Troisdorf oder warum ein 6-Stunden-Lauf schon nach 90 Minuten zu Ende war …

Am Morgen des vorigen Samstags, am Morgen vor dem 6-h Lauf in Troisdorf, der wie immer liebevoll von den engagierten M-U-T’lern organisiert wurde, fühlte ich schon wenig Motivation, diesen Lauf zu machen.
Vom Vortag taten mir die Oberschenkel noch weh, ein Handicap, das meinem akuten Trainingsrückstand geschuldet war, ich war nicht wirklich ausgeschlafen, und hatte so ein Grummeln im Magen, genug Gründe, die Bettdecke wieder über den Kopf zu ziehen und noch ein paar Schlafstündchen dran zu hängen.
Aber die vermeintliche Pflicht siegte.

Der Troisdorfer 6-h Lauf, immerhin 2005 mein Einstieg in die Welt der Ultras, wenn ich von dem Gruppenlauf rund um Ratingen, den „Ratinger Rundlauf“ am 3. Oktober 2005 absehe, stand sowieso nicht auf meiner Laufagenda, weil es eigentlich das letzte Wochenende war, an dem ich hätte arbeiten müssen, dieses Mal in der Drei-Flüsse-Stadt Passau.
Da meine Gabi mir aber für dieses letzte Wochenende frei gegeben hatte, erinnerte ich mich an die freundliche Einladung von Michael Irrgang, der mich via Facebook zu diesem Lauf hatte überreden wollen, was ich unter dem Verweis auf den Arbeitseinsatz ablehnte.
Außerdem hat mich der XING-Lauffreund Thorsten Stelter gefragt, ob wir dort in Troisdorf ein paar Worte miteinander wechseln könnten. Live hatte ich ihn seit einem nur wenige Minuten dauernden Treffen vor dem Rennsteiglauf Anfang dieses Jahres nicht mehr gesehen, alles Gründe, doch nach Troisdorf zu fahren.

Zu Troisdorf sei für diejenigen, die noch nie in diesem Städtchen waren, erklärt, dass man das „i“ im Namen nicht mitspricht. Troisdorf heißt also eher Trosdorf, hier in der Region wird Tro(i)sdorf auch liebevoll „Trostlos“ genannt. Es ist eben eine eher gesichtslose Wohnstadt für Bonn und Köln, eine der vielen Wohnstädte, die sich rund um diese schönen Städte gebildet haben.
Troisdorf ist vor allem für mich sehr nah. Und Nahes hat von jeher nur einen bedingten Charme, finde ich. Eine gesichtslose Stadt in Sachsen-Anhalt oder in Bayern ist allemal besser als etwas, das nahezu direkt vor der Haustüre liegt.

Dazu kommt, dass es in Troisdorf eine Tradition gibt, fast schon eine Gleichung. Wenn der Lauf in Troisdorf ist, dann ist auch das Wetter schlecht. Immer. Schlecht, nass, kalt.
Im Vorjahr hat es fast permanent geregnet, es begann nur wenige Minuten nach dem Startschuss, steigerte sich gegen Mittag zum Wolkenbruch und endete auch erst wieder kurz vor dem Ende des Rennens. Noch immer sehe ich die unermüdlichen Helferinnen und Helfer, die versucht haben, die schlimmsten Wasserpfützen auf dem Damm hinter dem Aggertal-Stadion weg zu wischen. Ich erinnere mich an den verzweifelten Versuch, sogar die Cola anzuwärmen, damit uns die nasse Kälte nicht allzu sehr zusetzte.
Ich erinnere mich an meinen ersten Lauf dort, damals, 2005. Beim Lauf selbst war es einigermaßen trocken, aber der Weg war noch nass vom Regen am Vortag und vom Regen in der Nacht vor dem Start.
Wenn Du dort vom Damm herunter kommst und auf die Straße trittst, dann gibt es da mitten im Laufweg eine kleine Senke im Asphalt, in der sich immer das Wasser sammelt. Damals bin ich drei oder vier Stunden lang brav um diese Senke herum gelaufen, in den letzten beiden Stunden aber war mir der Umweg zu weit und meine innere Abwägung „nasse Füße“ oder „Umweg“ wurde anders beantwortet wie in den ersten Laufstunden.
Damals hatte ich mich von den Lauffreunden des TV Altendorf-Ersdorf begleiten lassen. Ein paar Runden mit Rainer, ein paar Runden mit Katrin, ein paar Runden mit Dietmar, ein paar Runden mit meiner Gabi – und natürlich viele Runden alleine, vor allem in den ersten beiden Laufstunden.
Damals hat es aber nicht gereicht für die 60 Kilometer – und auch beim zweiten 6-h Lauf, ein halbes Jahr später in Stein/NL nicht. Erst dann, ein weiteres Jahr später, beim dritten Versuch, in Steenbergen/NL, kam ich mit ca. 64,5 Kilometern auf ein zufrieden stellendes Ergebnis. Seither habe ich keinen 6-h Lauf mehr mit Engagement gelaufen.
Im Vorjahr hatte ich in Troisdorf nach einem Marathon noch die Runde beendet und bin dann gegangen, nass und kalt wie ich war.
Und das war auch mein Plan für 2011 an diesem Morgen, wo ich unmotiviert war und besser im Bettchen geblieben wäre.

