In Kalterherberg wurde es mir warm ums Herz …

Monschau1„Eigentlich hätte Jürgen Sinthofen diesen Bericht schreiben müssen“ schrieb ich im Vorjahr in meinem Bericht über den Monschau-Marathon („New York, Monschau, Tokyo„). Jürgen ist ein „Sammler“ von Hauptstadt-Marathons auf dieser Welt. Und weil Monschau ja die heimliche Hauptstadt der Eifel ist, dachte ich, dass das ein Lauf für ihn sein müsse.

2015 war es dann so weit. Jürgen trat die weite Fahrt nach Konzen bei Monschau an, um diese 42,2 Kilometer unter die Füße zu nehmen.
Heraus kam ein netter und detailreicher Bericht, den zu lesen ich Dir gerne ans Herz lege.
Nur wiederholen will ich nicht, was da schon geschrieben steht.

Muss ich ja auch nicht. Der Monschau-Marathon hatte für mich heuer sowieso eine ganz andere, eine eigene, eine fast heilige Bedeutung.
Nachdem es mir in der Türkei nicht vergönnt war, meinen 200. „Marathon und länger“ (MuL) zu laufen, mir der Mauerweglauf in Berlin zeitlich zu weit weg war und weil ich mich auch richtig frisch und fit fühlte und das gerne überprüfen wollte, dachte ich: „Monschau – this is the place!“
Welcher Lauf wäre denn besser für solch eine „200“ besser geeignet?Monschau2Monschau-Marathon, das ist Heimat.
Nur rund 80 Kilometerchen von meinem Wohnort in der Grafschaft entfernt ist es einer der ganz besonders nahe gelegenen Marathons. Und Monschau und das Umland sind sehr ähnlich wie Ahrweiler und sein Umland. Ein Blick und Du scheinst alles und alle dort zu kennen.

Monschau-Marathon, das sind Freunde.
Obwohl ich dort erst zum zweiten Mal gelaufen bin, kenne ich viele der handelnden Personen. Ich kenne die Stellen, an denen die VPs stehen, ich kenne viele Menschen, die an den HotSpots die Strecke säumen, um uns zuzujubeln und viele der Helferinnen und Helfer, die Dir Wasser, Iso, Tee, Cola, den berühmten Löffel Honig, Riegel, Bananen, Orangen reichen oder eben Schwämme, die Du zur Abkühlung gerne nimmst.

Monschau-Marathon, das ist Familie.
Allein aus meinem, aus Deinem, aus unserem engsten läuferischen Umfeld, standen so viele Namen lieber und liebster LäuferInnen aus der Familie auf der Startliste, dass das Lesen derselben allein schon ein Genuss war. Meine Lauftruppe des TV Altendorf-Ersdorf war mit einer Zweierstaffel vertreten, „statt Köln“ (Margit und Andreas) und beim Marathon lief Frank, mit dem ich die erste Hälfte der Strecke genießen durfte.
Joe Kelbel war auf der Ultrastrecke, ebenso Christian Pflügler, Holger Boller, Thomas Hildebrand-Effelberg, Helmut Hardy, Hans Würl und Lars Schläger, um nur einige der drei Handvoll enger Freunde zu nennen. Betty Mecking, Nile Niederreuther und Jörg Segger als KÖLNPFAD-Läufer waren ebenfalls auf der Ultrastrecke unterwegs.

Und von den 433 Finishern des Marathon will ich erst gar keine Namen heraus picken, es sind einfach zu viele.
Einen aber, der für mich mindestens auch „Familie“ ist und den ich viel zu selten sehe, will ich aber doch erwähnen:
R(ud)olf Mahlburg gab sich die Ehre, als Walker nur, da er zurzeit besser Trecker fährt als läuft, wie er selbst sagt. Meine Ultralauf-„Karriere“ ist eng mit seinem Namen und seinen Veranstaltungen von Laufendhelfen.de verbunden. Mindestens ein gutes Dutzend meiner 200 MuL habe ich bei ihm und mit ihm hinter mich gebracht.Monschau3Und weil es ja dieses Jubiläum war hatte ich tatsächlich gar keine Ziele. Ob ich wieder die 4:18:30 Stunden aus dem Vorjahr erreichen würde, ob es 4:30:00 Stunden oder auch 5:00:00 Stunden würden, es war mir vollkommen egal. Ich war entspannt und glücklich. Für die meisten, die ich überholen durfte, zumeist Ultras, hatte ich die Zeit, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln, ein Drücker hier, ein Küsschen da, ein paar Worte über dies und das und ein paar Hundert Meter mit R(ud)olf – es war herrlich, wunderbar.
So entspannt war ich noch nie, so ziellos, so wenig ergebnisorientiert, war ich noch nie.

Nach der halben Strecke ließ ich Frank stehen, um die zweite Hälfte etwas schneller zu laufen. 2:11:00 Stunden für die erste Hälfte war ja angesichts der Steigungen gar nicht so schlecht, aber da ging noch was, dachte ich. Und eine durchschnittliche Pace von 6:20 Minuten pro Kilometer ist ja auch nicht zu verachten. Zu schnell für Berlin ist sie auf jeden Fall.
Aber wenn man es dann mal lauen lässt, dann sinkt die kumulierte Zeit kontinuierlich und irgendwann war sie dann unter 6:10 Minuten pro Kilometer.
Das war dann in Kalterherberg, am höchsten Punkt der Strecke, dort, wo so viele Menschen unserem bunten Treiben beiwohnten.
Das war der Moment, in den ich beschloss, nun doch auf Zeit zu laufen.
Eine „unter 6“ musste her bei meinem 200. MuL, so der Vorsatz. Und die Menschen an der Strecke klatschten, dass mir warm ums Herz wurde.
Ganz besonders feuerte mich immer wieder eine Lady an, der mein KÖLNPFAD Shirt so gut gefiel. Ich bin zwar sicher, dass sie nicht wirklich wusste, was der KÖLNPFAD ist und wie lange man dafür laufen muss, aber sie las nur „KÖLLE“ und rief jedes Mal „Kölle Alaaf!“ und reckte einen Daumen nach oben.

Das mit der weiteren Beschleunigung funktionierte gut, trotz einiger Steigungen, die mich immer wieder zurück warfen, ich lief auf der Ebene nun meist eine Pace von 5:20 Minuten pro Kilometer, runter bis zu einer kumulierten Zeit von 5:58 Minuten pro Kilometer, mit der ich dann ins Ziel einlief. Nach 4 Stunden, 12 Minuten und 5 Sekunden.

Es flossen keine Tränen bei mir, aber ich war weiterhin entspannt und ich genoss den Moment und die schöne Zeit danach.
Ich traf noch Holger, Lars, Jürgen, Thomas und auch noch Andere, es gab ein Drücker hier, eine Gratulation da.
Was es aber nicht gab, war eine Rose.
Die gab es nämlich nur für die Damen, nicht für die, die ihren 200. MuL gefinished haben.

