Ein super Dank an super Leute …

Einen Lauf wie den SH-Supertrail beschreiben geht für mich nicht anders als das mit Danksagungen zu tun.

Der erste Dank gebührt dabei natürlich dem Veranstalter Bernhard Sesterheim und seinem ORGA-Team. Einen solchen Lauf über zwei Tage auf die Beine zu stellen nötigt mir Respekt ab, vor allem, wenn es sich um den ersten Lauf solch einer Art handelt.
Die Hütten, in denen wir von Donnerstag auf Freitag und von Freitag auf Samstag genächtigt hatten, waren super und geradezu prädestiniert für ein solches Event. Die dazu gehörigen Sanitäranlagen waren ebenso ideal und sie waren, trotz eines technischen Problems, vollkommen ausreichend.


Ganz besonders fasziniert aber hat mich das angeschlossene Restaurant. Bei einem Leistungszentrum der Leichtathletik vermutest Du oft nur ein dunkles und einfaches Restaurant mit wenigen deftigen und fettigen Speisen, einem Patron, dessen Schürze aussieht wie das Babylätzchen meiner Kinder, als die noch klein waren, aber weit gefehlt:
die beiden Frühstücke, die uns geboten wurden, waren auf wirklich hohem Niveau und auch das Nachfüllen von Rührei, Quark oder Joghurt war präzise und schnell.

Das Abendessen jedoch machte mir etwas Bauchgrummeln. Es gab zwar ein Buffet, gut für die Viel-Esser unter uns, es gab aber nur eine sehr gut sortierte Salatbar, Spätzle, Gulasch und als Dessert ganz viel Schokoladenpudding. Alles davon wurde auf einer großen Tafel auf einer Staffelei angekündigt.
Als ich erwähnt hatte, Vegetarier zu sein, war ich erstaunt, nicht das übliche „Mann, da ist wieder so einer, der uns unnötige Mühe macht“ zu erfahren (hören tust Du das ja nie, aber die Gesichter mancher Restaurant-Angestellter sprechen Bände … ), sondern erst kurz mit dem Koch über Tofu-Gulasch reden zu können.
Bekommen habe ich dann vier halbe gefüllte Paprika, gefüllt rein vegetarisch und optisch und geschmacklich so lecker, dass Wilma, die mir gegenüber saß, plötzlich meinte, ebenfalls eine Vegetarierin zu sein. Für dieses spezielle Abendessen gebührt diesen Küchenangestellten mein zweiter Dank.

Mein dritter Dank gebührt den superleichten und superflachen INOV-8 Roclite 285 Trailschuhen, auf die mich viele Mitstreiter angesprochen haben. Üblicherweise wählst Du ja eher die stärkeren Modelle von INOV-8 für diese Strecken, aber mit diesen roten Schuhen, die quasi aus einer Ahnung von Nichts bestehen, die in der Größe UK8 nur 285 Gramm wiegen, fühlte ich den Waldboden direkt unter mir. Es war herrlich.
Was schreibt INOV-8 dazu auf der englischen Homepage?

„Ideal/Recommended Activity: Trail Running Adventure Racing Cross Country Climbing Approach Mountain.“
Stimmt, dem ist nichts hinzuzufügen.

Mein vierter Dank geht in Richtung X-BIONIC. Dieser Dank ist aber mit einer kleinen Träne in Augenwinkel verbunden. Seit dem „Marathon des Sables“ laufe ich, mit einer einzigen Ausnahme, stets bei Strecken „Marathon und länger“ mit den X-BIONIC Kompressionsstrümpfen.
Wenn ich vorher oft „Elefantenfüße“ nach einem Lauf bekommen hatte, dann ist das seit dem „Marathon des Sables“ vergessen. Nur bei dem einen Mal, wo ich mal wieder mit normalen Socken gelaufen bin, habe ich meine Waden wieder gespürt. Wir alle kennen die Diskussion, ob man Kompressionsstrümpfe verwenden soll oder nicht. Und jeder hat eine eigene Meinung dazu, manche sogar, ohne jemals solche Strümpfe getragen zu haben.
Für mich sind die X-BIONIC Kompressionsstrümpfe ein Segen und die kleine Träne im Augenwinkel habe ich nur, weil ich mich am Ende der nächsten Woche von ihnen verabschieden muss. Beide Fersen sind mittlerweile durch, aber nach rund 2.500 Wettkampfkilometern in diesen Strümpfen finde ich, dass das in Ordnung ist. In Delmenhorst beim 24-Stundenlauf am kommenden Wochenende dürfen sie den Fluss meiner Lymphe ein letztes Mal kontrollieren, danach werde ich sie standesgemäß beerdigen.
Beim “TRA 250 Miles Thames Ring Race“ werde ich dann mit ganz neuen X-BIONIC Kompressionsstrümpfen vor Ort sein.

