Allmächt, der Frankenweg!

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533,10 Kilometer ist er lang, erst 2004/2005 wurde er komplett markiert, er bietet offiziell 21 Etappen und er liegt in Bayern. Einmal musste er einfach ins Leben gerufen werden, der Frankenweg, der sich zwischen der Grenze zu Thüringen und dem Tal der Wörnitz in Schwaben durch die großartige Natur- und Kulturlandschaft Ober- und Mittelfrankens erstreckt.
„Allmächt“ würde jetzt ein Franke sagen, „doch nicht in Bayern. In Franken!“ Na ja, zumindest im Wesentlichen liegt der Frankenweg tatsächlich in Franken, die Oberpfalz lassen wir da mal unberücksichtigt. Um also nicht den Zorn der Franken zu erregen, verschwindet das Wort Bayern ab jetzt aus diesem Bericht.

In Franken also, das selbst wiederum in das vom Weinbau beherrschte Unterfranken und das vom Gerstensaft beherrschte Oberfranken unterteilt ist, in zwei Teile, die sich nicht wirklich lieben. Ohne diese Trink- und Mentalitätsrivalität wäre das kleine, von großen grobschlächtigen Oberfranken zart gehauchte Gebet nach oben zum „Allmächt(igen)“ sonst wohl auch nicht zu verstehen:

„Man muss Gott für alles danken. Selbst für einen Unterfranken!“

Gerüchteweise beten aber die Unterfranken dann doch auch das gleiche Gebet, wenngleich sie Unterfranken durch Oberfranken ersetzen.
Ich selbst, gebürtiger Nürnberger, Franke also, Mittelfranke zwischen allen Stühlen, verstehe dabei gut, warum Franken nur ungern mit dem Freistaat in einem Atemzug genannt werden wollen und heuer, wo der fränkische Fußball die Regnitz, Pegnitz oder den Main runtergeht, der Fußball im Restfreistaat aber immer mehr „Sterne des Südens“ produziert, ist eine Annäherung der ungleichen Landesteile noch schwerer vorstellbar, Zeit, dass das „Radio freies Franken“, von dem immer wieder die Rede ist, kommt …

42,2 Kilometer dieses Frankenwegs bilden dabei die Strecke des Frankenweg-Marathons und es sind wunderschöne, nicht einfach zu laufende, aber aufregende Kilometer zwischen Streitberg und Obertrubach. Kilometer mit Höhlendurchquerungen, bei denen jeder, der größer ist als 150 cm, den Kopf einziehen muss, vorbei an Felsformationen, die Lust aufs Klettern machen und mit Treppenpartien, die gleichsam großartige Ausblicke und pulsbeschleinigende Schwierigkeiten bieten.
Vor allem der längere Aufstieg über die Treppen zur Gößweinsteiner Burg hat mir sehr gut gefallen, die Burg selbst und der Ort Gößweinstein, selbst ein echtes Juwel in der „Fränkischen Schweiz“, taten dann ihr übriges.
FW7 FW2 FW3 FW5 FW6Häufig folgt der Frankenweg auch dem Verlauf der Wiesent, einem kleinen Fluß, der gesäumt ist von Burgen und Schlössern. Einen „Burgenweg“ gibt es dort auch, es wäre ein netter Abstecher vom Frankenweg, wenn man dafür Zeit hat.
Und während der Weg des Frankenwegs und der Weg des Frankenweg-Marathons durch die Durchgangshöhle Oswaldshöhle geht, eine Höhle, bei der es einen kleinen optimalen Punkt gibt, an dem man das Licht des Höhleneingangs und das des Höhlenausgangs sehen kann, führt der Frankenweg irgendwann geradewegs auf die berühmte Teufelshöhle zu, die aber leider nicht belaufen wird, sondern der Weg biegt unmittelbar vor der Höhle nach links ab.
Schade, dachte ich. Aber die Teufelshöhle wäre dann eben auch ein netter Abstecher, wenn man, wie oben schon erwähnt, die Zeit dafür hat.