Und wenn ich nach 2016 schaue und alles einigermaßen nach Plan läuft, dann werde ich dort in Konzen bei Monschau am 14. August 2016 meinen vielleicht 222. MuL finishen.
Denn Monschau-Marathon, das ist Kult.

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Yohana Gerson Masaka – der Guide

Der wichtigste Mensch bei einem schwierigen Bergaufstieg wie dem auf den Kilimanjaro, auf den Uhuru Peak, den Freiheitsgipfel, ist stets Dein Guide. Der Guide zeigt Dir nicht nur den Weg, er bestimmt auch Dein Tempo, damit Du keine Höhenkrankheit bekommst, damit Du nicht überfordert bist, er sieht aber auch, wenn Du unterfordert bist.

Der Guide kontrolliert und dirigiert auch die Träger, die Köche, die Assistant Guides, er regelt die Einschreibung bei den Nationalparks und er ist auch der, der dafür Verantwortung trägt, dass die Truppe bei Laune bleibt.

Unser Guide hieß Yohana.

(Klicken zum Vergrößern … )

Yohana ist ein klasse Typ. Lustig, aber dennoch aufmerksam. Und zudem ist er sehr großzügig. Er bot uns schon früh an, dass wir, sofern wir nach der Gipfelbesteigung noch Kraft und Lust hätten, mit ihm runter gehen dürften zum „Ash pit“, zum kreisrundesten Krater der Welt, ein Privileg, das Kilimanjaro-Besteiger nur höchst selten bekommen.

Es war auch auf dem Weg vom Uhuru Peak zu jenem Asche Eimer („Ash pit“), wo ich das nachfolgende Foto von Yohana machen konnte. Mitten in der Sandwüste des Kraters stehen fast senkrecht Gletscherwände, an die Du Dich lehnen kannst.
Yohana hat das mit besonderer Leidenschaft getan.

(Klicken zum Vergrößern ... )

Es war heiß, anstrengend und mühselig, zum Krater zu kommen, aber für Andreas Klotz und mich war dieses Erlebnis etwas, von dem wir lange zehren können. Fotos vom „Ash pit“ gibt es aber erst später …

Heissa Safari …

… der Amboseli NP war die erste Station in Afrika!

Große Flamingo-Kolonien muss man nicht sehen. Man riecht sie.
Und Du erkennst an den weißen Rändern der Seen, dass es hier oft viele Flamingos geben muss, die zwar alle besser auf einem Bein stehen können als wir Menschen, aber deren Exkremente oft zu einem Problem für den See werden können. Für die Menschennase ist das auf jeden Fall ein Problem.

Dem gegenüber steht aber die Eleganz, die Schönheit und die Grazie dieser Vögel und nichts ist schöner als das gemeinsame Auffliegen von Tausenden von Flamingos, wenn sie sich vor einem herannahenden Hubschrauber retten wollen. Die dabei entstehenden Geräusche und das weitläufige Bild, das sich ergibt, machen die Begegnung mit Flamingos zu einem ganz besonderen Erlebnis.



Der Ambroseli Nationalpark liegt ganz nah am Kilimanjaro, wenn man ihn vom Machamé-Gate aus besteigt. Es gibt wie im N’Gorongoro Nationalpark einen wunderschön runden Krater. Er ist nur viel kleiner im Ambroseli Nationalpark und die Kraterränder sind wesentlich niedriger. Die Tiere im Ambroseli Nationalpark findest Du allerdings eher im weitläufigen Land vor dem Krater. Es gibt relativ viele Tiere, die „big five“ allerdings gibt es nicht komplett.
So vermisst Du schmerzlich die furchterregenden Löwen, die jede Safari besonders spannend machen, obwohl sie bei weitem nicht die gefährlichsten Tiere Afrikas sind. Die Nashörner und die „Hippos“, die Flußpferde, sind da schon erheblich tödlicher für uns Menschen. Aber auch die haben wir im Ambroseli Nationalpark vermisst.

Also begnügte ich mich mit den Erinnerungen an die Safaris von 2005 im Tarangire Nationalpark und eben im weltberühmten N’Gorongoro Nationalpark, mit den Blicken auf die Büffel, die Warzenschweine („Pumbas“) und mit den vielen Blicken auf die eleganten Giraffen. Ich habe mir sagen lassen, dass die Safari so auch erheblich weniger gefährlich sei. Aussteigen aus dem Auto ist aber dennoch streng verboten, außer in einem Teil, wo wir einen schönen Spaziergang durch die Savanne machen konnten, natürlich begleitet von einem Soldaten in Uniform, bewaffnet.

Dort haben wir viel fotografiert, allen voran die drei hoch ambitionierten Landscape und Animals – Fotografen Radmila Kerl, Andreas Klotz und Michael Matschuck. Ich muss schon gestehen, dass ich mich anfangs ein wenig unwohl gefühlt hatte, weil meine fotografische Ausstattung um Klassen hinter denen der drei zurück blieb. Es war mir also mangels eines Teleobjektivs nicht möglich, detailliert nachzusehen, ob die Giraffen vor mir Paradontose haben oder welche Augenfarbe die hoch aufgeschossenen Ladies hatten, die mich so vertrauensselig ansahen.
Egal, wichtig war für mich, dass ich die riesigen Giraffen auf den kleinen Chip bannen konnte.





Was aber besonders lustig aussah, war, wenn zwei Fotografen gleichzeitig ihr Teleobjektiv in Richtung eines Objektes gerichtet hatten. Dieses Bild begleitete mich dann auch bis auf den Uhuru Peak und auch wieder den ganzen langen Weg hinunter bis zum Gate.
Dabei waren Radmila und Andreas eher fotografierfaul gewesen. Keiner der beiden kam auf mehr als 2.000 Aufnahmen!
Auf der Tour durch die Mondberge des Ruwenzori-Gebirges in Uganda und bei den Berggorillas hat es jeder der beiden noch auf weit über 5.000 Aufnahmen gebracht. Ich finde, da geht noch was beim nächsten Mal.

Ich bin es gewöhnt, im JPG-Format zu fotografieren. Das ist praktisch und hält die Datenmenge einigermaßen klein, obwohl ein hoch aufgelöstes JPG auch mal 6 MB groß sein kann. Die beiden aber fotografieren ausschließlich im RAW Format. Da hat eine einzige Datei eben mal 21 MB. Wenn ich daran denke, dass die CANON EOS D 30, die erste semiprofessionelle digitale Spiegelreflexkamera immerhin mit einer CF-Karte ausgeliefert wurde, die sagenhafte 16 MB groß war …
… da hätte nicht einmal eine einzige Aufnahme drauf gepasst!
Und so fotografieren die beiden mit Kameras, die zwei CF-Karten aufnehmen können – und jede der CF-Karten fasst unglaubliche 32 GB an Daten. „Mehr brauche ich an einem Tag nicht!“ sagte Andreas zu mir. Mir wurde schwindlig …


Zum Glück konnten wir, bewacht durch einen bewaffneten Soldaten, dann auch tatsächlich ein wenig wandern gehen. Ob das Gewehr des Soldaten, das technisch wohl dem Stand der Kolonialkriege entsprochen hat, uns im Falle eines Tierangriffs geschützt hätte, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich dort im Ambroseli Nationalpark etwas gefunden habe, das mich immer wieder fasziniert: ein Wasserfall!

