Gemiddelde snelheid: 8,2 km/u

Thomas Eller – 2908
Afgelegde afstand: 100 km; Gemiddelde snelheid: 8,2 km/u

Controlepost Afstand Tijd Km/u

01 Start (Kruisberg) 0,00 21:13
02 Weert – Kerk 7,40 21:54 10,8
03 Roddam – Friesland Foods 17,32 22:58 9,3
04 Wintam – Parochiezaal 24,39 23:45 9,0
05 Ruisbroek – Parking 30,42 00:27 8,6
06 Breendonk – Duvel 39,33 01:27 8,9
07 Steenhuffel – Palm 49,51 02:44 7,9
08 Merchtem – Sporthal 56,78 03:40 7,8
09 Buggenhout – Sporthal 64,96 04:46 7,4
10 Opdorp – Capelderij 70,36 05:27 7,9
11 Lippelo – School 74,61 06:03 7,1
12 Puurs – Sporthal 80,34 06:53 6,9
13 Oppuurs – De Mispel 84,26 07:23 7,8
14 Sint-Amands – Sporthal 89,29 08:02 7,7
15 Branst – Zates 94,15 08:39 7,9
16 Aankomst 100,00 09:20 8,4

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Er ist jetzt also auch Geschichte, der Dodentocht, der Totenkopf, die urige, vielleicht einzigartige Veranstaltung für jedermann.
Ein 100 Kilometer Lauf für jedermann, geht denn das überhaupt?

Bevor ich zum Läufer mutierte wusste ich gar nicht, dass Menschen überhaupt so eine Strecke nonstop bewältigen können und schon als Kind war mir beim Wandern mit den Geschwistern und den Eltern klar: mehr als 30 Kilometer am Tag geht einfach nicht!

Und im belgischen Bornem versammeln sich Jahr für Jahr bis zu 12.500 Menschen, um diese lange „geht einfach nicht“ – Strecke zu bewältigen, es ist wahrlich unglaublich. Und wenn Du von anderern Großveranstaltungen her weißt, dass diese Menschen vor allem viel buntes Polyester tragen und darauf für andere Großveranstaltungen werben, wo die Teilnehmer auch, in viel buntes Polyester gekleidet, auf weitere Großveranstaltungen hinweisen, dann weißt Du nicht, wie die Menschen in Bornem dort vor dem Start aussehen.

Hunderte trugen eine Militäruniform, aber auch das kennt man noch aus dem schweizerischen Biel, wo ja neben dem Lauf parallel auch die Schweizerische Militärmeisterschaft ausgelobt ist, Tausende aber trugen ganz normale Wanderkleidung, einen großen Rucksack auf dem Rücken, oft mit Campingtischen und Campingstühlen verziert.
Ich habe mir immer die Geduld dieser Teilnehmer vorgestellt, wie sie bei einem Kontrollpunkt in aller Ruhe den Campingtisch und die Campingstühle aufbauen, ein Tischdeckchen auf den Tisch legen, ein paar Blümchen drapieren, Servietten heraussuchen, um dann genußvoll erst zu essen und dann noch ein wenig Karten zu spielen.
Ich bewundere die Ruhe dieser Menschen!

Interessant waren auch die vielen Wanderer, die mit riesigen Fahnen bewaffnet waren oder Wanderer, die äußerlich eher an die Obdachlosen im „Bonner Loch“ erinnerten, die aber gleichzeitig mit ihrem neuen iPhone den aktuellen persönlichen Status updateten.
Da war aber auch die Gruppe dickbäuchiger Wanderer, die ich gleich nach dem Parken kennengelernt habe. Alle trugen ein azurblaues T-Shirt mit weißer Aufschrift, zudem waren alle Bartträger, meist mit sehr, sehr langen Bärten. Ein Hauch von ZZ Top wehte ihnen um die Stirn und Harley-Davidson wäre über solche Frontmänner glücklich. Bestimmt hatten die jeweils so ein Kult-Motorrad in der belgischen Garage. Ich hätte danach fragen sollen …
Sie halfen mir, mich in dem Dickicht von Scanning-Station, Start und Einschreibezelt zurecht zu finden. Ich glaube, ohne dieses Dutzend wilder Belgier hätte ich mehr Probleme gehabt, alles noch halbwegs rechtzeitig zu erreichen, zudem erfuhr ich manches Wissenswerte rund um den Lauf, den diese Jungs natürlich schon viele Male absolviert haben.
Den Satz „Der Weg vom Einschreibungszelt bis zum Start zählt mit“ hielt ich anfangs für einen Witz. Dass es aber richtig war, erfuhr ich spätestens bei der 50 K Markierung, die auf meiner GPS Uhr bei 48,67 K stand.
Die 12 verrieten mir auch, dass es keinen Grund für meine Hektik gäbe. Der Start um 21 Uhr würde nichts besagen, bis ich wirklich über die Startlinie laufen würde wären mindestens weitere 30 Minuten vergangen.
Damit haben sich die wilden Belgier aber getäuscht. Dank meiner Ellenbogen passierte ich die Startlinie um 21.13 Uhr, gefühlt allerdings war es viel später.

Der Start

Ich bin eigentlich ein bekennender Spät-Ankommer. Wer mich kennt, der weiß, dass ich der Reisezeit-Voraussage des Navigationsprogrammes hörig bin wie Tom Cruise den Scientologen. Warum also früher losfahren?
Vor dem Dodentocht allerding hatte ich so viel Zeit, dass ich so losgefahren bin, dass ich rund drei Stunden Zeit vor dem Start haben würde.
Aber kurz vor „Antwerpen am Stau“ korrigierte sich dann das Navigationssystem, doch es versprach mir immer noch zwei ruhige Stunden vor dem Start. Noch 40 Kilometer vor dem Ziel Bornem lachte ich über die 48 Minuten, die mir dann vorausgesagt wurden.
Ich lachte und hatte zum Teil Recht: das Navigationssystem hat sich geirrt.
Es waren sogar fast 80 Minuten für diese kurze Reststrecke!
Dabei ließ mich vor allem der Stau, der sich ab der Abfahrt Bornem bildete, in das Lenkrad beißen. So etwas hatte ich zuletzt beim StrongManRun in Weeze erlebt.

Zweispurig warteten die Dodentocht-Teilnehmer geduldig auf ihren Platz auf einem der vielen Parkplätze vor der Stadt. Da waren sogar Shuttle-Busse eingerichtet, die die Teilnehmer zum Einschreibezelt brachten. Nur ich war wieder ungeduldig und fuhr dann an der Schlange vorbei, als es endlich möglich wurde. Ich fuhr Richtung Start, sah dann irgendwann die Scanning-Station und suchte mir einen Parkplatz vor dem Bornemer Sportzentrum. Dort traf ich dann auch die 12 langbärtigen Belgier.
Von der Scanning-Station ging es dann erst einmal zur Einschreibung. Das war gut organisiert und ging daher schnell. Ich bekam die Startnummer 2908.
Damit war mein ersten Ziel bei den meisten Läufen erreicht: ich hatte die Chance auf eine niedrigere Platzierung als meine Startnummer!
Immerhin.

