Imaginations from the Other Side

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Es gibt nur wenige Fixpunkte in meinem beschaulichen Leben. Da ist die Arbeit mit den drei Säulen Ostergeschäft, Herbstaktionen an den Wochenenden und das Weihnachtsgeschäft, all diese Zeiten sind „tabu“ für Events, leider.
Und da ist der alljährliche Urlaub im Februar auf Gran Canaria, idealerweise abgeschlossen mit dem TransGranCanaria-Event, 2017 hoffentlich sogar mit dem neuen Format „360 Grad“. Dabei sind es die Dünen zwischen Playa del Inglès und Maspalomas, auf die ich mich immer schon vorfreue, wenn ich das immergleiche Appartementhotel wieder buche.

Und da ist regelmäßg diese letzte Woche im August, diese fantastische Woche in Chamonix bei den Bewerben des UTMB.

Ich muss ja kaum erklären, was der UTMB, der „Ultra Trail du Mont Blanc“, ist. Aber weil es vielleicht doch den einen oder anderen Leser gibt, der in diesem Punkt so unwissend ist wie ich es bis Ende 2008 war (*), sei kurz erklärt, dass der UTMB mit den Nebenbewerben OCC (55 km), CCC (101 km), TDS (119 km) und PTL (290 km) ein 170 km Lauf rund ums Mont Blanc Massif ist. 10.000 Höhenmeter sind dabei zu meistern und „normalsterbliche Läufer“ schaffen das nur, indem zwei Nächte durchgelaufen wird.

Zwei Nächte durchlaufen? Geht das denn?
Eine Nacht ohne Schlaf ist reine Gewöhnungssache, zwei Nächte ohne Schlaf aber sind … ja, was sind sie eigentlich?
Ich will es mal blumig formulieren: Wer zwei Nächte ohne Schlaf erlebt, der erlebt in der zweiten Nacht Dinge, die sonst nie zu erleben sind. Bäume, die Spalier stehen und den Läufern zujubeln, Schilder, die vor Dir her wanken, kurz, Halluzinationen, die man nicht kaufen kann. Für alles gibt es ja bekanntlich MasterCard, für Halluzinationen jedoch nicht … Weiterlesen

Dream a Little Dream with Me …

Dream a Little Dream of Me …

Ob es das Original von Doris Day ist, oder die Version von Robbie Williams mit Lily Allen oder Emma Bunton, ob sich Michael Bublé an diesen Zeilen versucht hat, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong oder die Mamas & Papas, oder ob Du mit mir die wunderschöne Version von The Beautiful South aus dem großartigen Film „French Kiss“ favorisierst, die Version, die es auch in einer französischen Variante gibt: es ist ein wunderschöner Song, der die Zeit überdauert hat und ständig wach und präsent ist.
Geschrieben wurde der Song übrigens von Gus Kahn, Wilbur Schwandt und Fabian Andre und er erinnert uns ständig daran, dass wir alle einen kleinen Traum haben, unseren kleinen Traum.
DreamUnd dieser kleine Traum kann materiell sein. Da träumt der Eine von dem Großauftrag, der sein Unternehmen retten kann.
Dieser kleine Traum kann und darf gerne auch immateriell sein. Mancher träumt davon, einmal im Ferrari auf der Nordschleife des Nürburgrings zu fahren oder davon, einen Zwei-Zentner-Fisch aus einem Baggerloch zu ziehen.
Dieser kleine Traum kann flach sein und der Träumende sieht sich mit einer neuen persönlichen Bestzeit bei einem Marathon auf ebenstem Geläuf über die Ziellinie fliegen, dieser kleine Traum kann aber auch schroff und bergig sein.
Und das ist mein kleiner Traum und ich vermute, das ist auch Deiner. Und den würde ich gerne an dieser Stelle hier in den nächsten Monaten mit Dir teilen.

Mein kleiner Traum 2014 ist der kleine Spaziergang des Léon und ich lade Dich ein, diesen kleinen Traum mit mir mitzuträumen.
Weil ich darin schon ein wenig erfahren bin.
Zwei Mal habe ich schon diesen Traum angeträumt, aber zwei Mal bin ich dann leider wach geworden und konnte den Rest des Traums nicht zu Ende träumen. Dabei ist bemerkenswert, dass dieser kleine Traum immer länger wird, von 230 Kilometern und 21.000 Höhenmetern über 280 Kilometer und 24.000 Höhenmeter auf jetzt 306 Kilometer und 28.000 Höhenmeter.
Wenn beim Hochsprung die Latte höher gelegt wird, obwohl Du die alte Höhe noch gerissen hast, dann ist der Hochspringer sauer. Wir Läufer aber träumen einfach etwas mutiger.MB