Und immer, wenn ich in wenigstens erträglich warmen Gegenden einen Wasserfall sehe, dann überkommt mich so ein komisches Gefühl. Es ist ein Ziehen in der Nackenmuskulatur, ein Drang, mich zu entkleiden und mich unter diesen Wasserfall zu stellen.
Ob auf dem Rinjani in Indonesien, auf dem Auyan Tepui in Venezuela oder eben im Ambroseli Nationalpark hier in Tanzania – es gibt für mich nichts Schöneres als das harte Aufprallen von Wassermassen auf meinem Rücken und auf meinem Kopf.
Und immer denke ich dabei an die ungeheuere Kraft, mit der das Wasser herunter fällt und an die lange Zeit, die das Wasser braucht, um durch den Stein der Berge zu dringen, um dann am Ende nur eine Aufgabe zu haben: mich glücklich zu machen!

Es war ein richtig netter Tag im Ambroseli Nationalpark, nicht sensationell, aber unsere Gedanken waren sowieso längst schon beim Aufstieg auf den höchsten Berg Afrikas …

Es ist eisig auf der Spitze …

Der ältere Niels Larsen, sein Sohn Henk Larsen, seine Tochter Anne-Mette Larsen und der ältere Jesper Paulsen sind mir schon im einfachen Bergsteiger-Hotel „Springland“ in Moschi aufgefallen.
Nicht wegen der dänisch-typisch hellblonden Haare, sondern, weil sie zu viert das gleiche T-Shirt trugen.
Ein schlammgrünes Shirt, vorne mit dem eigenen Namen und der Ergänzung „Kilimanjaro 2010“ und hinten bedruckt mit einem dänischen Satz, den ich gerne aufgeschrieben hätte, der mir aber zu kompliziert war, um ihn mir zu merken.


Später sahen wir die Vier dann bei unserer ersten Rast auf der Machamé-Route rauf auf das übermächtige Kilimanjaro-Massiv wieder. Ich sprach die Vier an, woher sie stammen würden und bekam zur Antwort, dass sie aus dem dänischen Holstebro stammen, irgendwo in der Mitte Dänemarks an der Küste. Ich hatte das blaue Laufshirt des ECU 2008 an, des European Cups of Ultramarathons 2008, das die Rennen in Mnisek, Eisenach (Rennsteiglauf), Biel, Schwäbisch Gmünd (Schwäbische Alb Marathon) und Celje zusammenfasste. Momentan ist auch noch der Wörthersee Trail in diesem Cup vertreten.
So kamen wir schnell auf das Marathon-Laufen.

Jesper Paulsen war es, der mir stolz erzählte, dass ein Läufer aus ihrer Region auch beim Berlin-Marathon 2010 mitgelaufen sei. Keine große Sache, dachte ich, immerhin sind fast 6.000 dänische Läufer im Ziel angekommen, gestartet sind vermutlich mehr als 6.000 dänische Läufer. Damit ist der Berlin-Marathon einer der ganz großen dänischen Marathons.
Aber dieser Läufer hatte etwas Besonderes getan. Er lief von seiner Heimatstadt bis nach Berlin. Mit den läufertypischen Umwegen waren das etwas mehr als 800 Kilometer. So etwas fasziniert mich und treibt mich, in 2011 ebenfalls zu versuchen, den einen oder anderen Lauf nicht mit dem Auto oder dem Flugzeug, sondern mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erreichen, wenn die Zeit dafür ausreicht.

Es war mein langjähriger Freund Andreas Klotz vom mehrfach ausgezeichneten Umweltprogramm „mondberge.com“, der die Vier fragte, was der dänische Spruch auf dem T-Shirt Rücken übersetzt heißt. „Es ist eisig auf der Spitze …“ war die Bedeutung des Spruchs und wer schon einmal auf dem Uhuru Peak des Kibo, des Kilimanjaro war, der weiß, dass das stimmt.
Aber dieser Satz bedeutet auch noch etwas anderes. Während wir Deutschen sagen: „An der Spitze ist es einsam!“ und damit meinen, dass der Chef eines Unternehmens seine Entscheidungen meist alleine treffen, alleine verantworten und alleine durchsetzen muss und sich damit selten Freunde macht, heißt es im dänischen: „Es ist eisig auf der Spitze …“, gemeint aber ist das Gleiche. Mich hat das Wortspiel sofort fasziniert.

Da die Vier wie wir ebenfalls die Machamé-Route ausgewählt hatten, sahen wir sie auch immer wieder beim Laufen, wenn deren Gruppe unsere überholt hat, wenn wir die dänische Gruppe überholten, auf den Camps und ganz am Ende wieder im Bergsteiger-Hotel „Springland“ in Moschi, im Bus zum Flughafen und eben dort auf dem Kilimanjaro-Flughafen, wo wir eine Weile auf unseren Flug nach Amsterdam warten mussten.

Dort fragte ich die Vier, ob sie es alle geschafft hätten. Niels Larsen, der Vater, Jesper Paulsen und die süße blonde Anne-Mette Larsen hatten es ganz nach oben geschafft, Henk Larsen, der Sohn, allerdings nicht. Er schien uns manches Mal im Camp schon geistesabwesend zu sein, eine Art Trance oder Delirium, das Resultat aus hoher Anstrengung, beginnender Höhenkrankheit und mutmaßlich zu geringer Fitness uns Vorbereitung.
Anne-Mette Larsen aber, die zierlichste der Vier, hatte es mit ihrem Vater und Jesper Paulsen geschafft. Und bis auf eine von der sengenden Sonne knallrote Knubbelnase hat sie keine Beschwerden oder Verletzungen gehabt. Und sie war stolz und glücklich.

Unsere Gruppe, Andreas Klotz von Tipp4 in Rheinbach, die Hochzeits- und Landscape-Fotografin Radmila Kerl, ihr Mann Michi Kerl, der Audio-Autoeinbauten macht, Michael Matschuck von Druckpartner in Essen, sein eben erst 18 Jahre alt gewordener Sohn Niklas, der diese Reise zu seinem 18. Geburtstag geschenkt bekommen hatte und ich, hatte eine gravierende Änderung des normalen Tourablaufs gewählt. Anstatt nach dem Abstieg noch einen Tag im Hotel zu relaxen, teilten wir die dritte Tagesetappe in zwei Teile und schoben so eine zusätzliche Übernachtung auf etwa 3.900 Metern Höhe ein.
Das hat die Akklimatisierung erleichtert und wir hatten mehr Zeit für das Fotografieren. Vor allem für Radmila, Andreas und Michael war das auch der höhere Grund der Reise.

