Viele Sterne über Mallorca …

24174286_1741072135936702_2599474567096704434_nIch sitze im Flieger nach Hause, die Sicht nach unten ist außergewöhnlich frei und schön. Ich sehe schneefreie Täler und schneebedeckte Berge. Und ich beginne, nachzudenken, was mir am vergangenen Wochenende denn so alles passiert ist.

Alles begann eigentlich schon mit meiner Entscheidung, statt an einem Lauf in der Türkei im April 2018 doch lieber mit Michi Raabs Laufcoaches.com Truppe den GR 221 auf Mallorca zu rocken.
Der GR 221 ist einer der besonders schönen Lauf- und Wanderstrecken durch das Tramuntana Gebirge auf „Malle“, Deutschlands „Bundesland Nummer 17“.
Im Gegensatz zum GR 20 auf Korsika, der ja mittlerweile Kultstatus und Weltruhm erlangt hat, ist der GR 221 noch weitgehend unbekannt, er ist auch nach vielen Jahren der Existenz noch nicht durchgehend markiert und er ist auch durch die Existenz von etlichen Alternativstrecken auch nicht abschließend festgelegt.
Aber der Weg durch das Tramuntana Gebirge, der „Weg der Trockenmauern“, die teilweise auf die Römer zurückgehen, ist einfach traumhaft schön.

Ich hatte den GR 221 vor einigen Jahren durch Michi Raab kennen gelernt, als er mich zum damaligen Lauf „Ultra Tramuntana“ mitnahm, 112 Kilometer von Andratx nach Pollenca, (Pollenca mit einem „c“ mit einer kleinen Schlangenlinie drunter, damit es statt „z“ als „s“ ausgesprochen wird. Und weil nicht nur mein Rechner nicht über diesen Buchstaben verfügt, deshalb schreiben Manche sicherheitshalber auch lieber „Pollensa“), einen Lauf, den ich danach noch zwei weitere Male wieder besuchen durfte, bis er sich zu einem meiner Lieblingsläufe entwickelt hatte, um dann leider eingestellt zu werden.
Der Lauf fand immer im April statt und ich werde nie die steil und heiß über den Läufern thronende Sonne vergessen, die uns jeden Schritt des steilen, s-förmig geschwungenen, längsten Anstiegs von Soller aus rauf bis zum Stausee schwer gemacht hat. Allein dieser Anstieg hat insgesamt mehr als 1.200 Höhenmeter und der gesamte GR 221 wartet mit knapp 5.000 Höhenmetern auf, keine „leichte Kost“ also. Kindergeburtstag geht eben anders, will aber keiner haben.

Aber zurück zum Anfang. Als ich mich also entschied, im April die Laufcoaches.com 3-Tage-Version des Laufs durch das Tramuntana Gebirge zu laufen, rief mich Michi an und berichtete, dass er zufällig einen fast ganz neuen Lauf auf nahezu gleicher Strecke gefunden hätte, ebenfalls von Andratx nach Pollenca, nun aber mit 124 Kilometern etwas länger. Das Zeitlimit war gleich wie beim „Ultra Tramuntana“, trotz der 12 Mehrkilometer, das sollte aber eigentlich passen, waren meine Finisherzeiten doch immer zwischen 19:40 Stunden und 21:40 Stunden.
„Tramuntana Travessa“ heißt dieser Lauf, der 2016 erstmals ausgeführt wurde und für den es nur eine Webseite auf Spanisch und eine auf Mallorquinisch gibt. Eine nur sehr sporadische Beteiligung ausländischer Gäste war also vorauszusehen.
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Kaum hatte ich mich dank der Übersetzung durch „Google Translate“ in die Details eingelesen, war ich Feuer und Flamme – und angemeldet. Und ich träumte und stellte mir einen letzten Lauf 2017 in der Sonne vor, mit kurzer Hose, kurzem Laufshirt, Mallorca eben.
Wie man sich doch täuschen kann! Heute weiß ich, dass an diesem Wochenende, dem ersten Dezember-Wochenende, der kürzeste Weg von Köln in den tiefen Schnee eineinhalb Flugstunden lang ist und direkt ins Tramuntana Gebirge führt.
Zum Glück war ich darauf dank eines Facebook-Hinweises vorbereitet und ich hatte auch eine warme Variante zum Anziehen dabei. Wen stören denn zehn Zentimeter Schnee auf den Gipfeln?

