Heissa Safari …

… der Amboseli NP war die erste Station in Afrika!

Große Flamingo-Kolonien muss man nicht sehen. Man riecht sie.
Und Du erkennst an den weißen Rändern der Seen, dass es hier oft viele Flamingos geben muss, die zwar alle besser auf einem Bein stehen können als wir Menschen, aber deren Exkremente oft zu einem Problem für den See werden können. Für die Menschennase ist das auf jeden Fall ein Problem.

Dem gegenüber steht aber die Eleganz, die Schönheit und die Grazie dieser Vögel und nichts ist schöner als das gemeinsame Auffliegen von Tausenden von Flamingos, wenn sie sich vor einem herannahenden Hubschrauber retten wollen. Die dabei entstehenden Geräusche und das weitläufige Bild, das sich ergibt, machen die Begegnung mit Flamingos zu einem ganz besonderen Erlebnis.



Der Ambroseli Nationalpark liegt ganz nah am Kilimanjaro, wenn man ihn vom Machamé-Gate aus besteigt. Es gibt wie im N’Gorongoro Nationalpark einen wunderschön runden Krater. Er ist nur viel kleiner im Ambroseli Nationalpark und die Kraterränder sind wesentlich niedriger. Die Tiere im Ambroseli Nationalpark findest Du allerdings eher im weitläufigen Land vor dem Krater. Es gibt relativ viele Tiere, die „big five“ allerdings gibt es nicht komplett.
So vermisst Du schmerzlich die furchterregenden Löwen, die jede Safari besonders spannend machen, obwohl sie bei weitem nicht die gefährlichsten Tiere Afrikas sind. Die Nashörner und die „Hippos“, die Flußpferde, sind da schon erheblich tödlicher für uns Menschen. Aber auch die haben wir im Ambroseli Nationalpark vermisst.

Also begnügte ich mich mit den Erinnerungen an die Safaris von 2005 im Tarangire Nationalpark und eben im weltberühmten N’Gorongoro Nationalpark, mit den Blicken auf die Büffel, die Warzenschweine („Pumbas“) und mit den vielen Blicken auf die eleganten Giraffen. Ich habe mir sagen lassen, dass die Safari so auch erheblich weniger gefährlich sei. Aussteigen aus dem Auto ist aber dennoch streng verboten, außer in einem Teil, wo wir einen schönen Spaziergang durch die Savanne machen konnten, natürlich begleitet von einem Soldaten in Uniform, bewaffnet.

Dort haben wir viel fotografiert, allen voran die drei hoch ambitionierten Landscape und Animals – Fotografen Radmila Kerl, Andreas Klotz und Michael Matschuck. Ich muss schon gestehen, dass ich mich anfangs ein wenig unwohl gefühlt hatte, weil meine fotografische Ausstattung um Klassen hinter denen der drei zurück blieb. Es war mir also mangels eines Teleobjektivs nicht möglich, detailliert nachzusehen, ob die Giraffen vor mir Paradontose haben oder welche Augenfarbe die hoch aufgeschossenen Ladies hatten, die mich so vertrauensselig ansahen.
Egal, wichtig war für mich, dass ich die riesigen Giraffen auf den kleinen Chip bannen konnte.





Was aber besonders lustig aussah, war, wenn zwei Fotografen gleichzeitig ihr Teleobjektiv in Richtung eines Objektes gerichtet hatten. Dieses Bild begleitete mich dann auch bis auf den Uhuru Peak und auch wieder den ganzen langen Weg hinunter bis zum Gate.
Dabei waren Radmila und Andreas eher fotografierfaul gewesen. Keiner der beiden kam auf mehr als 2.000 Aufnahmen!
Auf der Tour durch die Mondberge des Ruwenzori-Gebirges in Uganda und bei den Berggorillas hat es jeder der beiden noch auf weit über 5.000 Aufnahmen gebracht. Ich finde, da geht noch was beim nächsten Mal.

Ich bin es gewöhnt, im JPG-Format zu fotografieren. Das ist praktisch und hält die Datenmenge einigermaßen klein, obwohl ein hoch aufgelöstes JPG auch mal 6 MB groß sein kann. Die beiden aber fotografieren ausschließlich im RAW Format. Da hat eine einzige Datei eben mal 21 MB. Wenn ich daran denke, dass die CANON EOS D 30, die erste semiprofessionelle digitale Spiegelreflexkamera immerhin mit einer CF-Karte ausgeliefert wurde, die sagenhafte 16 MB groß war …
… da hätte nicht einmal eine einzige Aufnahme drauf gepasst!
Und so fotografieren die beiden mit Kameras, die zwei CF-Karten aufnehmen können – und jede der CF-Karten fasst unglaubliche 32 GB an Daten. „Mehr brauche ich an einem Tag nicht!“ sagte Andreas zu mir. Mir wurde schwindlig …


Zum Glück konnten wir, bewacht durch einen bewaffneten Soldaten, dann auch tatsächlich ein wenig wandern gehen. Ob das Gewehr des Soldaten, das technisch wohl dem Stand der Kolonialkriege entsprochen hat, uns im Falle eines Tierangriffs geschützt hätte, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich dort im Ambroseli Nationalpark etwas gefunden habe, das mich immer wieder fasziniert: ein Wasserfall!

Und immer, wenn ich in wenigstens erträglich warmen Gegenden einen Wasserfall sehe, dann überkommt mich so ein komisches Gefühl. Es ist ein Ziehen in der Nackenmuskulatur, ein Drang, mich zu entkleiden und mich unter diesen Wasserfall zu stellen.
Ob auf dem Rinjani in Indonesien, auf dem Auyan Tepui in Venezuela oder eben im Ambroseli Nationalpark hier in Tanzania – es gibt für mich nichts Schöneres als das harte Aufprallen von Wassermassen auf meinem Rücken und auf meinem Kopf.
Und immer denke ich dabei an die ungeheuere Kraft, mit der das Wasser herunter fällt und an die lange Zeit, die das Wasser braucht, um durch den Stein der Berge zu dringen, um dann am Ende nur eine Aufgabe zu haben: mich glücklich zu machen!

Es war ein richtig netter Tag im Ambroseli Nationalpark, nicht sensationell, aber unsere Gedanken waren sowieso längst schon beim Aufstieg auf den höchsten Berg Afrikas …

Es ist eisig auf der Spitze …

Der ältere Niels Larsen, sein Sohn Henk Larsen, seine Tochter Anne-Mette Larsen und der ältere Jesper Paulsen sind mir schon im einfachen Bergsteiger-Hotel „Springland“ in Moschi aufgefallen.
Nicht wegen der dänisch-typisch hellblonden Haare, sondern, weil sie zu viert das gleiche T-Shirt trugen.
Ein schlammgrünes Shirt, vorne mit dem eigenen Namen und der Ergänzung „Kilimanjaro 2010“ und hinten bedruckt mit einem dänischen Satz, den ich gerne aufgeschrieben hätte, der mir aber zu kompliziert war, um ihn mir zu merken.


