Irgendwo in den Bergen …

3 1/2 Monate habe ich an dieser Stelle nichts mehr geschrieben. Umso unsicherer bin ich, ob heute der richtige Tag für den Wiedereinstieg ist.


Es ist aber in dieser Zeit nicht allzu viel passiert bei mir, zumindest nicht läuferisch. Einzig die 63km auf dem Kölner Grüngürtel, dem G1, war erwähnenswert. Weil wirklich alles gepasst hat.
Entstanden ist der Lauf aus einer „Schnapsidee“, in Vorbereitung auf den JUNUT und die TTdR noch einen langen und flachen Lauf in unser Programm einzubauen, ohne dafür allzu weit reisen zu müssen.
Und „25 Läufer*innen“ finden, die da dabei sind, das sollte doch nicht allzu schwer sein, dachten wir.
Und wir trafen einen Nerv der Läuferfamilie und aus einer Maximalteilnehmerzahl von 25 wurden bald 30, 50, 60 und am Ende sogar 100!

Da ich ja meine zarte Gesichtshaut während der gesamten Vorbereitung auf Gran Canaria dunkel einfärben durfte, blieb die meiste Arbeit an meinem Partner Thorsten hängen. Und er hat das großartig gemacht. Alles passte am Eventtag perfekt, auch das Wetter.
Reichlich Sonne, nicht allzu kühl, der 24. Februar, er war tatsächlich ein perfekter Wintertag, perfekt zum Laufen.
Auch die Finisher-Präsente waren etwas ganz Besonderes. Personalisierte Kacheln im Rahmen, persönlicher geht es kaum. Und die Reaktionen der Läufer*innen waren durchweg großartig, motivierend, inspirierend.
Auf jeden Fall freue ich mich da auf eine Wiederholung, aber dann werde ich einen größeren Teil der Arbeit auf meine schmalen Schultern legen.

Ansonsten habe ich mich relativ intensiv mit der Planung des Laufjahres 2018 beschäftigt. Da fielen Läufe raus, die ich gerne auf der Agenda gesehen hätte. Dazu gehört der „Hertog Limburgpad Ultra – Helipad 148km“ am 28. April, einem Datum, an dem ich wohl arbeiten muss.
Und auch das „DreamTeam“ mit Michi Raab und Christian Hofmann auf der Spitzhaustreppe in Radebeul wird es so nicht geben, weil Michi Raab sich eine Muskelfaser gerissen hat. Aber wir haben schon Ersatz gefunden, ich selbst muss mich nur noch geistig mit der neuen Situation anfreunden.
Auch das Elbrus Race, das ich 2017 schon verpasst habe, wird wahrscheinlich nicht auf meiner Laufagenda bleiben können, das kann ich heuer weder zeitlich noch finanziell stemmen, leider. Also hoffe ich in dieser Sache auf das Jahr 2019.
Und zuletzt musste ich auf mein Losglück verzichten und den möglichen Startplatz beim TOR („Tor des Géants„) im italienischen Aostatal sausen lassen. Dafür wurde ich auch gescholten, bis hin zum Vorwurf, gar nicht in der Lage zu sein, ein 200 Meilen Berglauf wie den TOR zu stemmen.
Die Wahrheit aber ist, dass ich nur dann leiden kann, wenn ich unbelastet laufen kann. Und das geht weder aktuell durch den Unfall meiner Gabi noch voraussichtlich Anfang September, wenn wir wieder mit Wochenendarbeiten zugestopft werden.
Und falls das nicht so sein sollte, dann fehlen halt die entsprechenden Einnahmen. Und das ist auch keine beruhigende Aussicht.

