Der Sportlehrer

Einen langen Lauf in den Bergen machen kann so schön sein. Du nimmst zwei, drei Tage Urlaub vorher, fährst frühzeitig zur Akklimatisation in die Höhen der Alpen, Du studierst den Lauf so intensiv, dass Du die Lage jedes Verpflegungspunktes im Schlaf aufsagen kannst, genau weißt, wo und wie lange die einzelnen Anstiege sind und auf welche Cut-Off Zeiten Du zu achten hast.
Du lädst Dir den GPX-Track für Deinen Garmin herunter, druckst Karten aus, laminierst sie, druckst die Höhenprofile aus, um alle wichtigen Informationen trotzdem noch einmal am Körper zu haben, wenn es dann wirklich los geht.
Und dann isst Du am Vorabend ordentlich, schläfst ausgiebig und bist bestens präpariert, wenn dann endlich der Startschuss fällt.

Es geht aber auch anders ...

Das habe ich nun bei meinen beiden letzten Läufen bewiesen. Beim Ticino-Trail beschloss ich am Freitag vor dem Start, dass ich es doch irgendwie in die schöne Schweiz schaffen könnte. Wichtig war nur, dass ich um 6.30 Uhr am Start sein musste, um mich noch schnell nachmelden zu können. Einzig meinem Lauffreund Achim Knacksterdt erzählte ich von meinem Spontan-Plan und hielt ihn per SMS auf dem Laufenden.
Mein Plan war, spätabends in Airolo zu sein, mir noch schnell ein Hotelzimmer zu nehmen und dann in der Frühe zu packen, nachzumelden und zu frühstücken. Kein schlechter Plan, fand ich.
Aber jeder Plan ist eben nur Theorie und so schreibt das Leben oft Geschichten, die Du eigentlich gar nicht erzählen willst.

Ich wählte einen DACIA Logan vom Hof als Transportmittel. Zugegeben, ein Abblendlicht war schon ein paar Wochen defekt, das wusste ich, ansonsten war aber alles in Ordnung damit. Die Klimaanlage funktioniert, das Auto fährt sparsam auf LPG und Musik ist auch drin. Alles im Plan also.
Ich war ungefähr 100 Kilometer vor dem Gotthard-Tunnel, als es dunkel zu werden begann. Und auch dunkel blieb. Ich brauchte zwar eine kleine Weile, um zu merken, dass nun auch das zweite Abblendlicht ausgefallen war, aber je dunkler es wurde, desto mehr wurde mir klar, dass ich so unmöglich noch bis Airolo fahren kann. Etwa 40 Kilometer vor dem Gotthard-Tunnel fand ich dann ein Hotel, das noch ein Zimmerchen für mich frei hatte und wo auch die Küche noch offen hatte.
Der Beilagensalat, für den man eine Lupe brauchte und die Nudeln mit Gemüse, die zwar nicht auf der Karte standen, die man mir aber anbot, waren lecker, allerdings auch sehr, sehr teuer. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben schon jemals ein so teures vegetarisches Gericht bekommen habe. Und definitiv auch kein so mengenmäßig kleines …
Aber es musste ja sein, dass ich dort blieb und so kann ich nicht sagen, welch üppiges Frühstücksbuffet mir dort entgangen ist, als ich um 5.30 Uhr, als es endlich so hell wurde, dass ich ohne allzu große Angst weiterfahren konnte, Richtung Gotthard-Tunnel aufbrach.
Nur 40 Kilometerchen bis dorthin, noch vor 6 Uhr dort – und dennoch gab es schon eine Blockabfertigung. Und die Zeit lief herunter, erbarmungslos. Und ich wurde nervöser und nervöser, hektischer und hektischer …

Ich simste Achim, dass ich wohl nur den Semi Trail machen kann. Kaum geschlafen, noch nicht vorbereitet, wahrscheinlich zu spät ankommend …
Aber dann ging es doch irgendwann durch den Tunnel und ich war dann gegen 6.45 Uhr am Ziel. Achim wartete schon auf mich und ich erzählte ihm erst einmal meine blöde Licht-Geschichte. Ich schrieb mich schnell ein und war dankbar, dass ich das trotz meiner Verspätung noch tun durfte. Und dann bin ich in den Frühstücksraum des Hotels gegangen, in dem die meisten unserer Familienmitglieder logierten.
Thomas Ehmke, Niels Grimpe-Luhmann, Didi Beiderbeck und viele mehr, um nur einige zu nennen. Dort bekam ich dann wenigstens etwas für den Magen, zwei Croissants und ein wenig Pfefferminztee.
Dann sah ich mir noch den Start des langen Trails an, begann, meine Sachen zu packen und begab mich in Ruhe zur Busstation, die uns zum Start des Semi Trails brachte. Beim langen Trail hätte ich sicher nicht starten können, so zeitlich eng wie alles war.

Im Ziel des Semi Trail Ticino.

Oder am vergangenen Wochenende. Da hatte ich vor, am Samstag mit dem Zug nach Lindau zu fahren, dort in einem nahegelegenen Dörfchen ein Auto zu übernehmen, nach Sonthofen zu fahren, um dann am Sonntag am Allgäu Panorama Ultra teilzunehmen. Birger Jüchter war da und dabei zu sein, wie seine „Birgit“ eine kleine Schwester bekam, das hätte schon etwas gehabt.
Aber da war doch noch der Mountain Man am Samstag. A bisserl höher, a bisserl schöner. Und dort lief Norman Bücher. Das wäre doch auch etwas, dachte ich und als ich die Chance hatte, schon am Freitagmittag mit einer Mitfahrgelegenheit (www.mitfahrgelegenheit.de) nach Ulm zu fahren, dort einen Zug nach Lindau zu nehmen, dann ein Taxi nach Hergensweiler, dort etwas Carboloading zu machen, um dann in die Schweiz zu düsen, immer Richtung Luzern bis nach Engelberg, da ergriff ich die Chance und wählte diese Variante.
Eine kurze Mail an den Veranstalter, der zurück schrieb, dass ich mich Samstag in der Frühe um 5 Uhr in der Talstation in Engelberg noch nachmelden dürfte, immerhin.

