230 Kilometer und das Peter-Prinzip …

Das „The TRA 250 Miles Thames Ring Race“, dieses 400 Kilometer Nonstop-Rennen, sollte mir 2013 Klarheit verschaffen, ob ich überhaupt noch in der Lage bin, lange Distanzen zu meistern.

Dabei war früher alles so einfach:
Der TransAlpineRun 2008 (TAR), mein erster wirklich großer Lauf, klappte besser als gedacht und machte Lust auf mehr. Die drei UTMB-Punkte, die es für diesen Stagerun gab, mussten natürlich 2009 zum UTMB führen. Wie sagte damals Bernie Conradt kurz nach dem TAR zu mir: „Jetzt hast Du drei UTMB-Punkte, jetzt musst Du auch nach Chamonix!“
In der Vorbereitung des UTMB 2009 habe ich dann im Jahr 2009 meinen ersten 24-h Lauf gelaufen, damals in Delmenhorst, immerhin über 177,5 Kilometer. Ich wollte damals unbedingt zumindest einmal die Länge des UTMB nonstop hinter mich gebracht haben.
Ich lief die 350 Kilometer des SwissJuraMarathons in 7 Etappen von Genf nach Basel und zur Absicherung lief ich noch gegen den Rat der meisten Freunde zwei Wochen vor dem UTMB die 171 Kilometer des Kölnpfads in knapp unter 24 Stunden.
Alles war einfach und gut, Zweifel gab es nicht, nie.

Auch den UTMB selbst lief ich ich guten 41:52:33 Stunden deutlich leichter und besser als geplant. Ich konnte mir sogar eine längere Schlafpause in Trient in der zweiten Nacht gönnen – welch ein Luxus!

2010 kamen dann im Frühjahr die 230 Kilometer der TorTOUR de Ruhr, ich musste leiden und kam erst im späten Dunkel ins Ziel, aber ich konnte diesen Lauf finishen – wie eben alle anderen zuvor. Zweifel gab es immer noch nicht.

Und dann begann das „Peter-Prinzip“ (das „Peter-Prinzip auf Wikipedia), das Streben nach mehr, die Gier nach Dingen, für die ich vielleicht einfach nicht gemacht bin.
PPDas Scheitern beim PTL 2010 konnte ich im Wesentlichen noch den widrigen Umständen zuschreiben, dem Wetter beispielsweise. In diesem Jahr wurde an gleicher Stelle immerhin der UTMB wegen der Wetterkapriolen nach 32 Kilometern abgebrochen. Auch dem Team, als zweites Beispiel, insbesondere den Meinungsunterschieden zwischen dem kanadisch-deutschen Part Carsten Quell und mir, nachdem der englische Part, Bob Lovegrove, das Team verlassen wollte.
Wenn Du, Carsten, dies hier lesen solltest, dann nimm bitte meine Entschuldigung an und wisse, dass ich damals kopfmäßig einfach nicht in der Lage war, solch einen Lauf erfolgreich zu stemmen.

2011 scheiterte ich dann erst bei meinem ersten Antritt beim „The TRA 250 Miles Thames Ring Race“ – und das grandios. Ich hatte mir dort alles anders vorgestellt, ich war viel zu langsam und sehr müde und musste deshalb am CP 3 nach etwa drei Marathonlängen aussteigen.
Dann scheiterte ich 2011 auch noch beim 330 Kilometer Tor des Géants (TdG) nach knapp 200 absolvierten Kilometern. Ich war leer im Kopf, kam einfach keinen Berg mehr hinauf und beschloss, ab sofort nur noch zu weinen. Und das tat ich dann mehrere Tage lang.
100ZweifelUnd plötzlich waren sie da, die Zweifel. Und sie waren massiv und ständig präsent. Ist die Grenze von 230 Kilometern meine persönliche Leistungsgrenze?
Das einzige, was mich damals aufrecht hielt, waren der persönliche Bestwert von 189,6 Kilometer beim 24-h Lauf, wieder in Delmenhorst. Platz 5 von allen, Platz 1 der Altersklasse, das habe ich weder vorher noch nachher noch einmal erreicht.
Das war damals der Lauf meines Lebens. Ich lief und lief und lief …

2012 verkürzte ich dann meine erneute TorTOUR de Ruhr auf 100 Kilometer, ich scheiterte beim JUNUT, 2012 war ein wirklich fürchterliches Jahr für mich. Beim UTMB durfte ich wegen des Lospechs in der Lotterie auch nicht antreten, zum TdG habe ich mich erst gar nicht mehr getraut.

