Lange 166 Kilometer, steile 9.400 HM Aufstieg und Schmerz verursachende 9.400 HM Abstieg …

UTMB-Ziel

Foto: Klaus Duwe - http://www.marathon4you.de

Ein großes Erlebnis ist vorbei und ich schwebe noch immer auf „Wolke 7“. Ich kann zwar kaum mehr aus dem Stuhl aufstehen und beim Treppen steigen sehe ich aus wie ein alter Mann, aber ich bin stolz und beseelt von dem Gefühl, ein UTMB-Finisher zu sein.

Noch habe ich nicht ausreichend Zeit, den detaillierten Bericht über den UTMB zu schreiben, aber das Wichtigste schon vorab: Ja, ich habe gefinished!
Und ich habe es in einer fantastischen Zeit gepackt, was will ich mehr?

777. von allen 2.300 Startern, 340. meiner Altersklasse, 41:53:22 Stunden bei einem Zeitlimit von 46:00:00 Stunden und das trotz 150 Minuten Schlaf in Trient, einfach ein super Gefühl!

Die Wettervorhersage ..

… für Chamonix-Mont-Blanc und die angrenzenden Gemeinden:

Glück mit dem Wetter scheinen wir ja zu haben, so gut wie kein Niederschlag, erträgliche Tages- und Nachttemperaturen und selbst auf 2.500 Metern Höhe sollten wir mindestens noch 4 Grad in der Nacht haben – was will man mehr?

Freitag, 28.08.2009

wolkig Westwind Niederschlag
14 / 24°C 11 km/h < 0.1 mm
gefühlt wie 15 / 25°C Böen 20 % Risiko

Samstag, 29.08.2009
wolkig Nordwestwind Niederschlag
12 / 22°C 11 km/h < 0.1 mm
gefühlt wie 12 / 23°C Böen 20 % Risiko
Sonntag, 30.08.2009
leicht bewölkt Nordostwind Niederschlag
10 / 22°C 11 km/h < 0.1 mm
gefühlt wie 10 / 23°C Böen 10 % Risiko

Keine 60 Stunden mehr bis zur Abfahrt …

Mit jeder Minute, die der UTMB näher rückt, wird meine Nervosität größer.
Und dabei ist noch so viel zu erledigen bis dahin. Ich muss noch unsere „Mannschafts-T-Shirts“ drucken und den Rucksack packen.
Nichts darf vergessen werden, nicht die beiden Uhren, die GARMIN 305 und die Polar 625X, die ich eigentlich schon längst meinem Sohn Pascal geschenkt habe.
Aber die GARMIN 305 hält maximal 14,5 Stunden durch, dann ist der Akku leer und ich würde blind durch die Zeitkorridore laufen.

Auch den doppelwandigen Alubecher, den ich mir speziell für diesen Lauf noch beim Globetrotter im Kölner Olivandenhof gekauft habe und den Karabinerhaken, an dem ich den Becher festmachen will, darf ich nicht vergessen. Was packe ich sonst noch ein?

Heute habe ich mich zuerst einmal mit dem Profil des Laufs und den Cut-Off Zeiten beschäftigt.
Eigentlich liest sich das ganz angenehm. 19 Minuten Zeit pro Kilometer auf den Steilstücken sollte mehr als ausreichend sein, denke ich. Hoffentlich denke ich das auch noch nach mehr als 40 Stunden Lauf …

Die Cut-Off Zeiten beim UTMB - das sieht machbar aus! Klicken zum Vergrößern!

Und das ist das dazugehörige Profil: 10 Anstiege in unterschiedlichster Ausprägung!

Auf jeden Fall bin ich froh, wenn es vorbei ist – im Guten oder im Schlechten, aber die monatelange Anspannung wird nach dem Wochenende Geschichte sein. Aber bis dahin sind noch viele Entscheidungen zu treffen, viele Kilometer zu laufen und viele Hundert Höhenmeter aufzusteigen.

Noch knapp 60 Studen und wir sitzen im Auto Richtung Chamonix!

23:23 am 23.

Nachdem ich ja gestern den langen Lauf „geschwänzt“ habe, haben meine Frau Gabi, mein Triathlon-Sohn Pascal und ich uns entschlossen, noch am kurzen ABTEI-LAUF in Brauweiler teil zu nehmen.
Die 10 Kilometer Distanz konnten wir nicht laufen, weil Gabi einen Anschlusstermin hatte. Also nur die kurze Distanz von 5 Kilometern. Wie ich die Kurzstrecke hasse!

Pascal Ruppichteroth

Pascal auf der Strecke zur persönlichen Bestzeit (19:02 Min. auf 5.000 Mtr.) in Ruppichteroth 2009 (Archivfoto)

Zwischen den 171 Kilometern des KÖLNPFADS und den 166 Kilometern des UTMB eben mal ein kurzer Lauf, der mir zeigen soll, dass ich einfach nicht mehr schnell sein kann.

Der Lauf begann schon wenig verheißungsvoll. Nicht nur, dass ich das Startband, die GARMIN Uhr, das Singlet, die Brille und die Kappe vergessen habe, ohne die ich wirklich selten unterwegs bin, es war auch mal wieder vor allem eines, nämlich heiß, sehr heiß sogar! Aber im Hinblick auf den MdS muss ich ja froh sein um jeden Lauf in der Hitze, oder?
Und es ging wenig verheißungsvoll weiter. Nach dem Aufwärmen waren die vorderen Startplätze alle belegt, rappelvoll war es da vorne. Glücklicherweise hat Pascal einen Platz an der Sonne erobert, das hat mich sehr gefreut, weil für ihn dieser Lauf naturgemäß wichtiger war als für mich.
Also von hinten starten. „Dann aber wirklich ganz von hinten“, dachte ich mir und tippelte so langsam los, dass noch vor der ersten Startzeitnahme alle anderen vor mir waren.

