Ein Lauf mit Suchtfaktor

Berge, Steine, Geröll, steile Hänge, heftige Downhills – ich habe viel erlebt in den letzten Wochen. Erst der unbeschreibliche GR-20 auf Korsika, wo es kaum einen einzigen laufbaren Kilometer gab, dann die erste Hälfte des Mitic in Andorra.
Und nun also der Eiger Ultra Trail.

E101 („The Ultra Trail“), natürlich. Ich hätte auch die Streckenlängen E16 („The Pleasure Trail“), E35 („The North Face Trail“) oder E51 („The Panorama Trail“) wählen können. Aber ich habe da ja diese bekannte Klickschwäche, die mich fast immer dazu zwingt, meinen Klick ganz unten bei der längsten Strecke zu machen. Oft ärgere ich mich dann über mich, weil es doch viel leichter und sicherer wäre, weiter oben anzuklicken.
Früher fertig sein, weniger fertig sein, sicher finishen und „gar nie nicht“ einen DNF.
Wir Ultraläufer müssen eine Ultra-Macke haben …

Start und Ziel ist in der Stadt Grindelwald, hoch über dem schönen Tal, in dem mit dem Brienzer und den Thuner See zwei große und hübsch unterschiedlich gefärbte Seen liegen. In Grindelwald hat sogar eine Cousine von mir ein Ladengeschäft, zusammen mit ihrem Mann und doch ist ein Besuch in Grindelwald für mich gleichzeitig selten und immer ein echtes Highlight.

Ich reiste mit einer Freundin und ihrem Freund an, geteilte Strecke ist gedrittelte Strecke, aber internen Widrigkeiten geschuldet erreichte ich die Startnummernausgabe erst um 15.30 Uhr, viel später als erwartet.Aber die Startnummernausgabe war enorm professionell gemacht. Ich bekam die Startnummer „194“ und ich wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass ich mein kleines Lieblingsziel, nämlich eine Platzierung unter der Zahl der Startnummer zu erreichen, dieses Mal wohl vergessen kann.
Ach, was soll’s, dachte ich. Immerhin war ich schon jetzt ein Gewinner. 600 Läufer*innen, 513 Herren, 87 Ladies, insgesamt aus 47 Ländern dieser Welt, durften nur dabei sein, es hätten aber viel, viel mehr sein können.
Beim E51 gab es sogar 800 Startplätze, zweieinhalb Tausend Läufer*innen waren es insgesamt, alles ausgebucht innerhalb von Stunden und Tagen.
Der „frühe Vogel“ bekommt den Wurm, hier in Form eines Startplatzes und die, die zu spät kamen, die bestrafte das Leben.

Deshalb sei hier schon eindringlich auf Halloween 2017 hingewiesen. Da heißt es nicht „trick or treat“, sondern „Startplatz oder Verzicht“, denn am 31. Oktober öffnet das Anmeldeportal für die Bewerbe des Eiger Ultra Trail 2018.
Notiere Dir also diesen Tag fett im Kalender und Ihr alle da draußen, bucht schnell und viel. Aber lasst ein Startplätzchen für mich übrig …. bitte, bitte.

Es wurde jedes einzelne Teil der Pflichtausrüstung kontrolliert, von der Pfeife bis hin zur Regenjacke mit Kapuze. Das kostet etwas Zeit, aber, ganz ehrlich, es schützt manchen von uns vor sich selbst. Klar brauchen wir das alles nicht, wenn alles normal läuft. Wenn wir normal laufen können. Was aber, wenn das Rennen angehalten werden muss und Du mit schweißnassen Sachen in der Kälte stehst? Oder, noch schlimmer, wenn Dich eine Fußverletzung am Weiterlaufen hindert?

Nach zwei Terminen im Hotel Kreuz, gleich gegenüber der ausgezeichnet besetzten Trail-Masse, über die ich separat berichten will, gab es noch das Geklingel der riesigen Glocken, die von Locals durch die staunende Läufermenge getragen wurden, etwas Alphorn-Musik und das Briefing.
Es ist schon erstaunlich, dass sich ein Bewerb, den es erst seit vier Jahren gibt, der also erst zum fünften Mal durchgeführt wird, schon einen so prominenten Platz in der Trailszene gesichert hat, dachte ich.
Was ist denn da so anders an Eiger, Jungfrau und dem Gletscherdorf?

