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2018 – mein (unvermeidlicher) Blick zurück

In meinem Leben gibt es nur wenige Jahre, die wirklich entscheidende Weichen für das weitere Leben gestellt haben.
Nach einigen Umzügen und dem Absolvieren der üblichen 13 „plus 1“ Jahren Schule war das Jahr 1982 solch ein Jahr.
Damals zog es mich nach dem Abitur aus Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen, ich gab meine Idee, Journalist werden zu wollen, auf, um, ganz im Stile von Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“, eine kaufmännische Laufbahn einzuschlagen.
Journalismus blieb aber ein Hobby, das Schreiben von Kurzgeschichten gab ich damals aber ganz auf, aber die „LAZ“, die „Liberale Allgemeine Zeitung“ erschien im westfälischen Münster.

Das Jahr 1984 war auch so ein prägendes Jahr. Die Ausbildung zum Handelsassistenten war beendet, die „richtige Arbeit“ begann – und ich lernte erstmals, zu lieben. Und die Liebe hielt dann 34 Jahre lang an und wird wohl nie ganz enden. Immerhin habe ich ja mal versprochen, „zu ehren und zu lieben, bis dass der Tod Euch scheidet“.

Auch das Jahr 1989 war prägend. Es brachte das Ende der abhängigen Beschäftigung und den Start in die Selbständigkeit. Ob mit Heidi Kinderfoto GmbH, my-family-portait GmbH, MugFun Productions GmbH, MugFun Verwaltungs GmbH, Domi-Ziele Elberfeld, Joey’s, Friesdorfer Hof oder Torso in Bonn, ob als Makler auf Basis des Paragrafen 34c oder in der Funktion als Bauträger, als Vermieter – es waren interessante Jahre, in denen wir, wie mein Adopivvater sagen würde, „viele Spaghetti an die Wand geworfen haben“. Nicht alle blieben daran kleben und manche Reinigung hat uns immens viel Geld gekostet. Etwas für mein Leben gelernt aber habe ich aus jeder einzelnen dieser Tätigkeiten.

Die Jahre 1992 und 1994 brachten dann zwei sehr kleine Menschen in mein Leben, das durch sie ungeheuer bereichtert wurde. Heute glaube ich, dass mich diese beiden kleinen Menschen damals gerettet haben vor dem Wahn, alles machen, alles ausprobieren und alles bestimmen zu wollen.

Im Jahr 2004 wurde mein Leben dann bereichert durch die Entdeckung des Laufens und der Erkenntnis, dass ich das einigermaßen gut konnte. War ich bis dato immer der Ansicht gewesen, eher unsportlich zu sein, durfte ich lernen, dass wohl jeder ein Talent in sich trägt, das entdeckt werden will. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich in der Folgezeit mehr als 250 „Marathons und länger“, meist „länger“, hinter mich bringen würde, ich glaube, ich hätte diese Person für nur eingeschränkt fähig gehalten, die Realität zu verstehen.

Das Jahr 2011 bescherte dann eine Zeitenwende. Mein größtes und wichtigstes Unternehmen musste in die Insolvenz gehen, die wirtschaftliche Basis brach „von jetzt auf gleich“ weg und ich lernte, mit „weniger“ auszukommen, einfach, weil ich es musste. Und ich lernte Demut und Dankbarkeit. Auch musste ich lernen, kreativ zu sein, um Lösungen zu finden, manchen Monat herum zu bringen, wo noch Monat übrig war, als das Geld dafür zu Ende war.

Und nun also das Jahr 2018. Wieder eine Zeitenwende, dieses Mal im Bereich des privaten Familienlebens. Wieder „von jetzt auf gleich“ war ich entliebt und mit meinen „sehr kleinen Menschen“ alleine, die mittlerweile schon größer sind als ich es je war.
Lange habe ich nicht wahrhaben wollen, was da passiert und warum da etwas passiert ist. Aber jetzt versuche ich, zu lernen, neu zu lieben. Ich bete zu Gott, zu Allah oder zu welcher Größe auch immer, dass mir das gelingen wird.

Sportlich jedoch war das Jahr 2018 ein recht ordentliches Jahr. Die „Marathon und länger“ Nummer 247 bis 267 stehen nun auf meinem Lauf-Lebenslauf und neben kleinen und netten, aber weniger bedeutenden Läufen sind es vor allem die 170 km des JUNUT, die 140 km des IZNIK ULTRA in der schönen Türkei, sogar mit einer für meine bescheidenen Laufverhältnisse guten Zeit und einer „Fastplatzierung“ auf dem „Treppchen“ der Altersklassen-Wertung, und natürlich die 34 Stunden und 21 Minuten bei der TTdR 230, der TorTour de Ruhr 230, auf die ich mit viel Liebe und einem gewissen Stolz zurückblicke.