Der Traum fängt immer gleich an:
Stelle Dir vor, Du bist in Chamonix, in einem der ganz besonders interessanten Berg-Städtchen dieser kleinen Welt. Rechts oben schaut eine Gletscherzunge zu Dir herunter und wohin Du schaust geht es nur steil und weit bergauf. Du stehst auf einem zentralen Platz mitten in der City, vor Dir hängt etwas weiter oben eine bunte Banderole, die Deinen Lauf ankündigt.
Mit Dir stehen 300 weitere Läufer herum, alle ähnlich ausgestattet, mit Rucksäcken, Kopflampen und Stöcken bewaffnet. Und alle sind ganz merkwürdig ruhig und konzentriert, gleichzeitig aber auch sehr aufgeregt. Und dann beginnt die laute Musik, der Countdown auf Null wird runtergezählt und dann setzen sich diese 300 Menschen in Bewegung.
Beim UTMB geht es nach rechts, beim PTL, dem kleinen Spaziergang des Léon, geht es nach links, aber der Weg ist gesäumt von Hunderten, von Tausenden von Menschen, die jubeln und Daumen drücken, die Tröten klingen lassen und die Dir und Deinen Mitstreitern „bonne chance“ wünschen. Nach vielleicht Hundert Metern oder etwas mehr macht dann die Straße einen scharfen Knick nach links und Du läufst an den gleichen jubelnden Menschen wieder vorbei, die in der Zwischenzeit ihre Position einige Höhenmeter nach oben verlegt haben.
Kinder recken ihre kleinen Hände raus und freuen sich, wenn Du die abklatschst. Es ist lärmig und laut und Du siehst nicht allzu viel, weil die Augen feucht sind von den Tränen, die Du wegen dieses begeisternden Anfangs vergossen hast. Aber Du bist glücklich wie selten im Leben und Du bist stolz, diesen Anfang eines schönen Traums mit diesen Menschen um Dich herum träumen zu dürfen.

Diese Menschen um Dich herum tragen häufig Ehrfurcht einflößende Namen, manche aber sind auch eher Rookies, ambitionierte Amateurläufer wie ich, aber alle wissen, dass sich die nächsten Tage und Nächte nur noch in den Bergen rund um das „Dach Europas“ abspielen werden. Sie alle wissen, dass sich die Temperaturen, die es beim Start gab, in diesen nächsten Tagen und Nächten noch deutlich nach unten oder oben verändern können, verändern werden.
Wenn es nass war, wird es trocken werden und vielleicht auch wieder nass. Und was trocken begann endet häufig im Regen. Oder im Schnee. Und Du gehst, während Du an den grölenden Zuschauern vorbei läufst, im Kopf zum Hundertundelften Mal durch, ob Du alles dabei hast, ob Du alle Eventualitäten bedacht hast und ob Dein Konzept, dass Du in warmer Stube bei heißem Tee, trockenem Wetter und vollkommen ausgeschlafen geschrieben hast, funktionieren kann.
Du schüttelst Dutzende von Händen, die der kleinen und großen Zuschauer, die etlicher Mitstarter und auch die für Dich und Deinen Traum wichtigsten Hände, die in den nächsten 141 Stunden über darüber mitentscheiden, ob ich 2014 diesen Traum endlich bis zum Ende träumen darf, die Hände Deines oder Deiner Teamkollegen.

Jeder Traum ist nur so gut wie der Mensch, der ihn träumt. Und bei Teamläufen kann ein Traum nur so gut sein wie die zwei oder drei Menschen, die ihn zusammen träumen. Wie eine Kette, bei der das schwächste Glied die Stärke des Ganzen definiert, so ist das auch bei diesem kleinen Spaziergang, weit um den weißen Berg herum. Und wie es im Song „Dream a Little Dream of Me“ heißt, so startet auch der erste Abend und die erste Nacht bei diesem außergewöhnlichen Lauf:
„Sterne scheinen hell über dir, Nachtbrisen scheinen <Ich liebe dich> zu flüstern“ und „Vögel singen im Platanebaum,“ während Du mit dem Tross der anderen Läufer langsam, aber stetig Deinen Weg durch das Dunkel nimmst. In den ersten 24 Stunden bleiben alle Läufer fast noch zusammen und in der Nacht siehst Du vor Dir ein langes Band kleiner Leuchten die Wege hinauf auf die Pässe und Gipfel und hinter Dir, wenn Du Dich umdrehst, siehst Du auch ein langes Band ebensolcher Leuchten von denjenigen, die diese Herausforderung etwas langsamer angehen als Du.
Es ist ein so eindrückliches Bild, das Dich niemals mehr verlassen wird.

Dieser Traum, ob Du ihn zu Ende träumen darfst oder nicht, wird Nacht für Nacht immer wieder kommen, später dann, zu Hause. Und das geht dann wohl so lange, bis Du diesen Traum wirklich mal bis ganz ans Ende träumen darfst, bis zu dem Punkt, an dem Du, übermüdet, mit Schmerzen am ganzen Körper, humpelnd die Straßen von Chamonix entlang gehst, vielleicht ein paar Laufschritte versuchend und wo Du dann gar nicht die Beachtung der Zuschauer erhältst, die dieser Leistung angemessen wäre. Aber Du machst Dir nichts daraus und siehst auf die Finisher des CCC, des TDS oder des UTMB, nimmst wahr, wie in diesem Jahr die Westen aussehen, die Du dann gleich in Empfang nehmen darfst, wenn Du dann endlich die Ziellinie überquerst.
Und wenn Du die dann überquert haben wirst, dann gibt es auch kein Halten mehr und Du wirst einen ganzen Fluß weinen, minutenlang – und das wird so gut tun.

