„360 Grad“ GC

17. Februar 2017:

Schon beim Verlassen des Appartements war klar: das wird ein warmer Tag!
Wenn wir am Morgen losgelaufen sind, fast immer um eine ähnliche Zeit, standen 16, 17, 18 und auch schon mal 19 Grad auf der großen Anzeige am Strand. Heute stand da eine „24“ – und das schon um kurz nach 8 Uhr.
Die Touristen freuen sich, ich beginne, mir wegen des „360 Grad“ Bewerbs Sorgen zu machen.
Hitze macht mich immer immens langsam, zudem neige ich dann noch mehr dazu, zu wenig zu trinken.
Am Ende des Laufs waren es 26 Grad in Playa del Inglés bzw. 27 Grad in Maspalomas. Ich entschied mich wieder für einen Barfußlauf mit der Verlängerung über die Strandpromenade bei Maspalomas. Es ist immer wieder schön, wenn die Leute auf der Strandpromenade ungläubig auf die „bläcken Föös“ schauen … und es ist ein gutes Gefühl, Läufer, die dort mit Schuhen unterwegs sind, dennoch einfach so stehen zu lassen.


16. Februar 2017:

Neben dem Morgenlauf, wieder mit Schuhen, machten wir am Nachmittag noch einen sehr langen Spaziergang, ähnlich der morgendlichen Laufstrecke, erst nach Maspalomas, über den Strand. Es war Nachmittag und zwei Dinge kamen zusammen:
– die Flut machte den Strand eng und klein
– der Strand war unglaublich voll.
Wenn Du üblicherweise irgendwann zwischen 07.30 Uhr und 08.15 Uhr losläufst und dann zwischen 08.30 Uhr und 10.00 Uhr wieder drin bist, dann erlebst Du die Horden an Touristen nicht, die ihren ganzen Tag am Strand verbringen. Im Gegenteil, Dir begegnen meist die gleichen Menschen, die mit Dir Laufen, Walken oder spazieren gehen. Man kennt sich, man schätzt sich. Viele dieser „early birds“ kenne ich schon aus den Vorjahren.

Was aber an diesem Nachmittag geboten war, das war schlichtweg unerträglich. So viele Menschen, so wenig Platz. Ich musste einfach an das Verbot der Käfighaltung von Hühnern denken …

Zurück ging es dann im weiten Bogen durch einige Wohngebiete von Maspalomas. Ich hatte für 2018 (ja, wir planen, auch 2018 wieder unseren Februar auf Gran Canaria zu verbringen) ein schönes Angebot für ein Appartement gesehen und wir wollten mal die genaue Lage und Situation dort checken. Nach vier Jahren in Folge im „Apartementos Horizonte“ wollen wir das nächste Mal woanders wohnen.
Als wir dann wieder im Appartement waren, waren wir beide zufrieden, viel mehr Sonne hätte es auch nicht sein dürfen.

Und ständig kreisten und kreisen meine Gedanken um den „360 Grad“. Immer wieder stelle ich mir vor, wie die für mich passende Lauf-Strategie aussieht, worauf ich achten will und welche Abläufe ich an den drei Checkpoints, an denen die DropBags stehen, nicht vergessen darf. Ich habe beschlossen, in jeden DropBag eine „ToDo-Liste“ zu legen, damit ich dann dort nicht vergesse, die Zähne zu putzen, das Shirt zu wechseln, die Füße zu waschen usw.


09. Februar 2017:

Donnerstag, kein Tag zum früh aufstehen, aber wie immer ein Tag für einen „morning run“, wieder barfuß nach Maspalomas. Und ich frage mich, warum man überhaupt Laufschuhe braucht. Zumindest auf dem Sand des Strands zwischen Playa del Inglés und Maspalomas nicht.
Als ich mich entschied, erneut die Standpromenade zum Golfplatz dazu zu nehmen, das sind fast exakt 2 km, also 4 km hin und zurück, da merkte ich schon, dass die Erfindung von Laufschuhen durchaus Vorteile haben kann. Die Spaziergänger auf der Promenade schauten mich an, als wäre ich gerade aus einer Haftanstalt ausgebrochen.
15 Kilometer barfuß klappen mittlerweile problemlos, ich bekomme meine Probleme mit der rechten Fessel vor allem, wenn ich mit Schuhen eine Tempoeinheit mache. Vielleicht ist es das Reiben des oberen Fersenabschlusses des Schuhs an der Achillesferse?