Bis zur Abreise kannte ich nur Andreas, der im gleichen Laufverein TV Altendorf-Ersdorf läuft und der mich Ende 2004 zum ersten Aufstieg auf den Kilimanjaro motiviert hat, den ich dann im Februar 2005 erfolgreich bewältigen dufte. Radmila kannte ich einige Wochen aus Facebook, alle anderen waren mir noch unbekannt bis zu dem Zeitpunkt am Düsseldorfer Flughafen, als ich Michael und Niklas Matschuck traf. Die Reiseunterlagen von DIAMIR in der Hand dachte ich, dass sie Teil unserer Gruppe sein mussten. Andreas war mit seinem Sohn Tim schon seit einigen Tagen in Afrika. Er wollte mit dem erst 15 Jahre alten Tim bis auf die Horombo Hütte auf der Marangu-Route, der einfachen „Coca-Cola-Route“, aufsteigen. Knapp 4.000 Meter über dem Meeresspiegel sind für einen jungen Mann wie Tim schon eine echte Herausforderung.
In Amsterdam warteten dann Radmila und ihr Mann Michi auf uns und so ging es mit dem Flieger nach Afrika, nach Tanzania, auf den Kilimanjaro Airport.

Schon der Flug war ein echtes Erlebnis. Nun bin ich schon viele Hundert Male in meinem kleinen Leben geflogen, es ist mir aber noch nie passiert, dass eine Stewardess zu mir kam und mich ansprach, ob ich alleine reisen würde. Als ich das bejahte, fragte sie mich, ob ich nicht auf einen der komfortableren Sitze ganz vorne im Abteil wechseln wolle. Da wäre noch einer frei und die Beinfreiheit dort sei überwältigend.
Oh Stewardess von KLM, ich liebe Dich!

Ansonsten war der Flug unspektakulär. Das Essen bei KLM ist überdurchschnittlich gut, es gibt sogar recht hochwertiges Besteck. Es ist aus einem durchsichtigen Plastik, aber es fühlt sich richtig gut an und man kann es auch sehr gut benutzen. Leider hat unser Reiseveranstalter DIAMIR vergessen, für mich meine Lieblings-Essensvariante vorzubuchen: „ASIAN VEGETARIAN“, aber es gab im Flugzeug nur die Auswahl zwischen einem Fleischgericht und leckerer Pasta. Für Vegetarier ist also auch ohne Vorbuchung immer etwas dabei bei KLM.
Die Auswahl an Filmen ist sensationell gewesen, aber ich hatte keine Lust, auf dem Hinweg allzu viel zu sehen, ich wollte lieber etwas Schlaf nachholen, was mir dank der großen Beinfreiheit und wenig gesprächssüchtigen Nachbarn auch gut gelang.


Auf dem Flughafen in Moschi begann dann für uns das Abenteuer Afrika. Nach einem Urlaub Mitte der 1980er Jahre in Marokko, einem Land, das nur kartographisch zu Afrika gehört, nach der Kenia/Tanzania Reise beim Aufstieg 2005 und nach dem Namibia-Urlaub 2008 mit meiner Familie war es erst das vierte Mal, dass ich afrikanischen Boden betreten habe, erst das vierte Mal, wo ich afrikanische Geduld lernen durfte und erst das vierte Mal, wo ich mich mit der Mentalität der Afrikaner auseinander setzen musste.

Für das Visum mussten wir lange anstehen. Oder aber auch nicht, denn ein tanzanischer Grenzbeamter sammelte unsere Pässe ein, riet bis auf Radmila allen, schon mal zum Gepäckband zu gehen und dort zu warten, das war entspannender als in der Schlange zu stehen. Radmila machte die Visums-Formalitäten für uns alle und wurde von dem Grenzbeamten sogar noch beschleunigt bedient. Wenn Du jetzt denkst, dass dafür auch nur ein einziger tanzanischer Schilling bezahlt wurde, dann irrst Du.
Ob es die stets gute Laune von Radmila war, die den Beamten bewegt hatte,  ihre blonden Haare oder was auch sonst – wir alle waren froh, die Prozedur des Visumerhalts abkürzen zu können.
Wir nahmen dann unser Gepäck, gingen aus dem Zollbereich des Flughafens heraus und trafen unseren Fahrer, der uns zur „Meru View Lodge“ bringen sollte, wo wir dann Andreas und Tim treffen wollten. Die Fahrt war kurz, aber die Straßen teilweise in katastrophalem Zustand. Und wir hielten nicht an der „Meru View Lodge“ an, sondern passierten sie erst einmmal, um zu einer dahinter gelegenen Lodge zu fahren. In diesem Moment erfuhren wir, dass wir wegen der Überbuchung getrennt wurden. Ich war der einzige, der im Anschluss in die „Meru View Lodge“ gebracht wurde, die anderen stiegen in der wesentlich vornehmeren Lodge dahinter ab.
Ich war also alleine.

Es war schon spät an diesem Abend und ich sollte mein Dinner also alleine einnehmen. In meiner Lodge allerdings hieß es dann, man habe mir Sandwiches vorbereitet, weil die Küche schon kalt wäre. Nach längeren Verhandlungen einigten wir uns dann darauf, dass ich doch noch etwas Warmes bekommen würde. Es dauerte sehr lange, bis mein Essen fertig war, wahrscheinlich wurde die Köchin erst wieder aus ihrem Haus an die Arbeitsstätte beordert.
Dann sagte man mir, dass ich am nächsten Abend das Dinner mit der ganzen Gruppe im anderen Hotel einnehmen würde, man würde mich dann nach der Safari dorthin fahren.

Das Frühstück am nächsten Tag nahm ich dann auch alleine ein, mir wurde aber zugesichert, dass man mich danach zur anderen Lodge fahren würde und so erschien ich nach dem Frühstück drüben in der anderen Lodge. Was in der Nacht wie eine lange Reise aussah, war aber nur ein kurzes Stück von vielleicht 500 Metern, das ich durchaus auch ohne Chauffeur hätte laufen können, aber ich war froh, die anderen, Andreas, Tim, Radmila, Michi, Michael und Niklas noch beim Frühstück zu erwischen.

Die sechs erzählten mir dann eine kleine Geschichte, die typisch ist für Afrika und das dortige Leben. Während ich am Vorabend alleine im Restaurant saß und mich langweilte, warteten die sechs in der anderen Lodge auf mich. „Thomas kommt gleich!“ hieß es ständig. Die Bedienung brachte auch zwei Mal mein Abendessen an den Tisch, immer dann, wenn ich erneut als Ankommer vermutet wurde. „Thomas kommt gleich!“
Erst viel später hieß es, dass ich nun doch in der „Meru View Lodge“ hätte essen wollen, aber ich käme dann zum gemeinsamen Frühstück in die Lodge.