Später sahen wir die Vier dann bei unserer ersten Rast auf der Machamé-Route rauf auf das übermächtige Kilimanjaro-Massiv wieder. Ich sprach die Vier an, woher sie stammen würden und bekam zur Antwort, dass sie aus dem dänischen Holstebro stammen, irgendwo in der Mitte Dänemarks an der Küste. Ich hatte das blaue Laufshirt des ECU 2008 an, des European Cups of Ultramarathons 2008, das die Rennen in Mnisek, Eisenach (Rennsteiglauf), Biel, Schwäbisch Gmünd (Schwäbische Alb Marathon) und Celje zusammenfasste. Momentan ist auch noch der Wörthersee Trail in diesem Cup vertreten.
So kamen wir schnell auf das Marathon-Laufen.

Jesper Paulsen war es, der mir stolz erzählte, dass ein Läufer aus ihrer Region auch beim Berlin-Marathon 2010 mitgelaufen sei. Keine große Sache, dachte ich, immerhin sind fast 6.000 dänische Läufer im Ziel angekommen, gestartet sind vermutlich mehr als 6.000 dänische Läufer. Damit ist der Berlin-Marathon einer der ganz großen dänischen Marathons.
Aber dieser Läufer hatte etwas Besonderes getan. Er lief von seiner Heimatstadt bis nach Berlin. Mit den läufertypischen Umwegen waren das etwas mehr als 800 Kilometer. So etwas fasziniert mich und treibt mich, in 2011 ebenfalls zu versuchen, den einen oder anderen Lauf nicht mit dem Auto oder dem Flugzeug, sondern mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen, wenn die Zeit dafür ausreicht.

Es war mein langjähriger Freund Andreas Klotz vom mehrfach ausgezeichneten Umweltprogramm „mondberge.com“, der die Vier fragte, was der dänische Spruch auf dem T-Shirt Rücken übersetzt heißt. „Es ist eisig auf der Spitze …“ war die Bedeutung des Spruchs und wer schon einmal auf dem Uhuru Peak des Kibo, des Kilimanjaro war, der weiß, dass das stimmt.
Aber dieser Satz bedeutet auch noch etwas anderes. Während wir Deutschen sagen: „An der Spitze ist es einsam!“ und damit meinen, dass der Chef eines Unternehmens seine Entscheidungen meist alleine treffen, alleine verantworten und alleine durchsetzen muss und sich damit selten Freunde macht, heißt es im dänischen: „Es ist eisig auf der Spitze …“, gemeint aber ist das Gleiche. Mich hat das Wortspiel sofort fasziniert.

Da die Vier wie wir ebenfalls die Machamé-Route ausgewählt hatten, sahen wir sie auch immer wieder beim Laufen, wenn deren Gruppe unsere überholt hat, wenn wir die dänische Gruppe überholten, auf den Camps und ganz am Ende wieder im Bergsteiger-Hotel „Springland“ in Moschi, im Bus zum Flughafen und eben dort auf dem Kilimanjaro-Flughafen, wo wir eine Weile auf unseren Flug nach Amsterdam warten mussten.

Dort fragte ich die Vier, ob sie es alle geschafft hätten. Niels Larsen, der Vater, Jesper Paulsen und die süße blonde Anne-Mette Larsen hatten es ganz nach oben geschafft, Henk Larsen, der Sohn, allerdings nicht. Er schien uns manches Mal im Camp schon geistesabwesend zu sein, eine Art Trance oder Delirium, das Resultat aus hoher Anstrengung, beginnender Höhenkrankheit und mutmaßlich zu geringer Fitness uns Vorbereitung.
Anne-Mette Larsen aber, die zierlichste der Vier, hatte es mit ihrem Vater und Jesper Paulsen geschafft. Und bis auf eine von der sengenden Sonne knallrote Knubbelnase hat sie keine Beschwerden oder Verletzungen gehabt. Und sie war stolz und glücklich.

Unsere Gruppe, Andreas Klotz von Tipp4 in Rheinbach, die Hochzeits- und Landscape-Fotografin Radmila Kerl, ihr Mann Michi Kerl, der Audio-Autoeinbauten macht, Michael Matschuck von Druckpartner in Essen, sein eben erst 18 Jahre alt gewordener Sohn Niklas, der diese Reise zu seinem 18. Geburtstag geschenkt bekommen hatte und ich, hatte eine gravierende Änderung des normalen Tourablaufs gewählt. Anstatt nach dem Abstieg noch einen Tag im Hotel zu relaxen, teilten wir die dritte Tagesetappe in zwei Teile und schoben so eine zusätzliche Übernachtung auf etwa 3.900 Metern Höhe ein.
Das hat die Akklimatisierung erleichtert und wir hatten mehr Zeit für das Fotografieren. Vor allem für Radmila, Andreas und Michael war das auch der höhere Grund der Reise.

Bis zur Abreise kannte ich nur Andreas, der im gleichen Laufverein TV Altendorf-Ersdorf läuft und der mich Ende 2004 zum ersten Aufstieg auf den Kilimanjaro motiviert hat, den ich dann im Februar 2005 erfolgreich bewältigen dufte. Radmila kannte ich einige Wochen aus Facebook, alle anderen waren mir noch unbekannt bis zu dem Zeitpunkt am Düsseldorfer Flughafen, als ich Michael und Niklas Matschuck traf. Die Reiseunterlagen von DIAMIR in der Hand dachte ich, dass sie Teil unserer Gruppe sein mussten. Andreas war mit seinem Sohn Tim schon seit einigen Tagen in Afrika. Er wollte mit dem erst 15 Jahre alten Tim bis auf die Horombo Hütte auf der Marangu-Route, der einfachen „Coca-Cola-Route“, aufsteigen. Knapp 4.000 Meter über dem Meeresspiegel sind für einen jungen Mann wie Tim schon eine echte Herausforderung.
In Amsterdam warteten dann Radmila und ihr Mann Michi auf uns und so ging es mit dem Flieger nach Afrika, nach Tanzania, auf den Kilimanjaro Airport.

Schon der Flug war ein echtes Erlebnis. Nun bin ich schon viele Hundert Male in meinem kleinen Leben geflogen, es ist mir aber noch nie passiert, dass eine Stewardess zu mir kam und mich ansprach, ob ich alleine reisen würde. Als ich das bejahte, fragte sie mich, ob ich nicht auf einen der komfortableren Sitze ganz vorne im Abteil wechseln wolle. Da wäre noch einer frei und die Beinfreiheit dort sei überwältigend.
Oh Stewardess von KLM, ich liebe Dich!