Der Abend gehörte dem ESC. „Unser Song für Kiew“ hieß es und es war für mich erneut ein ESC-Erlebnis, das ich nicht gebraucht hätte. Die Moderatorin, die allseits beliebte, häufigst gebuchte, für mich aber eher abstoßende, Barbara Schöneberger tritt in einem Kleid auf, bei dem ich nur heftig mit dem Kopf schütteln kann. Selten habe ich etwas so albernes gesehen. Aber es passt zu den schlüpfrigen Kommentaren, die sie den gesamten Abend ablässt („Wenn ich keinen BH anhätte, würden Deine Beine bis zu meinen Brüsten gehen“).
Auch ihre Frisur war gewöhnungsbedürftig. Ich schwankte immer zwischen den Gedanken an eine Szene bei „Verrückt nach Mary“ und dem Bild, das Anke Engelke als blasierte Maklerin abgibt.
Aber auch solche Abende gehen vorbei und sind wohl auch Teil des „Perfect Life“. Den David Guetta aber hatte ich mir doch ganz anders vorgestellt.esc


06. Februar 2017:

Hundert Kilometer oder doch einen Hudertmeiler? Ach, was soll’s. Ich nehme einfach beides!

Was bedeuten eigentlich 265 Kilometer mit knapp 13.000 Höhenmetern? In einer Zeit, in der wir alle unsere Erwartungen immer weiter verschieben, wahrscheinlich so lange, bis es irgendwann selbst für normale Läufer nicht mehr nachvollziehbar ist, wirken 265 K / 13.000 HM gar nicht mehr so weit. Angesichts des „aufgebohrten“ PTL, des TdG (Tor des Géants), des WiBoLT und des Goldsteig Rennens und vieler anderer ultralanger Nonstop-Läufe vergesse ich manchmal, dass ich nach dem UTMB 2009 im Jahr 2010 den PTL gewagt habe. Gewagt und verloren.

Damals hatte der PTL noch „bescheidene“ 230 K mit, wenn ich mich recht entsinne, 21.500 HM. Erst später, als der TdG Maßstäbe setzte, wurde der PTL auch auf über 300 K verlängert und die Höhenmeter auf fast 30.000 angepasst.
Und nun also der Bewerb „360 Grad“ – und ich schwanke zwischen Ehrfurcht, Respekt und Sorge einerseits und dem Aspekt, dass ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, für diese Eckdaten bis zu 101 Stunden brauchen zu können. Wie ich auch rechne, wie ich mir die Strecke auch immer einteilen mag, ich kommen nunmal auf nicht mehr als rund 80, vielleicht 87, Stunden.

Ich will also am Samstagabend schon drin sein und mir die letzte Nacht ersparen. Wenn möglich. Mein „Ziel“ ist es nicht, eher ein „nice to have“. Mein Ziel ist und bleibt das Finish, schlimmstenfalls tatsächlich mit 100:59:59 Stunden.

Gestern hat mich Frank Reintjes angechattet und gefragt, was ich unter dem Punkt „Required Equipment:1 long-sleeved unbreathable underwear“ verstehe. Einen Gummischlüpfer? Etwas, das ausbeult, wenn Dir mal ein Trailwind entweit? Ich weiß das alles auch nicht und habe mir einfach eine lange Unterhose und eine dichte lange Laufhose mitgenommen. Mal sehen bei der Inspektion, was die Damen und Herren vom Orgateam da genau wollen.
Schlimmstenfalls wird halt VISA glücklich und mein VISA Accout weint ein wenig.

Gelaufen? Heute morgen sind wir barfuß nach Maspalomas gelaufen, wie meistens. Heute aber habe ich für mich in der zweiten Hälfte der Strecke den längeren und beschwerlicheren, aber überaus schönen Weg durch die Dünen genommen. Und zurück? Da haben wir einfach aufs Laufen verzichtet und sind Hand in Hand Richtung Apartement gewandert. Nach der gestrigen Wanderung fühlten wir uns beide etwas schlapp ….