Ein Strauß an Danksagungen wäre aber nicht vollständig, wenn es bei einer geraden Anzahl an „Blumen“ bliebe. Und so gebührt mein fünfter und letzter Dank denjenigen, die diesen Lauf erst zum Event gemacht haben. An die, für die und wegen denen ich mich immer wieder vor allem auf die kleineren und familiären Läufe freue und darin aufgehe und bei denen ich inständig hoffe, dass solche Tage nie zu Ende gehen wollen. Es sind die Lauffreunde, die mich vor, während und nach dem Lauf glücklich machen.

Ob sie wesentlich besser sind als ich oder einen Tick langsamer, von jedem lerne ich, dass diese Welt eine andere, eine bessere Welt wäre, wenn alle Menschen Ultraläufer sein würden.
Gerade beim SH-Supertrail waren es viel zu viele dieser engen und engsten Lauffreunde, als dass ich sie hier aufzählen könnte. Es würde den Rahmen einfach sprengen. Aber einige seien doch stellvertretend für die anderen genannt – und die nicht genannten mögen mir dennoch weiter gewogen bleiben.

Ich will zuallererst Wilma Vissers erwähnen. Ich habe sie seit dem SwissJuraMarathon (SJM), wo sie drittbeste Läuferin wurde, nicht mehr gesehen. Sehnen- und andere körperliche Probleme haben ihrer grandiosen Läuferkarriere eine kleine Delle verpasst und so war sie für mich diejenige im Starterfeld, auf die ich mich am meisten gefreut habe.

Wilma Vissers auf dem Podest beim SJM 2009, in der Mitte die Gesamtsiegerin Cécile Berg und ganz links die Zweitplatzierte, die großartige Anna Hughes

Als nächstes verdient Bernie Conradt eine Erwähnung. Als junger Vater hat er seine läuferischen Ambitionen ein wenig nach unten korrigiert und ich habe ihn seit seinem elefantösen Auftritt beim “TOUGH GUY 2011“ nicht mehr gesehen. Ohne ihn aber wäre die Veranstaltung bei weitem langweiliger geworden, weil er durch seine Kontakte nahezu alle „Coolrunners Germany“ aktiviert hat: Grace, Didi, Norman, Heidelinde, Kurt, Tanja, Walter, Alex und viele mehr.
Von vielen wusste ich zuvor nicht, dass ich sie dort treffen würde, umso größer war die Freude.

Bernie ist auch derjenige gewesen, der mich überhaupt in die läuferischen Regionen katapultiert hat, in denen ich in den letzten Monaten laufen durfte. Sein Satz nach dem “TransAlpineRun 2008“ „Jetzt hast Du drei UTMB-Punkte, jetzt musst Du auch zum UTMB“ hat mir Grenzen nach oben geöffnet, dafür danke ich Bernie noch heute. Aber ungelogen: bis zu diesem Satz wusste ich nicht einmal, was der UTMB überhaupt ist.

Den dritten, den ich erwähnen will, ist Raimund Slabon. Nicht nur, weil er ein extrem schneller Trailläufer ist, sondern, weil er einer von meinen zwei Rettern bei der „TorTOUR de Ruhr“ war – und beide Retter waren bisher eher unbekannt und unbedankt geblieben. Raimund war die Fahrrad-Begleitung von Susanne Alexi auf der TorTOUR und derjenige, der zurück gefahren ist, um mich, als ich mich derbe verlaufen hatte, wieder auf den rechten Weg zurück zu bringen.
Bei solch einer körperlichen Anspannung bleibt der gebührende Dank oft aus – dieses Wochenende war eine gute Gelegenheit, das nun nach knapp einem Jahr nachzuholen.