Auf der Starterliste aber hatte ich neben Melanie und Steffen Kohler auch Birger Jüchter gesehen. Melli und Steffen hatte ich schon Monate lang nicht mehr live gesehen und auch mit Birger bin ich zuletzt beim Allgäu Panorama Ultra gemeinsam gelaufen. Seine Finishertrophäe, ein Metall-Läufer auf einem Pflasterstein, steht noch immer bei uns.
Er hatte Gabi und mir seine Trophäe mitgegeben, weil ihn sein Weg weiter geführt hat zu Hauke Königs höchst privatem Frubiase TransGermany Lauf und Birger war dorthin mit dem Fahrrad unterwegs. Da hätte so eine Trophäe sicher eher gestört.
Nicht zuletzt freute ich mich auch, den stets freundlichen Michel Irrgang mal wieder zu sehen.

Mein erstes Ziel war, gut auszusehen. Ich erinnte mich bei der Beantwortung meiner Frage, in welcher Farbe ich wohl laufen würde, an das Zitat von Henry Ford.
Jens Vieler erwähnt dieses Zitat auch sehr oft und vieles bei seiner TorTOUR de Ruhr basiert auf diesem Zitat.

„Egal welche Farbe – Hauptsache: schwarz!“

Als Wintertyp steht mir schwarz sowieso am besten. Und das, was X-BIONIC in schwarz produziert, habe ich schon beim ersten Ansehen in mein Herz geschlossen.
Das Outfit war also schnell klar, eine ganz kleine Motivationsspritze war das schon. Aber eben nur eine  kleine, die nicht allzu lange anhält.

Schon an der Startlinie habe ich gemerkt: ohne eine ausreichende Portion Motivation laufen ist einfach Mist. Du haderst an allem, Du spürst Deinen Körper schon, bevor Du losgelaufen bist und Du fragst Dich von Anfang an: „Was soll ich hier?“
Noch freute ich mich über die vielen anderen Lauffreunde, darüber, Conny und Sigi Bullig, zu sehen. Und ich startete mit Thorsten Stelter und auch Birger, Melanie und Steffen waren lange bei mir.
Aber wer mich nicht begleitete, war die Begeisterung. Es war Pflicht von Anfang an, Pflicht und Zwang. Selbst auferlegt, zweifellos, aber eben dennoch Pflicht und Zwang.

Das Wetter war fantastisch, überhaupt nicht Troisdorf-typisch. Es war mild, sonnig, ein wunderbarer Tag. Ein Tag, an dem man, wie Michael Irrgang mir irgendwann sagte, auch mal Gehpausen einlegen könnte, sich intensiv versorgen lassen könnte, alles langsam angehen lassen könnte. Stimmt.
Stimmt aber irgendwie auch nicht. Denn an so einem Tag kannst Du auch etwas anderes Schönes machen als Dich von anderen Läufern überholen zu lassen. Wenn Du anfängst, das peinlich zu finden, was Du da ablieferst, dann ist es Zeit, aufzuhören.