Dann werden 306 Kilometer abgelaufen sein, unzählige Leitern und Kletterpassagen werden bewältigt sein, 28.000 Höhenmeter wirst Du auf- und auch wieder abgestiegen sein, Du wirst durch 6 Nächte gelaufen sein, wovon Du in zwei Nächten wohl nicht geschlafen haben wirst und in den anderen vier Nächten hast Du mit Schlaf gegeizt und Du willst dann, wenn Du die Weste hast, nur noch eines: ins Bett. Schlafen, ausschlafen bis zum nächsten Morgen.
Du wirst dann pralle Sonne, aber auch eisigen Schnee erlebt haben, prasselnden Regen, dicken Nebel und wohl auch strammen Wind. Du wirst viel zu wenig gegessen haben, weil Du gar nicht so viel essen kannst, wie Du bräuchtest, aber Du hattest wahrscheinlich die schönste Zeit in Deinem Leben. Und Du hast einen oder zwei Freunde neben Dir, mit denen Du eine Erinnerung teilen kannst, wie es nur wenigen Menschen auf dieser Welt vergönnt ist, eine Erinnerung, die Du auch noch Deinen Enkeln erzählen kannst.
Vielleicht kannst Du dann nicht mehr laufen, aber Deine Enkel werden wissen, dass Du mal einer von denen warst, die solche Läufe gemacht haben.

Noch wissen Jörg Kornfeld und ich nicht, wer uns als Teampartner begleiten wird. Eine kleine Vorliebe aber haben wir schon. Noch sind es 231 lange Tage bis zum Start des PTL in Chamonix, lange genug, um mich wieder in Form zu bringen, wieder ein paar Kilos zu verlieren, wieder ein paar Längen- und Höhenkilometer zu absolvieren, um mich vorzubereiten auf diesen kleinen Traum.

Und dann, nach dem 31. August, hoffe ich, dass dieser Traum auch die Zeit überdauern wird und ständig wach und präsent bleibt, dass ich in jeder Nacht wieder Teile dieses Traums neu erleben darf, dieses Traums, in dem die Sterne hell über dir scheinen, in dem Nachtbrisen <Ich liebe dich> zu flüstern scheinen und in dem Vögel im Platanebaum singen.
Und dieser Traum wird wispern: „Halt mich fest und sag mir, Du vermisst mich,“ während ich allein bin und traurig, wie man sein kann, weil der echte, der reale Traum dann eben vorbei ist.

Das wird dann gehen, bis erneut die Einschreibungen für den UTMB, den PTL oder den TdG möglich sind und Du erneut von Deinem kleinen Traum träumen darfst …
„Sweet dreams“ wünsche ich Dir!

Danke für dieses Jahr 2013


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Mein Laufjahr 2013 war ähnlich wie der „Zug des Lebens“ in diesem YouTube-Video.

Ich saß in meinem Abteil und nahm wie jeder andere seinen Weg nimmt, meinen Weg. Dieser führte mich über das India Ultra Race in den indischen Kerala-Bergen, besucht vorwiegend von neuen französischen, belgischen und singapurianischen Freunden, unter anderem nach Andorra, ins österreichische Pitztal, zum schweizer Eiger und zu Günter Kromer ins schöne Baden.
Vor dem TransGranCanaria durfte ich drei Wochen lang auf dieser imposanten Insel Urlaub machen, dann ging mit Frank Nicklisch an und um den Müritz-See, es gab Nachtläufe in der Eifel, auf der berühmten Treppe in Radebeul, bei Gerhard Börner’s JUNUT und auch einige lange Nächte in England beim Thames Ring Race, dem bisher zeitlich und entfernungsmäßig längsten Lauf meines kleinen Sportler-Lebens.
In Nepal rückte ich menschlich eng mit Henk Sipers zusammen und in Chamonix lernte ich viele Bewohner des Deutschen Hauses entweder besser und näher oder sogar ganz neu kennen. Der Lauf war dabei für mich ein genauso freudig prägendes Erlebnis wie das Erleben dieser wunderbaren Menschen. Noch heute trage ich das rot-weiße UTMB-Bendelchen um mein Handgelenk, um mich ständig an diese vielleicht schönste Woche des Jahres 2013 zu erinnern.

Manch einer von Euch ist in diesem Jahr in mein Abteil eingestiegen, einige haben es aber auch verlassen. Manche haben nur kurz herein geschaut, manche sind gerne darin sitzen geblieben. Jeder, wie er es mag. Gerne hätte ich mein Abteil weiter aufgemacht für den Einen oder Anderen und auch manche hätte ich gerne daran gehindert, mein Abteil zu verlassen, aber im Leben müssen wir alle den Weg gehen, der uns vorbestimmt ist, der für uns gut ist und der uns weiter bringt.

Manch einen habe ich in meinem Abteil ungerecht behandelt, nicht ausreichend gewürdigt oder sogar seine Erwartungen nicht erfüllen können oder wollen. Ich bin jedoch dankbar, dass es einige von Euch gab, die eingetreten sind und noch immer in meinem Abteil verweilen und die mit ihrer Aufmerksamkeit und Freundlichkeit dieses Abteil wärmen und die damit dafür sorgen, dass ich hoffe, dass es für diese Fahrt niemals ein Ziel, ein Ende geben möge.

Neben den Erfolgen und Glücksgefühlen in diesem Jahr gab es natürlich auch die kleinen und großen Enttäuschungen. Jin Cao und Niels Grimpe-Luhmann haben eine davon aus der Nähe erlebt. Der Darmvirus (Giardia-Lamblia-Infektion), den ich mir aus Nepal mitgebracht habe, hat mir in Andorra und in der Schweiz den Lauf verleidet und mich zum Abbruch gezwungen, im Pitztal habe ich mich deswegen gleich entschlossen, „nur“ den kleineren Lauf zu wagen.

