Köln – Istanbul – Ankara – Şereflikoçhisar

Diese Geschichte ist für eine Geschichte für Dich. Sie soll Dir ermöglichen, mitzukommen auf mein Abenteuer in der Türkei, ein Abenteuer abseits der bekannten und best promoteten Laufveranstaltungen Mitteleuropas.
Ich bin ja immer auf der Suche nach neuen Horizonten, ich liebe es, meinen Koffer zu packen und in ferne Länder, in wenig bekannte Gebiete, zu reisen – und dort zu laufen.
Diese Geschichte soll also auch eine Einladung zum Reisen sein …

Wenn ich in die Türkei reise, dann reise ich ein stückweit in die Vergangenheit meines leiblichen Vaters, hinein in eine Sehnsucht. Ich reise aber auch in ein Land, in dem ich 2015 so immens viele Freunde gefunden habe, Menschen, deren Begeisterung und deren Lebensfreude mir zeigt, wie aufregend das Leben sein kann. Davon könnte ich noch einiges lernen, da könnte ich noch enorm wachsen …

Und so war meine erste Station in der Türkei letztes Jahr der Lauf durch Kappadokien, der „Runfire Cappadocia“, das Rennen des Feuers. Sechs Tage lang wollte ich damals in der Hölle leben – und gleichzeitig auch im Paradies.
Dabei ging es mir nicht primär darum, meine Grenzen zu finden, obwohl der „Runfire Cappadocia“ sicherlich einer der härtesten Ultramarathon-Bewerbe der Welt ist. Weil es so heiß ist. Weil die Regeln so hart sind.
Mir ging es damals vor allem um die Gegend zwischen Aksaray, der Geburtsstadt meines Vaters, Kayseri und Ankara, um die wegen ihrer geologischen Seltsamkeiten weltberühmte Region rund um Uchisar und Göreme, der kleine Flecken Welt, an dem jeden einzelnen Tag Hunderte von Fesselballons aufsteigen, weil man die skurrilen Tuffsteingebilde am besten aus der Luft ansieht – oder man rennt einfach dazwischen durch, darüber hinweg und man schlängelt sich durch die Höhlen.
Kein Wunder, dass dieser landschaftliche Traum von der UNESCO als eine der schönsten historischen Stätten der Welt bezeichnet wird, so einzigartig, dass man sich fragt, ob man sich wirklich noch auf unserer Erde befindet.

„Runfire Cappadocia 2015“:

Es war mein bisher vielleicht spannendstes Lauf-Abenteuer (siehe https://marathonundlaenger.wordpress.com/runfire-cappadocia/), aber es hatte einen Schönheitsfleck, einen Makel, der mich ein langes Jahr lang immer wieder bedrückt hat. Und dieser Makel war, dass ich auf der Königsetappe geschwächelt hatte.
Die Königsetappe, immerhin 100 Kilometer lang, findet hauptsächlich auf dem Tuz Gölü, einem Salzsee, statt. Außer in Bolivien kenne ich keinen Salzsee, der solch ein Laufabenteuer bietet. Und ich bin nach rund 30 Kilometern ausgestiegen!
Weil ich mich nicht exakt an die Strecke des GPS-Tracks gehalten hatte. Und weil. Und weil. Und überhaupt.

Es war am Sonntagnachmittag, 24. Juli 2016, als mich mein französischer Journalistenfreund Brice Rohaut per Facebook Messenger anklingelte und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, spontan noch in die Türkei zu fliegen, um am „Toughest Day“ teilzunehmen, also nur und ausschließlich an dem Bewerb, der eben diese Königsetappe umfasst.
Nur zwei Wochen nach dem vereitelten Putsch in der Türkei über einen Flughafen Istanbuls nach Ankara fliegen? Noch eine Woche zuvor musste mein türkischer Freund Özcan Camyar seinen Lauf „Aybasti Ultra“ absagen – wegen der politischen Situation im Land. Und ich sollte nun nach Ankara kommen?