Leider hatte ich keine bessere Variante von mir selbst dabei, der relativ laufarme Herbst hat mich ganze sechs Kilogramm schwerer werden lassen und das, obwohl ich im Frühling schon zwei Kilogramm mehr auf die Waage brachte als ich mir das wünsche.
Notiz also an mich selbst: acht Kilogramm müssen runter bis zum März 2018!
Also „bye bye“ Zucker, „njet“ zu den Bierchen, auch zu den alkoholfreien, und dafür wieder eine bewusstere und kohlenhydratarme Kost.

Übergewichtig und untertrainiert reiste ich also an nach Palma de Mallorca, dazu war ich wegen der vielen Arbeit der letzten Tage total übermüdet und ich überlegte laut, ob ich die 124 Kilometer Variante nicht doch besser gegen den Bewerb auf der halben Strecke eintauschen sollte.
Es sollte ein Männerwochenende mit Michi Raab und Gerald Blumrich werden, wobei Michi sowieso „nur“ auf der halben Strecke eingeschrieben war.
Ich erreichte Mallorca als Erster und sorgte schon mal für den Leihwagen, um die beiden dann vor dem Flughafen abzuholen.

Nun begann die Diskussion, wie wir uns organisieren würden. Gerald wollte am liebsten zum Ziel fahren, dort ein Hotelzimmer nehmen, damit wir nach dem Zieleinlauf einen möglichst kurzen Weg zum Bettchen hätten. Michi aber wollte in Bunyola, seinem Startort, nächtigen, mein Favorit wäre Andratx, unser Startort, gewesen. Michi setzte sich durch und wir alle bezogen ein Hotel in Bunyola. Zu unserem Glück, wie sich bald rausstellen sollte.
Nach dem Einchecken erfuhren wir im lokalen Café, dass laut John, einem der Orgateam-Mitglieder, der lange Lauf „zu 99 Prozent“ abgesagt würde, voraussichtlich würden alle Läufer auf der halben Strecke ab Bunyola starten.
Das eine verbliebene Restprozent machte dann Gerald und mir Sorgen. Gerald, weil er ja für einen 54 Kilometer langen Traillauf wohl nicht nach Mallorca geflogen wäre und mir, weil ich doch hoffte, so um die Frage nach einer Umbuchungsmöglichkeit herum zu kommen. Ohne Schlaf in der Nacht zuvor war ich todmüde, ich fühlte mich schwach und unmotiviert.
Um sicher zu gehen, fuhren Gerald und ich dann erst mal nach Andratx, wo wir dann auch ganz offiziell informiert wurden, dass es keinen langen Lauf geben würde. Die Begründung war, dass für die Nacht ein Schneetreiben mit Hagel, Blitz und Donner vorhergesagt war und die Veranstalter kein Risiko eingehen wollten, verständlich, dachte ich. Dabei hüpfte mein Herz vor Freude ob der Verkürzung, Gerald sah das natürlich etwas anders.
Wir würden also am nächsten Morgen um 8 Uhr starten und der offizielle Start der Halbstrecke würde eine Stunde nach hinten verschoben auf 9 Uhr.

Das Hotel war modern, kuschelig und die Nacht tat mir sehr gut. Als um 6.30 Uhr der Wecker klingelte, war ich motiviert und scharrte mit den Hufen. Auf dem Weg zum Start sahen wir, dass die umliegenden Berge leicht bepudert ausschauten, aber die Schneehöhe war eher überschaubar, dachten wir. Dabei musst Du aber wissen, dass die Berge um Banyola herum nicht zu den höchsten Bergen des Tramuntana Gebirges gehören.
Am Start war schon mächtig Trubel, das Starttor wurde aufgeblasen, Tische für die Abholung der Startunterlagen wurden gestellt und ich traf nicht nur den Speaker des „Cami de Cavalls“ auf Menorca, sondern auch noch den Zeitnehmer von Menorca. Überraschendes Freunde treffen also, Läufer, was willst Du mehr?
Allerdings wurde uns auch gesagt, dass die Veranstalter gerade im Café zusammensitzen würden, um die neue Lage zu diskutieren und es wurde die Lösung, dass alle Läufer um 9.00 Uhr starten würden, angekündigt, ein Grund, erst mal wieder ins Hotel zu gehen.

