Der „Kleine KOBOLT“ – ganz groß!

Wenn man einen Lauf wie den „Kleinen KOBOLT“ mit dem Abstand von einigen Tagen ansieht, dann wird der „Kleine KOBOLT“ tatsächlich fast klein. Wenn man mit diesem Abstand auf so einen Lauf zurück blickt, dann denkt man leicht, dass er eigentlich gar nicht so schwer war.
Jetzt, wo die Wunden an den Fersen verheilt sind, die Muskeln sich wieder gut anfühlen und ich auch im Magen wieder das Gefühl einer leichten Übersättigung habe, kommt mir der „Kleine KOBOLT“ wie ein netter, kleiner Freund daher …


Allerdings weiß ich auch noch gut, welch gehörigen Respekt ich vor diesem Lauf hatte. Schon die nackten Zahlen sprechen für sich:
140,5 Kilometer lang – mein bislang fünftlängster Lauf überhaupt …
4.446 Höhenmeter – nur der „PTL“, der „UTMB“, der „Trail Verbier St. Bernard“ und der „Canyon du Verdon“ hatten bisher mehr Höhenmeter …
3 UTMB Punkte – so viel wie eine Woche „TransAlpineRun“, so viel wie eine Woche „Marathon des Sables“ …

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„Wenn die Jungs und Mädels in Chamonix sich also nicht irren, dann wird der „Kleine KOBOLT“ doch ein ganz großer Lauf für mich,“ dachte ich und ich erinnerte mich daran, dass ich zwei Drittel der Strecke schon gelaufen war. Ganz gemütlich bei meist bestem Wetter in der Woche vor Ostern als Gruppenlauf mit Rolf Mahlburg beim „Rheinsteig Erlebnislauf“.
Rolf startet immer in Bonn und geht etappenweise den Rheinsteig entlang bis nach Wiesbaden. Die ersten drei Tagesetappen dabei sind die Strecke des „Kleinen KOBOLT“. Die ersten beiden Tagesetappen bin ich schon mit Rolf Mahlburg gelaufen.
Und ich erinnerte mich gut daran, dass ich früher schon nach einer einzigen dieser Tagesetappen am Folgetag kaum mehr laufen konnte. Nach dem Ende der ersten Etappe damals in Unkel ging es am nächsten Tag weiter über der Erpeler Ley Richtung Koblenz und so war die Erpeler Ley weit, weit weg von Bonn, dachte ich damals.
Beim „Kleinen KOBOLT“ allerdings sagte ich mir, dass wir fast am Ziel wären, wenn Achim und ich erst einmal die Erpeler Ley erreicht haben würden.

Ach, Achim, mein Laufpartner beim „Kleinen KOBOLT“ … es war so schön, endlich mal wieder einen ganzen Lauf mit ihm, neben ihm zu bestreiten, auch wenn 28 Stunden lang quatschen dann auch nicht möglich war. Am Ende gab es Phasen, wo wir stumm hintereinander hergelaufen waren, teilweise stumm aus Erschöpfung, teilweise auch aus Frust, weil wir uns mal wieder verlaufen hatten.

Sich zu verlaufen ist vielleicht eines der entscheidenden Punkte bei diesem Lauf. Jeder hatte es am Ende hinter sich, Achim und ich genossen die Extra-Runden ausgiebig. Gleich nach zwei der üppig bestückten Verpflegungspunkten drehten wir eine lange Schleife, die uns wieder zum Verpflegungspunkt zurück brachte. Am Ende waren statt der 140,5 Kilometer immerhin 153,5 Kilometer auf der GARMIN Uhr. Sich zu verlaufen haben Achim und ich also zur Stilform erhoben.

Neben den beiden Schleifen nach den Verpflegungspunkten 2 und 3 war auch die Gegend um das hübsche Ausflugslokal „Milchhäuschen“ ein ideales Gelände, um dieser Stilform zu frönen und wir taten es hier gleich mehrmals.
Ich liebe das „Milchhäuschen“ und hatte Achim schon kilometerweit vor diesem Restaurant von seiner Schönheit erzählt, die Gegend um das „Milchhäuschen“ herum liebe ich jedoch jetzt nicht mehr so sehr …

Ein Lauf wie der „Kleine KOBOLT“ ist also schon auf Grund der nackten Zahlen und der teilweise suboptimalen Beschilderung ein hartes Ding, am ersten Dezember-Wochenende kamen dann noch die Wetterbedingungen hinzu. Zwar war es beileibe nicht so kalt wie in den Nächten zuvor, es hat auch erst ganz am Ende geschneit, dennoch war es während der ganzen Zeit kalt und feucht, der Boden war von zusammengetretenen Schnee bedeckt und damit sehr, sehr glatt. Zum Glück hatte ich meine Alpin Sticks dabei, sie verhinderten einigem Male einen Sturz, vor allem deshalb, weil ich schuhtechnisch nicht optimal ausgestattet war.