Mit Tankstopps, Verfahrern bei Luzern und sonstigen Hindernissen kam ich dann um 1.30 Uhr in Engelberg an. Zu spät für ein Hotel, also nur ein Nickerchen im Auto. Den Wecker hatte ich dann auf 4.45 Uhr gestellt, um mich dann umzuziehen und um dann pünktlich bei der Einschreibung zu sein. Diese Hektik, dieser ständige Zeitdruck und der Umstand, so wohl nicht meine innere Mitte gefunden zu haben, vielleicht waren es diese Punkte, die zu meinem Sturz kurz hinter der 20K Markierung führten.
Die rechte Seite aufgerissen, das ging ja noch. Aber ich hatte mir die Rippen so stark geprellt, dass ich nicht mehr tief atmen konnte. Und es wurde nicht mehr besser. Ich probierte es noch zwei Verpflegungspunkte lang, dann gab ich auf und stieg aus. Schade, ich wäre schon gerne auch ein „Mountain Man“ geworden …

Vielleicht würdest Du mir raten, etwas zu entspannen, um gut vorbereitet in die Events zu gehen? Ich würde Dir zustimmen, sicherlich. Aber wer mich näher kennt, der weiß, dass hektische Betriebsamkeit zu mir gehört wie die Schmeißfliege zur Kuh. Leider, daran darf ich noch arbeiten und wachsen …

Aber bei manchen Geschichten ist eben der Anfang der schönste Teil. So auch am vergangenen Wochenende. Ich suchte ja nach einer Mitfahrgelegenheit nach Ulm und fand etliche Angebote, von denen drei Stück zeitlich einigermaßen in meinen Plan passten. Die beiden ersten wären mir am Liebsten gewesen, weil sie schon am frühen Freitag morgen in Köln bzw. Erftstadt losgefahren wären. Aber der Eine meldete sich nicht, der Andere sagte mir ab.
Blieb also noch der Dritte. Abfart in Kerpen gegen 13.00 Uhr, spät, aber eben nicht zu spät, um noch nach Trübsee zu gelangen.
Daniel F. war schon am Telefon freundlich, herrlich unkompliziert und unser Deal war schnell besiegelt. Zwei weitere Mitfahrer nach Pforzheim und Stuttgart hatten wir auch noch an Bord.

Das Schönste dabei war: Daniel und die Mitfahrerin waren beides Läufer. Keine Ultras, aber immerhin. Etwas, was verbindet. Also redeten wir vom Kölner Women’s Run , ich zeigte die schönen rosa Fotos von Betti Mecking aus dem wunderbaren Facebook-Land und wir quatschten von anderen schönen Dingen bis hin zum Halbmarathon. Daniel hat sich den Halbmarathon in München für 2012 zum Ziel gesetzt.
Und ich erzählte auch ein wenig von den etwas längeren Läufen.

Daniel arbeitet bei der Bundeswehr und bildet dort Rekruten aus, auch in sportlicher Hinsicht. Und er hat selbst einen Coach, der die Rekruten-Ausbilder ausbildet und auf dem Stand der Wissenschaft hält. Und von diesem Coach erzählte er mir. Weil der auch läuft. Und auch die schmutzigen, langen und schmerzhaften Dinger wagt.
„Das muss auch ein interessanter Typ sein,“ dachte ich. Er hatte den Rekruten-Ausbildern erzählt und Fotos gezeigt vom TransAlpineRun, vom Marathon des Sables, er erzählte von Qualifikationspunkten und vielem mehr. Alles hat Daniel nicht richtig auf die Reihe bekommen, aber mir war schon klar, welches der Teamlauf war, wofür man die Qualifikationspunkte braucht und welcher Wüstenlauf das nur sein konnte.

Ich suche ja immer nach Gemeinsamkeiten bei den Menschen um mich herum. Und da bietet es sich doch an, auch zu erwähnen, dass man selbst einen Lauffreund hat, der sogar der Teampartner beim TransAlpineRun war, der zwar kein Soldat, aber eben Zivilangestellter bei der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck ist. Und während ich das erzählte, schlug Daniels Herz höer und er sagte mir, dass der, genau der, sein Coach sei. Der, von dessen Läufen er die letzte Viertelstunde erzählt hatte.
Heiko Bahnmüller, „der Sportlehrer“.
Ich war sprachlos.

Wie klein ist denn diese Welt?

Und dann erzählte ich ihm von Heiko, von unseren gemeinsamen Läufen, vom TAR, dem MdS und auch davon, dass ich ihn Ende August zu seiner größten Herausforderung begleiten darf, wenn es für ihn zum ersten UTMB geht.

Ob die abschreckenden Fotos von Füßen beim MdS meine waren oder die von Dr. Tilmann Markert weiß ich nicht, ich weiß nur, dass das eine Geschichte war, die wirklich nur das Leben schreiben kann. Ich fühlte Dankbarkeit und ein Glücksgefühl, das mich jetzt die Tage abzählen lässt, bis ich mich in den Flieger nach München / Genf setzen darf.

THE NORTH FACE ULTRA TRAIL DU MONT BLANC, ich darf Dich zwar nicht laufen, aber ich freue mich auf Dich, wie verrückt … !

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Österreich, Deutschland, Schweiz und Frankreich …

… oder was für ein cooles Wochenende!

Meine Planung für das vergangene Wochenende begann mit einem Business-Termin nahe dem Zürichsee am Freitag um 14 Uhr. Ursprünglich hatte ich diese Zeit so spät angesetzt, damit ich am Freitagvormittag dorthin anreisen kann. Aber es kam anders.
Zuerst hatten wir da am Donnerstag vor diesem Freitagstermin in der Firma ein Problem mit einem Verkaufstag in Schalchen / Österreich, kurz hinter der Grenze bei Passau. Und weil ich ja sowieso viel Auto zu fahren hatte, habe ich mich bereit erklärt, diesen Termin zu übernehmen.
Das wiederum bedeutete eine Abfahrt schon gegen Mittwochnachmittag.

Dann postete Sigi Bullig, dass die Zeitschrift „Vegetarisch fit“ einen Vegetarier für ein Interview in dem vegetarischen Nürnberger Restaurant „Chesmu“ suchen würde. Zielzeit in Nürnberg war 16 Uhr. Das wollte ich gerne machen, da ich auf dem Weg Richtung Passau sowieso an Nürnberg vorbei fahren würde. Die relativ frühe Zeit bedingte dann ein noch früheres Abfahren. Aber was tut man nicht alles, um ein paar Fragen beantworten zu dürfen …

Dann dachte ich, dass es sinnvoll wäre, nach dem Freitagstermin noch eine Laufveranstaltung zu suchen. Ich hatte vor, am Freitagabend zu meinen Eltern, die bei Offenburg wohnen, zu fahren und ich erinnerte mich, dass Gerhard Börner für den Sonntag auf seiner Laufagenda den „Trail du Petit Ballon“ stehen hatte. Prima, dachte ich und mailte nach Rouffach, dass ich gerne dabei wäre.