Auch mein „MuL“ Nummer 259 war ein kleines Highlight, weniger wegen der Platzierung, mehr wegen der läuferischen Begleitung. Beim STUNT 100 lief ich 100 kurze Meilen fast konstant neben Florian Bechtel auf den dritten Gesamtplatz – und all das mit einer kleinen Laufexplosion auf den letzten knapp 20 Kilometern der Strecke, ein unglaublich geiles Gefühl war das und es wird unvergessen bleiben. Dass ich ihm für das kommende Jahr auch meine berufliche Neuorientierung verdanke, das sei am Rande auch erwähnt.
Ich bin Dir, Flo, also zutiefst dankbar und verpflichtet. Und ich freue mich mal wieder auf den VP Köln-Porz beim KÖLNPFAD 2019, denn ein Verpflegungspunkt, der von Florian betreut wird, ist stets perfekt.
Für mich schließt sich damit auch ein Kreis. Ich lernte Flo bei der TTdR 230 vor acht Jahren kennen, damals rettete er mir im wahrsten Sinne des Wortes „den Arsch“, weil ich mir damals in der Poritze „einen Wolf gelaufen“ hatte und er mich mit Spezialtapes beklebte, die mir überhaupt erst das Finish damals ermöglichten.

Da waren aber auch noch der MITIC des ANDORRA ULTRATRAIL, der trotz des Rennabbruchs wegen des Schneesturms ein kleines Zeichen der Hoffnung für mich gesetzt hat. Nach einigen unschönen Enden bei divesen Bergläufen der letzten Monate war ich erstmals wieder in gutem Glauben, auch Berge noch laufen zu können.
Bewiesen habe ich das dann bei zwei Berg-Highlights, beim TDS von Courmayeur nach Chamonix, den ich defensiv und ängstlich begann, dann aber mehr als 1.000 Läufer*innen überholen konnte. Vor allem der heftige Anstieg etwa bei km 100, an dem etliche Laufkolleg*innen verzweifelten, zeigte mir, dass ich „uphill“ einigermaßen gut kann.

Und das zweite Berg-Highlight markierte auch den Abschluss des Laufjahres 2018. Beim UTMB Oman verzweifelten etliche Läufer*innen am 1.164 Höhenmeter langen Anstieg etwa bei km 110, verteilt auf nur 3,4 Kilometer Länge. Ohne die Hilfe der Hände hätte man das kaum bewältigt in der zweiten Nacht, erschöpft, übermüdet und entkräftet. Dass ich danach auf dem Hochplateau vor lauter Müdigkeit einfach umgefallen bin und mich mit einer geprellten Rippe auf dem Trail liegend wiederfand, spricht Bände, wie hart dieser Lauf war. Aber ein Platz 59 von allen bei einem so gut besetzten Lauf war für mich schon ein kleiner Traum.

Wenn ich aber an das Jahr 2018 zurück denke, dann fallen mir vor allem die großartigen Menschen der KÖLNPFAD-Familie ein.
Natürlich war da zu allerst mein genialer Partner Thorsten Klenke, der nicht nur ein perfekter Organisationspartner für mich ist,
sondern er half mir mit guten Tipps und wichtigen Perspektiven, meine emotionale Leere wenigstens zum Teil zu füllen.
Und da waren die wichtigen Menschen, die sich, organisiert von Kerstin Conrad, eine ganze Nacht um die Ohren geschlagen haben, um mit mir die Kaiserrunde durch Köln zu laufen. Es war die Zeit, wo ich keine Nacht mehr länger als vier Stunden schlief, wo die „Tiger der Nacht“ mich weinend wach hielten und in der ich überhaupt nicht realisierte, dass das eingetreten ist, das ich für mich stets ausgeschlossen hatte.
Und da war der Lauf auf dem Kölner Grüngürtel 1 im Februar mit 100 Läufer*innen, die sich begegnen durften, da waren vier Veedels Verzäll Läufe, da waren vier Kölnpfadwandern im 4/4 Takt mit meist deutlich über 100 Wanderern auf der jeweiligen 25 km Strecke und da war meine 63 km Geburtstagswanderung auf dem Kölner Grüngürtel 1 im November und da war natürlich das Highlight, das Lauf- und Wanderwochenende der eigentlichen KÖLNPFAD Veranstaltung Ende Juni/Anfang Juli, das Thorsten und mich mit Energie und Liebe erfüllte und für das wir alle anderen persönlichen Ziele hintanstellen würden. Und das gilt für heute und für alle Zeiten, wenn Ihr uns lasst.
Diesen vielen Menschen der KÖLNPFAD-Familie gilt mein besonderer Dank und diesen Menschen widme ich dieses Jahr 2018. Ohne Euch hätte ich diesen Schmerz nicht ertragen, vielen Dank dafür.