Auf der Rückfahrt nach dem Ziel nickte ich ein Mal kurz ein. Gabi fuhr und das monotone Fahrgeräusch läd Läufer, die eben mal eine Nacht durchgelaufen sind, geradezu zum Einschlafen ein. Und ich träumte von einem Polizisten mit stark bayrischem Akzent, der mich anhielt, auf die neue Winterreifenpflicht hinwies und mein Profil sehen wollte.
Also hielt ich meine Schuhsohlen nach oben und der Polizist bemerkte natürlich sofort, dass der Schuh ein Sommermodell war, zudem war das Sohlen-Profil an vielen Stellen komplett abgelaufen.
Ich liebe diese Nike Laufschuhe, obwohl sie an zwei Stellen schon zerschlissen und definitiv viel mehr als die empfohlenen 1.000 Kilometer gelaufen haben, was die Dämpfungseigenschaften einschränkt. Für den „Kleinen KOBOLT“ aber war diese Schuhwahl nicht akzeptabel.
Und der Polizist schimpfte über das Profil und bestrafte mich mit zehn Liegestützen und einer 5-km-Strafrunde.
Ich war schon vollkommen fertig und flehte ihn an: „Tun Sie das nicht, bitte. Tun Sie das nicht, bitte, bitte, ich habe schon über 13 Strafkilometer hinter mir …“
Aber der Polizist wollte nicht auf mich hören, also wurde ich wütend und dann schrie ich ihn an: „TUN SIE DAS NICHT!“ Dann wachte ich wieder auf, wir waren zu Hause.

Aber so labil, wie ich im Traum bei dem Polizisten war, so war ich auch auf den letzten acht Kilometern vor dem Ziel. Irgendwann zwischen dem letzten Verpflegungspunkt und dem Ziel wollte mein Geist nicht mehr und alles tat weh.
Ich hatte mir im Schritt einen „Wolf“ gelaufen und hatte die beiden Hosen, die ich übereinander trug, schon so weit nach unten gezogen, dass die obere Hälfte meines Hinterns nur durch die Laufjacke bedeckt wurde, ich hatte eine dicke Blase hinten an der linken Ferse, eine kleine Blase unter dem rechten Fuß und mein linkes Knie machte sich ganz leicht schmerzend bemerkbar. Ich wollte nur noch im Ziel sein, endlich am Ziel sein …

Wenn Du so lange mit dem gleichen Partner läufst, dann gibt es Momente, in denen Du den Partner ziehen und motivieren musst und es gibt Momente, in denen Du Zuspruch brauchst und Unterstützung. Am Ende habe ich nur noch von Achims Kraft gelebt, er hat mich gezogen und meine Laune einigermaßen hoch gehalten, aber ich habe den Bonnern, die wir nach dem Weg zum Ziel gefragt hatten, wohl ein jämmerliches Bild geboten. Aber irgendwann dann waren wir tatsächlich im Ziel, irgendwann und mit 27:54 Stunden doch noch wenigstens unter der 28 Stunden Marke.

Unsere Hochrechnungen sahen uns schon mal mit 25:30 Stunden im Ziel, mal aber auch erst nach dem Cut-Off von 29:00 Stunden. Ganz schlimm war es ein paar Kilometer vor dem letzten Verpflegungspunkt. Nach dem vielen Verlaufen wussten wir, dass wir viel Zeit, Kraft und Motivation verloren hatten und wir begannen, neu zu rechnen.
Die Strecke nach dem VP, die Strecke von Bad Honnef bis zu diesem VP und die Strecke bis nach Bad Honnef … und in diesem Moment kam eine Spitzkehre mit einer Wegbeschilderung nach Bad Honnef, auf der stand: BAD HONNEF 11,5 km.

Wir hatten keine Chance mehr, vor dem Cut-Off anzukommen, dachten wir. Achim wurde aus Trotz und Ärger schneller, ich wurde aus den gleichen Gründen langsamer. Achim wurde richtig ärgerlich, ich verzweifelte und wanderte ins „innere Jammertal“.
Es folgte eine merkwürdige Viertelstunde, in der wir liefen und schwiegen, träumten und dachten, bis wir von einem dicken Stein erlöst wurden, auf dem stand: BAD HONNEF 1,5 km.