Unbedankt und unbekannt bleibt dann nur noch der andere Retter bei der TorTOUR. Es war kurz vor der Ruhr-Metropole Essen nach dem Versorgungspunkt, den John P. Hunold gemanagt hat. Er hielt dort unter einer Brücke die Stellung, vor seinem Wohnmobil und unter seinem Tropenhut.
Ich war so froh, mit ihm ein paar Worte wechseln und ein paar Minuten dort ausspannen zu können, dass ich erst etwa nach zwei Kilometern hinter dem Verpflegungspunkt gewahr wurde, dass ich meine beiden Trinkflaschen bei ihm vergessen hatte!
Und als ich hin- und hergerissen war zwischen den Überlegungen, ob ich zurück laufen sollte oder auf Tankstellen hoffen sollte, damals, an diesem extrem heißen Pfingsttag, an dem der Baldeneysee und die Ruhrauen übervoll waren mit Grillern und Frisbee-Spielern und als ich mich nicht entscheiden konnte, welche Alternative ich wählen sollte, da klopfte mir dieser andere unbekannte Retter auf die Schulter.

Er kam mit einem Fahrrad angeradelt und übergab mir die gefüllten Wasserflaschen, die ich so sehnlichst vermisst hatte. Ich glaube, den Dank dafür blieb ich bis heute schuldig. Umso schöner, dass ich aus einem der beiden unbekannten und unbedankten Retter einen bekannten Retter machen konnte, dem ich danken durfte.

Die letzte Erwähnung hier erhält Norman Bücher. Seit ich ihn über die „Coolrunners Germany“ und über die Gruppe „UTMB & CCC“ im „wer-kennt-wen“ (WKW) kennengelernt habe, respektiere ich ihn von Woche zu Woche mehr.
Ob es seine läuferischen Leistungen sind, seine berufliche Karriere als Motivationsredner oder seine Erlebnisberichte, wenn er erzählt: am meisten schätze ich an ihm, dass er ein braver und bescheidener Ultraläufer geblieben ist, der als junger Vater auch beim Brasilianischen Jungle-Marathon weiß, wo man aufgeben muss.
Und besonders freuen tue ich natürlich darauf, mit ihm beim „Tor des Géants“ (TdG) teilnehmen darf. Als ich am Ende des SH-Supertrails mit ihm auf den Zieleinlauf angestoßen habe, sagte ich zu ihm:
„Wenn wir das im September auch zusammen tun dürfen, dann wäre ein Traum wahr geworden!“
Norman antwortete: „Ja, aber dann feiern wir etwas aufwändiger!“


Vielen Dank an alle für dieses wunderschöne Wochenende!

Mt. Everest Treppenmarathon 2010 …

Mt. Everest Treppenmarathon 2010

Mt. Everest Treppenmarathon 2010

Seit dem 1. September kann man sich für den „Mt. Everest Treppenmarathon 2010“ anmelden, schon jetzt sind 19 von 60 Startplätzen vergeben.
Und schon jetzt fallen mir zwei Namen auf:

Lars Schläger aus Bünde und Walti Schäfer St. Gallen in der Schweiz.

Lars begleitet mich dabei schon mehr als ein Jahr. Zuerst sind wir beim TransAlpineRun 2008 (TAR 2008 ) zusammen gelaufen. Zusammen? Natürlich lief jeder in seinem Zweier-Team, ich mit meinem lieben Laufpartner Heiko und Lars mit seinem getreuen Laufpartner Hans.
Hans und Lars habe ich dann beim „Mt. Everest Treppenmarathon 2009“ wieder getroffen und die Freude war groß. Beim TAR haben wir nur wenig Zeit gehabt, miteinander zu reden, das ist beim Treppenmarathon schon anders, immerhin sieht man sich auf jeder der 100 Runden zwei Mal, einmal aufsteigend, einmal absteigend.
Am Anfang grüßt Du noch artig jedes Mal, aber das legt sich dann …

Beim Rennsteiglauf habe ich Lars und Hans dann wieder gesehen, wie immer eher zufällig als geplant. Und beim 24-h Lauf in Delmenhorst waren die beiden dann auch am Start. Beide liefen damals in der offenen Wertung mit (Burginsel-Lauf), ich lief auf der anderen Bahn in der DLV-Challenge, aber wie zwei Ringe gab es einen Teil, der parallel lief und wo man sich regelmäßig sehen und austauschen konnte.

