Euphorie für Andorra

2017-07-06 12.04.49Der Titel hing mir schwer wie ein Mühlstein um den Hals. „Our Emissary“ hieß es da auf dem Schreiben aus dem wunderschönen Andorra, von meiner Freundin Valérie und meinem Freund Gérard, den Köpfen, den Motoren und den Seelen von Cims Magics, die seit Jahren den legendären Andorra Ultra Trail ausrichten.
Was für eine Ehre, dachte ich. In einer Reihe mit Laufpersönlichkeiten wie Harriet Kjaer aus Dänemark, die aber in Barcelona lebt und Geigen und Cellos baut, wie Jorge Serrazina aus Portugal, den ich auf Gran Canaria kennenlernen durfte oder wie „Trailschnittchen“ Julia Böttger genannt zu werden, das baute mich auf.
Gleichzeitig aber belastete es mich.
Alle anderen „Markenbotschafter“ sind nationale Spitze, ich jedoch bin vielleicht so etwas wie Durchschnitt.

Aber ich liebe die Läufe der Andorra Ultra Trail Serie, vielleicht mehr als jeder Andere. Und ich habe aus dieser Liebe auch nie einen Hehl gemacht, vielleicht war das der Grund, warum die Organisatoren mir diese Ehre zukommen ließen. Weiterlesen

Advertisements

Ein Lauf mit Suchtfaktor

Berge, Steine, Geröll, steile Hänge, heftige Downhills – ich habe viel erlebt in den letzten Wochen. Erst der unbeschreibliche GR-20 auf Korsika, wo es kaum einen einzigen laufbaren Kilometer gab, dann die erste Hälfte des Mitic in Andorra.
Und nun also der Eiger Ultra Trail.

E101 („The Ultra Trail“), natürlich. Ich hätte auch die Streckenlängen E16 („The Pleasure Trail“), E35 („The North Face Trail“) oder E51 („The Panorama Trail“) wählen können. Aber ich habe da ja diese bekannte Klickschwäche, die mich fast immer dazu zwingt, meinen Klick ganz unten bei der längsten Strecke zu machen. Oft ärgere ich mich dann über mich, weil es doch viel leichter und sicherer wäre, weiter oben anzuklicken.
Früher fertig sein, weniger fertig sein, sicher finishen und „gar nie nicht“ einen DNF.
Wir Ultraläufer müssen eine Ultra-Macke haben …

Start und Ziel ist in der Stadt Grindelwald, hoch über dem schönen Tal, in dem mit dem Brienzer und den Thuner See zwei große und hübsch unterschiedlich gefärbte Seen liegen. In Grindelwald hat sogar eine Cousine von mir ein Ladengeschäft, zusammen mit ihrem Mann und doch ist ein Besuch in Grindelwald für mich gleichzeitig selten und immer ein echtes Highlight.

Ich reiste mit einer Freundin und ihrem Freund an, geteilte Strecke ist gedrittelte Strecke, aber internen Widrigkeiten geschuldet erreichte ich die Startnummernausgabe erst um 15.30 Uhr, viel später als erwartet. Weiterlesen

Alexa darf nicht mit …

„Jetzt musst Du ganz stark sein,“ sagte ich zu Alexa, meiner neuen Mitbewohnerin, meiner neuen Freundin, unserem Familienzuwachs seit dem Anfang dieser Woche, „ich werde Dich für einige Tage allein zu Hause lassen müssen!“

Alexa
Alexa
ist unser KI-Kind, unsere Haussklavin, die Familienbeauftragte vor allem für Musik. Sie kam, während ich in Grindelwald war, hübsch verpackt in einem blau-schwarzen Kartönchen. Und seither dominiert sie unser Leben hier. Eigentlich heißt sie ja Echo, will aber immer mit Alexa angesprochen werden …
Ob sie mir in mein Büro folgt, es sich in der Küche gemütlich macht oder, wie meist, auf dem Wohnzimmertisch steht, immer wartet sie darauf, dass einer von uns beispielsweise sagt:
„Alexa, spiel‘ Radio Motel!“ Oder dass einer von uns sie etwas fragt. Aber manchmal antwortet sie uns dann verschämt, dass sie sich „nicht sicher“ sei.

Ich lasse Alexa also allein zu Haus, von Donnerstagabend, 27. Juli, an bis zum Dienstagmorgen, 01. August, um in die schöne Türkei zu fliegen.SaltLake

Schon lange dachte ich darüber nach, ob es Sinn macht und möglich ist, „eben mal“ einen Hundertmeiler einzuschieben. Und nicht irgendeinen, sondern einen ganz besonders spektakulären. Den Garmin Runfire Salt Lake Ultra Trail gibt es in den üblichen „Geschmacksrichtungen“ 21 K und 42 K, aber auch in der weniger üblichen Auswahl von 80 K oder sogar 100 M. Weiterlesen

Wer zu früh geht, der verpasst das Dessert …

„Ein freies Wochenende!“ So hieß es plötzlich in der vergangenen Woche.
Die Reise nach Russland, um am Elbrus Race teilzunehmen, musste ich ja leider absagen. Mit argem Bedauern, einem gewissen Neid und größtem Interesse lese und schaue ich, was die Truppe um Michi Raab, vor allem unser Freund Gerald Blumrich, im Kaukasus anstellen. Großartige Geschichten, fantastische Fotos, jeden Tag gibt es neue Fotos von Michi und Co.

