Who the fuck is TomWingo?

Vielleicht ist es Dir schon aufgefallen, vielleicht aber auch nicht. Auf Twitter ist mein Nick TomWingo (www.twitter.com/TomWingo). Der Name Tom Wingo taucht auch noch öfters auf in meinen vielen digitalen Spuren, die ich als Internetuser so alles hinterlasse.
Aber „Who the fuck is TomWingo“?
Und was hat Tom Wingo mit meinem Leben zu tun?

Versetzen wir uns hinein in einen Film, in eines der, wie ich finde, besten Movies, das je gedreht wurde:
Im amerikanischen Original heißt dieser Blockbuster „The Prince of Tides“, im Deutschen ist der Titel des Films „Herr der Gezeiten“.„Herr der Gezeiten“ ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1991. Der Film basiert auf dem Roman „Herren der Insel“ (im Original ebenfalls „The Prince of Tides“) von Pat Conroy aus dem Jahr 1986.
Die Regie bei „The Prince of Tides“ führte Barbra Streisand, das Drehbuch schrieben Pat Conroy und Becky Johnston. Die Hauptrollen spielten Barbra Streisand und Nick Nolte.
PoTUnd Nick Nolte ist dabei Tom Wingo, ein beruflich frustrierter Football-Trainer, der eine veritable Ehekrise erlebt. Seine Frau Sallie betrügt ihn. Und seine Zwillingsschwester Savannah unternimmt in New York einen erneuten Suizidversuch.
Savannah ist eine hoch dekorierte Dichterin, die aber auch unter einem jüdisch klingenden Pseudonym, dem Namen Renata Halpern, Texte veröffentlicht.
Tom fährt nach New York, um sich um seine Schwester zu kümmern. Auch die Psychiaterin seiner Schwester, Dr. Susan Lowenstein, gespielt von der göttlichen Barbra Streisand, kümmert und sorgt sich um Savannah, die unter einer dissoziativen Störung leidet, deren Ursachen in deren Kindheit liegen. Sie will, dass Tom ihr über diese Kindheit erzählt, da Savannah sich an viele Dinge nicht erinnern kann.
Anfänglich weigert sich Tom, Savannahs Gedächtnis zu sein, später dann erzählt er Geschichten, die er noch niemandem erzählen konnte. Die Geschichten über die familiäre Situation sprudeln irgendwann nur so heraus aus ihm.

Tom erzählt anfangs also über seinen despotischen Vater, seine exzentrische Mutter und seinen inzwischen verstorbenen älteren Bruder. Bald wird Tom klar, dass diese Gespräche auch für ihn selbst eine Therapie darstellen, wogegen er sich zunächst sträubt. Auch er selbst litt sehr in seiner Kindheit. Im Gegensatz zu seiner Schwester kann er sich an die Ereignisse erinnern, weicht aber anfangs lange dem damit verbundenen Schmerz aus.PoT

Susan und Tom nähern sich an. So erfährt er, dass auch Susans Ehe kriselt. Lowenstein bittet Tom darum, ihren Sohn im Football zu trainieren, welcher sich ebenfalls in einer schwierigen Lebensphase befindet. Er rebelliert gegen die analysierende Mutter und unterwirft sich dem egomanischen Vater, einem berühmten Violinvirtuosen, Herbert Woodruff.

Im Zuge all dieser Ereignisse ist Tom schließlich bereit sich zu öffnen und erzählt Susan von einem jahrelang verdrängten, traumatischen Ereignis. Dieses Ereignis hier zu beschreiben wäre zu viel des „spoilerns“. Wenn Du den Film nicht kennst, dann sieh‘ ihn Dir an und ich hoffe, Du wirst ihn lieben wie ich es tue. Es ist mein erklärter Lieblingsfilm.

Aber warum ist er das? Der Part mit der Ehekrise war es definitiv nicht, weswegen ich diesen Film liebe, obwohl ich heute sehe, dass ich wohl auch hier vom Schicksal einschlägig bedacht werde.
Aber ich erkannte immer die Parallele zu meiner Schwester und meinem Bruder, der ebenfalls verstorben ist, zu dem Ring aus Fleisch und Blut, den die drei Wingo-Kinder immer formten, wenn es wieder mal gefährlich wurde im Hause Wingo.
Ich erkannte meinen prügelnden Vater und ich erkannte auch meine intelligente, aber auch emotionsarme Mutter. Und ich erkannte die Parallele von Tom Wingo zu mir. Ich bin oder war nicht minder schwierig als Mensch, oft verschlossen, gelegentlich verletzend, aber stets mit einer tiefen Liebe meiner Familie gegenüber. Ich habe Probleme, über meine Kindheit zu reden und weiche den Schmerzen oft durch einen witzigen Spruch aus, einen, der ablenkt und meinen Kern schützt.
PoT
Dazu begeistert der Film durch gehaltvolle und stets liebevolle Sätze, durch skurrile Aktionen und durch eine wohlige Wärme, die es einem leicht macht, zu verstehen, warum dieser Film 1992 gleich in sieben Kategorien für einen „Oscar“ nominiert wurde. Dass er als Film diese Auszeichnung nicht bekam, führen viele Experten schlicht darauf zurück, dass mit Barbra Streisand eine Frau Regie führte.
Heute, nach den Enthüllungen über Harvey Weinstein, scheint mir das noch plausibler als damals. Andererseits war der Film, der den „Oscar“ für den besten Film bekam, auch ein filmisches Meisterwerk: „The Silence of the Lambs“, im Deutschen „Das Schweigen der Lämmer“.

Am Ende geht im Film alles gut aus. Ob es bei mir auch gut ausgehen wird?
Ob der wichtigste Gesprächssequenz im Film auch bei meinem Lieblingsmenschen und mir sein wird:
„Gib zu, Du liebst sie mehr als mich.“
„Nein, nur länger.“

Und wenn all das, war zurzeit bei uns und bei mir passiert, mich am Ende zu einem besseren Vater macht, zu einem besseren Ehemann, wenn es mir zu einem spirituelleren, ausgefüllteren und breiter aufgestellten Leben verhilft, dann werde ich, wie Tom Wingo auch, beim Überfahren einer Brücke, in meinem Fall der Bonner Autobahnbrücke, an einen Namen denken.
Tom Wingo flüstert auf seiner Brücke nach Hause immer: „Lowenstein, Lowenstein!“
Ich möchte nur die zweite Chance bekommen, die mir, wie ich meine, zusteht.PoT

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