Aber 2013 sollte alles anders werden, alles besser werden.
Mit dem JUNUT, den ich immerhin bis zum Finisherpunkt bei 172 Kilometern geschafft habe und eben vor allem mit dem „The TRA 250 Miles Thames Ring Race“. Dieses Mal musste es einfach klappen.

Ich konzentrierte mich und meine Vorbereitung vor allem auf diesen Lauf. Nach den 200 Kilometern in Indien beim Ultra India Race, den 119 Kilometern des TransGranCanaria und den 172 Kilometern des JUNUT 172 reparierte ich mein angeschlagenes Ego zuerst durch das Finish beim „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ und dann durch eine gute Platzierung beim 60 K Extreme Ultra vom Mount Everest Base Camp ausgehend.
Den Start bei meinem Traumlauf in Andorra über die 170 Kilometer in den hohen Bergen der Pyrenäen machte leider der nepalesische Darmvirus Giardia lamblia (Lamblien) zunichte, meine Sicherheit, gut vorbereitet zu sein, wurde dadurch aber nicht geschmälert.

Dass ich aus dem England-Lauf einen Spendenlauf gemacht habe und dass ich auch aus dem Läuferkreis so hervorragende und motivierende Reaktionen erfahren hatte, dass Webseiten wie soq.de oder meinestadt.de berichtet haben, dass die lokalen Zeitungen diesen Lauf nicht ignorierten, all das trug mich lange beim „The TRA 250 Miles Thames Ring Race“.

Bei manchem Kilometer sprach ich laut zum vermeintlich präsenten Kilometer-Paten: „Das ist Dein Kilometer. Vielen Dank für Deine Unterstützung!“
Das motivierte mich, es machte mich glücklich und glich auch den Mangel an neuen äußeren optischen Eindrücken beim Lauf aus.

Am Ende hat es dann funktioniert. Die 230 Kilometer-Grenze gibt es nicht mehr für mich. Aber die Gier nach mehr gibt es auch nicht mehr.
Es wird für mich kein „Projekt 500“ geben und keinen Frostskade 500.
Ich werde 2014 noch einmal die TorTOUR de Ruhr laufen, vielleicht einen oder zwei 24-h Läufe mit dem Ziel, näher an die 200-Kilometer-Marke heran zu laufen und im Spätsommer vielleicht ein schönes Bergevent.

Ansonsten werde ich einfach glücklich sein und wissen:
Du musst nicht wirklich wissen, wann das Peter-Prinzip für Dich erreicht ist!230

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Die Zeit rast …

Noch drei Wochen bis zum THE NORTH FACE UTMB 2012, die Zeit rast.
Da ich ja mehr beobachten und berichten will als laufen, habe ich mir mal ein paar Gedanken über den UTMB gemacht, über die „Mörderhitze“ (inklusive eines lustigen Videos einer Sascha-Persiflage von SWR3 von vor einigen Monaten, über die Ausrüstung und auch darüber, warum ein Folienschweißgerät in keinem Läuferschrank fehlen sollte:

https://marathonundlaenger.wordpress.com/the-north-face-utmb/

Viel Spaß beim Lesen …

Kahtoola MICROspikes

„Kahtoola!“

Was auf den ersten Moment wie eine hawaiianische Begrüßungsformel klingt, ist etwas, das ich bis gestern noch nicht kannte, aber heute schon bestellt habe.
Regelmäßige Leser meines kleinen Blogs mögen mir verzeihen, dass ich gerade die Serie der Laufberichte über Hauke Königs 530 Kilometer-Lauf von Dresden nach Hamburg unterbreche, um ein freundliches „Kahtoola!“ in die Runde zu rufen, aber der PTL wirft seine Schatten voraus und beschäftigt mich zurzeit in jeder freien Minute.

Gestern habe ich angefangen, meinen Rucksack zu packen. Ich hatte die Wahl zwischen dem SALOMON Rucksack, den ich so liebe und dem RACELITE Rucksack mit Front-Container, den ich mir für den MdS gekauft habe. Zum Glück bin ich sehr vorsichtig mit dem Rucksack umgegangen, sodass ich ihn auch noch für den PTL verwenden kann. Letztendlich hat der Front-Container und damit die gleichmäßigere Gewichtsverteilung den Ausschlag gegeben, warum ich mich für RACELITE entschieden habe.