05. Februar 2017:

Sonntag, der perfekte Tag zum Wandern. Das Büro zu Hause ist geschlossen, von dort kommen also weder Mails noch Anrufe, in die Kirche gehen wir nicht und für Kaffee und Kuchen bin ich auch nicht zu haben.
Also mit dem Auto rauf bis zum Cruz Grande, um von dort aus meine Lieblingsstrecke auf Gran Canaria zu bewandern.
Wegen der geplant frühen Abfahrt haben wir auf den „good morning run“ verzichtet und sind noch vor 9 Uhr in der Frühe in die Berge aufgebrochen. In Cruz Grande, etwa 1.230 Meter über N.N., geht es erst eine wunderschöne Zickzack-Strecke steil nach oben, danach folgt der Trail einer Steinwüste, dann geht es in den Pinienwald.

Gut erinnere ich mich an meine Trainingsläufe 2016. Da lief ich Ende Februar noch im tiefen Schnee da oben rum und der Schnee war tatsächlich erst kurz vor dem TransGranCanaria weg getaut. Als ich Anfang März dann bis zum TGC nach Teneriffa geflüchtet bin, um den Teide zu besteigen, so war zumindest der Plan, ging ab dem Hochplateau auf etwa 2.200 Metern über N.N. gar nichts mehr. Die Straßen waren von hohem Schnee nahezu unpassierbar, Trails nicht einmal mehr erkennbar.
Heute, 2017, ist der Teide bis oben hin schneefrei. Schade für den schönen Blick von Gran Canaria aus auf diesen majestätischen Berg, gut aber für den „360 Grad“ Lauf und den TransGranCanaria. Beste Bedingungen werden das also sein, wenn nicht noch eine Wetteränderung eintritt, wofür es aber keinerlei Anzeichen gibt.

Nach etwa 4,4 Kilometern ab Cruz Grande steht einer der vielen Wegweiser an der Gabelung. Nach links geht es zum Wahrzeichen der Insel, dem atemberaubend schönen Roque Nublo, etwa 3,7 schwierige Kilometer entfernt, rechts geht es zum Pico de las Nieves, dem „Gipfel des Schnees“, zum höchsten Punkt der ganzen Insel, etwa 2,9 Kilometer entfernt.
Wir sind zuerst rüber zum Pico de las Nieves gewandert, dann wieder zurück zu diesem Wegweiser und dann rüber zum Roque Nublo.
Dort zu sein und sich vor dem riesigen Steinmonument winzig und unbedeutend fühlen, gleichzeitig einen fantastischen Blick über die Insel, aber auch rüber zur Nachbarinsel Teneriffa mit dem perfekt geformten Berg Teide, der höchsten Erhebung von ganz Spanien, zu genießen, das ist für mich in jedem Urlaub mehrmals Pflicht.

„Irgendwie sitzt man immer zu wenig auf einem Berggipfel“, heißt es doch. Aber ich will nur da sitzen, wohin ich auch gewandert oder gelaufen bin. Und die Binsenweisheit, dass Du nur dort wirklich gewesen bist, wo Du hin gelaufen bist, die kommt mir immer in den Sinn, wenn ich die vielen Touristen sehe, die mit dem Auto bis hinauf zum Parkplatz am Pico de las Nieves fahren, um dann dort die letzten vielleicht 20 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt per pedes zu bewältigen.

Insgesamt waren das rund 24 Kilometer, harte, anstrengende Kilometer, stets von der intensiven Sonne begleitet.
Aber es war ein wirklich wunderbarer Tag, an dem wir inklusive der Pausen gut sechs Stunden lang wandernd unterwegs waren.1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12


04. Februar 2017:

Samstag, kein Tag, um wirklich etwas Anstrengendes zu machen. Ein „good morning run“ nach San Agustin mit einigen zusätzlichen Höhenmetern (6 mal bin ich eine langgezogene, über die Bundesstraße gespannte, Brücke hin und her gelaufen, dazu habe ich ein paar zusätzliche Treppeneinheiten absolviert, um Gabi die Gelegenheit zu geben, wieder zu mir aufzuschließen), das war es für diesen Tag.