Ich habe aber in den letzten Wochen auch noch einige Bergläufe dazu genommen.
Es werden also auf jeden Fall ausreichend Höhenmeter sein, auf denen ich heuer schwitze.
Der JUNUT ist da noch mittelgebirgsflach, der GR-221 in mallorquinischen Tramuntanagebirge schon nicht mehr. Auch der GR-20 auf Korsika geht kaum als „topfeben“ durch. Und da ist auch noch der Mitic in Andorra mit seinen 9.700 HM, der Dolomiti Extreme mit seinen 7.150 HM und, ganz neu, auch noch der TDS von Courmayeur nach Chamonix, auch 7.600 HM stark.
Der TDS ist ein Bewerb der UTMB Berglaufbewerbe, mit 119 Kilometern eher „Mittelmaß“.
Dass ich dafür noch einen Rest-Startplätzchen bekommen habe, dafür danke ich herzlich. Und ich bin darüber sooooo glücklich …
Irgendwo in den Bergen, da sollte ich sein, da gehör‘ ich hin. Zwar finde ich nicht, dass der Satz „Flat is boring“ die einzige Wahrheit ist, dennoch gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als abgekämpft irgendwann endlich oben auf dem Grat zu sein, auf dem Gipfel, auf dem Pass. Um von dort aus ins Tal runter schauen zu können. Und um zu wissen, dass es ab jetzt erst mal etwas einfacher wird und das geht dann solange, bis der nächste Berg kommt.
Und damit ich mir meiner Wahrheit sicher bin, muss ich immer wieder nach Hause, um das zu überprüfen, immer so lange, bis die Sehnsucht nach Bergen wieder so groß ist, dass es mich dort wieder hin zieht, rauf auf diese Grate, diese Gipfel, diese Pässe. Weil runter schauen so schön ist.
In den Bergen lernte ich die Natur lieben. In den Bergen lernte ich mich selbst kennen. Und in den Bergen lernte ich, zu fühlen und zu lieben. Und dieses Gefühl, diese Liebe, will ich nicht vermissen, zumindest nicht für eine längere Zeit.

Aber jetzt schaue ich erst mal auf die nächsten zwei Monate und auf elend lange und relativ flache Läufe. Dieser April und jener Mai werden zeigen, wo ich zurzeit rein läuferisch stehe.
Der JUNUT, den ich 2014 zuletzt ganz finishen konnte – auch schon wieder vier Jahre her – und bei dem im 2017 den „bequemen Ausstieg“ als Finisher 170 nach 170 km gewählt hatte, ist dabei die erste große Hürde.
Ohne ein Finish dort würde mein Selbstbewusstsein weiter erodieren. Das wären sehr schlechte Voraussetzungen für die beiden Hürden, die danach kommen, für die TorTOUR de Ruhr (TTdR), zuletzt gefinished 2010 und für das Grand Union Canal Race (GUCR), zuletzt gefinished 2014.
Die bergige Strecke des GR-221 auf Mallorca wird dabei zwischen dem JUNUT und der TTdR eine willkommene und die Muskeln entspannende Übung sein. Und da ich dort nur mit guten Lauffreunden unterwegs bin, wird dieser Weg auch meinen Geist entspannen.

Ab dem GR-221 auf Mallorca heißt es dann wieder:
Irgendwo in den Bergen, da sollte ich sein, da gehör‘ ich hin …

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“MMM 2015″, mein drittes und letztes “M”

MMM7Es war 2 Uhr 30 Minuten, mitten in der Nacht. Ich hatte gerade eine Stunde geschlafen, im ersten VP nach der Dropbag-Station. Die war in Es Castell, genau 100 Kilometer hinter dem Start, gleichzeitig aber ar sie auch das Ende des 100 K Trail Menorca Costa Nord Trails und der Startpunkt des 85 K Trail Menorca Costa Sud. Es war die Stelle, an der ich 2014 raus bin und das süße Gift einer Wertung als 100 K Trailer annahm. Ein Jahr lang habe ich wegen dieses „Finishs zweiter Klasse“ mit mir gehadert.

2015 sollte es ja anders werden, das hatte ich versprochen und so habe ich dort in der Dropbag-Station die Frage, ob ich aufhören oder weiterlaufen wolle, selbstbewusst mit dem Ausdruck „I keep on running“ beantwortet. Nur frische Sachen angezogen, das neue KÖLNPFAD Shirt aus, das langärmelige geile X-BIONIC Teil an, keine Spur von Müdigkeit, also gleich weiter.

