Laufrausch, der erste Tag …

Hauke König, "King of Elbe" (Klicken zum Vergrößern!) Foto: Susanne Alexi

Um 5.00 Uhr klingelt die Weckfunktion meines Handys und fast gleichzeitig weckten uns auch die Handys von Susanne, Hauke und Thomas. Trotz einer nicht allzu langen Nacht war ich frisch und voller Elan. Es ist schon erstaunlich, wie Dich Dein Körper einstellt, wenn Dein Hirn es ihm vorgibt.
Es blieben 30 Minuten für die Morgentoilette, das Anziehen der Strümpfe und Schuhe und für die ersten Gespräche des Tages.
Dann begannen die Fragen und die Fotos. Und auch die Hektik.
Für ein Frühstück blieb keine Zeit, nur Kaffee wurde gekocht, aber den trinke ich ja seit Jahren nicht mehr.

Zehn Minuten vor 6.00 Uhr fuhren wir dann zum Dresdner Theaterplatz, um pünktlich dort zu sein. Stefan (www.stefanolix.wordpress.com) wartete dort schon auf uns, um uns einige Kilometer zu begleiten. Das hatten wir schon über Twitter und Telefon vorab vereinbart, aber dennoch habe ich mich gefreut, ihn wieder einmal live zu sehen. Das letzte Mal hatten wir uns beim gemeinsamen Radebeuler „Mt. Everest Treppenmarathon“ gesehen, das ist lange her, entsprechend gab es viel zu bereden. Später dann sollten wir an Radebeul und an der Spitzhaustreppe vorbei laufen und schon der Blick darauf erinnerte mich an die Muskelschmerzen, die ich auf dieser Treppe erleiden musste.

Aber noch wurden vom Redakteur der „Dresdner Morgenpost“ weitere 30 Minuten dafür verwendet, gut 100 Fotos zu schießen. Auch das Foto von Hauke, dass es später auf die Titelseite der „Hamburger Morgenpost“ gebracht hat, entstand vor dem eigentlichen Start in den Norden.
Stefan musste nach seinem Lauf in der Frühe noch arbeiten und da wir durch die Fotosession einige Zeit verloren, bevor es richtig los ging, geriet am Ende Stefans Laufstrecke etwas kürzer als geplant und erhofft. Ich fand die Foto-Orgie auch eher lästig. Aber dann ging es tatsächlich los.

Wie immer waren wir am Anfang viel zu schnell. Stefan („Laufen in aller Frühe“) und ich liefen voraus, aber trotz regelmäßiger Tempodrosselung zogen Stefan oder ich immer wieder das Tempo hoch, weil wir uns so nett unterhalten haben. Stefan ist bekanntermaßen sehr politisch und dokumentiert das auch in seinem Blog, zudem denkt er häufig über unsere Ernährung nach. Eine perfekte Situation für mich, stundenlang über eines meiner Lieblingsthemen zu diskutieren: „Man ist, was man isst!“
Ich hoffe für Stefan, in diesem Gespräch nicht allzu „messiastisch“ gewesen zu sein, aber Gespräche über FoodWatch, die von der Industrie-Lobby verhinderte „Lebensmittel-Ampel“ und über Rhabarber im Erdbeer-Joghurt bewegen mich immer sehr.

Das Wetter war herrlich am Freitagmorgen, aber das sollte sich noch deutlich ändern und die Gespräche über Politik im weitesten Sinne mussten wir ausgerechnet dort beenden, wo die Politik mal wieder ein weithin sichtbares Zeichen von Grossmanns-Sucht und mangelhafter Planung abgeliefert hatte. Wir passierten eine kleine Eisenbahnbrücke über die Elbe und direkt neben ihr thronte eine schon vor Jahren fertig gestellte übermächtige und sehr teure Pylonenbrücke Niederwartha.

Auf der Brücke allerdings fährt niemand, weil es keine Straße geibt, die dorthin führt. Und es wird sie wohl auch nicht vor dem Jahr 2015 geben, weil Bürgerbegehren und Einsprüche den Straßenbau vorerst gestoppt haben.
Vielleicht ist die Fehlplanung aber auch Absicht und das teure Millionengrab soll den Druck auf die Öffentlichkeit und die Gerichte erhöhen, denn wenn man so viel Geld investiert hat, dann sollten Bürgerbedenken doch von der Justiz abgeschmettert werden können, oder?