Und so wartete man beim Frühstück geduldig auf mich, weil „Thomas kommt gleich!“, aber dann haben sich die sechs irgendwann entschlossen, nun doch ohne mich mit dem Frühstück anzufangen. Ein Glück, wie sich heraus stellte. Es war eben Kommunikation auf höchstem afrikanischen Niveau, die uns die ersten Stunden in Afrika „unrund“ erscheinen ließen. Später dann bin ich die Strecke einfach immer dann gelaufen, wenn es notwendig war, aber ich habe mich schon ein wenig geärgert, über die schlechte Kommunikation dort, aber auch über mich, dass ich nicht selbst die Entscheidung getroffen hatte, im Dunklen zur anderen Lodge zu laufen.

Als die sechs dann mit dem Frühstück fertig waren, ging es erst einmal in den sehr nahe gelegenenen Arusha Nationalpark zur Fotosafari. Der Arusha Nationalpark war so nahe an den Lodges, dass wir auch hätten hin laufen können, die Safari aber war ganz nett. Wenn ich bedenke, dass wir auf  Grund der Warterei auf „Thomas kommt gleich!“ erst spät von der Lodge weg kamen, dass dadurch die meisten Tiere schon träge und versteckt waren, dass die Farben des Tages nicht mehr so warm und schön waren wie in den Morgenstunden, dann war der Tag dennoch ein voller Erfolg.
Nur nicht für Michi Kerl, der sich entschlossen hatte, diesen Tag im Bett zu verbringen, um seine Erkältung vollends auszukurieren.

Bilder von der Safari und die Geschichte des Tages gibt es dann beim nächsten Mal …

Niels Larsen, seinen Sohn Henk Larsen, seine Tochter Anne-Mette Larsen und den älteren Jesper Paulsen jedenfalls sahen wir in Amsterdam dann zu letzten Mal. Das war auch der Zeitpunkt, an dem sich die Wege unserer Gruppe trennten. Niels, Henk, Anne-Mette und Jesper flogen von dort aus nach Kopenhagen, Radmila und Michi nach München, Andreas nach Köln, Michael, Niklas und ich flogen nach Düsseldorf und Andreas‘ Sohn Tim hatte uns ja schon Mitte der Vorwoche verlassen, erfolgreich an seinem Ziel, der Horombo Hütte angekommen.

Und ich? Ich war natürlich oben, gleich zwei Mal. Aber auch diese Geschichte erzähle ich beim nächsten Mal, ein Foto vom Gipfel aber gibt es schon jetzt:

Foto: Radmila Kerl, Zeitpunkt: Mittwoch 20.10.2010, ca. 8 Uhr

Ach ja, noch eines: „Thomas kommt gleich!“

„Reise zu den Letzten ihrer Art“

Uwe Diekmann aus Köln-Rodenkirchen ist unser Steuerberater. Uwe Diekmann ist aber auch mein Freund. Und Uwe Diekmann und ich haben eine Verbindung, ein gemeinsames Hobby, gemeinsame Ideale.
Das Hobby von uns beiden ist Afrika, sind die Wüsten Afrikas, sind bizarre Landschaften, faszinierende Landschaften und spektakuläre Tieransammlungen freier und wild lebender Tiere. All das findest Du natürlich – in Afrika.


Uwe Diekmann als Experte für Steuertipps in einer Kolumne der BILD-Zeitung

Uwe Diekmann wird als Privatmann Ende diesen Jahres mit dem Jeep durch die Wüste Libyens fahren, oh ja, da wäre ich gerne dabei. Nicht unbedingt mit dem Jeep, lieber zu Fuß, wenn mir jemand Wasser und Unterkunft anbieten würde. Als Chef der Kölner Niederlassung und als Partner in der großen Steuerberatungsgruppe „GDS Gruppe“ aber versucht Uwe Diekmann, geschäftliche Aspekte mit denen seines Hobbys, unseres Hobbys, zu verbinden.

Regelmäßig lädt er daher einen ausgewählten Klienten- und Freundeskreis zu Vorträgen ein, die stets in der 7. Etage, in der obersten Etage des Kanzleigebäudes in Köln-Rodenkichen, stattfinden. Von dort aus hast Du einen herrlichen Blick auf die Stadt Köln und auf der dazugehörigen Dachterrasse direkt über diesen Räumlichkeiten, wo der Blick sogar noch ein wenig schöner ist wie vom Balkon eine Etage darunter, auf dieser Dachterrasse habe ich ihm zum ersten Mal in etwa den Verlauf des 171km langen KÖLNPFADS skizziert, eine Tage, bevor ich Mitte 2009 den KÖLNPFAD tatsächlich gelaufen bin.
Den Kreis am Horizont, den ich mit den Fingern damals gezogen habe, war schon riesengroß, aber auch beeindruckend.

Zu einem dieser Vorträge hat er einen Referenten eingeladen, der auch viel mit der Wüste zu tun hat, häufig und lange in Afrika war und für den wilde Tiere kein Schrecken, sondern eine Herausforderung sind. Wilde Tiere in der ganzen Welt sind seine Leidenschaft, im ewigen Eis genauso wie in der brütenden Hitze der Wüsten.
Der Referent war Förster in der Eifel, bis es ihn aus Deutschland heraus und ins ewige Eis hinein gezogen hat. Dort hat er seine ersten Meriten als Tier- und Landschaftsfilmer verdient und heute ist er ein gefragter Tierfilmer, dessen Reportagen häufig im ZDF und auch bei Arte zu sehen sind.
Ihn live erlebt zu haben, vor einer kleinen Gruppe von nicht einmal zwanzig geladenen Gästen, mit ihm über die Grenzen der Phantasie und die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit gesprochen zu haben, das war für mich ein wirklich dramatisches Erlebnis.

Andreas Kieling auf der Insel Rinca, einen Komodo-Waran filmend

Andreas Kieling (www.andreas-kieling.de) durchquerte Grönland zu Fuß, fuhr mit dem Mountainbike durch den Himalaya und er bereist seit mittlerweile 20 Jahren als vielfach preisgekrönter Dokumentarfilmer die ganze Welt.
Seine Filme werden weltweit über den „National Geographic Channel“ ausgestrahlt und uns Deutschen ist er unter anderem durch die ZDF-Serie „Terra X: Kieling – Expeditionen zu den Letzten ihrer Art“ bekannt.
Für den ARD Dreiteiler „Abenteuer Erde – Yukon River“ wurde er mit dem Panda Award, dem „Oscar des Tierfilms“, ausgezeichnet.