Dieses Stück des Frankenwegs, das wir da laufen durften, ist zweifellos ein Stück perfekter Natur. Enge Waldstücke, trailige Steigungen, kaum Asphaltpassagen, die Höhlen, die Felsen, die Brauereien an der Strecke, die Brücken am Fluß, die Dörfer, die Burgen und Ruinen, es ist ein Stück Deutschland, das es wert ist, noch bekannter zu werden.
FW1Es ist dabei gleichgültig, ob Du diesen Teil des Frankenwegs, gerne auch noch mehrere Teilstücke, mit dem Mountainbike durchquerst, ob Du wanderst, walkst, ob Du spazieren gehst oder eben, ob Du da läufst, Du wirst in jedem Fall „gut Freund“ mit der Strecke werden.
Wenn Du aber läufst, dann ist der Frankenweg-Marathon (http://www.frankenweg-lauf.de) ein guter Anlass dafür. Und weil nicht jeder einen Marathon laufen will, gibt es dazu noch eine Mitteldistanz von 24 Kilometern und die Kurzstrecke von gerade mal 15 Kilometern. Da soll keiner sagen, dass da nichts für ihn dabei sei …

Nur wenn ich das nächste Mal zum „Allmächt(igen)“ bete, dann bete ich noch für eine zusätzliche Ultrastrecke, Franken würden „an Ulldra“ dazu sagen, so etwas mit 80 Kilometern oder auch mit etwas mehr. Denn wenn eine Strecke so schön ist wie die des Frankenwegs, dann ist der Genuß länger, wenn die Strecke länger ist. Was Herbert Peter, die gute Seele und das Herz des Laufs, hier geschaffen hat, dass ist schon aller Ehren und definitiv ein Mitlaufen wert.
FW4Ich bin ja mit meinem PTL-Partner des „Franken-Express“, mit Jörg Kornfeld zum Start gekommen und ich habe auch mit ihm die erste Hälfte des Laufs gemeinsam bestritten, eher gemütlich, aber dennoch nicht ohne Anspruch. Gabi Kenkenberg, die Zugmaschine unseres „Franken-Express“ PTL-Teams, die an diesem Tag sehr, sehr schnell 3. Frau bzw. 1. Deutsche beim Fürth-Marathon wurde, fehlte jedoch. Mit ihr besprachen wir am Abend zuvor in meinem Nürnberger Lieblingsrestaurant „CHESMU“ bei schwarzem Reis mit Früchten, bei vegetarischem „Züricher Geschnetzeltes“ und bei braunen Spaghetti in Kokossauce mit knackigem Gemüse unsere gemeinsame Strategie für diesen Ende August stattfindenen 141-Stunden Lauf, der mal so weit weg war und der nun schon der fünftnächste Lauf für mich ist.
Allmächt‘, wie die Zeit vergeht!

Nach der halben Strecke des Frankenweg-Marathons lief ich dann mit Andreas Weiser etwas schneller, mit dem ich mich hervorragend verstand und mit dem ich über einige gemeinsame Lauffreunde reden konnte, vor allem natürlich über die der „Coolrunners Germany“. Knapp 11 Kilometer vor dem Ziel rechneten wir aus, wenigstens noch unter die Marke von 5:30 Stunden kommen zu können und so versuchte ich, all das, was ich vorher versaubeutelt hatte, in einem längeren Schlußspurt noch aufzuholen. Mehr als ein 55. Platz aber war dann nicht mehr drin.
Aber diese höchst mäßige Zeit, 5:24:24 Stunden, zeigt schon, dass es sich nicht um eine Strecke handelte, bei der persönliche Bestwerte möglich sind. Und wie angesichts der läuferischen Schwierigkeiten eine Zeit von 3:36:12 Stunden möglich war, die Jürgen Winkler vom DJK LC Vorra hingelegt hat, das entzieht sich wie immer meiner Vorstellung.
Vorstellen aber kann ich mir in jedem Fall, noch einmal dort in Streitberg zu sein und noch einmal dort zu starten. Die Frankische Schweiz, der Frankenweg, die überaus nette Organisation dieses wunderbaren Landschafts-Laufs, all das lässt meine fränkischen Wurzeln erblühen und ich sage: „Allmächt‘, was für ein Lauf!“Fraenkische_Schweiz
Und war sagen Andere dazu?
Fürst Pückler-Muskau
schrieb 1834 in Muggendorf, dem damaligen Tourismuszentrum:

„Franken ist wie ein Zauberschrank, immer neue Schubfächer thun sich auf und zeigen bunte, glänzende Kleinodien, und das hat kein Ende. Wer Deutschlands geheimste jungfräuliche Reize genießen will, muß nach Franken reisen.“

Also nichts wie hin, wenn am Sonntag, den 14. Juni 2015 die nächste Austragung dieses schönen Naturpark-Marathons stattfindet!

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The TRA 250 Miles Thames Ring Race 2013

mrtrDas Rennen des Thames Rings wurde nach 2009 und 2011 heuer zum dritten Mal ausgetragen, immer im 2-Jahres-Rhythmus. Es gab einen fantastischen Streckenrekord für Männer aus 2009 und einen für Frauen, ebenfalls aus 2009. Was ich jedoch nicht wusste, dass es außer dieser Frau weder in 2009 noch in 2011 keine weitere Dame schaffte, den Ring zu vollenden.
Ich war schon 2011 dabei gewesen, damals schaffte ich es allerdings nur bis zum CP 3.

Für mich ist es oft sehr schwer, mich umzustellen, wenn die Verhältnisse, die ich vorfinde, so gar nicht mit meinen Vorstellungen davon übereinstimmen. Und das war damals in höchstem Maße gegeben. Wenn ich mir großartige Landschaften vorgestellt hatte, fand ich ich ein zweifellos romantisches Bild vom Kanal vor, mit Hausbooten darauf, mit viel Grün außen herum, wahrlich nicht schlecht, aber solch ein Bild, das sich über Stunden nicht verändert, ist schon eine gesteigerte Herausforderung an den eigenen Geist.
Zu dem kam die erstaunliche englische Ernährung, insbesondere die vegetarische Ernährung ging wirklich gar nicht.

„Nie wieder“ war also meine damalige Lernerfahrung gewesen. Dann aber sagte ich mir, dass ich, wenn ich meine Erwartungen ändern würde und für eine bessere Kost Sorge tragen würde, durchaus die Chance hätte, dieses Ding zu schaukeln. Es hatten ja auch ganz andere schon geschafft, Jack B. Liver zum Beispiel.
Er war es ja, der ursächlich dafür verantwortlich war, dass ich von diesem Rennen überhaupt erfahren habe. Das war im Spätsommer 2009 und ich kannte Jack damals noch nicht persönlich, er war aber Teil einer virtuellen Trainingsgruppe für den UTMB 2009, die Bernie Conradt mit seinen „Coolrunners Germany“ auf „WKW“ (wer-kennt-wen) eingerichtet hatte.
Läufer wie Jack waren darin, Kurt Süsser, Norman Bücher, Ralph Kölsch, Bernie Conradt, ich, Florian Bechtel und viele andere mehr. Jack war mir damals vor allem wegen seines Namens aufgefallen.
Wir tauschten damals Trainingstipps aus, Rennerlebnisse und Berichte über eigene Befindlichkeiten und am Ende hatten wir ein großes Treffen bei Pizza und Bier in Chamonix vor dem UTMB.
Was waren wir alle aufgeregt wegen dieses Hundertmeilers!