Ansonsten war der Flug unspektakulär. Das Essen bei KLM ist überdurchschnittlich gut, es gibt sogar recht hochwertiges Besteck. Es ist aus einem durchsichtigen Plastik, aber es fühlt sich richtig gut an und man kann es auch sehr gut benutzen. Leider hat unser Reiseveranstalter DIAMIR vergessen, für mich meine Lieblings-Essensvariante vorzubuchen: „ASIAN VEGETARIAN“, aber es gab im Flugzeug nur die Auswahl zwischen einem Fleischgericht und leckerer Pasta. Für Vegetarier ist also auch ohne Vorbuchung immer etwas dabei bei KLM.
Die Auswahl an Filmen ist sensationell gewesen, aber ich hatte keine Lust, auf dem Hinweg allzu viel zu sehen, ich wollte lieber etwas Schlaf nachholen, was mir dank der großen Beinfreiheit und wenig gesprächssüchtigen Nachbarn auch gut gelang.


Auf dem Flughafen in Moschi begann dann für uns das Abenteuer Afrika. Nach einem Urlaub Mitte der 1980er Jahre in Marokko, einem Land, das nur kartographisch zu Afrika gehört, nach der Kenia/Tanzania Reise beim Aufstieg 2005 und nach dem Namibia-Urlaub 2008 mit meiner Familie war es erst das vierte Mal, dass ich afrikanischen Boden betreten habe, erst das vierte Mal, wo ich afrikanische Geduld lernen durfte und erst das vierte Mal, wo ich mich mit der Mentalität der Afrikaner auseinander setzen musste.

Für das Visum mussten wir lange anstehen. Oder aber auch nicht, denn ein tanzanischer Grenzbeamter sammelte unsere Pässe ein, riet bis auf Radmila allen, schon mal zum Gepäckband zu gehen und dort zu warten, das war entspannender als in der Schlange zu stehen. Radmila machte die Visums-Formalitäten für uns alle und wurde von dem Grenzbeamten sogar noch beschleunigt bedient. Wenn Du jetzt denkst, dass dafür auch nur ein einziger tanzanischer Schilling bezahlt wurde, dann irrst Du.
Ob es die stets gute Laune von Radmila war, die den Beamten bewegt hatte,  ihre blonden Haare oder was auch sonst – wir alle waren froh, die Prozedur des Visumerhalts abkürzen zu können.
Wir nahmen dann unser Gepäck, gingen aus dem Zollbereich des Flughafens heraus und trafen unseren Fahrer, der uns zur „Meru View Lodge“ bringen sollte, wo wir dann Andreas und Tim treffen wollten. Die Fahrt war kurz, aber die Straßen teilweise in katastrophalem Zustand. Und wir hielten nicht an der „Meru View Lodge“ an, sondern passierten sie erst einmmal, um zu einer dahinter gelegenen Lodge zu fahren. In diesem Moment erfuhren wir, dass wir wegen der Überbuchung getrennt wurden. Ich war der einzige, der im Anschluss in die „Meru View Lodge“ gebracht wurde, die anderen stiegen in der wesentlich vornehmeren Lodge dahinter ab.
Ich war also alleine.

Es war schon spät an diesem Abend und ich sollte mein Dinner also alleine einnehmen. In meiner Lodge allerdings hieß es dann, man habe mir Sandwiches vorbereitet, weil die Küche schon kalt wäre. Nach längeren Verhandlungen einigten wir uns dann darauf, dass ich doch noch etwas Warmes bekommen würde. Es dauerte sehr lange, bis mein Essen fertig war, wahrscheinlich wurde die Köchin erst wieder aus ihrem Haus an die Arbeitsstätte beordert.
Dann sagte man mir, dass ich am nächsten Abend das Dinner mit der ganzen Gruppe im anderen Hotel einnehmen würde, man würde mich dann nach der Safari dorthin fahren.

Das Frühstück am nächsten Tag nahm ich dann auch alleine ein, mir wurde aber zugesichert, dass man mich danach zur anderen Lodge fahren würde und so erschien ich nach dem Frühstück drüben in der anderen Lodge. Was in der Nacht wie eine lange Reise aussah, war aber nur ein kurzes Stück von vielleicht 500 Metern, das ich durchaus auch ohne Chauffeur hätte laufen können, aber ich war froh, die anderen, Andreas, Tim, Radmila, Michi, Michael und Niklas noch beim Frühstück zu erwischen.

Die sechs erzählten mir dann eine kleine Geschichte, die typisch ist für Afrika und das dortige Leben. Während ich am Vorabend alleine im Restaurant saß und mich langweilte, warteten die sechs in der anderen Lodge auf mich. „Thomas kommt gleich!“ hieß es ständig. Die Bedienung brachte auch zwei Mal mein Abendessen an den Tisch, immer dann, wenn ich erneut als Ankommer vermutet wurde. „Thomas kommt gleich!“
Erst viel später hieß es, dass ich nun doch in der „Meru View Lodge“ hätte essen wollen, aber ich käme dann zum gemeinsamen Frühstück in die Lodge.

Und so wartete man beim Frühstück geduldig auf mich, weil „Thomas kommt gleich!“, aber dann haben sich die sechs irgendwann entschlossen, nun doch ohne mich mit dem Frühstück anzufangen. Ein Glück, wie sich heraus stellte. Es war eben Kommunikation auf höchstem afrikanischen Niveau, die uns die ersten Stunden in Afrika „unrund“ erscheinen ließen. Später dann bin ich die Strecke einfach immer dann gelaufen, wenn es notwendig war, aber ich habe mich schon ein wenig geärgert, über die schlechte Kommunikation dort, aber auch über mich, dass ich nicht selbst die Entscheidung getroffen hatte, im Dunklen zur anderen Lodge zu laufen.

Als die sechs dann mit dem Frühstück fertig waren, ging es erst einmal in den sehr nahe gelegenenen Arusha Nationalpark zur Fotosafari. Der Arusha Nationalpark war so nahe an den Lodges, dass wir auch hätten hin laufen können, die Safari aber war ganz nett. Wenn ich bedenke, dass wir auf  Grund der Warterei auf „Thomas kommt gleich!“ erst spät von der Lodge weg kamen, dass dadurch die meisten Tiere schon träge und versteckt waren, dass die Farben des Tages nicht mehr so warm und schön waren wie in den Morgenstunden, dann war der Tag dennoch ein voller Erfolg.
Nur nicht für Michi Kerl, der sich entschlossen hatte, diesen Tag im Bett zu verbringen, um seine Erkältung vollends auszukurieren.

Bilder von der Safari und die Geschichte des Tages gibt es dann beim nächsten Mal …

Niels Larsen, seinen Sohn Henk Larsen, seine Tochter Anne-Mette Larsen und den älteren Jesper Paulsen jedenfalls sahen wir in Amsterdam dann zu letzten Mal. Das war auch der Zeitpunkt, an dem sich die Wege unserer Gruppe trennten. Niels, Henk, Anne-Mette und Jesper flogen von dort aus nach Kopenhagen, Radmila und Michi nach München, Andreas nach Köln, Michael, Niklas und ich flogen nach Düsseldorf und Andreas‘ Sohn Tim hatte uns ja schon Mitte der Vorwoche verlassen, erfolgreich an seinem Ziel, der Horombo Hütte angekommen.

