In April …

Johnny Flynn hat einen Song über ihn gemacht: „In April“ heißt er.
Es ist ein Lied über die Liebe, worüber auch sonst. Und in diesem Lied singt Johnny Flynn:

Drunk in a field of scarlet snow
I reconciled with your ghost
In April..

Betrunken, ein Feld von scharlachrotem Schnee, mit ihrem Geist versöhnt, im April? Na ja, ich weiß nicht recht, ob diese Zeilen für mich den April charakterisieren können.

Aber auch die legendäre Rockgruppe Deep Purple hat einen Song über ihn geschrieben: „April“ heißt er. Das war 1969. Und wie heißt es da:

April is a cruel time
Even though the sun may shine ..

Und die Melodie ist dumpf und bedrückt und passt zu den Zeilen, dass da ein grauer Himmel wäre, wo er doch blau sein sollte, ein grauer Himmel, wo ich Dich sehen sollte.

Grey sky where it should be blue
Grey sky where I should see you ..

1969 gab es ja noch nicht den JUNUT (www.junut.de), statt 239 Kilometer auf dem Jurasteig zu rennen war damals die Devise, in den gegebenen 54 Stunden mindestens 239 Zigaretten zu inhalieren und als kleinen Kick noch an und in den 12 VPs (plus Start / Ziel) jeweils einen Joint zu rauchen.
Da lobe ich mir die gesunde Verpflegung des JUNUT und ich weiß, wie schön der April durch dieses Rennen sein kann.

Und wenn bei Deep Purple Streicher und Blasinstrumente phasenweise fast klassische Musik zelebrieren, bis endlich nach knapp neun Minuten der dumpfe Rock und die von Zigarettenrauch und Drogen malträtierte Stimme von Rod Evans einsetzen, dann lobe ich mir die guten Gedanken an meine bisherigen drei Starts in Dietfurt im Altmühltal und an die sonnigen Phasen dort, aber auch an kalte Nächte, in denen wir, von dicken Feuerwehrjacken gewärmt und mit noch dickeren (See-)Rettungswesten geschützt, zu mitternächtlicher Stunde in Matting von den tapferen Jungs der Freiwilligen Feuerwehr mit dem Boot über den Fluss gebracht wurden und das auch wieder werden.
Für mich ist es immer wieder erneut ein Erlebnis, diese Jungs zu sehen, die sich für unsere Rudelrennerei die Nacht um die Ohren schlagen, um im Mattinger Feuerwehrhaus einen Verpflegungspunkt aufrecht zu erhalten, Jungs, die uns die Möglichkeit eines Power-Nappings einräumen und jeden Einzelnen von uns dann über den Fluß bringen, damit wir unseren Weg auf dem Jurasteig fortsetzen können. Well done, Jungs, vielen herzlichen Dank!

Diese guten Gedanken führen diese Musik mit klassischem Einschlag weiter, zumindest in meinem Kopfkino und ich glaube nicht an den viel besungenen April-Regen, sondern ich vertraue auf Sonne satt, auf trockene Wege, auf wunderbare Blicke über das schöne Altmühltal und ich freue mich schon jetzt auf die warme, vegetarische Suppe in der Klosterwirtschaft in Pielenhofen.

Wenn die TorTOUR de Ruhr eine Kult-Veranstaltung ist, dann ist der JUNUT eine Herz-Veranstaltung. Wärme, Liebe, Herz.

Aber der kommende April ist mit seinen insgesamt mindestens 405 Wettkampf-Kilometern wahrlich nicht nur der JUNUT.
Iznik.jpgDa ist ja auch noch die warme Türkei. Und der schöne Iznik-See und die 135 km rund um diesen großen Tümpel. Nur eine Woche nach dem JUNUT heißt es beschleunigen, um die Cut-Offs dort zu schaffen. Statt der Überlegung, ob man allzu viel frieren wird steht da die Sorge ob zu viel Sonne, zu viel Hitze und zu viel Staub im Vordergrund.
Da ich jedoch weiß, wie freundlich die Veranstalter dort zu mir und den anderen Läufer*innen sind, weil ich weiß, dass ich dort viele türkische Freunde wiedersehen werde und weil mich jeder Lauf in der Türkei ganz besonders berührt, wird der IZNIK ULTRA (http://www.iznikultra.com/english/) wieder ein ganz besonderes persönliches Highlight in meinem kurzen Lauf-Lebenslauf sein.
Mit dem Flieger nach Istanbul, mit dem öffentlichen Bus weiter, viel Lokalkolorit, viel zu sehen und dann auch hoffentlich viel zu erzählen.