Teil meiner UTMB-Vorbereitung war, die 350 Kilometer der letzten Austragung des Swiss Jura Trails von Genf nach Basel zu bewältigen. Es war ein 7-Tage-Etappenlauf und ich war nicht alleine, weil Achim Knacksterdt ebenfalls dort teilnahm. Antje, seine Frau, war sogar im Staff des zweiten VP gewesen, eine tägliche kleine Freude, wenn Du den VP 2 erreicht hattest. Und da war da auch noch Katja.
Katja war eine junge und gutaussehende Läuferin, die an den ersten Tagen immer an den VPs von einem ebenfalls gutaussehenden und schlanken Mann mit einem Küsschen empfangen wurde.
Ihr Freund, dachte ich damals, hätte ja auch mitlaufen können. Eine Läuferfigur hatte er zumindest.

Am Ende der 7 Etappen, wieder zu Hause, las ich im WKW den Bericht von Jack B. Liver über das 250 Miles Thames Ring Race, 400 Kilometer nonstop, was für eine gewaltige Distanz! Er benötigte rund 99 der maximalen 100 Stunden und schloss seinen Bericht mit den Worten: „… aber jetzt muss ich Schluss machen und nach Genf fahren. Meine Freundin Katja startet dort morgen früh beim Swiss Jura Trail.“
Ich kam mir so klein, einfältig und lächerlich vor, verstand, vor einer Woche Jack live gesehen zu haben und ich begriff, warum er nicht einer der Swiss Jura Trail – Teilnehmer war, nicht sein konnte.
Heute sind Katja und Jack schon lange kein Paar mehr, aber immer, wenn ich Jack treffe, denke ich an diese kleine Geschichte.
Und seither verfolgt er mich, der Ring.

TRAls ich mich 2013 angemeldet habe, schrieb Anthony, einer der beiden „Big Guys“ des Events, dass er sich noch an meine negative Wertung aus der vergangenen Veranstaltung erinnern würde und so würde er sich wundern, dass ich wieder dabei sein wolle. Na ja, niemand ist alt genug, um nicht noch etwas lernen zu dürfen.
Um mehr eigene Motivation zu haben, bin ich dann auch gerne der Einladung von Inka Orth, der Vorsitzenden des „Bunten Kreises Bonn / Bad Neuenahr“, gefolgt, einen Spendenlauf aus diesem Rennen zu machen. Wir alle schulden dieser Gesellschaft, die uns alle überdurchschnittlich verwöhnt, unseren Teil dazu zu tun, dass es für die, die es nicht so gut haben, Hilfsangebote gibt. Deshalb spenden wir, deshalb sammeln wir spenden, deshalb engagieren wir uns ehrenamtlich hier oder da.
Die Zeit war nur recht kurz gewesen, die uns für die Umsetzung blieb und mein Laufprogramm vor dem Event ließ mich kaum zu Hause sein, dennoch fanden wir schnell einen Namen für das Projekt („Füße tragen Leben“), der vielseitige Stephan Maria Glöckner, seit Jahren ein guter Freund, schuf ein Logo dazu. Der Comedian Luke Mockridge übernahm die Schirmherrschaft, Facebook, der Generalanzeiger Bonn, die Wochenzeitung Blickpunkt, die Webseiten soq.de und meinestadt.de, die Organisatoren des Ahrathon und viele andere engagierten sich in unserer Sache. Heraus kam ein gutes Ergebnis für unser „erstes Mal“.
Vom ersten bis zum letzten Kilometer waren die Kilometerverkäufe am Ende gediehen, lediglich dazwischen gab es noch Lücken, die wir gerne gefüllt gesehen hätten. Aber noch während meiner Anreise nach England konnte ich zwei Kilometer an ganz, ganz liebe Lauffreunde verkaufen. Das war für mich neue „Motivation pur“.