Es gab spezielle Papierbendel, die Du Dir um die Schnürsenkel klebst, mit Hilfe derer Deine Zeit geonmmen wird. Dass es aber schon beim Massenstart eine persönliche Zeitnahme gab habe ich gar nicht bemerkt und deshalb schon mit mir gehadert. Aber alles, was die Zeitnahme anging, war prima. Aber dann musste ich noch einmal zum Auto zurück, um mich umzuziehen und dann ging es wieder zur Scanning-Station und dann zum Start.
Scanning-Station und Start waren zwar weit auseinander, aber komplett mit Läufern und vor allem mit Wanderern vollgestellt. Zum Glück gab es da einen Teilnehmer, der per Handy seine Kumpel suchte und deshalb näher an des Start musst und ich hängte mich eng an seinen Rücken. Das verschaffte mir einige Hundert Meter durch die Menschenmassen bis ungefähr ins Halbfeld, dennoch war es unerträglich, dort auf den Start zu warten.

Den Startschuss, sofern es ihn überhaupt gab, habe ich nicht gehört. Vielleicht haben sich die Bier liebenden Belgier auch darauf verständigt, dass der Chef des Rennes als Startsignal eines der „Tripel Bornem“ Starkbiere öffnet und den Läufern zuprostet.
Eines dieser „Tripel Bornem“ Starkbiere gab es dann sogar in der Finisher-Tüte. 9% Alkohol hat dieses stark nach Malz schmeckende Bier, selbst manche Weine kommen über diesen Wert kaum drüber.

Irgendwann jedenfalls setzten sich die vielen Tausend Menschen vor mir in Bewegung und nach 13 langen Minuten des langsamen Gehens war ich an den Startflaggen und aktivierte meinen Garmin.

Nun beschleunigte sich das langsame Gehen in ein zügiges Gehen, immer noch viel zu langsam für einen mit den Hufen scharrenden Läufer, also machte ich das, was eigentlich vollkommen falsch war: ich überholte.
Auf schmalen Wegen ging ich rechts um die Leute herum, links herum, über die nassen und peitschenden Grasstreifen neben den Wegen, durch tiefe Pfützen und eben überall dort, wo die meisten Menschen nicht laufen wollen.
Der Lohn dafür war, dass ich bis zur ersten Zeitnahme meine mit Abstand beste Geschwindigkeit des ganzen Laufs erreicht habe, trotz des permanenten Abbremsens und Beschleunigens und die Strafe dafür war, dass ich jegliche Kontrolle über den Lauf verlor.
Gerade ich als 24-h Läufer müsste doch wissen, wie wichtig die Kontrolle über die Geschwindigkeit gerade in den ersten beiden Stunden ist!
Aber für mich musste das dort unbedingt so sein.

Der Lauf als solches

Irgendwann war dann tatsächlich ein einigermaßen kontrolliertes Laufen möglich. Aber wer denkt, dass es leicht ist, in Belgien auf ebenem Gelände zu laufen, der irrt. Der viele Asphalt hinterließ Spuren, vor allem auch deshalb, weil ich mich für Trailschuhe entschieden hatte. Belgien, so dachte ich, ist ein Trailgebiet!
So kann man sich täuschen.
Ansonsten liefen wir auf Wiesenwegen, die unruhig und anstrengend waren, alles Gründe, warum mir dieser 100 K Lauf die schlechteste Laufzeit einbrachte, die ich bei solchen Läufen je hatte. Sogar meine Durchgangszeiten für 100 K bei den beiden Delmenhorster 24-h Läufen waren besser!
Aber auf Belgisch-holländisch klingt das, was mich so enttäuscht hat, noch richtig nett: Gemiddelde snelheid: 8,2 km/u

Weil ich jedoch relativ weit hinten gestartet bin, habe ich so viele Menschen überholt. In der ersten Stunde vor allem die Wanderer, dann kamen die Läufer dazu. Und ab der 50 Kilometer-Marke war bei vielen Läufern trotzdem ein „Wandertag“ angesagt. Obwohl ich von der 60 Kilometer-Marke bis zur 80 Kilometer-Marke frustiert und langsam war, schob ich mich Stück für Stück nach vorne und auf den letzten Kilometern lieferte ich mir mit den Läufern um mich herum sogar noch kleine Laufduelle, die waren allerdings so langsam, dass es mehr an ein Schneckenrennen erinnern musste als an ein Rennen der Formel 1 in Spa.
Die Strecke war aber insgesamt annehmbar und sie bot etwas, was ich überhaupt nicht erwartet hatte: viele wunderschöne Einfamilienhäuser mit oft riesigen und supergepflegten Grundstücken.
Ich liebe ja die belgische Version des Verklinkerns. In Norddeutschland wirkt das häufig einfach, billig und rotbraun, die belgischen Klinker sind hell, gelblich und strahlen ein Harmonie aus, um die ich die Häuslebauer beneide.
Und von diesen wunderschönen Häusern gab es so viele, dass der Eindruck entstehen konnte, dass Belgien das Nobelviertel Deutschlands ist.
Schade eigentlich, dass ich nicht die Zeit hatte, diese Schmuckstücke zu fotografieren.

Die Verpflegungsstellen

Die Verpflegungsstellen waren immer mit den Zeitnahmestellen kombiniert. Einige dieser Verpflegungsstellen befanden sich in den großen lokalen Brauereien, die meist die Laufwege mit Tausenden von Bierkisten abgetrennt hatten. Natürlich gab es überall den belgischen Gerstensaft, aber ich war dafür kein Kunde. Ich trinke ja sowieso nur sehr wenig Alkohol und wenn, dann gönne ich mir eher ein Glas Wein als ein Bierchen.

Vermisst habe ich allerdings eine vernünftige Läufernahrung. Gut war, dass es am zweiten VP ganze Äpfel gab und an zwei VPs Orangenstücke. Es gab sporadisch Bananen und zwei Mal ein akzeptables und trinkbares Süppchen. Aber das war es schon mit den guten Dingen.
Ansonsten gab es viel Süßkram. Belgische Waffeln, die richtig im Mund vor Zucker knirschten, Spekulatius-Kekse, allerlei süße Industriekuchen, sogar EFEM Produkte wie Mars, Snickers und Bounty – aber welcher Läufer isst das?
Aber eines gab es kaum: Salz war Mangelware. Zwar lagen unendlich viele Zuckerwürfel herum, aber Salz konne ich nur ein Mal entdecken.

