PTL: Can you complete our équipe? Unser Weg nach Chamonix …

Das ist doch typisch Mensch: es braucht neun lange Monate bis zur Geburt eines neuen Erdenbürgers, neun Monate, die die Männer in die örtlichen Kneipen treiben, um sich die Sorgen schön zu trinken und neun Monate, die Frauen sukzessive zu Müttern machen. Keine Sorge wird ausgelassen und Woche für Woche wird schon mal ein Teil für das kleine Bündel gekauft.
Man kann ja nie wissen! Und neun Monate vergehen ja so schnell!

Neun Monate von heute an dauert es noch, bis sich Carsten Quell und ich der größten sportlichen Herausforderung stellen, für die wir uns bisher eingeschrieben haben, neun Monate bis zum PTL, bis zum 245 Kilometer langen „La Petit Trotte à Léon“, neun Monate bis zu 21.000 Höhenmetern! Neun Monate sind auch genau die richtige Zeit, um uns zu entscheiden, mit wem wir diesen Lauf als Dreier-Team wagen wollen.
Vor kurzem haben Carsten und ich, die wir das „P“ und das „T“ repräsentieren, noch hier über diesen Blog unser „L“ gesucht. Und direkt danach hat Carsten auf der englischen und der französischen UTMB-Webseite eine Frage gepostet: „Can you complete our équipe?“ Und ich habe bei Steppi im Steppenhahn ganz bescheiden auf deutsch angefragt, wer unser „dritter Mann“ sein will.

9 Monate - unser Weg nach Chamonix!


Gerechnet haben wir mit nichts, mit niemandem.
Wer wird denn so verrückt sein, sich auf so ein Experiment einzulassen? Jeder Arzt, der seine sieben Sinne beieinander hat, wird Dich vor dieser Tour warnen. Noch heute hat mein Freund und Physiotherapeut Roger Steiner zu mir gesagt: „Wer’s braucht … !“ Und wer wird denn die nächsten neun Monate auf so viel Freizeit verzichten, um Tag für Tag, um Kilometer für Kilometer Training abzuleisten, nur um sich Ende August mal wieder so richtig quälen zu können?

Aber ich bin dem lieben Gott dankbar, dass er Carsten und mir gezeigt hat, dass wir uns irren können. Und zwar gewaltig. Zwei meiner engsten Lauffreunde haben sich genauso gemeldet wie ein Feuerwehrmann aus der „verbotenen Stadt“ und auch ein erfahrener Ultralauf-Veteran aus England hat sich ins Gespräch gebracht. Das hat uns sofort in Zugzwang gebracht, uns Kriterien auszudenken, anhand derer wir die Position „L“ besetzen wollen.

Da Carsten und ich Sicherheitsfanatiker sind, war unser erstes Kriterium klar: es sollte primär jemand sein, der den UTMB gefinished hat. Grundsätzlich wäre das zwar nicht wichtig gewesen, da Carsten und ich beide UTMB-Finisher sind und damit die Mindestqualifikation für das gesamte Dreier-Team erfüllen. Aber uns kann ja schon morgen ein Ziegelstein auf den Kopf fallen oder eine Muskelfaser in der Wade reißen. Und dann müsste ein Ersatz gesucht werden und der müsste dann zwangsweise ein UTMB-Finisher sein.
Wenn „L“ aber auch ein UTMB-Finisher ist, dann reicht ein guter Bergläufer … „Safety first“ also!

Unser zweites Kriterium war, dass wir denjenigen vorziehen wollten, der zumindest die Distanz von 245 Kilometern nonstop erfolgreich gefinished hat. Carsten und mir ist das bislang noch nicht vergönnt gewesen, aber Carsten wagt sich auf beim GUCR („Grand Union Channel Race“) an die gleiche Entferung wie ich, wo ich die Leiden der TTdR „TorTOUR de Ruhr“ auf mich nehmen will … „Experience first“ eben!

Das dritte Kriterium war aber auch, dass die Grundgeschwindigkeit von „L in etwa unserer Geschwindigkeit entsprechen sollte. Richtige „Rennkatzen“ würden uns unter Druck setzen, ob wir das wollen oder nicht, immerhin sind wir ja Männer – mit mehr geistigem Ehrgeiz als körperlichen Fähigkeiten. Unter Druck aber würden wir zu schnell anlaufen und somit wäre die ganze Mission gefährdet, also brauchen wir jemanden mit dem Mut zur Langsamkeit … „Slowfox“ als Ziel!

Vor allem Carstens Telefonat mit Robert (Bob) Lovegrove aus dem hochalpinen England hat dazu geführt, dass wir Bob gefragt haben: „Willst Du, Bob Lovegrove, „P“ und „T“ annehmen und zum „L“ werden, in guten wie in schlechten Zeiten, bergauf und bergab, bis die Ziellinie Euch scheidet?“ Und Bob sagte: „Yes!“

Bob hat in allen Punkten unsere Kriterien vollständig erfüllt. Er ist ein UTMB-Finisher des Jahres 2007, er hat schon einen 250 Meilen (ca. 400 km) Nonstop-Lauf erfolgreich hinter sich gebracht und er ist mit einer UTMB-Zeit von 40+ Stunden nur unwesentlich schneller unterwegs gewesen wie Carsten und ich. So passt das zu uns, so passen wir zueinander! Und alle jubelten und freuten sich und wir beschlossen, für unseren Lauf das gute Beispiel lieber Lauffreunde anzunehmen, um etwas wirklich Wichtiges zu tun: um Geld zu sammeln für einen guten Zweck!

