SUT – schöne Buchenwälder im schwäbischen Land

Es
Es geht also noch. Ein Finish bei einem „langen Brett“ hinzubekommen ist eigentlich gar kein großes Problem. Warum tue ich mir dann damit immer so schwer? Warum finde ich so oft keine Einstellung zum Lauf und keine Motivation zu „beißen“?

Ich habe ja in der Vergangenheit einige Dinge ganz gut gemacht, beim zweiten Start aber bekam ich stets mentale Probleme. Den Kölnpfad 2009 finishte ich in unter 24 Stunden, um zwei Jahre später beim ersten Gegenwind früh die Segel zu streichen.
Und auch den KoBoLT 2010 finishte ich an der Seite von Achim Knacksterdt trotz extremer Kälte, trotz Eis, Glätte und Schnee. Auch hier fand ich bei der Neuauflage 2011 bei deutlich besseren Wetterbedingungen keinen Bezug zum Lauf und nahm die erstbeste Versuchung an, auszusteigen.
Selbst bei der TorTOUR 2012 nahmen meine körperlichen Probleme derart überhand, dass ich nach 100 Kilometern aussteigen musste. Die TorTOUR 2010 fand unter fast noch heißeren Wetterbedingungen statt und damals wäre mir ein vorzeitiges Ende nicht in den Sinn gekommen. Ich musste einfach ein TorTOURist werden, denn ein TorTOURist sein ist schon etwas ganz Besonderes und das bleibt man sein Leben lang.

Es muss also eine Parallele zwischen diesen Events geben, etwas Gemeinsames. Vielleicht ist es der Punkt, dass ich all diese Läufe unbedingt schaffen wollte und dass ich für die Wiederholung mental nicht stark genug bin. Das wiederum bringt mich zu der Frage, ob ich den UTMB 2013 dann doch vielleicht lieber von meiner Laufliste streichen sollte?

Beim SUT, dem „Schönbuch Ultra Trail“, einer Erstauflage, die von Andreas Loeffler akribisch über Monate vorbereitet wurde, haderte ich einen Marathon lang auch ständig mit mir, den Meinen, mit dem Lauf und mit der Gegend.
Früh schon schmerzten die Waden, am schlimmsten aber war, dass ich, mit etwas dickeren Wintersocken ausgestattet, nasse Füße hatte und diese an den Schuhen rieben. Bei jedem Schritt tat das weh.
Bernd Rohrmann, mit dem ich die ersten vielleicht 100 Kilometer meisterte, habe ich es zu verdanken, dass er die daraus resultierenden negativen und destruktiven Gedanken nicht gelten ließ. Und nach dem VP2, wo der erste Dropbag lag und wo ich die nassen und dickeren Socken gegen trockene und dünnere austauschen konnte, ging es mir mit einem Mal auch wieder blendend.

Ich hatte in den letzten sechs Wochen kaum trainiert und ich, der sonst kaum 14 Tage ohne „Marathon und länger“ auskam, hatte seit dem Ticino Semi Trail im Juli keinen offizielllen Lauf mehr hinter mich bringen können. Beim Mountainman in der schönen Schweiz musste ich nach einem schweren Sturz aufgeben und danach waren die Wochenenden voller Arbeit gewesen. Und eben einem Urlaubswochenende in der Türkei, das wir eingeschoben hatten, weil mal ein Wochenende arbeitsfrei war.
Da wollten wir eigentlich nach Marokko fliegen und in diesem Urlaub wollte ich mit Bernhard Sesterheim den UTAT laufen. Aber ich bekam dort keinen Startplatz, keine Reaktion der Veranstalter und selbst auf dem Stand des UTAT in Chamonix im UTMB-Dorf bekam ich nur das Angebot, 30 Kilometerchen zu laufen. Später dann, als die Reise in die Türkei gebucht war und alles festgezurrt war, kam noch eine Mail, dass es nun doch noch ein paar Startplätze geben würde. Schade eigentlich.
Ich war also beim SUT untertrainiert und deshalb in großer Sorge. Aber speziell nach der 100 Kilometer-Marke ging es besser und besser und ich lief wie selten an diesem späten Punkt im Rennen. Ein paar Dinge hatte ich anders gemacht als sonst. Auf Anraten von Bernd habe ich meine Stöcke im Dropbag gelassen und bin den gesamten Lauf ohne diese geblieben. Zwar gab es manchmal Situationen, in denen ich sie sehr vermisst habe, aber sie konnten so meine Neigung, statt zu laufen gehend die Stöcke zu schieben, nicht unterstützen. Faul sein ging also nicht.
Und ich lief auch in der kalten Nacht nur kurzbehost herum. Als bekennender Warmduscher will ich es ja meist muckelig warm haben. Das aber mindert meine Aktivität. Und auch oben herum minimierte ich für meine Verhältnisse die Bekleidung auf ein Mindestmaß. Und deshalb lief ich auch im strömenden Regen und in der Kälte der Nacht noch einigermaßen gut. Etwas, von dem ich lernen darf.