Ein ganzer Tag bei meinen Eltern also, dachte ich, aber nur so lange, bis Guido Huwiler mich für den Samstagvormittag zu einem privaten Läufchen auf seine Juraberge eingeladen hatte. Na ja, immerhin noch ein Abend bei meinen Eltern – was will man mehr?

Und dann postete „Trailschnittchen“ Julia Böttger, dass sie am Donnerstagabend zu einem Nightrun einladen würde. Da wollte ich auch noch dabei sein, also verschob Julia die Startzeit von 19 Uhr auf 19.30 Uhr, damit ich mitlaufen konnte, eine Terminverschiebung, extra für mich. Danke Julia!

Birger Jüchter wiederum postete über Facebook, dass er auch beim „Trail du Petit Ballon“ eingeschrieben sei und weil ich seit September 2011 noch seine Läuferfigur vom „Allgäu Panorama Ultra“ bei uns stehen hatte, die er damals nicht mitnehmen konnte, weil er Hauke König und Susanne Alexi auf der privaten TransGermanyTour auf dem Fahrrad begleiten wollte, dachte ich, dass mich diese Figur im Auto begleiten möge.

Birgit, so nannten wir die Figur in den letzten Monaten liebevoll, wollte erst gar nicht weg von zu Hause. Aber dann hat sie sich doch gefreut, ihren neuen Besitzer kennen zu lernen und so ging es erst einmal nach Nürnberg, um dort mit Alexander Otto über meine Motive, mich vegetarisch zu ernähren, zu reden. Dass es während des Redens auch noch etwas zu essen gab, nämlich super leckeres „Züricher Geschnetzeltes“, sei nur am Rande erwähnt.

Aber Vorsicht: nicht alles, was nach Fleisch aussieht, stammt auch aus der industriellen Massentierproduktion. Tofu heißt das Zauberwort, damit lässt sich Fleisch problemlos ersetzen. Das hilft all denjenigen, die zumindest die Optik traditioneller fleischlastiger Küche haben wollen.
Es war ein phantastischer und inspirierender Nachmittag voller inhaltlicher Tiefe, weil Alexander Otto sehr viel zu dem Gespräch beizutragen hatte. Später dann, auf Facebook, entdeckte ich, dass er in vielen Aspekten ähnlich denkt wie ich.
Nur Birgit musste im Auto bleiben und sie langweilte sich, weil ich den Termin nahezu zeitlich endlos gestreckt hatte.
Aber dann ging es weiter an die deutsch-österreichische Grenze in mein Hotel.

Vegetarisches Restaurant C H E S M U, Nürnberg

Nach dem Frühstück kam der Arbeitstag in einem lokalen Spielemarkt und gleich ging es los Richtung Bad Feilnbach, zu Julia und ihrer Truppe. Schon vorher hatte ich ergoogelt, dass ich 1 Stunde und 34 Minuten für die Strecke benötigen würde und meine Hoffnung, diesen Wert unterbieten zu können, zerplatzte wie eine Seifenblase.
Tempolimits, Stau und genau die Autofahrer, die immer nur dann vor einem auf der Überholspur sind, wenn man es eilig hat, bewirkten zusammen, dass es 1 Stunde und 47 Minuten wurden. Und alle warteten auf mich, war das wieder peinlich.

Ich werde immer ganz hektisch und nervös in solchen Situationen, der Lauf aus dem Tal von Bad Feilnbach bis hinauf zum Gipfelkreuz mit einer bemerkenswerten Aussicht und zurück über eine wunderschöne lang gezogene Laufstrecke, die das Zeug hatte, meine Lieblingsstrecke werden zu können, falls ich dort leben würde, entschädigte aber für die Unruhe und die kleine Lauftruppe sah auch meine Verspätung gelassen.
Weil ich aber so hektisch war nach der Ankunft hatte ich ganz vergessen, die Batterien in meiner Stirnlampe zu wechseln. Schon auf GranCanaria waren die Batterien eher schwach. Licht wird in der Regel nicht überbewertet und es wäre sicherlich schön gewesen, die Wurzeln und die Schnee- und Eispassagen, über die wir vor allem bergab liefen, sehen und beurteilen zu können, aber ich kam dennoch runter, auch mit Hilfe von Julias Kopflicht.

In der Nacht im Bad Feilnbacher Hotel durfte Birgit dann mit aufs Zimmer, als dekoratives Element gewissermaßen und am Freitag ging es dann nach einem bescheidenen Frühstückchen über München und Kempten in die Schweiz. Ich hatte recht viel Zeit und so beschloss ich, mir noch die Firmenzentrale von X-BIONIC anzusehen, die im schönen Wollerau am Zürichsee liegt. Von dort aus hast Du einen grandiosen Blick auf richtig hohe und schneebedeckte Berge, ein Traum, dort zu leben und zu arbeiten.
Ich würde es wohl auch so machen we Niels Grimpe-Luhmann, der „Swiss Jura Angel 1“, und jeden Tag nach der Arbeit noch eine Bergstrecke belaufen. Ein Jammer, dass die Berge der Eifel nicht ganz so imposant sind …

Noch immer hatte ich etwas freie Zeit und wollte nach dem Termin um 14 Uhr, wegen dem ich diese lange Reise eigentlich überhaupt gemacht hatte, einen Freund in Pfäffikon besuchen. Dank Navigation war der Ort schnell gefunden. Ein wenig abseits, weg vom Zürichsee, aber immerhin. Nur die Eichenstraße, die ich suchte, gab es nicht.
Es gab aber einen Ort gleichen Namens nur vielleicht 50 Kilometer entfernt, direkt am Zürichsee und der direkte Nachbarort von Wollerau, wo ich am Vormittag noch bei X-BIONIC war. Und 50 Kilometer am Freitagnachmittag am Zürichsee können weit sein. Die Straßen waren voll und das Blumen pflücken während der Fahrt wäre problemlos möglich gewesen.
Als ich dann dort in der Eichenstraße ankam war es schon so spät. dass ich diesen Besuch auf einen anderen Monat irgendwann in der nahen Zukuft verschoben habe und ich fuhr weiter nach Aarau, um mit Rita und Guido Huwiler zu Abend zu essen, eine Flasche edlen chilenischen Cabernet Sauvignon zu schlürfen und über das zu reden, über das sich Läufer am liebsten unterhalten: über die Laufstrecken dieser Welt, über die anderen Läufer und über das wilde Facebook-Land, das uns die Gruppenbildung so sehr erleichtert hat.