Was aber wäre ein Rückblick auf ein Jahr ohne eine Vorausschau auf das Jahr, das nun bald kommt?
Auch das Jahr 2019 wird eine Zeitenwende für mich bringen. Ich werde ja kaum mehr auf Auslands-Laufreisen gehen. Der Cami de Cavalls auf Menorca, der Hochkönigmann, der KAT 100, beide im „flachen Österreich“, und vielleicht der neu verlängerte TDS werden wohl die einzigen Abenteuer im Ausland sein, das meiste Drama aber wird sich für mich in Deutschland abspielen.
Nachdem R(ud)olf und Brigitte Mahlburg mir das Zepter von Laufendhelfen.de übertragen haben, werde ich einen Großteil meiner Aufmerksamkeit, meiner Zeit, meiner Energie und meiner Liebe in diesem Projekt parken. Ich will zwei Läufe reaktivieren, die in den beiden letzten Jahren nicht mehr so offensiv gefördert wurden:
– 63 km Panoramalauf Rund um Baden-Baden am 03. Oktober
Nachtlauf Baiersbronn – Baden-Baden
Eventuell wird es sogar den Partnerschaftslauf vom französischen Wissembourg nach Rastatt wieder geben, wenn die Probleme um die Genehmigung dieser Strecke ausgeräumt werden können.
Laufendhelfen.de wird auch den Lauf Rund um Wolfach unterstützen und hoffentlich auch den Freundschaftslauf Renchen-Ulm – Rheinau-Linx.
Und den Abschluss bilden wird dann traditionell der Eisweinlauf, der den Läufer*innen den schönsten, romantischten und herzerwärmendsten Einlauf auf dem Baden-Badener Weihnachtsmarkt bieten wird, den man sich in der Weihnachtszeit vorstellen kann.
Laufendhelfen.de wird also, neben den Bewerben des KÖLNPFAD, mein Herz nächstes Jahr füllen.

Vielleicht auch Deines?
Schreibe mir doch einfach, ob ich Dich in dieser Sache auf dem Laufenden halten darf …

A Chacun son Everest !

„A Chacun son Everest !“
„Jedem seinen Everest !“ Das ist das inspirierende Motto der sozialen Organisation „A Chacun son Everest !“, die krebskranken Kindern und krebskranken Frauen beistehen, helfen und Orientierung geben will.
Aus dem Text auf der Webseite der Organisation:

„Nach der Krankheit… ein Ort zum Leben!
Der Verein „A Chacun son Everest !“ begleitet Kinder mit Krebs oder Leukämie und Frauen bei der Remission von Brustkrebs, um Ihnen zu helfen, mit der heiklen Phase der Zeit nach dem Krebs (postkrebs) umzugehen, damit Vertrauen, Lebensfreude und wieder neue Impulse des Lebens gewonnen werden.“

Es war der Sonntagmorgen des UTMB in Chamonix. Ich saß mit Sarah Schreiber in einem Café an der Fußgängerzone und wir warteten auf die Finisher des UTMB, vor allem natürlich auf Tobi Schreiber, der aber erst gegen Mittag kommen sollte. Weiterlesen

UTMB – mehr als nur ein Lauf

Der UTMB, ausgeschrieben Ultra Trail du Mont Blanc, Webseite: www.utmbmontblanc.com, nennt sich selbst „Weltgipfel des Trailrunning“. Es ist DER Traillauf schlechthin, Maßstab für alle anderen entsprechenden Großereignisse, Vordenker neuer Ideen und für die rund 10.000 Teilnehmer, die für die Bewerbe des UTMB in einem komplizierten Mix aus Qualifikationen und einer Lotterie ausgewählt werden, das spektakuläre Jahreshighlight.
Dort zwischen Chamonix, Courmayeur, Champex-Lac, Trient und Bourg St. Maurice werden Läuferträume wahr und Läufer*innen zu Held*innen. Weiterlesen

X is for Extreme

Extrem.
Wortart: Adjektiv
Von Duden empfohlene Trennung: ex|trem
Alle Trennmöglichkeiten: ex|t|rem
Das Wort „extrem“ gehört zum Wortschatz des Goethe-Zertifikats B1.
Bedeutung: äußerst…, bis an die äußerste Grenze gehend …