Ich habe viel gelesen in den letzten Tagen, die 36-seitige Anleitung über die Regeln der vier Bewerbe am Mont Blanc ( CCC, TDS, UTMB und PTL), die Mails von Michael Eßer und Jens Vieler und natürlich die vielen Mails meiner beiden Laufpartner Bob Lovegrove von der britischen Insel und Carsten Quell aus Kanada. Und da las ich, dass wir wohl ab 2.800 Metern Höhe mit Schnee und mit Schneefeldern zu rechnen haben.

Sofort dachte ich an den „Trail Verbier/St. Bernard“ und an die knapp zwei Kilometer Aufstieg über ein riesiges Schneefeld. Ich erinnerte mich, wie ich mich gequält habe, um Meter für Meter nach oben zu kommen, stets zwei Schritte nach vorne machend, während ich einen Schritt wieder zurück rutschte.
Und auf der anderen Seite des Berges ging es in einer gefährlichen Rutschpartie wieder nach unten. Der glatte Schnee unten, der stark prasselde Regen von oben, die schmale Spur im Schnee, die bestenfalls für einen Fuß reichte und die Erschöpfung machten den Weg nach unten zur Qual – Spikes hätte man haben sollen, dachte ich damals.

Nun aber hat sich Carsten „Kahtoola!“ gekauft. Danach musste ich natürlich gleich googeln. Und siehe da, „Kahtoola!“ ist keine hawaiianische Grußformel, sondern der Hersteller von auf den Schuh aufziehbaren Spikes, ideal für die Herausforderungen des PTL und dabei sehen diese MICROspikes auch noch richtig gut  aus:

(klicken zum Vergrößern!)

„Kahtoola für alle!“

in support of unicef: Sponsor us!

Noch sind es vier Monate hin, bis Bob, Carsten und ich unser größtes gemeinsames Abenteuer angehen: der „La petite trotte à Léon“ (PTL) rund um den Mont Blanc ruft. Dabei ist der PTL nicht einfach nur der UTMB in „etwas weiter“, sondern er ist in jeder Hinsicht der „große Bruder“ des UTMB.

Weiter – anstatt der 166 Kilometer des UTMB werden wir ca. 245 Kilometer zu bewältigen haben.
Höher – anstatt der 9.600 positiven Höhenmeter des UTMB kommt der PTL auf immerhin rund 18.000 positive Höhenmeter.
Länger – anstatt der 46 Stunden Zeitlimit des UTMB können wir bis zu 114,5 Stunden Zeit beanspruchen.
Näher an der Sonne – während der UTMB stets bei der Höhe von 2.516 Höhenmetern aufhört (Col de Seigne), werden wir beim PTL bis zu einer maximalen Höhe von 3.083 Höhenmetern klettern (Mont Rogneux).

Für Bob, Carsten und mich ist der PTL auch die Chance, einer Organisation etwas Gutes zu tun, die selbst viel Gutes für die Kinder dieser Welt tut. Der legendäre Fußballverein Barcelona um dem argentinischen Weltfußballer Lionel Messi herum wirbt seit Jahren auf den Spielertrikots für diese Organisation und das – und das ist eine Sensation im bezahlten Fußball – vollkommen entgeltfrei. Die Organisation, die ich meine, setzt sich weltweit für Kinderrechte ein, ob im vom Erdbeben gebeutelten Haiti oder in den ärmsten Ländern Afrikas oder Asiens.

UNICEF ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (engl. United Nations International Children’s Emergency Fund, UNICEF), ist eines der entwicklungspolitischen Organe der Vereinten Nationen. Es wurde am 11. Dezember 1946 gegründet, zunächst, um Kindern in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zu helfen. Heute arbeitet das Kinderhilfswerk vor allem in Entwicklungs- oder neudeutsch Schwellenländern und unterstützt in ca. 160 Staaten Kinder und Mütter in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung, Hygiene, Ernährung und Bildung und leistet humanitäre Hilfe in Notsituationen. Außerdem betreibt es auf internationaler politischer Ebene Lobbying etwa gegen den Einsatz von Kindersoldaten und für den Schutz von Flüchtlingen.