Ob es R(ud)olf Mahlburg mit seinem ambitionierten Projekt www.laufend-helfen.de ist, der immense Summen für an der Duchenne-Muskelkrankheit erläuft oder Michael Eßer, der mit www.running-for-kids.de Geld für den Verein Zartbitter e.V. sammelt oder ob es Heinrich Dahmen ist, der mit seiner Webseite www.spendenlauf.de auch für notwendiges Geld für kranke Kinder sorgt, alle sind unsere Vorbilder.
Nur wissen wir noch nicht, für welche Organisation wir Gelder erlaufen sollen, immerhin soll die Organisation in Kanada, in England und in Deutschland eine guten Ruf, eine hohe Bekanntheit und hehre Ziele haben. Aber da gibt es genügend Alternativen und daher haben wir vereinbart, dass wir dieses Thema erst dann endgültig beschließen, wenn wir nach unserer Anmeldung auch vom Organisationsteam in Chamonix angenommen wurden, also werden wir uns in der zweiten Januarhälfte entscheiden, dann, wenn wir gewissermaßen in der „8. Woche“ der Neun-Monats-Prozedur sind.

Dennoch sind meine Gedanken bei denjenigen, die gerne in unserem Team dabei gewesen wären, insbesondere natürlich bei meinen beiden engen Lauffreunden, mit denen ich schon seit Jahren hübsche Strecken läuferisch bewältigt habe. Und ich hoffe, dass hier „aufgeschoben“ nicht „aufgehoben“ ist und dass die drei 2010 sich erst einmal selbst am UTMB beweisen, selbst das Gefühl tanken, was es heißt, so lange zu laufen, zwei aufregende Sonnenaufgänge in den Bergen zu erleben und so lange nicht zu schlafen …,

… um dann 2011 den PTL selbst anzugehen, vielleicht sogar dann mit mir?

Edit: die oberen Zeilen habe ich schon vorgestern geschrieben und alleine heute haben mir zwei weitere Lauffreunde mitgeteilt, dass sie gerne unsere Troika ergänzen würden. Ich werde versuchen, noch ein zweites Team für 2010 zusammen zu stellen, bei dem ich gerne auch dabei wäre. Aber wie heißt es bei Reese Witherspoon’s bezauberndem Film „Sweet Home Alabama“ so schön: „Du kannst mit einem Hintern nicht zwei Pferde reiten!“
So hoffe ich doch, dass ich allen meine lieben Freunden gerecht werden kann, indem ich einfach dupliziere, was gut zu sein scheint!
PTL, wir kommen, hoffentlich gleich mit zwei Teams! Danke Andreas, danke Dirk, danke Florian, danke Martin, danke Peter, jeder von Euch bekommt noch eine direkte persönliche Mail.

Der Bad Arolsener Waldmarathon …

… modern ist was anderes!

Seit dem KiLL50 bin ich keinen „Marathon und länger“ mehr gelaufen. Trainiert habe ich auch viel zu wenig. Und ich merke, wie unausgeglichen ich geworden bin und wie ich dem nächsten langen Lauf entgegen fiebere. Aber die Schmerzen beim Laufen, die ich beim Hachenburg Marathon, beim „schrägen O. Weg“ rund um Oberhausen und nicht zuletzt beim KiLL50 rund um Hildesheim hatte, machen mir noch immer Angst. Angst davor, dass sie wieder kommen und ich mich wieder Kilometer für Kilometer quälen muss. Angst aber auch davor, dass sich so etwas einläuft, was am Ende chronisch wird.

Heinrich Kuhaupt beim Briefing vor dem Start

Zwar hat der Doc Arndt Kirchner aus Köln die Schiefstellung des Beckens weitgehend repariert und ich habe seither auch beim Tennis keine Schmerzen mehr, aber ich traue diesem Frieden, den mir mein Körper angeboten hat, nicht wirklich weit. Am Montag, 15 Uhr, beginnt in Bad Neuenahr-Heppingen bei meinem Freund Roger Steiner meine Physiotherapie. Nach maximal 6 Therapie-Einheiten und eventuell weiteren 6 Wärmetherapie-Einheiten sollte alles wieder sein wie früher. Aber bis dahin bleibt die Angst, bleiben die Sorgen.

Aber das sollte mir egal sein, dachte ich vorgestern Abend und suchte mal nach einem Marathon am Samstag. Den einzigen Marathon, den ich fand, war der Bad Arolser Waldmarathon. Es ist ein legendärer Lauf, mit dem mich verbindet, dass ich dort schon im Vorjahr nach meiner Laufpause nach dem TransAlpineRun 2008 getestet habe, ob ich wieder laufen kann, um sicher zu sein, dass ich mich zum „Unter-Tage-Marathon“ in Sondershausen traue.
Im Vorjahr bin ich nach dem Halbmaratathon ausgestiegen, aber ich wusste, dass ich eine Woche später zumindest finishen kann. Aber mir ist in Erinnerung geblieben, dass ich Bad Arolsen als den „Marathon der alten Männer“ erlebt habe, weil so viele Seniorenläufer des 100MC anwesend waren, als eine Personality-Show des Heinrich Kuhaupt, aber eine Show, die von der überwiegenden Mehrzahl der Läufer geliebt wird. Ich erinnere mich an Schneefall am Tag zuvor und an Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und ich erinnere mich daran, dass ich damals für mich gesagt habe, dass ich diesen Lauf irgendwann einmal finishen muss.