Aber das Verlaufen habe ich dort gelernt, vor allem, nachdem ich meinen kongenialen Laufpartner Bernd in der Nacht leider verloren hatte. Viele der Flatterbänder waren in der Nacht kaum zu erkennen und die in Mehlstaub gemachten Bodenpfeile wurden durch den Regen fast unsichtbar. Oft dachte ich, dass weiße Steine auf dem Boden den Rest eines Pfeiles bilden würden, meist aber lief ich, bis ich merkte, dass es hier nicht richtig sein konnte.
Und so fand ich mich nach dem Verpassen einer Abzweigung auf einem Parallelweg wieder, nur wenige Meter vom richtigen Kurs entfernt. Die paar Meter, dachte ich mir da, kannst Du auch querfeldein gehen. Gedacht, getan. Aber zwischen den beiden Wegen wuchsen immens viele wilde Himbeeren. Und wilde Himbeersträucher haben Dornen. Viele Dornen. Und anstatt bei den ersten Anzeichen umzukehren, den Weg bis zur verpassten Abzweigung zurück zu gehen, ging ich weiter durch die piekenden Büsche. Ich sah den anderen Weg ja schon, zumindest glaubte ich das.
Und es wurde wilder und wilder, die Fesseln brannten und auch die Knie waren aufgerissen und blutig. Und irgendwann gibt es dann auch kein zurück mehr. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, in Wahrheit aber vielleicht nur 10 oder 20 Minuten, bis ich die vielleicht knapp 100 Meter hinter mich gebracht hatte. Die Kratzer und Wunden schmerzen auch heute noch und erinnern mich daran, dass es immer bessere Alternativen gibt.
Vor dem sechsten Verpflegungspunkt verlief ich mich im strömenden Regen erneut. Anstatt nach rechts abzubiegen ging ich geradeaus und fand ich auf einer Straße wieder. Von der anderen Straßenseite her rief Jürgen Baumann zum Nachtessen, was für ein Glück.
Jürgen war sowieso mein Held an diesen Tagen. Als Fotograf fotografierte er am VP1 und am VP2 die Läufer, alle Fotos in diesem Artikel stammen von ihm. (Noch einmal DANKE für diese Mühe und RESPEKT für die Qualität der Aufnahmen.) Und er managte eben auch den VP6.