UNICEF in Deutschland
Am 30. Juni 1953 wurde das Deutsche Komitee für UNICEF e.V. mit Sitz in Köln gegründet. Schirmherrin ist immer die Frau des amtierenden Bundespräsidenten. Derzeit ist dies Eva Luise Köhler, die Frau des beliebten Bundespräsidenten Horst Köhler. Ehrenamtlicher Vorsitzender des Deutschen Komitees ist der Unternehmer Dr. Jürgen Heraeus; hauptamtliche Geschäftsführerin ist Regine Stachelhaus.

Dankenswerterweise hat sich Carsten um den Part „Gespräche mit UNICEF“ und „Einrichtung eines Fundraising-Thermometers“ gekümmert und hat eine „Fundraising“-Webseite eingerichtet, die zu besuchen ich Dir ans Herz legen darf.

Unser „All UK an“-Logo kennst Du ja schon. Was Du aber noch nicht kennst, ist unser Fundraising-Ziel: 500 US-Dollar einzusammeln für die Kinder der Welt ist unsere Messlatte. Oder, weil wir ja zu dritt jeweils 245 Kilometer laufen, klettern und gehen, rund 68 US Cents je zurückgelegten Kilometer, das entspricht rund 50 EuroCents je zurückgelegten Kilometer, wenn Du es so sehen willst.
Momentan gibt es Gespräche mit potenziellen Einzelspendern und ich bin gespannt darauf, welche Namen oder Logos wir Ende August auf unseren Trikots tragen dürfen.

Klicke doch mal die Seite an …

Wie UNICEF helfen kann, erzählt die KiKa-Moderatorin Anne-Kristin Peter in dem unten eingeklickten YouTube-Video. Sie war selbst für drei Monate als freiwillige Helferin in Afrika. In diesem Video berichtet sie über den Fortschritt beim Bau für Schulen, dank UNICEF und den vielen Millionen Spendern, die hierzu einen bescheidenen Beitrag geleistet haben.

Aber bis wir uns die Nächte auf dem Mont Blanc Massiv um die Ohren hauen, wird meine Tochter Milena erst in einem Schulprojekt in Tanzania bei den Usambara-Bergen lernen, andere Kulturen zu respektieren und zu lieben. Das wird ein weiterer Schritt sein auf ihrem Weg, ein soziales Jahr im afrikanischen Ghana abzuleisten. Milena, Tochter, rufe ich, meinen Respekt und Segen hast Du für diesen Weg!

AllUKan … – wir brauchen ein Logo!

Beim „PTL“ starten wir als das Team „AllUKan“.
Als ich das erste Mal unseren Team-Namen gelesen habe, dachte ich, dass Barack Obama seinen Spaß an diesem Team-Namen hätte. Ein Team-Name, der eng verwandt ist mit seinem Wahlslogan aus dem Vorjahr, nur mit einer winzigen Rechtschreibschwäche garniert.
Carsten Quell, Bob Lovegrove und ich starten also mit leichter Legasthenie und geben alles, was wir können?“ dachte ich zuerst. Egal, alles geben ist akzeptabel.

Erst als Carsten dann den Team-Namen erklärte, verstand ich besser, woran er bei der Einschreibung dachte, nämlich an die drei Staaten, die wir beim Lauf repräsentieren wollen:
Für Deutschland, also für mich, steht Allemagne auf der ersten Position, dann folgt „The United Kingdom“ und den Abschluss bildet am anderen Ende Kanada.

Gut, dachte ich, einen Namen haben wir, aber wir brauchen noch ein Logo!
Es soll Läufer ohne Pulsuhr geben, auch ohne Windstopper-Jacke laufen mag möglich sein, ohne Logo laufen geht aber definitv nicht!

Und das Logo muss den Team-Namen zeigen und daran erinnern, dass wir auf dem Mont Blanc bei der UTMB-Veranstaltung laufen. Um klarer zu machen, was es mit dem All-UK-AN auf sich hat, muss man die Buchstaben in großen Lettern schreiben und ein wenig voneinander trennen, zudem habe ich entschieden, die mittleren Buchstaben auch noch größer darzustellen. Das United Kingdom ist ja auch groß und erhaben …
Dann habe ich entschieden, mich am Stil des UTMB-Logos anzulehnen und darauf aufzubauen. Die drei Länderflaggen sollten rein und auch das UNICEF-Zeichen, weil wir ja versuchen, ein wenig Geld für UNICEF zu erlaufen und für UNICEF ein wenig Aufmerksamkeit zu erzeugen. In einer Zeit, in der weltweit die Kinderrechte eingeschränkt werden, ist es notwendig, Flagge zu zeigen und sich für die Kinder dieser Welt einzusetzen. Für weltweite Kinderrechte laufen bedeutet auch, für unsere Zukunft laufen!

