden – ich selbst sowieso. Nie hätte ich mir vorstellen können, so weit zu kommen!

Und beim nächsten 24-Stunden-Lauf? Na ja, ich glaube, es würde mich sehr motivieren, wenn ich auch mal das 200 Kilometer Fähnchen tragen dürfte …

Der krönende Abschluss des Laufs aber war der durch eine Lasergravur designete Glasblock, den ich für diese Leistung erhalten habe. Er wird dauerhaft einen Ehrenplatz in meiner Galerie haben.

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