Am gestrigen Freitag Nachmittag entschied ich mich, dass meine Gier zu laufen größer ist als mein Respekt vor den möglichen Schmerzen und ich schaute mir die Homepage des Waldmarathons an. Eine schöne Webseite ist das nicht wirklich, aber sie bietet alle notwendigen Informationen und sie ist werbefrei, immerhin. Aber die Homepage verrät, dass Nachmeldungen am Starttag nicht möglich sind. Für mich gilt so etwas ja nicht, dachte ich, und ich rief die Familie Kuhaupt an, um meinen Start anzukündigen und nach ein paar Minuten der Verhandlung wurde mir gestattet, mich doch noch am Starttag einzuschreiben, weil ich nicht schon am Freitag Abend anreisen will. Bad Arolsen ist nur 150 Autominuten weg, da will ich dort nicht übernachten.

Um 11.00 Uhr am Samstag soll der Start sein, mir wurde aber gesagt, dass ich spätestens um 9.00 Uhr vor Ort sein muss, sonst wäre eine Einschreibung nicht mehr möglich. Ich wies darauf hin, dass meine Daten dort vorhanden wären, es half nichts. Ich bot an, meine Daten eben noch per eMail zu senden, weil ich das Gefühl hatte, dass es keine Läufer-Datenbank gibt. Und ich erfuhr, dass die eMail gar keine gute Idee ist.
Und ich erinnerte mich wieder an das Vorjahr, wo ich ähnliche Probleme hatte. Der „Marathon der alten Männer“ wird nicht nur von alten Männern gelaufen, sondern auch von alten Männern organisiert, schade. Deshalb gibt es auch keine Starterliste, die man online abrufen kann, es gibt nicht die Möglichkeit einer Online-Anmeldung, auch nicht, wenn ich früh genug an diesen Lauf gedacht hätte, es geht technisch schlichtweg nicht und dass es überhaupt eine Webseite gibt, grenzt an ein Wunder.

Auf der Webseite steht: „Meldungen: werden ab sofort angenommen auf beigefügtem Anmeldeformular, können aber auch formlos mit sämtlichen Angaben (Jahrgang!) gemacht werden. Sie haben jedoch nur Gültigkeit bei gleichzeitiger Zahlung der Startgebühr, durch Scheckbeilegung oder bar. Keine Meldebestätigung.“

Einen Scheck der Anmeldung beilegen geht nur, wenn ich die gute alte Post bemühe und einen Umschlag ausfülle. Ist das nicht wirklich mittelalterlich? Wenn Du so etwas tust, dann hoffst Du inständig, dass der der Anmeldung beiliegende Scheck möglichst bald Deinem Konto belastet wird, damit Du weißt, dass Dein Brief angekommen ist. Tagelang denkst Du über die Anmeldung nach anstatt Dich online zu registrieren und sofort eine Bestätigungs eMail zu erhalten … dass es so etwas noch gibt!

Und ich erinnerte mich wieder an das Vorjahr, wo der Veranstalter mir vorgeschlagen hatte, die Startgebühr in bar in einen Umschlag zu stecken und zuzusenden. Ich habe das damals gemacht, aber ich hatte ein wirklich blödes Gefühl und hatte gehofft, dass die Sendung nicht verloren geht, dass sie rechtzeitig ankommt und dass ich auf der Starterliste sein werde. Es ging damals gut, aber dieses Erlebnis unkonventioneller Startgeldzahlung war schon einmalig.

Gut, wenn ich am Samstag um 9.00 Uhr in Bad Arolsen sein muss, dann muss ich um 6.15 Uhr losfahren, also irgendwann zwischen 5.00 Uhr und 5.15 Uhr aufstehen, meine Sachen fertig packen, eine Kleinigkeit essen und alles noch einmal kontrollieren. Ich hasse es, wenn ich etwas vergessen habe. Ein Lauf ohne Startband oder mit einem Laufshirt, das ich nicht wirklich schön finde, geht nicht. Ich denke dann die ganze Zeit an das vergessene Teil und bemerke, was für ein Spießer ich in dieser Beziehung sein kann.

Mein Terminplan am gestrigen Freitag war eng gestrickt. Um 16.30 Uhr hatte ich ein Meeting mit den Tennisspielern einer neuen Tennisgruppe, zu der ich über den Winter für Freitags, 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr eingeladen wurde. Ich kann ja nicht „nein“ sagen, wer mich besser kennt, der weiß das. Also 2 Stunden Tennis Doppel mit alten Männern am Freitag Spätnachmittag, 2 Stunden Tennis Doppel mit der üblichen Tennistruppe am Sonntag Vormittag und eine Stunde Tennis Einzel am Sonntag Abend. Warum tue ich mir so etwas an?
Das Meeting diente dazu, damit wir uns alle mal kennen lernen und das war gut so.
Um 17.00 Uhr begann also das Tennisspiel und am Ende zog ich den Tennisdress aus, um in meine Skinfit Laufsachen zu steigen. Keine Zeit für eine Dusche, es ging gleich rüber nach Ahrweiler, weil um 19.30 Uhr meine freitägliche Spinning-Stunde, die von meinem Freund Rainer Kehrbusch vom TuS Ahrweiler angeboten wird, beginnt. Rainer macht auch den Instructor und das sorgt für reichlich Schweiß rund um mein Trainingsfahrrad. Ich liebe es!

Diese Spinning-Stunde gab mir auch die Möglichkeit, das erste Mal „mein Liebchen“ auszuführen. Erst diese Woche konnte ich die GARMIN 310XT laden, die neue Software auf meinem Rechner installieren und überhaupt mal probieren, wie denn hier alles geht. Und gestern abend schmeichelte sie also meinem Handgelenk. Verliebt war ich ja schon, aber jetzt bin ich erst recht verstrickt in tiefen Gefühlen für meine neue Liebe!