Am frühen Samstag genossen Guido und ich das wunderschöne Frühlingswetter, liefen rund 32 Kilometerchen über die Höhen und die Grate der schweizer Juraberge, brachten rund 1.430 Höhenmeter in die Beine, redeten viel und hatten richtig viel Spaß.
Wir haben einige Gipfel und Gipfelchen mitgenommen, eine Ruine besichtigt, ein Gipfelkreuz bewundert, ein paar Mal tief in die Täler geblickt, wir sind an einem Naturfreundehaus vorbei gelaufen, haben etliche Sendemasten bewundert und wir waren vor allem eines: sehr, sehr langsam und sehr, sehr entspannt.
Und dennoch haben die Muskeln im Oberschenkel gezogen und ich befürchtete, im Elsaß nur traben zu können.
Rita kochte noch einmal Reis, mit wilden Reis gemischt und machte dazu eine leckere Gemüsebeilage aus frischem Gemüse. Es war so lecker, dass auch eifrige Fleischesser wohl das Fleisch in der Mahlzeit nicht vermisst hätten.

Dann fuhr ich über Basel und Deutschland nach Rouffach, um dort die Startunterlagen abzuholen und von dort gleich weiter Richtung Offenburg zu meinen Eltern. Dort aber war niemand da. Eltern, so dachte ich immer, sind die Menschen, die immer zu Hause sind, wenn man dort übernachten will. Da braucht man auch nicht vorher anzurufen, da war ich mir bis dahin vollkommen sicher.
Ich suchte mir das wohl schlechteste Restaurant in Gengenbach aus und danach war wenigstens die Mieterin meiner Eltern im Haus, sodass ich wenigstens einen Schlafplatz für die Nacht hatte.
Unter dem Strich aber hätte ich mir die rund 100 Kilometer lange Fahrt von Rouffach nach Offenburg und wieder zurück sparen können, wenn ich gleich im Elsaß genächtigt hätte. Und all das, weil meine Eltern ausgerechnet an diesem Wochenende mit der Regel brechen wollten, immer da zu sein, wenn man eine Übernachtung braucht.

Am Sonntag fuhren Birgit und ich dann wieder nach Rouffach. Birgit war schon ganz aufgeregt und rostete noch ein wenig stärker, weil sie endlich ihren neuen Besitzer sehen wollte. Sie bekam ihn aber nicht zu sehen.

Drei Menschen wollte ich dort am Start unbedingt treffen: Gerald Blumrich aus Kempten, mit dem ich via Facebook Chat sogar noch die Startnummern ausgetauscht hatte, Mario Schönherr, den Oranisator des Wörthersee Trails, der auch im April auf Mallorca ein interessantes Laufseminar gibt und eben Birger Jüchter, um ihm seine Birgit übergeben zu können. Es war aber so voll im Startgebiet, dass ich keinen der drei, die ich zu sehen wünschte, entdecken konnte.

Regelrecht gestolpert aber bin ich über eine Vielzahl lieber Bekannter, einer großen Truppe von Rolf und Brigitte Mahlburgs „laufend-helfen.de“, die beiden Autoren von netten Laufberichten, Günter Kromer (laufspass.com) und Bernie Manhard (M4U), ich sah Gerhard Börner, wir unterhielten uns über seinen JUNUT, seinen Jurasteig nonstop, wo ich schon jetzt beim Gedanken daran eine Gänsehaut bekomme und ich lief mit Achim Knacksterdt und wir hatten ausgiebig Zeit, noch einmal die Organisation des RheinBurgenWeg-Laufs zu diskutieren.
Iris Eschelbach sah ich bereits vor dem Start, Nicola Wahl überholten Achim und ich erst ziemlich am Schluss. Niels Grimpe-Luhmann war in netter weiblicher Begleitung und wenn ich hier jemanden vergessen haben sollte, dann mag man mir das verzeihen.
Dass Raimund Slabon und Eule Frings auch vor Ort waren habe ich erst auf den Ergebnislisten bemerkt, schade eigentlich.

Der „Trail du Petit Ballon“ ist ein wirklich netter, gut organisierter Lauf. Zwar verstecken sich 2.100 Höhenmeter auf den rund 47 Laufkilometern, aber die Strecke ist fast durchweg gut laufbar, rauf und runter, kein Vergleich mit den technisch schwierigen Graten der Juraberge, die ich tags zuvor mit Guido gelaufen bin.
Das Startgeld war für die Leistung des Orga-Teams fast beschämend niedrig (25 EUR für Vorangemeldete, 30 EUR für die Spätberufenen wie mich). Dafür gab es eine Packung grüne Nudeln und einen Cremant Sekt in der Starter-Tüte und noch eine Quechua Vliesweste für die Finisher, überall Streckenposten, die auf Dich aufgepasst haben, eine vorbildliche Versorgung, was die Auswahl der angebotenen Essen und Getränke angeht und auch, was die Häufigkeit der Versorgungspunkte angeht.
Ich selbst habe mein mitgeführtes Wasser erst ganz kurz vor dem Ziel geleert, aber auch das nur, um das Wasser nicht noch weiter tragen zu müssen.

Insofern habe ich mit dem kumulierten Schnitt von fast exakt 7:00 Minuten pro Kilometer eine für mich sehr gute Zeit herausgeholt und mein 291. Platz (42. der Altersklasse) spiegelt das auch wider. Dass Birger zurzeit so fantastische Zeiten läuft und Raimund sowieso in einer anderen Liga läuft, dass ich 12 Kilometer vor dem Ziel Achim bitten musste, alleine weiter zu laufen, um selbst einen Gang runter schalten zu können, all das war mir von Anfang an klar.
Aber wirklich interessant für mich war, dass das Muskelziehen vom Vortag schon nach wenigen Kilometern weg war, wieder ein Indiz dafür, dass Du viel mehr, viel länger und viel öfter laufen kannst als man das landläufig denkt.