Und ich? Ich war natürlich oben, gleich zwei Mal. Aber auch diese Geschichte erzähle ich beim nächsten Mal, ein Foto vom Gipfel aber gibt es schon jetzt:

Foto: Radmila Kerl, Zeitpunkt: Mittwoch 20.10.2010, ca. 8 Uhr

Ach ja, noch eines: „Thomas kommt gleich!“

Jenseits von Afrika …


Morgen früh geht es los nach Afrika, genauer zum Kilimanjaro Airport in Tanzania. Genau 5 Jahre und 8 Monate nach meiner Gipfelbesteigung am 12. Februar 2005, damals noch über die leichte Marangu-Route, die spöttisch häufig die „Coca-Cola Route“ genannt wird, fliege ich wieder nach Tanzania, dem ehemaligen Deutsch Ostafrika, in eines der Länder, die mich von allen Ländern, die ich bisher gesehen habe, am meisten fasziniert hat.
Dieses Mal geht es über die etwas schwierigere Machame-Route nach oben, ohne die angenehmen festen Hütten und den komfortablen Versammlungsraum an jeder Nachtstation. Zelten soll bei – 20 Grad ja auch besonders romantisch sein …

Und mir gehen Bilder durch den Kopf und Melodien und die Bilder und die Melodien stammen natürlich von Tania Blixens „Jenseits von Afrika …“ und ich höre die Anfangsworte dieses großartigen Films durch mich fließen: „Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong Berge …

Robert Redford, der „Pferdeflüsterer“, der „große Gatsby“, hat im Mai 2004 über den Film „Jenseits von Afrika (Out of Africa)“ diese Zeilen geschrieben, die nur bei CIAO.DE und bei Yopi veröffentlicht wurden:

Liebe Filmfreunde in Deutschland,

mein Name ist Robert Redford. Viele von Ihnen werden mich vielleicht kennen aus so manchem Film, den ich in den letzten Jahrzehnten gedreht habe. „Jenseits von Afrika (Out of Africa)“ aus dem Jahre 1985 war nur einer von vielen, aber es war einer der wunderbarsten Filme, in denen ich mitspielen durfte.

Dieser Film wurde gleich 7mal mit dem Oscar ausgezeichnet. Nein, ich selbst hatte dieses Mal keinen bekommen, im Gegensatz zu meinen Kollegen Meryl Streep und Klaus Maria Brandauer wurde ich nicht mal dafür nominiert. Die beiden waren ganz gewiss großartig, und, glauben Sie mir, liebe Filmfreunde, natürlich hätte ich ihnen die Trophäe von ganzem Herzen gegönnt. Aber offengestanden muss ich auch einräumen, und vielleicht werden Sie mir dabei recht geben, dieser Film lebt nicht in erster Linie von seinen menschlichen Darstellern. So ging der Oscar an Sidney Pollack für den Film als Ganzes und dessen Regie.
U.a. wurden auch das Drehbuch und vor allem natürlich die Kameraführung prämiert. Denn dieser Film ist vor allem etwas fürs Auge. Aber natürlich nicht nur das, lassen Sie mich später darauf zurückkommen.

Was blieb in diesem Film für einen wie mich? Natürlich das, was viele von Ihnen von mir erwarten mögen, auch hier durfte ich einen Frauenheld spielen, der dazu auserkoren war, das Herz von Karen Blixen zu gewinnen. Dazu musste ich ihr nicht einmal ein unmoralisches Angebot machen. Dabei war sie ja verheiratet. Aber lesen Sie selbst noch mal das Wichtigste zum Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1914, der erste Weltkrieg steht vor der Tür. Da ist die reiche Dänin Karen Dinesen (Meryl Streep), der zu ihrem Glück nur ein Adelstitel zu fehlen scheint. Als die Hochzeit mit einem schwedischen Baron platzt, ist sie es, die dessen Bruder sozusagen ein unmoralisches Angebot macht. Sie bittet Bror Blixen (Klaus Maria Brandauer), für seinen Bruder als Ehemann einzuspringen. Er habe den Titel, auf den sie so erpicht ist und sie das Geld, das ihm fehle. Somit bleiben die Gefühle in diesem Konstrukt von vornherein außen vor.

Die Hochzeit findet jedoch in Kenia statt, wohin das Zweckbündnis auswandert, um dort Viehzucht und einen Molkereibetrieb zu betreiben. Bror, der vorausgeeilt ist, hat jedoch längst andere Pläne. Ohne Absprache mit Karen hat er längst Vorkehrungen getroffen, eine Kaffeeplantage zu eröffnen, obwohl es diesbezüglich in den Höhenlagen Kenias zu dieser Zeit noch keinerlei Erfahrungen gibt. Als es deswegen zum Disput kommt, erklärt er Karen unmissverständlich, dass nicht er es ist, der käuflich ist, sondern nur sein Adelstitel.

Trotzdem beginnen die beiden langsam, Gefühle für einander zu entwickeln, was jedoch durch die ständigen längeren und nicht angekündigten Abwesenheiten Brors, der der Großwildjagd frönt, immer wieder zu Rückschlägen führt.

Sie ahnen schon, geneigte Leser, so Sie diese Geschichte noch nicht kennen sollten, dass es für einen wie mich dann ein Leichtes ist, das Herz der Baronin zu gewinnen. Bror, der hier kein echter Gegner ist, sagt im Film lediglich zu mir: „Denys, du hättest ja wenigstens vorher fragen können…“

Ach so, ich habe mich ja noch gar nicht richtig bei Ihnen vorgestellt, jedenfalls, was meine Filmrolle betrifft. Auch Denys Finch Hutton, ein Engländer, ist Großwildjäger. Ich jage Elefanten und handele mit Elfenbein. Damals war das noch kein Tabu. Das erste Mal treffe ich Karen, als sie mit dem Zug und ihrem ganzen Hab und Gut nach Kenia kommt. Als sie sich mir da als Baronin Blixen vorstellt, lasse ich sie gleich unbeeindruckt wissen, dass das doch noch gar nicht der Fall sei. Bei unserem Wiedersehen werde ich Zeuge, wie Karen ein Rendezvous mit einer Löwin hat, die aber zu Karens Glück ihr Frühstück bereits hinter sich hat.

In folgendem lernt Karen, die hierzulande meist Tania genannt wird, Afrika von allen Seiten kennen, da sind auf der einen Seite die Herausforderungen, Naturgewalten und Gefahren und auf der anderen die Schönheit der Natur und der Charme dieses Kontinents. Sie selbst erkrankt an Syphilis, was eine Behandlung in ihrer Heimat notwendig macht und bei ihr Unfruchtbarkeit hinterlässt, ein gemeinsamer Freund von ihr und Denys fällt dem Schwarzwasserfieber zum Opfer. Dazu kommt der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, von dem auch Afrika nicht verschont bleibt.