Äußerst, bis an die Grenze gehend, damit droht der Haglöfs DXT (Dolomiti Extreme Trail) – oder verspricht er das? Jeder mag das für sich entscheiden, richtig ist jedoch, dass es tatsächlich stimmt. Nicht jeder Lauf, der sich selbst den Titel „hart härter, am härtesten“ gibt, verdient diesen. Der DXT aber trägt ihn zu Recht im Namen.
Wenn Du also Deine Planung für 2019 machst, dann vergiss nicht, dieses Event in Deine Überlegungen einzubeziehen, wenn Du bis zu Deiner Grenze gefordert sein willst.

Schon die Anreise ist ein Erlebnis und eine kleine Weltreise. Die Fahrt über den Brenner bis nach Bressanone (Brixen) ist weit, die wenigen Restkilometer aber bis zum Städtchen Forno di Zoldo sind ein Erlebnis. Natur pur, gewundene, enge Straßen, steile Anstiege und die Bremsen Deines Autos belastende Abwärtsserpentinen. Richtige Berge also, eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Und das ist die Kulisse, in der die 103 Kilometer des DXT stattfinden.
Plan
Wenn man sich Forno di Zoldo im berühmten Val di Zoldo, immerhin ist hier angeblich das Speiseeis erfunden worden, anschaut, dann würde man bestimmt nicht annehmen, dass dieses Städtchen Heimat von einem der aufregendsten Berglaufevents in den Alpen ist. Zu beschaulich sind die schmalen Straßen, neben denen regelmäßig Radaranlagen stehen, um die Autofahrer zu bremsen. Weiterlesen

MyMAI …

MyMAI

Er hätte so schön werden können, der Mai, MyMAI. Geplant mit einem „Doppelpack“ aus der TorTOUR de Ruhr (TTdR) und dem Grand Union Canal Race (GUCR), aber wenn die Planung am warmen Schreibtisch zu Hause gemacht wird, dann besteht immer die Gefahr, dass da etwas dazwischen kommt, was sich „Realität“ nennt …

Und so stehen am Ende von MyMAI nur drei Läufe in meinem Lauf-Lebenslauf:
U 254 – Rengsdorfer Westerwaldlauf, 50 km, 10. Mai, 6:19:30
U 255 – 44 km Veedels Verzäll dreij, Köln, 13. Mai, GL
U 256 – TorTOUR de Ruhr 230,  Winterberg-Duisburg, 19./20. Mai, 34:21:00
Wie gut hätten sich da noch die 145 Meilen des GUCR gemacht?

Aber es war wohl das Wetter, das mir einen Strich durch mein ehrgeiziges Ziel gemacht hat und ein wenig auch die kurze Abfolge der ultralangen Kanten.

Beim „Westerwaldlauf“ um Rengsdorf herum war Badetag. Es schüttete, wir froren und wir zitterten. Und ich war am Ende der 50 Kilometer auch ziemlich fertig. Dennoch war es ein kleines Highlight, mit dem Erfinder der „Clean your trail“ Aktion, Sascha Rupp, und mit Christoph Mintgen gelaufen zu sein.

Einen Samstag später kümmerte ich mich um den Versorgungpunkt beim „25km Kölnpfadwandern im 4/4 Takt“, kein Wandern für mich, auch kein Laufen – und das alles bei bestem Frühsommerwetter.
Und dann, einen einzigen Tag später, als ich mit der großen Familie der KÖLNPFAD UltraläuferInnen beim „Veedels Verzäll dreij“ unterwegs war, war es wieder nass. Von oben, von unten, von der Seite. Und solch ein Wetter trübt natürlich auch immer ein wenig die Stimmung, bei allen. Und jeder ist, pitschnass bis auf die Haut, dann froh, in sein Auto zu kommen, um nach Hause fahren zu können.
Neben den Mitte 20 LäuferInnen, die mich da auf dem „Veedels Verzäll dreij“ begleitet haben, verdiente sich Patric Wurmbach Bestnoten, weil er im Regen unter einer Bushaltestelle die Stellung hielt und den Verpflegungspunkt auch für die Langsameren unter uns offen hielt.
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Und dann kam die TorTOUR.
Selten fühlte ich mich besser vorbereitet, mein Laufpensum der letzten Monate war ordentlich und ich hatte endlich mal keine Schmerzen mehr. Nicht an den Füßen, vor allem nicht an den Zehen, nicht in den Knien und auch nicht in den Waden.
Das muss an der Kombination der neuen HOKA-Schuhe gelegen haben, die ich, weil HOKA „meine“ Schuhgröße US 13,5 nicht mehr liefert, in US 14 geholt hatte.
Zudem hatte ich die Einlagen in die Schuhe eingebracht, ein Unterfangen, dass mich bei der Schuhgröße US 13 oder US 13,5 immer in Not bei den Zehen brachte.
Durch die Einlagen wird der Fußraum verkleinert, der gesamte Fuß angehoben und damit verkleinert sich auch der Spielraum der Zehen.
Mit den neuen, noch etwas größeren, Schuhen und den Einlagen scheine ich eine gute Lösung gefunden zu haben.