Grindelwald war, was Hotelzimmer betrifft, komplett ausgebucht, also fiel meine Wahl auf Interlaken, gut 20 Kilometer weit entfernt. Das bedeutete, dass ich zeitig nach dem Briefing Richtung Hotel aufbrach. Das Mitternachtssüppchen in der Disco blieb mir also verwehrt.
Mein Wecker klingelte um 2 Uhr 50, weil ich um 3 Uhr 15 abgeholt werden sollte, direkt vor meinem Hotel. Und, dort wartend, sah ich, dass die Disco nicht nur direkt neben meinem Hotel lag, sondern auch, dass da reges Treiben herrschte. Wenn Ultraläufer, die mit der Ultra-Macke, aufstehen, dann gehen die Disco-Gänger wohl gerade zu Bett.

Der Start des E101 war um 4 Uhr 30, ich war schon kurz vor 4 Uhr vor Ort, Zeit, mich umzusehen und einige Hände zu schütteln, einige Leiber zu drücken und zu herzen und auch Zeit, mir darüber klar zu werden, dass sich ein Gutteil meiner kleinen Laufwelt in Grindelwald versammelt hatte, wenngleich das Gros der Freunde den Panorama-Trail gewählt hatte.

4 Uhr 28, die Spannung stieg und wir wurden vom Moderator langsam vorbereitet, bald schnell zu werden. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich das Laufen in der Nacht liebe?
Und durch Grindelwald rennen, begleitet von Hunderten noch verrückterer Läufer wie mich, das ist einfach unvergesslich.

Und wenn es dann gleich gut 1.000 Höhenmeter rauf geht zur Großen Scheidegg, wo auch der erste der durchweg hervorragend bestückten Verpflegungspunkte lag, dann weißt Du schon, ob das heute „Dein Tag“ ist oder nicht. Für mich war es zweifellos „mein Tag“. Ich kam gut die Berge hoch und fühlte keinerlei Schwäche, schon gar keinen Schmerz. Aber wie heißt es bei den Ultras immer so schön: „Wenn Du einen Ultra läufst und Du hast keine Schmerzen, mach‘ Dir keine Sorgen, das geht vorbei!“ Aber dazu später mehr.

Nun frischte der Wind merklich auf und nahezu alle Läufer*innen beschlossen, zumindest einen Windbreaker anzuziehen. Aber bald war der Wind vorbei, die Sonne da und die Frage stand an, ob ich den Windbreaker wieder ausziehen sollte oder nicht. Ich entschied mich für gepflegtes Schwitzen, weil ja das Faulhorn mit seinen knapp über 2.700 Metern noch Kühle und Windböen versprach.
Der Trail rüber zur Bergstation First hat tatsächlich den Namen „Panorama Trail“ verdient. Großartige Blicke auf die vielleicht berühmtesten Berge der Welt und ein Geläuf, das Dich tatsächlich auch mal wieder Laufen lehrt. Wie habe ich das in den letzten Wochen vermisst!

Die ganze Region um Eiger, Mönch und Jungfrau ist ein Lieblingsziel der Asiaten. Und auch bei den Teilnehmern der Bewerbe des Eiger Ultra Trails gab es Chinesen und Japaner zu Hauf. Eine Wohltat, zu sehen, wie international dieser Lauf ist. Ich liebe es!

Kurz vor der Bergstation des First durften wir aber erst einmal rund 500 Höhenmeter runter. Auf steilen Wegen und steilen Straßen. Liebe Oberschenkel, dachte ich, seid nett zu mir und tut so, als würdet Ihr das nicht bemerken! Aber sie taten es und so langsam begann ich zu merken, dass ich tatsächlich Muskeln an den Beinen habe.

Offizielles Foto des Veranstalters

Unten angekommen lag der VP2 und wir durften das Ganze im großen Bogen wieder nach oben traben.Und fast oben angekommen, kommt eine meiner Lieblingspassagen der Strecke: der Lauf auf dem angehängten Stahlbalkon des First. Eineinhalb Minuten geniales Laufen auf schwankendem Boden und als Abschluss läufst Du unter einer Brücke durch, auf die Dutzende von Zuschauern stehen und jubeln. Wer das oder ähnliches noch nie erleben durfte, der weiß nicht, wie schön es sein kann, bewundert und angefeuert zu werden – und das als „Normalläufer“. Elite sind wir ja alle nicht, oder?