Andreas Kieling ist aber auch ein ausgesprochen sympathischer Typ, ein Erzähler, dem es wichtig ist, seine Zuhörer zu erreichen. Und das schafft er nicht nur mit seinen Worten, sondern vor allem auch mit seinen bewegten Bildern. Und von denen hatte er einige dabei und wir sahen eine Auswahl seiner Dokumentationen, angefangen von seinen Anfängen, in denen er noch still war vor der Kamera bis hin zu seinen heutigen Filmen, in denen er sich selbst häufig filmt und auch oft etwas in die Kamera spricht, um die jeweilige Szene zu beschreiben.

Durch Grönland, durch den Himalaya, zum Yukon River, alles Ziele, die uns Läufer ja auch besonders interessieren, mit dem Himalaya Marathon, dem Yukon Arctic Ultra und einigen Lauf-Veranstaltungen in Grönland gibt es ja viel Schönes für uns. Gerade wegen der kalten Gegenden zolle ich ihm höchsten Respekt, weil Hitze wohl leichter zu ertragen ist wie Kälte. Laufen will ich in Grönland und am kanadischen Yukon River aber trotzdem …

Mich friert schon beim Betrachten dieses Fotos ...

Erzählt hat Andreas Kieling auch davon, wie Tierfilme aus eigenen Sequenzen und zugekauften Sequenzen anderer Dokumentarfilmer zusammengestückelt werden. Er berichtete von einer regelrechten Börse für Tier- und Landschaftsfilm-Konserven und so wird der Druck, der auf den Abenteurern lastet, immer größer. Die Etats der Fernsehanstalten werden eher kleiner als größer und die Aufträge müssen heute in einer viel kürzeren Zeitspanne fertig sein wie früher.
In diesem Geschäft ist es also so wie überall anders auch: höher, schneller, weiter, billiger …

Einige Szenen, die er uns im Film vorgespielt oder in seinem Vortrag erzählt hat, findest Du auch in seinen Büchern, so auch die Filmsequenz, wo ein wütender Elefantenbulle auf Andreas Kieling zugerannt kam. Wir Zuschauer erschraken alle, aber Andreas Kieling blieb in dem Film einfach stehen und sah den Elefanten direkt an. Kurz vor ihm stoppten diese zwei Tonnen Fleisch, Knochen und Haut, um dann umzukehren und von dannen zu traben. „Das war nur ein Scheinangriff. Elefanten machen das meistens so,“ sagte Kieling. Es wäre ihm aber auch keine Möglichkeit mehr geblieben, bei einer Fehleinschätzung der Situation noch einen „Plan B“ umzusetzen.


Noch eine weitere Gemeinsamkeit verbindet mich mit Andreas Kieling. Wie mein Freund Andreas Klotz kümmert sich auch Andreas Kieling um die vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Diese seltenen Tiere sind uns allen so ähnlich, dass die Faszination, sie ansehen, fotografieren und bewundern zu dürfen, mit Händen greifbar ist.
Andreas Klotz hilft ja hier mit seinem Projekt www.mondberge.com, ich habe in diesem Blog schon darüber berichtet, Andreas Kieling hilft durch das Verbreiten wunderschöner Filme und durch die direkte finanzielle Unterstützung von Berggorilla-Projekten. Wenn ich Mitte Oktober mit Andreas Klotz und weiteren fünf fotografisch angehauchten Freunden auf den Kilimanjaro laufe, dann werden wir die Berggorillas leider nicht sehen können, sie leben rund 800 Kilometer weiter nördlich im ugandischen Ruwenzori-Gebirge. Aber vielleicht gelingen uns ja sehenswerte Foto- und Videoaufnahmen der Tiere und Pflanzen am Kibo-Massiv.

So vertraut, so nah, so verwandt ... der Berggorilla Zentralafrikas

Eine Frage hat natürlich die Mehrzahl der Zuhörer interessiert, die Frage nach der Gefährlichkeit dieser Abenteuer. Gerade nach dem „Scheinangriff“ des Elefantenbullen schwebte diese Frage förmlich im Raum und insbesondere die Schlipsträger unter den Gästen waren entsprechend in Sorge, immerhin ist für viele der Weg in die Chefetagen der Großbanken das Gefährlichste, was sie in ihrem Leben tun.

Andreas Kieling beantwortete die Frage, indem er eine uralte und längst vernarbte Verletzung zeigte. Sie stammte vom bisher einzigen Unfall mit Tieren, den er je hatte. Ob er in der Wüste Afrikas oder im ewigen Eis Grönlands war, immer blieb er ohne nennenswerte Verletzungen, bis auf diese eine Wunde. Und die holte er sich – in der Eifel.
Ein wütender Keiler hatte sie ihm zugefügt und daran – und das ist kein Scherz – wäre er damals beinahe verblutet.

6.000 Meter über N.N.

In der „guten alten Zeit“, als in Deutschland noch der gezwirbelte Bart etwas galt, wir noch nicht von bürgerlichen Politikern, sondern von Kaiser Wilhelm II. regiert wurden, da war die Welt noch in Ordnung. Man wusste, was der Kaiser wollte und man besorgte es ihm.
Und da jedes Land seinen Hausberg hat, hatte Deutschland auch einen. Die Kaiser-Wilhelm-Spitze war der Hausberg der Deutschen – und er war mächtig hoch. Ein 6.000er mitten in Deutschland!
Damals hatten wir noch was, damals waren wir noch wer.

Mitten in Deutschland? Genau in der Mitte Deutschland befand sich der Berg nun nicht, eher im süd-östlichen Teil des Kaiserreichs, in einer der beiden Kolonien Deutschlands in Afrika, eben in Deutsch-Ostafrika.

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Und weil der dortige Berg, eben die Kaiser-Wilhelm-Spitze, „nur“ 5.895 Meter hoch war haben sich die Männer dort doch glatt so lange vermessen, bis „offizielle“ 6.000 Meter daraus wurden. Heutzutage würde kein Mann mehr auf die Idee kommen sich zu „vermessen“, nicht einmal der kleine Peter aus dem Song von „Möhre“ (Mirja Boes), aber damals war sich kein preussischer Beamter zu schade, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist.

Erst mit dem Ende des 1. Weltkriegs und dem „Verlust“ der Kolonien für die Spitzhelm-Nation schrumpfte die Kaiser-Wilhelm-Spitze auf den heutigen Wert herunter, zudem verlor sie ihren Namen und wurde wieder zum Kibo mit dem Uhuru (Swahili für „Freiheit“) Peak, mit den Schwesterbergen Mawenzi und Shira bildet der Kibo das Kilimanjaro-Massiv (Swahili für „Berg des bösen Geistes“).

v.l.n.r.: Shira, Kibo, Mawenzi

Der Kilimanjaro wurde oft beschrieben, besungen, spielt in Hunderten von Filmen über Afrika eine Hauptrolle und bewegt nicht nur deutsche Wandertouristen in der ganzen Welt. Stellvertretend ist der „Kili“ auch weltweit das bekannteste Symbol für die Klimaveränderung und Klimaerwärmung. So schrumpfte die Eiskappe des weißen Bergs zwischen 1912 und 2009 von 12 km² auf 1,85 km², was einem Verlust von 85 % entspricht. Irgendwann um das Jahr 2030 herum wird das Buch von Ernest Hemingway „Schnee auf dem Kilimanjaro“ nicht mehr die Realität beschreiben.