Mit Raimund Slabon am Start des Cami de Cavalls, Ciutadella

Mit Raimund Slabon am Start des Cami de Cavalls, Ciutadella

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3 Tarzans auf dem Trail

Ich muss gesteh’n, obwohl das eher gegen mich spricht:
Kinder und Kleintiere liegen mir nicht.

Und dieser Pudel war wirklich lächerlich klein.
„Hau ab!“ rief ich, doch er wich mir nicht vom Bein.
Und weil ich ihn doch irgendwie witzig fand,
hab‘ ich ihn feierlich „Tarzan“ genannt.

(Ulrich Roski aus „Des Pudels Kern“)

Es war gestern Nachmittag gewesen, bei unserem gemeinsamen Wandertag.

Wendy Widmer, meine Gabi und ich hatten schon rund zwei Drittel unserer Wanderung im Westen Gran Canarias hinter uns und der Trail ging an den letzten Häusern eines kleinen kanarischen Dorfes vorbei.
Eine mittelgroße, braune Hündin kam ihres Wegs und schnüffelte ein wenig an uns herum, dann aber fand sie uns wohl nicht interessant genug und ging ihrer Wege.
Na ja, eigentlich will ich für Hunde ja nicht interessant sein, immerhin habe ich eines mit Ulrich Roski gemein: Kleintiere liegen mir auch nicht.DSCI0363Nun führte uns der Trail von der Dorfstraße wieder in die Natur und nach wenigen Metern kamen uns drei kleine Hundchen entgegen, Ulrich Roski hätte sie sicherlich auch „wirklich lächerlich klein“ genannt, aber eben auch „irgendwie witzig“. Sie waren tatsächlich irgendwie süß, drollig, wie sie mit ihren kleinen Schwänzen wedelten. Einer der Hunde war schwarz, zweifellos der Mutigste von allen, einer war schwarz mit ein paar weißen Stellen und einer, der ängstlichste Hund der Truppe, war braun wie seine Mutter. Weiterlesen

Stories That We Could Have Told …

AwzEs war am 07. Mai 2013 in der Bielefelder Universität bei einem Poetry Slam, einem Hörsaal Slam, wie er sich nannte.
Neben vielen anderen Slammern trat auch Julia Engelmann auf, die Schauspielerin, Poetry-Slammerin, die durch ihre Auftritte in der Soap „Alles was zählt“ nationale Bekannheit erreichte. Mit diesem Auftritt als Slammerin aber hat sie einen Meilenstein gesetzt, eine Art „Bibel für uns Normalbürger“ aufgestellt und gerade wir Ultraläufer, die wir gewöhnt sind, spektakulärere Dinge zu tun als viele andere Menschen unseres Alters, fühlen uns bei diesem Beitrag gut aufgehoben.

Wahrscheinlich hast Du das YouTube-Video, in dem ihr Slam-Beitrag dokumentiert wurde, schon gesehen, der Link wurde ja im Internet rasend schnell und tausendfach geteilt.

In ihrem Slam-Beitrag ruft Julia Engelmann zu einem bewussten Nutzen der Zeit auf, die wir auf diesem Planeten haben. Ihr Text bezieht sich dabei auf das Lied „One Day / Reckoning Song“ des israelischen Folk-Rock-Musikers Asaf Avidan.