Alles war wieder gut für Achim, für mich aber noch nicht. Nach einem Kilometer kam ein Abzweigschild nach Bad Honnef Innenstadt, das ich aber übersehen habe und wir liefen und liefen und kamen scheinbar einfach nicht nach Bad Honnef. Ich stellte mir vor, dass auf dem Stein 7,5 km gestanden haben musste und ärgerte mich. Erst als Achim von der Abzweigung erzählte, die ich übersehen hatte, ging es mir wieder besser.

Knapp 28 Stunden lang stramm bergauf oder vorsichtig bergab, weil es so glatt war, ständig mit dem gleichen Laufpartner zusammen, den Du schon so lange kennst, immer unleidlich vor den Verpflegungspunkten, aber motiviert und vorne weg danach, da denkst Du oft an Deinen Laufpartner und daran, woher Du ihn kennst.

Achim kenne ich schon viele Jahre. Wir hatten uns auf dem Eisweinlauf vor einigen Jahren kennen gelernt und kamen damals über das Thema Fußball ins Gespräch. Achim ist in erster Linie ein Fan von Mainz 05, damals noch von „Kloppo“ trainiert. In zweiter Linie ist er ein Fan von Eintracht Frankfurt, schön, dass während des „Kleinen KOBOLT“ gerade diese beiden Vereine gegeneinander gespielt hatten. Achim hatte sich mit einem mobilen Radio und Ohrclips bewaffnet, um noch das Siegtor der Frankfurter mitzubekommen, bevor der Akku seinen Geist aufgegeben hatte.

Danach haben Achim und ich uns bei ein paar kleineren Läufen gesehen. Ich erinnere mich an den 50K Ultra in Rodgau, aber da sahen wir uns nur kurz nach dem Zieleinlauf auf dem Weg zum Auto. Achim hatte damals eine 4:35 Stunden gelaufen, ich hatte 4:45 Stunden gebraucht. Achim ist meist etwas schneller als ich, nur beim K-UT konnte ich ihn kurz vor dem Ziel noch einholen.

Das erste lange Ding, das wir dann zusammen gemacht hatten, waren die 350 Kilometer des Swiss Jura Marathon von Genf nach Basel. Antje, seine Frau, war als Helferin mit im Orga-Team, Achim und ich liefen. Achim lief wie immer ein wenig schneller als ich, zur Strafe durfte er in den Turnhallen immer schon unsere Schlafecke einrichten.
Nur an einem Tag war ich schneller als er, am 5. Tag, dem Donnerstag, einen Tag nach Achims Sturz und einen Tag bevor meine Muskelverhärtung begann.
Achim war also gestürzt beim SJM und er ging dann nach dem Lauf zum Doc, um die Rippen untersuchen zu lassen.
Eine angebrochene Rippe hatte er, wenn ich mich richtig entsinne, und der Doc fragte ihn etwas vorwurfsvoll, warum er denn nicht gleich nach dem Unfall zu ihm gekommen wäre.
„Weil ich noch 200 Kilometer laufen musste,“ war Achims Antwort. Der Doc war schockiert, ich war amüsiert. So eine Antwort kann nur von einem „Ultra“ kommen, oder?

Mit Yogi Schranz und Susanne Alexi sind Achim und ich dann das „Schräge O.“ gelaufen, mit meinem Laufpartner vom TransAlpineRun 2008, mit Heiko Bahnmüller, sind Achim und ich dann gemeinsam in der Wüste gewesen. Beim „Marathon des Sables“ war die Ankunftsreihenfolge in unserem Zelt auch jeden Tag gleich. Zuerst kam Heiko eingelaufen, dann folgte Achim, dann erreichte ich das Ziel, danach Tilmann, dann Christian. Jeden Tag gleich.
Das Zusammengehörigkeitsgefühl haben aber vor allem diese beiden Etappenläufe enorm gestärkt, über all das dachte ich also nach beim „Kleinen KOBOLT“.