Zu trinken gab es Wasser und Kaffee in unglaublichen Mengen, an zwei Sonderständen gab es als Promotion ein „Aquarius“-Drink, der richtig gut tat und ein Mal gab es sogar für jeden Läufer einen kleinen Tetrapack voller Orangensaft. Wasser konnte ich irgendwann nicht mehr sehen, immerhin brauchten wir bei über 20 Grad in der Nacht einige Liter zu trinken.
Bei dem VP kurz vor der 50 Kilometer-Marke sagte ein älterer Läufer, der lange mit mir gelaufen ist, dass er jetzt Lust auf eine Cola hätte. Ich auch, dachte ich.
Wir bekamen dann jeder eine Dose Cola, für 1,50 EUR das Stück. Zum Glück hatte ich etwas Kleingeld dabei, die restriktive Politik mit dem Cola-Getränk allerdings hat mich zumindest gewundert.
Zwei VP’s später, der ältere Läuferkollege war immer noch neben mir, gönnten wir uns wieder eine Cola. Dieses Mal gab es eine mittelgroße PET-Flasche für 2,50 EUR das Stück. Und am vorletzten VP gab es sogar ganz offiziell ein Fläschchen Coca-Cola, ein winziges, 0,25 Liter, aber ich fühlte mich wie an dem Donnerstag in der Wüste beim MdS, als es auch ein Mal, dieses einzige Mal, ein Döschen Cola gab.
Zucker essen will ich ja nicht allzu viel bei den Läufen, aber hin und wieder eine Cola trinken ist doch ein echter Genuss, vor allem, wenn sie einigermaßen kalt ist.
Insgesamt gibt es für die Organisatoren an den VP’s die Chance, etwas zu lernen und zu verbessern.

Das Gleiche gilt auch für den Start. Ich wäre dafür, die Wanderer von den Läufern zu trennen und die Läufer vielleicht drei Stunden später starten zu lassen. Dann musst Du zwar immer noch durch die Horden von Wanderern durch laufen, aber das Teilnehmerfeld hat sich nach dann vielleicht vier bis viereinhalb Stunden deutlich entzerrt, die Wege sind breiter und Du hast von Anfang an die Chance auf einen einigermaßen kontrollierten Lauf. Vielleicht wäre das eine Idee für die Organisatoren des Dodentocht?

Die Laufzeit kannst Du aber dennoch beim Dodentocht vergessen. Nicht wegen der Bierchen, die sich viele Teilnehmer gönnten, sondern auch deshalb, weil Du, wenn Du wirklich schnell bist, schneller als ich, Dich bremsen musst, denn Du darfst nicht vor 7 Uhr in der Frühe, also nach frühestens 10 Stunden, im Ziel sein. Und die Verpflegungspunkte öffen und schließen genau so, dass Du irgendwo zwischen den 10 Minimalstunden und den 24 Maximalstunden gescannt werden kannst.
Manchen schnellen Läufer mag das stören, mir war das Dank der Gnade des langsamen Laufens eigentlich völlig egal. Die Marke, an der ich hier arbeite, sind 10 Stunden 30 Minuten. Die will ich irgendwann unterbieten.

Aber nicht beim Dodentocht.
Dahin komme ich zurück, um Fotos der schönen Häuser zu machen.

Die Rhein-Zeitung hat geschrieben …

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Da war ich aber glücklich, als mir eine Freundin einen Artikel aus der Bonn / Koblenzer Rhein-Zeitung mitbrachte.
„Den Typ kenn‘ ich doch,“ dachte ich.

Häufig wurde schon über meine bescheidenen Läufe in den lokalen kostenfreien Regionalzeitungen berichtet, die „große Bühne“ Rhein-Zeitung allerdings blieb meistens stumm.

Nur nach dem TransAlpineRun 2008, dem Marathon des Sables 2009 und dem leider erfolglosen PTL 2010 bekam ich deren Aufmerksamkeit. Und eben jetzt nach den 24 Stunden Burginsellauf von Delmenhorst.

Ob es jetzt die knapp 190 Kilometer waren? Oder die Verbesserung meines Bestwertes um 12 Kilometer? Oder war es vielleicht meine Mitgliedschaft im „100 Marathon Club“ (100MC)?
Ich weiß es nicht und ich will es auch gar nicht wissen. Ich weiß nur, dass ich das als Finisher des TdG Ende September wieder haben will.

Und ich sage artig: DANKE RHEIN-ZEITUNG !

Wir sehen uns am Seilersee 2012 …

Zwei Entscheidungen für 2012 sind jetzt schon getroffen. So war es schon lange klar, dass ich mich auch im kommenden Jahr wieder als TorTOURist auf den 230 Kilometer langen Ruhrradweg von Winterberg nach Duisburg begebe. Auf die andere Veranstaltung, die in einer Partnerschaft zur TTdR steht, freue ich mich aber fast genauso.


Und auch dafür werde ich wohl vorab viel trainieren müssen, geht es doch über insgesamt 24 lange Stunden beim von den Iserlohner Stadtwerken unterstützten und vom großartigen Bernd Nuß organisierten Event „rund um den Seilersee“.
Dort aber werden meine Füße und Zehen geschont werden, sie dürfen sich für die TTdR ausruhen, dafür müssen die Stimmbänder Höchstleistungen vollbringen: ich mache den „Speaker“ dort.

Eigentlich wollte ich das dort schon in diesem Jahr tun und so einer Einladung von Bernd Nuß vom 24-h Lauf „IceAge“ in Bad Berleburg folgen, aber Gabis und meine Silberhochzeit in der Woche machten das Datum für mich leider vollkommen unpassend. Um in 2012 wirklich präsent zu sein, habe ich dieses Event also schon jetzt sehr langfristig in meine Agenda aufgenommen.
Ich war froh, dass Bernd Nuß mir die Rolles des Sprechers dort auf den letzten gemeinsamen Kilometern beim 24-h Burginsellauf in Delmenhorst angeboten hat.

Foto: "Runningfreak" Steffen Kohler

Ich werde also versuchen, die interessanten Dinge, die ich auch über Dich weiß, zumindest einmal während dieser 24 Stunden zu erwähnen, egal, ob das die persönliche Bestleistung bei einem 24-h Lauf ist oder die gewonnene Weltmeisterschaft im Dauerbügeln, nichts bleibt unerwähnt.
Wenn Du also willst, dass auch Deine Teilnahme beim Dauer-Skatspielen Erwähnung findet, dann lass‘ es mich sicherheitshalber rechtzeitig wissen – oder trage es unter „Besonderheiten“ bei Deiner Anmeldung zum 24-h Lauf am Seilersee ein.

Und während sich die Läufer im Kampf um ihre eigenen Bestmarken gegenseitig überholen, werde ich das alles entspannt zu kommentieren versuchen. Mein erstes Training für dieses Event wird schon Ende September beim 24-h Lauf in Brugg/CH sein. Dort allerdings wird es eine fast 11 stündige Nachtruhe geben, die ich mit einem gemütlichen Marathon und einem kurzen Schönheits-Schlaf ausfülle.

Ob ich auch in Iserlohn in der Nacht meinen Mund halten muss?

Also: melde Dich zum 24-h Lauf „rund um den Seilersee“ in Iserlohn an, wenn das dann möglich ist und reserviere dieses Wochenende schon jetzt in Deinem Laufkalender.
Für TorTOURisten ist diese Veranstaltung ja sowieso eine Pflichtveranstaltung auf dem Weg Richtung Rheinorange …

Vom Abbrechen, vom Aufgeben und von mehr …

Wir alle kennen diese Ansicht: „Gib nie einen Ultra auf, Ultraläufer tun so etwas nicht!“

Und wir kennen die Begründungen dafür:
In Deinem Kopf nistet sich das Aufgeben so fest ein, dass das immer wieder präsent ist und Du bist ein Weichei.