Wenn Dein Kopflicht nicht stark, die Nacht aber dunkel ist, wenn es in Strömen regnet und Du nur weiße Regenlinien vor den Augen siehst, dann erkennst Du keine Flatterbänder mehr, zumindest ich nicht. Ohne mein GARMIN Oregon wäre ich aufgeschmissen gewesen und wäre frustriert ausgestiegen, denke ich.
Und nach dem VP6 wurde es für mich dann wirklich spannend. Noch 20 Kilometer bis zum VP7 und dann noch 13 Kilometer bis zum Ziel, so war mein Kenntnisstand gewesen.
Da waren dann die Himbeeren gewesen und noch ein weiterer Verlaufer und dann kam der Kilometer 20, aber kein Verpflegungspunkt. Und auch nicht bei Kilometer 21 und nicht bei 22 und auch nicht bei Kilometer 26. Irgendwo muss ich am VP vorbei gelaufen sein und so redete ich im Kopfkino mit Andreas, um ihm das zu erklären. Es war auch nicht mehr weit bis ins Ziel, auf dem Oregon sah ich schon das Dorf. Da fehlten mindestens sechs, sieben Kilometer, dachte ich mir. Und im Kopf bot ich ihm an, noch eine Ausgleichsrunde zu drehen, um die 161 Kilometer voll zu gekommen.
Und dann, nach 27 Kilometern auf meiner Uhr, stand da … ein VP. Ich war verdutzt und fragte, was das denn hier sei.
Blöde Frage, ich weiß, aber mir fiel einfach nichts anderes ein. Ein Verpflegungspunkt, ach so. Und welche Nummer? Die 7! Und ich dachte, ich wäre daran vorbei gelaufen. Die beiden Helfer dort schauten mich an, als würde ich fiebrig und wirr reden. Wie weit es noch wäre, wollte ich wissen und ich erhielt die Antwort, dass es wohl noch gut 11 Kilometer wären. Mit sechs Kilometern hatte ich noch gerechnet, eben mit 33 Kilometern vom VP6 aus.
Und dennoch war ich froh, das Auslassen des VPs nicht erklären zu müssen, nicht zu kurz gelaufen zu sein. Zum Dank verlief ich mich kurz vor Dettenhausen erneut. Ich lief eine S-Kurve wie im Oregon gezeigt, endete aber im Dorf und bemühte mich dort nach oben zu den Sportplätzen. Ich kam dann aus der falschen Richtung an, lief aber etwa 100 Meter parallel am Ziel vorbei wieder auf den richtigen Trail, um beim Zieleinlauf von der richtigen Seite zu kommen.
Für mich war der SUT der längste Lauf des Jahres gewesen. Nach den 123 Kilometern des TransGranCanaria kam ja nichts mehr. Und so hat der SUT doch ein wenig die verkorkste Sommersaison ausgeglichen und für einen läuferischen Höhepunkt gesorgt. Landschaftlich gab er nicht allzu viel her, vielleicht auch deshalb nicht, weil ich ja im Schwäbischen groß geworden bin. Mir fehlten halt die optischen Highlights, die Berge und schroffen Landschaften. Nur die Himbeeren und den Matsch werde ich auf jeden Fall in Erinnerung behalten, denn davon gab es mehr als genug.
Und mir wird in Erinnerung bleiben, wie emsig sich Andreas und sein Team um die 23 Läufer gekümmert haben. Sieben VPs, 160 Kilometer markieren, alles zumindest bis zur Akkuleerung via Racemap ins Internet stellen, Pastaparty und Übernachtung im Sportheim vorher und Starter- und Finishergeschenke hinterher, verblüffend viel gab es da.
Und so bleibt auch nur noch, Andreas und seinen vielen Helfern DANKE zu sagen, DANKE für diesen Lauf, für die Betreuung, für die vielen Stunden, die man sich da wegen uns um die Ohren gehauen hat und DANKE, dass ich durch den SUT wieder den Glauben an mich selbst wiedergefunden habe.

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Mein kleiner Lauf-Adventskalender … der 3. Dezember

Uwe König hat über Facebook für den heutigen Samstag zu einen kurzen Ultra eingeladen. „BK1“, in großem Bogen rund um die Stadt Bad König. Da dabei zu sein war eigentlich mein Ziel für heute.

Bernhard Sesterheim mal wieder sehen, Didi Beiderbeck und all die anderen, das wäre schon ein Ziel gewesen.
Und weil der Lauf trotz des Windes wahrscheinlich sehr schön ist, war, gibt es ihn gleich zwei Mal. Am morgigen Sonntag wird das alles gleich noch einmal wiederholt.
Ein Gruppenlauf in moderatem Tempo 6:00 – 7:30 Minuten pro Kilometer, voraussichtliche Gesamtlaufzeit 5,5 bis 6,5 Stunden. Gruppenläufe haben da so ihre eigenen Gesetze und dauern meist viel länger als erwartet.

