Was ziehe ich nur an?

The_Trail_YonneNach einem Wochenende ohne Laufen, eigentlich nach zwei Wochen ohne Laufen, geht es am Samstag in der Frühe nach Sens im französischen Burgund. 110 Kilometer Trail stehen an bei einem Lauf, der sich ganz bescheiden „THE TRAIL YONNE“ nennt.
Wenn ich an das Burgund denke, dann kommen mir edle und teure Burgunder-Weine in den Sinn, dünne, bauchige Burgunder-Gläser und ich denke an die Städte Mâcon, eine der französischen Hauptstädte guter Weine, Auxerre, eine Stadt, in der noch vor einem Jahrzehnt ein international erfolgreicher Fußball gespielt wurde mit einer Mannschaft, die heute nur noch am Ende der Tabelle der zweiten französischen Liga herum dümpelt und natürlich an Dijon, die heimliche Hauptstadt des Senfs.
BurgundAn einen Ultratrail aber dachte ich nicht, bisher. Das soll sich jetzt jedoch ändern.

Und weil ich zurzeit relativ viel Zeit habe, konnte ich mich gut auf den Lauf vorbereiten. Und die Vorbereitung beginnt ja immer mit der typischen Frage:
„Was ziehe ich nur an?“
Das „kurze Schwarze“, das mich meist begleitet? Aber mit welcher Farbe kombiniert? Orange? Weiß?
Oder doch das „kurze Weiße“, das ich so gerne in den Bergen trage?
Eine echte Alternative könnte auch die schwarz/grüne Kombination sein mit dem schicken X-BIONIC POWER SHIRT, aber passt da ein roter Rucksack dazu?
Ich sehe schon: ich habe gar nichts mehr zum Anziehen, da hilft nur ein ausgiebiger Shopping-Trip!
Und was ist mit den Schuhen?
Finde ich Waldwege vor, breite Wege durch die Weinberge – oder doch Single-Trails? Überhaupt, finde ich, kann meine lädierte Psyche nur dadurch geheilt werden, in dem ich mir neue Laufschuhe hole. Schuhe kaufen als Balsam für die Seele.
Ja, ja, was Frauen die Pumps sind, sind dem Läufer die Trailschuhe …
Ob mich da mal jemand auf einer Läuferparty mit der ältesten, aber auch erfolgreichsten Anmach-Floskel der Welt zu betören versucht?
SchuhgeschaeftIch habe mir die Liste der Pflichtausrüstung angesehen, abgesehen davon, dass die heute in französischer Sprache rundgemailt wurde, gibt es da keine Überraschungen.
Mindestens 1 Liter Wasser, eine Trillerpfeife, eine Überlebensdecke, Reflektoren, ein Kopflicht, ein Ersatz-Kopflicht, soweit die Pflicht, ein Mobiltelefon, ein paar Riegel, eine Regenjacke mit Kapuze, Handschuhe, eine Mütze, eine zusätzliche, wärmende Schicht, etwas Geld für alle Fälle, eine Laufbrille, Wechselschuhe, Wechselkleidung, Sonnencreme, einen Kompass (das gibt’s doch auch als App!), ein Messer und Vaseline, soweit die Kür.
vive_la_franceUnd dann habe ich mir die Fahrtstrecke angesehen. Ich habe einmal versucht, die Strecke ohne mautpflichtige Autobahnen zu suchen und einmal mit mautpflichtigen Autobahnen. Auf jeden Fall geht es erst durch Luxemburg und dann, in Frankreich, beträgt der Zeitunterschied zwischen den beiden Alternativen rund zwei Stunden. Spare ich also an der Zeit oder an den hohen Autobahngebühren? Vive la France!
WeinkarteZuletzt noch ein Blick auf die Verpflegungsposten:
Die längste Strecke, die zwischen zwei VPs zu bewältigen ist, beträgt 24 Kilometer. Wenn ich von 9 Minuten pro Kilometer ausgehe, dann beginnt diese Etappe kurz nach Mitternacht und endet gegen 3 Uhr. Es wird also kühl sein, der Flüssigkeitsbedarf ist dann eher niedrig.
Bei K08, K26, K47, K58, K82, K96 und K105 gibt es Verpflegungsposten, immer in den Städtchen, in Sens am Start und Ziel, in Collemiers, Chaumot, Saint Julien du Sault, Villeneuve sur Yonne, erneut in Villeneuve sur Yonne, Marsangy und in Gron.
Profil2.500 Höhenmeter auf 110 Kilometer, wahrlich nicht allzu viele. Komme ich da mit 9 Minuten pro Kilometer hin, mit 16 Stunden und 30 Minuten total?
Wenn es so wäre, dann wäre der Lauf, der am Samstag um 15 Uhr beginnt, um 6.30 Uhr am Sonntagmorgen zu Ende.
Aber wie heißt es im Musical „Elisabeth“ so schön?

„Doch was nützt ein Plan, ist er auch noch so schlau, er bleibt doch immer Theorie und nur das eine weiß man ganz genau, so wie man plant und denkt, so kommt es nie!“

Es wird stark auf die Beschaffenheit der Böden ankommen, auf das Wetter und auch darauf, ob ich Lust habe, mich zu quälen oder ob ich mich lieber doch etwas schone und mit irgend einem anderen Läufer quatschend durch die Nacht laufe.

Und die Cut-Offs?
Hier zeigt sich, dass die Strecke entweder wesentlich schwieriger ist als ich sie mir vorstelle, oder aber es ist ein „Bei-uns-kommt-jeder-durch“-Lauf. Bis zum letzten Cut-Off beispielsweise hast Du 21 1/2 Stunden Zeit – für 108 Kilometer!
Die Etappe mit der längsten Strecke ohne Verpflegung musst Du spätestens um 2 Uhr 30, also nach 11 1/2 Stunden, beginnen und dann spätestens um 7 Uhr 30, also nach 16 1/2 Stunden, hinter Dich gebracht haben.
Stop, alle Überlegungen zurück. Wie waren denn die Zeiten im Vorjahr?
Mit 13:36:36 Stunden warst Du Dritter von allen bei den Männern und als dritte Frau durftest Du Dich sogar 19:42:00 Stunden lang vergnügen. Sind da die geplanten 16 1/2 Stunden für mich überhaupt realistisch?
68 Starter gab es 2013, davon kamen 67 in die Wertung, 1 Dame war „non classée“. Und 10 dieser 67 Finisher brauchten mehr als 20 Stunden?!
TrailDu, THE TRAIL YONNE im Burgund, nahe der Champagne, Du machst mir Gedanken. Und die drehen sich im Kreis.
Und da bin ich auch wieder am Anfang:
Was ziehe ich nur an?
Course

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