Mehr als nur ein Stock

Ideen uns Skizzen von Philip Mes (www.philipmes.de)

Ideen uns Skizzen von Philip Mes (www.philipmes.de)

Viola Zaltron ist zwei Jahre alt und sie wartete am TorTOUR-Samstag auf ihren Vater Andrea, der ihr versprochen hatte, unseren gemeinsamen Workshop vom Freitag nicht mehr allzu lange dauern zu lassen.
Viola wird wahrscheinlich in vielleicht zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren die neue Chefin von FIZAN sein (Fizan Srl, Via Borgo Tocchi, 18, 36027 Rosà (Vicenza), Italien), einem der internationalen „big player“ in der Stockherstellung.
Sie wäre dann die vierte Generation von Zaltrons, die sich um alles kümmern, was wichtig ist, damit die Stöcke, die dort produziert werden, möglichst perfekt sind.
2014-06-06 18.22.39Andrea, der jetzige Chef, ist ein sympathischer Mittvierziger, den man aber gerne einige Jahre jünger schätzen würde. Er beaufsichtigt jetzt, eben in der dritten Generation, dieses Unternehmen, von dem ich, ehrlich gesagt, erst im vergangenen Sommer anlässlich der TRAIL-MANIAK Veranstaltung „Vom Marienplatz auf das Top of Germany“ gehört habe.
International ist man also noch erheblich besser aufgestellt als im Teilmarkt Deutschland, das war eine von vielen neuen Erkenntnissen, die ich bei der Werksbesichtigung gewinnen konnte, mit der der Workshop zum Thema „Wir machen den perfekten Stock“ begann. Dass man aber auch im Telmarkt Deutschland ganz vorne dabei ist, dafür setzt sich insbesondere der deutsche Distributor von Fizan, die Christoph & Markus Krah GmbH (www.krah.com) ein.
2014-06-07 08.36.58Andreas Großvater begann 1947 mit der Produktion der ersten Stöcke. Und er war, damals noch woanders angestellt, weltweit der erste, der Stöcke aus Aluminium herstellte. Leki folgte dann ein Jahr später und irgendwann wurde Stahl als Stockmaterial nirgendwo mehr verwendet und Bambus, die Alternative, verschwand ebenfalls aus der Produktion.
Heute ergänzt Carbon das Materialspektrum, Aluminium aber ist aber seit damals das meist genutzte Material.
Ganze 6 Paar Stöcke verließen die provisorische Produktionsstätte damals. Im gesamten Kalenderjahr 1947!
Und auch 1948 war Andreas Großvater noch woanders angestellt, bis er mutig genug war, sich ausschließlich auf die Herstellung von Stöcken zu verlassen. Damals waren mit Stöcken hauptsächlich Winterartikel gemeint, heute aber machen die Sommerstöcke rund 70% des Gesamtumsatzes aus.
2014-06-06 15.01.102014-06-06 15.06.182014-06-06 15.05.40 Und etwas größer und vielfältiger ist die Produktion seither auch geworden. Aus diesen 6 Paar im Jahr 1 sind mittlerweile rund 500.000 Paar Stöcke pro Kalenderjahr geworden.
Wow, was für eine Zahl! Wäre ich vorher gefragt worden, ich hätte diese Zahl erheblich kleiner eingeschätzt.
Und wenn ich bis zum Workshop dachte, dass es eben zwei Materialien gibt, dass es einteilige, zwei-, drei- und vierteilige Stöcke gibt, dass es Stöcke mit Innenverschluss und mit Außenverschluss gibt, Stöcke für Skifahrer, Skilangläufer, Nordic Walker, Trailrunner, Wanderer und dass es Stöcke als Gehhilfe gibt, dass es verschiedenste Spitzen für den Boden und Schlaufen für die Hände gibt, ich hätte mir nicht träumen lassen, wie viele verschiedene Modelle da permanent gefertigt werden müssen.
2014-06-06 14.59.07Vielen Stöcken sieht man dabei die Herkunft gar nicht an. Da steht nämlich nicht immer Fizan drauf, wo Fizan drin ist, sondern da steht vielleicht ELAN oder die Marke anderer Skihersteller drauf, da steht „Carabinieri“ drauf oder der Name und das Logo eines Trailrunning-Events. Und die Stöcke von Manfrotto kommen auch von Fizan.
Ganz aktuell werden die Läufer unter Euch, die beim ZUT 2014, beim Zugspitz Ultra Trail, unterwegs sein werden, dort eigene Eventstöcke mit dem ZUT-Logo finden, hergestellt in einem einzigartigen und patentierten Sublimationsdruck-Verfahren, das so gut ist, dass kleinste Buchstaben noch transferiert werden können.
Da ich ja selbst viel in Sublimation drucke, Tassen, T-Shirts und ähnliche Artikel, keine Stöcke, war ich ob dieser Erkenntnis und dieser Parallelität schlichtweg begeistert.
Dennoch werden die überwiegende Zahl der Stöcke im Siebdruck, in der „silk screen“-Technik, bedruckt.