Jetzt schaue ich gespannt aus dem Abteilfenster, strecke meinen Kopf in die Kühle des Fahrtwinds und schaue gespannt und mit Freude nach vorne. Und ich sehe da zuerst den kleinen privaten KoBoLT, den ich mit Andreas Haverkamp gemeinsam rein privat ablaufen werde. Vom 11. Januar auf den 12. Januar sehe ich uns auf dem Rheinsteig zwischen Koblenz und Bonn, die gute Tradition fortsetzend, die wir auf Gran Canaria begonnen und mit dem kompletten Hermannsweg fortgesetzt haben.
Schon kurz danach sehe ich mich unter anderem mit Joe Voglsam um den Neusiedler See laufen, 120 hoffentlich schneereiche Kilometer meist auf österreichischen, teils aber auch auf ungarischem Staatsgebiet. Es wird eine hervorragende Möglichkeit sein, mich bei Joe für die Unterstützung und bei fitRabbit für die zusätzliche Power zu bedanken, die mich schon ein Jahr lang anschiebt und motiviert.

Ein wenig weiter vorne sehe ich dann den hohen und wahrscheinlich tief verschneiten Brocken, auf dem nicht nur die Hexen Walpurgisnacht feiern, sondern wir auch mit einer ganzen Heerschaar an hervorragenden Läufern ein gemeinsames Gipfelfest feiern werden, alles zum Wohl derer, die weniger Glück im Leben haben wie wir.
Und um diesem Gedanken der Nächstenhilfe gerecht zu werden, sehe ich mich im Juli, weit hinter den Läufen auf Gran Canaria, auf dem Hermanns- und dem RheinBurgenWeg, auf dem ich auch 2014 wieder den Einen oder Anderen von Euch begrüßen darf, im Altmühltal und an der Ruhr, hinter dem Trail Yonne im schönen Burgund und dem GUCR im sommerlichen England, eine große Runde um Köln und Koblenz laufen, um erneut Gelder zu sammeln für den Bonner Bunten Kreis, dessen Grenzen sich im neuen Jahr im Norden bis nach Köln und im Süden eben bis nach Koblenz ausdehnen werden. Jeder Euro, der dabei erlaufen werden wird, wird dann vor allem Frühchen und ihren Familien helfen, mit ihrem Schicksal besser umgehen zu können und ein glückliches und normales Leben leben zu können.

Und direkt danach sehe ich schon die hohen Berge Andorras, die Alpen zwischen Sölden und Meran und ganz weit hinten am Horizont sehe ich durch den Dampf der Lokomotive in der Ferne den majestätischen Mont Blanc. In 2014 will ich mir endlich die Finisher-Weste des PTL abholen und das gemeinsam mit Jörg Kornfeld und einer dritten Frau oder einem dritten Mann, die oder der aber bisher noch nicht gefunden sind. Aber es ist hier so romantisch wie bei einer Verlobung: versprochen sind wir schon!

Und auch in 2014 werden wahrscheinlich einige neue Freunde in mein Abteil einsteigen und auch dann werden einige wieder gehen.
Ich aber hoffe, dass Du, der Du Dich im Moment in meinem Abteil befindest, noch ein langes Weilchen bleibst und mich mit Deinen Hinweisen, Deiner Kritik und Deiner Aufmerksamkeit unterstützt.

Ich sage Dir DANKE FÜR DIESES JAHR 2013 und ich wünsche Dir und mir eine GUTE REISE … !

Das „Deutsche Haus“ in Chamonix

Deutsches Haus

Wenn Du die Teilnahme am UTMB planst, dann kommen üblicherweise die gleichen Fragen.

 Schaffe ich das überhaupt?
Welche Rennstrategie wende ich an?
Schlafe ich während des Rennes oder besser nicht und wenn ja, wo und wie oft?
Auf welches Material verlasse ich mich während des Laufs?

Und dann kommt Dir noch eine Frage in den Sinn, die auch sehr wichtig ist:
Wo wohne ich in und um Chamonix an den Tagen vor und nach dem Rennen?

Diese letzte Frage habe ich in den letzten Tagen sehr inspirierend beantworten dürfen. Ich wohne im Deutschen Haus in Chamonix – und das schon vom Sonntag, den 25. August bis zum Sonntag, den 01. September an.

Was ist das Deutsche Haus überhaupt?