Noch gestern Mittag hatte ich die Hoffnung, dort in Bad König auch starten zu können. Eines Besseren belehrt hat mich dann die Webseite Nokia Maps.
Zweieinhalb Stunden Fahrt!
Und das, wo sich meine Eltern für einen Kurzbesuch auf 15.30 Uhr angekündigt haben. Schon morgen nach dem Frühstück geht es für sie weiter in die „verbotene Stadt“. Mein Onkel hat seine vielen Geschwister zu einem hohen runden Geburtstag eingeladen …
Und wenn es heute dort in Bad König um 9.00 Uhr losgehen soll, die Zielzeit am Treffpunkt war um 8.30 Uhr, dann ist der früheste Einlauf vielleicht um 14.30 Uhr zu erwarten, eventuell auch noch eine Stunde später, dann noch überall verabschieden und noch 150 Minuten heim fahren …?
Meine liebe Gabi ist bei Freiburg im Breisgau und somit nicht vor dem Abend zu Hause. Und wenn ich dann auch nicht da wäre … nein, Familie geht einfach über alles!

Mein Sportprogramm für die letzten 24 Stunden bestand also nur aus zwei Stunden Tennis-Doppel am gestrigen Abend. Aber da musste ich auch sehr viel laufen, rennen. Es ist ja so: wenn Du schon kaum offensive Schläge hast und generell passiv spielst, ein Return-Spieler bist, dann musst Du halt viel laufen …
Und heute war ich dann 90 Minuten lang auf dem Laufband. Ich habe die für mein Laufband maximale Steigung, aber ein moderates Tempo gewählt.
Wie schön ist es doch, draußen zu laufen, da kann das Laufband kein Ersatz dafür sein …

Also morgen wieder … alles Richtung 24. Dezember!

Ein super Dank an super Leute …

Einen Lauf wie den SH-Supertrail beschreiben geht für mich nicht anders als das mit Danksagungen zu tun.

Der erste Dank gebührt dabei natürlich dem Veranstalter Bernhard Sesterheim und seinem ORGA-Team. Einen solchen Lauf über zwei Tage auf die Beine zu stellen nötigt mir Respekt ab, vor allem, wenn es sich um den ersten Lauf solch einer Art handelt.
Die Hütten, in denen wir von Donnerstag auf Freitag und von Freitag auf Samstag genächtigt hatten, waren super und geradezu prädestiniert für ein solches Event. Die dazu gehörigen Sanitäranlagen waren ebenso ideal und sie waren, trotz eines technischen Problems, vollkommen ausreichend.


Ganz besonders fasziniert aber hat mich das angeschlossene Restaurant. Bei einem Leistungszentrum der Leichtathletik vermutest Du oft nur ein dunkles und einfaches Restaurant mit wenigen deftigen und fettigen Speisen, einem Patron, dessen Schürze aussieht wie das Babylätzchen meiner Kinder, als die noch klein waren, aber weit gefehlt:
die beiden Frühstücke, die uns geboten wurden, waren auf wirklich hohem Niveau und auch das Nachfüllen von Rührei, Quark oder Joghurt war präzise und schnell.

Das Abendessen jedoch machte mir etwas Bauchgrummeln. Es gab zwar ein Buffet, gut für die Viel-Esser unter uns, es gab aber nur eine sehr gut sortierte Salatbar, Spätzle, Gulasch und als Dessert ganz viel Schokoladenpudding. Alles davon wurde auf einer großen Tafel auf einer Staffelei angekündigt.
Als ich erwähnt hatte, Vegetarier zu sein, war ich erstaunt, nicht das übliche „Mann, da ist wieder so einer, der uns unnötige Mühe macht“ zu erfahren (hören tust Du das ja nie, aber die Gesichter mancher Restaurant-Angestellter sprechen Bände … ), sondern erst kurz mit dem Koch über Tofu-Gulasch reden zu können.
Bekommen habe ich dann vier halbe gefüllte Paprika, gefüllt rein vegetarisch und optisch und geschmacklich so lecker, dass Wilma, die mir gegenüber saß, plötzlich meinte, ebenfalls eine Vegetarierin zu sein. Für dieses spezielle Abendessen gebührt diesen Küchenangestellten mein zweiter Dank.

Mein dritter Dank gebührt den superleichten und superflachen INOV-8 Roclite 285 Trailschuhen, auf die mich viele Mitstreiter angesprochen haben. Üblicherweise wählst Du ja eher die stärkeren Modelle von INOV-8 für diese Strecken, aber mit diesen roten Schuhen, die quasi aus einer Ahnung von Nichts bestehen, die in der Größe UK8 nur 285 Gramm wiegen, fühlte ich den Waldboden direkt unter mir. Es war herrlich.
Was schreibt INOV-8 dazu auf der englischen Homepage?