Einige Szenen, die für den Film symbolisch sind und die im Gedächtnis des Zuschauers lange erhalten bleiben, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Die Begegnung mit der Löwin habe ich bereits erwähnt. Brüskierend für Karen auch die Szene, als sie eine Bar betritt und dort aber sofort die Rote Karte erhält, weil Frauen zu damaliger Zeit so etwas nicht gestattet war. Oder auch die Szene der Trauungszeremonie, als der Standesbeamte nicht einmal Karens Namen weiß. Nicht nur hier zeigt sich der Zeitgeist jener Tage, sondern auch bei der Frage, auf welcher Seite das kleine Land Dänemark im Falle des Kriegsausbruchs stehen würde. Aber es gibt auch heitere Szenen in einem Film, der gemeinhin als Melodram bezeichnet wird. Etwa dann, als afrikanische Eingeborenenkinder gebannt eine Kuckucksuhr anstarren.

Die Geschichte der Karen Blixen ist übrigens autobiographisch. Karen Dinesen wurde 1885 in Kopenhagen geboren und lebte, wie beschrieben, 17 Jahre in Afrika. In den 30er Jahren kehrte sie nach Dänemark zurück und schrieb dann ihre Geschichte auf, die als Romanvorlage zu Pollacks Film diente.

So beginnt der Film mit den Erinnerungen Karens an den Mann, der sogar ein Grammophon und die Musik Mozarts mit auf Safari nahm. Ihre Erinnerungen an mich, Denys. Und vielleicht reicht Ihnen ja bereits der nachhaltige Satz „Ich hatte eine Farm in Afrika“, um als Zuschauer unweigerlich in den Bann dieses außergewöhnlichen Films gezogen zu werden. Für viele werden es die großartigen Aufnahmen von Landschaft und Tierwelt sein, die einen den Film nicht vergessen machen, andere stehen vielleicht mehr auf die Love-Story, auch wenn sie mit keinem Happy End verbunden ist, oder es ist einfach der Charme Afrikas, der hier eindrucksvoll in Bild und Ton umgesetzt wurde. Und nicht zuletzt verfügt der Film über einen der schönsten Soundtracks aller Zeiten. John Barry hat dazu die Musik geschrieben, was ebenfalls mit einem Oscar honoriert wurde.

Und irgendwann sagte sie zu mir: „If you say anything now I’ll believe it”. Ich hoffe, ich muss Ihnen diese Zeilen nicht übersetzen. Als Mann werden Sie mich in dem Moment vielleicht um Meryl Streep beneiden. Als Frau werden Sie vielleicht Ihren Mann fragen, ob er die Szene später nicht mit Ihnen nachspielen möchte. Irgendwann wollte sie mich sogar heiraten. Da habe ich lieber erst mal nichts mehr gesagt.

Der Film geht etwa zweieinhalb Stunden. Ich empfehle Ihnen, kaufen Sie sich ihn als DVD, sofern Sie über eine geeignete Abspielmöglichkeit verfügen. Dann haben Sie die Möglichkeit, sich ihn nicht nur in deutscher Synchronisation, sondern auch im englischen Original oder auch auf Französisch anzuschauen. Mein Kollege Brandauer leiht seine Stimme sowohl der deutschen wie auch der englischen Version. Damit hat er sich als englischsprechender Österreicher womöglich schon für einen Gouverneursposten in den USA qualifiziert.

Vielleicht wird dieser Film auch Ihr Lieblingsfilm werden, wenn er es nicht längst ist. „Jenseits von Afrika“ ist weit mehr als 7 Oscars. Sie seien Ihnen gegönnt.

Ihr
Robert Redford

Wir werden die ersten Tage in der Meru View Lodge wohnen, bis es am Freitag hoch hinauf geht auf den Uhuru Peak, der „Freedom Peak“, schnell noch, bevor der Schnee auf dem Kilimanjaro endgültig geschmolzen sein wird. In 15 bis 20 Jahren wird es so weit sein, ein Wimpernschlag für die Erdgeschichte.

Ich reise mit einer Fotografen-Gruppe und hoffe sehr, dass ich viele schöne Fotos von diesem Berg mitbringen kann. Bis dahin tröste ich mich und ich tröste Dich mit drei Zeitungsberichten über Afrika, Tanzania und dieses Hotel (jeweils klicken zur entsprechenden PDF), lies die Berichte, es lohnt sich wirklich:




Ich liebe Afrika, ich liebe Tanzania, ich liebe diesen Berg.

„Reise zu den Letzten ihrer Art“

Uwe Diekmann aus Köln-Rodenkirchen ist unser Steuerberater. Uwe Diekmann ist aber auch mein Freund. Und Uwe Diekmann und ich haben eine Verbindung, ein gemeinsames Hobby, gemeinsame Ideale.
Das Hobby von uns beiden ist Afrika, sind die Wüsten Afrikas, sind bizarre Landschaften, faszinierende Landschaften und spektakuläre Tieransammlungen freier und wild lebender Tiere. All das findest Du natürlich – in Afrika.


Uwe Diekmann als Experte für Steuertipps in einer Kolumne der BILD-Zeitung

Uwe Diekmann wird als Privatmann Ende diesen Jahres mit dem Jeep durch die Wüste Libyens fahren, oh ja, da wäre ich gerne dabei. Nicht unbedingt mit dem Jeep, lieber zu Fuß, wenn mir jemand Wasser und Unterkunft anbieten würde. Als Chef der Kölner Niederlassung und als Partner in der großen Steuerberatungsgruppe „GDS Gruppe“ aber versucht Uwe Diekmann, geschäftliche Aspekte mit denen seines Hobbys, unseres Hobbys, zu verbinden.

Regelmäßig lädt er daher einen ausgewählten Klienten- und Freundeskreis zu Vorträgen ein, die stets in der 7. Etage, in der obersten Etage des Kanzleigebäudes in Köln-Rodenkichen, stattfinden. Von dort aus hast Du einen herrlichen Blick auf die Stadt Köln und auf der dazugehörigen Dachterrasse direkt über diesen Räumlichkeiten, wo der Blick sogar noch ein wenig schöner ist wie vom Balkon eine Etage darunter, auf dieser Dachterrasse habe ich ihm zum ersten Mal in etwa den Verlauf des 171km langen KÖLNPFADS skizziert, eine Tage, bevor ich Mitte 2009 den KÖLNPFAD tatsächlich gelaufen bin.
Den Kreis am Horizont, den ich mit den Fingern damals gezogen habe, war schon riesengroß, aber auch beeindruckend.