Wie siehst Du das? Wie ist Deine Meinung dazu?

Ich bin da eigentlich relativ entspannt und mache mir keine großen Gedanken, wenn es eben einfach mal nicht passt.
Und so habe ich in der Vergangenheit einige Läufe nicht oder schon vorzeitig beendet. Beispielsweise beim Röntgenlauf. Hier habe ich bei zwei Teilnahmen zwei Mal nach dem Marathon Schluss gemacht. Ich fand die Versuchung, dort am Marathonpunkt aufzuhören, beide Male viel zu verlockend.
Oder beim Swiss Alpine. Drei Mal bin ich dort zum K78 gestartet, zwei Mal habe ich „gekniffen“ und zum C42 abgekürzt. Freilich hatte ich beide Male gute Gründe dafür, beim ersten Mal war ich einfach noch zu krank gewesen und beim zweiten Mal waren wir als Familie auf dem Weg in den Urlaub nach Kroatien und ich hatte das Gefühl, für die Familie das Richtige zu tun, um früher weg zu kommen. Erst im vergangenen Jahr habe ich dann die ganze Strecke des K78 zurück gelegt.

Wegen extremen Regens wurde letztes Jahr das Rennen Verbier / St. Bernard für zwei Stunden oben auf dem großen St. Bernhard unterbrochen und danach war ich mit Schüttelfrost gebeutelt und entschied, das Rennen dort oben zu verlassen.
Beim unglaublichen Lauf durch den Canyon du Verdon habe ich mich in dem malerischen Städtchen Moustiers Sainte Marie zu zwei Glas Wein einladen lassen und auf das Weiterlaufen verzichtet.

Beim PTL im letzten Jahr hat wenig gestimmt. Meine Ausrüstung war unzureichend, ich hatte nicht einmal an die Sonnencreme gedacht, das Team war nicht harmonisch und zuletzt gab es einen Wetterumschwung, der die UTMB-Läufer sogar fast den ganzen Lauf gekostet hat. Gründe genug für mich, dort auszusteigen, aber diese Wunde hat noch sehr lange in mir geblutet und soll erst mit dem Tor des Géants (TdG) geheilt werden.

Und dieses Jahr? Beim Rennsteiglauf bin ich mental gar nicht in den Lauf gekommen. Am Anfang habe ich mich unglaublich gut gefühlt, ich bin dann viel zu schnell angegangen und hatte spätestens auf dem Großen Inselsberg die Lust am Lauf verloren. Ich lief dann noch bis zum Grenzadler (Kilometer 55) gelaufen, um gewertet zu werden und auch eine Medaille zu bekommen, dann war Schluss für mich.

Beim vom großartigen Eric Türlings veranstalteten K-UT bin ich nach einer Runde ausgestiegen. Auch hier hatte ich gute Gründe dafür. Ich hatte meiner Frau versprochen, sie nicht allzu spät in Fellbach abzuholen und zudem traf ich nach der ersten Runde zufällig die Trainingspartnerin von Jutta, einer Lauffreundin von Achim Knacksterdt, und wir unterhielten uns prächtig.
Danach allerdings wollte ich nicht mehr weiterlaufen.

Diese beiden letzten DNFs oder vorzeitigen Abschlüsse hatten mir aber doch ein paar Sorgenfalten ins Gesicht gestrieben, vor allem im Hinblick auf den 24-h Burginsellauf in Delmenhorst und auf das 250 Meilen lange Thames Ring Race nächste Woche.

Delmenhorst aber hat bewiesen, was ich immer geglaubt habe: jedes Rennen ist anders, ständig beginnst Du neu und wieder bei null. Und heute abbrechen, morgen aufgeben und übermorgen verkürzen bedeutet nicht, dass Du nicht nächste Woche wieder an Deine normalen Leistungen anknüpfen oder sogar über Dich hinaus wachsen kannst.

Ich jedenfalls bin mir sicher, dass ich in England nicht an Eisenach oder an Reichweiler denken werde, sondern nur an Delmenhorst.

Von Delmenhorst nach Delmenhorst …

Lange ist es noch nicht her, dass in Delmenhorst das Schlusssignal ertönt ist, aber es wirkt für mich fast unwirklich, so lange vergangen.
Es ist ja der Traum der meisten Läufer unter uns: etwas Besonderes leisten, sich selbst irgenwo abholen, das Gewesene verbessern und die Achtung und Aufmerksamkeit von Anderen erhalten.

Am Anfang meiner „Läuferkarriere“ dachte ich immer, zu schlecht zu sein, zu langsam zu laufen und zu schnell müde zu werden. Ich habe immer nur zu den Schnellen aufgeschaut, ich habe die bewundert, die weiter laufen können als ich und die Cracks unter den Läufern beneidet und in meine Abendgebete eingeschlossen.


Dabei ist es gar nicht wichtig, ob Du bei einem 24-h Lauf 120, 180, 200 oder mehr Kilometer hinter Dich bringst. Wichtig ist lediglich, dass Du weißt, wo Du stehst und dass Du dort versuchst, aus Deiner „Wohlfühlzone“ auszubrechen und eine Leistung zu bringen, mit der Du Dich am nächsten Tag im Spiegel mit Stolz betrachten kann.
Und wie diese Leistung sein muss, das entscheidest Du ganz allein. Du holst Dich eben da ab, wo Du bist. Und da sind wir alle verschieden – zum Glück.
Oder anders formuliert: lieber einen persönlichen Bestwert mit 140 Kilometern schaffen als weinend einzulaufen, weil es „nur“ 169,6 Kilometer waren und das definierte Ziel „170 Kilometer“ verfehlt wurde.

Mein erster 24-h Lauf war vor zwei Jahren bei der DLV-Challenge in Delmenhorst. Ich hatte diesen Lauf ausgesucht, weil ich bis dahin nur zwei 100 Kilometer – Läufe gemacht hatte, beide waren in Biel, 2007 und 2008, und ich war der begründeten Ansicht, dass es nicht schlecht wäre, vor den 166 Kilometern des UTMB diese Strecke zumindest einmal flach gelaufen zu sein. Zwei gleichzeitige Herausforderungen, eine für mich extreme Länge und für mich extrem viele Höhenmeter, wollte ich mir nicht zumuten, da kam die DLV-Challenge genau Recht.

Und jetzt, zwei Jahre später, bei meinem zweiten 24-h Lauf, war ich also wieder in Delmenhorst, beim Burginsellauf, weil die DLV-Challenge nicht wiederholt wurde.

Dabei war die DLV-Challenge für mich optimal. Schon die Grundbedingungen waren perfekt. In der Altersklasse M40 und M45 wurdest Du nur gewertet, wenn Du mindestens 150 Kilometer gelaufen bist. Am Anfang war noch meine größte Angst, lange zu laufen und dann nicht gewertet zu werden. Der Vorteil gegenüber anderen 24-h Läufen ist aber, dass Du die Walker mit ihren Stöcken nicht auf der Strecke hast.
Staffeln waren ebenfalls verboten, auch das ist ein unschätzbarer Vorteil, weil Du Dich, wenn Du nicht sehr diszipliniert bist, doch immer ein wenig von den Staffeln zu einem schnelleren als Deinem angemessenen Tempo verleiten lässt.
Und ich bin damals mit der damals noch für dle LG Ahrweiler laufenden Sabine Strotkamp gelaufen. Sabine läuft auch für die Nationalmannschaft, ist sehr diszipliniert und hatte das gesamte DLV-Team „im Boot“.