But in April it sounds like love
When you call
You call my name
You call my name

Die deutsche Gruppe Wonderwall hat ja auch über ihn gesungen: “In April”, ebenso wie der Titel von Johnny Flynn, aber mit einer zauberhaften Stimme, mit viel Liebe und mit einer guten Melodie. Und der Text passt viel besser zu dem April, der nun vor uns steht, insbesondere vor mir steht.

Und nach Deutschland und der Türkei kommen auch noch 85 Kilometer in den Innsbrucker Alpen. Das Innsbruck Alpine Trailrun Festival (http://www.innsbruck-alpine.at/#/) bringt mich zum Abschluss des Monats noch einmal etwas höher hinauf. 3.600 Höhenmeter, der höchste Punkt auf 1.631 Metern über N.N., der “Heart of the Alps Ultra”, wie er sich selbst nennt.

Was für ein April also …

I’m not here – I’m not there
Took a ball point pen to write you ..

Ich bin nicht hier, ich bin nicht da, singen Wonderwall, aber auch ich nehme einen Kugelschreiber, um Dir, um Euch, zu schreiben.

And my tears
They create
They create a lake of sorrows ..

Aber hier irrt die Truppe von Wonderwall. Meine Tränen werden kein Meer aus Kummer machen, nicht im April. Denn zwischen dem JUNUT und dem IZNIK ULTRA liegt ja der 11. April.
Und damit mein, nein, unser, Hochzeitstag.
Noch dazu ein runder, der dreißigste. Unsere „Perlenhochzeit“.

(Kleiner Exkurs zur Namen „Perlenhochzeit“:
Die Perlen, die auf der Perlenkette aneinandergereiht sind, stehen symbolisch für die vielen sich aneinanderreihenden Tage der Ehe. Jede Perle soll an ein Erlebnis der gemeinsam verbrachten 30 Ehejahre erinnern. Die Bedeutung der sich aneinanderreihenden Perlen weist also einerseits auf die Länge hin, die die Beziehung nun bereits überstanden hat. Und sie zeigt gleichzeitig, dass es sich um eine sehr wertvolle Partnerschaft handelt. So wertvoll wie Perlen.)
30Und dazu noch einmal Wonderwall, denn hier hat die Truppe wieder Recht:

The moon shines brighter
Than it did before
The clock strikes twelve
There’s no time
Time to sleep
We’ll go upstairs
Straight to the sky ..

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Danke für dieses Jahr 2013


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Mein Laufjahr 2013 war ähnlich wie der „Zug des Lebens“ in diesem YouTube-Video.

Ich saß in meinem Abteil und nahm wie jeder andere seinen Weg nimmt, meinen Weg. Dieser führte mich über das India Ultra Race in den indischen Kerala-Bergen, besucht vorwiegend von neuen französischen, belgischen und singapurianischen Freunden, unter anderem nach Andorra, ins österreichische Pitztal, zum schweizer Eiger und zu Günter Kromer ins schöne Baden.
Vor dem TransGranCanaria durfte ich drei Wochen lang auf dieser imposanten Insel Urlaub machen, dann ging mit Frank Nicklisch an und um den Müritz-See, es gab Nachtläufe in der Eifel, auf der berühmten Treppe in Radebeul, bei Gerhard Börner’s JUNUT und auch einige lange Nächte in England beim Thames Ring Race, dem bisher zeitlich und entfernungsmäßig längsten Lauf meines kleinen Sportler-Lebens.
In Nepal rückte ich menschlich eng mit Henk Sipers zusammen und in Chamonix lernte ich viele Bewohner des Deutschen Hauses entweder besser und näher oder sogar ganz neu kennen. Der Lauf war dabei für mich ein genauso freudig prägendes Erlebnis wie das Erleben dieser wunderbaren Menschen. Noch heute trage ich das rot-weiße UTMB-Bendelchen um mein Handgelenk, um mich ständig an diese vielleicht schönste Woche des Jahres 2013 zu erinnern.

Manch einer von Euch ist in diesem Jahr in mein Abteil eingestiegen, einige haben es aber auch verlassen. Manche haben nur kurz herein geschaut, manche sind gerne darin sitzen geblieben. Jeder, wie er es mag. Gerne hätte ich mein Abteil weiter aufgemacht für den Einen oder Anderen und auch manche hätte ich gerne daran gehindert, mein Abteil zu verlassen, aber im Leben müssen wir alle den Weg gehen, der uns vorbestimmt ist, der für uns gut ist und der uns weiter bringt.