Auch im Ziel habe ich Birger nicht gesehen und so musste Birgit doch wieder mit mir nach Hause fahren. Jetzt steht sie auf meinem Schreibtisch im Büro und träumt von der „verbotenen Stadt“ Düsseldorf. Denn sie war schon ein wenig traurig, wieder zu mir nach Hause zu müssen, aber sie war recht tapfer, als ich ihr sagte, dass Birger schon in 14 Tagen beim RheinBurgenWeg-Lauf teilnehmen wird. Dann werde ich sie endlich ihrem neuen Besitzer übergeben können.

Birger und Birgit werden dann ganz bestimmt eine sehr gute Liaison für die Zukunft eingehen.

Troisdorf oder warum ein 6-Stunden-Lauf schon nach 90 Minuten zu Ende war …

Am Morgen des vorigen Samstags, am Morgen vor dem 6-h Lauf in Troisdorf, der wie immer liebevoll von den engagierten M-U-T’lern organisiert wurde, fühlte ich schon wenig Motivation, diesen Lauf zu machen.
Vom Vortag taten mir die Oberschenkel noch weh, ein Handicap, das meinem akuten Trainingsrückstand geschuldet war, ich war nicht wirklich ausgeschlafen, und hatte so ein Grummeln im Magen, genug Gründe, die Bettdecke wieder über den Kopf zu ziehen und noch ein paar Schlafstündchen dran zu hängen.
Aber die vermeintliche Pflicht siegte.

Der Troisdorfer 6-h Lauf, immerhin 2005 mein Einstieg in die Welt der Ultras, wenn ich von dem Gruppenlauf rund um Ratingen, den „Ratinger Rundlauf“ am 3. Oktober 2005 absehe, stand sowieso nicht auf meiner Laufagenda, weil es eigentlich das letzte Wochenende war, an dem ich hätte arbeiten müssen, dieses Mal in der Drei-Flüsse-Stadt Passau.
Da meine Gabi mir aber für dieses letzte Wochenende frei gegeben hatte, erinnerte ich mich an die freundliche Einladung von Michael Irrgang, der mich via Facebook zu diesem Lauf hatte überreden wollen, was ich unter dem Verweis auf den Arbeitseinsatz ablehnte.
Außerdem hat mich der XING-Lauffreund Thorsten Stelter gefragt, ob wir dort in Troisdorf ein paar Worte miteinander wechseln könnten. Live hatte ich ihn seit einem nur wenige Minuten dauernden Treffen vor dem Rennsteiglauf Anfang dieses Jahres nicht mehr gesehen, alles Gründe, doch nach Troisdorf zu fahren.

Zu Troisdorf sei für diejenigen, die noch nie in diesem Städtchen waren, erklärt, dass man das „i“ im Namen nicht mitspricht. Troisdorf heißt also eher Trosdorf, hier in der Region wird Tro(i)sdorf auch liebevoll „Trostlos“ genannt. Es ist eben eine eher gesichtslose Wohnstadt für Bonn und Köln, eine der vielen Wohnstädte, die sich rund um diese schönen Städte gebildet haben.
Troisdorf ist vor allem für mich sehr nah. Und Nahes hat von jeher nur einen bedingten Charme, finde ich. Eine gesichtslose Stadt in Sachsen-Anhalt oder in Bayern ist allemal besser als etwas, das nahezu direkt vor der Haustüre liegt.

Dazu kommt, dass es in Troisdorf eine Tradition gibt, fast schon eine Gleichung. Wenn der Lauf in Troisdorf ist, dann ist auch das Wetter schlecht. Immer. Schlecht, nass, kalt.
Im Vorjahr hat es fast permanent geregnet, es begann nur wenige Minuten nach dem Startschuss, steigerte sich gegen Mittag zum Wolkenbruch und endete auch erst wieder kurz vor dem Ende des Rennens. Noch immer sehe ich die unermüdlichen Helferinnen und Helfer, die versucht haben, die schlimmsten Wasserpfützen auf dem Damm hinter dem Aggertal-Stadion weg zu wischen. Ich erinnere mich an den verzweifelten Versuch, sogar die Cola anzuwärmen, damit uns die nasse Kälte nicht allzu sehr zusetzte.
Ich erinnere mich an meinen ersten Lauf dort, damals, 2005. Beim Lauf selbst war es einigermaßen trocken, aber der Weg war noch nass vom Regen am Vortag und vom Regen in der Nacht vor dem Start.
Wenn Du dort vom Damm herunter kommst und auf die Straße trittst, dann gibt es da mitten im Laufweg eine kleine Senke im Asphalt, in der sich immer das Wasser sammelt. Damals bin ich drei oder vier Stunden lang brav um diese Senke herum gelaufen, in den letzten beiden Stunden aber war mir der Umweg zu weit und meine innere Abwägung „nasse Füße“ oder „Umweg“ wurde anders beantwortet wie in den ersten Laufstunden.
Damals hatte ich mich von den Lauffreunden des TV Altendorf-Ersdorf begleiten lassen. Ein paar Runden mit Rainer, ein paar Runden mit Katrin, ein paar Runden mit Dietmar, ein paar Runden mit meiner Gabi – und natürlich viele Runden alleine, vor allem in den ersten beiden Laufstunden.
Damals hat es aber nicht gereicht für die 60 Kilometer – und auch beim zweiten 6-h Lauf, ein halbes Jahr später in Stein/NL nicht. Erst dann, ein weiteres Jahr später, beim dritten Versuch, in Steenbergen/NL, kam ich mit ca. 64,5 Kilometern auf ein zufrieden stellendes Ergebnis. Seither habe ich keinen 6-h Lauf mehr mit Engagement gelaufen.
Im Vorjahr hatte ich in Troisdorf nach einem Marathon noch die Runde beendet und bin dann gegangen, nass und kalt wie ich war.
Und das war auch mein Plan für 2011 an diesem Morgen, wo ich unmotiviert war und besser im Bettchen geblieben wäre.