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Am 12. Februar 2005 war ich ganz oben auf dem Uhuru Peak und noch immer finde ich, dass das einer der beeindruckendsten Momente meines Lebens war. Wenn ich Mitte Oktober 2010, also nach knapp über 68 Monaten, wieder aufbreche, um diesen Berg ein zweites Mal zu besteigen, dann tue ich das in einem anderen Bewusstsein, ich tue das mit einer anderen Truppe und ich tue das über eine andere Route.

Das andere Bewusstsein

2005 ging es mir darum, zu beweisen, dass ich in der Lage bin, so eine Tour zu schaffen, diese Höhe zu bewältigen und mich der Strapazen dieser Reise zu stellen. Ich habe nicht allzu viele Gedanken an die Landschaft verschwendet, ich war total „gipfelfixiert“ damals.
2010 will ich die atemberaubende Schönheit der Strecke bewusster genießen, immerhin führt der Marsch auf den Gipfel durch nahezu alle Vegetationsstufen dieser Erde hindurch. Ich werde langsamer sein und viel mehr Fotos von der Tour mitbringen als vor gut fünfeinhalb Jahren.

Die andere Truppe

2005 hatte ich mich in eine schweizer Expedition eingebucht und lief daher mit mir zu Anfang unbekannten Schweizern und Deutschen, die zufällig die gleiche Tour gebucht hatten. Ich entschied mich damals für das schweizer Unternehmen „Aktivreisen“ von Hans-Peter Rüedi, weil mein Lauffreund von TV Altendorf-Ersdorf, Andreas Klotz, ebenfalls mit diesem Unternehmen den Kilimanjaro bestiegen hatte. Es war eine großartige Reise, die auch zwei beeindruckende Safaris beinhaltete und mit ein paar Badetagen in Kenia abschloß.
2010 laufe ich mit deutschen Freunden, die alle der Natur- und Landschaftsfotografie zugewandt sind. Und ich laufe mit Andreas Klotz, eben dem, dessen Erzählungen über den Kilimanjaro mich damals spontan dazu bewegt hatten, diesen Gipfel in meinen Laufplan einzuarbeiten.
2006, also ein Jahr später, sind meine liebe Frau Gabi und ich mit ihm in Venezuela auf den Tafelberg Auyan Teupui gegangen, eine Reise, aus der später ein Buch entstanden ist, das man bei Amazon kaufen konnte.

Dieses Buch war auch der Vorläufer, die Übung gewissermaßen, für Andreas Klotz‘ nächstes Projekt, über das ich an dieser Stelle schon einmal berichtet hatte. Es ist das Projekt „Mondberge.com“, also der Marsch auf drei Gipfel des Ruwenzori Gebirges in Uganda und zudem der Besuch bei den geschützten Berggorillas. Es wurde ein Foto- und Multimediaprojekt, das enorme Spenden zusammenbrachte eben für die bedrohten Berggorillas, die Tiere, die uns so nahe sind, dass es manchmal schon unheimlich ist.
Das Ruwenzori Gebirge befindet sich rund 900 Kilometer nördlich des Kilimanjaro-Massivs und ich bin froh und stolz, erneut mit Andreas einen Berg besteigen zu dürfen. Aktuell plant Andreas mit dem Mondberge.com – Team ein paar großartige neue Sachen. Ich bin sicher, bald darüber berichten zu können.

Die andere Route

Normalerweise besteigen europäische Wandertouristen den Kibo über die „Coca-Cola-Route“, die Marangu-Route. Sie ist die leichteste der insgesamt 10 Routen auf das „Dach Afrikas“, außerdem ist es die einzige Route, bei der Du in festen Hütten schläfst und eben nicht nur in Zelten.


Andererseits ist sie auch eine Art Autobahn und Du bist dort eigentlich nie alleine. Rund 100 Menschen gehen diese Route täglich nach oben und weil alle nahezu zur gleichen Zeit frühmorgens aufbrechen, ist der Weg oft sehr voll. Das reduziert das Gefühl, etwas „Besonderes“ zu leisten, doch gewaltig.

Die alternativen Routen sind die:

  • Barafu-Route – steile Teilroute von der bzw. über die Barafu Hut (4.600 m) auf den Kibo
  • Lemosho-Route – Ausgangspunkt Londorossi (2.250 m)
  • Machame-Route – Ausgangspunkt Machame (1.800 m)
  • Mweka-Route – Ausgangspunkt Mweka (1.700 m)
  • Rongai- oder Kikelewa-Route – Ausgangspunkt Nalemoru (2.020 m)
  • Shira-Route – Ausgangspunkt Londorossi (2.250 m)
  • Umbwe-Route – Ausgangspunkt Umbwe (1.700 m)
  • Western-Breach-Route – steile Teilroute vom bzw. vorbei am Lava Tower (4.600 m) auf den Kibo
  • Thomas-Glacier-Route – Route führt über den Gletscher des Nördlichen Eisfelds – Erstbegehung 28./29. Oktober 2009

Wir werden die Machame-Route nach oben gehen, nach unten aber werden wir die Rongai- oder Kikelewa-Route auswählen. So sehen wir viel mehr von der Landschaft und natürlich auch vom Vulkankrater, ein Ausblick, der Dir bei der Marangu-Route leider verwehrt bleibt.

Am 12. Oktober geht es los, von Düsseldorf über Amsterdam direkt auf den Kilimanjaro Airport und wenn wir alle am 22. Oktober wieder deutschen Boden unter den Füßen haben werden, dann werden wir viele Fotos im Gepäck haben, als Team eng verbunden sein und wir werden uns gewiss sein, vielleicht eine der letzten Chancen ergriffen zu haben, den „Schnee auf dem Kilimanjaro“ noch zu erleben.

Und für mich schließt sich dann auch ein privater Kreis. Unsere Tochter Milena ist im Sommer noch mit einem Schulprojekt in Tansania gewesen. Sie hat dort 14 Tage mit tansanischen Schülerinnen und Schülern zusammen gelernt und gelebt. FairTrade war damals einer der Lehrpunkte, der Umgang der tansanischen Bevölkerung mit der gemeinsamen Geschichte war ein anderer.
Und wenn die Tansanier die Deutschen „fast perfekte Menschen“ (Übersetzung aus Swahili) nennen, dann vergessen sie die unglaublich vielen Toten, die Deutschland in dieser ehemaligen Kolonie zu verantworten hat.

