Ein Lauf mit Suchtfaktor

Berge, Steine, Geröll, steile Hänge, heftige Downhills – ich habe viel erlebt in den letzten Wochen. Erst der unbeschreibliche GR-20 auf Korsika, wo es kaum einen einzigen laufbaren Kilometer gab, dann die erste Hälfte des Mitic in Andorra.
Und nun also der Eiger Ultra Trail.

E101 („The Ultra Trail“), natürlich. Ich hätte auch die Streckenlängen E16 („The Pleasure Trail“), E35 („The North Face Trail“) oder E51 („The Panorama Trail“) wählen können. Aber ich habe da ja diese bekannte Klickschwäche, die mich fast immer dazu zwingt, meinen Klick ganz unten bei der längsten Strecke zu machen. Oft ärgere ich mich dann über mich, weil es doch viel leichter und sicherer wäre, weiter oben anzuklicken.
Früher fertig sein, weniger fertig sein, sicher finishen und „gar nie nicht“ einen DNF.
Wir Ultraläufer müssen eine Ultra-Macke haben …

Start und Ziel ist in der Stadt Grindelwald, hoch über dem schönen Tal, in dem mit dem Brienzer und den Thuner See zwei große und hübsch unterschiedlich gefärbte Seen liegen. In Grindelwald hat sogar eine Cousine von mir ein Ladengeschäft, zusammen mit ihrem Mann und doch ist ein Besuch in Grindelwald für mich gleichzeitig selten und immer ein echtes Highlight.

Ich reiste mit einer Freundin und ihrem Freund an, geteilte Strecke ist gedrittelte Strecke, aber internen Widrigkeiten geschuldet erreichte ich die Startnummernausgabe erst um 15.30 Uhr, viel später als erwartet. Weiterlesen

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Das Finish

In der Gesellschaft des „Wüstenläufers“ Jens Vieler und der unglaublichen Ricarda Bethke über Trails rennen, das hat schon was.
Du schaust auf dem Weg zur Schynige Platte runter auf grün leuchtende Seen, die Städte liegen tief unter Dir und Du kommst in Deinen Flow.
Und Du beginnst zu träumen.

Hatte ich zu dieser Zeit längst schon innerlich beschlossen, statt den 101 K „nur“ rund 60 K zu laufen, also bei der DropBag Station in Burglauenen statt nach rechts oben waagrecht nach links weiter zu laufen?
Ich weiß es nicht, die Gedanken wechselten hin und her.
Ich war ja so glücklich, dass meine Rückenprobleme vollkommen weg waren, dass ich rennen konnte und zudem so gut und zügig unterwegs war.
Nichts riskieren, dem Rücken nicht zu viel zumuten, dachte ich, es kommen ja noch …
Außerdem lockte mein schickes Hotelbettchen und die Aussicht, dann ausgeschlafen die Heimfahrt antreten zu können.

Andererseits ist ein „Finish 2. Klasse“ immer doof, ein Makel, der uns Läufer oft daran erinnert, dass wir bei weitem nicht so stark sind, wie wir es uns gerne einbilden. Weiterlesen

Suddenly the world seems such a perfect place …

2016-07-16 04.28.28Das grüne Licht am Eiger, eigentlich eine gute Idee.
Leider ist der Laser hinter den Läufern statt davor, deshalb haben einige Läuferinnen und Läufer diesen wahrscheinlich kostspieligen  Gimmick gar nicht mitbekommen.
Nicht schlimm, es geht ja auch ohne.

Rennen durch die Stadt Grindelwald, die Hauptstraße entlang. Ich bin bei solch großen Rennen immer wieder fasziniert, wie viele Menschen ihre verdiente Nachtruhe gegen einen Besuch an der Laufstrecke am sehr, sehr frühen Morgen eintauschen.
Diese Menschen jubeln uns Läufern zu, dazu scheint der Mond hell vom Himmel, die ganze Stadt ist in ein Licht getaucht, das den bald aufziehenden Morgen erahnen lässt. Weiterlesen