Wir sind damals mit einer 7er Zeit gestartet und schon nach zweieinhalb Stunden waren wir mit zwei Runden Rückstand zum Vorletzten abgeschlagen ganz weit hinten. Ich hätte viel schneller gekonnt, aber Sabines Trainer, der heute ihr Ehemann ist, schimpfte uns schon dann, wenn wir mal die 1 Kilometer Runde mal mit 6:53 Minuten abgeschlossen hatten. „Ihr seid zu schnell!“ rief er uns ständig zu und meine Sorge, die 150 Kilometer-Hürde nicht zu schaffen, wuchs mit jeder Minute.

„Sabine,“ sagte ich zu ihr, „ich bin nicht hier, um Letzter zu werden!“
Aber Sabine schaute mich mitleidig an und fragte mich, wie weit ich denn zu laufen gedenke. Als ich ihr sagte, dass ich mindestens 150 K schaffen müsste, antwortete sie: „Dafür sind wir viel zu schnell!“
Ich war irritiert und sie sagte mir, dass wir, wenn wir das 7er Tempo bis zum Ende halten könnten, bei 200 Kilometern landen würden.
Mit den Stunden rutschten wir dann im Ranking immer weiter nach vorne. Ich endete dann mit 177,520 Kilometern als insgesamt Zehnter und als Fünfter der Altersklasse M45.
Das war für mich kaum mehr steigerbar und so wuchs von Monat zu Monat die Sorge, das irgendwann nicht mehr toppen oder wenigstens einigermaßen erreichen zu können.

Ich war danach bei mindestens drei weiteren 24-h Läufen angemeldet, bei einem Fun-Lauf im Saarland, bei einem 24-h Lauf in Ratingen-Breitscheid, der von meinem Freund Bernd Krayer organisiert wird und bei der Deutschen Meisterschaft im 24-h Lauf im letzten Jahr in Rockenhausen. Im Saarland und in Rockenhausen habe ich mit mäßiger Motivation immer direkt nach der Überquerung der Marathon-Marke aufgehört. Immer war ich zu schnell angegangen, jedes Mal habe ich mich über mich selbst geärgert  – und beim 24-h Lauf in Breitscheid habe ich eine andere Taktik gewählt. Hinlaufen war die Devise, nicht primär dort laufen.

All das habe ich getan, um erst gar nicht in die Versuchung zu kommen, den Bestwert von damals testen zu müssen – und daran vielleicht zu scheitern. Ich habe jeden Grund akzeptiert, vorzeitig auszusteigen, gewertet wirst Du ja auch mit ein paar Metern mehr als ein Marathon!

Und jetzt hatte ich mir für Delmenhorst Ruhe verordnet und das Glück, jede noch so bescheidene Leistung mit dem Training für England begründen zu können. Ich wollte ja gar nicht auf einen persönlichen Bestwert laufen, nur entspannt für das „TRA 250 Miles Thames Ring Race“ trainieren. Und so entschied ich, die Strategie von Sabine zu wählen, langsam zu starten und zu versuchen, so lange wie möglich auf diesem Level zu verharren.
Trotz der besten Vorsätze begann ich zwar sehr langsam, aber immer noch etwas zu schnell. Statt eines 7er Tempos hatte ich meist eine 6:35 auf dem Schirm, aber noch weiter zu reduzieren traute ich mich nicht, immerhin lief ich mit meinem Freund Birger, der von mir gedacht haben muss, dass hier eine echte Ultra-Schnecke unterwegs ist.
Sabines Trainer hätte mich wohl total „zur Sau“ gemacht wegen der meist 20 bis 25 Sekunden pro Kilometer, die ich effektiv zu schnell war.

Besonders stolz auf mich war ich, weil ich 10 Runden lang der Versuchung widerstanden habe, bei jeder Runde auf den Monitor zu schauen, um nachzusehen, wo ich denn gerade platziert bin.


Es ist seit langem ein offenes Geheimnis: Du nordest Dich in den ersten zwei Stunden auf eine Laufgeschwindigkeit ein. Beginnst Du zu schnell, dann brichst Du irgendwann ein und verlierst ein Vielfaches von dem, was Du am Anfang gewonnen hast. 24 Stunden sind eben enorm lang und der Gewinn der ersten Stunden verblasst gegen den Verlust der letzten Stunden.
Folgerichtig sah ich auch, dass ich nach der Runde 11 „nur“ der 32. von allen war, der 5. der Altersklasse M50.
Mittlerweile hatte ich mich auf mein Renntempo eingenordet, die ersten zwei Stunden waren vorbei, der Mensch ist zur Maschine mutiert und die Gefahr, jetzt noch zu schnell zu werden, war relativ gering.
Und trotzdem verbesserte ich mich bis zur Geisterstunde von Runde zu Runde fast immer um einen Platz.


Als meine Gabi für sich entschieden hat, kurz nach Mitternacht, zwischenzeitlich waren 12 der 24 Stunden vergangen, etwas zu schlafen, war ich 9. von allen und 2. der Altersklasse und meine Gedanken spielten verrückt, der Ehrgeiz erwachte und alle guten Vorsätze, locker zu bleiben, gab ich irgendwo auf der Strecke ab.
In der nächsten Runde verbesserte ich mich auf den 7. Rang und eine weitere Runde später war ich schon 6. und 1. der Altersklasse.
Es war meine Vernunft, Gabi nicht zu wecken, um ihr das schöne Ereignis zu zeigen, aber es wurde mein Ziel, diese Platzierung bis ins Ziel zu retten.
Gleich darauf war ich sogar auf dem fünften Platz und dieses Ergebnis hielt ich bis zum Ende.
Erst in den letzten vielleicht drei, vier Stunden, reduzierte ich mein Tempo ein wenig, gönnte mir ein paar Gehpausen und ließ mir von Gabi und dem „Runningfreak“ Steffen Kohler ausrechnen, wie groß mein Vorsprung auf den Zweitplatzierten der Altersgruppe und auf den Sechstplatzierten des Rennens ist.
Beide Werte vermittelten Sicherheit und weil ich ja ein träger Junge bin sank meine Motivation, ständig am oberen Level für so eine Veranstaltung zu laufen, ein wenig ab und ich gönnte mir ein paar nette Gespräche mit lieben Läufern wie dem großartigen Bernd Nuss, seines Zeichens Veranstalter des 24-h Laufes „Rund um den Seilersee“ bei Iserlohn, mit Hans Würl, den ich immer wieder bei Großevents treffe und vielen Anderen.
Es war eine schöne Veranstaltung – und das nicht nur wegen des sportlichen Erfolgs.