Melanie und Steffen Kohler waren mittlerweile einhundert oder zweihundert Meter vor mir. Ich gab mir noch Mühe, die beiden einzuholen, lief noch den Rest der Runde mit den Beiden, um dann meine Startnummer abzunehmen und mit meiner Entscheidung zufrieden das Terrain zu verlassen.
Ein Drittelmarathon, immerhin. Etwas zum Auslaufen, immerhin.

Nun bleiben noch zwei Wochen Zeit, mein Pensum wieder deutlich nach oben anzupassen, lange Einheiten zu probieren, damit der KoBoLT nicht hinter einem der Tausend Bäume hervorlugt und mir eine lange Nase zeigt.

Aber zwei Wochen sind ja auch wirklich noch eine sehr lange Zeit …

Von Delmenhorst nach Delmenhorst …

Lange ist es noch nicht her, dass in Delmenhorst das Schlusssignal ertönt ist, aber es wirkt für mich fast unwirklich, so lange vergangen.
Es ist ja der Traum der meisten Läufer unter uns: etwas Besonderes leisten, sich selbst irgenwo abholen, das Gewesene verbessern und die Achtung und Aufmerksamkeit von Anderen erhalten.

Am Anfang meiner „Läuferkarriere“ dachte ich immer, zu schlecht zu sein, zu langsam zu laufen und zu schnell müde zu werden. Ich habe immer nur zu den Schnellen aufgeschaut, ich habe die bewundert, die weiter laufen können als ich und die Cracks unter den Läufern beneidet und in meine Abendgebete eingeschlossen.


Dabei ist es gar nicht wichtig, ob Du bei einem 24-h Lauf 120, 180, 200 oder mehr Kilometer hinter Dich bringst. Wichtig ist lediglich, dass Du weißt, wo Du stehst und dass Du dort versuchst, aus Deiner „Wohlfühlzone“ auszubrechen und eine Leistung zu bringen, mit der Du Dich am nächsten Tag im Spiegel mit Stolz betrachten kann.
Und wie diese Leistung sein muss, das entscheidest Du ganz allein. Du holst Dich eben da ab, wo Du bist. Und da sind wir alle verschieden – zum Glück.
Oder anders formuliert: lieber einen persönlichen Bestwert mit 140 Kilometern schaffen als weinend einzulaufen, weil es „nur“ 169,6 Kilometer waren und das definierte Ziel „170 Kilometer“ verfehlt wurde.

Mein erster 24-h Lauf war vor zwei Jahren bei der DLV-Challenge in Delmenhorst. Ich hatte diesen Lauf ausgesucht, weil ich bis dahin nur zwei 100 Kilometer – Läufe gemacht hatte, beide waren in Biel, 2007 und 2008, und ich war der begründeten Ansicht, dass es nicht schlecht wäre, vor den 166 Kilometern des UTMB diese Strecke zumindest einmal flach gelaufen zu sein. Zwei gleichzeitige Herausforderungen, eine für mich extreme Länge und für mich extrem viele Höhenmeter, wollte ich mir nicht zumuten, da kam die DLV-Challenge genau Recht.

Und jetzt, zwei Jahre später, bei meinem zweiten 24-h Lauf, war ich also wieder in Delmenhorst, beim Burginsellauf, weil die DLV-Challenge nicht wiederholt wurde.