Dass ich Lars und Hans dann in Chamonix wieder traf – oder besser: die beiden sahen und riefen mich aus der Pizzeria heraus zu sich – war die Krönung von langen gemeinsamen Lauferfahrungen, die dann dadurch gekrönt wurden, dass Lars und ich den letzten Berg vor Chamonix gemeinsam heruntergelaufen sind.

Und nun treffen wir uns spätestens wieder beim „Mt. Everest Treppenmarathon 2010“, die Läuferwelt ist doch wirklich klein!

Und Walti Schäfer? Er ist einer von zwei Organisatoren des wunderschönen Etappenlaufs „TransSwiss“, der 438 Kilometer lang durch die schöne Schweiz geht. Gerne wäre ich dieses Jahr dabei gewesen, aber das Mammut-Programm hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht nur, dass mir das alles nach dem SwissJura und dem UTMB zu viel geworden wäre, meine gelegentliche Präsenz im Büro ist auch von Nöten. Zuletzt habe ich auch noch mehr Wünsche als Geld – und der „TransSwiss“ wird mich sicherlich noch irgendwann sehen.

Ich war also bei Walti für den „TransSwiss 2009“vorangemeldet und mit ihm und bei ihm habe ich die Entscheidung getroffen, trotz toller Mitläufer nicht dabei zu sein. Und wenn ich also schon nicht in die Schweiz komme, um mit Walti zu laufen, dann kommt Walti eben nach Deutschland, um mit mir zu laufen. Das ist ja auch nicht schlecht, oder?

Ich jedenfalls fiebere den kommenden 8.848 Höhenmetern und den anstrengenden 84,4 Kilometern in nur 24 Stunden maximale Laufzeit entgegen. Und ich weiß eines:

2010 werde ich diesen Lauf schaffen! Garantiert!

Volksfest statt Volkslauf in St. Ingbert

„Soli-Lauf“ hieß er offiziell, „so nie – Lauf“ würde ich ihn nennen.

Ausgeschrieben war er als 24-Stunden-Lauf, aber ich hatte glücklicherweise an diesem Tag niemals das Verlangen, mehr als 5 bis 6 Stunden zu laufen. Und selbst diese Vorgabe habe ich schon in der ersten Laufstunde schnell Richtung „Marathon“ nach unten korrigiert.

Schon das „Mühlwald-Stadion“ in St. Ingbert hatte seine Tücken. Dort, wo gewöhnlich Fußballspiele der untersten Fußball-Ligen entschieden werden, war vieles alt und renovierungsbedürftig, die Umkleideräume waren genauso weit weg von der Laufbahn wie die Toiletten. So stand ein Toilettenwagen außerhalb des Stadions auf dem Parkplatz, gut für die zahlreichen Zuschauer, schlecht für die ambitionierten Läufer.

Die 400-Meter-Bahn, auf der alles stattfinden sollte, erwies sich als eine unebene, mit Erde aufgefüllte Staub-Bahn, auf der viel Gras wuchs. Dabei war die Strecke so uneben, dass an ein kontrolliertes Runden laufen nicht gedacht werden konnte. Aber das wäre sowieso nicht möglich gewesen, weil der Lauf mehr einen Volksfest-Charakter hatte und keine Ambitionen darauf hatte, irgendwann ein beachtetes Lauf-Event zu werden.
Schon im Vorfeld fiel mir auf, dass es sehr viele und riesengroße Staffeln, aber nur sehr wenige Einzelläufer gab. Wenn ich nun erwartet hätte, dass eine Staffel sich die Zeit auf der Bahn wie auch immer teilt, dann war ich vollkommen auf dem Holzweg. Manche Staffeln hatten zehn oder fünfzehn Läufer gleichzeitig auf der Bahn – oder auch mal gar keinen.
Und von Läufern kann nur bedingt gesprochen werden.
Zwei Mütter mit Kinderwagen waren spazieren gehend genauso auf der Strecke wie Nonnen in ihren Roben, es gab viele Nordic Walker und noch mehr Fußgänger und Dutzende von Kindern, die auf der Laufstrecke gerauft oder fangen gespielt haben, meist gegen oder quer zur Laufrichtung.
Und nur die wenigsten haben der Bitte der Organisatoren entsprochen, die Innenbahn frei zu halten. Gerade am Anfang dachte ich mehr an Slalom als an kontrolliertes Laufen.