03. Februar 2017:

Ein großartiger, ein spannender Tag!
Zuerst, wie immer vor dem Frühstück, der Morgenlauf nach Maspalomas. Über den Strand. „Mit ohne“ Schuhen, barfuß, danach noch ein Dutzend Mal die Treppen rauf zur hoch gelegenen Strandpromenade Richtung San Agustin. Und dann, nach dem Frühstück, gab es das Höhenprofil des „360 Grad“ Laufs. Und dazu die Cut-Off Zeiten, die mich wirklich nicht in Sorge gebracht haben.
Renne von Maspalomas rauf auf den Pico de las Nieves und wieder ein Stückweit runter bis zum Campground Garanon, knapp 39 Kilometer weit, und sei dort vor 23 Uhr, also in unter 14 Stunden. Das sollte kein Problem sein. Selbst beim PTL habe ich eine Marathonstrecke in der Regel unter 12 Stunden hinbekommen.
Ab dann werden die Grenzzeiten sogar noch gemütlicher, offensichtlich weil viele (Schlaf-)Pausen eingerechnet sind.

(Klicken zum Vergrößern)

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Die Etappen sind Pico de las Nieves, Garanon mit dem VP 1, runter nach La Albea, dort ist VP 2. VP 3 ist nach drei weiteren Anstiegen in Gula bei km 148. Dann rauf, runter, rüber, immer zackig, zum VP 4 in Valsequillo bei km 195. Der VP 5, der letzte Verpflegungspunkt, ist dann bei km 233 in Santa Lucia. Dann noch gut 35 km mit einem letzten Anstieg runter nach Maspalomas. Alles einigermaßen bekannt, alles machbar, denke ich.

Jetzt feht nur noch die genaue Streckenführung, der GPS Track, und die Information, bei welchen drei VPs ein externer Support erlaubt ist. Und die Frage, ob es einen DropBag gibt, ist noch offen.


02. Februar 2017:

Ein ruhiger Tag.

8 Kilometer schnelles Laufen über die Strandpromenade nach San Agustin, bis zum Ende der Promenade, und wieder zurück. Nach etwa zwei Kilometern habe ich im harten Kampf „Mann gegen leicht hochstehende Planke auf dem Boden“ einen hervorragenden zweiten Platz belegt.
Ich stürzte. Mal wieder. Aber ich denke, ich habe mich einigermaßen gut abgerollt, sodass außer Hautabschürfungen am linken Knie und dem linken Ellenbogen nichts passiert ist.
Nur diesen Kilometer konnte ich dann nicht knapp unter 5 Minuten abschließen, aber unter 5:30 Minuten blieb ich auch dabei.
Es war noch dunkel, als ich los lief, die Lampen der Strandpromenade leuchteten. Gegen 7.30 Uhr wurde es hell und als ich kurz vor 8 Uhr wieder im Appartement war, um Gabi abzuholen, brauchte ich schon meine Sonnenbrille.
Anschließend mit Gabi noch gemütlich über den Strand nach Maspalomas, dort ein Wässerchen getrunken, und wieder zurück. 10 Kilometer im Wohlfühltempo.

Mehr gab es nicht über diesen Tag zu schreiben. Noch etwas Arbeit für die Heimat, lesen im Buch „Gegen den Hass“, zeitig ins Bett.

Einfach nicht zu schnell zu viel tun, noch fast drei Wochen bis zum Start des Bewerbs „360 Grad“


01. Februar 2017:

Der erste Urlaubstag ist ja selten die wahre Freude.
So war das auch bei uns heute. Der Wecker klingelte wie bei manchem harten französischen Ultra um 3.30 Uhr und um 4.10 Uhr ging es auf die Piste. Erst noch ein paar Papiere beim Steuerberater in den Briefschlitz stecken, dann der Tochter noch den Ersatzschlüssel für das Auto in den Briefkasten einwerfen, zum Innenministerium in Bonn, wo der Flughafenbus hält, Gepäck ausgeladen, das Auto unter der Autobahnbrücke geparkt, zur Bushaltestelle zurück gewandert – und noch 10 Minuten Luft gehabt, bis der Bus um 4.54 Uhr kam und uns zum Köln-Bonner Flughafen brachte.