Bald darauf kam der erste Verpflegungspunkt. Unser Wohnmobilfahrer Thomas hatte stets ein „Händchen“ dafür, so zu stehen, dass wir ihn nicht übersehen konnten. Es war für beide Seiten ein großartiges Gefühl, wenn man sich bei jedem der vereinbarten Treffpunkte wiedersah. Perfekte Harmonie an der Elbe gewissermaßen.
Die Pausen waren immer so schön, dass wir sie ausgiebig genossen und sie so lange ausdehnten, wie ich niemals Pause machen würde. Ich bin ja eher ein Typ der Sorte, beim Verpflegungspunkt zügig etwas zu trinken, ein paar Häppchen auf die Hand zu nehmen und weiter zu gehen. Setzen und den Organismus runterfahren mag ich eigentlich gar nicht.

Aber Thomas hat sich stets viel Mühe gegeben und später, beim zweiten Treffen, waren auch leckere, bereits mit Käse und Salat belegte Körnerbrötchen vorbereitet. Thomas, „unsere Mutter des Laufs“, hat uns damit einen Wunsch von den Augen abgelesen.

Ob es die langen Pausen waren oder die Perspektive, am Montag Abend wegen der Laufwegs-Verlängerung offensichtlich nicht in Hamburg anzukommen oder ob es einfach „nicht mein Tag“ war: schon früh taten mir die Beine weh und der Laufrausch verflog schnell.
Nach 65 Kilometern hatte ich keine wirkliche Lust mehr und ich bat darum, eine Etappe aussetzen zu dürfen.
Am Mittag des zweiten Tages habe ich dieses Ansinnen bereut, aber da konnte nichts mehr geändert werden.

Also liefen Susanne und Hauke allein und der Regen begann. Und er wurde zunehmend stärker und entwickelte sich zu einem ekelhaften und lang anhaltenden Regenguss, der unsere Motivation und unsere Kilometerleistung weiter verschlechterte.

Am Abend gab es dann Spaghetti mit ungarischen Paprikastücken, die wir uns in einem Restaurant machen ließen. Ich wollte zwar kochen, aber Thomas erklärte, jetzt Hunger zu haben und so änderten wir den Plan dahingehend, dass er und ich im Restaurant aßen und die P0rtionen von Susanne und Hauke wurden in Alubehältern warmgehalten.
Von der langen Abendpause erholte sich niemand richtig und so dehnte sich diese aus, bis der Regen gegen 2 Uhr am Morgen aufgehört hat und dann noch zwei weitere Stunden lang, bis der „irre Lauf nach Hamburg“ kurz nach 4 Uhr seine Fortsetzung nehmen konnte.

Aber dazu mehr im nächsten Beitrag …

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3 Kommentare zu “Laufrausch, der erste Tag …

  1. Wie weit seit ihr denn ungefähr am ersten Tag gekommen? Dass man einen langen Lauf langsam anfangen muss, ist klar … Und längerer Dauerregen ist so ungefähr das Blödeste, was einem unterwegs passieren kann … Und um mitten in der Nacht um 2:00 Uhr dann wieder in die Gänge zu kommen, da muss man sicher einen sehr harten Kampf mit sich selber führen und wenn man dann noch das Argument „Lass es am Anfang bloss ruhig angehen!“, was dann plötzlich doch Sinn zu machen scheint, gegen sich hat … Übrigens, super dass du so kurz vor deiner nächsten Grossaufgabe noch Zeit für so einen tollen Bericht findest 🙂

    • Hallo Tom,

      ich kann´s auch kaum glauben, dass du so einen ausführlichen Bericht von der Elbe hinlegst noch vor dem PTL
      @Manfred: Wir sind bis abends ca 22.00 h wirklich nur ca. 75 km weit gekommen und erst um 4.00 h weitergelaufen! Völlig schwachsinnig natürlich, weil die nächsten Nächte ja nicht gerad leistungsstärker werden konnten. Mit langsam anfangen hatte das nichts zu tun, eher mit Regenfrust und der Gewissheit, jetzt sowieso nicht im Plan zu laufen. Eigentlich wollte nachts ja nur ich schlafen, die Jungs sollten laufen. Es kam aber keine zu Potte. Mit dem Resultat, wie Tom sicher noch näher erläutern wird, dass Hauke nach dem Beschluss über die Laufzeitverlängerung in den folgenden vier Tagen immer bis zu 120 km gelaufen ist. Das ist wirklich sehr beachtlich!

      LG
      Susanne

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