“MMM 2015″, mein drittes und letztes “M”

MMM7Es war 2 Uhr 30 Minuten, mitten in der Nacht. Ich hatte gerade eine Stunde geschlafen, im ersten VP nach der Dropbag-Station. Die war in Es Castell, genau 100 Kilometer hinter dem Start, gleichzeitig aber ar sie auch das Ende des 100 K Trail Menorca Costa Nord Trails und der Startpunkt des 85 K Trail Menorca Costa Sud. Es war die Stelle, an der ich 2014 raus bin und das süße Gift einer Wertung als 100 K Trailer annahm. Ein Jahr lang habe ich wegen dieses „Finishs zweiter Klasse“ mit mir gehadert.

2015 sollte es ja anders werden, das hatte ich versprochen und so habe ich dort in der Dropbag-Station die Frage, ob ich aufhören oder weiterlaufen wolle, selbstbewusst mit dem Ausdruck „I keep on running“ beantwortet. Nur frische Sachen angezogen, das neue KÖLNPFAD Shirt aus, das langärmelige geile X-BIONIC Teil an, keine Spur von Müdigkeit, also gleich weiter.

Mit Raimund Slabon am Start des Cami de Cavalls, Ciutadella

Mit Raimund Slabon am Start des Cami de Cavalls, Ciutadella

MMM1Dann aber drehte sich bei mir „von jetzt auf gleich“ alles um meine immer stärker werdende Müdigkeit. Ich suchte ein Schlafplätzchen, fand aber keines. Erst bei jenem VP, 15 Kilometer nach Es Castell, konnte ich schlafen, bekam eine dünne Decke und wurde mit der Warnung weiter geschickt, dass zwischen 6.00 Uhr und 7.00 Uhr eine Regenfront käme. Ich sollte dann besser schon beim nächsten VP sein.

Wieder 15 Kilometer. Das kann so lange dauern! Ticken die Kilometer auf Deiner GPS-Uhr bei den City-Marathons hoch wie nichts, so zäh geht dieses Hochzählen auf den Trails. Aber ich war pünktlich um 6.00 Uhr beim nächsten VP. Die Regenfront aber hatte Verfrühung. Offensichtlich kam die Regenfront nicht mit der Deutschen Bahn …

Um 3 Uhr 30 schon kam der kalte Regen und ich hatte meine Regenjacke zu Hause vergessen, keine trockenen Sachen mehr, ich sah nur noch weiße Schnüre im Kopflicht vor dem Gesicht und die Trails waren sofort matschig, glitschig, überschwemmt. Ich fror, ich litt, ich haderte …

Beim VP, der vielleicht zwanzig Meter neben der Strecke war, stand niemand. Aber ein Auto stand da, das Fenster wurde herunter gelassen, damit ich den VP und die Zeitnahme-Matte nicht verfehle. Hinter dem VP war ein kleines Gebäude. Und das war voller Läufer, alles Spanier. Mit zweien davon bin ich länger zusammen gewesen, wir hatten lange gequatscht. Und alle wollten raus, aufhören, den Bus um 9.00 Uhr nehmen oder sogar gleich ein Taxi.
„Das regnet den ganzen Tag lang,“ hieß es. Und dass wir als 100 K Läufer gewertet würden. „Das glaube ich nicht,“ sagte ich und rief den Veranstalter an.

Ja, ich gebe zu, wenn er mir den ehrenvollen Ausstieg angeboten hätte, vielleicht wäre ich schwach geworden. Aber er sagte: „No, the race is not stopped yet!“ Und er sagte auch, dass der Regen bald aufhören würde, in Ciutadella sei schon die Sonne zu sehen. Und so kam es dann auch und ich setzte mit frischer Kraft den Lauf um 9.00 Uhr fort, fast als einziger aus diesem llusteren Warteverein regenmüder Läufer.
MMM2Es war wohl die entscheidende Schlüsselsituation bei meinem dritten „M“. Und nun konnte mich auch nichts mehr stoppen. Nicht die enorme Hitze, die nun aufkam (ein Königreich für ein paar Wolken und leichten Nieselregen!) und auch nicht der erneut unglaublich starke Gegenwind, der die letzten 13 Kilometer zur Plage werden ließ. Immer frontal auf den Mann, hammerstark, laut und nervend.