Meine Gabi war meine Supporterin und wir nächtigten in einem Ortsteil von Winterberg. Nach dem großen „Hallo“ und „Juhu“, nach unendlich vielen gedrückten Leibern und nach so viel Wiedersehensfreude ob der vielen bekannten Gesichter bei diesem wohl einmalig familiären Lauf, nach dem Briefing im neuen TTdR-Shirt, langärmlig und im Sublimationsdruck hergestellt und somit mit besten Voraussetzungen, in die Gruppe meiner Lieblingsshirts aufzusteigen, und nach einer kleinen Wartezeit ging es dann endlich los.

TTdR – ein Schauspiel in fünf Akten für mich.
2010 konnte ich das Ding finishen. Dabei war das mein erster wirklich langer Lauf, nonstop war ich zuvor nur ein Mal über 100 Kilometer gekrochen, das war bei der nur ein einziges Mal durchgeführten DLV-Challenge in Delmenhorst, 177,4 km in 24 Stunden, immerhin. Und dann gleich 230 K!
Aber ich erreichte die Stele in Duisburg erst in der Nacht und ich hatte, ehrlich gestanden, gar nicht bemerkt, dass da überhaupt eine Stele stand.
Aber schon am Tag danach, als ich die Fotos der anderen Finisher sah, war ich gierig darauf, auch mein ein Foto im Hellen an der Stele machen zu können.
2012 startete ich und scheiterte an meiner Übermotivation. Ich wollte zu viel und ich gab zu wenig. Und so ging ich nach 100 Kilometern aus dem Rennen.
2014 war ich angemeldet und heiß auf den Lauf. Heiß war aber auch das Wetter damals, extrem heiß sogar. Aber ich war sowieso nicht in Winterberg, sondern in Italien, weil ich einer Einladung des Chefs des Stöcke-Produzenten FIZAN zu einem Symposion über perfekte Laufstöcke folgte. Und am Tag danach, am zweiten TorTOUR-Tag also, liefen Michi Raab und ich auf einem alten Schmugglertrail in Italien eine Kurzstrecke von knapp 40 Kilometern und ich war danach vollkommen fertig.
2016 sollte es dann eigentlich endlich soweit sein: Die geniale Gürtelschnalle, die es ja 2010 noch nicht gab, wartete auf mich in Duisburg. Gabi, meine Supporterin, musste am Samstag noch arbeiten, also lief ich mit Christoph Mintgen, bis er nicht mehr konnte oder wollte und dann noch ein Stück weiter.
Als Gabi dann in der Nähe war und mich fragte, wo ich denn sei, da „tervauschte“ ich zwei der Ruhrseen und lotste sie prompt zu einem falschen Ziel. Von dort aus musste sie dann mich erst mal richtig finden, ich wartete im VP, die Zeit lief und der Cut-Off kam immer näher. Aber dann, kurz vor vier Uhr am Sonntagmorgen, startete ich, fast zeitgleich wie die 100 km „Bambini-Läufer“, die mich dann auch gleich einholten. Und ich war sooooo müde. Ich wankte und lief gerade in einen Gartenzaun hinein, als die beiden Letzten der 100 km Starter gerade bei mir waren. Es war die Familie Hanner, die mir dann zwei RedBull Dosen eintrichterten. Danach ging es aber kaum besser, die lange Pause im VP war einfach kontraproduktiv gewesen.
Als dann Frank Nicklisch auf mich auflief und mich immer wieder führte, weil ich immer wieder wegnickte, da war es um mich geschehen. Er wollte sich ein wenig in seinem Auto, dass dann zufällig am Weg stand, ausruhen und so verschliefen wir beide das Rennen. Als wir wieder aufwachten war uns beiden klar, dass es schon so spät war, dass ein Weiterlaufen nicht mehr sinnvoll gewesen wäre.
Die Gürtelschnalle musste also weiterhin in Duisburg auf mich warten.
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Ich war schnell unterwegs dieses Jahr, etwas schneller als sonst. Und ich hatte meiner Gabi gesagt, dass sie ruhig wieder ins Hotelbettchen steigen könne, die ersten 50 km bräuchte ich keinen Support. Dachte ich, das war aber weit gefehlt.
Gefehlt, weil ich zwei entscheidende Fehler noch im Hotel machte. So vergaß ich, das Melkfett bzw. den Hirschtalg zwischen die Beine zu schmieren und ich klebte meine Brustwarzen „blind“ ab. Und so verrutschte ich mit dem Pflaster links und dieses Pflaster thronte dann somit direkt neben der Brustwarze.