Auf der Starterliste aber hatte ich neben Melanie und Steffen Kohler auch Birger Jüchter gesehen. Melli und Steffen hatte ich schon Monate lang nicht mehr live gesehen und auch mit Birger bin ich zuletzt beim Allgäu Panorama Ultra gemeinsam gelaufen. Seine Finishertrophäe, ein Metall-Läufer auf einem Pflasterstein, steht noch immer bei uns.
Er hatte Gabi und mir seine Trophäe mitgegeben, weil ihn sein Weg weiter geführt hat zu Hauke Königs höchst privatem Frubiase TransGermany Lauf und Birger war dorthin mit dem Fahrrad unterwegs. Da hätte so eine Trophäe sicher eher gestört.
Nicht zuletzt freute ich mich auch, den stets freundlichen Michel Irrgang mal wieder zu sehen.

Mein erstes Ziel war, gut auszusehen. Ich erinnte mich bei der Beantwortung meiner Frage, in welcher Farbe ich wohl laufen würde, an das Zitat von Henry Ford.
Jens Vieler erwähnt dieses Zitat auch sehr oft und vieles bei seiner TorTOUR de Ruhr basiert auf diesem Zitat.

„Egal welche Farbe – Hauptsache: schwarz!“

Als Wintertyp steht mir schwarz sowieso am besten. Und das, was X-BIONIC in schwarz produziert, habe ich schon beim ersten Ansehen in mein Herz geschlossen.
Das Outfit war also schnell klar, eine ganz kleine Motivationsspritze war das schon. Aber eben nur eine  kleine, die nicht allzu lange anhält.

Schon an der Startlinie habe ich gemerkt: ohne eine ausreichende Portion Motivation laufen ist einfach Mist. Du haderst an allem, Du spürst Deinen Körper schon, bevor Du losgelaufen bist und Du fragst Dich von Anfang an: „Was soll ich hier?“
Noch freute ich mich über die vielen anderen Lauffreunde, darüber, Conny und Sigi Bullig, zu sehen. Und ich startete mit Thorsten Stelter und auch Birger, Melanie und Steffen waren lange bei mir.
Aber wer mich nicht begleitete, war die Begeisterung. Es war Pflicht von Anfang an, Pflicht und Zwang. Selbst auferlegt, zweifellos, aber eben dennoch Pflicht und Zwang.

Das Wetter war fantastisch, überhaupt nicht Troisdorf-typisch. Es war mild, sonnig, ein wunderbarer Tag. Ein Tag, an dem man, wie Michael Irrgang mir irgendwann sagte, auch mal Gehpausen einlegen könnte, sich intensiv versorgen lassen könnte, alles langsam angehen lassen könnte. Stimmt.
Stimmt aber irgendwie auch nicht. Denn an so einem Tag kannst Du auch etwas anderes Schönes machen als Dich von anderen Läufern überholen zu lassen. Wenn Du anfängst, das peinlich zu finden, was Du da ablieferst, dann ist es Zeit, aufzuhören.

Melanie und Steffen Kohler waren mittlerweile einhundert oder zweihundert Meter vor mir. Ich gab mir noch Mühe, die beiden einzuholen, lief noch den Rest der Runde mit den Beiden, um dann meine Startnummer abzunehmen und mit meiner Entscheidung zufrieden das Terrain zu verlassen.
Ein Drittelmarathon, immerhin. Etwas zum Auslaufen, immerhin.

Nun bleiben noch zwei Wochen Zeit, mein Pensum wieder deutlich nach oben anzupassen, lange Einheiten zu probieren, damit der KoBoLT nicht hinter einem der Tausend Bäume hervorlugt und mir eine lange Nase zeigt.

Aber zwei Wochen sind ja auch wirklich noch eine sehr lange Zeit …

Holla, was für ein Lauf!

Der Karwendellauf begann für mich eigentlich schon eine Woche zuvor an dem wunderschönen Sportwochenende im österreichischen Kleinwalsertal, an dem wir auch am Allgäu Panorama Ultra teilgenommen haben.
Diese Geschichte aber erzähle ich ein anderes Mal. Nicht, weil dieses Wochenende nicht schön gewesen wäre, sondern weil es einfach zu interessant war, es mit wenigen Sätzen zu beschreiben. Und Freunden wie Tanja Neumann, Bernie Conradt, Norman Bücher und Kurt Süsser schulde ich eine schöne Kleinwalsertal-Geschichte

Nur ein kleines Erlebnis von der Wanderung am Vortag des Allgäu Panorama Ultra sei kurz erzählt. Es war ja ein ganz besonders heißes Wochenende und wir, immerhin eine Truppe von 21 Sportlern, kehrten in einer Almhütte ein. Wir waren durstig, sehr durstig.
An der Hauswand hingen zwei Tafeln, die mit den Tagesangeboten beschriftet waren.
Johannisbeerwasser stand da geschrieben und Holunderwasser stand auf der anderen Tafel. Holunderwasser? Das klingt aber gut!

Ich erinnerte mich an meine Kindheit im oberbayrischen Bad Tölz und später dann im schwäbischen Plüderhausen bei Schorndorf. Damals gab es für uns Kinder ein Mal im Jahr ein echtes Highlight, denn da machte unsere Mutter „Holundersekt„, vollkommen alkoholfrei, natürlich.
Und dafür sammelten wir Kinder tagelang eifrig Holunderblüten, diese schönen großen weißen Dolden, die man auch lecker in einem Mehlteig ausbacken kann.
Nur wenige Tage später würden sich die weißen Dolden in schwarze Früchte verwandeln, dann ist der Zauber des Holunders weg. Aber solange der Holunder noch weiß gefärbt ist kann man so leckere Dinge damit machen wie eben den „Holundersekt„, der eigentlich nur stärker konzentriertes Holunderwasser ist.
Und dieses erfrischende Holunderwasser gab es in dieser Hütte und in der nächsten, in der wir einkehrten, gab es das auch. Ich hatte fast schon den köstlichen Geschmack des Holunders vergessen, aber alle Erinnerungen waren sofort wieder da, als die ersten Schlucke des Holunderwassers die Kehle runter rannen.


Und dann kam der Karwendellauf. In der Vorbereitung schaute ich auf die Webseite, suchte nach den Verpflegungspunkten,

  • Larchetalm (1.174 m)
  • Karwendelhaus (1.765 m)
  • Kleiner Ahornboden (1.399 m)
  • Falkenhütte (1.846 m)
  • Eng (1.200 m)
  • Binsalm (1.500m)
  • Gramai Hochleger (1.895 m)
  • Gramai (1.263 m)
  • Falzturn (1.098 m)
  • Pertisau am Achensee (Ziel – 931 m)

die die Österreicher liebevoll „Labestationen“ nennen, und ich schaute auf den Menüplan, über den ich ja schon im Vorbericht hier etwas geschrieben habe:

„… an allen Labestationen gibt es wieder Tee, Hollasaft (von den Bäuerinnen aus Niederndorferberg) und Wasser.