Nach ein paar Versuchen und drei Design-Vorschlägen und ein wenig anschließender Feinarbeit ist dieses Ergebnis herausgekommen:


Wie gefällt es Dir? Lass es mich doch wissen, indem Du hier abstimmst:

Wirklich keine Petitesse: der „La Petite Trotte à Léon“!

Vorgestern war der letzte Tag der Einschreibung für den „PTL“, für den „La Petite Trotte à Léon“ gewesen. Ursprünglich sollten sich maximal 60 Teams aufmachen, die Umrundung des Mont Blanc in der schwierigeren Version zu versuchen, aber die Veranstalter haben die Teilnehmergrenze auf 80 Teams erhöht.
Ein Glück auch für uns, weil es die Chancen, dass Carsten Quell, Bob Lovegrove und ich dabei sein dürfen, erhöht. Am Vorabend des letzten Einschreibetags waren 64 Teams gemeldet, also gehe ich davon aus, dass wir auf dieses Mega-Event hintrainieren dürfen.

Mindestens zwei andere Teams aus dem Freundeskreis werden dabei sein: Eric Türlings, der Veranstalter des Keufelskopf Ultras, des „K-UT“, wird mir zwei Saarländern starten und Jens Vieler, der Veranstalter der „TorTOUR de Ruhr“, wird mit Wolfgang Olbrisch und einem dritten Läufer ebenfalls ein Team stellen. Natürlich laufe ich neben dem „K-UT“ auch die „TorTOUR de Ruhr“, genug Gelegenheit also, über den „PTL“ zu diskutieren und Strategien zu besprechen, die dann sowieso nicht funktionieren, denn eines ist sicher: am Berg ist jedes Team für sich alleine!

(Klicken zum Vergrößern!) Die Strecke des PTL 2010

Ein Lauf, der in etwa so viele Höhenmeter zu bieten hat wie diese Erde ingesamt von den Tiefen des japanischen Grabens bis zu den Höhen des Mount Everest – und das verteilt auf 240 Laufkilometer – wird mir sicher alles abverlangen, wird alles von mir nehmen, aus mir herausnehmen. Vielleicht auch mehr. Viel mehr.

Aber Carsten, Bob und ich haben auch viel zu geben. So werden wir aus diesem Lauf, aus diesen 3x 240 Kilometern, aus diesen 3x 18.000 Höhenmetern einen Spendenlauf machen. Wahrscheinlich für UNICEF. Oder für eine andere Organisation, die sowohl in Kanada, in England als auch in Deutschland einen guten Ruf hat und die diese Welt ein wenig besser machen will, als sie ist.
Also wird jeder Schritt für einen guten Zweck sein und die Muskelverhärtung in den Oberschenkeln, die ich wahrscheinlich wie beim TransAlpineRun 2008, dem SwissJuraMarathon 2009 und dem UTMB 2009 wieder bekommen werde, wird mich während der 100 Stunden, die wir für diesen Lauf Zeit haben, permanent daran erinnern, dass wir uns und anderen an diesem verlängerten Wochenende im August etwas Gutes tun wollen.

Etwas Gutes sollen aber auch unsere Augen bekommen. Schon im August 2009 habe ich mich in den Anblick des Mont Blanc verliebt, bei Ski fahren in La Plagne sah ich den „weißen Riesen“ wieder ganz nah vor mir stehen. Erfurcht und Respekt muss diesem Berg gezollt werden und Du wirst Dir Deiner Bedeutungslosigkeit bewusst, wenn dieser Berg, dieses Massiv aus Dutzenden von hohen und höchsten Bergen, auf Dich hinabschaut.
Und nun darf ich mir diesen Berg gleich 100 Stunden lang ansehen – aus allen Perspektiven! Was wird das für ein Erlebnis sein!


Aber nach dem UTMB 2009 und hoffentlich dem PTL 2010 will ich noch etwas anderes, noch etwas Neues von diesem Berg: ich will ihn besteigen. Ganz hinauf auf den Gipfel!
2011 – vielleicht mit Dir?