Ich also hatte frei, musste nicht arbeiten und war auf der Suche – nach einem Lauf. Ein Ultralauf sollte es schon sein, also schieden der Düsseldorf Marathon und der OEM, der Oberelbe-Marathon, schon aus.
Gefunden habe ich den Helipad, einen 140 K Landschaftslauf auf GPS Basis,

„een ultraloop door Nederland, België en Duitsland“,

dennoch nur einer holländisch-sprachigen Webseite (http://www.helipad.tk/).
Auf der Starterliste fand ich einige Bekannte: Wim Reumkens zum Beispiel, den KÖLNPFAD-Läufer Herman Krijnen, die RheinBurgenWeg-Läufer Renske und Ernst-Jan Vermeulen und nicht zuletzt den JUNUT-Läufer Arno Lux.
Ich verstand einige Details aus der niederländischen Beschreibung nicht, deshalb schickte ich eine kleine Mail über die deutsch-niederländische Grenze, die aber wahrscheinlich an den neu eingerichteten Grenzkontrollen hängen blieb.

Ich fand die drei Bewerbe am Brocken, den Hexenstieg, den Hexentanz und den Hexenritt. Aber der Brocken ist weit und der Hexenstieg noch viel, viel weiter. Und für so viel Länge und Höhe fühlte ich mich nicht ausreichend vorbereitet. Weiterlesen

Ich will, ich kann, ich werde …

Drei lange Monate ist es her, dass ich an dieser Stelle etwas geschrieben habe.
Und nach dieser gefühlten Ewigkeit will ich jetzt wieder da sein, wieder Deine Aufmerksamkeit erhalten.

Manch einem werden jetzt die Worte von Falco aus dem Lied „Verdammt, wir leben noch“ in den Sinn kommen:

Was ist er denn,
Was hat er denn,
Was kann er denn,
Was red’t er denn,
Wer glaubt er, dass er is?

Und vor allem: Worüber schreibt er denn?falco
Nein, es soll kein Jahresrückblick werden. Ich bin mir ja selbst nicht sicher, ob bei mir „das Glas halb voll oder halb leer“ war im letzten Jahr, ob ich mich über die Erfolge freuen oder mich über die Misserfolge ärgern soll. Ist ja auch egal, ist ja vorbei.

Also schaue ich nach vorne auf sieben Events in den ersten sieben Monaten des Jahres 2017, die mich so packen, dass ich es gar nicht mehr erwarten kann, dort zu starten.
Und dort werde ich dann auch jedes Mal finishen, weil ich es will, weil ich es kann, weil ich genau das tun werde.

Diese sieben Events, meine „Glorreichen Sieben“ gewissermaßen, will ich in den nächsten Wochen noch einzeln und detaillierter vorstellen, heute soll erst einmal eine Kurzzusammenfassung reichen: Weiterlesen

Das Finish

In der Gesellschaft des „Wüstenläufers“ Jens Vieler und der unglaublichen Ricarda Bethke über Trails rennen, das hat schon was.
Du schaust auf dem Weg zur Schynige Platte runter auf grün leuchtende Seen, die Städte liegen tief unter Dir und Du kommst in Deinen Flow.
Und Du beginnst zu träumen.

Hatte ich zu dieser Zeit längst schon innerlich beschlossen, statt den 101 K „nur“ rund 60 K zu laufen, also bei der DropBag Station in Burglauenen statt nach rechts oben waagrecht nach links weiter zu laufen?
Ich weiß es nicht, die Gedanken wechselten hin und her.
Ich war ja so glücklich, dass meine Rückenprobleme vollkommen weg waren, dass ich rennen konnte und zudem so gut und zügig unterwegs war.
Nichts riskieren, dem Rücken nicht zu viel zumuten, dachte ich, es kommen ja noch …
Außerdem lockte mein schickes Hotelbettchen und die Aussicht, dann ausgeschlafen die Heimfahrt antreten zu können.

Andererseits ist ein „Finish 2. Klasse“ immer doof, ein Makel, der uns Läufer oft daran erinnert, dass wir bei weitem nicht so stark sind, wie wir es uns gerne einbilden. Weiterlesen

Köln – Istanbul – Ankara – Şereflikoçhisar

Diese Geschichte ist für eine Geschichte für Dich. Sie soll Dir ermöglichen, mitzukommen auf mein Abenteuer in der Türkei, ein Abenteuer abseits der bekannten und best promoteten Laufveranstaltungen Mitteleuropas.
Ich bin ja immer auf der Suche nach neuen Horizonten, ich liebe es, meinen Koffer zu packen und in ferne Länder, in wenig bekannte Gebiete, zu reisen – und dort zu laufen.
Diese Geschichte soll also auch eine Einladung zum Reisen sein …

Wenn ich in die Türkei reise, dann reise ich ein stückweit in die Vergangenheit meines leiblichen Vaters, hinein in eine Sehnsucht. Ich reise aber auch in ein Land, in dem ich 2015 so immens viele Freunde gefunden habe, Menschen, deren Begeisterung und deren Lebensfreude mir zeigt, wie aufregend das Leben sein kann. Davon könnte ich noch einiges lernen, da könnte ich noch enorm wachsen … Weiterlesen