LARCHETALM: Obst, Kekse
KARWENDELHAUS: Obst, Riegel, Brote, Kartoffelsuppe
KLEINER AHORNBODEN: Obst, Kekse
FALKENHÜTTE: Riegel, Brote, Hafersuppe
ENG: Obst, Kekse, Heidelbeersuppe, klare Suppe (Gemüsefond), Joghurt
BINSALM: Obst, Riegel, Joghurt
GRAMAIHOCHLEGER: Obst, Brote
GRAMAI: Obst, Riegel, klare Suppe (Gemüsefond)
FALZTURN: Obst, Kekse, Joghurt
PERTISAU: Obst, Kekse, Brote, alkoholfreies Weißbier“

Hollasaft“ gab es also, las ich und ich fragte mich, was das wohl sei. Dabei wäre die Lösung so einfach gewesen. „Hollasaft“ ist Holunderwasser, ist so etwas wie der „Holundersekt“ meiner Kindheit.
Holunderwasser gehört offensichtlich in der dortigen oberbayrisch / österreichischen Gegend zum normalen Leben dazu. Schade, dass ich dort nicht mehr wohne …

Aber der Karwendellauf 2011 hatte viel mehr zu bieten als Hollawasser.
Normales Wasser gab es nämlich auch. Und das nicht zu knapp.
Zumeist kam es von oben.
Als hätte der Wettergott die Trockenheit mancher Monates dieses Jahres an einem Tag korrigieren wollen, ließ er es auf die Läufer und Wanderer im Karwendelgebirge herunter regnen, dass zumindest bei mir nichts, aber auch wirklich nichts mehr trocken blieb.
Zwei Stunden lang hatte der Regen, der die ganze Nacht schon auf uns herabprasselte, nach dem Start aufgehört und uns in Sicherheit gewiegt, doch einen einigermaßen trockenen Lauf zu bekommen. Aber dann zeigte uns der Wettergott, dass man sich nie zu früh freuen darf.
Und das Wasser von oben verwandelte sich später sogar in Hagel und auch in Schnee, in so viel Schnee, dass die Veranstalter um 14:00 Uhr, ich war gerade eine gute Stunde lang im Ziel angekommen, die Strecke nach der Labestation Eng (km 35) schlossen. Die Wanderer, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht dort angekommen waren, wurden dann mit Bussen nach Pertisau gefahren.
Die Sicherheit der Teilnehmer steht eben an oberster Stelle.

Und es gewitterte sehr. Ein Donner kam so kurz nach dem Blitz, dass die Entfernung zum Einschlag wohl nur wenige 100 Meter betrug. Es knallt dabei so laut, dass ich schon etwas ängstlich wurde.

Aber das schlechte und extrem kalte Wetter konnte nichts dagegen ausrichten, dass man die Schönheit der Karwendelberge zumindest erahnen konnte. Wenn ich in der Woche zuvor beim Allgäu Panorama Ultra noch dachte, dass es kaum schönere Aussichten gibt, so steht dieser Trail dem im Allgäu in Nichts nach.

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Und noch etwas erinnerte mich an den Ultra der Vorwoche. In Sonthofen am Start traf ich Bernie Manhard und beim Start in Scharnitz traf ich ihn wieder. Wir liefen bis zum ersten Gipfel nebeneinander und quatschten über alles, was uns Läufer interessiert, über andere Läufe und über andere Läufer.
Bernie, der auch für Klaus Duwe’s marathon4you schreibt, lief im Karwendel übrigens seinen 50. „langen Kanten“ – 50 „Marathon und länger“. Glückwunsch, Bernie!
Zu uns gesellte sich sehr früh ein Franke aus Bayreuth. Dieter Ladegast läuft seit mehr als einem Dutzend Jahren und er wandert, paddelt und sportelt mit seinen beiden Söhnen enorm viel.


Es war eine wahre Freude, sich mit ihm auszutauschen. Seine besondere Stärke ist dabei das Bergab-Laufen. Nach dem ersten Berg entwischte er mir und ich holte ihn erst oben am zweiten Berg wieder ein.
Bis auf den dritten Berg, der auch den höchsten Punkt des Tages markierte, gingen und redeten wir zusammen und wir bedauerten diejenigen, die sich von der Wärme der Vortage hatten blenden lassen und nur im Laufshirt unterwegs waren.

Da war beispielsweise eine Läuferin, die so stark unterkühlt war, dass sie eine goldene Notfalldecke um den Körper schlang und damit stundenlang lief, eine Läuferin ließ sich an einer Labestation Plastikhandschuhe geben, um die klammen Finger wenigstens ein wenig zu wärmen. Die Station nutze diese Plastikhandschuhe beim Belegen der leckeren Käse- und Wurstbrote, jetzt hatten sie offensichtlich eine weitere Nutzung erfahren.
Auf dem dritten Berg verteilten die Veranstalter schwarze Mülltüten, in die sich zitternde Läufer einpacken konnten, viele aber spielten den Helden und ließen es sich nicht anmerken, dass sie bei Temperaturen von nur zwei Grad auf den Bergspitzen und kalten neun Grad in den Tälern „wie die Schneider“ froren.

Ich selbst hatte Glück: als ich am Vortag meine Sachen packte, überlegte ich lange, ob ich die Armlinge mitnehmen sollte. Ich entschied mich dann dafür, weil die beiden Armlinge nun wirklich nichts wiegen und auch keinen Platz weg nehmen. Dass ich vom Start bis zum Ziel darin laufen würde hätte ich nicht gedacht.
Zudem trug ich eine super tolle Laufweste, die speziell für Läufe im Regen konzipiert wurde. X-BIONIC, das habt ihr wirklich toll gemacht.

