„MMM 2015“, mein erstes „M“

Madeira, die Blumeninsel …
… wenn ich daran denke, dann überkommt mich zuerst ein kalter Schauer. „Heilig’s Blechle“, wie die Schwaben sagen, da war doch was, vor langer Zeit, oder etwa nicht?
Ja, da war tatsächlich was. 1991 muss das gewesen sein, es war einer der vielleicht fünf ersten gemeinsamen Urlaube mit meiner Gabi.
Wir hatten also damals von der schönen Blumeninsel Madeira gehört und wollten da unbedingt hin, also ab ins Reisebüro, Prospekte gewälzt, Hotels angesehen.
Es war noch weit vor der Zeit, in der man sich ein Hotel selbstverständlich zuerst auf Google Earth ansieht, auf Google Streetview, auf Google Maps, lange, bevor man auf Google nach Kundenbewertungen gesucht und bei Trip Advisor all das gegengecheckt hat.
Wie hieß die Insel noch mal?

Hotel gefunden, Flug gebucht, Sachen gepackt und mit pochenden Herzen voller großer Erwartungen hingeflogen auf die schöne Insel mit dem „M“ am Anfang.

Schon beim Landeanflug fanden wir die Insel sehr wenig grün, überhaupt nicht blumig und vor allem sehr urban, total überbevölkert!
Und das sollte nun die Insel sein, von der viele so sehr schwärmen?
Wir brauchten mehr als 24 Stunden auf der Insel, um zu begreifen, dass wir im Reisebüro statt „Madeira“ wohl „Malta“ gesagt hatten. Peinliches Schweigen folgte und später dann legten wir den dicken Mantel des Vergessens über diesen Urlaub. Und über Malta und auch über Madeira.
Malta – Madeira, wer wird denn da so pingelig sein?

Madeira war dann in den nun folgenden 22 Jahren kein Thema mehr, bis ich 2013 erstmals vom MIUT hörte und las. MIUT, der Madeira Island Ultra Trail, 115 Kilometer lang und 6.800 Höhenmeter stark, Zahlen, Daten und Fakten wie beim Verbier Ultra oder dem Ultra am und durch den Canyon du Verdon.
Und dann hörte ich, wie viele Läufer dort am Cut-Off scheiterten – und da waren auch ganz gute Läufer dabei. Spätestens jetzt war meine Gier geweckt und ich musste einfach dort hin, nach Madeira, nicht nach Malta.

Angemeldet war ich dann schnell, aber ich musste meine „Pre-Registration“ für den JUNUT aufheben. Aber Gerhard ist ein toller Typ und er hat Verständnis für meinen Wunsch und schließlich bin ich es ja, der nun mit einem Jahr ohne JUNUT leben muss …

Als Nächstes musste ein tolles Hotel her, etwas wirklich blumiges, etwas zum Wohlfühlen. Und wer keine Ahnung hat (wie ich), der muss halt Freunde haben (wie Mario Schönherr). Er erzählte mir, dass Madeira mittlerweile schon eine zweite Heimat für ihn geworden wäre, na ja, Trail-Maniak veranstaltet dort mit Running Madeira ja auch so einiges. Und Mario sagte, dass es da nur ein Hotel für ihn gäbe, „the place to be“ …
Und weil Mario einen guten Geschmack hat, habe ich mich entschlossen, dieses „the place to be“ auszuwählen. Es war eine richtig gute Wahl, soviel vorweg, auch wegen der anderen Gäste, die ich dort kennenlernen, schätzen lernen, lieben lernen durfte.
Alleine in diesem GaloResort mit den feinen Hotelzimmern des GaloSol, den Bungalows und dem GaloMar, mit Ayurveda, Fitnessraum und ausgedehntem Fitnessprogramm, waren Eric, mit dem ich vorher schon Facebook-Kontakt hatte, Till, Taumel, Conny und Jens von Sonnenkind, wobei ich Jens auch schon zuvor auf Facebook gesehen hatte, Pirmin, mein „Laufnachbar“, der gerade mal 20 Kilometer von mir entfernt wohnt und mit dem ich noch drei Wochen zuvor einen Lauftag an der Wied verbringen durfte und nicht zuletzt die beiden Hamburger, Katrin und Matthias, mit denen zu quatschen eine wahre Freude ist.
Matthias, bis dahin mit 11 Freunden auf Facebook in der Kummerecke, ihn solltest Du dort unbedingt connecten und Katrin, die sich in Sachen Facebook noch einen Ruck geben muss, dann auch.
Sie wurde, so ganz nebenbei erwähnt, sechste Lady des MIUT und lag damit nur zwei Plätze hinter Trailschnittchen Julia, umwerfend, in jeder Beziehung.
Ein fantastisches Relaxhotel also und wenn Trail-Maniak 2016 für den MIUT ein „Rundum-Sorglos-Paket“ mit Anreise, Transfer, Übernachtungen und Startnummer schnürt, dann wird dieses Hotel auch dabei sein – und ich hoffentlich auch. Lediglich die angedachte Verlegung des Events in den Spätherbst macht mir da, rein arbeitstechnisch gesehen, Sorgen.