 

Auch der weite Weg rüber zum Anstieg auf das Faulhorn ist eine Augenweide. Und wieder etwas zum laufen lassen. Tempo machen, den Wind im Gesicht spüren und über Bergwege fliegen! Alles was ich je wollte, in diesen Minuten bekam ich es:
genial schöne Ausblicke, Sonne satt und eine Laufstrecke, die einen hohen Suchtfaktor hat.
So langsam werde ich sukzessive von den schnellsten Läufern des E51 überholt. Sie sind zweieinhalb Stunden nach uns gestartet, mussten aber knapp 10 Kilometer und rund 500 Höhenmeter weniger laufen. Der eine oder andere dieser Läufer grüßte, manch einer blieb sogar kurz stehen, um mich zu drücken, wie beispielsweise Wolfi, mit dem ich heuer auf Korsika war und der mit seiner Laufpartnerin aufs Treppchen lief beim E51 Teamlauf.

Offizielles Foto des Veranstalters

Rauf aufs Faulhorn, eine anstrengende und schweißtreibende Angelegenheit. Meine Steiggeschwindigkeit ließ etwas nach, aber es gab dennoch nur wenige, die an mir vorbei zogen. Einer davon war, tatsächlich kaum schneller als ich, mein Lauffreund Jonas Berg vom Trail Magazin und von LaufBar. Ihn zu sehen erfüllt mich immer wieder mit Freude. Unvergessen bleibt unser gemeinsamer Ausstieg beim AlpenX und die gemeinsamen Stunden danach.

Bergwertung? Nein danke, ich sowieso nicht.
Überlebenswertung? Schon eher.
Der VP auf dem Berg zeigte schon etliche Gesichter, denen die Kraftlosigkeit anzusehen war. Und weiter ging es. Das Terrain war im Vorjahr noch voller Schnee und glitschig, dieses Jahr war es trocken und wesentlich besser zu belaufen, aber steil und verblockt. Alles andere als leicht also.
Und ich lief auf einen anderen „Korsen“ auf. Mit Thomas Wagner lief ich letztes Jahr auf dem korsischen GR-20, ich vermutete ihn aber wesentlich vor mir. Wir liefen eine Weile zusammen, bis wir beschlossen, auch den Rest gemeinsam zu bewältigen.
Eine folgenschwere Fehlentscheidung für Thomas, jedoch ein Segen für mich.

Es lief gut und wir liefen locker und harmonisch ständig auf und ab Richtung Schynige Platte, oft mit grandiosen Blicken auf die beiden, tief unter uns liegenden Seen, blau und grün gefärbt. Es hätte alles so schön und harmonisch sein können und wir funktionierten als Team hervorragend.
Rauf auf eine Stahltreppe, auch ein kleines Highlight und dann lang und tief und hart hinunter nach Burglauenen, runter zu Pasta und zum DropBag.

Den Downhill hatte ich noch aus dem Vorjahr in Erinnerung. Schön ist etwas anderes, dachte ich, die vielen Wurzeln und die harten Konteranstiege hatten sich tief in mein Bewusstsein eingebrannt.
Jetzt ungefähr begann die Zeit, in der erst die technische Überlegenheit von Thomas griff, dazu kamen massive Schmerzen bei mir unter der rechten Pobacke, die mir vor allem die Anstiege erschwerten. Aber Thomas wartete immer wieder brav auf mich.

25 Minuten Pause in Burglauenen, dann setzten wir unsere Reise fort. Weil es von der Schynige Platte bis Burglauenen rund 1.400 Meter runter ging, ging es nun auf der anderen Seite … klar, rund 1.400 Meter wieder rauf. Aber nicht an einem Stück, sondern erst rund 800 Meter rauf und wieder 500 Meter runter nach Wengen, dann am Stück 1.100 Meter rauf zum Männlichen.
„Wenn wir das geschafft haben, dann haben wir so gut wie alles gepackt,“ sagte ich meinem Laufpartner. Welche Fehleinschätzung, denke ich heute!

An dieser Stelle entschuldige ich mich für alles, was ich in dieser Phase des Laufs gesagt habe und behaupte das Gegenteil. Aber ich litt. Das rechte Bein wollte nicht mehr und teilte mir das bei jedem Schritt hochwärts mit. Meine Steiggeschwindigkeit sank immer weiter und die Anzahl derer, die mich als „stehendes Hindernis“ wahrnahmen, stieg dramatisch an.
Auf etwa 1.800 Metern gönnten wir uns eine kurze Pause auf einer Bank. Thomas und Thomas. Und wie das Leben so spielt, gesellte sich noch ein Thomas aus Wiesbaden zu uns auf die „deutsche Thomas-Bank“. Lange stritten wir uns danach mit diesem Thomas um den Gewinn des Schneckengeschwindigkeitsrennens. Ich glaube, ganz am Ende hatten wie die Fühler etwas weiter vorne, mit viel gutem Willen ist das auf dem Zieleinlaufsfoto mit der Lupe zu erahnen …