24 Läufer waren für die langen 140,5 Kilometer angemeldet, nur 17 davon traten an. Einer, mein Freund JoSi, Joachim Siller, scheiterte an der Zugverbindung, die im Schnee stecken blieb, einer, der großartige Jens Vieler, musste wegen einer Erkältung passen, wieder andere kamen aus anderen Gründen nicht und nur 10 ser 17 Starter kamen tatsächlich am Ziel an.
Und wenn Achim und ich uns gemeinsam den 8. Platz teilen und wir uns somit ganz weit hinten auf der Ergebnisliste wiederfinden, dann tut mir das gar nicht weh. Wir sind durchgekommen, haben gefinished, durch den Schnee, durch die Kälte, durch die Nacht …

Wir hatten trotz der Verlaufer offensichtlich mehr Glück als die, die auf der Strecke aufgeben mussten. Und wir hatten das Glück, diesen Lauf erleben zu dürfen, der von den drei Jungs aus dem „Chamonix-Appartement“ in kürzester Zeit ins Leben gerufen wurde.
Michael Eßer, der mitgelaufen war und 10. wurde, Stefan Scherzer, der den „Kleinen KOBOLT light“ lief und dort den zweiten Platz errang und Andreas Spieckermann, der Race Director, der in einer unglaublichen Ruhe die vielen Helfer dirigierte, motivierte und lenkte, haben hier einen kleinen Traum realisiert, auf den sie stolz sein können.

Ein richtig harter Winterlauf, der Dir alles abverlangt, gleichzeitig aber liebevoll organisiert ist und landschaftliche Highlights bietet, wie Du sie nur selten siehst. Wenn dieser Lauf im nächsten Jahr neu aufgelegt wird, dann solltest Du dabei sein und auch den Blick auf die in der Nacht hell erleuchteten Burgen werfen, stets abwechselnd das Rheintal und die Höhen der rechtsrheinischen Berge kennen lernen.
Du solltest die kalte und lange Winternacht erleben und genießen. Die kurze, warme Nacht von Biel ist zauberhaft, das Gegenstück, eine Nacht, die schon früh beginnt und nicht enden will, die kalt ist und lang, ist auch ein echtes Erlebnis.
Wir gehen in die Wüsten, in die Alpen und in die Dünen, um wegzukommen vom üblichen Trott eines Straßenmarathons – hier beim „Kleinen KOBOLT“ hast Du die Herausforderungen gebündelt und direkt vor der Haustüre.

Schade nur, dass der Rheinsteig auf der „schäl Sick“ liegt, aber daran können Michael, Stefan und Andreas ja noch arbeiten …

Der „schräge O. Weg“ – starke Strecke, schwacher TOM

O-Weg
Na endlich,“ wirst Du sagen. Endlich ist der Bericht von meinem schrägsten Lauf fertig. Endlich.

Warum heißt es „Der schräge O. Weg„? Weil das „O.“ immer ein wenig schräg gestellt wird, wenn man es schreibt, so auch im Logo des CentrO. Einkaufszentrums?
Oder weil die Strecke rund um Oberhausen herum fast exakt ein schräg gestelltes Oval ist, das wie ein „O.“ aussieht? Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass dieser Gruppenlauf recht schön war und dass es eine starke Strecke war. Es war kalt, aber trocken und es ging durch sehr viel Wald. Obwohl ich schon wusste, dass es im Ruhrgebiet außer Asphalt sogar noch einige Bäume geben soll, war ich überrascht, wie grün doch die Gegend ist. Und wenn ich an eine lange Gerade durch den Wald denke, dann zittere ich noch heute am ganzen Körper, so schön war es da:

Ein breiter Weg, nicht allzu weich, über und über bedeckt mit gelblichem Laub. Bäume rechts und links des Weges, die schon einen Gutteil ihrer herbstlichen Blätterlast abgeworfen haben, aber noch genügend Blätter tragen, dass sie schön aussehen. Die Herbstsonne dringt durch die Baumkronen und Du siehst das Licht in Streifen vor Dir. Ein leichter Wind, der noch ein paar Blätter von den Bäumen löst, die dann leise und in Wellen herabfallen. In dem Sonnenlicht sieht das so aus, als würde es schneien, die Luft ist angenehm kühl, Du denkst an den „Indian Summer“ der Neuengland-Staaten und Du bist Dir ganz gewiss: an einem Tag wie diesem ist es ein Geschenk Gottes, dass wir Läufer sind!

Leider blieb die Sonne nicht den ganzen Tag sichtbar, aber es blieb trocken. Für mich war es erstaunlich, zu sehen, wie nah die Städte hier aneinandergebaut sind und so sind wir ein paar Schritte in andere Städte getippelt oder wir haben zumindest die Ortsschilder davon gesehen: Dinslaken, Essen, Mülheim/Ruhr, … ein tolles Erlebnis!
Und wenn Du nur in einer kleinen Gruppe läufst, die gerade mal aus vier Läufern und einer Fahrradbegleitung besteht, dann hast Du auch Zeit, all das zu genießen. Bei einem Gruppenlauf gibt es ja keine Zeitnahme, nur eine unverbindliche Zielgeschwindigkeit. Und es gab auch drei Pausen. Zwei kürzere und gegen Mittag eine, die fast 30 Minuten lang gedauert hat.
Das war, als alle Mägen auf „Hunger“ standen und wir einem EDEKA-Ladenbesitzer ein schönes Wochenende bescheren wollten.

