Mit Dankbarkeit aus dem Jahr 2015 heraus …

12239693_1071309352879135_2918030219672429241_n2015 ist nun fast vorbei. Fast, das heißt, dass es für mich noch den „Kleinen KoBoLT“ geben wird. Und wieder den „Eisweinlauf“, natürlich. Und vielleicht noch den „Glühwein-Marathon“, je nachdem, wie ich mich an diesem Wochenende fühlen werde.
Danach bleibt dann wirklich nichts mehr, nada, njete, nothing, ketiadaan,hiçlik, فراغ .
2015 war in vielerlei Hinsicht „mein Jahr“. Die läuferische Hinsicht will ich hier einmal beleuchten.

„Nichts geschieht zufällig“, heißt es im Resonanzgesetz, „nihil fiet casu“ auf Latein, alles hat einen Sinn im eigenen Leben. Und so danke ich diesem Sinn des Lebens dafür, 2015 bisher so viele Länder besucht zu haben:
Frankeich, Gran Canaria, Italien, Madeira, Mallorca, die Niederlande, Menorca, England, Korsika, Spanien (Festland), Kappadokien (Türkei), Schweiz, Lykischer Weg (Türkei), Österreich und Luxemburg.
So viel Auswahl wird es wohl für mich nie wieder geben! Weiterlesen

Werbeanzeigen

PTL: Can you complete our équipe? Unser Weg nach Chamonix …

Das ist doch typisch Mensch: es braucht neun lange Monate bis zur Geburt eines neuen Erdenbürgers, neun Monate, die die Männer in die örtlichen Kneipen treiben, um sich die Sorgen schön zu trinken und neun Monate, die Frauen sukzessive zu Müttern machen. Keine Sorge wird ausgelassen und Woche für Woche wird schon mal ein Teil für das kleine Bündel gekauft.
Man kann ja nie wissen! Und neun Monate vergehen ja so schnell!

Neun Monate von heute an dauert es noch, bis sich Carsten Quell und ich der größten sportlichen Herausforderung stellen, für die wir uns bisher eingeschrieben haben, neun Monate bis zum PTL, bis zum 245 Kilometer langen „La Petit Trotte à Léon“, neun Monate bis zu 21.000 Höhenmetern! Neun Monate sind auch genau die richtige Zeit, um uns zu entscheiden, mit wem wir diesen Lauf als Dreier-Team wagen wollen.
Vor kurzem haben Carsten und ich, die wir das „P“ und das „T“ repräsentieren, noch hier über diesen Blog unser „L“ gesucht. Und direkt danach hat Carsten auf der englischen und der französischen UTMB-Webseite eine Frage gepostet: „Can you complete our équipe?“ Und ich habe bei Steppi im Steppenhahn ganz bescheiden auf deutsch angefragt, wer unser „dritter Mann“ sein will.

9 Monate - unser Weg nach Chamonix!


Gerechnet haben wir mit nichts, mit niemandem.
Wer wird denn so verrückt sein, sich auf so ein Experiment einzulassen? Jeder Arzt, der seine sieben Sinne beieinander hat, wird Dich vor dieser Tour warnen. Noch heute hat mein Freund und Physiotherapeut Roger Steiner zu mir gesagt: „Wer’s braucht … !“ Und wer wird denn die nächsten neun Monate auf so viel Freizeit verzichten, um Tag für Tag, um Kilometer für Kilometer Training abzuleisten, nur um sich Ende August mal wieder so richtig quälen zu können?

Aber ich bin dem lieben Gott dankbar, dass er Carsten und mir gezeigt hat, dass wir uns irren können. Und zwar gewaltig. Zwei meiner engsten Lauffreunde haben sich genauso gemeldet wie ein Feuerwehrmann aus der „verbotenen Stadt“ und auch ein erfahrener Ultralauf-Veteran aus England hat sich ins Gespräch gebracht. Das hat uns sofort in Zugzwang gebracht, uns Kriterien auszudenken, anhand derer wir die Position „L“ besetzen wollen.

Da Carsten und ich Sicherheitsfanatiker sind, war unser erstes Kriterium klar: es sollte primär jemand sein, der den UTMB gefinished hat. Grundsätzlich wäre das zwar nicht wichtig gewesen, da Carsten und ich beide UTMB-Finisher sind und damit die Mindestqualifikation für das gesamte Dreier-Team erfüllen. Aber uns kann ja schon morgen ein Ziegelstein auf den Kopf fallen oder eine Muskelfaser in der Wade reißen. Und dann müsste ein Ersatz gesucht werden und der müsste dann zwangsweise ein UTMB-Finisher sein.
Wenn „L“ aber auch ein UTMB-Finisher ist, dann reicht ein guter Bergläufer … „Safety first“ also!