Wenn man betrachtet, welche Mühe sich die Organisatoren machen, dann verharrt man in Demut und Dankbarkeit. Schon die Startgebühr ist bescheiden niedrig und die Versorgung lässt keine Wünsche offen.
Außer Wasser und Cola gab es alkoholfreies Weizenbier, Malzbier und eine Batterie von Säften, beginnend mit Orange und Apfel und endend mit Exoten wie Guavensaft und Mangosaft. Es gab frische Früchte, frische Ananas, Weinträubchen und erntefrische Erdbeeren.
Wer da nicht glücklich wurde, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Und den leckeren Milchreis mit Erdbeersauce, der ab 20 Uhr erhältlich war, kannte ich ja schon aus dem Jahr 2009.
Zu diesem Zeitpunkt gab es dann auch Nudeln im Überfluss, garniert mit fleischhaltiger Sauce oder, vielleicht speziell für mich, in einer vegetarischen Sauce. Richtige Läufernahrung also.

Musik vom Band am Anfang, eine Live-Band ab 20 Uhr, die allerdings etwas rockigere Musik hätte spielen können, ein Speaker mit einer wunderschön trainierten Stimme, der Lust gemacht hat, ihm immer wieder zuzuhören und als Abendabschluss in verschiedenen warmen Farben angestrahlte Bäume im Park, durch den wir liefen.

Perfekt war auch die technische Ausstattung. Jeder Läufer erhielt spezielle Transponder und innerhalb einer Megasekunde war Dein Ergebnis auf dem Monitor mit Deiner Platzierung Gesamt und AK, mit Deiner letzten Runde, der Gesamtzahl der absolvierten Runden und der Gesamtstrecke, die Du schon bewältigt hast.

Bleiben nur noch die Siegerpokale für die schnellsten Teamstaffeln, die schnellste Frau, den schnellsten Mann und die Auszeichnungen für die jeweils drei Altersgruppensieger.
Von 2009 war ich ja noch verwöhnt, als es einen Glasblock gab mit einem als Hologramm eingelaserten Läufer und meinem 5. Platz der Altersklassenwertung.
2011 aber stand in nichts nach. Die Glasaufsteller, die wir bekamen, sind zauberhaft schön, wertvoll und werden stets einen Ehrenplatz in meinem Schlafzimmer haben.


Besser, finde ich, kann man solch einen Lauf nicht machen. Und so verneige ich mich Richtung Delmenhorst und den dortigen Organisatoren.

Delmenhorst, ich komme wieder …

20 Stunden sind nicht genug …

Kennst Du diese Situation: Du läufst bei einem Deiner „langen Kanten“ und schon nach kurzer Zeit gibt der Akku Deines Handys den Geist auf, wenn Du einen MP3 Player auf den Ohren hast, dann versagt auch dessen Akku zuverlässig gerade dann, wenn Dein Lieblingslied angespielt ist und zu allem Überfluss schaltet sich auch Deine GARMIN Pulsuhr, die schon länger auf „niedriger Akku“ stand, aus.
Ich hasse diese Tage und hatte an solchen Tagen meist Pech „im Dreierpack“. Kennst Du das?

Ich erinnere mich gut, als ich mich für die GARMIN Forerunner 305 entschieden hatte. Je nach den Einstellungen, die Du wählst und wenn Du sparsam mit der Beleuchtung umgehst, dann kannst Du bis zu 11 Stunden und 40 Minuten Spaß mit dem Akku haben. Eine unendlich lange Zeit! Mehr braucht nun wirklich keiner, dachte ich.
Gut, vielleicht ein paar Verrückte!

Schon zwei Jahre später wurde ich zu den paar Verrückten gerufen und ich bekam zum Geburtstag 2009 etwas ganz Tolles: die GARMIN Forerunner 310 XT (siehe meinen BLOG-Eintrag „Ich bin neu verliebt – das ist meine Neue…“)
Rund 20 Stunden Akkuleistung, vielleicht auch ein wenig mehr. Damit kannst Du fast einen 24-h Lauf bestreiten. Fast, aber eben nur fast.
Und bei den zeitlich längeren Läufen bist Du dennoch aufgeschmissen.

Also habe ich manchmal beide Uhren dabei gehabt und bin erst mit der 310 losgelaufen und habe dann auf die 305 umgestellt und in dieser Zeit hat meine Gabi die 310 neu geladen, zumindest hat sie das versucht. Bei der TorTOUR de Ruhr hat das aber nicht geklappt, weil sie nicht wusste, dass sie auch den Laptop hätte anschalten müssen.

Aber all das muss nicht sein! Wie der gute alte Afro-Amerikaner in der alten „Onkel Ben’s Reis“ Werbung sagt: „Klumpiger, klebriger Reis – das muss nicht sein“, so sage ich heute: „Akkuprobleme? Die müssen nicht sein!“
Weil ich etwas entdeckt habe!

Aber Ehre, wem Ehre gebührt. Der Runningfreak Steffen Kohler hat eigentlich diese Entdeckung gemacht und er hat sie mir in Bad Berleburg gezeigt. Er hatte das Teil auch erst wenige Tage und selbst noch nicht ausprobiert, aber die superschwachen Akkus der iPhones haben ihn dazu gebracht, dieses Teil zu suchen.

Er zeigte es mir mit dem Vorbehalt, selbst nicht zu wissen, wie es konkret funktioniert. Aber schon am darauf folgenden Montag habe ich es für relativ „kleines Geld“ bei AMAZON bestellt.

Aber schon am Dienstag kam die Enttäuschung: in einer Mail stand, dass es wohl noch einige Tage dauern würde, bis ich dieses schöne Stück geliefert bekommen würde. Am Mittwoch jedoch keimte wieder etwas Hoffnung auf, als mir gemailt wurde, dass die Lieferung wohl doch schneller als erwartet stattfinden könnte.
Sollte die Lieferung vielleicht doch noch vor dem „Kleinen KOBOLT“ am darauf folgenden Samstag erfolgen? Ich war freudig gespannt.

Am Donnerstag kam es jedoch nicht und auch bis Freitag Mittag war kein Päckchen für mich da. Ich hatte am Nachmittag einen Außentermin und bat die Kolleginnen im Innendienst, im Falle mir dieses Paket unbedingt gleich auf meinen Schreibtischstuhl zu legen, damit ich es auf keinen Fall übersehe.
Ich kam dann gegen 18.30 Uhr nach Hause und schaute sofort nach – und ich schaute auf einen leeren Schreibtischstuhl.

Wer mich kennt, der weiß, dass mich solch kleine Dinge durchaus sehr aus dem psychischen Gleichgewicht bringen können und vielleicht wäre ich beim „Kleinen KOBOLT“ sogar gescheitert, wenn es nicht kurz nach 19 Uhr bei uns privat geklingelt hätte.
Es war der Postbote, ein ganz besonders lieber und emsiger Mann, der mir sagte, dass er schon um 17.30 Uhr da gewesen sei, aber da niemand aufgemacht hätte, ist er einfach am Ende seiner Tour noch einmal bei uns vorbei gefahren.
So etwas erlebst Du eben nur auf dem Dorf!
Er war ein Held und ich hatte meinen Akku für den „Kleinen KOBOLT“.