Das hätte es tatsächlich werden können, wenn die Gruppe etwas größer gewesen wäre, denn wir alle hatten nicht nur Hunger, sondern auch viel Durst. Ich habe mich für einen halben Liter Bio Karottensaft entschieden, zudem noch für einen Liter Gerolsteiner Linée, gutes, aber überpreistes flavourisiertes Wasser … tat das gut!
Gerolsteiner

Was gibt es sonst noch von so einem Gruppenlauf zu berichten? Na ja, das Wichtigste natürlich: organisiert und geführt hat den Lauf der Ultra-Yogi Jörg Schranz, einer, der, wenn er vom Double Ironman oder sogar vom Triple Ironman erzählt, einem Wehmutstränchen in die Augen treiben kann, weil Du Dir das denkst, was an diesem Punkt die meisten Läufer denken: „Und Du kannst nur Brustschwimmen … !“ Wirklich schade. Aber außer laufen, schwimmen und Gruppenläufe organisieren kann Jörg auch schreiben: „Die erste schräges O. Tour – der Bericht“
Dort erfährst Du auch, dass mein Lauffreund Achim Knacksterdt genauso dabei war wie die bezaubernde Susanne Alexi aus Köln und Bernd Wagner aus Duisburg, alle wurden wir begleitet von Markus aus Essen.

Warum aber „schwacher TOM“? Seit den Rückenproblemen kurz vor der Deutschen Meisterschaft im 100km Straßenlauf in Bad Neuenahr am nationalen Feiertag, dem 3. Oktober 2009, bekomme ich nach 18 Kilometern zuerst leichte Schmerzen und ein Ziehen in die rechte Sehne der linken Kniekehle und dann, ab km 25, bekomme ich ein Stechen, ein Ziehen, einen Schmerz in die linke Seite, in etwa in der Höhe des Beckens.
Zuerst habe ich das beim Hachenburg-Marathon erlebt, da dachte ich mir noch nichts dabei und schob es auf das langsame Laufen, weil ich ja mit einer Freundin gelaufen bin. Nun, in Oberhausen, passierte mir das Gleiche wieder. Und ich bin mir sicher, dass die anderen Gruppenläufer darüber „not amused“ waren.
Und dieser Schmerz kam auch am vergangenen Samstag Abend wieder, obwohl ich die Schuhe gewechselt und wieder Einlagen gewählt hatte. Deshalb habe ich ja den KiLL50 (Meilen) zu meinem persönlichen KiLL50 (Kilometer) gemacht.

Schwacher TOM, wie sollen so 230km nonstop funktionieren? Ich muss zum Doc …

4 aus 5, 3 aus Rheinland-Pfalz

Was haben Achim Knacksterdt, Rafael Fuchsgruber, Andreas Gast, Karl Will und ich gemeinsam?

Richtig, wir alle leben nach dem Motto: „Von Zeit zu Zeit braucht der Mensch ein wenig Wüste!“
Wir alle wollen im April 2010 durch den Sand der marokkanischen Wüste traben, um den berühmten „Marathon des Sables“ zu bewältigen, den „härtesten Lauf der Welt“ (ein Titel, den sich der MdS wohl mit ein paar anderen Läufen teilt).

4 von uns 5 wohnen dabei aus dem Postleitzahlengebiet „5“, einer wohnt im Postleitzahlengebiet „6“, 3 von uns 5 sind dabei Bürger des Landes Rheinland-Pfalz, zwei sind Bürger des Landes Nordrhein-Westfalen. Und alle sind meine „Nachbarn“, also diejenigen, an die ich mich halten will, wenn ich Fragen zum MdS habe, zur Ausrüstung oder zur Reise-Abwicklung. Weil ich ja so ein grottenschlechter Leser bin und ständig Hilfe benötige.

Von heute an sind es nur noch 5 Monate bis zum Abflug und die Spannung steigt mit jedem Tag. Aber ich habe diese Woche von meinem Laufpartner des TransAlpineRuns 2008, Heiko, das erste Teil bekommen, welches ich für den MdS brauche: Gamaschen von RaidLight. In hellblau, eben für Jungs. Das ist doch ein Anfang, oder?