Einchecken, aber ich hatte zwei Kilogramm zu viel. In meinem Koffer. Nicht an mir. Da sind es ein paar Kilogramm mehr, die zu viel sind, leider. Aber die Dame am Schalter ermahnt mich, ist aber letztendlich gnädig.
So lange weg sein und dazu noch die lange Pflichtausrüstungsliste beachten, ein paar Laufklamotten für die Trainingstage braucht man ja auch, da sind die 20 kg wirklich eher knapp bemessen.
Und Laufschuhe braucht man. Drei Paar habe ich mitgenommen, ich hoffe, das reicht. Leider mussten die HOKAs und LUNA SANDALS dieses Mal zu Hause bleiben, Trailschuhe waren einfach wichtiger.
Und Laptop, Tablet, 3 Laufuhren (man gönnt sich ja sonst nichts) und auch etwas Arbeit für ein paar ruhige Stunden. Statt der geplanten fünf Bücher habe ich nur drei Bücher mitgenommen, schade, aber trotz des hohen Gewichts des Koffers hatte ich ja noch ein viel zu schweres Handgepäck und den Laufrucksack mit den Riegeln auf dem Rücken. Mehr geht wirklich nicht, ohne asozial zu sein …gdhMit auf die Reise durften vor allem das Buch, an dem ich zurzeit lese. „Gegen den Hass“ von Carolin Emcke, ein wunderbares Buch, ein Geschenk meiner Tochter, ein Buch, das herorragend in unsere heutige Zeit passt.
Ebenfalls mit auf die Reise durfte ein Buch von Paolo Cuelho ( „Die Spionin“ ) und das Buch „Stücke 1“ von Max Frisch, vor allem wegen des Stücks „Andorra“, einem meiner Lieblingsstücke von ihm, auch leider wieder sehr aktuell geworden.

Nach der Ankunft stellten wir uns in eine lange Schlange bei InterRent, um unseren kleinen Mietwagen abzuholen, dann ging es zum Einkaufen und danach ins Appartement. Der erste Einkauf ist immer aufwändig, weil das Appartement vieles einfach nicht hat. Und weil der Kühlschrank eben vollkommen leer ist.
Spätes Frühstück dann um 15.30 Uhr deutscher, 14.30 Uhr spanischer Zeit …

Für einen langen Spaziergang, erst am Strand bis kurz vor Maspalomas, dann durch die atemberaubend schönen Dünen zurück, hat es dann noch gereicht. Ein unter dem Strich eher bewegungsarmer Tag also. Es kann nur besser werden.

Und jetzt freuen wir uns auf den morgigen Tag …


31. Januar 2017:

265Noch kurz vor dem Abflug auf die schöne Insel habe ich mir noch einige Dinge angeshen.

Die gute Nachricht ist, dass es eine Online-Verfolgung geben wird:

Every participant of the 360º challenge will receive a GPS chip during the bib collection. The runner will have to carry it during the whole track du to three main reasons: to be located by the emergency staff of the event, to stay tracked by the race direction to confirm that the route you follow is the correct one and to have the chance to be followed live by the fans with the online tracking system. The chip will emit GPS signals, so you will be located the full time of the challenge.

266Und zu den Cut-Offs, den „Time Barriers“, schreibt die Organisation:

As you know, after the beginning of the 360º at 09:00h in Wednesday, you will have 101 hours to finish the spectacular challenge we’ve designed for you. The 5 full aid stations you will have available have closure times, so you will have to leave them before the specified hours. Also, the race direction may decide to disqualify a runner in any point if they consider that the participant will not be able to achieve the challenge in the safest conditions.

267Cut-Off Zeiten sind also, wie in Europa stets üblich, die Zeiten, an denen ich die Checkpoints verlassen haben, nicht erreicht haben, muss. Und dennoch gibt das Regelwerk den Veranstaltern die Möglichkeit, einen Läufer aus dem Rennen zu nehmen, wenn der Veranstalter der Ansicht ist, dass der Läufer die Cut-Offs bzw. das Rennen nicht in gesundem Zustand schaffen kann.
Bin ich darauf vorbereitet ein „Hero“, ein „Held“ zu sein?

Dear adventure seeker,
we are only one month away from what will be, with any doubts, one of the greatest challenges in your life. As a participant in the first edition of the 360º, you will be the first to enjoy an island full of contrasts: from the deepest ravines to the thickest forests, through coastal areas to volcanic terrain which is unique in the World. Are you prepared to be a heroe? We are sure that you will end with a bag full of memories which will be part of your lifetime. Starting now, we will give you some important updates until the challenge begins!