Manch einen habe ich in meinem Abteil ungerecht behandelt, nicht ausreichend gewürdigt oder sogar seine Erwartungen nicht erfüllen können oder wollen. Ich bin jedoch dankbar, dass es einige von Euch gab, die eingetreten sind und noch immer in meinem Abteil verweilen und die mit ihrer Aufmerksamkeit und Freundlichkeit dieses Abteil wärmen und die damit dafür sorgen, dass ich hoffe, dass es für diese Fahrt niemals ein Ziel, ein Ende geben möge.

Neben den Erfolgen und Glücksgefühlen in diesem Jahr gab es natürlich auch die kleinen und großen Enttäuschungen. Jin Cao und Niels Grimpe-Luhmann haben eine davon aus der Nähe erlebt. Der Darmvirus (Giardia-Lamblia-Infektion), den ich mir aus Nepal mitgebracht habe, hat mir in Andorra und in der Schweiz den Lauf verleidet und mich zum Abbruch gezwungen, im Pitztal habe ich mich deswegen gleich entschlossen, „nur“ den kleineren Lauf zu wagen.

Jetzt schaue ich gespannt aus dem Abteilfenster, strecke meinen Kopf in die Kühle des Fahrtwinds und schaue gespannt und mit Freude nach vorne. Und ich sehe da zuerst den kleinen privaten KoBoLT, den ich mit Andreas Haverkamp gemeinsam rein privat ablaufen werde. Vom 11. Januar auf den 12. Januar sehe ich uns auf dem Rheinsteig zwischen Koblenz und Bonn, die gute Tradition fortsetzend, die wir auf Gran Canaria begonnen und mit dem kompletten Hermannsweg fortgesetzt haben.
Schon kurz danach sehe ich mich unter anderem mit Joe Voglsam um den Neusiedler See laufen, 120 hoffentlich schneereiche Kilometer meist auf österreichischen, teils aber auch auf ungarischem Staatsgebiet. Es wird eine hervorragende Möglichkeit sein, mich bei Joe für die Unterstützung und bei fitRabbit für die zusätzliche Power zu bedanken, die mich schon ein Jahr lang anschiebt und motiviert.

Ein wenig weiter vorne sehe ich dann den hohen und wahrscheinlich tief verschneiten Brocken, auf dem nicht nur die Hexen Walpurgisnacht feiern, sondern wir auch mit einer ganzen Heerschaar an hervorragenden Läufern ein gemeinsames Gipfelfest feiern werden, alles zum Wohl derer, die weniger Glück im Leben haben wie wir.
Und um diesem Gedanken der Nächstenhilfe gerecht zu werden, sehe ich mich im Juli, weit hinter den Läufen auf Gran Canaria, auf dem Hermanns- und dem RheinBurgenWeg, auf dem ich auch 2014 wieder den Einen oder Anderen von Euch begrüßen darf, im Altmühltal und an der Ruhr, hinter dem Trail Yonne im schönen Burgund und dem GUCR im sommerlichen England, eine große Runde um Köln und Koblenz laufen, um erneut Gelder zu sammeln für den Bonner Bunten Kreis, dessen Grenzen sich im neuen Jahr im Norden bis nach Köln und im Süden eben bis nach Koblenz ausdehnen werden. Jeder Euro, der dabei erlaufen werden wird, wird dann vor allem Frühchen und ihren Familien helfen, mit ihrem Schicksal besser umgehen zu können und ein glückliches und normales Leben leben zu können.

Und direkt danach sehe ich schon die hohen Berge Andorras, die Alpen zwischen Sölden und Meran und ganz weit hinten am Horizont sehe ich durch den Dampf der Lokomotive in der Ferne den majestätischen Mont Blanc. In 2014 will ich mir endlich die Finisher-Weste des PTL abholen und das gemeinsam mit Jörg Kornfeld und einer dritten Frau oder einem dritten Mann, die oder der aber bisher noch nicht gefunden sind. Aber es ist hier so romantisch wie bei einer Verlobung: versprochen sind wir schon!

Und auch in 2014 werden wahrscheinlich einige neue Freunde in mein Abteil einsteigen und auch dann werden einige wieder gehen.
Ich aber hoffe, dass Du, der Du Dich im Moment in meinem Abteil befindest, noch ein langes Weilchen bleibst und mich mit Deinen Hinweisen, Deiner Kritik und Deiner Aufmerksamkeit unterstützt.

Ich sage Dir DANKE FÜR DIESES JAHR 2013 und ich wünsche Dir und mir eine GUTE REISE … !