„Ideal/Recommended Activity: Trail Running Adventure Racing Cross Country Climbing Approach Mountain.“
Stimmt, dem ist nichts hinzuzufügen.

Mein vierter Dank geht in Richtung X-BIONIC. Dieser Dank ist aber mit einer kleinen Träne in Augenwinkel verbunden. Seit dem „Marathon des Sables“ laufe ich, mit einer einzigen Ausnahme, stets bei Strecken „Marathon und länger“ mit den X-BIONIC Kompressionsstrümpfen.
Wenn ich vorher oft „Elefantenfüße“ nach einem Lauf bekommen hatte, dann ist das seit dem „Marathon des Sables“ vergessen. Nur bei dem einen Mal, wo ich mal wieder mit normalen Socken gelaufen bin, habe ich meine Waden wieder gespürt. Wir alle kennen die Diskussion, ob man Kompressionsstrümpfe verwenden soll oder nicht. Und jeder hat eine eigene Meinung dazu, manche sogar, ohne jemals solche Strümpfe getragen zu haben.
Für mich sind die X-BIONIC Kompressionsstrümpfe ein Segen und die kleine Träne im Augenwinkel habe ich nur, weil ich mich am Ende der nächsten Woche von ihnen verabschieden muss. Beide Fersen sind mittlerweile durch, aber nach rund 2.500 Wettkampfkilometern in diesen Strümpfen finde ich, dass das in Ordnung ist. In Delmenhorst beim 24-Stundenlauf am kommenden Wochenende dürfen sie den Fluss meiner Lymphe ein letztes Mal kontrollieren, danach werde ich sie standesgemäß beerdigen.
Beim “TRA 250 Miles Thames Ring Race“ werde ich dann mit ganz neuen X-BIONIC Kompressionsstrümpfen vor Ort sein.

Ein Strauß an Danksagungen wäre aber nicht vollständig, wenn es bei einer geraden Anzahl an „Blumen“ bliebe. Und so gebührt mein fünfter und letzter Dank denjenigen, die diesen Lauf erst zum Event gemacht haben. An die, für die und wegen denen ich mich immer wieder vor allem auf die kleineren und familiären Läufe freue und darin aufgehe und bei denen ich inständig hoffe, dass solche Tage nie zu Ende gehen wollen. Es sind die Lauffreunde, die mich vor, während und nach dem Lauf glücklich machen.

Ob sie wesentlich besser sind als ich oder einen Tick langsamer, von jedem lerne ich, dass diese Welt eine andere, eine bessere Welt wäre, wenn alle Menschen Ultraläufer sein würden.
Gerade beim SH-Supertrail waren es viel zu viele dieser engen und engsten Lauffreunde, als dass ich sie hier aufzählen könnte. Es würde den Rahmen einfach sprengen. Aber einige seien doch stellvertretend für die anderen genannt – und die nicht genannten mögen mir dennoch weiter gewogen bleiben.

Ich will zuallererst Wilma Vissers erwähnen. Ich habe sie seit dem SwissJuraMarathon (SJM), wo sie drittbeste Läuferin wurde, nicht mehr gesehen. Sehnen- und andere körperliche Probleme haben ihrer grandiosen Läuferkarriere eine kleine Delle verpasst und so war sie für mich diejenige im Starterfeld, auf die ich mich am meisten gefreut habe.

Wilma Vissers auf dem Podest beim SJM 2009, in der Mitte die Gesamtsiegerin Cécile Berg und ganz links die Zweitplatzierte, die großartige Anna Hughes

Als nächstes verdient Bernie Conradt eine Erwähnung. Als junger Vater hat er seine läuferischen Ambitionen ein wenig nach unten korrigiert und ich habe ihn seit seinem elefantösen Auftritt beim “TOUGH GUY 2011“ nicht mehr gesehen. Ohne ihn aber wäre die Veranstaltung bei weitem langweiliger geworden, weil er durch seine Kontakte nahezu alle „Coolrunners Germany“ aktiviert hat: Grace, Didi, Norman, Heidelinde, Kurt, Tanja, Walter, Alex und viele mehr.
Von vielen wusste ich zuvor nicht, dass ich sie dort treffen würde, umso größer war die Freude.