268 269Die schlechte Nachricht aber ist:
Gestern Abend habe ich kurz mit meinem Freund Peter van Eylen aus Belgien geredet. Er wird leider nicht im Starterfeld des „360 Grad“ stehen. Er hatte sich schon im Dezember an die Organisation gewandt, weil ihm berufliche Dinge dazwischen gekommen sind. Was für ein Pech, wie schade für ihn, wie schade für mich!peter


30. Januar 2017:

360 Grad … und es wird heißer!

Es ist wirklich wahr, ich stehe drauf!

Drauf auf der Liste der Läufer*innen beim brandneuen Bewerb „360 Grad“ auf Gran Canaria.
Drauf auf der Unterseite 11 der Runners List: http://www.transgrancanaria.net/en/listado/
Meine Hände zittern, wenn ich diesen Eintrag sehe, zittern vor Vorfreude, aber auch vor Spannung. Ist das ein herrlicher, wunderbarer Traum? Oder ist es doch eher ein Grund, auch im warmen Süden der Insel Gran Canaria „kalte Füße“ zu bekommen, Angst vor dem eigenen Mut, dem Grad an Verrücktsein, dass uns alle befällt, wenn wir uns bei solchen Bewerben einschreiben?gc
105 Namen stehen nun also drauf auf dieser Liste des Bewerbs, der „natürlich“ ausgebucht ist. „SOLD OUT“ – was tun wir uns damit nur an?

Brigid Wefelnberg ist die erste Deutsche auf der Liste, dann folgen Christian Müller, Frank Reintjes, Frank Meiser, Oliver Gondolf– und dann folge ich, als letzter Läufer mit einer deutschen Flagge. 6 Deutsche also. Nicht allzu viele.
Aber auch dabei ist, welche Freude, mein Freund Peter van Eylen aus Belgien, mit dem ich auf dem Lycian Way in der schönen Türkei war.

Keiner von uns weiß wohl wirklich, worauf er/sie sich eingelassen hat. Sicher ist nur, dass der Start am Mittwoch, 22. Februar 2017, um 09.00 Uhr in Maspalomas sein wird und dass der Bewerb am Sonntag, 26. Februar 2017, um 14.00 Uhr wieder in Maspalomas endet.
Dazwischen liegen 265 Kilometer mit 16.500 Höhenmetern, fünf Verpflegungspunkte und all das auf einem „high difficulty course“, einer sehr schweren Laufstrecke, auf der Du ohne Markierungen einzig mit dem GPS Gerät navigieren musst.

Den Track, also die genaue Strecke, erhalten wir erst wenige Tage vor dem Rennen per eMail. Nun glaube ich, nach so vielen Urlauben dort, Gran Canaria einigermaßen gut zu kennen, aber ich frage mich fast täglich, wie die Streckenführung denn tatsächlich sein wird.tgc
Denkbar scheinen zwei Möglichkeiten:

a) Wenn ich auf den Namen des Bewerbs sehe („360 Grad“), dann denke ich an eine Inselumrundung. Dagegen sprechen aber die Länge, die Inselrunde wäre deutlich kürzer, und die vielen Höhenmeter. Wenn also a), dann wird man uns ständig von der Küstenebene in die Inselmitte führen und wieder zurück, wieder rauf und wieder hinab, bis wir die Insel komplett umrundet haben werden.

b) Es ist nahezu ein „doppelter TransGranCanaria„, nur dass eben parallele Strecken neben dem TGC Kurs gewählt werden, vielleicht östlich des gewöhnlichen TGC Tracks Richtung Agaethe und dann wohl westlich des gewöhnlichen TGC Tracks wieder zurück nach Maspalomas.

Die Cut-Off Zeit

101 Stunden scheinen unermesslich viel Zeit dafür zu sein, auch wenn man bedenkt, dass der Rucksack recht schwer sein wird und man, im Gegensatz zum  TransGranCanaria, auch einigermaßen viel schlafen muss.
Aber nur wenig mehr als die doppelte Entfernung als die des TGC und ebenfalls nur wenig mehr als die doppelten Höhenmeter sollten eben keine 101 Stunden erfordern.
Denke ich.
Hoffe ich.