Julia Engelmann beginnt mit:
„Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können. …“
(Original: „Oh baby, we’ll be old and think of all the stories that we could have told. …“) und sie fährt später fort mit: „Einmal bin ich fast einen Marathon gelaufen,und hätte fast die Buddenbrooks gelesen und einmal wär ich beinahe bis die Wolken wieder lila waren noch wach gewesen, und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehn, wir sind die Gleichen, und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten.“
Zuletzt will ich sie noch aus ihrem Beitrag hiermit zitieren:
„Lass uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen, lass uns nachts lange wach bleiben, aufs höchste Hausdach der Stadt steigen, lachend und vom Takt frei die allertollsten Lieder singen, lass uns Feste wie Konfetti schmeißen, sehn, wie sie zu Boden reisen und die gefallenen Feste feiern, bis die Wolken wieder lila sind und lass mal an uns selber glauben, ist mir egal, ob das verrückt ist, und wer genau guckt sieht, dass Mut auch bloß ein Anagramm von Glück ist.“

Den ganzen Beitrag siehst Du hier, er ist es wert, öfters angesehen zu werden, finde ich:

Als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte, war ich tief bewegt. Und ich begann, nachzudenken.
Ich will am Ende meines Lebens glauben, ein guter Vater gewesen zu sein.
Und ein guter Vater ist für mich nicht zwangsläufig der, der immer zu Hause ist, sondern auch der, der seinen Kindern Vorbild sein will und sein kann und der etwas zu erzählen hat von seinem Leben.
Wir können keine Helden werden, aber wir können unser Leben so gestalten, dass wir etwas zu erzählen haben. Wir haben es in unserer eigenen Hand, Gestalter unseres eigenen Lebens zu sein. Wenn nicht wir selbst, wer dann?

Wir können einen Marathon laufen, wir dürfen die Buddenbrooks lesen und wir wollen wenigstens einmal so lange wach bleiben, bis die Wolken wieder lila werden, am liebsten beim Durchlaufen einer oder sogar mehrerer Nächte, wir dürfen und sollen uns demaskieren und zeigen, wer wir wirklich sind und dann erkennen, dass wir alle irgendwie gleich sind. Und nicht zuletzt sollten wir uns gegenseitig sagen, dass wir uns viel bedeuten, bevor es zu spät ist und das nicht mehr gesagt werden kann. Kennen wir das nicht alle, dass wir einem verstorbenen Verwandten, einer Oma beispielsweise, noch gerne etwas gesagt hätten, warum haben wir es nicht rechtzeitig getan?

Gute Väter haben mehr Gehirnzellen im Kopf als Zylinder im Auto, davon bin ich überzeugt. Und gute Väter versuchen, ihren Kindern mitzugeben, dass sie selbst auch, so sie einmal eigene Kinder haben werden, diesen wiederum gute Väter und Mütter sind und diesen Kindern auch Geschichten erzählen können, die sie erlebt haben. Und eben nicht die Geschichten, die sie fast erlebt hätten.

Ich will ab August meinen Kindern und der Welt um mich herum eine weitere Geschichte erzählen können. Eine Geschichte, die aus meiner heutigen Sicht total verrückt ist.
Ich war zwei Mal auf dem Kilimanjaro/Tansania, ich war in Equador auf dem Cotopaxi und dem Chimborazo, immerhin auf 6.320 Metern über N.N., ich war auf dem Rinjani/Lombok, Indonesien und auf dem Auyan Tepui, wo der Angel Fall ist, der mit rund 1.000 Metern höchste Wasserfall der Welt, mitten im Venezuelanischen Regenwald.
Und jetzt will ich auf den Lenin Peak, auf 7.000 Meter über N.N.
Скайраннинг 2014Dabei will ich das erste Mal nicht auf den Berg wandern, hiken, bergsteigen, sondern ich will da hoch rennen, so weit das möglich ist. Es ist ein Rennen der russischen SkyRace-Serie, es findet am 29. Juli statt, startet auf 4.400 Metern über N.N. und endet kurz unter dem Gipfel auf einem Plateau auf exakt 7.000 Metern, endlich eine „7“ vorne … !
Dass ich dafür auf den wunderschönen Lauf im Pitztal verzichten muss, nehme ich dabei gerne in Kauf. Dass ich dafür lange Zeit weg sein werde, um mich vernünftig zu akklimatisieren, auch das nehme ich gerne an.

Julia Engelmann sagt in dem Slam-Beitrag:
„Lass uns jetzt schon Gutes säen, damit wir später Gutes ernten, … also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen.“
Wie wahr, finde ich. Sie spricht mir da aus dem Herzen, wie ich es selten erlebt habe.