Bernie ist auch derjenige gewesen, der mich überhaupt in die läuferischen Regionen katapultiert hat, in denen ich in den letzten Monaten laufen durfte. Sein Satz nach dem “TransAlpineRun 2008“ „Jetzt hast Du drei UTMB-Punkte, jetzt musst Du auch zum UTMB“ hat mir Grenzen nach oben geöffnet, dafür danke ich Bernie noch heute. Aber ungelogen: bis zu diesem Satz wusste ich nicht einmal, was der UTMB überhaupt ist.

Den dritten, den ich erwähnen will, ist Raimund Slabon. Nicht nur, weil er ein extrem schneller Trailläufer ist, sondern, weil er einer von meinen zwei Rettern bei der „TorTOUR de Ruhr“ war – und beide Retter waren bisher eher unbekannt und unbedankt geblieben. Raimund war die Fahrrad-Begleitung von Susanne Alexi auf der TorTOUR und derjenige, der zurück gefahren ist, um mich, als ich mich derbe verlaufen hatte, wieder auf den rechten Weg zurück zu bringen.
Bei solch einer körperlichen Anspannung bleibt der gebührende Dank oft aus – dieses Wochenende war eine gute Gelegenheit, das nun nach knapp einem Jahr nachzuholen.


Unbedankt und unbekannt bleibt dann nur noch der andere Retter bei der TorTOUR. Es war kurz vor der Ruhr-Metropole Essen nach dem Versorgungspunkt, den John P. Hunold gemanagt hat. Er hielt dort unter einer Brücke die Stellung, vor seinem Wohnmobil und unter seinem Tropenhut.
Ich war so froh, mit ihm ein paar Worte wechseln und ein paar Minuten dort ausspannen zu können, dass ich erst etwa nach zwei Kilometern hinter dem Verpflegungspunkt gewahr wurde, dass ich meine beiden Trinkflaschen bei ihm vergessen hatte!
Und als ich hin- und hergerissen war zwischen den Überlegungen, ob ich zurück laufen sollte oder auf Tankstellen hoffen sollte, damals, an diesem extrem heißen Pfingsttag, an dem der Baldeneysee und die Ruhrauen übervoll waren mit Grillern und Frisbee-Spielern und als ich mich nicht entscheiden konnte, welche Alternative ich wählen sollte, da klopfte mir dieser andere unbekannte Retter auf die Schulter.

Er kam mit einem Fahrrad angeradelt und übergab mir die gefüllten Wasserflaschen, die ich so sehnlichst vermisst hatte. Ich glaube, den Dank dafür blieb ich bis heute schuldig. Umso schöner, dass ich aus einem der beiden unbekannten und unbedankten Retter einen bekannten Retter machen konnte, dem ich danken durfte.

Die letzte Erwähnung hier erhält Norman Bücher. Seit ich ihn über die „Coolrunners Germany“ und über die Gruppe „UTMB & CCC“ im „wer-kennt-wen“ (WKW) kennengelernt habe, respektiere ich ihn von Woche zu Woche mehr.
Ob es seine läuferischen Leistungen sind, seine berufliche Karriere als Motivationsredner oder seine Erlebnisberichte, wenn er erzählt: am meisten schätze ich an ihm, dass er ein braver und bescheidener Ultraläufer geblieben ist, der als junger Vater auch beim Brasilianischen Jungle-Marathon weiß, wo man aufgeben muss.
Und besonders freuen tue ich natürlich darauf, mit ihm beim „Tor des Géants“ (TdG) teilnehmen darf. Als ich am Ende des SH-Supertrails mit ihm auf den Zieleinlauf angestoßen habe, sagte ich zu ihm:
„Wenn wir das im September auch zusammen tun dürfen, dann wäre ein Traum wahr geworden!“
Norman antwortete: „Ja, aber dann feiern wir etwas aufwändiger!“


Vielen Dank an alle für dieses wunderschöne Wochenende!