FTLMeine Gabi hatte sich ja irgendwann dazu entschlossen, nachzubuchen und mich zum Event zu begleiten. Zwar hatte ich klare Vorstellungen, wie ich das Ernährungsproblem lösen wollte, so aber war das alles noch viel besser. Wie wichtig diese Unterstützung gerade in den beiden letzten Nächten werden sollte, erzähle ich aber erst in einer der folgenden Geschichten. Und weil wir nun zu zweit waren und weil Gabi ja den Ring abfahren wollte, mieteten wir noch ein kleines Auto und es war egal, dass wir im Internet irrtümlicherweise einen falschen Mietzeitraum angegeben hatten. Die Dame am Hertz- Empfang bügelte das alles wieder aus.

In England dann fanden wir nach langer Suche auch noch ein Hotelzimmer für die Nacht zum Event, alles passte.
Und wenn einem so viel Gutes geschieht, dann kann der Lauf selbst auch nur gut werden, dachte ich …
FTL

Ein super Dank an super Leute …

Einen Lauf wie den SH-Supertrail beschreiben geht für mich nicht anders als das mit Danksagungen zu tun.

Der erste Dank gebührt dabei natürlich dem Veranstalter Bernhard Sesterheim und seinem ORGA-Team. Einen solchen Lauf über zwei Tage auf die Beine zu stellen nötigt mir Respekt ab, vor allem, wenn es sich um den ersten Lauf solch einer Art handelt.
Die Hütten, in denen wir von Donnerstag auf Freitag und von Freitag auf Samstag genächtigt hatten, waren super und geradezu prädestiniert für ein solches Event. Die dazu gehörigen Sanitäranlagen waren ebenso ideal und sie waren, trotz eines technischen Problems, vollkommen ausreichend.


Ganz besonders fasziniert aber hat mich das angeschlossene Restaurant. Bei einem Leistungszentrum der Leichtathletik vermutest Du oft nur ein dunkles und einfaches Restaurant mit wenigen deftigen und fettigen Speisen, einem Patron, dessen Schürze aussieht wie das Babylätzchen meiner Kinder, als die noch klein waren, aber weit gefehlt:
die beiden Frühstücke, die uns geboten wurden, waren auf wirklich hohem Niveau und auch das Nachfüllen von Rührei, Quark oder Joghurt war präzise und schnell.

Das Abendessen jedoch machte mir etwas Bauchgrummeln. Es gab zwar ein Buffet, gut für die Viel-Esser unter uns, es gab aber nur eine sehr gut sortierte Salatbar, Spätzle, Gulasch und als Dessert ganz viel Schokoladenpudding. Alles davon wurde auf einer großen Tafel auf einer Staffelei angekündigt.
Als ich erwähnt hatte, Vegetarier zu sein, war ich erstaunt, nicht das übliche „Mann, da ist wieder so einer, der uns unnötige Mühe macht“ zu erfahren (hören tust Du das ja nie, aber die Gesichter mancher Restaurant-Angestellter sprechen Bände … ), sondern erst kurz mit dem Koch über Tofu-Gulasch reden zu können.
Bekommen habe ich dann vier halbe gefüllte Paprika, gefüllt rein vegetarisch und optisch und geschmacklich so lecker, dass Wilma, die mir gegenüber saß, plötzlich meinte, ebenfalls eine Vegetarierin zu sein. Für dieses spezielle Abendessen gebührt diesen Küchenangestellten mein zweiter Dank.

Mein dritter Dank gebührt den superleichten und superflachen INOV-8 Roclite 285 Trailschuhen, auf die mich viele Mitstreiter angesprochen haben. Üblicherweise wählst Du ja eher die stärkeren Modelle von INOV-8 für diese Strecken, aber mit diesen roten Schuhen, die quasi aus einer Ahnung von Nichts bestehen, die in der Größe UK8 nur 285 Gramm wiegen, fühlte ich den Waldboden direkt unter mir. Es war herrlich.
Was schreibt INOV-8 dazu auf der englischen Homepage?

„Ideal/Recommended Activity: Trail Running Adventure Racing Cross Country Climbing Approach Mountain.“
Stimmt, dem ist nichts hinzuzufügen.