Aus der Verlegenheit der beginnenden Schmerzen im Schritt half mir mein KÖLNPFAD-Partner Thorsten Klenke und das Pflaster ersetzte ich dann, als Gabi dann irgendwann in den Support eingriff. Da war die Stelle aber schon blutig gewesen.

Das Wetter war fantastisch am Samstag, nicht zu heiß, kaum direkte Sonnneeinstrahlung und ich fand relativ schnell in Georg Hilden einen Laufpartner, mit dem ich sehr lange zusammen blieb und mit dem ich die Nacht verbrachte.
Gemeinsame Nächte unter Männern sind immer etwas sehr Verbindendes, etwas, das bleibt. Finde ich zumindest.
Wir trennten uns immer nur, wenn unsere Supporter getrennt voneinander parkten, damit wir nicht zwei Mal warten mussten. Nach dem Support aber fanden wir uns schnell wieder und kämpften wieder gemeinsam.
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Ganz besonders schön war, dass wir ganz kurz vor 16 Uhr am Startpunkt der 100 Meilen – LäuferInnen ankamen, die in einer Horde zusammenstanden und auf den Startschuss warteten. Ich gönnte mir den Abstecher nach rechts in die Menge der Wartenden, drückte und herzte viele, gerade die KÖLNPFAD UltraläuferInnen hatten es mir besonders angetan, dann gingen wir erst mal ein paar Meter zurück zum Verpflegungspunkt, um uns mit einem Nudelgericht zu stärken.

Kohlenhydrate, Salz, Flüssigkeit … das Regenerieren und Auftanken des Körpers kann so einfach sein!

Die Nacht war kalt und feucht. Die Ruhrauen zeigten kühlen Tau, wir froren und ich ärgerte mich, keine Handschuhe mitgenommen zu haben. Aber da meine Gedanke in solchen Situationen langsam sind und die Nacht kurz war, erledigte sich das Frieren schon mit den ersten Sonnenstrahlen.
Und von da an begann die Hitze. Keine Wolke am Himmel, viel direkte Sonneneinstrahlung und die Gewissheit, von jetzt ab gar nicht mehr so viel trinken zu können, wie der Körper es eigentlich verlangt hätte.

Und so wurden wir langsamer und langsamer und mein Wille, mich zu quälen, sank stündlich weiter. Längst war klar, dass wir im Hellen ankommen würden und während Georg noch das Ziel formulierte, eine „35“ vorne haben zu wollen, war mir alles egal und so trennten sich unsere Wege einen Halbmarathon vor dem Zielschluss und so lief er rund 23 Minuten vor mir ins Ziel ein, natürlich mit seiner „35“ vorne.

Ich aber verzweifelte an den letzten Kilometern, bei denen Du denkst, ganz bestimmt ganz gleich da zu sein, ganz gleich die orangene Stele zu sehen und ganz gleich erlöst zu sein von den Schmerzen in den Oberschenkeln und dem Ziehen im ganzen Körper.
Aber wenn die ersten 224 Kilometer noch einigermaßen kurz waren, die letzten 6 Kilometer zogen sich und mein Verstand drohte zu streiken.

Ich weiß nicht, wie ich diese letzten 6 Kilometer hinter mich gebracht habe, es war alles langsam. Ich hatte aber auch keine Lust mehr, ich wollte da dann nur noch drin sein. Für einen Schlussspurt fehlte mir die Kraft und die Einstellung.
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Aber dann war sie da, die Stele. Noch ganz weit hinten, aber so viele Menschen wünschten Glück, staunten über die Zahl 230 auf meiner Startnummer und schon deshalb ging es irgendwie weiter.
Aber dann an der Stele entlud sich die Anspannung mal wieder in sanftem Geheul. Wenig Wasser war noch im Körper verblieben, es reichte aber noch für viele Tränen.
Die Gürtelschnalle musste 2018 also nicht weiter auf mich warten, ich behüte und verehre sie jetzt in meinem Büro.