Nach der Spinning-Stunde fuhr ich sofort nach Hause, weil ich mit meiner Frau Gabi vereinbart hatte, dass ich zu Hause dusche und sie in der Zeit ein paar Sachen ins Auto packt, die wir noch einem Mitarbeiter übergeben wollten. Also kurz geduscht und dann sind wir zum Spätabend-Shopping in das Bornheimer porta! – Möbelhaus gefahren, das gestern bis 23.00 Uhr geöffnet war. Gekauft haben wir nichts, aber dennoch war der Shoppingbesuch sehr nett.
Nun noch kurz nach Erftstadt zu einem Mitarbeiter, dort etwas abgegeben und dann nach Hause. Es war fast 1.00 Uhr in der Nacht, als wir zu Hause ankamen und mich beschlichen die Zweifel, ob ich wirklich nach Bad Arolsen fahren sollte. Immerhin habe ich den Wecker im Handy auf 5.15 Uhr gestellt, aber mein Unterbewusstsein hat dafür gesorgt, dass ich das Handy im Wohnzimmer vergessen habe und nicht mit ans Bettchen genommen habe.

Als ich heute um 7.15 Uhr aufgewacht bin, wusste ich, dass Bad Arolsen ohne mich glücklich werden muss. Ich bin nicht sicher, ob ich mich darüber freuen darf oder ob ich mich statt dessen lieber abgrundtief ärgern sollte …

Auf jeden Fall habe ich heute dann deutlich mehr Zeit als geplant, ein langes Trainingsläufchen durch den Wildschwein-Wald bei Altenahr sollte es dann schon sein heute. Aber mein „MuL“ Nummer 84 muss noch eine Woche warten …

Dezember: gleich ein doppeltes Familientreffen in Offenburg!

Gengenbach im Kinzigtal ist ein wunderschönes kleines Städtchen im Badischen. Gengenbach ist nicht deshalb schön, weil Wolfgang Schäuble dort wohnt und auch nicht, weil dort alljährlich ein ganz besonders großer Adventskalender zu bewundern ist, bis vergangenes Jahr gemacht mit Bildern des weltbekannten Künstlers Tomi Ungerer und ab 2009 bis 2011 gestaltet durch den Künstler  Jan Peter Tripp, der den Adventskalender mit bekannten und beliebten Motiven seines Vaters dekoriert, sondern, weil meine Eltern auch dort wohnen.

Der Gengenbacher Adventskalender - immer einen Besuch wert!

Der Adventskalender ist aber wirklich eine Reise wert und wenn Du den Künstler Jan Peter Tripp nicht kennst, dann kennst Du zumindest seinen Vater, Franz Josef Tripp.
Franz Josef Tripp
hat die Bücher von Michael Ende und Otfried Preußler illustriert und das gibt es Charactere, mit denen wir alle aufgewachsen sind:

Jim Knopf
Lukas, der Lokomotivführer
Räuber Hotzenplotz

Das kleine Gespenst

In den Jahren zuvor wurde der Gengenbacher Adventskalender schon von Künstlern wie Otmar Alt, Quint Buchholz, Marc Chagall und Tomi Ungerer gestaltet, ich finde, das ist eine erstaunliche Serie prominenter Künstler, die diesen Adventskalender immer wieder zum Ziel vieler Reisenden machen. Schau selbst mal hin, wenn Du in der Gegend bist!

Also, meine Eltern wohnen dort und weil Gengenbach eher weit ist, bin ich nicht allzu oft im schönen Baden. Aber wenn, dann bin ich auch stets aufs Neue begeistert – und das nicht nur wegen der schönen Laufstrecken dort! Und wenn ich also Mitte Dezember wieder dort sein werde, dann gibt es ein kleines Familientreffen.

Aber dieses Familientreffen wird noch übertroffen von einem Familientreffen der besonderen Güte, einem Familientreffen der Läufer!
Gerne bin ich ja dem Ruf meines lieben Freundes und Lauf-Organisators R(ud)olf Mahlburg gefolgt und laufe zum insgesamt 4. Mal den „Eisweinlauf“ von Offenburg nach Baden-Baden. Ich mache das stets gerne, teilweise aus Dankbarkeit gegenüber Brigitte und Rolf Mahlburg, aber auch, weil ich dort Jahr für Jahr immer wieder neue und interessante Menschen kennenlernen durfte. Und mit manchen davon habe ich dann auch andere große Läufe bestritten und mit einem dieser Läufer werde ich nächstes Jahr in der marokkanischen Wüste starten.