Das Deutsche Haus ist der zentrale Treffpunkt für deutsche Athleten, deren Familien und Freunde sowie Medienvertreter und Sponsoren. Das Haus befindet sich zehn Gehminuten vom Zentrum von Chamonix entfernt und lädt während der Wettkampfwoche zu gemeinsamen Veranstaltungen und Aktivitäten rund um den Trail ein.
Und ganz nebenbei wohnen auch ein paar von uns Ultraläufern dort. Und einer davon darf ich sein.DH1

Es ist dabei nicht, wie manche unterstellen, das alkohlfreie Erdinger Weißbier, warum ich mich so sehr auf diese Woche freue, es ist die Gesamtheit der Gäste, der vielen Besucher, der anwesenden Medien, die schönen Räumlichkeiten und die hervorragenden Relax-Möglichkeiten, die diese Woche zu einem kleinen Traum werden lassen.
2012 wohnte ich ja schon ähnlich exklusiv im Hotel der THE NORTH FACE Kollegen, 2013 will ich, dann ohne den immensen Termindruck wegen der vielen Pressekonferenzen, die 2012 abgehalten wurden, in Ruhe meine Mitte finden, mich auf den Lauf vorbereiten, die gemeinsamen Events dort wahrnehmen und auch wissen, wo mein Bett steht, wenn ich dann nach hoffentlich „46 Stunden minus X“ übermüdet wieder in Chamonix ankommen werde.DH3

Deutsches_Haus

(Klicken zum Vergrößern …)

2012 hatte ich eine riesige eigene Dachterasse mitten in Chamonix mit Blick auf die Holzbuden der Aussteller auf dem zentralen Platz der Läufer. Darauf war ich allerdings nie, das Wetter war einfach zu schlecht gewesen. Und hier schließt sich mein Wunsch an, den ich heute schon nach ganz oben richte:
Oh Himmel, lass das Wetter in Chamonix in dieser Woche richtig gut sein!

Dann wird der Aufenthalt und auch das Rennen mit Sicherheit ein Event, an das ich noch lange nach meiner Zeit als aktiver Läufer denken werde …

Weitere und auch topaktuelle Informationen zum Haus findet ihr außerdem

 Vielleicht trinken wir in Chamonix dann eine Fassbrause zusammen oder touren gemeinsam etwas durch die Lande?DH

Mein U (ltra) T (rip zum) M (ont) B (lanc)

Sie ist nun also auch schon wieder einige Tage vorbei, die Pressereise zum „weißen Berg“, dem Mont Blanc.
Heiko Bahnmüller ist, wie rund 2.285 andere Läufer auch, glücklich und gesund im Ziel angekommen, die ersehnte Finisher-Weste wurde mittlerweile schon gewaschen. 15 und eine halbe Stunde hat er gebraucht und einen hervorragenden 270. Platz gemacht, weit besser, als das zu erwarten war.
Wir in der großen Läuferfamilie beginnen schon, unsere Aufmerksamkeit auf andere Events zu richten.
Ganz aktuell findet da ja etwas statt, dass gar nicht so weit von Chamonix entfernt ist, aber ein paar Blicke zurück auf dieses legendäre Event müssen schon noch sein …
Auch ich habe vieles von Chamonix mitgebracht. Materielle Dinge einerseits, ein paar federweiche Laufschuhe von THE NORTH FACE zum Beispiel, aber das meiste, was ich mitgebracht habe, ist immateriell, sind Eindrücke und Gedanken, sind Gefühle und Einsichten und diese werden mich wohl noch lange bewegen.

Wenn man so eine Pressereise macht, dann erlebt man ein Event auch so, wie es wirklich ist, „backstage“ gewissermaßen. Und da erscheint einem alles erheblich komplizierter zu sein, erheblich aufwändiger zu sein und auch erheblich kritischer, als man es als Läufer, als Teilnehmer auf der anderen Seite, erlebt hat und erleben will.
Die Show, die uns Läufern da Jahr für Jahr geboten wird, hat dabei oft nur wenig mit dem zu tun, was da wirklich passiert.

Es ist irgendwie wie in einem guten Western. Wir schauen auf den Saloon in der heißen und sandigen Kleinstadt im amerikanischen Mittelwesten und freuen uns über dieses Bild. Aber hinter der Fassade stehen viele eifrige Menschen, die die wackligen Wände gerade zu halten versuchen, die die Schwingtüren in den Saloon ölen und wieder instand setzen, die die Pferdeäpfel von der Straße entfernen, die unsere Gäule verursacht haben, und die dafür Sorge tragen, dass stets genug Whisky am Tresen zu ordern ist und auch, dass im Saloon alles akribisch verfolgt und aufgezeichnet wird, ständig und detailliert.

Solange das Wetter dabei sonnig ist, ist das alles relativ einfach. Aber wenn der Sturm einsetzt und an den Fassadenteilen wackelt, wenn die Nachschubversorgung wegen unpassierbarer Straßen nicht mehr funktioniert, dann wird es richtig harte Arbeit für die Veranstalter dieser Show. Und weil „Billy the Kid“ latent oft damit gedroht hat, seinen Advokaten vorbei zu schicken, wenn die Show nicht so läuft wie er sich das vorstellt, müssen die Veranstalter auch in juristischer Hinsicht viel Vorsicht und Voraussicht walten lassen.
Das gewaltige ORGA-Team des THE NORTH FACE ULTRA TRAIL DU MONT BLANC um Catherine Poletti herum hat schon einen aufreibenden und nervenzerfetzenden Job bei diesem Event und nur selten lief dieses Event nach Plan.
Die sich rapide verschlechternden Wettervorhersagen waren schuld, dass ständig am Plan gefeilt werden musste, dass Planänderungen beschlossen werden mussten und dass dann diese Änderungen auch erhebliche Anstrengungen für den Rest des Teams bedeutet haben.
Allein die Verkürzung der Laufstrecke und die Entscheidung, den Lauf nicht über die hohen Pässe zu führen, war eine Entscheidung von allergrößter Tragweite, denn was hilft Dir ein Plan beispielsweise für die Verpflegungspunkte, wenn die Laufstrecke nun ganz woanders ist?
Dass der Aufbau des Verpflegungspunktes umdirigiert werden muss, die Anlieferung der Getränke geändert werden muss und die Menschen woanders eingesetzt werden müssen ist das Eine. Das Andere aber ist, dass auch die Strecke neu geflaggt werden muss – und das in kürzester Zeit.
Ich für meinen Teil kam oft aus dem Staunen nicht heraus, wie professionell all das gemanagt wurde. Und die anderen Medienvertreter, mit denen ich unterwegs sein durfte, waren ähnlicher Ansicht.