Natürlich war auch die Politik vertreten. In der „heißen Phase“ des Wahlkampfs wollten fast alle großen Parteien Flagge zeigen. Warum tun die das eigentlich nicht, wenn gerade mal keine Wahl ansteht?
Die Linken wurden von zwei Damen repräsentiert, die Werbung für das LafonTEAM machten und auch so ganz adrett aussahen. Gelaufen sind die beiden aber eher wenig.

Die Jungen Liberalen (JuLis) waren mit dem FDP-Regionalboss Oliver „Olli“ Luksic gemeinsam in einer großen Truppe unterwegs. Allerdings redeten sie ununterbrochen von Politik und waren auch nur Spaziergänger. Ob der Spitzenkandidat so bis Sans-Souci spazieren will? Mit einem aber redete keiner der Parteien: mit den anderen Läufern, warum auch, wir sollen ja nur unser Kreuzchen machen …
Die CDU war mit einer großen Truppe angereist, alle hatten orangene Leibchen an, Poloshirts aus Baumwolle, ideal zum Laufen. Nur einer der CDU-ler war wirklich ein Läufer, der Rest war eher von der Walker-Fraktion. Da die CDU aber weniger Teilnehmer aufweisen konnte wie die SPD hat die CDU dafür gesorgt, dass das Gesamtgewicht der Läufer der CDU das der SPD-ler dennoch weit übertroffen hat.

Die SPD war mit einer jungen Truppe vertreten, ganz sicher die größte politische Gruppe überhaupt, die die lokale Bundestagsabgeordnete Astrid Klug unterstützten. Astrid Klug hielt vor dem Start noch eine unvermeidliche Rede, gelaufen ist sie aber nicht. Dafür gab es in ihrer Truppe einige wirklich gute Läufer, schnell und ausdauernd. Diesen politischen Wettbewerb hat also die SPD klar für sich entschieden. Das ist ein echter Trost, wenn man schon keine Wähler mehr hat, oder?

Eines gab es dort wieder, was wir Läufer auf unseren Veranstaltungen meist vermissen: Raucher! Und davon gab es reichlich. Und sie rauchten überall, selbst auf der Laufstrecke. Am liebsten waren mir die Raucher, wenn sie in Gruppen von acht oder zehn Personen nebeneinander auf der Bahn spazierten und aus dem Lauf ein echtes Hindernisrennen gemacht haben.

Und da gab es noch junge Männer, die ein spezielles Training absolvierten. Gelegentlich laufe ich ja mit Bleiweste oder mit Bleigewichten an den Armen, um meine Muskeln zu stärken. Diese Jungs liefen auch mit Gewichten in der Hand. Das war nett anzusehen. Schade war nur, dass diese Gewichte flaschenförmig und mit Bier gefüllt waren. All das waren echte Motivatoren, die dafür gesorgt haben, dass Du über alles nachdenkst, nur nicht über Dein Laufen.

Das Bild vervollständigt hat sich aber dadurch, dass es außer Apfelstückchen, Wasser und einem Eistee keinerlei Verpflegung gab. Was wäre gewesen, wenn ich vorgehabt hätte, hier 24 Stunden zu laufen? Wie aber willst Du Dich als 24-Stunden-Läufer selbst versorgen?