Dort frühstückten gerade fünf Spanier, die viel besser informiert waren als wir und die uns mitteilten, dass der Lauf nun komplett abgesagt sei, weil die Zufahrtsstraßen hinter Orient auf der einen Seite und hinter Lluc auf der anderen Seite gesperrt wurden. Keine Versorgung also und auch keine Hilfe durch Rot-Kreuz-Leute und in der Summe war das den Veranstaltern zu risikobehaftet.
Dann erfuhren wir, dass es aber eine Gruppe Läufer geben würde, die um 8.30 Uhr ohne Wettkampf, also „privado“, ohne Verpflegungsposten und mit Wasseraufnahme in den Refuges, starten würden. Da wollten wir natürlich dabei sein und gingen wieder zum Startgebiet.

Wir bekamen aber dennoch den Inhalt des Startersackerls inklusive einem sehr schmusig-warmen Shirt, wir machten ein paar Fotos und dann sind wir los gelaufen. Die Strecke war ja aufwändig markiert worden, viel Arbeit „für die Katz“ also. Oder doch nicht, weil die rot-weißen Bendel, teilweise sogar mit Reflektoren besetzt, uns beim Wege finden hätten helfen können.
Aber die Spanier, mit denen wir liefen, kannten sowieso jeden Stein dort.

Anfangs lief ich noch mit Gerald, war dann aber froh, dass die Spanier aus unserem Hotel da nicht mithalten konnten. Eine perfekte Gelegenheit für mich, einen Gang runter zu schalten und langsamer zu tun. Der erste Anstieg auf etwa 700 Meter war schon wunderschön. Ein Teil des Weltkulturerbes Tramuntana, den ich noch nicht kannte.
Irgendwann übernahm ich für unsere Gruppe den Pacemakerjob und ich erzählte und wies auf Bendel hin und bekam gar nicht mit, dass die Leute hinter mir gar nicht mehr zu „meiner Truppe“ gehörten, sondern dass das andere Spanier waren, die wohl auf uns aufgelaufen sein mussten.
Neue Laufpartner, neues Glück, dachte ich, ließ die drei Jungs vorbei und heftete mich an deren Fersen. Nicht überall, wo sie liefen, waren Markierungen, aber die Jungs kannten sich ja aus in dieser Gegend.
Ein steiler Downhill, nass und glitschig durch den Schneematsch, zwei Mal ausrutschen auf dem Matsch und dann durch vier niedrige Tunnel durch, die allesamt voller Pfützen waren. Die Kopflampe rausholen? Nee, auf keinen Fall den Anschluss an die Jungs verlieren, denn ohne Markierungen könnte es schwierig werden.

Wir kamen nun durch das Dörfchen Orient durch, was für ein nettes Örtchen, und einige Autos standen da, da es ja die letzte Gelegenheit für die Supporter war, uns anzufeuern.
Und am Ortsende ging es gleich scharf nach rechts auf eine schmale Asphaltstraße. Unsere Gruppe war mittlerweile größer geworden, wir liefen auf andere Läufer auf, vielleicht kamen auch welche von hinten dazu.
Vor uns lag eine riesige Finca, wunderschön, ein wahrer Traum für verrentete Deutsche, die es im Alter schön, warm und großzügig mögen und die sich diesen Traum auch leisten können.
Aber die ersten beiden Läufer kamen mir wieder entgegen, weil das Tor zur Finca geschlossen war.
Drüber steigen, dachte ich, wen hindert denn so ein Tor?
Aber von hinten kam ein Spanier, lachte und tippte auf einem Tableau, das ich bis dahin gar nicht bemerkt hatte, die „Geheimzahl“ 3636 ein, so geheim, dass mindestens die Hälfte der Läufer diesen Code kannte.

Plötzlich blieb die Truppe dann wieder stehen, kurz vor dem eigentlichen Gebäude. Es wurde diskutiert und geredet und glücklicherweise war eine spanische Läuferin des Englischen mächtig und sie übersetzte mir, was wichtig war.
„Die Markierungen gehen hier entlang,“ sagte sie und zeigte auf die Hauptstraße, die an der Finca vorbei führte, „wir wollen hier aber links den Hügel rauf.“ Also rauf, einfach hinterher.
Wer keinen GPX-Track und keine Ahnung hat, der ist gut beraten, den Weg ohne die Markierungen zu wählen, das macht das weitere Laufen spannend.
„Meine“ Spanier waren schnell, schneller als der Rest der Truppe und ich blieb an den Jungs dran. Bis sie zu einem Platz kamen, an dem sie aufhören wollten.