Und weil ich ja eine ganze Woche auf Madeira (das war doch Madeira, oder?) verbringen wollte, musste auch ein Leihwagen her. Ich wählte den kleinsten und billigsten, den ich finden konnte. Ich fand das auch vollkommen ausreichend.
Blieben noch die Flüge mit der portugiesischen Fluglinie TAP, das war auch eine gute und preiswerte Entscheidung.
Jetzt stand also alles, nun durfte ich mich schon mal mit dem Freuen anfreunden.

Dann liest Du alles, was Du zu lesen bekommst, das Offizielle vom Veranstalter, das, was Andere dort eim MIUT erlebt und beschrieben haben, Du liest das Internet rauf und runter. Und je mehr ich las, umso kleiner und besorgter wurde ich (Einfach nach dem Motto: „Der kleine TOM will im Ultraparadies abgeholt werden“).
Ich bin in Andorra gescheitert, beim TdG, zwei Mal beim PTL, ich muss mich mit „das war deshalb, weil …“ erklären, warum es in Verbier und am Canyon du Verdon kein Finish gab – klar war, dass dieses Ding gerockt werden muss. Für meine Psyche, für mein lädiertes Selbstbewusstsein.

32 Stunden klingen lange für diese Strecke, Verbier und Verdon erlauben die gleichen Schlusszeiten. Aber Sorgen machte mir vor allem der letzte Cut-Off um 2.00 Uhr am Sonntagmorgen. 26 Stunden für 98 Kilometer mit rund 6.500 Höhenmetern rauf, danach hast Du noch sechs Stunden für 300 Meter rauf, noch viel runter und 17 Kilometer weit, sicher keine unlösbare Aufgabe, wenn da nicht dieser 2.00 Uhr Cut-Off wäre.
Was ziehe ich an, was nehme ich mit? Schwarz oder orange, kurz oder lang, Dynafit Feline Featherlight oder dich die HOKAs? Fizan oder Black Diamond, Aronal oder Elmex, Laptop oder Tablet?
Also einfach immer beides …, gelaufen aber bin ich in Dynafit und mit den Black Diamond Stöcken.
Fragen über Fragen, kann mir diese Entscheidungen niemand abnehmen?
Ist da draußen irgendwer, der mir immer die Laufsachen raus legt?

Madeira ist tatsächlich die Blumeninsel, schon vor vielen Hundert Jahren haben die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen, sich mit dem Anlegen ihrer Gärten gegenseitig ausgestochen und die meisten dieser Gärten gibt es nocb heute, ebenso den wunderschönen Botanischen Garten in Funchal, der Weltruhm hat und wunderschöne Blicke über das Zentrum von Funchal bietet.
Madeira ist nicht allzu heiß, was das Leben und Laufen erleichtert, relativ reich, die vielen alten und neuen, klassizistischen und kubisch-modernen, großen und riesigen Luxusherbergen belegen das. Tourismus ist dort wichtig, aber nicht überlebenswichtig, nur ca. 30% der Menschen arbeiten in dieser Branche.
All das macht die Insel und die Städte schön, die Kirchen imposant und das Bewässerungssystem für die gesamte Insel, die sogenannten Levadas, hält die Insel grün. Es ist eine Insel zum Liebhaben, zum Träumen und zum Sport machen, auch wenn es für Läufer und Biker immer steil rauf oder runter geht. Einfach geht halt anders.

Den Lauf selbst habe ich ja hier auf Laufspass.com schon aus meiner Sicht erzählt, nur so viel hier an dieser Stelle: der Lauf ist hart, sehr hart, teilweise brutal und die vier ITRA / UTMB – Punkte, die vergeben werden, gibt es nur für Blut, Schweiß und Tränen. Dafür aber darfst Du weitgehend in einer Landschaft laufen, die mehr als nur beeindruckt.
Für das Startgeld wird sehr viel geboten Pasta-Party, Bus-Shuttle vom Ziel zum Start, das tolle Event selbst und ein Startershirt.
Finisher wiederum bekommen am Ende sogar eine richtig gute, eine richtig schöne und eine richtig wertige Weste. Spätestens dann war der Lauf ein Schnäppchen.

Und jetzt, wo das alles vorbei ist, da fehlt mir so vieles, vor allem das tolle Buffet-Frühstück und die Mit-Frühstücker, mit denen ich den Frühstücksraum immer erst verlassen habe, wenn wir die letzten Gäste waren und das Licht ausgeschaltet wurde.
Und meine Gedanken sind in Tirol, in Hamburg, in Trier, in Dortmund und am Bodensee und meine Hoffnung ist, viele dieser neuen Freunde bald wieder zu sehen, vielleicht sogar beim R … ach, das lasse ich jetzt mal.
Nur eines noch: für „family and friends“ geht ja immer noch was, irgendwie.

Kein „we alter in Malta“, sondern „Madeira, die Blumeninsel“!
Das was mein erstes „M“ von 2015, „M“ und „M“ folgen dann noch, hoffentlich.

Auf dem höchsten Punkt Madeiras. Nebel ist dort oben keine Ausnahme, sondern Alltag. Vielleicht ist es gut, dass man auf dem Bild links nicht so tief ins Nichts schauen kann.

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