Beim anschließenden, von TRAIL-MANIAK initiierten, Workshop wurde uns allen dann klar, dass unsere Eingangsgedanken meistens weit weg von dem waren, was machbar ist, dass vieles schon realisiert wurde und dass dennoch jeder seine eigene Vorstellung vom „perfekten Stock“ hat.
Schon über die Frage, ob wir Trailrunner einteilige oder dreiteilige Stöcke benötigen und darüber, ob die mehrteiligen Stöcke höhenverstellbar sein sollten, stritten wir. Da ist der Transport, vor allem im Koffer oder im Handgepäck, da ist die Mitnahme im Rucksack. Da ist aber auch die Erkenntnis, dass kein Trailrunner die Regel befolgt, Stöcke beim Aufstieg 10 Zentimeter kürzer zu haben als bei Abstieg.
Ich stelle mir immer den Stau auf dem Grat vor, wenn alle Trailrunner auf der kleinen Fläche stehen bleiben, um die Stocklänge zu verändern …
Herrlich streiten konnten wir auch über die Schlaufen, die verwendet werden sollten. Ich hatte bisher ja nur die losen Schlaufen von Komperdell, eine Mischlösung von Black Diamond und habe die Schlaufenlösung, wo man die Schlaufe ständig um die Hand gezippt hat und die Schlaufe immer wieder in den Stock ein- und ausklickt, erst an diesem Tag kennen gelernt. Damit auf dem Trail unterwegs zu sein war aber ein spätere, eine gute Erkenntnis, die ich für die nächsten Bergläufe in Andorra und in der Schweiz weiter testen werde.
Die letzte Streitfrage aber war die „modernste“, nämlich die über das Material. „Carbon ist cool“ hieß es da. Carbon ist aber auch hoch angesehen beim Kunden und daher lässt sich ein höherer Verkaufspreis realisieren. Carbon hat aber nicht nur Vorteile. Und der leichteste Teleskopstock der Welt, natürlich ein FIZAN-Stock, wiegt nur 158 Gramm und ist aus Aluminium, nicht aus Carbon.
2014-06-06 14.46.54Als Resultat dieses Workshops hat Andrea einige Vorstellungen von uns erhalten und er soll versuchen, daraus etwas ganz spezielles für TRAIL-MANIAK zu basteln, mit einem eigenen Design und einer eigenen Kombination aus Materialien, Techniken und Nutzen.
Ich bin gespannt, was wir da noch erleben werden.

Die FIZAN-Stöcke, die ich mir zum Testen ausgesucht habe, sind Einteiler. Solche hatte ich nämlich noch gar nicht.
Und Andrea, selbstverständlich auch ein Sportler, dachte sich dann noch, dass er uns noch eine weitere Freude machen könnte und er lud uns zu einem eigentlich schon ausverkauften Trailrunning-Event „Antico Trail del Contrabbandiere“ am darauf folgenden Sonntag ein. 37 Kilometer mit 2.500 Höhenmetern auf dem alten Tabakschmuggler-Weg „Alta Via del Tobacco“.
2014-06-06 18.09.10 Steil rauf, steil runter, technisch schwierig und so hart, dass die zur Marathonlänge fehlenden Kilometer keine Rolle spielten, auch dank der extremen Temperaturen an diesem Sonntag war ich im Ziel so kaputt wie selten. Die TorTOURisten, die Baltic Runner und die Helden vom K-UT am Vortag können ein Lied von den Temperaturen singen.
2014-06-06 18.32.05 2014-06-06 18.32.36 2014-06-07 00.24.10Ein richtig gelungenes Wochenende war das also dort im heißen Italien. Dass Andrea uns ganz italienisch galant zu leckerstem Essen und edlen Weinen am Abend in ein Restaurant auf der Piazza in Rosà ausgeführt hat, versteht sich von selbst. Und dass wir die Produktionsstätten nicht verlassen durften, ohne zwei Flaschen vom besten Rotwein der Gegend mit uns zu nehmen, auch. Italiener sind eben perfekte Gastgeber.

Und ganz vielleicht gibt es auch für den „Franken-Express“ beim PTL Ende August noch ein ganz tolles Schmankerl. Aber weil das noch auf „vielleicht“ steht, erzähle ich davon erst, wenn es ganz sicher ist.

Viola hatte dann ihren Vater wieder, wir hatten unseren Trail, FIZAN hat neue Aufgaben und ich hoffe ungeduldig, ob wir aus dem „vielleicht“ wirklich noch ein „super geil“ machen können …

Danke für dieses Wochenende, danke Andrea, danke FIZAN!
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13 Kommentare zu “Mehr als nur ein Stock

  1. Hi Tom,
    ich recherchiere gerade etwas in Sachen „Stöcke“. Ich will gerne in Zukunft mal ausprobieren, wie ich mit Stöcken laufen kann. Ob es mir Vorteile bringt. Könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass mir das beim Bergauflaufen helfen könnte.

    Hättest du einen „Einsteigerprodukttipp“ für mich? 🙂

  2. Einen „Einsteigerprodukttipp“ gibt es nicht. Es kommt so sehr darauf an, was Du willst, brauchst und welche Summe Du investieren willst.
    Vorab sei Dir eines gesagt: so viele Trailrunner mit Stöcken können nicht irren!
    Das Laufen mit Stöcken bringt Dir im Trail definitv Vorteile, natürlich werden die immer größer, je besser Du mit den Dingern laufen kannst.