Das Hauptproblem des Laufs war gleich nach etwa 50 Metern der Knick nach rechts. Und dann folgten enge und volle Wege im Stadtpark. Es staute sich schon in der ersten Kurve und ich musste immer wieder den Körper einsetzen, um ein kleines Stück weiter nach vorne zu kommen. Etliche Ellenbogen hatte ich im Gesicht oder auf der Brust gefühlt, aber ich kam nach vorne, sukzessive, Stück für Stück.
Und ich rief: „Mitte!“ oder „Rechts!“, wenn ich passieren wollte.

Es war ein Lauf über zwei Runden mit jeweils 2.500 Metern. Mitte der ersten Runde wurde die Situation mit den vollen Wegen erträglicher, das Feld zog sich zunehmend auseinander und die zweite Runde war dann fast ohne Behinderungen zu laufen. Aber wegen des holprigen Starts, der verlorenen Zeit am Anfang und der Motivationsprobleme für diesen kleinen Lauf brauchte ich deutlich länger, als ich es erhofft hatte.
Ich wollte unter 21 Minuten bleiben, das war aber nicht drin heute.

Mein Trost ist, dass Pascal, der schon zwei Mal die 5.000 Meter in 19:02 Minuten gelaufen ist auch mehr als eine Minute hinter „seiner“ Zeit geblieben ist. Trostreich war zudem, dass ich immerhin noch einen 40. Platz erlaufen konnte und sogar 3. Sieger der Altersklasse M45 geworden bin, bei insgesamt rund 220 männlichen Teilnehmern ein akzeptables Resultat. Das trägt mich dann am Freitag Abend locker und leicht auf die bescheidenen Anhöhen des MontBlanc.

Lustig fand ich aber dann die Endzeit, auf der bei mir die offizielle Uhr des Veranstalters stehen geblieben ist: 23 Minuten, 23 Sekunden – und das am 23. August!

Abtei-Lauf

Als dann einige Minuten später Gabi eingelaufen kam, da war auch sie mehr als eine Minute hinter ihrem Zeitziel zurück geblieben. Für uns drei war es also der Tag der verlorenen 75 Sekunden, 15 Sekunden pro Kilometer, ganz schon viel!

Pascal erreichte insgesamt einen hervorragenden 7. Platz von allen, aber ich wei ja längst, dass ich zu ihm den Anschluss längst verloren habe, zumindest auf der Kurzstrecke. Sein Sieg in der Altersklassen-Wertung war ja fast schon erwartet worden. Chapeau, junger Mann, weiter so!

Auch Gabi kann mit ihrem 5. Platz in der AK W45 zufrieden sein, ein schönes Event also für den läuferischen Teil der Familie.

Nummer 73 lebt …

Stell Dir vor es ist der Allgäu Panorama Marathon Ultra Trail und Du gehst nicht hin …

Sonthofen

Dabei wären die 3.000 Höhenmeter, die zu bewältigen wären, bestimmt hilfreich im Hinblick auf den kommenden UTMB. Und mit der Länge von rund 67km ist der Allgäu Panorama Marathon Ultra Trail auch mehr als nur eine Trainingseinheit.
Und der Lauf geht unter anderem durch das „Kleine Walsertal“, eines der Fleckchen Erde, von dem ich als Kind geglaubt habe, dass es einen schöneren Ort auf diesem Planeten geben könne, weil die bunt gefärbten Ahornblätter überall auf den Wegen herumlagen und ich diese Blätter zu lieben lernte.

Und um noch etwas Salz in die offene Wunde zu streuen: es liefen fast alle mit, die mir lieb und teuer waren:

Hans-Peter Gieraths aus Bad Neuenahr, mir dem ich mir noch letzte Woche die Nacht um Köln herum um die Ohren geschlagen habe,
Achim Knacksterdt aus Mainz, meine liebe Begleitung und mein Pacemaker beim SwissJuraMarathon im Juni,
Wilma Vissers, die herzliche Holländerin, die am schweizer Vierwaldstätter See lebt und mit der ich so viel Spaß beim SwissJuraMarathon hatte,
Peter Wiedemann von der LG DUV, dem lieben badischen Freund, den ich immer wieder bei Rolf Mahlburgs Läufen treffe,
Walti Schäfer, der unermüdliche schweizer Bergläufer, der nicht nur durch die Organisation des TransSwiss unsterblich wurde und die vielen anderen, die ich beim Überfliegen der Teilnehmerlisten nicht fand, kurzum: ich fehlte!

Dabei war ich schon lange angemeldet: als Nummer 73 war ich einer der ganz besonders frühen Anmelder.

Sonthofen2
Aber es ging nicht. Wirklich nicht. Nicht nur, dass ich gestern Nacht bis kurz vor Mitternacht noch in Oberhausen arbeiten musste, um auf einem Sommerfest superschöne Tassen und MousePads zu fertigen und ich schon die Nacht hätte durchfahren müssen, um noch pünktlich in Sonthofen anzukommen, auch der Zustand meiner Zehen, vor allem des zweiten Zehs rechts am rechten Fuß machen mir Sorgen. Und ich habe noch immer Wasser in den Beinen und das sollte bis zum UTMB am kommenden Freitag Nachmittag abgeschwollen sein.

Also „bye bye“ kleines Walsertal, „bye bye“ liebe Lauffreunde und „bye bye“ zur Illusion, noch etwas wirklich Großartiges vor dem UTMB erlaufen zu können.
Schade eigentlich, es hätte sehr schön werden können …