Der „Eisweinlauf“ ist ein Gruppenlauf und so hast Du ausgiebig Zeit, die meisten Läufer dort kennen zu lernen. Und heute habe ich mal auf die Teilnehmerliste gesehen und ich konnte mir ein paar Tränen der Freude nicht verkneifen.
Die Liste ist voll mit Lauffreunden der ganz besonderen Art, Menschen, die mir mehr bedeuten und die gerade in den letzten 1 1/2 Jahren für mich besonders wichtig waren.
Da sind zum Beispiel die „Geschwister Fürcherlich“, Steffi Effelberg und Andrea Falkus, vielleicht die liebsten und interessantesten Schwestern unter den Ultraläufern. Ich habe beide schon Anfang 2008 kennen gelernt und bin in Biel und anderen Orten Ultras mit ihnen gelaufen, aber richtig toll wurde es, als wir zusammen den TransAlpineRun 2008 bestritten haben. Lange Läufe ohne die beiden sind langweilige Läufe!
Und da ist auch mein badischer Freund Peter Wiedemann, den ich meistens bei den badischen Gruppenläufen treffe, der aber unbestritten ein ganz Großer bei den Ultraläufern ist. Er startet für die LG DUV, also der Gruppierung, für die ich bald auch starten will, wenn da nicht auch noch die Entscheidung für die DUV zu treffen wäre – und mit der tue ich mich sehr schwer. Peters Laufliste der Ultramarathons beim DUV ist riesig. Ich bewundere und beneide ihn.
Ich freue mich auch auf Heidi Stöhr aus Freiburg, auch mit ihr habe ich neben dem GONDO EVENT 2008 einige Gruppenläufe gemeinsam bestritten. Ich mag ihre Fröhlichkeit und bewundere, wie sie nach einem glatten Knochenbruch (war es der Wadenknochen?) mit Stahlschrauben im Bein den GONDO EVENT 2008 geschafft hat. Eine unglaubliche Willensleistung. Dieses Jahr war sie beim TransAlpine Run 2009, ein Lauf, den ich nur aus der Ferne beobachten konnte.

Die Liste wäre nicht komplett, wenn ich nicht noch zwei LäuferInnen erwähnen würde, die mich dieses Jahr besonders bewegt haben. Heinrich Dahmen ist einer davon. Der Mitorganisator des Erft Spendenlaufs und seit jeher ein eifriger Spendensammler zu Gunsten kranker Kinder hat mir die Idee vermittelt, bei dem „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ dabei zu sein. Heinrich ist 2008 kontrolliert nach 50 Runden dort ausgestiegen, 2009 aber hat er mit großen körperlichen Problemen zu kämpfen gehabt und hat mühevoll 51 Runden bewältigt. Dafür hat er die volle Zeit gebraucht, ich wünsche ihm, dass es beim nächsten Versuch dann auch wirklich klappt. Heinrich ist als Kerpener fast ein „Nachbar“, so viele Ultraläufer gibt es ja nicht in der Kölner Bucht und er ist immer da, wenn man ihn braucht.
Die andere ist Wilma Vissers. Ich habe schon einmal einen Blogbeitrag über sie geschrieben: „Wilma, der Liebling aller Läufer und Betreuer…“ Wir sind zusammen die 7 Tage und die 350 Kilometer des SwissJuraMarathon (SJM) von Genf nach Basel gelaufen und die in der deutschsprachigen Schweiz lebende Holländerin (oder heißt das „Niederländerin“?) hat uns allen so viel gute Laune gemacht, dass ich es kaum abwarten kann, bis wir uns wieder sehen.

Alles in allem wird das Wochenende um den 12. Dezember herum ein tolles Wochenende. Die Eltern besuchen, einen wunderschönen langen Lauf machen, Freunde treffen und das beim letzten langen Lauf des Jahres – so darf ein tolles Laufjahr 2009 für mich zu Ende gehen.

Schon jetzt sehe ich uns wieder im Dunklen in Baden-Baden, durch den Wald kommend, die Straße bergab laufen. Vor uns im Tal leuchtet die Innenstadt und der hell erleuchtete riesige Weihnachtsmarkt. Wir laufen dort immer an der Seite ein, der Weg ist für uns abgesperrt und wir laufen auf eine Bühne zu, wo wir vom Bürgermeister empfangen werden. Traditionell gibt es da einen Spenden-Scheck von Brigitte und R(ud)olf Mahlburg für die „Aktion Benny & Co.“, für an der Duchenne-Krankheit leidende Kinder. Für uns Läufer gibt es immer einen Weckmann und Glühwein.
Um den abgesperrten Teil herum stehen erwartungsvoll einige Dutzend Menschen und der Bürgermeister begrüßt uns immer warmherzig und weist darauf hin, dass diese Gruppe von Offenburg aus nach Baden-Baden gelaufen ist. Für die meisten Zuschauer eine ungeheuere und kaum vorstellbare Distanz: 65 Kilometer, 1.800 Höhenmeter! Der Applaus der Zuschauer wärmt dann genauso wie der Glühwein.

Später dann, in Bühl, wo die meisten Läufer auch die Nacht davor und die Nacht danach verbringen, trennen sich dann die Wege der Läufer wieder und ich werde mit ein paar Tränen in den Augen wieder nach Gengenbach zu meinen Eltern fahren, auch, um in der Gengenbacher Altstadt den Adventskalender zu bewundern und dort noch mit meiner Familie und meinen Eltern ein Restaurant zu besuchen.

So schön kann die Adventszeit sein!

Ich bin neu verliebt – das ist meine Neue …

Auf der Marathonmesse des Kopenhagen Marathons habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Ich bin nicht sicher, ob ich sofort verliebt war, zumindest war ich aber sehr interessiert.
Sie war einfach schön und sagte zu mir: „Nimm mich an die Hand!“ Und ich schmolz dahin …

Richtig verliebt war ich dann aber, als ich sie das erste Mal angefasst hatte. Ich merkte sofort, dass das mehr ist als nur eine momentane Euphorie. Ich fühlte die Schmetterlinge im Bauch und dachte: „Die musst Du haben!“

Wir haben uns dann ein paar Mal wiedergesehen. Wie unter Läufern üblich irgendwo auf den Marathon-Messen dieser Welt. Immer, wenn ich sie sah, dachte ich darüber nach, was ich denn aktuell vermissen würde. Und sie traf genau das, was mir gefehlt hat: sie mag es feucht und ein wenig schmutzig – und sie hält einfach länger durch!
Das zu wissen war schon alleine ein Grund, mir innigst zu wünschen, mit ihr zusammen zu kommen – und seit heute, Mitternacht, können wir gemeinsam unsere Zukunft planen, unsere langen Läufe. Wir werden sehr gut harmonieren, da bin ich mir sicher.