Dass bei dem Lauf die Zeitnahme-Chips von „meisterchip.de“ manche Runde doppelt aufgezeichnet hatten und ich daher bis jetzt nicht weiß, wie weit ich in den 5 Stunden gekommen bin, die ich laufend unterwegs war, passt noch ins Bild dieser Veranstaltung.
Ich hatte ja schon während des Laufs entschieden, nur 106 Runden zu laufen, was 42,4 Kilometern entsprochen hätte. Nun hing irgendwann ein Zettel im Start/Ziel-Bereich, dass die Zeitnahme in den ersten zwei Stunden wohl nicht richtig funktioniert hätte und mir wurde angedeutet, dass vier oder fünf Runden abgezogen werden könnten. Dazu weiß ich, dass ich mindestens zwei Runden gemacht habe, wo das System mich nicht gezählt hatte (der Rennleiter begleitetet mich auf einer Bahn, weil ihm der Ausfall des Zählsystems bei mir aufgefallen war) und ich wollte nicht das Risiko eingehen, dass ich nach der Korrektur mit einem Wert gewertet werde, der unterhalb der Marathon-Distanz lag. Deshalb lief ich über die 106 Runden hinaus noch 12 weitere, damit ich auf meiner GARMIN GPS Uhr und auch dort genug Sicherheit hatte, dass hier nichts passieren kann. Mal sehen, mit welchem Wert ich wirklich gewertet werde. „meisterchip.de“ sagt über sich selbst „Die besondere Art der Zeitmessung!“ Gut gebrüllt, Löwe, sage ich.

Ich habe mich wirklich gefragt, ob ich schon so abgehoben vom normalen Leben bin, dass ich von diesen Zuständen derart schockiert war? Oder ob die Veranstalter in ihrem Ehrgeiz, möglichst viele Spendengelder zu akquirieren, den Lauf vollkommen vergessen hatten? Es ist halt oft das Gleiche: wenn die Veranstalter selbst keine Läufer sind, dann werden auch die Bedingungen, die geschaffen werden, den Läufern nicht gerecht.

Alles in allem war es eine Veranstaltung, die unter der Rubrik „GUT GEMEINT“ abgehakt werden sollte. „GUT GEMACHT“ aber wäre mir erheblich lieber gewesen.

Vorerst mein letzter Eintrag …

– auf in die Schweiz, auf nach Genf!

1

Ganz viel Ehre: gleich drei Regionalzeitungen berichteten über meinen 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst.
So lange laufen! Das ist offensichtlich total spleenig für den Durchschnitts-Deutschen.
Mir soll es recht sein …

3

Wahrscheinlich ist das für eine gute Woche mein letzter Eintrag. Ich glaube nicht, dass ich von der Schweiz aus diesen Blog bedienen kann.
Dafür berichte ich nach dem SwissJuraMarathon von 350 Kilometern Abenteuerlauf. Ich sage: „Tschüss bis Mitte Juli!“

2

TV Altendorf-Ersdorf, mein Lauftreff …

„Doppelt hält besser,“ sagte meine Mutter immer. Ob das immer gilt?
Spontan fallen mir viele Situationen ein, bei denen „doppelt hält besser“ nicht geht oder nicht durchsetzbar ist.

Aber bei Laufgruppen passt es. Deshalb laufe ich meist mit dem TV Altendorf-Ersdorf, meinem Lauftreff, bei dem ich auch die ersten Schritte unternommen habe.
Das passiert Montags und Donnerstags, wenn immer ich das zeitlich hinbekomme. Nur am Mittwoch ziehe ich den „JOUR FIXE“, das Tennis in Grafschaft-Ringen, vor.
Und Samstag Mittags bin ich ja sowieso nie da, zwei Termine, wo die Altendorf-Ersdorfer Lauffreunde ohne mich unterwegs sein müssen.

Der Dienstag Abend aber ist der Abend des LT Grafschaft. Da starten wir in Grafschaft-Vettelhoven fast direkt vor meiner Haustüre. Und die Grafschafter laufen auch deutlich schneller als die Kollegen von Altendorf-Ersdorf, also ist dieser Abend gewissermaßen gleich mein Tempotraining.