    Wenn ich manchen „Nordic Walkern“ hinterher starre, dann nicht, weil ich die oft lächerlich bunten Klamotten bewundere, sondern, weil viele davon zeigen, mit den Stöcken nicht umgehen zu können.
    Wenn Du da Tippst brauchst, dann lass uns mal ein paar Kilometer auf dem RBW gemeinsam laufen, vielleicht an einem warmen Spätsommer-Sonntag, und das probieren.

    Im Wesentlichen geht es bei Stöcken um drei Dinge, die sich teils widersprechen:
    1. Gewicht: Je leicher ein Stock, umso besser. Hiewr gibt es keinen klaren Sieg für Alu oder Carbon.
    2. Größe: je kleiner ein Stock zu falten ist, desto einfacher ist der Transport, erst im Flieger und dann, für die ersten Kilometer eines Laufs, im Rucksack.
    Gelenke jedweder Art aber bringen zusätzliches Gewicht, die leichtesten Stöcke sind also relativ groß.
    3. Stabilität:Hier gibt es einen klaren Punktsieg für Aluminium, weil Carbon zum Splittern neigt, Aluminium könnte schlimmstenfalls verbiegen.

    Schau doch mal hier: http://www.testberichte.de/p/fizan-tests/compact-4-testbericht.html

    Liebe Grüße!

    TOM

    • Hey,
      das hilft mir doch schon sehr weiter.

      Mit der Frage nach einem geeigneten Paar Stöcke wollte ich letztlich Erfahrungen herauskitzeln. 🙂 Wie gesagt, die Antwort hat mir schon geholfen.

      Meine Rahmenbedingungen sind in etwa die hier:
      186cm, 81kg, wenn ich 70 Euro ausgeben muss .. super, die Schmerzgrenze liegt bei 99,95 Euro. Ich will einfach nicht zu viel Geld ausgeben für Equipment, von dem ich noch gar nicht weiß, wie ich es handhaben kann bzw. wie oft ich es gebrauchen werde. Ist wie immer so ein bisschen Henne-Ei und ich bin ein Knicksack. 🙂

      Ich habe mir mal den Link angeschaut. In einem der Testberichte zum Fizan Compact 4 lese ich das hier

      „Kurzes Leichtgewicht. Der extrem klein verpackbare Vierteiler mit Ultralight Aluminium-Legierung ist ideal für kleinere Personen unter 180 cm. Der flexible Stock mit Längenangaben ist nicht für Schwere oder Große geeignet, aber für Klettersteig-Touren. Inklusive Gummiaufsatz für die Spitze. Auch als längerer, steiferer Dreiteiler erhältlich.“

      Also eher nicht geeignet für mich, wenn man sich meine Werte anschaut.
      Ich fühle mich einfach gerade total überfordert auf dem „Trekking-Stock“-Markt. Ist ja ähnlich wie bei Laufschuhen .. es gibt einfach unfassbar viel Zeug.

      Ich werde mich jetzt auch nochmals auf die Suche nach günstigen, faltbaren, aber nicht zu schweren, höhenverstellbaren Stöcken machen. Aber natürlich 😉 bin ich auch froh über ein wenig Unterstützung.

      Die Produkte von Fizan (hab da gestern auf der Website mal etwas gestöbert) sehen ja im Prinzip alle recht schnittig aus.

  3. Bin gestern erstmals mit den Fizan-Stöcken gelaufen. Ich habe jetzt ja keinen Vergleich zu anderen Produkten, aber ich bin absolut überzeugt vom Berganlaufen mit Stöcken. 🙂
    Ich war gefühlt viel schneller als mit alleiniger Muskelkraft und vor allem verschiebt sich der Krafteinsatz ja tatsächlich enorm. Von den Waden in den Oberkörper.

    Mein größtes Problem war dabei noch die richtige Technik und die Frage, wann ich welche Stocklänge brauche.
    Gut geklappt hat dagegen das „on the fly“-Zusammenschrauben der Stöcke. Auf Flachpassagen bzw. in den Downhills hatte ich sie immer klein und in der Hand, kurz vor den Talsohlen habe ich sie dann im Lauf auf die benötigte Länge eingestellt, so dass ich ihm Anstieg dann direkt im normalen Tempo weiterlaufen konnte.

    Auch die richtig steilen Passagen waren durch die Stöcke viel leichter zu begehen (nicht laufen).

    Die 55 Euro waren auf jeden Fall ein Top-Investment! 🙂 Wie gesagt, jetzt noch ein bisschen an der Technik feilen, dann wird das schon.

  4. Nach ein paar Läufen mit dem Fizan-Stock bin ich nur eins: absolut zufrieden. Ich denke, dass man nicht mehr zu einem Produkt sagen muss.

    Ich habe ihn jetzt nur auf Strecken hier rund um Koblenz genutzt, also nicht auf steinigem Terrain, wie im Hochgebirge z.B.), aber trotzdem. Top Kauf. 🙂

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