Wueste

Über 700 Dünen musst Du geh'n, 700 Mal die Dünen übersteh'n ...

Heilfasten – Tage 6 und 7

Morgen früh ist alles vorbei …

… und ich freue mich auf die Birne, die ich mir schon am Anfang der Woche gekauft habe, damit sie schön reif ist, wenn ich sie mir zum Frühstück gönne!

Der sechste Tag war interessant: eingebunden in viel Arbeit habe ich überhaupt nicht gemerkt, dass ich nichts essen konnte. Der Einlauf am Morgen war hervorragend, ich hielt ihn ausnehmend lange und ich machte auch das Ölziehen fast 60 Minuten lang. Nach dem Motto „Viel hilft viel!“ wollte ich einfach mal übertreiben.

Grundsätzlich war es ein toller Tag mit der üblichen, schon oft erwähnten enormen Wassermenge. Aber am  späten Nachmittag und am Abend habe ich eine recht skurrile Szenerie erlebt: meine Schwägerin feierte ihren Geburtstag und als wir als Familie dort eintrafen, gab es das Übliche. Kuchen, Torte, Kaffee, Sahne …
… alles isst, außer ich.

Am Abend das Gleiche: es gab erst eine Kürbiskernsuppe mit Pesto, eigentlich sehr lecker, weil ich weiß, dass meine Schwägerin eine hervorragende Köchin ist …
… alle essen, außer ich.

Danach gab es Schweinelendchen mit schwäbischen Spätzle-Nudeln. Das bei uns, die wir seit Jahren fleischlos leben! Und es gab kein Gemüse, keinen Salat dazu …
Also aß mein Sohn die Nudeln trocken, meine Tochter und meine Frau aßen gar nichts …
… alle essen, außer die Familie Eller.

Der siebte Tag, heute, begann euphorisch und ich fühlte mich großartig. Ich fragte mich: wozu überhaupt noch essen? Ich hatte keinerlei Verlangen mehr danach. Das ist schon erstaunlich, oder?
Andererseits hatte ich schon zwei kleine Dellen in der Bauchdecke, obwohl rechts und links noch ein kleines Fettpölsterchen zu sehen ist. Zu sehen sind aber jetzt auch meine Rippen, das hatte ich als junger Mann immer – und ich habe es stets gehasst. Jetzt habe ich es wieder! Also doch wieder essen?

Am Vormittag hatte ich schon sehr früh einen Termin im Büro, so früh, dass ich weder zum Ölziehen noch zum Einlauf kam und zu Mittag hatten wir einen Auswärtstermin in Weilerswist. Dort gab es zwei Suppen, Canapées en masse und alkoholfreie Getränke, auch Wasser, dieses jedoch nur mit Kohlensäure. Da ich mein stilles Wasser „Pur Born“ vergessen hatte, musste ich also auf das Blubberwasser ausweichen und ich trank zwei Flaschen davon innerhalb von vielleicht 90 Minuten.

Als wir wieder zu Hause waren, war ich platt. Gehen geht kaum mehr, meine Oberschenkel vibrieren und ich fühle mich richtig schlecht und schwach. Vielleicht hilft mir die übliche „Suppe“ aus einem Teil Gemüsesaft und drei Teilen Wasser weiter, aber während ich das schreibe, hoffe ich sehr, dass morgen früh ist und ich mit dem Fastenbrechen beginnen darf. Momentan würde ich unter keinen Umständen noch einen Tag an die Heilfasten-Kur dranhängen.
Ist das so wie bei meinem Läufen? Auch da will ich nicht einen Meter weiter laufen, ich fange irgendwann an, im Kopf die Kilometer herunter zu zählen und so schaltet auch mein Gehirn auf „Schluss!“ und im Ziel beispielsweise eines Marathons frage ich mich dann stets: „Wie kannst Du 50, 60, 72,7, 75, 84,4, 100, 166, 171 oder sogar 177,520 Kilometer laufen? Ich bin doch heute wieder am Ende!“ Aber irgendwie geht immer alles, wenn Du Deinen Geist auf dieses größere Ziel programmierst! Oder liegt es daran, dass ich mir heute keinen Einlauf machen konnte, der eigentlich elementar zum Heilfasten gehört?

Aber dieses Heilfasten hat mir gezeigt, dass der Muskelabbau doch deutlich fühlbar ist, wenn Du nicht allzu viel Sport in der Woche treiben kannst. Und diese Woche war ich mangels Zeit und Motivation wirklich faul: ich bin nicht ein Mal gelaufen und ich habe nur eine Stunde lang Tennis gespielt.