Der Lenin Peak ist ist der höchste Berg der Transalai-Kette im nördlichen Teil des Pamir (Zentralasien). Mit 7.134 Metern über N.N. ist er hinter dem Pik Ismoil Somoni (früher: „Pik Stalin“ oder „Pik Kommunismus“, 7.495 Meter) der zweithöchste Gipfel des Pamir.
Lenin_peak_from_Sary-mogollogoUnd auf diesen Berg führt ein Schnelllaufrennen, das von AK-SAI Travel, Sovetskayastr. 65, 720005 Bischkek, Kirgisische Republik, http://www.ak-sai.com/ds/actions/52, durchgeführt wird.
AK-SAI Travel präsentiert sich vom 05.-09. März auf dem Stand 304 in der Halle 7.2A auf der ITB in Berlin. Wenn Du also Lust hast, da mehr Informationen zu erhalten, dann bist Du dort sicher sehr willkommen.sky-runner-series
Auf der Webseite http://www.ak-sai.com/en/mountaineering/run-up kannst Du die Details des Rennens nachlesen. Ich bin dort mit dem „2 – Program Osh – Osh full package“ dabei, ich fliege also nach Osh und nicht nach Bishkek, um die Reise ein wenig zu verkürzen.
Dort siehst Du auch die Voraussetzungen, die Leistungen und nahezu alles, was wichtig ist, zu wissen. Den Startzeitpunkt am 29. Juli allerdings habe ich noch nicht finden können, wohl aber die Schlusszeit. Um 15 Uhr am darauf folgenden Tag müssen die Teilnehmer wieder im Camp sein.

Ein guter Vater sein, das ist wirklich eine schwere Aufgabe. Geschichten zu erleben, die es wert sind, erzählt zu werden, ist auch nicht allzu leicht. Aber auch in diesem Punkt hat Julia Engelmann recht:
„… unsere Zeit, die geht vorbei, das wird sowieso passieren und bis dahin sind wir frei und es gibt nichts zu verlieren.“

Wem habe ich wegen dieser Reise zu danken? Natürlich in erster Linie meiner Frau Gabi, die für mich in Deutschland die Stellung hält, meinen Kindern, die wieder einmal eine längere Zeit auf mich verzichten müssen, aber auch Thomas Schmidtkonz, ohne dessen Unterstützung diese Reise nicht möglich gewesen wäre.
Alles über dieses Rennen findest Du dann im August auf auf Laufspass.com, natürlich.
Also los, schreiben wir diese Geschichte.

Edit: Nachlesen kannst Du diese Geschichte, Neuigkeiten darüber und das Tagebuch während des Aufstiegs und des eigentlichen Rennens hier:
https://marathonundlaenger.wordpress.com/lenin-peak-2014/
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Von Koblenz nach Bonn – Rheinsteig extrem schön …

Vor vielen Jahren in einem Seminar der Dale Carnegie Gesellschaft hörte ich diese Geschichte zum ersten Mal:

Ein Wanderer ging seinen Weg entlang, seinen Esel mit Satteltaschen auf jeder Seite an der Hand führend. Es war schon später Abend, der Wanderer war müde und traurig. Da stand plötzlich ein merkwürdig gekleideter bärtiger Mann neben dem Weg.
Der Wanderer war froh, endlich wieder einen Menschen zu Gesicht bekommen zu haben, hielt an und unterhielt sich mit dem Mann am Wegesrand. Und nach einem längeren Gespräch wollte der Wanderer sich verabschieden und weiter ziehen, um noch eine Bleibe für die Nacht zu finden. Er haderte ein wenig mit seinem Schicksal und er zeigte, dass er deprimiert war.
Der altem Mann am Wegesrand aber sagte: „Sei nicht betrübt, alles wird gut. Du sollst ein Geschenk von mir haben. Bücke Dich und sammle so viele Steine hier vom Boden auf wie Du tragen und in Deine Satteltaschen packen kannst. Dann verspreche ich Dir, dass Du morgen zugleich glücklich und auch traurig sein wirst!“