Betrachte ich das mit den normalen Zeitformeln für Bergläufe, dann komme ich auf etwa 75 bis 80 Stunden inklusive Schlaf, Navigation und der einsetzenden Ermüdung. Also gebe ich mal als Ziel aus, am späten Samstag, 25. Februar 2017, einlaufen zu können.
Wenn alles nach Plan verläuft.
Und wenn alles gut geht.

Die Ausrüstung

Die Pflichtausrüstungsliste ist recht üppig:

  • Water cans/bags/tanks with a minimum capacity of 3 litres.
  • Supply of emergency energising food.
  • 2 flashlights with enough spare batteries for the duration of the challenge.
  • Survival blanket (minimum size 140×210 cm)
  • Whistle
  • Cell phone with international roaming option (without hidden number)
  • 1 charger (sun-powered, extra battery…) which will guarantee the autonomy of the cell phone and gps for the duration of the challenge.
  • 1 long-sleeved unbreathable underwear
  • 1 jacket and 1 pair of breathable, waterproof trousers
  • 1 waterproof cape
  • 1 pair of long sport trousers or leggins
  • 1 pair of sunglasses
  • 1 pair of gloves
  • 1 hat
  • 1 rubbish bag
  • 1 multi-use beaker
  • Compass
  • Knife
  • 1 GPS in which all the tracks supplied by the organisation have been downloaded. This apparatus  must be able to accept at least 20 tracks of at least 5000 points each.
  • The Roadbook and the route maps supplied by the organisation
  • A lightweight tent or survival shelter (100% rain and wind proof and large enough to shelter)
  • A first-aid kit to allow the treatment of small injuries and minor infections
  • Cash (euros €)
  • ID, passport or driving license (with photo)

Drei Liter Wasser also.
Angesichts der zu erwartenden Temperaturen am Tag und dem Umstand, dass es nicht allzu viele Shops am Track geben dürfte, sicher vernünftig. Und damit wäre auch schon die Frage geklärt, ob wir uns etwas zu essen und zu trinken in den Shops kaufen dürfen, ohne dass der mitgeführte Tracker, der uns kontrolliert, aber auch im Falle rettet, einen Alarm meldet.
Das Zelt macht mir noch etwas Gedanken. Am liebsten würde ich ja nur mit einem einfachen Single-Bivy und einem dünnen Innenschlafsack unterwegs sein, dank Karen Keller aber habe ich alternativ auch noch ein richtiges Zelt dabei, falls die Kontrolleure meine einfache Lösung nicht akzeptieren wollen.

Und ich werde mit meinem uralten Raidlight Rucksack laufen, der mir 2010 schon beim MdS (Marathon des Sables) gute Dienste geleistet hat. Er ist halt richtig groß und ich habe dazu einen Front-Container, in dem ich die wichtigsten Dinge für Ultraläufer (Salztabletten, Fotoapparat, Handy, PowerGums, ein paar Riegel) platzieren kann, ohne ständig den Rucksack abnehmen zu müssen.

Zur Laufkleidung: die Regeln sagen „external assistance will only be allowed in the three aid stations“ und daher will ich mir Ersatz-Wäsche und andere Kleinigkeiten an diese drei Stationen bringen lassen. Jedes Gramm, das wir Läufer nicht tragen müssen, ist ein gutes Gramm.
Ansonsten werde ich voraussichtlich mit den Dynafit Feline Trailschuhen starten und später dann eventuell die Schuhe wechseln. Armlinge sind trotz erwarteter 25 Grad in Maspalomas notwendig, ich zupfe aber noch an einem Gänseblümchen nach der Beantwortung der Frage, ob ich kurzbehost oder mit einer Dreiviertel-Hose laufen will.

Finishen ist das Ziel

Ich laufe ja ausschließlich auf ein Finish ohne jegliche Ambitionien auf eine gute Platzierung oder eine gute Zeit. Wahrscheinlich wird jeder, der finishen kann, sowieso unter den Top 50 landen. Bei solch einem Lauf passiert immer so viel …

Tracking und mehr …

Ich denke, dass es ein Internet Livetracking geben wird, immerhin senden wir unsere Position regelmäßig zu den Satelliten. Aber sicher bin ich mir nicht.

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