Mein vierter Dank geht in Richtung X-BIONIC. Dieser Dank ist aber mit einer kleinen Träne in Augenwinkel verbunden. Seit dem „Marathon des Sables“ laufe ich, mit einer einzigen Ausnahme, stets bei Strecken „Marathon und länger“ mit den X-BIONIC Kompressionsstrümpfen.
Wenn ich vorher oft „Elefantenfüße“ nach einem Lauf bekommen hatte, dann ist das seit dem „Marathon des Sables“ vergessen. Nur bei dem einen Mal, wo ich mal wieder mit normalen Socken gelaufen bin, habe ich meine Waden wieder gespürt. Wir alle kennen die Diskussion, ob man Kompressionsstrümpfe verwenden soll oder nicht. Und jeder hat eine eigene Meinung dazu, manche sogar, ohne jemals solche Strümpfe getragen zu haben.
Für mich sind die X-BIONIC Kompressionsstrümpfe ein Segen und die kleine Träne im Augenwinkel habe ich nur, weil ich mich am Ende der nächsten Woche von ihnen verabschieden muss. Beide Fersen sind mittlerweile durch, aber nach rund 2.500 Wettkampfkilometern in diesen Strümpfen finde ich, dass das in Ordnung ist. In Delmenhorst beim 24-Stundenlauf am kommenden Wochenende dürfen sie den Fluss meiner Lymphe ein letztes Mal kontrollieren, danach werde ich sie standesgemäß beerdigen.
Beim “TRA 250 Miles Thames Ring Race“ werde ich dann mit ganz neuen X-BIONIC Kompressionsstrümpfen vor Ort sein.

Ein Strauß an Danksagungen wäre aber nicht vollständig, wenn es bei einer geraden Anzahl an „Blumen“ bliebe. Und so gebührt mein fünfter und letzter Dank denjenigen, die diesen Lauf erst zum Event gemacht haben. An die, für die und wegen denen ich mich immer wieder vor allem auf die kleineren und familiären Läufe freue und darin aufgehe und bei denen ich inständig hoffe, dass solche Tage nie zu Ende gehen wollen. Es sind die Lauffreunde, die mich vor, während und nach dem Lauf glücklich machen.

Ob sie wesentlich besser sind als ich oder einen Tick langsamer, von jedem lerne ich, dass diese Welt eine andere, eine bessere Welt wäre, wenn alle Menschen Ultraläufer sein würden.
Gerade beim SH-Supertrail waren es viel zu viele dieser engen und engsten Lauffreunde, als dass ich sie hier aufzählen könnte. Es würde den Rahmen einfach sprengen. Aber einige seien doch stellvertretend für die anderen genannt – und die nicht genannten mögen mir dennoch weiter gewogen bleiben.

Ich will zuallererst Wilma Vissers erwähnen. Ich habe sie seit dem SwissJuraMarathon (SJM), wo sie drittbeste Läuferin wurde, nicht mehr gesehen. Sehnen- und andere körperliche Probleme haben ihrer grandiosen Läuferkarriere eine kleine Delle verpasst und so war sie für mich diejenige im Starterfeld, auf die ich mich am meisten gefreut habe.

Wilma Vissers auf dem Podest beim SJM 2009, in der Mitte die Gesamtsiegerin Cécile Berg und ganz links die Zweitplatzierte, die großartige Anna Hughes

Als nächstes verdient Bernie Conradt eine Erwähnung. Als junger Vater hat er seine läuferischen Ambitionen ein wenig nach unten korrigiert und ich habe ihn seit seinem elefantösen Auftritt beim “TOUGH GUY 2011“ nicht mehr gesehen. Ohne ihn aber wäre die Veranstaltung bei weitem langweiliger geworden, weil er durch seine Kontakte nahezu alle „Coolrunners Germany“ aktiviert hat: Grace, Didi, Norman, Heidelinde, Kurt, Tanja, Walter, Alex und viele mehr.
Von vielen wusste ich zuvor nicht, dass ich sie dort treffen würde, umso größer war die Freude.