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Der Lauf selbst ist kurz erzählt, mit 52 Kilometern Länge gehört er auch zu den eher kurzen Berg-Ultras.
Am Anfang steigt die Strecke gut laufbar permanent leicht an, drei Berge, einer davon mit einer Art Doppelspitze, sind zu bewältigen, all das auf klassischen Trails.
Die Landschaft um die Strecke herum ist zauberhaft und die kleinen Highlights am Rande, wie beispielsweise das Falkenhaus, sind österreichisch, ursprünglich und wunderschön, ein echter Tipp für ein interessantes Familienwochenende.
Nach dem dritten Berg, mit 1.903 HM auch hoch genug, um hochalpine Wetterverhältnisse zu erleben, hast Du fast einen Marathon hinter Dir und dann ab da geht es abwärts.
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt 5:40 Stunden auf der Uhr und in den folgenden 20 Minuten war das Geläuf so schwierig, dass ich selbst bergab keine Verbesserung meiner kumulierten Durchschnittsgeschwindigkeit verzeichnen konnte.

Dann aber, nach dem Marathonpunkt, war es wieder richtig gut zu laufen. Gut und schnell.

63 Minuten hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch übrig, um „unter 7 Stunden“ zu finishen. Und ich lief, rannte und drückte, ungefähr bis zur 50km-Marke. Dann hatte ich noch 16 Minuten Zeit für diese kleine Reststrecke und die Lust, mich weiter zu quälen, sank, ich reduzierte also das Tempo und kam mit rund 6:55 Stunden sauber und deutlich unter der mir selbst gesetzten Marke an.

9 Minuten 11 Sekunden brauchte ich für jeden einzelnen Kilometer beim Allgäu Panorama Ultra, 7 Minuten und 59 Sekunden waren es im Karwendel.
Für mich eine gute Zeit, dennoch schaffte ich es nicht einmal in der Altersklasse ins vordere Drittel.

Das Ziel im schönen und edlen Pertisau am Achensee hatte ich ja schon im Frühjahr von der anderen Seeseite her gesehen. Beim MIAU sind wir ja am Achensee entlang gelaufen, den Blick immer auf Pertisau gerichtet. Dass ich so schnell wieder am Achenseee sein würde hätte ich damals nicht erwartet, umso schöner, nun von Pertisau aus auf die Teilstrecke des MIAU zu schauen.

Ganz sicher hat der Karwendellauf besseres Wetter verdient. Schon in den Vorjahren waren die Himmelsschleusen geöffnet, ein Jammer, wenn man bedenkt, wie schön diese Gegend und wie gut ausgesucht der Laufweg ist. Wenn man zudem bedenkt, wie aufwändig die vielen Labestationen bestückt und bedient werden, dann hätte dieser Lauf auch mehr Läufer verdient. Wanderer gibt es genug.

Mit 35 EUR Startgeld (Nachmeldungen plus 5 EUR), ChampionChip Zeiterfassung, leckerem Hollawasser und bester Versorgung, mit einem Finisher-Paket inklusive einer originalen SIGG-Thermoskanne bekommst Du als Läufer hier einen ungewöhnlich hohen Gegenwert für das Startgeld. Wie die dortigen Gemeinden das alles stemmen können, finanziell wie auch von der Manpower her, ist schon erstaunlich und bewundernswert.

Für mich bleibt der Eindruck, dass ich über dieser Lauf, trotz des Wetters, nur eines sagen kann: „Holla!“

Karwendelmarsch / Karwendellauf

Als Kind, noch im bayrischen Bad Tölz lebend, besuchte ich oft das Karwendel-Gebirge. Am Achensee gingen wir damals oft Ski laufen. Von Bad Tölz aus war das Karwendel nah und eben ein perfektes Naherholungsgebiet.
Dass ich dort aber irgendwann einen Lauf machen würde hätte ich mir damals nicht träumen lassen. Doch jetzt ist es soweit.


Schon vor zwei Jahren bin ich eher zufällig auf den Karwendelmarsch gestoßen. Wegen der Teilnahmen am UTMB und ein Jahr später am PTL konnte ich dort jedoch noch nicht dabei sein.
So ein Jahr ohne Chamonix hat also auch Vorteile …

Das besondere an diesem Lauf ist nicht, dass es eine kurze und eine Ultra-Strecke gibt, sondern, dass man wählen kann, ob man marschiert oder läuft. All das erinnert mich an den 100 km Dodentocht-Lauf in Belgien vor wenigen Wochen.
Natürlich laufe ich und mein Zeitziel ist es dabei, keinesfalls länger zu brauchen als die 9 Minuten 11 Sekunden pro Kilometer, die ich in der Hitze von Sonthofen für den Allgäu Panorama Ultra gebraucht habe.
Es darf aber gerne auch 41 Sekunden schneller sein, mal sehen …

3 Berge sind zu bewältigen, die Bergspitzen liegen dabei auf 1.771 Metern, auf 1.848 Metern bzw. auf 1.903 Metern über dem NormalNull (N.N.). Immerhin addieren sich die Höhenmeter auf 2.281, in etwa auch das, was der legendäre Davoser K78 bietet.
Verteilt auf eine Länge von ca. 52 km bedeutet das, dass es deutlich mehr bergauf geht als in Davos, ein gutes letztes Training vor dem TdG.


Der Start ist dabei im österreichischen Scharnitz, auf Anfang 900 Höhenmetern und das Ziel ist im österreichischen Pertisau, einen hübschen Dörfchen direkt am Achensee. Die Berge, über die es geht, durfte ich beim diesjährigen MIAU (München-Innsbruck-Alpin-Ultra) schon bewundern.

Das letzte Training vor dem TdG, wie wahr. So schnell geht das dann plötzlich.
Uwe Herrmann hatte vor einigen Wochen den „halben TdG“ in Les2Alpes gelaufen, Eric Tuerlings holt sich seine Höhenmeter beim UTMB, ich bescheide mich mit dem Allgäu Panorama Ultra am vergangenen und diesem Karwendellauf an diesem Wochenende.
Fast alle österreichischen und bayrischen Berge sind besser als die Hügel der Eifel …

Vorbildlich scheint mir die Versorgung zu sein. Insgesamt gibt es 11 Verpflegungspunkte an der Strecke und neben Wasser und Tee freue ich mich vor allem auf den Hollasaft (von den Bäuerinnen aus Niederndorferberg). Was das genau ist, weiß ich nicht. Wenn ich danach aber „Holla“ dazu sagen kann, dann wird der Hollasaft alleine die Reise Wert gewesen sein.

Es ist das vorletzte Wochenende vor dem Start zum TdG in Courmayeur, das letzte Bergtraining. Am kommenden Wochenende geht es noch einmal um die „schönste Stadt der Welt“ herum, um Köln und dann … dann … zählt es wirklich!