Auf den letzten fünf oder sechs Kilometern, auf der Straße in urbanem Gebiet, nahm ich dann wieder Fahrt auf und erst die kleinen Tränen, die zu fließen begannen, als ich den roten Teppich sah, den Zielbogen, die vielen jubelnden Menschen, die den Zieleinlauf säumten, erst diese kleinen Tränen zeigten mir, dass diese Herausforderung wohl wieder nahe an meinen körperlichen Grenzen lag.

Victor, der Veranstalter, nahm mich im Ziel in die Arme und danach, es ging mir wieder besser, die Tränen waren getrocknet, gönnte ich mir ein kleines Bier, in Ermangelung einer „sin alcohol“ Version sogar eines mit … das hatte ich schon lange nicht mehr.
Eigentlich will ich ja keinen Alkohol mehr trinken und bin da nunmehr seit Anfang 2011 abstinent. Aber es gibt Momente, in denen Vorsätze mal wegsehen dürfen. Dieses Finish, dieses dritte „M“, war so ein Moment.
MMM4Madeira 115 K Mitte April, Mallorca 112 K Ende April, Menorca 185 K jetzt Mitte Mai – das, was ich mir vorgenommen hatte, hat funktioniert. Ich fühle jetzt ein Maß an Zufriedenheit und Dankbarkeit, wie ich es schon lange nicht mehr gefühlt habe.

Der Dank geht dabei natürlich in erster Linie an meine Gabi, die so oft auf mich verzichten muss, so oft auf der Arbeit für mich mitarbeiten musste und die mich auch dabei unterstützte, die finanzielle Hürde, die diese selbst gewählte Challenge (die Bayern würden dazu „das Triple“ sagen) gebildet hat, zu überwinden.
Des weiteren geht mein Dank an meine beiden erwachsenen Kinder. Auch sie mussten für mich arbeiten und auf mich verzichten.

Danke sage ich aber auch Thomas Schmidtkonz und Laufspass.com. Von ihm hatte ich Ziele bekommen und er ermöglicht mir, mein Maß an Sendungsbewusstsein zu befriedigen. Ich danke den Trail-Maniaks Mario Schönherr und Michi Raab für die Unterstützung und die Motivation und nicht zuletzt danke ich Dir, lieber Leser, der Du mich begleitet hast, hier auf meinem Blog, bei Facebook oder eben bei Laufspass.com.
MMM5Ich weiß, es gibt erheblich größere Leistungen, woanders, bei Anderen. Aber das ist meine Trilogie, die von einem, der in der Schule nie einen Hüftaufschwung am Reck hinbekommen hat, der immer neidisch war auf das „Weiß-Butzele“, wie unser alter Turnlehrer den kleinen Vorzeige-Mitschüler genannt hat und von einem, der meist nur eine „Drei“ oder oft sogar nur eine „Vier“ im Fach Sport im Zeugnis stehen hatte.

Die Trilogie von einem, der bis zum dreißigsten Geburtstag gar keinen Sport gemacht hat und der erst nach einer 72-Tage Diät und vieken verlorenen Kilos Gewicht im Frühjahr 2004 mit dem Laufen begann.
Erster Marathon dann im Oktober 2004 in Frankfurt, der Zweihundertste „Marathon und länger“ kommt noch in diesem Sommer.
Es geht also, das mit der Metamorphose, das mit der Verwandlung.

Mit dem Beginn des Laufens änderte sich übrigens fast alles bei mir. Tierische Produkte entfielen, Kaffee wurde gestrichen, Butter und Margarine ebenso. Später kam dann noch das Eliminieren von Alkohol dazu und wenn ich auch noch lerne, die Finger von dem Gift der Energy Drinks zu lassen, dann nimmt mein schlechtes Gewissen noch etwas weiter ab.

Und ich schaue mal nach vorne. Nach meiner Trilogie „MMM“ und dem noch nicht beendeten Programm „My Mai“ kommen bis zum Somner noch zwei Sachen, auf die ich mich schon jetzt sehr freue.
Da ist der 6-Etappen-Lauf in Kappadokien, wo ich auf den Weg „Zurück zu meinen Wurzeln“ sein werde und da gibt es noch das Programm „Mein 08/15 Monat“, unter Anderem mit dem Mauerwegslauf in Berlin, dabei will ich auch wieder das Grab meines Bruders besuchen, und mit einer großen Überraschung am Monatsende.

Meine kleine Trilogie „MMM“ – „mission accompished“!

Madeira, Mallorca, Menorca … ich liebe Euch!MMM6

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