Ich war jetzt allein. TOM allein auf dem Trail, ohne Markierungen!
Ich sah allerdings ein Schild zu einem Refuge de Tossals Verds. Das Refuge kannte ich noch von der Wanderung im August, die ich mit meinen „besseren Zweidritteln“ gemacht hatte. Wir hatten das Refuge damals zwar nicht besucht, weil es im heißen August geschlossen war, ich wusste aber genau, wo es lag, weil man vor der Hauptroute des GR 221 an einer Kreuzung nach dem Cuber-Stausee rund dreieinhalb Kilometer weit hinlaufen musste, um die gleiche Strecke danach wieder zurück zu gehen, wenn man an dieser Kreuzung nach Lluc weiter wollte.
Diese dreieinhalb Kilometer bis zur Kreuzung sind doch mit das Schönste, was der GR 221 zu bieten hat. Hätten wir das Stück also doch besser im August abgewandert!

Aber noch war ich nicht an diesem Refuge, aber auf halbem Wege dorthin begannen plötzlich wieder Markierungen zu hängen. Ich war glücklicherweise wieder auf dem markierten Weg angekommen und diesen wollte ich von jetzt an auch nicht mehr verlassen, zumindest solange nicht, bis ich auf der Hauptroute des GR 221 angekommen war, auf der ich mich ja bestens auskenne.
Der Schnee war tief und fest, sehr trocken, kein Schneematsch mehr. Überhaupt waren nur die Abschnitte zwischen 400 und 600 Höhenmetern eklig, nass und schneematschig, darüber war der Schnee wunderbar, wenn auch in der Struktur anders als der, den man sonst so kennt. Runde Kügelchen statt Eiskristalle, ideal zum Schneemenschen bauen und auch ideal zum Laufen.
Dazu gönnte mir die Sonne auch eine ganze Stunde Sonnenschein! Eine geniale Landschaft, tief verschneit, Sonne, kein Wind, großartige Aussichten – was will man mehr?
Ab jener Kreuzung Richtung Lluc aber wurde das Wetter schlechter, die Sonne nahm ihren Schönheitsschlaf und es kam wieder Wind auf.
Und es kam das schwerste Stück des ganzen GR 221, rauf auf etwa 1.050 Meter durch einen Zauberwald, den ich im August lieben gelernt hatte. Danach folgen weitere 150 Höhenmeter auf baum- und strauchlosem Gelände bis hinauf auf gut 1.200 Meter, dem höchsten Punkt des GR 221.
Im harten Wind kämpfte ich mich Schritt für Schritt weiter, meine Moral hatte ich an einem der Zauberbäume abgegeben und ich wurde von zwei Kleingruppen von Läufern ein- und überholt.

Da beide Gruppen mich fragten, ob es mir gut gehen würde, muss ich wohl wie ein Häufchen Elend ausgesehen haben. Aber dann kam wie aus dem Nichts ein anderer spanischer Läufer auf den Trail, der wohl auf einem der umliegenden Berge war. Er gab mir wieder Kraft und Mut und wir zogen zusammen weiter.
Die feste Schneedecke war wegen der Überwehungen nicht immer sichtbar und ruck zuck waren wir immer wieder bis zu den Knien im Schnee versunken. Dazu der böige Wind, bei dem wir stehen bleiben mussten, den Arm schützend vor dem Gesicht, es war eine Situation, die mich eher an die Bergbesteigungen auf den Cotopaxi oder den Chimborazo erinnerte als auf die „Besteigung“ eines gerade mal 1.200 Meter hoch gelegenen Passes.
Danach ging es erst wieder etwa 200 Höhenmeter runter und fast soweit wieder rauf, aber auf dieser Seite des Passes war der Wind gebändigt, der Schnee aber war ebenso tief.
Trotzdem waren wir froh, den vorerst letzten Anstieg bewältigt zu haben und dann sieht man nach wenigen Hundert Metern das berühmte Kloster Lluc tief unter einem liegen.
Der Weg runter war natürlich verschneit und da Lluc auf 450 Metern liegt, kamen wir vom guten Schnee wieder mal runter in die Schneematsch-Zone.
2017-12-02 15.19.30
In Lluc herrschte immenses Treiben. Lluc war auch immer der letzte Verpflegungspunkt beim „Ultra Tramuntana“ gewesen und ich erinnere mich noch gut, wie ich das erste Mal dort ankam. Ich hatte, vielleicht durch einen Sonnenstich bedingt, Nasenbluten gehabt, die nicht enden wollten.
Ich ging damals zum Rot-Kreuz-Wagen, um mir etwas zum Blutstillen geben zu lassen, wurde aber von den Sanitätern sofort flach gelegt, der Puls wurde gemessen, der Blutdruck auch. Und dann sagte der Sanitäter, dass ich mich eine halbe Stunde lang aufs Gras legen solle und danach wiederkommen solle, dann würde er entscheiden, ob ich weiterlaufen dürfe. Ich sagte brav „ja“ und schaute, so zügig wie möglich dort weg zu kommen.
Diesen August verbrachten wir insgesamt vier Nächte auf dem Campground in Lluc. Es gibt nämlich nur zwei Campingplätze auf Mallorca und wildes Zelten ist verboten, wird aber in bestimmten Grenzen toleriert. Von Lluc aus hatten wir dann noch Tagestouren gewandert und die Nächte im kleinen Zelt, trotz der heißen Augusttage kühl, werde ich wohl nie vergessen.