Zu einem dieser Vorträge hat er einen Referenten eingeladen, der auch viel mit der Wüste zu tun hat, häufig und lange in Afrika war und für den wilde Tiere kein Schrecken, sondern eine Herausforderung sind. Wilde Tiere in der ganzen Welt sind seine Leidenschaft, im ewigen Eis genauso wie in der brütenden Hitze der Wüsten.
Der Referent war Förster in der Eifel, bis es ihn aus Deutschland heraus und ins ewige Eis hinein gezogen hat. Dort hat er seine ersten Meriten als Tier- und Landschaftsfilmer verdient und heute ist er ein gefragter Tierfilmer, dessen Reportagen häufig im ZDF und auch bei Arte zu sehen sind.
Ihn live erlebt zu haben, vor einer kleinen Gruppe von nicht einmal zwanzig geladenen Gästen, mit ihm über die Grenzen der Phantasie und die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit gesprochen zu haben, das war für mich ein wirklich dramatisches Erlebnis.

Andreas Kieling auf der Insel Rinca, einen Komodo-Waran filmend

Andreas Kieling (www.andreas-kieling.de) durchquerte Grönland zu Fuß, fuhr mit dem Mountainbike durch den Himalaya und er bereist seit mittlerweile 20 Jahren als vielfach preisgekrönter Dokumentarfilmer die ganze Welt.
Seine Filme werden weltweit über den „National Geographic Channel“ ausgestrahlt und uns Deutschen ist er unter anderem durch die ZDF-Serie „Terra X: Kieling – Expeditionen zu den Letzten ihrer Art“ bekannt.
Für den ARD Dreiteiler „Abenteuer Erde – Yukon River“ wurde er mit dem Panda Award, dem „Oscar des Tierfilms“, ausgezeichnet.

Andreas Kieling ist aber auch ein ausgesprochen sympathischer Typ, ein Erzähler, dem es wichtig ist, seine Zuhörer zu erreichen. Und das schafft er nicht nur mit seinen Worten, sondern vor allem auch mit seinen bewegten Bildern. Und von denen hatte er einige dabei und wir sahen eine Auswahl seiner Dokumentationen, angefangen von seinen Anfängen, in denen er noch still war vor der Kamera bis hin zu seinen heutigen Filmen, in denen er sich selbst häufig filmt und auch oft etwas in die Kamera spricht, um die jeweilige Szene zu beschreiben.

Durch Grönland, durch den Himalaya, zum Yukon River, alles Ziele, die uns Läufer ja auch besonders interessieren, mit dem Himalaya Marathon, dem Yukon Arctic Ultra und einigen Lauf-Veranstaltungen in Grönland gibt es ja viel Schönes für uns. Gerade wegen der kalten Gegenden zolle ich ihm höchsten Respekt, weil Hitze wohl leichter zu ertragen ist wie Kälte. Laufen will ich in Grönland und am kanadischen Yukon River aber trotzdem …

Mich friert schon beim Betrachten dieses Fotos ...

Erzählt hat Andreas Kieling auch davon, wie Tierfilme aus eigenen Sequenzen und zugekauften Sequenzen anderer Dokumentarfilmer zusammengestückelt werden. Er berichtete von einer regelrechten Börse für Tier- und Landschaftsfilm-Konserven und so wird der Druck, der auf den Abenteurern lastet, immer größer. Die Etats der Fernsehanstalten werden eher kleiner als größer und die Aufträge müssen heute in einer viel kürzeren Zeitspanne fertig sein wie früher.
In diesem Geschäft ist es also so wie überall anders auch: höher, schneller, weiter, billiger …

Einige Szenen, die er uns im Film vorgespielt oder in seinem Vortrag erzählt hat, findest Du auch in seinen Büchern, so auch die Filmsequenz, wo ein wütender Elefantenbulle auf Andreas Kieling zugerannt kam. Wir Zuschauer erschraken alle, aber Andreas Kieling blieb in dem Film einfach stehen und sah den Elefanten direkt an. Kurz vor ihm stoppten diese zwei Tonnen Fleisch, Knochen und Haut, um dann umzukehren und von dannen zu traben. „Das war nur ein Scheinangriff. Elefanten machen das meistens so,“ sagte Kieling. Es wäre ihm aber auch keine Möglichkeit mehr geblieben, bei einer Fehleinschätzung der Situation noch einen „Plan B“ umzusetzen.


Noch eine weitere Gemeinsamkeit verbindet mich mit Andreas Kieling. Wie mein Freund Andreas Klotz kümmert sich auch Andreas Kieling um die vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Diese seltenen Tiere sind uns allen so ähnlich, dass die Faszination, sie ansehen, fotografieren und bewundern zu dürfen, mit Händen greifbar ist.
Andreas Klotz hilft ja hier mit seinem Projekt www.mondberge.com, ich habe in diesem Blog schon darüber berichtet, Andreas Kieling hilft durch das Verbreiten wunderschöner Filme und durch die direkte finanzielle Unterstützung von Berggorilla-Projekten. Wenn ich Mitte Oktober mit Andreas Klotz und weiteren fünf fotografisch angehauchten Freunden auf den Kilimanjaro laufe, dann werden wir die Berggorillas leider nicht sehen können, sie leben rund 800 Kilometer weiter nördlich im ugandischen Ruwenzori-Gebirge. Aber vielleicht gelingen uns ja sehenswerte Foto- und Videoaufnahmen der Tiere und Pflanzen am Kibo-Massiv.

So vertraut, so nah, so verwandt ... der Berggorilla Zentralafrikas

Eine Frage hat natürlich die Mehrzahl der Zuhörer interessiert, die Frage nach der Gefährlichkeit dieser Abenteuer. Gerade nach dem „Scheinangriff“ des Elefantenbullen schwebte diese Frage förmlich im Raum und insbesondere die Schlipsträger unter den Gästen waren entsprechend in Sorge, immerhin ist für viele der Weg in die Chefetagen der Großbanken das Gefährlichste, was sie in ihrem Leben tun.

Andreas Kieling beantwortete die Frage, indem er eine uralte und längst vernarbte Verletzung zeigte. Sie stammte vom bisher einzigen Unfall mit Tieren, den er je hatte. Ob er in der Wüste Afrikas oder im ewigen Eis Grönlands war, immer blieb er ohne nennenswerte Verletzungen, bis auf diese eine Wunde. Und die holte er sich – in der Eifel.
Ein wütender Keiler hatte sie ihm zugefügt und daran – und das ist kein Scherz – wäre er damals beinahe verblutet.

AFRIKA – der schönste Kontinent …

Ich bin ein Afrika-Fan!

Es begann vielleicht mit den ersten Worten von Karen Blixen (geboren als Karen Christenze Dinesen, in  Deutschland unter dem Pseudonym „Tania Blixen“, in den angelsächsischen Ländern als „Isak Dinesen“ bekannt) in „Jenseits von Afrika“:

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„Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong Berge …“

Sehnsuchtsvolle Worte, gesprochen zu wunderschönen ruhigen Bildern und elegischer Musik in einem Film, der noch immer zu meinem Lieblingsfilmen zählt, auch wegen des großartigen Robert Redford und der bezaubernden Meryll Streep.