Zwar gehört er nicht zu den „Seven Summits“, aber zumindest früher wurde er in Westdeutschland als „höchster Berg Europas“ bezeichet. Erst der Mauerfall und die objektivere Sicht der Geographie Europas hat ihn auf Platz 2 abrutschen lassen und er musste den Spitzenplatz der höchsten Berge Europas dem Elbrus überlassen. Aber auch da streiten sich die Geographen der Welt, ob der Elbrus nun asiatisch oder europäisch ist.
Zu den „Seven Summits“ jedenfalls gehört der Elbrus für Europa dazu – macht aber nichts. Der „weiße Riese“, der Mont Blanc, der will bestiegen sein.
2011.
Ein Ziel.
Mein Ziel.

PTL: Can you complete our équipe? Unser Weg nach Chamonix …

Das ist doch typisch Mensch: es braucht neun lange Monate bis zur Geburt eines neuen Erdenbürgers, neun Monate, die die Männer in die örtlichen Kneipen treiben, um sich die Sorgen schön zu trinken und neun Monate, die Frauen sukzessive zu Müttern machen. Keine Sorge wird ausgelassen und Woche für Woche wird schon mal ein Teil für das kleine Bündel gekauft.
Man kann ja nie wissen! Und neun Monate vergehen ja so schnell!

Neun Monate von heute an dauert es noch, bis sich Carsten Quell und ich der größten sportlichen Herausforderung stellen, für die wir uns bisher eingeschrieben haben, neun Monate bis zum PTL, bis zum 245 Kilometer langen „La Petit Trotte à Léon“, neun Monate bis zu 21.000 Höhenmetern! Neun Monate sind auch genau die richtige Zeit, um uns zu entscheiden, mit wem wir diesen Lauf als Dreier-Team wagen wollen.
Vor kurzem haben Carsten und ich, die wir das „P“ und das „T“ repräsentieren, noch hier über diesen Blog unser „L“ gesucht. Und direkt danach hat Carsten auf der englischen und der französischen UTMB-Webseite eine Frage gepostet: „Can you complete our équipe?“ Und ich habe bei Steppi im Steppenhahn ganz bescheiden auf deutsch angefragt, wer unser „dritter Mann“ sein will.

9 Monate - unser Weg nach Chamonix!


Gerechnet haben wir mit nichts, mit niemandem.
Wer wird denn so verrückt sein, sich auf so ein Experiment einzulassen? Jeder Arzt, der seine sieben Sinne beieinander hat, wird Dich vor dieser Tour warnen. Noch heute hat mein Freund und Physiotherapeut Roger Steiner zu mir gesagt: „Wer’s braucht … !“ Und wer wird denn die nächsten neun Monate auf so viel Freizeit verzichten, um Tag für Tag, um Kilometer für Kilometer Training abzuleisten, nur um sich Ende August mal wieder so richtig quälen zu können?

Aber ich bin dem lieben Gott dankbar, dass er Carsten und mir gezeigt hat, dass wir uns irren können. Und zwar gewaltig. Zwei meiner engsten Lauffreunde haben sich genauso gemeldet wie ein Feuerwehrmann aus der „verbotenen Stadt“ und auch ein erfahrener Ultralauf-Veteran aus England hat sich ins Gespräch gebracht. Das hat uns sofort in Zugzwang gebracht, uns Kriterien auszudenken, anhand derer wir die Position „L“ besetzen wollen.

Da Carsten und ich Sicherheitsfanatiker sind, war unser erstes Kriterium klar: es sollte primär jemand sein, der den UTMB gefinished hat. Grundsätzlich wäre das zwar nicht wichtig gewesen, da Carsten und ich beide UTMB-Finisher sind und damit die Mindestqualifikation für das gesamte Dreier-Team erfüllen. Aber uns kann ja schon morgen ein Ziegelstein auf den Kopf fallen oder eine Muskelfaser in der Wade reißen. Und dann müsste ein Ersatz gesucht werden und der müsste dann zwangsweise ein UTMB-Finisher sein.
Wenn „L“ aber auch ein UTMB-Finisher ist, dann reicht ein guter Bergläufer … „Safety first“ also!

Unser zweites Kriterium war, dass wir denjenigen vorziehen wollten, der zumindest die Distanz von 245 Kilometern nonstop erfolgreich gefinished hat. Carsten und mir ist das bislang noch nicht vergönnt gewesen, aber Carsten wagt sich auf beim GUCR („Grand Union Channel Race“) an die gleiche Entferung wie ich, wo ich die Leiden der TTdR „TorTOUR de Ruhr“ auf mich nehmen will … „Experience first“ eben!