Meine Füße allerdings waren nach der Hitze und den vielen Kilometern elefantenmäßig aufgequollen und ich konnte vier Tage lang nicht richtig gehen.

Und dieser vierte Tag, der Donnerstag, war dann auch der Tag, an dem ich entschied, zwar nach England zu fliegen, aber am GUCR nicht teilzunehmen. Gabis und meine Flüge waren bezahlt, die Hotels weitgehend auch, wir gönnten uns etwas Liebe und etwas London, schrecklichen Dauerregen in Birmingham und wohlig warme Sonne in der englischen Hauptstadt.
Hätte ich die Entscheidung einen Tag später treffen müssen oder können, dann wäre ich wohl mit meinen Laufsachen nach England geflogen. Wer weiß, wofür die Pause gut war. Schlecht allerdings war sie für meinen Lauf-Lebenslauf. Und für meine Psyche.
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Dass Katrin Grieger als erst zweite Deutsche die Frauenwertung des GUCR gewinnen konnte, war jedoch mehr als ein Trost für mich und die gemeinsame Zeit mit Matthias, Katrin, Gabi und mir versöhnte mich mit der Traurigkeit, die uns Ultraläufer immer überkommt, wenn wir bei einem Laufevent vor Ort sind, aber dort nicht mitlaufen können oder dürfen.

MyMAI … kein perfekter Monat also, aber vielleicht ein guter Wegweiser für den Juni?
Zwei Marathons stehen da auf der Laufagenda und der DOLOMITI EXTREME mit 103 km und 7.150 HM.
Die 185 km auf dem GR-20 auf Korsika aber habe ich heute von meiner Agenda genommen, mir fehlt halt leider die Zeit für eine ganze Woche Laufspass, leider.
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Frieden geht!

FRIEDEN GEHT! Staffellauf 2018 gegen Rüstungsexporte

„FRIEDEN GEHT!“ Staffellauf 2018 gegen Rüstungsexporte (Oberndorf – Kassel – Berlin)

Warum werden Landminen gebaut, wenn man sie doch nicht benutzen will? Und nach den geltenden Statuten auch nicht benutzen darf? Und dennoch ist das leise Klicken einer Landmine, auf die Menschen auch in Friedenszeiten aus Versehen treten, ein Zeichen dafür, dass dieser Mensch nun verloren hat.
Nie werde ich den Film „Jenseits aller Grenzen“ vergessen, in dem Angelina Jolie und Clive Owen spielen und der sich mit diesem Thema auseinandersetzt.
Und warum werden Rüstungsgüter in Krisenregionen verkauft, um dann in endlosen Konferenzen dafür zu sorgen, dass ein Teil dieser Waffen vielleicht wieder verschwindet? Und warum baut sich ein Teil unseres deutschen Wohlstands auf dieser Perversion von Politik auf?
Ich will das nicht, Du willst das nicht. Und zum Glück sind wir beide da nicht alleine.

Vom Pfingstmontag, 21. Mai 2018 an bis zum Samstag, 02. Juni 2018 findet das Event „FRIEDEN GEHT!“ statt, ein Staffellauf quer durch Deutschland, von Oberndorf, der heimlichen deutschen Hauptstadt der Waffenschmieden bis hin nach Berlin, in die Hauptstadt Deutschlands, dorthin, wo die Entscheidungen über Rüstungsexporte getroffen werden.
Es geht dabei darum, ein deutlich sichtbares und öffentlichkeitswirksames Zeichen gegen Rüstungsexporte und für friedliche Konfliktlösungen zu setzen. Gerade in Bezug auf Rüstungsexporte ist Deutschland ja leider ein „big player“ im internationalen Geschäft rund ums Töten, immerhin ist Deutschland weltweit sowohl bei Kleinwaffen als auch bei Großwaffensystemen einer der größten Rüstungsproduzenten und -exporteure der Welt. Kaum ein kriegerischer Konflikt auf diesem Planeten, der nicht mit deutschen Waffen geführt würde.