Vom Männlichen ging es dann zur Kleinen Scheidegg mit ihren wunderhübschen Häusern. Aber, den Ortskundigen sei es gesagt, nicht auf dem direkten Weg („Kleine Scheidegg 30 Minuten“ stand auf dem Schild für Wanderer), sondern ganz unten rum. Höhenmeter sammeln, mein rechtes Bein bestrafen, den kleinen TOM zu manchem Schimpfen bewegen.
Aber der VP dort entschädigte und das Treffen auf Christian Hofmann, einem der deutschen Köpfe der legendären LUNA Sandals, machte Mut und Freude. Noch einer, der sich unserem Schneckenrennen anschloss und der auch durch unsere Schneckenschleimspur gebremst erst kurz nach uns ins Ziel kam.

Runter zur Moräne und diese Moräne dann rund 300 Höhenmeter hinauf. Noch war es hell, was für ein Glück, denn der Blick auf den Eigergletscher und der Blick auf das Gletscherdorf sind unbezahlbar.
Früher, noch als Nicht-Läufer, hatte ich gedacht, dass nur Verrückte zum Gletscherdorf pilgern würden. Selbst die Fahrt mit der Zahnradbahn schien mir eine fast unmenschlich große Leistung zu sein. Wie sich die Zeiten doch ändern können.
Je oller, je doller, denke ich heute mit meinen Mitte 50 Lebens- und meinen 15 Läuferjahren. Mal sehen, was ich in weiteren 15 Jahren denken werde.

Vom Gletscherdorf abwärts läuft es bei Thomas und mir wieder wunderbar. Die Kulisse ist gigantisch, noch ist es hell und im Wesentlichen lässt es sich gut laufen auf dem Trail.
Es geht kaum runter und als es dunkel wird und wir wegen der Stirnlampen Halt machen, hofften wir auf ein Finish vor 1 Uhr. 20 Stunden 30 Minuten, das wäre doch was, oder?

Irgendwann geht es dann doch runter, klar, wir müssen ja rund 1.100 Höhenmeter bis zur Ziellinie verlieren. Und wenn es dann runter geht, dann geht es „sakrisch steil“ runter. Die Oberschenkel brennen, aber wir lassen es laufen. Wieder hätte Thomas mit seiner überlegenen Technik Stunden einsparen können, aber ich gab alles und wir ließen einige Läufer*innen stehen, die nur noch wandern konnten.

Aber war da nicht noch was? „Die schicken Dich kurz vor dem Ziel noch einmal gut 300 Meter rauf,“ wurde ich gewarnt. Und, oh weh, das stimmte. Irgendwann hörst Du das Jubeln im Ziel von Grindelwald und Du beschäftigst Dich schon mit Deinem Zieleinlauf, Du schimpfst Deine Laufuhr, weil sie viel zu wenige Kilometer anzeigt, aber Du bist soooo nah am Ziel, dass Du es scheinbar schon greifen kannst, da wirst Du noch nach rechts in den Wald geschickt.

Thomas war vorne, ich war frustriert. Laufen klappte auch im relativ flachen Teil gar nicht mehr. Weniger als die Wurzeln auf dem Weg behinderten mich meine Gedanken, meine Flüche und meine Schmerzen. Rund 300 Meter rauf, ein letztes Mal.
Aber dieser Weg ging rauf und runter und immer, wenn ich dachte, dass es jetzt ansteigen würde, brach der Uphill wieder ab und es kam wieder eine Senke.
Dann aber kamen wir doch höher, gut 120 Meter oberhalb des Einstiegs in diesen Weg.
Ob die „300 Meter“ die Kumulation der Wellen seit der Abbiegung sind?
120 Meter sind wir höher und vielleicht haben wir 180 Meter rauf und runter geschafft?
Ich hoffte … und es kam ein VP, endlich.

„Wie hoch noch?“ fragte ich. „Noch 300 Meter“ war die Antwort. „Mist“ ist wohl das einzige Wort, das hier einigermaßen zitierfähig ist, das mir durch den Kopf ging.
Also rauf. Noch einmal schimpfen, noch einmal leiden, noch einige Schmerzen uphill ertragen.
Meine Steiggeschwindigkeit war nun nahe Null und gefühlt überholte mich jeder, der noch hinter mir war. Nun zweifelte ich nicht mehr nur am Finish um 1.30 Uhr, sondern sogar an dem vor 2 Uhr. Und ich begann, mich zu schämen.
Gut gestartet und so stark nachgelassen …

Dann aber ein Klingeln in der dunklen Nacht, wir waren oben auf dem Pfingstegg. Noch kam nicht der letzte VP, aber es ging nicht mehr rauf. Keine Schmerzen mehr!
Und nach dem VP waren es keine sechs Kilometer mehr.