Dabei war die DLV-Challenge für mich optimal. Schon die Grundbedingungen waren perfekt. In der Altersklasse M40 und M45 wurdest Du nur gewertet, wenn Du mindestens 150 Kilometer gelaufen bist. Am Anfang war noch meine größte Angst, lange zu laufen und dann nicht gewertet zu werden. Der Vorteil gegenüber anderen 24-h Läufen ist aber, dass Du die Walker mit ihren Stöcken nicht auf der Strecke hast.
Staffeln waren ebenfalls verboten, auch das ist ein unschätzbarer Vorteil, weil Du Dich, wenn Du nicht sehr diszipliniert bist, doch immer ein wenig von den Staffeln zu einem schnelleren als Deinem angemessenen Tempo verleiten lässt.
Und ich bin damals mit der damals noch für dle LG Ahrweiler laufenden Sabine Strotkamp gelaufen. Sabine läuft auch für die Nationalmannschaft, ist sehr diszipliniert und hatte das gesamte DLV-Team „im Boot“.

Wir sind damals mit einer 7er Zeit gestartet und schon nach zweieinhalb Stunden waren wir mit zwei Runden Rückstand zum Vorletzten abgeschlagen ganz weit hinten. Ich hätte viel schneller gekonnt, aber Sabines Trainer, der heute ihr Ehemann ist, schimpfte uns schon dann, wenn wir mal die 1 Kilometer Runde mal mit 6:53 Minuten abgeschlossen hatten. „Ihr seid zu schnell!“ rief er uns ständig zu und meine Sorge, die 150 Kilometer-Hürde nicht zu schaffen, wuchs mit jeder Minute.

„Sabine,“ sagte ich zu ihr, „ich bin nicht hier, um Letzter zu werden!“
Aber Sabine schaute mich mitleidig an und fragte mich, wie weit ich denn zu laufen gedenke. Als ich ihr sagte, dass ich mindestens 150 K schaffen müsste, antwortete sie: „Dafür sind wir viel zu schnell!“
Ich war irritiert und sie sagte mir, dass wir, wenn wir das 7er Tempo bis zum Ende halten könnten, bei 200 Kilometern landen würden.
Mit den Stunden rutschten wir dann im Ranking immer weiter nach vorne. Ich endete dann mit 177,520 Kilometern als insgesamt Zehnter und als Fünfter der Altersklasse M45.
Das war für mich kaum mehr steigerbar und so wuchs von Monat zu Monat die Sorge, das irgendwann nicht mehr toppen oder wenigstens einigermaßen erreichen zu können.

Ich war danach bei mindestens drei weiteren 24-h Läufen angemeldet, bei einem Fun-Lauf im Saarland, bei einem 24-h Lauf in Ratingen-Breitscheid, der von meinem Freund Bernd Krayer organisiert wird und bei der Deutschen Meisterschaft im 24-h Lauf im letzten Jahr in Rockenhausen. Im Saarland und in Rockenhausen habe ich mit mäßiger Motivation immer direkt nach der Überquerung der Marathon-Marke aufgehört. Immer war ich zu schnell angegangen, jedes Mal habe ich mich über mich selbst geärgert  – und beim 24-h Lauf in Breitscheid habe ich eine andere Taktik gewählt. Hinlaufen war die Devise, nicht primär dort laufen.

All das habe ich getan, um erst gar nicht in die Versuchung zu kommen, den Bestwert von damals testen zu müssen – und daran vielleicht zu scheitern. Ich habe jeden Grund akzeptiert, vorzeitig auszusteigen, gewertet wirst Du ja auch mit ein paar Metern mehr als ein Marathon!

Und jetzt hatte ich mir für Delmenhorst Ruhe verordnet und das Glück, jede noch so bescheidene Leistung mit dem Training für England begründen zu können. Ich wollte ja gar nicht auf einen persönlichen Bestwert laufen, nur entspannt für das „TRA 250 Miles Thames Ring Race“ trainieren. Und so entschied ich, die Strategie von Sabine zu wählen, langsam zu starten und zu versuchen, so lange wie möglich auf diesem Level zu verharren.
Trotz der besten Vorsätze begann ich zwar sehr langsam, aber immer noch etwas zu schnell. Statt eines 7er Tempos hatte ich meist eine 6:35 auf dem Schirm, aber noch weiter zu reduzieren traute ich mich nicht, immerhin lief ich mit meinem Freund Birger, der von mir gedacht haben muss, dass hier eine echte Ultra-Schnecke unterwegs ist.
Sabines Trainer hätte mich wohl total „zur Sau“ gemacht wegen der meist 20 bis 25 Sekunden pro Kilometer, die ich effektiv zu schnell war.