Am Freitag früh nach dem Start des CCC hörten wir die ersten Gerüchte, dass der UTMB verkürzt würde. „Auf 100 Kilometer!“ meinten manche. „Nein, auf 100 Meilen,“ wussten andere. Erst am frühen Vormittag waren die neuen Eckdaten und die neue Laufstrecke klar und für alle einsehbar. 103,4 Kilometer und 6.600 Höhenmeter war die offizielle Mitteilung. Und ab der mussten dann die Arbeitsteams auch im langen Tal von Chamonix ihre Arbeiten aufnehmen.

Durch die Verschiebung wurde es auch nichts mit unserer geplanten Hüttennächtigung oberhalb der Laufstrecke. Geplant war, dort nach einer 90-minütigen Bergwanderung an der „Maison Vielle Hut“ am Col Checrouit gegen 1:30 Uhr in der Nacht zum Samstag anzukommen, ein paar Stunden zu schlafen und um 5 Uhr ein „Breakfast at Sunrise“ einzunehmen.
Aber was sollten wir da, wo eben keine Läufer sind? Also wurde das Programm mit der „heißen Nadel“ umgestrickt und wir begleiteten die erstplatzierten Läufer mit dem Bus von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle bis hin zum Zieleinlauf.
Ich wiederum habe mich mit einigen anderen Medienvertretern um 1 Uhr ausgeklinkt, bin nach Chamonix zurück gefahren, habe dort ein wenig geschlafen, um dann ab 8.30 Uhr an der Ziellinie auf Heiko Bahnmüller zu warten.
Ein paar Fotos von ihm hätte ich dann doch gerne gehabt.
Aber das hat sich dann als relativ schwierig herausgestellt, weil wir uns zu sehr auf die letzte SMS seiner Ankunft verlassen hatten. Heiko war schon drin, als uns diese SMS sagte, dass wir uns nun jubel- und fotografierfertig machen sollten.
Überhaupt ist so eine Pressereise tatsächlich richtig harte Arbeit. Am Anfang dachte ich, einen Wochenend-Kurzurlaub verleben zu dürfen, aber Pressekonferenz folgt Pressekonferenz, Einladung folgt Meeting, kurzum: Deine Agenda ist vollgestopft mit „must have“ Terminen und ein wenig Zeit für Dich gibt es nur zufällig und auch nur sehr wenig. Macht aber nichts, denn zum Sudoku lösen und zum Fingernagel schneiden sind wir ja nicht nach Chamonix gekommen.

Alle relevanten Gemeinden haben sich vorgestellt und haben uns auf USB-Sticks hübsche Sommer- und auch begeisternde Winterfotos geliefert. Chamonix, Champex und auch Courmayeur haben sich mächtig Mühe gegeben, uns zu zeigen, dass der Mont Blanc nicht nur für Läufer, sondern auch für Wanderer, für Bergsteiger und für Wintersportler ein Traumziel sein kann.

Die Gruppe von Medienvertretern, mit denen ich unterwegs war, bestand im Wesentlichen aus einer großen Schar durchweg netter und hübscher Ladies, die bei THE NORTH FACE oder deren Agentur arbeiten, aus einem interessanten niederländischen Journalisten des „Dagblatt“, aus einer taffen belgischen Bloggerin, die selbst Marathons läuft, keine Selbstverständlichkeit bei Medienvertretern, aus einem schwedischen, einem dänischen und einem französischen Blogger, aus einer kleinen Schar vorwiegend spanischsprachiger Zeitungen und nicht zuletzt aus dem Team Thomas Bohne, der selbst sehr erfolgreich den UTMB 2012 gefinished hat und Judy Ng, die vom deutschen TRAIL MAGAZIN kamen.
Zwei herrlich unkomplizierte Menschen, die kennen zu lernen eine echte Bereicherung war.

Judy wiederum nutzte die lange Laufnacht, um mit dem eigenen Wagen all die Stellen anzufahren, die ihr die Chance auf Fotos von Thomas geboten haben. Der Bus der Medienvertreter war dann schon immer wieder weg. Und ich konnte mich ihr nicht anschließen, weil Heiko immer eine Stunde hinter Thomas lief.
Bei Nacht und bei dunklen Regenwolken wäre die fotografische Ausbeute bei mir sowieso nur gering gewesen.
Catherine Poletti hat als Chefin des ORGA-Teams auch viele Läufer persönlich im Ziel begrüßt und nichts war ihr dabei anzumerken von der sicherlich sehr kurzen Nacht, die sie hinter sich hatte. Sie war stets freundlich zu allen, auch in den schwierigsten Situationen, sie war geduldig und verbreitete stets eine gute Stimmung bei uns. Alles hat nach Plan geklappt, keine größeren Probleme sind bekannt geworden.