Bernie ist auch derjenige gewesen, der mich überhaupt in die läuferischen Regionen katapultiert hat, in denen ich in den letzten Monaten laufen durfte. Sein Satz nach dem “TransAlpineRun 2008“ „Jetzt hast Du drei UTMB-Punkte, jetzt musst Du auch zum UTMB“ hat mir Grenzen nach oben geöffnet, dafür danke ich Bernie noch heute. Aber ungelogen: bis zu diesem Satz wusste ich nicht einmal, was der UTMB überhaupt ist.

Den dritten, den ich erwähnen will, ist Raimund Slabon. Nicht nur, weil er ein extrem schneller Trailläufer ist, sondern, weil er einer von meinen zwei Rettern bei der „TorTOUR de Ruhr“ war – und beide Retter waren bisher eher unbekannt und unbedankt geblieben. Raimund war die Fahrrad-Begleitung von Susanne Alexi auf der TorTOUR und derjenige, der zurück gefahren ist, um mich, als ich mich derbe verlaufen hatte, wieder auf den rechten Weg zurück zu bringen.
Bei solch einer körperlichen Anspannung bleibt der gebührende Dank oft aus – dieses Wochenende war eine gute Gelegenheit, das nun nach knapp einem Jahr nachzuholen.


Unbedankt und unbekannt bleibt dann nur noch der andere Retter bei der TorTOUR. Es war kurz vor der Ruhr-Metropole Essen nach dem Versorgungspunkt, den John P. Hunold gemanagt hat. Er hielt dort unter einer Brücke die Stellung, vor seinem Wohnmobil und unter seinem Tropenhut.
Ich war so froh, mit ihm ein paar Worte wechseln und ein paar Minuten dort ausspannen zu können, dass ich erst etwa nach zwei Kilometern hinter dem Verpflegungspunkt gewahr wurde, dass ich meine beiden Trinkflaschen bei ihm vergessen hatte!
Und als ich hin- und hergerissen war zwischen den Überlegungen, ob ich zurück laufen sollte oder auf Tankstellen hoffen sollte, damals, an diesem extrem heißen Pfingsttag, an dem der Baldeneysee und die Ruhrauen übervoll waren mit Grillern und Frisbee-Spielern und als ich mich nicht entscheiden konnte, welche Alternative ich wählen sollte, da klopfte mir dieser andere unbekannte Retter auf die Schulter.

Er kam mit einem Fahrrad angeradelt und übergab mir die gefüllten Wasserflaschen, die ich so sehnlichst vermisst hatte. Ich glaube, den Dank dafür blieb ich bis heute schuldig. Umso schöner, dass ich aus einem der beiden unbekannten und unbedankten Retter einen bekannten Retter machen konnte, dem ich danken durfte.

Die letzte Erwähnung hier erhält Norman Bücher. Seit ich ihn über die „Coolrunners Germany“ und über die Gruppe „UTMB & CCC“ im „wer-kennt-wen“ (WKW) kennengelernt habe, respektiere ich ihn von Woche zu Woche mehr.
Ob es seine läuferischen Leistungen sind, seine berufliche Karriere als Motivationsredner oder seine Erlebnisberichte, wenn er erzählt: am meisten schätze ich an ihm, dass er ein braver und bescheidener Ultraläufer geblieben ist, der als junger Vater auch beim Brasilianischen Jungle-Marathon weiß, wo man aufgeben muss.
Und besonders freuen tue ich natürlich darauf, mit ihm beim „Tor des Géants“ (TdG) teilnehmen darf. Als ich am Ende des SH-Supertrails mit ihm auf den Zieleinlauf angestoßen habe, sagte ich zu ihm:
„Wenn wir das im September auch zusammen tun dürfen, dann wäre ein Traum wahr geworden!“
Norman antwortete: „Ja, aber dann feiern wir etwas aufwändiger!“


Vielen Dank an alle für dieses wunderschöne Wochenende!