Jetzt aber war es auch am Tag kalt, richtig kalt, aber das tat der Stimmung der Besucher keinen Abbruch. Lluc ist tatsächlich ein eigenes Naherholungsgebiet und der Teil des GR 221 zwischen Lluc und Pollenca gefällt mir wegen der skurrilen Felsformen ganz besonders gut. Beim Lauf auf dem GR 221 entgeht Dir leider ein Teil dieser Faszination, ein Grund, warum Michi Raab seinen Lauf auf durch das Tramuntana Gebirge an dieser Stelle ein wenig verändern wird. Wir werden dann wohl auf den Berg Puig Tomir gehen, einen grandiosen Blick über die Gegend haben und dann mit einem breiten Grinsen in Pollenca einlaufen.

Beim weiteren Abstieg nach Pollenca nutzte mein „Begleit-Spanier“, der sogar in Pollenca zu Hause ist, nahezu jede Abkürzung. Er kannte die Windungen des Trails und wählte immer den geraden, den direkten, Weg. „Do you prefer the trail or just the direct way down?“ fragte er mich und ich sagte ihm, dass ich das ihm überlassen und ihm folgen würde.
Zwar brannten die Oberschenkel trotz der nur halben Strecke gewaltig, mehr als sie das angesichts der Strecke hätten tun dürfen, aber ich blieb an ihm dran und wir hatten richtigen Spaß beim Downhill.

Der Lauf, der „Tramuntana Travessa“, der scheinbar unter einem schlechten Stern stand, wurde so doch noch zu einem „Star“, einem unvergesslichen Erlebnis.
Später bekamen wir dann noch eine Mail, dass wir gerne in Andratx vorbeikommen könnten, um uns von der vielen Verpflegung, die gekauft war und auf hungrige Läufer wartete, etwas abzuholen.
Und wir wurden informiert, dass wir uns in den nächsten Tagen unser Finisher-Shirt abholen oder zuschicken lassen könnten. Darauf bin ich sehr gespannt.

Zusammenfassend finde ich schon, dass die Veranstalter alles richtig gemacht haben. Und sie tun mir leid. Du markierst, Du organisierst, Du stellst Deine Helfertruppe zusammen, Du kaufst die Verpflegung, leihst Autos, kümmerst Dich um die Startbeutel, die Startnummern und die Finisherpräsente und tust vieles, was wir Läufer gar nicht sehen. Und dann schneit es.
Genau an Deinem Eventwochenende.
Schnee ist sehr selten auf Mallorca und schon so früh im Dezember ganz besonders. Also merkst Du als Veranstalter, dass Du da ganz tief ins Wetter-Klo gegriffen hast.

Einen Tag später sind Michi, Gerald und ich noch eine 13,5 Kilometer Runde auf den Puig Tomir gelaufen. Wieder war unten Schneematsch, aber oben war es wieder fantastisch. Dazu hatten wir klares und sonniges Wetter, einen grandiosen Blick über die Insel und so genossen wir vereint die Snickers Riegel, die Gerald spendierte.
Weil der von uns gewählte Abstieg aber eher selten belaufen wird und alles vom strammen, kalten Wind zugeweht war, sanken wir wieder regelmäßig ein, teilweise sogar bis zu den Pobacken. So viel Schnee auf Mallorca, es war ein echtes Erlebnis, Mallorca einmal so erleben zu dürfen.