Morgen werde ich nach den zwei Stunden Tennis Doppel noch 90 Minuten lang mit meiner Frau laufen gehen, am Abend spiele ich noch einmal eine Stunde Tennis Einzel.
Ab Montag wird dann wieder täglich gelaufen, am Freitag Abend beginnt dann das winterliche Spinning, damit ich wieder einigermaßen wiederhergestellt bin für den „schrägen O. Weg“ rund um Oberhausen mit dem Ultra-Yogi Jörg Schranz. Auf diesen Lauf freue ich mich zum einen deshalb, weil ich Jörg bisher noch nie persönlich kennengelernt habe und zum anderen, weil mein Lauffreund des SwissJuraMarathons, Achim Knacksterdt, der mit mir beim Marathon des Sables in Marokko sein wird, angedeutet hat, uns zu begleiten. Da der „schräge O. Weg“ ein Gruppenlauf ist, bleibt viel Zeit, mit den beiden ausgiebig über das Laufen und mir noch unbekannte Läufe zu reden.

Das Fastenbrechen morgen habe ich mir so gedacht: zum Frühstück gibt es eine Birne, in kleine und kleinste Stücke zerteilt. Nach dem Tennis gibt es eine Kürbissuppe, die aber keine Sahne enthält. Und am Abend will ich mir einen Rohkost-Teller gönnen, vielleicht auch mit einer kleinen Flasche Radler oder einem französichen Merlot! Das wäre dann mein erster bescheidener Alkohol nach bald 14 Tagen.

Noch 12 Stunden bis zur Birne …

Fastenbrechen

Nummer 73 lebt …

Stell Dir vor es ist der Allgäu Panorama Marathon Ultra Trail und Du gehst nicht hin …

Sonthofen

Dabei wären die 3.000 Höhenmeter, die zu bewältigen wären, bestimmt hilfreich im Hinblick auf den kommenden UTMB. Und mit der Länge von rund 67km ist der Allgäu Panorama Marathon Ultra Trail auch mehr als nur eine Trainingseinheit.
Und der Lauf geht unter anderem durch das „Kleine Walsertal“, eines der Fleckchen Erde, von dem ich als Kind geglaubt habe, dass es einen schöneren Ort auf diesem Planeten geben könne, weil die bunt gefärbten Ahornblätter überall auf den Wegen herumlagen und ich diese Blätter zu lieben lernte.

Und um noch etwas Salz in die offene Wunde zu streuen: es liefen fast alle mit, die mir lieb und teuer waren:

Hans-Peter Gieraths aus Bad Neuenahr, mir dem ich mir noch letzte Woche die Nacht um Köln herum um die Ohren geschlagen habe,
Achim Knacksterdt aus Mainz, meine liebe Begleitung und mein Pacemaker beim SwissJuraMarathon im Juni,
Wilma Vissers, die herzliche Holländerin, die am schweizer Vierwaldstätter See lebt und mit der ich so viel Spaß beim SwissJuraMarathon hatte,
Peter Wiedemann von der LG DUV, dem lieben badischen Freund, den ich immer wieder bei Rolf Mahlburgs Läufen treffe,
Walti Schäfer, der unermüdliche schweizer Bergläufer, der nicht nur durch die Organisation des TransSwiss unsterblich wurde und die vielen anderen, die ich beim Überfliegen der Teilnehmerlisten nicht fand, kurzum: ich fehlte!

Dabei war ich schon lange angemeldet: als Nummer 73 war ich einer der ganz besonders frühen Anmelder.

Sonthofen2
Aber es ging nicht. Wirklich nicht. Nicht nur, dass ich gestern Nacht bis kurz vor Mitternacht noch in Oberhausen arbeiten musste, um auf einem Sommerfest superschöne Tassen und MousePads zu fertigen und ich schon die Nacht hätte durchfahren müssen, um noch pünktlich in Sonthofen anzukommen, auch der Zustand meiner Zehen, vor allem des zweiten Zehs rechts am rechten Fuß machen mir Sorgen. Und ich habe noch immer Wasser in den Beinen und das sollte bis zum UTMB am kommenden Freitag Nachmittag abgeschwollen sein.

Also „bye bye“ kleines Walsertal, „bye bye“ liebe Lauffreunde und „bye bye“ zur Illusion, noch etwas wirklich Großartiges vor dem UTMB erlaufen zu können.
Schade eigentlich, es hätte sehr schön werden können …

Alles Mainz!