Besonders stolz auf mich war ich, weil ich 10 Runden lang der Versuchung widerstanden habe, bei jeder Runde auf den Monitor zu schauen, um nachzusehen, wo ich denn gerade platziert bin.


Es ist seit langem ein offenes Geheimnis: Du nordest Dich in den ersten zwei Stunden auf eine Laufgeschwindigkeit ein. Beginnst Du zu schnell, dann brichst Du irgendwann ein und verlierst ein Vielfaches von dem, was Du am Anfang gewonnen hast. 24 Stunden sind eben enorm lang und der Gewinn der ersten Stunden verblasst gegen den Verlust der letzten Stunden.
Folgerichtig sah ich auch, dass ich nach der Runde 11 „nur“ der 32. von allen war, der 5. der Altersklasse M50.
Mittlerweile hatte ich mich auf mein Renntempo eingenordet, die ersten zwei Stunden waren vorbei, der Mensch ist zur Maschine mutiert und die Gefahr, jetzt noch zu schnell zu werden, war relativ gering.
Und trotzdem verbesserte ich mich bis zur Geisterstunde von Runde zu Runde fast immer um einen Platz.


Als meine Gabi für sich entschieden hat, kurz nach Mitternacht, zwischenzeitlich waren 12 der 24 Stunden vergangen, etwas zu schlafen, war ich 9. von allen und 2. der Altersklasse und meine Gedanken spielten verrückt, der Ehrgeiz erwachte und alle guten Vorsätze, locker zu bleiben, gab ich irgendwo auf der Strecke ab.
In der nächsten Runde verbesserte ich mich auf den 7. Rang und eine weitere Runde später war ich schon 6. und 1. der Altersklasse.
Es war meine Vernunft, Gabi nicht zu wecken, um ihr das schöne Ereignis zu zeigen, aber es wurde mein Ziel, diese Platzierung bis ins Ziel zu retten.
Gleich darauf war ich sogar auf dem fünften Platz und dieses Ergebnis hielt ich bis zum Ende.
Erst in den letzten vielleicht drei, vier Stunden, reduzierte ich mein Tempo ein wenig, gönnte mir ein paar Gehpausen und ließ mir von Gabi und dem „Runningfreak“ Steffen Kohler ausrechnen, wie groß mein Vorsprung auf den Zweitplatzierten der Altersgruppe und auf den Sechstplatzierten des Rennens ist.
Beide Werte vermittelten Sicherheit und weil ich ja ein träger Junge bin sank meine Motivation, ständig am oberen Level für so eine Veranstaltung zu laufen, ein wenig ab und ich gönnte mir ein paar nette Gespräche mit lieben Läufern wie dem großartigen Bernd Nuss, seines Zeichens Veranstalter des 24-h Laufes „Rund um den Seilersee“ bei Iserlohn, mit Hans Würl, den ich immer wieder bei Großevents treffe und vielen Anderen.
Es war eine schöne Veranstaltung – und das nicht nur wegen des sportlichen Erfolgs.

Wenn man betrachtet, welche Mühe sich die Organisatoren machen, dann verharrt man in Demut und Dankbarkeit. Schon die Startgebühr ist bescheiden niedrig und die Versorgung lässt keine Wünsche offen.
Außer Wasser und Cola gab es alkoholfreies Weizenbier, Malzbier und eine Batterie von Säften, beginnend mit Orange und Apfel und endend mit Exoten wie Guavensaft und Mangosaft. Es gab frische Früchte, frische Ananas, Weinträubchen und erntefrische Erdbeeren.
Wer da nicht glücklich wurde, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Und den leckeren Milchreis mit Erdbeersauce, der ab 20 Uhr erhältlich war, kannte ich ja schon aus dem Jahr 2009.
Zu diesem Zeitpunkt gab es dann auch Nudeln im Überfluss, garniert mit fleischhaltiger Sauce oder, vielleicht speziell für mich, in einer vegetarischen Sauce. Richtige Läufernahrung also.