Heute versuche ich es wieder mit dem Laufen, das erste Mal seit der DLV Challenge in Oldenburg. Nach 177,52o Kilometer vielleicht weitere 8 bis 12 Kilometer, je nachdem, welche Strecke gewählt wird …

Es wird schon gehen …

Schon wieder schweißgebadet aufgewacht!

Ich weiß nicht recht, was los ist.

Seit der 24-Stunden-Challenge schwitze ich Nacht für Nacht so, als hätte ich Fieber. Ich hoffe sehr, dass das nur vom „Reparaturprogramm“ im Körper kommt und der Körper eben mit den aufgeschwemmten Beinen kämpft. Aber ein wenig Sorge macht mit die Schwitzerei schon.
Die Beine kommen übrigens wieder in Form, das linke ist schon wieder normal und das rechte ist nur noch leicht verdickt.

Schmerzen habe ich keine mehr und auch die Blasen schmerzen nicht mehr. Scheinbar bildet sich schon neue Haut und die alte wird hoffentlich dann bald abgestoßen. Das Penicillin arbeitet scheinbar hervorragend.

Ich habe aber seit drei Tagen keinerlei Sport mehr gemacht, das macht mich ganz kribbelig, unausgeglichen und ich habe das Gefühl, dicker zu werden. Kein montäglicher Lauftreff in Altendorf-Ersdorf, kein Laufen mit dem LT Grafschaft am Dienstag Abend und auch kein Tennis am „Jour fixe“ in Ringen. Heute Abend kann ich auch nicht laufen und der Freitag ist ebenfalls komplett zugeplant.

Wochenende, wo bleibst Du?

DLV Challenge, 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst

24 Stunden am Stück laufen? Geht denn das?

Als meine Lauffreundin Sabine Strotkamp, immerhin erfolgreiches Mitglieded der Deutschen Nationalmannschaft, mir gesagt hat, dass ich vom 20. auf den 21. Juni beim DLV-Challenge im 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst antreten sollte, dachte ich mir: das musst Du einfach ausprobieren!

DLV Challenge 2009, OldenburgDLV-Challenge 2009, Delmenhorst, 24-Stunden-Lauf

Aber ganz so einfach war es dann doch nicht. Die DLV Challenge setzt voraus, dass Du Mitglied in einem Laufverband bist, das bin ich schon seit meinen ersten Laufversuchen im Jahr 2004.

Nun brauchst Du noch eine Startpass-Nummer, die über den Verein beim Landesverband des DLV beantragt werden muss. Aber auch das war irgendwann erledigt.

Ich habe mich sofort angemeldet, ohne mir die Ausschreibungen genau anzusehen. Ich habe also nicht bemerkt, dass es dort zwei 24-Stunden-Läufe gibt, einen der „offenen Klasse“ und eben die DLV Challenge. Bei der „offenen Klasse“ wirst Du immer gewertet, egal, wo Du ankommst, bei der DLV Challenge aber gilt für die Wertungsklasse M40 und M45 die Mindestanforderung 150 Kilometer.

150 Kilometer! Noch nie war ich so weit gelaufen. Zwei Mal Biel, zwei Mal 100 Kilometer, das war es. 24 Stunden! Noch nie war ich so lange unterwegs, lediglich die gut 14 Stunden beim „Mt. Everest Treppenmarathon“ in Radebeul standen hier zu Buche. Und so kreisten meine Sorgen der letzten Woche um die Angst, 148 Kilometer zu packen, aber nicht gewertet zu werden.

DLV-Challenge

Schon der Anfang war schwer. Es war eine wirklich überschaubare Anzahl an Mitstreitern und damit diese Menge nicht zu klein würde, wurden die „Nationalläufer“, das A-Kader, gewissermaßen zwangsverpflichtet, hier mitzulaufen. Ein Lauf unter wirklich Großen also – und ich fühlte mich entsprechend klein.
Gabi war dankenswerterweise als Betreuerin mitgefahren und sie durfte sich mit ihren Sachen im DLV-Zelt unterstellen. Das war gut für die Unterhaltung und auch sehr lehrreich.
Gleich zu Anfang wurde ich gefragt, was ich laufen wolle und ich erzählte von meinen Ängsten, die 150 Kilometer – Hürde zu „reißen“. Ein kleines Ziel für die Cracks, ein großes Ziel für die meisten Ultra-Läufer, ein sehr großes Ziel für mich …