Und ganz zu Schluss der Reise, am Sonntag, war dann auch wieder die Sonne da – perfektes Laufwetter für die letzten Ankömmlinge des PTL. Dieser Lauf hat wenigstens unverändert stattfinden können. Die UTMB Finisher waren zu dieser Zeit oft schon zu Hause oder noch in ihren warmen Hotelbetten.
Wir aber wurden vom „Moutain Pickup Service“ abgeholt und zum Flughafen gebracht – perfekt organisiert wie das ganze Wochenende auch.

2013 werde ich dann wieder die Seiten wechseln und mir die Show von vorne ansehen. Dann wird es mir egal sein, welche Mühen die Organisatoren zu bewältigen haben. Ich will dann wieder die perfekte Show erleben und keinen Gedanken an die Probleme verschwenden, die auf der anderen Seite entstehen könnten.

Aber 2013 wird das Wetter beim UTMB auch sicher wieder perfekt sein, so wie damals, 2009.

Rauf geht’s auf den Kronplatz!

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Er hat schon fast Kult-Status. Wie der Marathon des Sables. Oder der New York Marathon. Und dass, obwohl er heuer erst im 8. Jahr ausgetragen wird.

2005, im ersten Jahr, war es vor allem die Idee, die ihn so anziehend wirken ließ. Quer über die Alpen ziehen – zu Fuß. Und das in erträglich bequemen Etappen. Nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz. Eine echte Herausforderung für die Läufer sollte es ja schon sein.

2008 war ich dann dabei. Im vierten Jahr wurde erstmals die Route gravierend geändert und zur Westroute eine Ostroute dazugefügt. Landschaftlich vielleicht etwas weniger spektakulär, dafür aber insgesamt deutlich länger. Diese neue Route war von Anfang an auch ein Erfolg und so wechselte man in den Jahren danach immer wieder hin und her.

2012 ist wieder die Ostroute dran. Wieder geht es vom bayerischen Ruhpolding bis nach Sexten in Südtirol. Wieder sind es acht Etappen, insgesamt überwinden 330 Teams (660 Läufer) 320 Kilometer in der Vertikaldistanz und dabei stemmen sie noch rund 15.000 positive Höhenmeter.

Du hast längst erraten, um welche Veranstaltung es sich dreht: um den TransAlpineRun, den Traum fast aller Läufer!
Wenn ich heute an den TransAlpineRun (TAR) denke, dann erwachen zugleich Freude und Traurigkeit.

Freude, weil es das bisher vielleicht größte Event war, an dem ich teilhaben durfte.
Ich habe da tolle Landschaften und Sehenswürdigkeiten entdeckt, die Krimmeler Wasserfälle zu Beispiel.
Ich habe einen Freund gewonnen, Heiko Bahnmüller, zu dem die Bindung seither nie aufgehört hat. Wir haben einige Läufe gemeinsam gemacht, lagen gemeinsam unter dem Berberzelt in der marokkanischen Wüste und waren auch jetzt wieder gemeinsam in Chamonix, er als Läufer beim UTMB und ich erstmals als begeisterter Zuseher und Kommentator.
Ich habe meine Jugend und Kindheit wiederentdeckt, spätestens auf der letzten Etappe, wenn es an den „Drei Zinnen“ vorbei Richtung Sexten geht. Eine der zweifellos schönsten Gegenden der Alpen. Und in dieser schönen Gegend sind 500 Läufer mittendrin.
Wie schön diese Gegend ist, siehst Du auch, wenn Du hier klickst (http://www.dolomiten.net/entdecken-geniessen/taeler-almen-berge/drei-zinnen.asp).

Ich weiß noch, wie ich als Kind oft dort mit meinen Eltern und meinen Geschwistern gewandert habe. Ich sehe noch heute den Hund meiner Eltern (wer meine Angst vor Hunden kennt, der weiß, es war nun wirklich nicht „mein Hund“), wie er über die Geröllfelder vor den „Drei Zinnen“ läuft und ich weiß noch, wie bezaubernd ich damals schon diese Gegend fand. Das war wirklich nicht selbstverständlich, immerhin sind wir meist gegen den erklärten Willen von uns Kindern auf Berge gelaufen, die so gleich und langweilig waren, dass man sie später auf den Fotos kaum mehr voneinander unterscheiden konnte.
Die „Drei Zinnen“ sind da in der Tat etwas ganz Spezielles, etwas mit einem Zauber, der einen nie mehr ganz loslässt.
Und Trauringkeit, weil ich auch 2012 schon wieder nicht dabei sein kann. Ursprünglich hatte ich ja geplant, mit Herbert Paulus über die Heckmair-Route von Oberstdorf nach Riva di Garda zu laufen, es waren die Begleitumstände, die der „Christliche Sportverein Stuttgart“ maßgeblich zu verantworten hatte, die meine Teilnahme an diesem Projekt dann leider unmöglich machten.
Und direkt nach dem Beschluss, mich aus diesem Projekt auszuklinken, kam die Einladung von THE NORTH FACE, den UTMB zu besuchen, deren Läufer, meinen TransAlpineRun – Partner von 2008, zu portraitieren und ein wenig über die Zeit zu erzählen.
Also kein TAR 2012?
Im wunderschönen Facebook-Land habe ich dann einmal geschrieben, dass ich ein Stoßgebet Richtung Himmel gesendet habe. „Wenn ich nur einen einzigen Tag da dabei sein dürfte,“ habe ich geschrieben, „das wäre schon das Größte für mich.“ Gerade dieses Jahr dabei sein, wo doch so viele Freunde, so viele aus der großen „Familie“, da laufen!