Ist sie nicht bildschön? Dieses Profil, diese Anmut ...

Ich will sie Dir noch kurz vorstellen, meine neue Liebe, die den GARMIN FORERUNNER 305 ablösen wird:

Sie heißt GARMIN FORERUNNER 310XT, sie ist eine echte Multi-Sportlerin und Triathlon tauglich!
Endlich keine Sorgen mehr, wenn der Regen einsetzt, sie ist wasserdicht! Und sie verzeiht Schmutz und Dreck viel besser als der Vorgänger, aber der Hauptvorteil für mich ist, dass sie länger durchhält!
Verspricht der GARMIN FORERUNNER 305 eine Akkuverfügbarkeit von 10 bis 12 Stunden, wobei ich es unter sparsamer Verwendung der Lichtfunktionen in der Regel auf 14 1/2 Stunden gebracht habe, so darf man sich beim GARMIN FORERUNNER 310XT auf offizielle 20 Stunden freuen. Ich hoffe natürlich, dass mein neuer Schatz in der Praxis über 24 Stunden verwendbar sein wird.

Wenn ich mir vorstelle, wie ich 2004 mit dem Laufen begonnen habe! Da habe ich für 129,- EUR eine POLAR Uhr gekauft, die nichts anderes konnte als die Zeit nehmen, den Puls anzeigen und ein paar Grundfunktionen anzubieten. Gräßlich! Und dennoch empfand ich die 129,- EUR für so ein relativ einfaches und eher häßliches Plastikteil als überteuert.
Schon ein halbes Jahr später bekam ich dann endlich eine richtige Uhr, die POLAR 625X mit Fliehkraftmesser am Fuß. Endlich hatte ich eine Anzeige für die Geschwindigkeit und die Uhr sah auch optisch ansprechend aus. 2007 habe ich sie dann meinem Sohn geschenkt, der ihr heute zu ordentlich Frischluft verhilft.

Ich selbst habe dafür die GARMIN FORERUNNER 305 gekauft, die mir seither immer treue Dienste geleistet hat. Nur über zwei Mängel konnte ich nicht hinweg sehen. So ist sie sehr empfindlich, was Feuchtigkeit angeht und musste deshalb schon zwei Mal auf Kulanz von GARMIN ausgetauscht werden, DANKE an die Kollegen von GARMIN an dieser Stelle und der Akku hält eben maximal 14 1/2 Stunden lang. 14 1/2 Stunden lang … viel zu kurz! Vor fünf Jahren hätte ich diese Aussage für arrogant und unglaubwürdig gehalten, aber 2009 hat mir ein paar Mal gezeigt, dass es jenseits der 14 1/2 Stunden noch läuferische Aufgaben gibt.

Mit dem GARMIN FORERUNNER 310XT habe ich jetzt ein Liebchen am Arm, die mir versprochen hat, auf ewig bei mir zu bleiben. Und auch ich gelobe, ihr treu zu sein, sie zu lieben und zu ehren, solange ich laufe!
Geschenkt hat sie mir übrigens meine Frau Gabi, heute, zu meinem 48. Geburtstag, DANKE Gabi!

Ich packe meinen Koffer … UPDATE, die Collage!

Collage

All diese vielen Artikel müssen alle in den Koffer ... der wird mächtig voll! (Zum Vergrößern bitte klicken!)

Was für eine skurrile Idee: Gegenstände aus den Kommentaren in einen Koffer packen!
Und am Ende gibt es, das habe ich versprochen, eine Collage mit all den Artikeln, die die Kommentatorinnen und Kommentatoren in den Koffer gepackt haben.
Die meisten haben es mir leicht gemacht, aber ein paar wirklich schwierige Hürden hatte ich auch zu nehmen.

Aber das ist das Resultat, die Collage, an der ich heute ein paar Stündchen gearbeitet habe, seht Ihr oben.

Mir bleibt nur, all denen herzlich DANKE zu sagen, die mitgespielt haben. Ich hatte meinen Spaß dabei und bin überrascht gewesen, was für Dinge doch in diesen Koffer sollten.

Noch einmal: DANKE AN ALLE!

Gib mir ein „P“, gib mir ein „T“ – aber was ist mit dem „L“?

Es ist Samstag Mittag, 13.00 Uhr. Auf meiner Agenda steht: „Carsten in Kanada anrufen, wegen PTL!“
Mein Nokia E90 Communicator bimmelt, um mich an die Agenda zu erinnern. Das wäre aber nicht notwendig gewesen, ich war schon vorher so gespannt und nervös wie ein junger Mann bei seinem ersten Date. Bisher hatte ich mit Carsten nur zwei eMails ausgetauscht, die recht vielversprechend waren, aber wie würde Carsten am Telefon sein?
Wird er mich mögen? Werden wir harmonieren?

Es ist Samstag Mittag, 14.00 Uhr. Ich lege den Hörer auf, eine Stunde lang haben Carsten und ich gequatscht. Wir haben über den UTMB geredet, über Ultra-Läufe im allgemeinen und Bergläufe im speziellen und darüber, wie unsere Ziele beim Laufen sind, wie kompromissfähig wir sind und über alles, was wichtig ist, um zu ermitteln, ob wir uns beide trauen, gemeinsam die größte läuferische Herausforderung anzunehmen, die es in unser beider Läuferleben je gegeben hat. Und wir kamen überein: ja, das passt sehr gut mit uns!