Am Abend trafen wir uns noch zum Abendessen in Palma de Mallorca mit Christian Reichart und zwei seiner Agentur-Ladies, die im kommenden April alles dafür tun werden, dass wir Läufer uns wohl fühlen werden. Leyla „mit Ypsilon!“ und Claudi, beide aus Deutschland, erzählten davon, wie sie ohne Spanischkenntnisse in nur vier Jahren Spanisch gelernt haben. Und sie berichteten, wie wohl sie sich auf „Deutschlands Ferieninsel Nummer Eins“ fühlen.
Und wir gingen die Ramblas von Palma entlang, die Bäume waren bis weit nach oben weihnachtlich illuminiert und über den Ramblas leuchteten die Sterne, viele Sterne über Mallorca.

Ein „Fünf Sterne Wochenende“ also …

Edit / Ergänzung:
Einen guten Eindruck, wie „Mallorca in weiß“ aussehen kann und wie die Bedingungen dort waren, zeigt Dir dieses Filmchen, in dem Gerald auch zu sehen ist:
https://drive.google.com/file/d/13b3JMpzo2eatdfn3E0JkIE9HY-XsqipF/view

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4 Kommentare zu “Viele Sterne über Mallorca …

  1. Wieder ein wunderbar unterhaltsamer und mitreißender Artikel von Dir. Danke, Thomas! Wenn Leute fragen, was an Ultras so. besonders ist, zeige ich Ihnen Deine Beiträge!
    Carsten

  2. Danke Carsten, das tut wirklich gut.

    Manchmal frage ich mich schon, warum ich so viel Zeit in meine Artikel investiere, dann aber denke ich, dass es für mich besser ist, seltener zu schreiben, dafür aber etwas „anders“ als Andere.

    Es wäre schön, Dich mal wieder zu sehen, vielleicht sogar mal wieder ein paar Kilometer gemeinsam zu laufen. Leider war unser damaliges PTL Experiment für mich wohl noch zu früh gekommen und stand daher unter einem schlechten Stern.

    Vielleicht bekommen wir ja noch einmal die Gelegenheit dazu,

    Liebe Grüße nach Kanada!

  3. Ja, natürlich wäre das prima. Meine Laufpläne für nächstes Jahr sind bis auf einige Läufe hier in der Nähe (Sulphur Springs in Hamilton im Frühjahr, Harricana und Bromont 160 in Québec im Herbst noch ziemlich offen). Wie sieht’s denn bei Dir aus? Gerne würde ich mal den Bryce-Canyon-Lauf in Arizona machen. Wann und wie ich’s nächstes Jahr nach Europa schaffe, weiß ich noch nicht.

    Übrigens wollte ich Dich auch noch unterstützen für Deinen klaren Standpunkt gegen Rassismus. Du hattest da ja vor einigen Wochen eine sehr unangenehme Erfahrung. Wir müssen uns dem absolut und immer entgegenstellen; alles andere ermutigt die Wortführer der Intoleranz in ihrem vermeintlichen Glauben im Namen einer schweigenden Mehrheit zu sprechen

    Hast Du eigentlich mal daran gedacht, ein Buch übers Ultralaufen zu schreiben? Du hast so viele lebhaft geschilderte Beiträge veröffentlicht, dass das Material ja mehr als vorhanden ist. Und Du bist auch extrem gut vernetzt; ich denke da an Deinen UTMB-Beitrag. Bücher von den Top-Läufern gibt’s ja schon viele, aber etwas, das das Ultraulaufen aus Sicht der Genussläufer (womit ich nicht sagen will, dass die Top-Läufer nicht genießen!) beschreibt, ist doch eher selten.

    Liebe Grüße zurück ins vorweihnachtlich schöne Deutschland!

    Carsten

  4. Danke Dir … ich ein Buch schreiben?
    Ich glaube nicht, dass ich das kann. Ein Buch ist viel schwerer zu schreiben als eine einzelne Geschichte. Aber vielleicht ist es eine Idee für die Zeit nach der Arbeit?

    Vielleicht laufe ich 2018 auch in den USA. Eingentlich sind einer oder zwei Läufe in China in meinem Fokus, aber man weiß ja nie. Brye Canyon klingt schon gut. Aber ich zweifle, ob da nicht 90% langweilig über Land geht und nur 10% durch den eigentlichen Park? So groß ist der ja wirklich nicht, oder?

    Danke auch, dass Du mich in meinem Standpunkt zum Rassismus stärkst. Ich hätte nie gedacht, dass das Ganze eine solch immense Welle erzeugen würde. Hätte es auch nicht, wenn dieser Post der einzige „Fehltritt“ des paramilitärischen PAS-Teams gewesen wäre.
    Aber wer sich ständig Feinde macht, der muss sich nicht wundern, dass diese eine solche Gelegenheit für eine Revanche nutzen.

    Cheerio!

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