Unser zweites Kriterium war, dass wir denjenigen vorziehen wollten, der zumindest die Distanz von 245 Kilometern nonstop erfolgreich gefinished hat. Carsten und mir ist das bislang noch nicht vergönnt gewesen, aber Carsten wagt sich auf beim GUCR („Grand Union Channel Race“) an die gleiche Entferung wie ich, wo ich die Leiden der TTdR „TorTOUR de Ruhr“ auf mich nehmen will … „Experience first“ eben!

Das dritte Kriterium war aber auch, dass die Grundgeschwindigkeit von „L in etwa unserer Geschwindigkeit entsprechen sollte. Richtige „Rennkatzen“ würden uns unter Druck setzen, ob wir das wollen oder nicht, immerhin sind wir ja Männer – mit mehr geistigem Ehrgeiz als körperlichen Fähigkeiten. Unter Druck aber würden wir zu schnell anlaufen und somit wäre die ganze Mission gefährdet, also brauchen wir jemanden mit dem Mut zur Langsamkeit … „Slowfox“ als Ziel!

Vor allem Carstens Telefonat mit Robert (Bob) Lovegrove aus dem hochalpinen England hat dazu geführt, dass wir Bob gefragt haben: „Willst Du, Bob Lovegrove, „P“ und „T“ annehmen und zum „L“ werden, in guten wie in schlechten Zeiten, bergauf und bergab, bis die Ziellinie Euch scheidet?“ Und Bob sagte: „Yes!“

Bob hat in allen Punkten unsere Kriterien vollständig erfüllt. Er ist ein UTMB-Finisher des Jahres 2007, er hat schon einen 250 Meilen (ca. 400 km) Nonstop-Lauf erfolgreich hinter sich gebracht und er ist mit einer UTMB-Zeit von 40+ Stunden nur unwesentlich schneller unterwegs gewesen wie Carsten und ich. So passt das zu uns, so passen wir zueinander! Und alle jubelten und freuten sich und wir beschlossen, für unseren Lauf das gute Beispiel lieber Lauffreunde anzunehmen, um etwas wirklich Wichtiges zu tun: um Geld zu sammeln für einen guten Zweck!

Ob es R(ud)olf Mahlburg mit seinem ambitionierten Projekt www.laufend-helfen.de ist, der immense Summen für an der Duchenne-Muskelkrankheit erläuft oder Michael Eßer, der mit www.running-for-kids.de Geld für den Verein Zartbitter e.V. sammelt oder ob es Heinrich Dahmen ist, der mit seiner Webseite www.spendenlauf.de auch für notwendiges Geld für kranke Kinder sorgt, alle sind unsere Vorbilder.
Nur wissen wir noch nicht, für welche Organisation wir Gelder erlaufen sollen, immerhin soll die Organisation in Kanada, in England und in Deutschland eine guten Ruf, eine hohe Bekanntheit und hehre Ziele haben. Aber da gibt es genügend Alternativen und daher haben wir vereinbart, dass wir dieses Thema erst dann endgültig beschließen, wenn wir nach unserer Anmeldung auch vom Organisationsteam in Chamonix angenommen wurden, also werden wir uns in der zweiten Januarhälfte entscheiden, dann, wenn wir gewissermaßen in der „8. Woche“ der Neun-Monats-Prozedur sind.

Dennoch sind meine Gedanken bei denjenigen, die gerne in unserem Team dabei gewesen wären, insbesondere natürlich bei meinen beiden engen Lauffreunden, mit denen ich schon seit Jahren hübsche Strecken läuferisch bewältigt habe. Und ich hoffe, dass hier „aufgeschoben“ nicht „aufgehoben“ ist und dass die drei 2010 sich erst einmal selbst am UTMB beweisen, selbst das Gefühl tanken, was es heißt, so lange zu laufen, zwei aufregende Sonnenaufgänge in den Bergen zu erleben und so lange nicht zu schlafen …,

… um dann 2011 den PTL selbst anzugehen, vielleicht sogar dann mit mir?

Edit: die oberen Zeilen habe ich schon vorgestern geschrieben und alleine heute haben mir zwei weitere Lauffreunde mitgeteilt, dass sie gerne unsere Troika ergänzen würden. Ich werde versuchen, noch ein zweites Team für 2010 zusammen zu stellen, bei dem ich gerne auch dabei wäre. Aber wie heißt es bei Reese Witherspoon’s bezauberndem Film „Sweet Home Alabama“ so schön: „Du kannst mit einem Hintern nicht zwei Pferde reiten!“
So hoffe ich doch, dass ich allen meine lieben Freunden gerecht werden kann, indem ich einfach dupliziere, was gut zu sein scheint!
PTL, wir kommen, hoffentlich gleich mit zwei Teams! Danke Andreas, danke Dirk, danke Florian, danke Martin, danke Peter, jeder von Euch bekommt noch eine direkte persönliche Mail.