Ich habe das Gefühl zu schweben. Ich bin euphorisch und freue mich schon jetzt auf den Lauf, von dem ich bis 14 Tage vor dem UTMB noch nicht einmal wusste, dass es ihn gibt: den PTL.
„La petit Trotte à Léon“ heißt er ausgeschrieben, aber der Name ist falsch. Wie der SwissJuraMarathon kein Marathon, sondern ein Ultramarathon-Etappenlauf ist, ist der PTL alles andere als „petit“, er ist eher „long“, „incroyable long“.

Das Profil der PTL (zum Vergrößern bitte klicken!)

Der PTL wird in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe setzen: ca. 245 Kilometer am Stück bin ich noch nie gelaufen, selbst, wenn ich im Mai die „TorTOUR de Ruhr“ erfolgreich hinter mich bringen sollte. Und auch die Zeitvorgabe von 100 (!) Stunden ist eine Marke, die so außergewöhnlich klingt, dass mir ein kalter Schauer den Rücken runter läuft. Und auch die offiziellen 21.000 Höhenmeter sind eine Hausnummer, vor der ich absoluten Respekt habe – mehr als zwei Mal von Normalnull (NN) auf den Mount Everest!
Wenn es am Ende wie 2009 dann „nur“ bescheidene 17.500 Höhenmeter und „nur“ ca. 230 Kilometer sein werden, dann ist der PTL noch lange kein Kindergeburtstag. Außerdem bin ich recht sicher, dass die Organisatoren bestimmt noch eine Idee haben werden, wie sie die tatsächlichen Werte näher an die offiziell ausgeschriebenen Werte bringen werden.
Der PTL ist auch in dieser Hinsicht besonders: es ist ein Lauf für Dreier-Teams, die auch immer zusammen bleiben müssen. Von den drei Teilnehmern müssen zwei Finisher des UTMB sein, Carsten und ich sind das, so dass unser „dritter Mann“, gerne auch unsere „dritte Frau“ nicht zwangsläufig den UTMB bewältigt haben muss. Carsten und ich meinen: das ist die große Chance für gute Lauffreunde, uns zu begleiten!

Die Strecke des PTL (zum Vergrößern bitte klicken!)

Die Strecke geht wie auch beim UTMB einmal rund um den Mont Blanc herum, Start und Ziel ist ebenfalls in Chamonix, wenngleich deutlich früher, nämlich schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, der späteste Zieleinlauf ist am Sonntag darauf um 16.30 Uhr! Die Ausschreibung des Laufs findest Du hier auf der offiziellen UTMB-Webseite

Was mich auch motiviert hat, dieses Wagnis einzugehen, war der Laufbericht von Gerhard Börner auf Klaus Duwe’s Webportal Marathon4you.de. Schon der Titel ist eine Legende: „PTL: es gab Überlebende …“

Was gibt es noch über diesen „Lauf der Läufe“ zu schreiben? Nur eines noch. Carsten aus Kanada nimmt das „P“, ich nehme das „T“, aber wer nimmt das „L“?
Lieber Lauffreund, der Du so verrückt bist wie wir: gib mit ein „L“!

Sensationeller Schluss-Spurt: 100 Meter in 6:00 Minuten!

Kein Marathon in der Nähe, kein Training in der Woche, zu viel gegessen und eine große Packung schlechtes Gewissen. Aus dieser Mischung entsteht bei mir immer der Wunsch, dann wenigstens einen kurzen Lauf machen!
Aber wo? Als Strohwitwer in dieser Woche hatte ich Verpflichtungen gegenüber den Kindern und ich hatte eine Verpflichtung gegenüber einem Mitarbeiter, der noch sein Auto tauschen musste, also habe ich nach einem Lauf in der Nähe gesucht. Also keine Suche bei www.steppenhahn.de, keine Suche bei www.ultraned.org und auch keine Suche bei www.marathon.de, sondern ganz bescheiden nachsehen unter www.laufen-im-rheinland.de.

Und ich wurde fündig, sogar in Bonn. Der Bonner Herbstmarathon startet auf einem Parkplatz einer im Wald gelegenen Außenstelle der Bonner Universität, Fachgebiet Sportwissenschaft, und führt durch den Kottenforst, einen wunderschönen Wald zwischen Bonn und Meckenheim. Voranmeldungen waren leider nicht möglich, die Einschreibung begann um 8 Uhr, 180 Startplätze waren zu vergeben, „first come – first serve“.
Meine Tochter wollte aber zu einer Übungseinheit für Ihren Führerschein, die um 9.00 Uhr in Remagen begann. Also sind wir zuerst nach Bonn gefahren und waren kurz vor 8.00 Uhr bei der Einschreibestelle. Ich war der erste Läufer, der sich einschreiben durfte, das hatte ich noch nie geschafft. Danach sind wir erst mal wieder weg gefahren und waren um 8.40 Uhr Uhr in Remagen, ich habe Milena dort abgeliefert, noch ein paar Minuten gewartet, damit ich sicher war, dass alles dort nach Plan gelaufen ist und dann bin ich wieder nach Bonn gefahren. Ich musste noch tanken, aber ich hatte ausreichend Zeit und war knapp 15 Minuten vor dem Start wieder an dem besagten Parkplatz. Wie würde der Boss des A-Teams jetzt sagen: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“