Seither habe ich ihn ein paar Mal benutzt und will ihn auf keinen Fall mehr hergeben. 4400 mAh bringt er, voll aufgeladen. Und Du kannst alles anschließen und nachladen, was Du per USB laden kannst: Dein Handy, Deinen MP3 Player und das, was mir am wichtigsten ist: Deine GARMIN-Pulsuhr!

Nur einen Haken gibt es doch: während sich der 305 problemlos am Handgelenk aufladen lässt, wird der 310 mit einer Art „Zange am Kabel“ geladen. Wenn Du einen 310 besitzt, dann weißt Du, was ich meine. Das wiederum bedingt, dass Du die Uhr nicht am Handgelenk aufladen kannst.
Ich habe das Problem so gelöst, dass ich den Akku in die eine Jackentasche und die Uhr in die andere Jackentasche gepackt habe, verbunden mit dem langen Ladekabel.
Und die Ladung geht tatsächlich einigermaßen schnell, die Uhr bleibt an, auch wenn Du während der Ladezeit nichts erkennen kannst. Aber die 310 vibriert dennoch nach jedem Kilometer und zeigt die letzte Kilometerzeit an – auch während des Ladens. Und die Uhr zeichnet auch weiterhin alles auf, sodass Du in der Nachbetrachtung den ganzen Lauf per Google Earth ansehen kannst.

Mein Stoßgebet Richtung Himmel: Oh, wenn ich dieses Teil schon früher gehabt hätte … !

Aber jetzt bin ich für die langen Kanten des kommenden Jahres gerüstet, für den „TRA 250 Miles THAMES RING“, den „24-h Burginsellauf Delmenhorst“ und für den gigantischen „TOR DES GÉANTS“, für den ich mich ab dem 15. Januar anmelden kann …

Wer das Ziel nicht kennt, kann den Weg nicht finden!

Irgendwann Anfang Oktober hat „Runningfreak“ Steffen mich gefragt, ob ich am 27./28. November beim ICE AGE 24-Stunden-Lauf in Bad Berleburg dabei wäre. Es war noch lange hin bis zum Event, also ließ ich meine Antwort offen.
Bad Berleburg? Wo ist das denn?


Der Tag kam, an dem ich entscheiden musste, ob ich nun in Bad Berleburg laufen würde oder nicht. Ein letzter Test, ein paar weitere Kilometer vor dem „Kleinen KOBOLT“ wären schon gut, dachte ich. Und dieser Lauf wäre auch gut mit meinem Tennistermin am Sonntag um 10 Uhr zu kombinieren, dachte ich.
Ich hatte mein sonntägliches Tennisdate schon in der Vorwoche absagen müssen, was bei einem Doppel immer zu Problemen führt. Zwar hatten meine Mitspieler kurzfristig doch noch einen Ersatz für mich gefunden, aber mit zu vielen solcher Aktionen verlierst Du schnell Deine Freunde und spielst alleine Tennis. Auf Dauer ist das auch keine gute Lösung.

Der legendäre Lauf Olne-Spa-Olne, der am 28. November stattfand, schied also aus. Der „Marathon der alten Männer“ in Bad Arolsen wurde ja kurzfristig abgesagt und auf das Pfingstwochenende verschoben, nur, weil die Stadt Bad Arolsen nicht begreift, wie wichtig so ein gut organisierter Marathon für eine Kleinstadt wie Bad Arolsen sein kann, was Bekanntheit und Sympathiewerte angeht.
Ich bemerkte, wie vergleichsweise nah Bad Berleburg von uns ist, also entschloss ich mich fast einen ganzen Tag vor dem Event doch für diesen Lauf.

Ich war planmäßig kurz vor 9 Uhr am Start, rechtzeitig, um Steffen und Melanie sowie Bernd Nuss zu begrüßen, mich einzuschreiben und meine Startnummer auszuwählen. Es waren Nummern in den 400 ern, die Nummer 444 aber war schon vergeben. Ich entschied mich für die 456 und dachte mir, dass 20 Runden für mich perfekt wären.

Jede Runde hatte 4,416 Kilometer Länge, zu viel für einen guten Lauf. Zudem war das Höhenprofil anspruchsvoll, ein kurzes Stück nach der zweiten Versorgung musste sogar gegangen werden. Das Teilnehmerfeld von kaum mehr als einem Dutzend Ultraläufern und einigen Rundenläufern versprach, viel Zeit für Gespräche während des Laufs zu lassen.

20 Runden, also rund 88,5 Kilometer … ist das ein Ziel?


Du kennst das vielleicht: Du hast keine Möglichkeit, die volle Zeitdistanz abzulaufen, sondern kaum für die Hälfte. Du weißt, dass Du mit dem, was Du in dieser Zeit laufen kannst, sowieso weit hinten platziert sein wirst. Und dann sinkt bei mir stets die Erwartung, die ich an mich selbst habe.
In Bad Berleburg war es nicht anders. Aus 20 Runden wurden am Ende 10 Runden plus einer Talk-Runde mit Bernd Nuss als Abschluss. Aber es ist schon erstaunlich zu bemerken, wie Du Dich sukzessive, Stück für Stück, zurücknimmst.
Wenn Du also kein herausforderndes Ziel hast, dann kannst Du den Weg nicht finden und irrst irgendwo im Niemandsland herum.

Ich lief in Bad Berleburg einige Runden mit dem DUV-Mitglied Norbert Ebbert und mit Steffen Kohler, länger und zügiger, als mir eigentlich lieb war, weil die Rennaufteilung dadurch gelitten hat. Andererseits dachte ich mir, dass ich sowieso nicht vor hatte, allzu lange zu laufen, dann musst Du nicht so pedantisch auf Deine Geschwindigkeit am Anfang achten.
Gerade am Anfang, in den ersten drei Stunden eines langen Laufs, „nordest“ Du Dich ja auf die Tagesgeschwindigkeit ein.
Jeder Läufer kennt das, glaube ich. Du startest langsam bei einem Marathon und willst irgendwann schneller werden, aber es gelingt Dir kaum. Oder Du startest zu schnell und willst dann das Tempo reduzieren, aber auch das gelingt Dir nicht. Du fällst immer wieder in den Trott, in dem Du begonnen hast.