Die Große Koalition hat in den vergangenen vier Jahren trotz gegenteiliger Zusicherungen deutlich mehr Rüstungsexporte genehmigt als das die Vorgängerregierung getan hatte. Und die hatte mehr Genehmigungen erteilt wie die Regierung zuvor. Eine Spirale des blutigen Geldes also, die gestoppt und gedreht werden muss.
Der Gesamtwert der Lieferungen lag von 2014 bis 2017 übrigens bei 25,1 Milliarden Euro.
Max Weber von „FRIEDEN GEHT!“ erklärt dazu: „Wir werden kritisch beobachten, ob die neue Bundesregierung ihr Versprechen einhält, die Rüstungsexportrichtlinie zu schärfen und restriktiver handzuhaben“. Einer Umfrage zufolge sind 83% der Bevölkerung Deutschlands gegen die bisherige Praxis, aber wen in der Politik interessieren schon die Menschen, die zwar schweigend eine solche Politik ablehnen, an den Wahlurnen jedoch schäfchengleich ihr Kreuzchen wie immer dort machen, wo sie es schon immer gemacht haben?
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Genau deshalb soll dieser Staffellauf zeigen, dass es viele Menschen gibt, die sich auch gegen Rüstungsexporte engagieren, die für eine friedvollere Welt gehen, laufen oder Rad fahren – und das in ganz Deutschland. 16 Trägerorganisationen wollen mit diesem bisher einzigartigen Friedenslauf ein deutliches Zeichen gegen Rüstungsexporte setzen und mit der großangelegten Aktion nicht nur Menschen aus der Friedensbewegung ansprechen, sondern wollen auch Kirchen, Kulturschaffende sowie Sportlerinnen und Sportler, um so gemeinsam Druck auf die Politik ausüben.
Und genau deshalb werde ich bei diesem Lauf dabei sein und so viele Etappen mitlaufen, wie ich das in meine schon sehr ausgedehnte Laufagenda und zwischen die Geschäftstermine integrieren kann.

Insgesamt ist die Wegstrecke von Oberndorf bis Berlin in 80 Etappen aufgeteilt und wird im Gehen und Joggen sowie als Halb- und Marathonläufe zurückgelegt. Einzelne Abschnitte sind zudem für die Teilnahme mit dem Fahrrad freigegeben. Dabei sind vor allem die Halbmarathon-Etappen recht optimistisch geplant, was die Sollzeiten angeht. Zwischen TTdr und GUCR werde ich es wohl nicht schaffen, einen Halbmarathon in 1:50 Stunden zu laufen oder einen Marathon in 4:15 Stunden, aber ich hoffe, dass der Zeitplan da flexibel ist und ich eine eventuelle Mehrzeit in den folgenden Geh-Einheiten aufholen kann. Oder ich lasse halt weg, was ich mir nicht zutraue.
Mein Focus geht dabei auf die Städte Freiburg, in der ich lange gelebt und gearbeitet habe, Lahr und Offenburg, wo meine Eltern und meine Tante wohnt und auf Halle, Potsdam, Berlin, weil ich dann, wenn diese Städte belaufen werden, sowieso „Strohwitwer“ bin.

Aber auch Du kannst Dich beteiligen und Laufend gegen den Export von Kriegswaffen demonstrieren, melde Dich einfach für einzelne oder mehrere Etappen an. Passiert werden unter anderem die Städte Furtwangen, Freiburg, Lahr, Offenburg, Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt a.M., Fulda, Kassel, Eisenach, Erfurt, Jena, Halle, Wittenberg und Potsdam.
Ansprechpartner*innen für den Lauf sind Max Weber (Berlin), Mobil 0162 – 5849599 und Sarah Gräber (Stuttgart), 0157 – 35663849 – oder per eMail an: info@frieden-geht.de.
Weitere Informationen gibt es auch auf der Webseite www.frieden-geht.de.

Ich würde mich freuen, wenn Dich dieser Staffellauf interessieren würde und ich Deinen Namen bald unter einer der Etappen lesen könnte …

Der Laufplan der Staffeln:
Tag 01: 21.05.18 Oberndorf nach Furtwangen – 55 km
Tag 02: 22.05.18 Furtwangen nach Lahr – 105 km
Tag 03: 23.05.18 Lahr nach Karlsruhe – 104 km
Tag 04: 24.5.18 Karlsruhe über Heidelberg nach Mannheim – 65 km
Tag 05: 25.05.18 Mannheim nach Frankfurt/Main – 85 km
Tag 06: 26.05.18 Frankfurt/Main nach Fulda – 110 km
Tag 07: 27.05.18 Fulda nach Kassel – 131 km
Tag 08: 28.05.18 Kassel nach Eisenach – 89 km
Tag 09: 29.05.18 Eisenach nach Jena -108 km
Tag 10: 30.05.18 Jena nach Halle – 94 km
Tag 11: 31.05.18 Halle nach Lutherstadt Wittenberg – 102 km
Tag 12: 01.06.18 Lutherstadt Wittenberg nach Potsdam – 74 km
Tag 13: 02.06.18 Potsdam nach Berlin

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