Während der Fahrt habe ich mir lange überlegt, ob ich versuchen soll, an meine Bestzeit heranzukommen oder ob ich nur gemütlich traben wollte. Mir ist klar, dass ich, wo ich seit Wochen nur noch Geschwindigkeiten jenseits der 6 Minuten pro Kilometer gelaufen bin, untertrainiert bin. Nicht, dass ich mir um meine generelle Fitness Sorgen mache, aber mir fehlen Tempoeinheiten, kontrollierte schnelle Läufe auf der Bahn, Fahrtspiele und das Tempo-Training. Und wie heißt es so schön: kein Tempo-Training, keine Bestzeiten!
Also habe ich mir diese Überlegungen sofort aus dem Kopf geschlagen und dachte, dass ich, wenn ich eine Zeit unter 1:45 Stunden erreiche, auch zufrieden sein sollte. Mehr wollte ich auch nicht.
Ich habe noch nicht viele Halbmarathons gelaufen und bei den wenigen, die ich bisher hinter mich gebracht habe, wäre das dann immerhin die zweitbeste Zeit. Zudem wollte ich auch eine Tempo-Einheit machen, deshalb beschloss ich, für meine Verhältnisse sehr schnell anzulaufen, um dann in einen gemütlicheren Schritt zu verfallen.

Nach fünf Kilometern war ich bei 22:25 Minuten, schneller als beim 5K Lauf in Brauweiler im Sommer! Ich war zufrieden und irritiert. Zufrieden, weil ich so eine gute Zeit hatte und irritiert, weil mein GARMIN mal wieder weniger angezeigt hat, wie ich gelaufen bin. Das ist schon ein wenig ärgerlich, wozu hat man denn GPS?
Die nächsten fünf Kilometer waren nur eine Minute langsamer, noch immer war ich zufrieden, aber ich war auch noch immer irritiert, weil mein GARMIN noch immer hinterher hinkte. Aber ich begann, mich an die Probleme des GARMIN zu gewöhnen.

Ich wollte nun ein wenig runter schalten und nahm die Gelegenheit wahr, bei der ersten und einzigen (!) Teestelle kurz hinter der 10K Marke vier Becher Tee zu trinken und dabei bewusst zu gehen. Erst danach wollte ich wieder locker antraben und diesen Lauf in Ruhe nach Hause schaukeln. Trotzdem war ich noch zu sehr motiviert und lief, wenngleich etwas ruhiger, noch immer schnell weiter. Das nächste 5K Paket war nur unwesentlich langsamer als jenes zuvor, trotz der exzessiven Trinkpause. Und mein GARMIN hat noch immer gesponnen.

Noch rund 6 Kilometerchen, also begann ich zu rechnen und ich merkte, dass ich durchaus die Chance hatte, sogar unter 1:40 Stunden zu finishen, nahe an meiner Bestzeit! Also schaltete ich wieder ein wenig hoch und rechnete weiter. Noch 5 Kilometer mal gute 5 Minuten je Kilometer (immer ein wenig vorsichtiger rechnen!), na ja, es könnte passen! Noch vier Kilometer, noch drei, noch zwei, noch einen, die Marke 20K hing in den Bäumen. Und es war wie beim gesamten Lauf: gute Zeit, nur der GARMIN wollte nicht so wie ich.

Zu dieser Zeit lief ich mit vier anderen Läufern und wir alle dachten das gleiche: wir können unter 1:40 Stunden finishen! Das war zwar nicht mein ursprüngliches Ziel, aber man nimmt so etwas doch gerne mit. Bei der 21K Markierung waren wir bei 1:38 Stunden und irgendwas. Ich habe meinen GARMIN so eingestellt, dass ich vier Felder sehe, das aber kostet die Sekundenangabe, sobald Du mehr als eine Stunde läufst.
Und wir alle motivierten uns damit, dass wir das noch gut packen können und dass wir es auch packen werden.

Was dann kam, waren die längsten 100 Meter aller Zeiten! Die wollten gar kein Ende mehr nehmen. Wir liefen und rannten, aber es kam kein Ziel. Nach 6 Minuten erreichten wir dann endlich gemeinsam das Ziel und begannen, leise zu fluchen. Es war eine Zeit von 1:44 Stunden und etwas.
Mein GARMIN zeigte für die gesamte Strecke jetzt 20,99 Kilometer an – und er trimphierte und lachte mich aus!
Können Pulsuhren Gefühle haben? Nachdem ich 21 Kilometer lang über den GARMIN den Kopf geschüttelt habe, spürte ich regelrecht, wie der GARMIN im Ziel zu mir sagen wollte: „Warum nimmst Du mich denn überhaupt mit, wenn Du den Markierungen mehr glaubst als mir?“ Ich hätte auf die Knie fallen können, um meinen GARMIN wieder milde zu stimmen und um mich bei ihm zu entschuldigen.

Was aber hat die Veranstalter getrieben, solch schwachsinnige Markierungen anzubringen? Wenn sie doch wenigsten die letzte Markierung weggelassen hätten … Läufer ohne Uhr waren überhaupt nicht auf die Möglichkeit vorbereitet, dass es vielleicht noch ein wenig weiter sein könnte, schon gar nicht, dass 100 Meter derartig weit sein können. Also machst Du noch einen Schluss-Spurt von lächerlichen 100 Metern und Du läufst und läufst und läufst.

Ich liebe Läufe, die anders herum falsch markiert sind. Läufe, bei denen Du Dich am Ende freust, dass die Angaben eher zu knapp waren – aber so herum? Du fühlst Dich wie der Rennhund, dem das Ziel, eben der Hase, knapp vor die Nase gehalten wird und dennoch kann er das Ziel nie erreichen …

… nur noch Hundert Meter! Sage das bitte niemals zu mir!