Vielleicht war das damals der Schlüssel zu meinen 177,520 Kilometern bei der DLV-Challenge in Delmenhorst 2009. Wir liefen auf einer 1 Kilometer langen einigermaßen flachen Strecke und ich entschied mich, mit meiner Freundin Sabine Strotkamp zu laufen. Wir wollten eine 7er Zeit laufen und wurden jedes Mal geschimpft, wenn wir am Trainerzelt vorbei liefen: „Ihr seid zu schnell!“
Und wir waren es. Wir hatten eine Runde unter 6:50 Minuten absolviert. Und ich weiß noch genau, wie ich nach zwei Stunden, als wir mittlerweile zweieinhalb Runden hinter dem Vorletzten platziert waren, zu Sabine sagte, dass ich nicht vor hätte, hier Letzter zu werden.
Und Sabine antwortete trocken mit einer Frage: „Wie weit willst Du laufen?“

Ich antwortete ihr, dass die Männer der Altersklasse M40 und M45 nur gewertet werden, wenn sie mindestens 150 Kilometer laufen. 150 Kilometer! Das war damals die mit Abstand weiteste nonstop-Strecke, die ich gelaufen war. Und Sabine sah mich mitleidig an und antwortete: „Für 150 Kilometer sind wir zu schnell!“

Und es stimmt. Mit einer 7er Zeit kommst Du auf gut 200 Kilometer, genau auf 205,7 Kilometer – ein phantastischer Wert für Hobbyläufer, wie wir es alle sind. Ich weiß noch, wie beeindruckt ich war und glücklich war, mich von da an ihrem „Diktat“ unterwerfen zu dürfen. Ich hielt es damals bis km 104 an ihrer Seite aus, dann musste ich etwas langsamer machen. Sabine aber spulte Runde um Runde ab, immer in der gleichen Geschwindigkeit. Und sie endete wie ein Uhrwerk bei 200 Kilometern und 400 Metern.

„12 Stunden zügig laufen ist einfach,“ sagte sie immer zu mir. „Aber dann kommen weitere 12 Stunden!“ Und wenn Du da dann nicht mehr laufen kannst, sondern Dich von Kilometermarkierung zu Kilometermarkierung schleppst, dann verlierst Du viel mehr als Du in den ersten Stunden gewinnen konntest.
Ich habe mich für Anfang Juni 2011 wieder für Delmenhorst angemeldet, für den Burginsellauf, da es die DLV-Challenge nicht mehr gibt. Die Strecke wird etwas länger sein, eine Meile lang statt nur einen Kilometer lang, aber sie bleibt flach und das Wetter bleibt einigermaßen warm. Dazu kommt, dass eine ganze Facebook-, Blogger- und Twitterer-Gemeinde dort am Start sein wird – das wird vielleicht sogar der Saisonhöhepunkt 2011 – zumindest, was den Spaßfaktor betrifft.

Und die Betreuung, die ich dort genießen kann, wird erheblich besser sein als in Bad Berleburg, weil meine Gabi ihr Zelt permanent direkt neben der Strecke aufbauen kann und die technische Ausstattung beim Lauf wird so sein, dass Du Deine Rundenzeiten schnell, einfach und gut vergleichen kannst. Damit Du nicht zu schnell läufst und damit Du sofort merkst, wenn Deine Rundenzeiten schlechter werden.

Und die Versorgung wird wieder den Standard vom letzten Jahr haben, mit frischem warmen Milchreis und allem, was sich ein vegetarisch gefärbtes Läuferherz erträumt. In Bad Berleburg war eine leichte Eisschicht auf dem Trinkwasser im Becher. Ich bin sicher, das mir das noch deutlicher in Erinnerung geblieben wäre, wenn ich tatsächlich die Nacht durchgelaufen wäre.
Dennoch dachte ich in Bad Berleburg immer auch an den 6-h Lauf in Troisdorf. Die MUTler haben ja auch mit kalten Temperaturen zu kämpfen, aber sie wärmen den Läufern liebevoll nicht nur das Wasser an, sogar die Cola wird in warmem Wasser temperiert. Das ist so angenehm, wenn Du trinkst und Du musst Dich um nichts kümmern, musst nicht das Wasser mit warmem Tee aufheizen und Dir Gedanken machen, die Dich vom Laufen abhalten.

Die Strecke in Bad Berleburg war ebenfalls eher unterdurchschnittlich. Vor allem die lange Gerade an der Bundesstraße verlangt Dir mental alles ab. Es riecht unangenehm dort, wahrscheinlich, weil sich die Gerüche der Autos und LKWs dort stauen. Im Vorjahr muss es ebenso gewesen sein, sagte Norbert. Das ist schade, aber da die Nase bekanntlich ja ein phasisch-tonisches Organ ist, gewöhnt sie sich an alles und Du merkst selbst in einem Ziegenstall den Geruch nach einer Weile nicht mehr. Ein Glück für viele Menschen in den Schlafzimmern dieser Welt!


Was ich bewundert habe in Bad Berleburg war, dass drei Straßen- und Parkplatzeinmündungen, die überquert werden mussten, permanent mit Helfern besichert waren. Es war ja bitterkalt und so hatten die Helfer wahrscheinlich einen wesentlich schwierigeren Job als die Läufer. Und da es keine elektronische Erfassung der Rundenzeiten gab, musste ein Helfer 24 Stunden lang Läufer für Läufer Runde für Runde einzeln abhaken.
Es war wohl eine kluge Entscheidung des Organisationsteams, dort auch eine Klingel hinzustellen, damit die Läufer den Helfer bei Bedarf wecken konnten. Tauschen mit ihm hätte ich aber nicht wollen, vor allem nicht in der Nacht.

Nach etwa drei Stunden entschied ich mich, nur einen Marathon zu laufen und eben die Runde noch zu Ende, also nach 10 Runden Schluss zu machen. Ich wollte mir noch auf dem Weg nach Hause die Fußball-Bundesliga im Radio anhören, am Abend für die Familie da sein und ausgeruht bleiben, um am nächsten Vormittag noch ein gutes Tennis spielen zu können.

Eigentlich kann ich ja kein Tennis spielen, „Aufschlag“ ist ein Fremdwort für mich, aber ich schaffe es zum Glück leidlich, meine spielerischen Schwächen durch Laufbereitschaft und Kondition auszugleichen. Wenn ich aber nicht laufen kann, dann wird es sehr leicht, gegen mich im Tennis zu gewinnen.

Ich hatte gerade meine Startnummer abgegeben und war auf den ersten Metern zur Sporthalle, als Bernd Nuss mich sah und sagte, dass er gerne noch mit mir gesprochen hätte. Bernd Nuss, der „Erfinder“ und Organisator des 24-h Seilersee-Laufs in Iserlohn, erfolgreicher Unternehmer und unermüdlicher Ultraläufer, will mit mir reden?
Ich trabte also mit ihm wieder zurück zum Start/Ziel Zelt, ließ mir meine eben erst abgegebene Startnummer wieder aushändigen und lief noch eine interessante Runde noch mit Bernd.
Es war die schönste Runde von allen, entspannend für die Muskeln, belebend für den Geist und motivierend für die Seele.

Bernd fragte mich, ob ich ihn beim 24-h Lauf am Seilersee im April unterstützen könne. Es wäre mir eine große Ehre, Bernd! Aber noch habe ich nicht die Rückflugdaten von unserer Hochzeitsreise, also weiß ich nicht, ob ich im Lande sein werde. Sobald aber klar ist, dass die Terminierung passt, freue ich mich, lieber Bernd, Dir assistieren zu dürfen.

„Du gehst auf eine Hochzeitsreise?“ fragst Du Dich vielleicht. „Bist Du nicht schon lange verheiratet?“ Aber klar doch. Und dennoch geht es Anfang April nach Tansania auf die Hochzeitsreise.

Aber das ist ein anderes Thema …