Die tansanischen Schülerinnen und Schüler wussten selbstverständlich davon, aber sie lobten vor allem, dass Deutschland ihnen ja die Eisenbahn gebracht hätte …

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Andreas Klotz und sein Projekt mondberge.com

Ich kenne meinen Freund Andreas Klotz schon ziemlich lange. Aber ich werde nie ganz vergessen, wie ich ihn kennen gelernt hatte.
Es war ein privates Treffen von Läufern des TV Altendorf-Ersdorf, meines Lauftreffs, irgendwann Mitte 2004, jedenfalls noch lange vor meinem ersten Marathon. Ich war ganz frisch Mitglied des Lauftreffs und war von den beiden Läufern im Lauftreff, die schon einmal einen Marathon gelaufen waren, sehr beeindruckt und saugte jedes Wort der beiden tief in mich ein. Schließlich wollte ich ja auch mal ein Marathoni werden …

Andreas Klotz war einer der beiden. Und er war mehr. Er war auch Besteiger des Kilimanjaro, des Kilis, des Uhuru Peaks. Er trug an jenem Abend ein T-Shirt mit dem einschlägigen Kili-Motiv und er erzählte mir von der Besteigung und dem Weg durch die unterschiedlichen Klimazonen hindurch bis hoch ins ewige Eis. Die Klimazonen dort scheinen schichtartig angeordnet, scheinbar von jetzt auf gleich beginnt die nächste Klimazone. Er war davon sehr beeindruckt.
Und ich erinnerte mich an das, was Jahre zuvor mein Vater mir erzählt hat. Mein Vater ist bestimmt kein Vorzeigeexemplar, wenn es um Begeisterung für Dinge geht, die andere machen, aber eines Tages kam er von einem professionellen Dia-Abend zurück, den man heute wohl Multi-Media-Show nennen würde. Dort hat der Vortragende von seiner Kilimanjaro-Besteigung erzählt. Und mein Vater brannte …
Der Vortragende erzählte und mein Vater repetierte genau das Gleiche wie später Andreas Klotz, von den Klimazonen, von der Herausforderung und von dem unglaublichen Glück, das man empfindet, wenn man auf diesem Berg steht und im Morgengrauen auf die gut 4.000 Höhenmeter unter Dir liegende Hochebene schaut.

Das war der Abend, als ich Andreas Klotz kennen lernte. Und ich buchte meine Kilimanjaro-Reise noch in der darauf folgenden Woche. Ein paar Jahre später bin ich dann mit meiner Frau Gabi und ihm in Venezuela auf den Auyan Tepui, den wohl berühmtesten der vielen Tafelberge gestiegen, den Tafelberg, von dem aus der höchste Wasserfall der Welt, der ANGEL FALL, rund 1.000 Meter in freiem Fall herabstürzt. Andreas hatte damals über diese Reise ein Buch geschrieben, Gabi hat ein paar der Fotos dafür geliefert und ich war beeindruckt von der verlegerischen Leistung.

Der Auyan Tepui - eine abenteuerliche Trekking-Tour zu den Tafelbergen in Venezuela (bei Amazon als gebundene Ausgabe erhältlich, einfach auf das Foto klicken!)

Dieses Buch war aber nur die Übung für sein nächstes, weitaus größeres Projekt.
Direkt nach der Herausgabe dieses Buches begann er mit den Vorbereitungen zu einer Reise, die seinen wirklichen Zielen im Leben entspricht. So ist Andreas ein ambitionierter und wirklich guter Landschaftsfotograf und er liebt die Natur.

„Wenn wir in der Natur etwas bewahren können, dann retten wir auch ein Stück weit unsere eigene Welt!“ hat Andreas einmal zu mir gesagt. Und so widmete er sich einer aussterbenden Tierart, die uns Menschen genetisch so nahe steht wie keine andere, die Berggorillas des ugandischen Ruwenzori-Gebirges.

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Die Berge des Ruwenzori-Gebirges werden auch die „Mondberge“ genannt. Noch streitet man sich, ob dort der Nil entspringt, sicher ist aber, dass wenigstens ein Teil des Nils dort seinen Ursprung hat. Und wen wundert das, gibt es doch dort mindestens unglaubliche 320 Regentage im Jahr, dort, in den höchsten Bergen Afrikas, vom Kilimanjaro abgesehen.

Genannt hat er dieses Projekt: MONDBERGE.COM, ein passender Name für ein derart ambitioniertes Projekt.

Die Leitideen waren dabei, Geld für die bedrohten Berggorillas zu sammeln. So gehen mindestens 10% der Projektumsätze und 100% der Spenden direkt und zweckgebunden an die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe e.V.„.
Ein weiterer Aspekt war das Trekking auf die drei über 5.000 Meter hohen Berggipfel der Mondberge und der dritte Aspekt war, daraus eine Reise für ambitionierte Landschaftsfotografen zu machen, die danach ihre Bild- und Videoaufnahmen in einen gemeinsamen Pool stecken, aus dem dann ein Buch hervor gehen sollte, eine Multi-Media-Show und andere Dinge, die dem Zweck der Rettung der Berggorillas dienlich sind.

Das Buch ist schon lange erschienen und ich bin stolz, eines davon Mitte November zu meinem Geburtstag erhalten zu haben.

(klicken zum Vergrößern) Perle Afrikas - Impressionen aus Uganda

Klicke hier und Du findest das Buch im Shop von www.mondberge.com. Direkt nach der ISBN-Nummer gibt es einen Link, wo Du Dir das Buch online durchblättern kannst (JavaScript vorausgesetzt). Du siehst 212 aufregende Seiten voller Farbe, Abenteuer und Tiere in der natürlichen Umgebung. Ein Muss, finde ich!

Oder Du lädst Dir hier eine Leseprobe als PDF herunter:

hoch aufgelöst, ca. 21,5 MB
geringer aufgelöst, ca. 7,4 MB

Du kannst Dich übrigens stundenlang auf der ausführlichen und mit interessanten Informationen gespickten Webseite www.mondberge.com aufhalten und etwas über die Teilnehmer lesen, über die Sponsoren des Projekts, über den Central Circuit Trail durch das Ruwenzori-Gebirge, über die Berggorillas und über vieles mehr …
Es lohnt sich wirklich.

Genauso lohnt es sich, die professionelle Multi-Media-Show anzusehen. Bei der Premiere in Rheinbach Ende Januar 2010 war ich dabei, es war ein großartiges Erlebnis. Ich hätte mir am liebsten die Trekking-Schuhe geschnürt und wäre am liebsten gleich hingeflogen. Die nächste Multi-Media-Show wird am 20. April in der Bonner Beethovenhalle (Forum Süd) ab 19:00 Uhr gezeigt. Tickets für nur 14 EUR kannst Du hier buchen.

Das Projekt statete übrigens in dem Jahr (2009), das die UNO zum „Jahr des Gorillas“ ausgerufen hatte …