Wenn mir so etwas passiert, dann regen sich in mir immer verschiedene Gedanken. Da ist die Lust aufs Reisen, der Spaß am Skurrilen, an Verrücktheiten, die wahrlich nicht jeder macht. Aber da ist auch der kühl rechnende Verstand, der die immensen Reisekosten summiert, die Zeit abschätzt, die man nicht zu Hause ist.
Und dann wird gegooglelt, Flüge müssen gefunden und gebucht werden, die Familie muss zustimmen, ein Bus von Ankara nach Şereflikoçhisar muss gefunden werden. Weil ich da ja am Mittwoch, 27. Juli 2016 um 15 Uhr sein soll. Sein will. Sein darf!
Gut, dass man Freunde hat, die einem in der einen oder anderen Frage weiterhelfen können. Ich selbst kann ja kein Türkisch, das ist ein echtes Handicap bei der Internet-Recherche von innertürkischen Busverbindungen.

Als dann alles gebucht war, kamen schöne Erinnerungen in meinen Kopf, Erinnerungen an die liebenswerte Chefin der Veranstaltung, Özge Usta Dogan, an meine türkischen Lauffreundinnen und Lauffreunde, an die Schattenfotografien im Abendlicht, an die geniale und feucht-fröhliche Abschlussveranstaltung in Uchisar. Und ich erinnerte mich an das Salzwasser auf der harten Salzkruste, an die Hitze von oben und an die Hitze von unten.

Und dann fängst Du an zu planen. Was soll ich alles mitnehmen? Eine Gletscherbrille gegen die große Helligkeit, ich entschied mich für die Asics Gel Kayano Laufschuhe, weil die Strecke ja weitgehend flach ist. Seen haben halt selten Anstiege.
Nein, keine Stöcke, wirklich nicht, dachte ich mir. Und nur einen kleinen Rucksack. Aber eine große Flasche Sonnenmilch, eine sehr große Flasche. Laufklamotten, zivile Klamotten, die Badutensilien – und die ständige Frage, welche elektronischen Teile brauchst Du? Laptop, Tab, Handy, Kamera, MP3-Player, GoPro, GPS-Gerät, Stirnlampe, welche Laufuhr? Sonst noch was?

Und dann war der Sonntag auch schon vorbei. Noch zwei Tage bis zur Abreise. Vom Flughafen Köln-Bonn über den Flughafen Sabiha Gökcen im asiatischen Teil Istanbuls nach Ankara. Am Mittwoch.

Noch etwas träumen …
… vom Tuz Gölü, diesem riesigen, 80 Kilometer langen, Salzsee. Davon, dass dort der Horizont oben strahlend blau und unten alles hell und weiß ist, träumen von einem unwirklichen Platz einerseits und einem paradiesischen Garten andererseits, aber von einem Paradies, in dem es weder Äpfel noch Schlangen gibt.
Und träumen von der wohligen Wärme im Uzunetap-Camp, mit herrlichem türkischen Essen, mit Musik, Sonne, Gelächter, mit vielen Freunden und mit ausgelassener Freude …

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3 Kommentare zu “Köln – Istanbul – Ankara – Şereflikoçhisar

    • Oh, da fällt mir ein, dass ich den Teil des eigentlichen Laufs noch schuldig bin.
      Den wollte ich „eigentlich“ am Montag schreiben. Mit etwas Glück komme ich aber heute noch dazu.

      Ja, das Event findet jährlich statt.
      Ich war auch im letzten Jahr dort, allerdings damals beim Ultra (ca. 250 K, 6 Etappen, wobei die 100 K die Königsetappe ist).
      Daneben gibt es den Bewerb 6G (6 Etappen, jeweils ca. 20 K lang), den habe ich bei der anderen Veranstaltung von UZUNETAP, dem Lycian Way, mit meiner Frau gewählt.
      Der Vorteil ist, dass Dein Zeug transportiert wird, Du trägst nur die Sachen für den Tag. Zudem gibt es tolle und leckere Buffets, viel Spaß mit den anderen Läufern, es ist halt ein richtiger Lauf-Urlaub, kein „Hardcore“ Event.
      Dann gibt es den Bewerb 4G, der wir auch der erste Tag (ca. 20 K) als Bewerb für uns keinen Sinn macht.

      Tja, und dann gibt es eben noch die Königsetappe, den „Toughest Day“. 100 K auf dem Tuz Gölü, dem Salzsee, mit einem Schwenker in der Mitte auf einen kleinen Berg und dann wieder runter aufs Salz.
      Den „Toughest Day“ und die vergleichbaren Bewerbe gibt es auch beim Lycian Way Ultra, den ich Dir auch sehr ans Herz legen kann.

      Gerne weiter fragen …

      Danke für den Kommentar.

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