Aber richtig fasziniert hat mich Afrika bei meinem Trip auf den 5.895 Meter hohen Kilimanjaro (Kilimandscharo-Massiv), den Kili, die ehemalige „Kaiser Wilhelm Spitze“, das „Dach Afrikas“.
Wir fuhren durch Kenia und durch Tanzania, wir besuchten Krankenstationen, in denen AIDS das Thema schlechthin war und wo Kinder regelmäßig mit Verbrühungen lagen, weil häufig noch immer traditionell die Töpfe auf einem Feuer in der Rundhütte auf drei Steinen steht und die Kinder den Topf dann beim Spielen umwerfen. Und wir besuchten afrikanische Kirchen, wir erlebten eine christliche Messe dort wurden anschließend von den Frauen eines Dorfes zu unserem Auto getragen, einem offenen Pick-Up, auf dessen Ladefläche wir alle standen. Ein tolles Festbankett wurde für uns veranstaltet, bei dem eine Ziege über dem offenen Feuer gegrillt wurde und die dann als ganze Einheit mit Kopf und Gemächt vor uns auf dem Tisch stand. Ein wenig anders wurde mir bei dem Anblick schon und ich war noch nie so froh, kein Fleisch zu essen. Aber die Begeisterung, der Lebenswille und die Hilfsbereitschaft dort war in echtes Erlebnis und das, obwohl wir wirklich in Problemregionen unterwegs waren.

Wir sahen unglaublich reiche Afrikaner, hektische und florierende Städte, Verkehrsstockungen wie in Asien und gleich neben all dem stand ein Massai, der, in traditionelle Tracht gekleidet, das Treiben der Menschen skeptisch beobachtete. Und wir gingen auf Fotosafari in zwei unglaublich schöne Nationalparks, in den „Ngorongoro Krater“ (Ngorongoro Conservation Area)  und in den „Tarangire Nationalpark“ (Tarangire National Park). Diese Eindrücke haben mich sehr bewegt, vor allem, als ein nur wenige Tage altes Löwenbaby schnurstracks auf unseren Safari-Wagen zugelaufen kam. Leider darf man da nicht aus dem Wagen raus und das Streicheln des Babies hätte die Löwin wohl auch nicht so toll gefunden, aber ich stellte mir vor, wie weich und knuddelig dieses Löwenbündel doch sein müsse. Dort habe ich auch gelernt, dass das Bild von Afrika, das uns „Westlern“ von Kindesbeinen auf eingetrichtert wurde, nur sehr bedingt stimmt. Ein kleines Beispiel: da lagen die Löwen faul in der Sonne, obwohl die Zebras nur wenige Meter weit weg waren und es war Frieden. Kein Löwe jagt, wenn es nicht unbedingt sein muss. Und kein Löwe hat ein Konto, auf das er seine Beute, die er nicht verspeisen kann oder will, einzahlt, um für später vorzusorgen. Nur das „HEUTE“ zählt.

Im vergangenen Jahr haben wir uns dann Namibia angesehen und sind dort von Süd nach Nord, von der Mitte nach Osten, nach Westen und wieder zurück gefahren. Wir sind in die Vorstädte gefahren, auch dorthin, wo gemeinhin kein Tourist sich blicken lässt. Überall haben wir nette, freundliche und aufgeschlossene Menschen kennen gelernt und wir fühlten uns stets sicher und behütet.

Warum schreibe ich all das?

Eigentlich nur, um klar zu machen, dass Afrika ein Kontinent ist, kein Land. Eine Sammlung verschiedenster Menschen, Reiche und Arme, Stadt und Land, Intellektuelle und Native, alle Vegetationsstufen von der Wüste bis zu den Tropen, hohe Berge, endlose Weiten. Und doch denken wir in Europa häufig in Klischees über Afrika. Wir denken an Armut, an korrupte Politiker, an AIDS, Malaria und andere Krankheiten. Um diese Vorurteile weiter zu pflegen, hat Binyavanga Wainaina, ein kenianischer Schriftsteller, der in Nairobi lebt, eine entsprechende Anleitung für uns Europäer verfasst, nicht ohne Süffisanz, wie ich ergänze. Binyavanga Wainaina ist der Gründer und Leiter der Literaturzeitschrift „Kwani“ in Nairobi. Der Artikel wurde in der Süddeutschen Zeitung abgedruckt, ich finde ihn lesenswert, interessant und absolut zutreffend:

Schreiben Sie so über Afrika! Stöhnen ist gut: Eine Anleitung!

Verwenden Sie im Titel die Worte „Afrika“, „Finsternis“ oder „Safari“, im Untertitel können außerdem Begriffe wie „Sansibar“, „Nil“, „Groß“, „Himmel“, „Schatten“, „Trommel“ oder „Sonne“ auftauchen. Immer hilfreich sind Wörter wie „Guerillas“, „zeitlos“, „ursprünglich“ oder „Stamm“.

Zeigen Sie niemals das Bild eines modernen Afrikaners auf dem Buchumschlag, es sei denn, er hätte den Nobelpreis gewonnen. Verwenden Sie stattdessen: eine Kalaschnikow, hervortretende Rippen, nackte Brüste. Falls Sie tatsächlich einen Afrikaner abbilden müssen, nehmen Sie einen Massai, Zulu oder Dogon.

In Ihrem Text sollten Sie Afrika als ein einziges Land behandeln. Es sollte heiß und staubig sein mit wogenden Weiden, riesigen Tierherden und großen, dürren Menschen, die Hunger leiden. Oder heiß und schwül mit sehr kleinen Menschen, die Affen essen. Verzetteln Sie sich nicht in detaillierten Beschreibungen. Afrika ist groß: 54 Länder und 900 Millionen Menschen, die viel zu sehr damit beschäftig sind, zu hungern, zu sterben, zu kämpfen und auszuwandern, als dass sie Zeit hätten, Ihr Buch zu lesen. Der Kontinent ist randvoll mit Wüsten, Regenwald, Savanne und vielem anderem, aber Ihrem Leser ist das egal, deshalb beschränken Sie sich am besten auf romantische, raunende und eher unspezifische Darstellungen.

Betonen Sie, wie tief Musik und Rhythmus in der afrikanischen Seele verwurzelt sind, und bemerken Sie, dass Afrikaner Dinge essen, die niemand sonst runterbringt. Kein Wort über Reis, Rindfleisch oder Weizen. Zur afrikanischen Cuisine gehört Affenhirn, außerdem Ziege, Schlange, Würmer, Larven und jede Sorte Wild. Lassen Sie den Leser wissen, wie Sie gelernt haben, alles dies zu essen und sogar zu genießen. Weil Ihnen daran liegt.

