Währungs-, Wirtschafts- & Sozialunion – 1.7.`90

Heute etwas, das nur mittelbar etwas mit dem Laufen zu tun hat. Mittelbar? Was denn überhaupt? Nun, ohne die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, die heute vor 19 Jahren eingeführt wurde, könnten wir heute wahrscheinlich die tollen Läufe wie den „Rennsteiglauf“, den „Thüringen Ultra“ oder den „Mt. Everest Treppenmarathon“ in Radebeul nicht machen.

Hier findest Du drei alte DDR-Scheine und Informationen, die ich auf der Webseite der FDJ (http://www.fdj.de/JULI1.html) gefunden habe:


Für diesen Schein musste man fast 2 Std. arbeiten und erhielt dafür etwa:
– 200 Schrippen oder
– 15 Liter Vollmilch oder
– Mittagessen für 2 Personen inkl. Getränke (Preisstufe II) oder
– Porto für 50 Briefe oder
– 20mal Eintritt fürs Freibad oder
– 1 Paar Kinderschuhe oder
– 10 Eintrittskarten für die Fußballoberliga (Stehplatz) oder
– 1 Woche Kinderferienlager „all inclusive“ (max. 30 DM für 3 Wochen Inland)


Für diesen Schein musste man ca. 1 Tag arbeiten und erhielt dafür etwa:
– die Miete für einen Monat für eine Zwei-Raum-Wohnung oder
– 90 Tage Schul-Essen für ein Kind oder
– 25mal Eintritt fürs Hallenbad oder
– Berlin-Leipzig-Berlin mit dem D-Zug und 5 M zurück oder
– 98 kleine Glas Bier (Preisstufe II) oder
– 15-30mal Kino (je nach Platz) oder
– 96 Brote (1 kg) oder
– 4 % eines 2wöchigen Sommerurlaubs in Bulgarien (Jugendtourist)


Für diesen Schein musste man ca. 2 Tage arbeiten und erhielt dafür etwa:
– die Miete für einen Monat für eine Vier-Raum-Wohnung oder
– 2 Hundertstel eines Farbfernsehers oder
– 5 Tage Jugendtouristhotel mit Vollverpflegung oder
– 500 Fahrten mit dem öffentl. Nahverkehr, unbegrenzte Strecke oder
– 0,8 Prozent eines Trabant oder
– 1150 km Fahrt mit dem D-Zug oder
– 104mal Bockwurst mit Brot und Senf oder
– 10-30mal Theater (je nach Platz und Theater) bzw. 5 mal Staatsoper (teuerster Platz)

Die SPD schreibt auf Ihrer Homepage dazu:SPD - Anpacken. Für unser Land. (zur Startseite)

„Die Währungsunion stellt für die meisten DDR-Bürger zunächst den größten Einschnitt dar, da sie nun die Deutsche Mark (DM) in ihren Händen halten, die für sie, wie auch im Ausland, das Symbol für das Wirtschaftswunder und den bundesdeutschen Wohlstand ist.
Der Umtauschkurs wird speziell gestaffelt und variiert je nach Alter und Gegebenheit. So dürfen Bürger ab 60 Jahren bis zu 6.000, Erwachsene bis zu 4.000 und Kinder bis 14 Jahren bis zu 2.000 DDR-Mark zum Kurs von 1:1 umtauschen. Darüber liegende Sparguthaben werden zum Kurs 2:1 gewechselt, Schulden werden ebenfalls halbiert. Löhne, Gehälter, Stipendien, Renten, Mieten und Pachten sowie weitere wiederkehrende Zahlungen werden zum Kurs von 1:1 umgestellt.
Die Wirtschaftsunion legt in der DDR eine Reihe von Bestimmungen fest, wie sie in der Bundesrepublik bereits bestehen. Die soziale Marktwirtschaft ersetzt die Zentralverwaltungswirtschaft.  Die in der DDR bestehenden Volkseigenen Betriebe übernimmt die Treuhandanstalt. Nun besteht die Möglichkeit, durch privates Kapital einen freien Markt zu formen, der sich durch freie Preisbildung und Angebot und Nachfrage selbst regulieren kann. Außerdem übernimmt die DDR gesetzliche Regelungen des bundesdeutschen Arbeits- und Wirtschaftsrechtes. Durch die Anpassungen der DDR-Strukturen an die der Bundesrepublik rücken beide deutschen Staaten immer mehr zusammen.
Die Sozialunion umfasst eine Umstrukturierung der sozialen Gegebenheiten der DDR nach dem Vorbild der Bundesrepublik. Die bestehende Sozialversicherung in der DDR wird zur Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Das Arbeitslosengeld und die Rentenkasse bekommt eine Anschubfinanzierung.
Die DDR-Bürger arbeiten nun nach westdeutschem Arbeitsrecht, was Koalitionsfreiheit, Tarifautonomie sowie Veränderungen an Arbeitskampfrecht (insbesondere Streikrecht) sowie Mitbestimmung und Kündigungsschutz beinhaltet.“

19 Jahre Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, ich finde, heute ist ein ganz besonderer Tag!

Foto: Eine Familie hält vor Freude strahlend und von der Sparkasse kommend mehrere Hundert-Mark-Scheine in die Kamera.

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