Musik vom Band am Anfang, eine Live-Band ab 20 Uhr, die allerdings etwas rockigere Musik hätte spielen können, ein Speaker mit einer wunderschön trainierten Stimme, der Lust gemacht hat, ihm immer wieder zuzuhören und als Abendabschluss in verschiedenen warmen Farben angestrahlte Bäume im Park, durch den wir liefen.

Perfekt war auch die technische Ausstattung. Jeder Läufer erhielt spezielle Transponder und innerhalb einer Megasekunde war Dein Ergebnis auf dem Monitor mit Deiner Platzierung Gesamt und AK, mit Deiner letzten Runde, der Gesamtzahl der absolvierten Runden und der Gesamtstrecke, die Du schon bewältigt hast.

Bleiben nur noch die Siegerpokale für die schnellsten Teamstaffeln, die schnellste Frau, den schnellsten Mann und die Auszeichnungen für die jeweils drei Altersgruppensieger.
Von 2009 war ich ja noch verwöhnt, als es einen Glasblock gab mit einem als Hologramm eingelaserten Läufer und meinem 5. Platz der Altersklassenwertung.
2011 aber stand in nichts nach. Die Glasaufsteller, die wir bekamen, sind zauberhaft schön, wertvoll und werden stets einen Ehrenplatz in meinem Schlafzimmer haben.


Besser, finde ich, kann man solch einen Lauf nicht machen. Und so verneige ich mich Richtung Delmenhorst und den dortigen Organisatoren.

Delmenhorst, ich komme wieder …

Life is a Rollercoaster !

Schlapp war ich in Troisdorf beim 6-h Lauf, dem ersten Lauf nach sechs Wochen unfreiwilliger Laufpause, relativ schlapp war ich auch in Bad Berleburg beim 24-h Lauf. Beide Male war ich nur wenig motiviert, relativ langsam und der Puls war für die gelaufene Geschwindigkeit bei weitem zu hoch.

Zwischen diesen beiden schlappen Läufen allerdings war ich in Luxemburg …


Mein zweiter Lauf in Luxemburg in meinem kurzen Läuferleben führte mich auf die 50,1 Kilometer des „Trail Uewersauer“ im luxemburgischen Heiderscheid.
Der „Trail Uewersauer“ ist einer der Läufe, von denen man gar nicht genug bekommen kann und von denen es gar nicht genügend gibt.
Schon das Startgeld ist eine Liebeserklärung an die Läufer: 35 EUR nimmt man da, nur die, die sich weniger als 7 Tage vor dem Lauf anmelden, werden mit 15 weiteren EUR bestraft.

Für dieses Geld bekommst Du nicht nur einen Lauf, der mit ChampionChips persönlich und qualifiziert gemessen wird, einen Lauf, der vielleicht zu den schönsten Landschaftsläufen gehört, die ich kenne, einen Lauf, wo auch die Versorgung Maßstäbe setzt und einen Lauf, der wirklich trailig und matschig ist, wo Asphalt nahezu nicht existiert und dessen Auf und Ab Dich wirklich fordert.
Nein, Du bekommst auch ein Starterpaket, in dem das alkoholfreie Bier in der Tasche noch das Wenigste ist. Da ist auch ein hübsches, dickes SweatShirt dabei. Das ist so kuschelig warm und weich, dass ich mich eigentlich beim Veranstalter beschweren müsste, denn kaum hatte ich das SweatShirt meinem knapp 17-jährigen Sohn gezeigt, war es auch schon in seinem Kleiderschrank.
Es sei ihm gegönnt …

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Neben ein paar weiteren „Goodies“ gibt es in diesem Startpreis am Ende noch eine warme Mahlzeit, eine Lasagne mit Fleischanteilen oder eine Gemüselasagne für die, denen „totes Tier“ nicht schmecken will. Und dazu gibt es noch einmal eine Flasche alkoholfreies Bier, ein Bierchen, das dann nach dem Lauf herrlich erfrischend schmeckt.