Ich begann den Lauf, indem ich immer parallel mit der erfahrenen und auch für die Nationalmannschaft laufenden Sabine Strotkamp lief. Und ich schämte mich. Wir waren letzte – und das bald mit großem Abstand. Sabine aber machte sich nichts daraus und sagte immer wieder: eine 7er Zeit macht am Ende 200 Kilometer, wenn Du das Tempo durchhältst. Und der Trainer winkte uns immer wieder zu, dass wir zu schnell wären.
Schon bald fiel ein Läufer aus – endlich nicht mehr Letzter!
Markant waren drei Läufer mit einem knallorangenen Trikot aus Zetel, die uns permanent überrundeten. Die Cracks, die an uns vorbeizogen, waren auch toll zu beobachten. Sechs Stunden vergingen, zwölf Stunden vergingen. Es geschah ein kleines Wunder für mich: meine Rundenzeiten von exakt 7 Minuten pro 1-Kilometer-Runde blieben konstant. Ich erinnere mich an meine Probleme in Biel. Spätestens bei km 70 wurde ich signifikant langsamer. Nach 12 Stunden hatte ich knapp über 102 Runden geschafft, perfekt.

Die Zahl „100“ ist für mich ein Meilenstein, „von Null auf 100“ heißt eine Unterseite auf http://www.marathonundlaenger.de, ich will in den 100er Marathon Club und es ist eben die längste Strecke, die ich je gelaufen bin.
Es war die Idee des „Mental-Coaches“ Michael, dass Gabi mich jetzt ansprach und sagte, ich solle mir als nächstes Ziel unser „Familienalter“ vornehmen.
Familienalter? OK, ich bin 47, Gabi ist 46, Milena ist 17 und Pascal ist 15, zusammen … 125! Tolle Zahl.

Ein ganz besonders gutes Gefühl war es, eine Runde lang ein Fähnchen zu tragen. „100 km“ stand auf dem ersten, „125 km“ auf dem zweiten. Alle anderen Läufer und die Zuschauer haben Dich da beglückwünscht, einfach herrlich! Immer und immer wieder.

Am nächsten Morgen sah ich die Jungs mit den knallorangenen Shirts wieder. Über Nacht hatten sie andere Trikots angezogen, daher haben sie sich meiner Aufmerksamkeit entzogen. Ich war mittlerweile bei 159 Kilometern angelangt, längst im „sicheren Hafen“, was die Wertung angeht – und die Jungs waren noch in Sorge, an dieser Hürde zu scheitern. Die Strategie, ganz langsam anzulaufen und so konstant wie möglich zu sein, ging auf. Unglaublich, diese Disziplin. Sabine Strotkamp hat es übrigens geschafft, ihre Rundenzeiten bleiben fast konstant. Wir beide hatten 102 Runden nach 12 Stunden, sie hat es dann auf etwas mehr als 200 Runden gebracht, viel konstanter geht es nicht, oder?

Mein finales Ergebnis waren 177,520 Meter, also durfte ich die Fähnchen für 150 Kilometer und für 175 Kilometer auch noch spazieren tragen. Insgesamt wurde ich von 28 männlichen Startern in diesem hochkarätigen Teilnehmerfeld 10., das bedeutete 5. Platz der Wertung M45, sechshundert Meter hinter dem 4. Platz der Wertung M45 und über 15 Kilometer vor dem 6. Platz der Wertung M45. Alle waren mit mir zufrieden – ich selbst sowieso. Nie hätte ich mir vorstellen können, so weit zu kommen!

Und beim nächsten 24-Stunden-Lauf? Na ja, ich glaube, es würde mich sehr motivieren, wenn ich auch mal das 200 Kilometer Fähnchen tragen dürfte …

Der krönende Abschluss des Laufs aber war der durch eine Lasergravur designete Glasblock, den ich für diese Leistung erhalten habe. Er wird dauerhaft einen Ehrenplatz in meiner Galerie haben.

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