Thomas schaute auf die Uhr und fragte mich, was ich glaubte, wie spät es wäre. „Zwei Uhr?“ fragte ich zurück. „Nein, fünf Minuten nach Mitternacht!“
Für den Rest der Strecke hätten wir noch 55 Minuten und wir würden doch noch vor ein Uhr im Ziel sein, wie geplant.

Und so ließen wir es wieder laufen. Wir rannten uns die Seelen aus dem Leib und überholten, wer sich überholen ließ. Es ging nicht allzu steil runter, ideal zum Tempo machen und wir liefen Zeiten, die ich schon lange nicht mehr gelaufen war, teilweise unter fünf Minuten für den Kilometer.

Durch den Campground durch, auf dem Christian Hofmann sein LUNA Sandals Motorhome stehen hatte, vorbei an klatschenden Menschen. Ab jetzt kannte ich die Strecke, es war nicht mehr weit.
Und wenn es nicht den finalen Anstieg in die City von Grindelwald gegeben hätte, dann hätten wir auch mit dem Laufen nicht mehr aufgehört.

Das steile Stück Straße rauf, rechts, links.
„Da oben bei dem Haus rechts müsste die Hauptstraße beginnen,“ sagte ich zu Thomas. Und so war es auch. Thomas motivierte mich auf der Hauptstraße noch einmal zu einem Trab, richtiges Laufen war aber nicht mehr drin. Es waren nur noch wenige Hundert Meter durch die beleuchtete Stadt.
Kurz vor dem Abknicken nach links über die eigens für das Event gebaute Holzbrücke stand da … mein lieber Kumpel Jonas Berg. Ein Mal drücken, zwei, drei Worte wechseln, so viel Zeit muss sein, dann rauf auf die Brücke, auf den roten Teppich ….

… und dann Hand in Hand ins Ziel.

Schneller als gedacht, früher als gedacht.
20 Stunden 05 Minuten und 16 Sekunden standen auf der Uhr – unglaublich.
Es war geschafft, den „Eigerstein am Bande“ und das Finishershirt hatten wir uns redlich verdient. Finde ich zumindest.

Was bleibt über den E101 noch zu sagen?
Vielleicht ein paar technische Highlights. Es gab von Datasport einen gut funktionierenden Tracker während des Laufs und die Zwischenzeiten wurden mit Pistole genommen, die die Startnummer auch auf die Distanz von 10 Metern scannen konnten.
Eine perfekte Organisation, hervorragende Verpflegungsstellen, geniale Aussichten, oft gut laufbare Streckenteile – Läuferherz, was willst Du mehr?

Und spätestens jetzt begriff ich, was den Zauber des Events Eiger Ultra Trail ausmacht.
Und ich habe das Kribbeln im Bauch, dieses Kribbeln, das mir sagt, „das muss ich wieder haben“.
Und wieder. Und wieder.
Ein Lauf mit Suchtfaktor.

Danke schön, dass ich dabei sein durfte.

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4 Kommentare zu “Ein Lauf mit Suchtfaktor

    • Die zweite Hälfte des E101 hat es tatsächlich „in sich“.
      Ich habe tatsächlich sieben Tage lang noch Probleme mit dem lädierten Muskel zwischen rechter Pobacke und hinterem Oberschenkel gehabt. Vor allem beim Aufstehen hat der Muskel mir Probleme gemacht.
      Also: Leiden ist keine Schande bei solch einem Hammertrail.
      Und finishen ist alles.

      Wir alle laufen nicht in der Liga, solche Rennen auch nur annähernd gewinnen zu können. Und ob wir nun 18, 20, 22 oder 24 Stunden brauchen – oder mit 25 Stunden 15 Minuten ziemlich als Letzte reinkommen, das ist ziemlich egal.
      Jeder, der sich auf solch eine Strecke traut und startet, der ist schon ein Sieger, ein Sieger über die Bequemlichkeit, den „inneren Schweinehund“. Und jeder, der das Ding auch finishen kann, der ist ein Sieger über seine Zweifel, seine Schmerzen.
      Wir dürfen alle stolz auf uns sein!

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