Kein Wunder also, dass dieser Trail eine riesige Läufergemeinde vereinigte, zumal das Wetter am vorletzten Wochenende fantastisch werden sollte. Nach dem Regen in Troisdorf und vor der Kälte von Bad Berleburg durften wir wohl zum letzten Mal in 2010 ein Wochenende mit Sonne und warmen Temperaturen genießen.


Für mich und für Günter Meinhold war der „Trail Uewersauer“ irgendwie fast das Gleiche. Während Günter seinen 401. „Marathon und länger“ lief, seinen Jubiläumslauf feierte er in Berlin beim 3-tägigen Mauerwegslauf, feierte ich meinen 104. „Marathon und länger“. Zumindest in der Quersumme habe ich jetzt also mit Günter gleichgezogen.
Auch Birger Jüchter feierte ein Jubiläum, für ihn war es „Marathon und länger“ Nummer 50. Wenn man bedenkt, wie kurz er erst in der Läuferszene ist, ist das eine wirklich beachtliche Zahl.

In Troisdorf lief ich ja teilweise mit Steffen Kohler und auch in Bad Berleburg lief ich mit ihm. Beide Male war ich schlapp und unmotiviert, beim Lauf dazwischen sollte alles anders sein.

Also lief ich mit – Steffen Kohler und seiner Melanie.
Ob es das weibliche Element war, das mich so motivierte, weiß ich nicht. Ich erinnere mich aber noch, dass ich die beiden dann ab Kilometer 22,8 alleine gelassen habe, weil ich das Gefühl nicht los wurde, dass Melanie sich durch mich unter Druck gesetzt fühlte.
Du kannst dreißig Mal sagen, dass Dir das Tagesergebnis gleichgültig ist, dass Du nur zusammen laufen willst, Glauben schenkt Dir deshalb dennoch niemand.

Ab jenem Kilometer 22,8 habe ich es dann aber richtig laufen lassen. Nachdem wir 1:15 Stunden für die ersten 10 Kilometer und 1:25 Stunden für die zweiten 10 Kilometer gebraucht haben, machte ich auf den dritten 10 Kilometern, nun weitgehend alleine, so viel Druck, dass ich diese Passage in 1:03 Stunden absolvieren konnte. Das vierte 10 Kilometer Paket lief ich wieder in 1:15 Stunden und die letzten 10 Kilometer, die „heim in den Stall“ Kilometer, schaffte ich trotz eines heftig steilen Berges am Ende in 1:09 Stunden.

Auf meinem Weg nach vorne überholte ich unglaublich viele Läufer, unter ihnen auch Eric Türlings, den Organisator des großartigen Trailwettbewerbs K-UT, des Keufelskopf Ultra. Zuletzt hatte ich ihn mitten in der Nacht beim PTL auf dem Gipfel eines Berges gesehen und dann wieder auf einer sonnenbeschienenen Jausehütte beim zweiten Frühstück. Er sei vollkommen untertrainiert, sagte Eric. Aber das ändert nichts an meiner Botschaft für ihn: Eric, auf deinen Lauf am 28. Mai 2011 freue ich mich ganz besonders!

Kurzum: es ging mir richtig gut auf dem luxemburger Trail, ich war voller Kraft, motiviert und schnell auf den Beinen. Es ist halt wie auf der Achterbahn. Gerade noch unten geht es steil bergauf. Und wenn Du dann glaubst, ganz oben zu sein, dann ist es auch schon wieder vorbei und Du stürzt in rasanter Fahrt wieder in das nächste Tal.

Aber eines ist auf der Achterbahn auch ganz sicher:
solange die Fahrt nicht für immer zu Ende ist, solange wird es auch immer wieder bergauf gehen!
Ist das nicht auch eine Erkenntnis, die uns Mut für das Leben macht?


In Troisdorf schwach, in Luxemburg obenauf und in Bad Berleburg platt – was bedeutet das für den „Kleinen KOBOLT“ am Samstag?

Wir werden es sehen …