Das dritte Kriterium war aber auch, dass die Grundgeschwindigkeit von „L in etwa unserer Geschwindigkeit entsprechen sollte. Richtige „Rennkatzen“ würden uns unter Druck setzen, ob wir das wollen oder nicht, immerhin sind wir ja Männer – mit mehr geistigem Ehrgeiz als körperlichen Fähigkeiten. Unter Druck aber würden wir zu schnell anlaufen und somit wäre die ganze Mission gefährdet, also brauchen wir jemanden mit dem Mut zur Langsamkeit … „Slowfox“ als Ziel!

Vor allem Carstens Telefonat mit Robert (Bob) Lovegrove aus dem hochalpinen England hat dazu geführt, dass wir Bob gefragt haben: „Willst Du, Bob Lovegrove, „P“ und „T“ annehmen und zum „L“ werden, in guten wie in schlechten Zeiten, bergauf und bergab, bis die Ziellinie Euch scheidet?“ Und Bob sagte: „Yes!“

Bob hat in allen Punkten unsere Kriterien vollständig erfüllt. Er ist ein UTMB-Finisher des Jahres 2007, er hat schon einen 250 Meilen (ca. 400 km) Nonstop-Lauf erfolgreich hinter sich gebracht und er ist mit einer UTMB-Zeit von 40+ Stunden nur unwesentlich schneller unterwegs gewesen wie Carsten und ich. So passt das zu uns, so passen wir zueinander! Und alle jubelten und freuten sich und wir beschlossen, für unseren Lauf das gute Beispiel lieber Lauffreunde anzunehmen, um etwas wirklich Wichtiges zu tun: um Geld zu sammeln für einen guten Zweck!

Ob es R(ud)olf Mahlburg mit seinem ambitionierten Projekt www.laufend-helfen.de ist, der immense Summen für an der Duchenne-Muskelkrankheit erläuft oder Michael Eßer, der mit www.running-for-kids.de Geld für den Verein Zartbitter e.V. sammelt oder ob es Heinrich Dahmen ist, der mit seiner Webseite www.spendenlauf.de auch für notwendiges Geld für kranke Kinder sorgt, alle sind unsere Vorbilder.
Nur wissen wir noch nicht, für welche Organisation wir Gelder erlaufen sollen, immerhin soll die Organisation in Kanada, in England und in Deutschland eine guten Ruf, eine hohe Bekanntheit und hehre Ziele haben. Aber da gibt es genügend Alternativen und daher haben wir vereinbart, dass wir dieses Thema erst dann endgültig beschließen, wenn wir nach unserer Anmeldung auch vom Organisationsteam in Chamonix angenommen wurden, also werden wir uns in der zweiten Januarhälfte entscheiden, dann, wenn wir gewissermaßen in der „8. Woche“ der Neun-Monats-Prozedur sind.

Dennoch sind meine Gedanken bei denjenigen, die gerne in unserem Team dabei gewesen wären, insbesondere natürlich bei meinen beiden engen Lauffreunden, mit denen ich schon seit Jahren hübsche Strecken läuferisch bewältigt habe. Und ich hoffe, dass hier „aufgeschoben“ nicht „aufgehoben“ ist und dass die drei 2010 sich erst einmal selbst am UTMB beweisen, selbst das Gefühl tanken, was es heißt, so lange zu laufen, zwei aufregende Sonnenaufgänge in den Bergen zu erleben und so lange nicht zu schlafen …,

… um dann 2011 den PTL selbst anzugehen, vielleicht sogar dann mit mir?

Edit: die oberen Zeilen habe ich schon vorgestern geschrieben und alleine heute haben mir zwei weitere Lauffreunde mitgeteilt, dass sie gerne unsere Troika ergänzen würden. Ich werde versuchen, noch ein zweites Team für 2010 zusammen zu stellen, bei dem ich gerne auch dabei wäre. Aber wie heißt es bei Reese Witherspoon’s bezauberndem Film „Sweet Home Alabama“ so schön: „Du kannst mit einem Hintern nicht zwei Pferde reiten!“
So hoffe ich doch, dass ich allen meine lieben Freunden gerecht werden kann, indem ich einfach dupliziere, was gut zu sein scheint!
PTL, wir kommen, hoffentlich gleich mit zwei Teams! Danke Andreas, danke Dirk, danke Florian, danke Martin, danke Peter, jeder von Euch bekommt noch eine direkte persönliche Mail.