Gib mir ein „P“, gib mir ein „T“ – aber was ist mit dem „L“?

Es ist Samstag Mittag, 13.00 Uhr. Auf meiner Agenda steht: „Carsten in Kanada anrufen, wegen PTL!“
Mein Nokia E90 Communicator bimmelt, um mich an die Agenda zu erinnern. Das wäre aber nicht notwendig gewesen, ich war schon vorher so gespannt und nervös wie ein junger Mann bei seinem ersten Date. Bisher hatte ich mit Carsten nur zwei eMails ausgetauscht, die recht vielversprechend waren, aber wie würde Carsten am Telefon sein?
Wird er mich mögen? Werden wir harmonieren?

Es ist Samstag Mittag, 14.00 Uhr. Ich lege den Hörer auf, eine Stunde lang haben Carsten und ich gequatscht. Wir haben über den UTMB geredet, über Ultra-Läufe im allgemeinen und Bergläufe im speziellen und darüber, wie unsere Ziele beim Laufen sind, wie kompromissfähig wir sind und über alles, was wichtig ist, um zu ermitteln, ob wir uns beide trauen, gemeinsam die größte läuferische Herausforderung anzunehmen, die es in unser beider Läuferleben je gegeben hat. Und wir kamen überein: ja, das passt sehr gut mit uns!

Ich habe das Gefühl zu schweben. Ich bin euphorisch und freue mich schon jetzt auf den Lauf, von dem ich bis 14 Tage vor dem UTMB noch nicht einmal wusste, dass es ihn gibt: den PTL.
„La petit Trotte à Léon“ heißt er ausgeschrieben, aber der Name ist falsch. Wie der SwissJuraMarathon kein Marathon, sondern ein Ultramarathon-Etappenlauf ist, ist der PTL alles andere als „petit“, er ist eher „long“, „incroyable long“.

Das Profil der PTL (zum Vergrößern bitte klicken!)

Der PTL wird in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe setzen: ca. 245 Kilometer am Stück bin ich noch nie gelaufen, selbst, wenn ich im Mai die „TorTOUR de Ruhr“ erfolgreich hinter mich bringen sollte. Und auch die Zeitvorgabe von 100 (!) Stunden ist eine Marke, die so außergewöhnlich klingt, dass mir ein kalter Schauer den Rücken runter läuft. Und auch die offiziellen 21.000 Höhenmeter sind eine Hausnummer, vor der ich absoluten Respekt habe – mehr als zwei Mal von Normalnull (NN) auf den Mount Everest!
Wenn es am Ende wie 2009 dann „nur“ bescheidene 17.500 Höhenmeter und „nur“ ca. 230 Kilometer sein werden, dann ist der PTL noch lange kein Kindergeburtstag. Außerdem bin ich recht sicher, dass die Organisatoren bestimmt noch eine Idee haben werden, wie sie die tatsächlichen Werte näher an die offiziell ausgeschriebenen Werte bringen werden.
Der PTL ist auch in dieser Hinsicht besonders: es ist ein Lauf für Dreier-Teams, die auch immer zusammen bleiben müssen. Von den drei Teilnehmern müssen zwei Finisher des UTMB sein, Carsten und ich sind das, so dass unser „dritter Mann“, gerne auch unsere „dritte Frau“ nicht zwangsläufig den UTMB bewältigt haben muss. Carsten und ich meinen: das ist die große Chance für gute Lauffreunde, uns zu begleiten!

Die Strecke des PTL (zum Vergrößern bitte klicken!)

Die Strecke geht wie auch beim UTMB einmal rund um den Mont Blanc herum, Start und Ziel ist ebenfalls in Chamonix, wenngleich deutlich früher, nämlich schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, der späteste Zieleinlauf ist am Sonntag darauf um 16.30 Uhr! Die Ausschreibung des Laufs findest Du hier auf der offiziellen UTMB-Webseite

Was mich auch motiviert hat, dieses Wagnis einzugehen, war der Laufbericht von Gerhard Börner auf Klaus Duwe’s Webportal Marathon4you.de. Schon der Titel ist eine Legende: „PTL: es gab Überlebende …“

Was gibt es noch über diesen „Lauf der Läufe“ zu schreiben? Nur eines noch. Carsten aus Kanada nimmt das „P“, ich nehme das „T“, aber wer nimmt das „L“?
Lieber Lauffreund, der Du so verrückt bist wie wir: gib mit ein „L“!