Enden Sie mit Mandela

Tabu-Themen sind Alltag, Liebe (es sei denn, es ginge auch um Tod), afrikanische Schriftsteller oder Intellektuelle, Schulkinder, die nicht unter Ebola oder anderen schlimmen Krankheiten leiden. Der Ton Ihres Buches sollte gedämpft sein und eine gewisse Komplizenschaft mit dem Leser zum Ausdruck bringen. Ihre Haltung ist ein betrübtes „Ich-hatte-so-viel-erwartet“. Erwecken Sie früh den Eindruck einer zutiefst liberalen Grundeinstellung, und kommen Sie rasch auf Ihre unerschütterliche Liebe zu Afrika zu sprechen. Afrika ist der einzige Kontinent, den Sie lieben dürfen – machen Sie was draus! Wenn Sie ein Mann sind, werfen Sie sich dem jungfräulichen Regenwald in die Arme. Sind Sie eine Frau, betrachten Sie Afrika als Mann mit Buschjacke auf dem Weg in den Sonnenuntergang. Afrika muss man bemitleiden, ihm huldigen oder es beherrschen. Aber ganz egal, wofür Sie sich entscheiden – ohne Ihr Engagement und Ihr Buch würde Afrika vor die Hunde gehen. Lassen Sie daran keinen Zweifel.

Zu den afrikanischen Figuren Ihres Buches könnten nackte Krieger, treue Diener, Wahrsager und Seher gehören, weise alte Männer in phantastischer Einsamkeit. Außerdem korrupte Politiker, polygame Reiseleiter und Prostituierte, mit denen Sie geschlafen haben. Der Treue Diener benimmt sich in der Regel wie ein Siebenjähriger und braucht eine strenge Hand. Er fürchtet sich vor Schlangen, ist kinderlieb und verwickelt Sie ständig in seine häuslichen Streitereien. Der Weise Alte Mann gehört immer zu einem edlen Stamm (nicht zu den geldgierigen Gikuju, Igbo oder Shona). Er hat triefende Augen und ist innig mit der Erde verbunden.

Der Moderne Afrikaner ist ein raffgieriger Fettsack, der in einem Visabüro arbeitet und sich weigert, qualifizierte Mitarbeiter aus dem Westen einreisen zu lassen, obwohl ihnen wirklich an Afrika liegt. Er ist ein Feind jeder Entwicklung und nutzt sein Regierungsamt, um pragmatische und gutherzige Ausländer daran zu hindern, eine Nicht-Regierungs-Organisation aufzuziehen. Vielleicht ist er aber auch ein ehemaliger Oxford-Absolvent, der in der Politik zum Serienkiller wurde und feine Anzüge trägt. Ein Kannibale mit einer Vorliebe für eine bestimmte Champagner-Marke und einer Hexe als Mutter, die in Wahrheit das Land regiert.

Auf keinen Fall darf die Hungernde Afrikanerin fehlen, die sich halbnackt von Lager zu Lager schleppt. Ihre Kinder haben Fliegen in den Augenwinkeln und Hungerbäuche, ihre Brüste sind leer. Sie hat keine Geschichte, keine Vergangenheit, das würde nur die Dramatik des Augenblickes stören. Stöhnen ist gut.

Bringen Sie außerdem irgendwie eine warmherzige, mütterliche Frau mit tiefem Lachen unter. Sie nennen sie Mama. Ihre Kinder sind Kriminelle. Gruppieren Sie diese Figuren um Ihren Helden. Der Held sind Sie selbst (Reportage) oder eine gut aussehende tragische Berühmtheit, die sich im Tierschutz engagiert (Roman). Zu den Bösewichtern aus dem Westen könnten die Kinder konservativer Abgeordneter gehören oder Afrikaner, die für die Weltbank arbeiten. Falls Sie die Ausbeutung durch ausländische Investoren erwähnen möchten, denken Sie an Chinesen und Inder. Geben Sie dem Westen die Schuld an der Misere in Afrika. Aber bleiben Sie vage.

Vermeiden Sie es, lachende Afrikaner zu beschreiben oder Menschen, die einfach nur ihre Kinder erziehen oder irgendetwas Banales tun. Die Afrikaner in Ihrem Buch sollten bunt, exotisch, überlebensgroß sein – aber hohl, ohne Entwicklungen und Tiefe. Das würde die Sache nur verkomplizieren.

Beschreiben Sie detailliert nackte Brüste (junge, alte, vor kurzem vergewaltigte, große, kleine), verstümmelte Genitalien oder geschmückte Genitalien. Jede Art von Genitalien. Und Leichen. Nein, noch besser: nackte Leichen. Am besten: nackte verwesende Leichen. Denken Sie daran, dass schmutzige, unglückliche Menschen als das „wahre Afrika“ gelten. Sie müssen sich deshalb nicht schlecht fühlen. Sie versuchen ja nur, Hilfe aus dem Westen zu mobilisieren. Keinesfalls sollten Sie allerdings jemals tote oder leidende Weiße zeigen.

Tiere wiederum beschreiben Sie als hochkomplexe Charaktere. Tiere sprechen oder grunzen, sie haben Namen, Ziele und Sehnsüchte. Und sie legen Wert auf ihre Familien: Haben Sie bemerkt, wie schön die Löwen mit ihren Jungen spielen? Elefanten sind liebevoll, sie sind gute Feministinnen oder eindrucksvolle Patriarchen. Gorillas ebenfalls. Sagen Sie nie, nie, nie etwas Schlechtes über einen Elefanten oder einen Gorilla. Selbst wenn ein Elefant Häuser niedertrampelt und vielleicht Menschen tötet.

Neben Prominenten und Helfern sind Umweltschützer die wichtigsten Menschen in Afrika. Legen Sie sich nicht mit ihnen an, schließlich wollen Sie sie mal auf ihrer riesigen Ranch interviewen. Jeder sonnengebräunte Weiße in Khaki-Shorts, der mal eine Hausantilope hatte, ist ein Tierschützer, der um Afrikas reiches Erbe ringt. Fragen Sie nie, wie viel Geld er wirklich für Afrika ausgibt. Fragen Sie nie, wie viel er mit seiner Safari-Ranch verdient. Fragen Sie nie, was er seinen Angestellten zahlt.

Vergessen Sie nicht, das Licht in Afrika zu erwähnen, Ihre Leser wären enttäuscht. Den großen, roten Sonnenuntergang. Den weiten Himmel. Weite leere Räume und wilde Tiere sind unverzichtbar. Afrika ist geradezu das Land weiter leerer Räume. Sollten Sie allerdings über die Vielfalt von Pflanzen und Tieren schreiben, erwähnen Sie die Überbevölkerung. Sollte sich Ihr Held in der Wüste oder im Dschungel bei irgendeinem indigenen Volk befinden (Hauptsache, es ist klein), dürfen Sie erwähnen, dass Aids und Kriege Afrika entvölkern.

Beenden Sie Ihr Buch mit einem Nelson-Mandela-Zitat, am besten mit irgendetwas über Regenbögen oder Wiedergeburt. Weil Ihnen daran liegt.