Und wie ist es oft im Leben?

Wer seinen Teller leer isst, wird mit schönem Wetter belohnt.
Wer das ganze Jahr artig war, dem bringt der Nikolaus etwas Weihnachtliches mit.
Und wer Stoßgebete Richtung Himmel schickt, der darf für einen Tag beim TAR 2012 mitlaufen.
Gerade war ein Presseticket frei geworden und die Möglichkeit, die Geschichten über den UTMB, der ja so verregnet und verschneit war, und über den TAR, der auch im Regen begann, sich aber wohl auf eine fantastisch schöne Woche freuen darf, miteinander zu verbinden hat wohl zu dieser Einladung geführt.
Ein Tag nur, immerhin.
Und meine Aufgabe wird es sein, dort kleine Geschichten und Geschichtchen über drei Läuferpaare zu erzählen. Diese Geschichten und Geschichtchen folgen dann alle am Ende dieser Woche und in der kommenden Woche. Und dabei wird es sich drehen um Julia und Jens Vieler vom „RACING TEAM RONJA„, um Michi Raab von X-BIONIC und seinen Teampartner vom „TEAM GRÜNWALD CONNECTION„, Bernhard Seidl und um ein drittes Team, das ich hier und heute noch nicht verraten will. Ein klein wenig Spannung soll ja doch noch übrig bleiben …

Vielleicht, so meine Lehre aus dem Leben, hätte ich für zwei Tage Stoßgebete schicken sollen. Aber das wäre dann vielleicht auch etwas zu viel des Glücks gewesen.
Und so werde ich am Donnerstag von Sand im Taufers nach St. Vigil, beide Orte im schönen Südtirol, laufen dürfen.

Zitat aus der offiziellen Beschreibung dieser Tagesetappe:
„Am folgenden Tag zieht sich die 38,5 Kilometer lange 6. Etappe mit brutalen 2.289 Höhenmetern bis zum Ziel in St. Vigil zunächst entlang des Osthanges des Tauferer Tals bis in das Stadtzentrum von Bruneck. Danach folgt der endlos scheinende Anstieg auf den Kronplatz, der erst im Gipfelbereich die Aussicht auf die Dolomiten im Süden freigibt.“

Wahnsinn, oder?
Also: Schuhe schnüren und rauf geht’s auf den Kronplatz!

Adam und Eva beim UTMB

„Du hast jetzt drei UTMB Punkte, jetzt musst Du auch zum UTMB!“
So oder ähnlich stellte Bernie Conradt meine Weichen für den UTMB 2009, nachdem ich den TransAlpineRun 2008 gefinished hatte.
UTMB? Was ist denn das für ein Lauf?

Und ich lernte schnell. Die atemberaubende Länge, die damals noch unglaubliche Summe der Höhenmeter – und das für mich? Ich hatte damals gerade zwei Mal die 100 Kilometer in Biel hinter mich gebracht, aber der UTMB schien da schon eine andere Hausnummer.
Ich lernte auch, dass der UTMB der Berglauf schlechthin ist, unübertroffen, exorbitant und wunderschön. Und der Lauf, der die Spreu vom Weizen der Läufer trennt.

Er, Bernie, hatte diesen Lauf 2008 nach gut 100 Kilometerchen abgebrochen. Er, der besser und schneller ist als ich. Er, der den „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ bewältigt hat (seinen Bericht findest Du hier). UTMB, das geht nicht. Nicht für mich, dachte ich.

Als letztes lernte ich, dass es den UTMB schon seit Anbeginn aller Zeiten gibt. Nur zu Zeiten von Adam und Eva waren die Teilnehmerzahlen eben noch etwas kleiner.

Aber 2012 findet der THE NORTH FACE ULTRA TRAIL DU MONT BLANC (erst) zum 10. Mal statt. Und unter diesem Aspekt sieht die Bilanz durchaus durchwachsen aus.
Ein Rennabbruch nach 32 Kilometern vor zwei Jahren, schlechtes Wetter und Streckenänderung im Vorjahr, eine Verkürzung am 88 Kilometern vor einigen Jahren und auch dieses Jahr nue eine Miniaturausgabe dieses Laufs.
Keine gute Quote, oder?

Was ist denn der optimale Termin für so einen Lauf? Dieses Jahr fielen schon viele lange Bergläufe dem Wetter zum Opfer, gibt es also ein optimales Datum?
Zu früh im Jahr gibt es vor allem auf den Nordhängen noch viel zu viele Schneefelder und Schneereste. Der Juli ist wettertechnisch immer unbeständig und im frühen August kollidiert der Lauf mit ausgebuchten Hotels in Chamonix und in der gesamten Region.
Und selbst dann wäre ständig gutes Wetter auch nicht garantiert.

Der Lauf findet halt nicht im Paradies statt und Adam und Eva dürften am UTMB sowieso nicht teilnehmen.
Die Liste der Pflichtausrüstung umfasst halt mehr als nur ein Feigenblatt …