Wenn ich schon Geschichten und Geschichtchen vom SwissJuraMarathon schreibe, dann dürfen zwei nicht unerwähnt bleiben:

Antje und Achim Knacksterdt.

Achim ist schon lange ein lieber Lauffreund gewesen. Wir sind zum ersten Mal beim 65km langen Eisweinlauf von Offenburg nach Baden-Baden zusammen gelaufen. Fasziniert haben mich dabei von Anfang an seine Marathonzeiten: unter drei Stunden!

Als bekennende Marathonschnecke mit einer Bestzeit von 3:38:30 Stunden ist es unvorstellbar, dass jemand in meinem Umfeld, der auch ungefähr so alt ist wie ich, solche Zeiten läuft!
Daraus entwickelte sich eine langjährige Lauffreundschaft, die im gemeinsamen Ziel „SwissJuraMarathon 2009“ gipfelte.

Antje, seine kluge Frau, kennt jeder der vielen SMJ-Läufer: sie war Supporterin bei der 3. Verpflegungsstelle und hat sich stets liebevoll um die einzelnen Läufer gekümmert.

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Die Hinreise nach Genf durfte ich mit den beiden erleben, da war viel Zeit zum Reden und planen. Ich war sehr froh über das Angebot, mit den beiden diese Autofahrt zu machen und eben nicht wie geplant den Flieger zu nehmen. Das dauerte zwar erheblich länger, dafür war schon das Problem gelöst, wie ich vom Genfer Flugplatz zur ersten Übernachtung nach Saint-Cergue komme. Es hat sich dabei gezeigt, dass das weiter war, als ich dachte.

Für mich hatte diese „Dreier-Beziehung“ einen weiteren Vorteil: wenn ich irgendwann einmal von meinen Etappen zurück kam, hatten Antje und Achim meist schon mein Gepäck gesichert, hatten mir eine Matratze reserviert – so einen Service hätte ich bei anderen Etappenläufen gerne wieder!

Nur ein Mal, am Mittwoch, bei der 4. Etappe, durfte ich mich revanchieren. Achims schwächster Tag und mein bester Tag fielen zusammen, wie Weihnachten und Ostern auf einen Tag – und ich kam vor Achim ins Ziel. Das war meine Chance, für die beiden die Matratzen zu platzieren und das Gepäck zu betreuen.

Achim hatte sich am Vortag bei einem Sturz eine Rippe gebrochen. Das war zumindest seine eigene erste Diagnose. „Es hat richtig gekrackt!“ sagte er zu mir. Und meine Leiden begannen ja erst am Donnerstag, also einen Tag später. Alles passte und ich war schneller als Achim! Hurra!

Aber ich durfte nicht mehr allzu viele Witze machen, die gebrochene Rippe tat immer weh, wenn ich Achim zum Lachen gebracht habe. So richtig ernst bleiben ist aber nicht meine Stärke. Und spätestens, als meine Sehnenscheiden-Entzündung aufkam und ich zu Achim sagte, dass ich bis dahin immer dachte, eine Sehnenscheiden-Entzündung gäbe es bei Männern nur im rechten Arm, musste er sich halten vor Lachen und es tat höllisch weh.

Antje und Achim stammen aus Mainz und sind Mainzer mit Haut und Haar. Dazu gehört natürlich auch eine Dauerkarte bei den 05ern im Mainzer Stadion. Ich finde Mainz 05 auch ohne „Kloppi“ einen tollen Verein, das verbindet. Fußball ist ja sowieso mein Thema, also gingen uns die Gesprächsthemen nie aus.

Ganz am Ende, im Ziel in Basel, haben die Mainzer dann noch einmal bewiesen, dass Mainzer etwas ganz Besonderes sind: eine große Delegation von 6 Läufern machten sich auf den Weg, ihre Helden des SwissJuraMarathon in Basel zu begrüßen. „DIE BRETZELWETZER“ heißt diese Laufgruppe und „DIE BRETZELWETZER“ haben bewiesen, dass Mainzer die ihren nie alleine lassen!

Nach der Rückfahrt von Basel nach Mainz ging es schon einen Tag später für Antje, Achim, deren Tochter Hannah und deren Freundin wieder Richtung Genf – in den Urlaub. Gerne rufe ich Euch zu:
„Schönen Urlaub, danke für die gemeinsame Zeit und spielt zu viert eifrig Skip-Bo – nur nicht allzu viel laufen!“

skipbo