Der Wanderer war etwas in Eile und wollte nicht allzu viel Zeit mit dem Aufsammeln von Steinen vergeuden, immerhin hatte er ja noch keine Bleibe für die Nacht. Er wollte aber auch das Geschenk des Bärtigen nicht ausschlagen und so entschied er sich, einen Kompromiss einzugehen.
Er nahm einige Steine, packte sie in die Satteltaschen, aber er bemühte sich nicht, so viel Zeit aufzuwenden, bis diese randvoll wären. Dann dankte er dem Mann und zog weiter.

Er fand keine Bleibe mehr für die Nacht, schlief im Freien unter einem sternenklarem Nachthimmel und als er am nächsten Morgen aufwachte, hatte er die Steine in den Satteltaschen des Esels schon fast vergessen. Dann aber erinnerte er sich daran, wurde wieder neugierig und griff in die Satteltaschen, um sich diese Steine mal genauer anzusehen. Und er stellte fest, dass sich die Steine über Nacht in kostbare Edelsteine verwandelt hatten.
Und er war glücklich über diesen Schatz.
Gleichzeitig war er aber auch traurig, nicht mehr von den Steinen eingepackt zu haben.

Trail laufen ist ähnlich wie das Sammeln von Steinen am Wegesrand. Jessica Junker aus Koblenz ist ein gutes Beispiel dafür.
Sie sprach mich während meiner roh-veganen Phase an, weil sie selbst erst seit kurzem auf vegane Ernährung umgestellt hatte und wir hielten eifrig Kontakt zueinander. Sie erzählte mir von ihren Läufen bis hin zum Marathon. Und diese Läufe machte sie durchweg sehr ordentlich, schnell und ambitioniert. Da war beispielsweise ein Marathon dabei, den sie in rund 3:45 h bewältigte, aber ein Marathon, der zudem noch 800 Höhenmeter im Aufstieg bot.
Nicht schlecht, dachte ich und ich dachte an die Anstrengung, der ich ausgesetzt wäre, wenn ich diese Zeiten wieder einmal laufen müsste.
Ich lud sie dann ein, beim RheinBurgenWeg-Lauf mit mir zu starten. Es ist ja immer so, dass man, wenn es nicht mehr geht, aussteigen und den Zug am Rhein entlang nach Hause nehmen kann. Weil sie aber an diesem Wochenende etwas Anderes vorhat, vertagten wir unseren kleinen gemeinsamen Lauf auf „irgendwann“.

Dann planten Andreas Haverkamp und ich, uns für den TransGranCanaria-Lauf vorzubereiten. Nachdem wir schon im Herbst gemeinsam den gesamten Hermannsweg von Rheine bis Horn – Bad Meinberg gegangen waren, wobei ich ihn ab Bielefeld habe alleine ziehen lassen, sollte es ein Lauf bei mir in der Nähe sein. Lang sollte der Weg sein und reichlich Höhenmeter sollte der Weg bieten. Was bietet sich dann besser an als der Rheinsteig zwischen Koblenz und Bonn?
Meine Gabi bot sich an, den Support für uns zu machen, es ist ja nicht so schrecklich weit von uns weg, wenn da nicht dieser Fluss zwischen unserem Örtchen und dem Rheinsteig wäre. Und über diesen Fluss gibt es zwischen Bonn und Neuwied keine Brücke. Zwar gibt es Fähren, aber die fahren nicht in der Nacht, sind nicht wirklich planbar und zudem riecht es darauf immer deutlich nach Diesel und Motorenöl.
Bis zum zweiten Weltkrieg gab es noch eine Brücke. Die „Brücke von Remagen“ verband die beiden Rheinufer, sie wurde aber nach der Zerstörung zwar verfilmt, aber nie wieder aufgebaut und ist auch heute noch als Mahnmal gegen den Krieg zu bewundern.

Ich erzählte Jessica von dem Vorhaben und lud sie ein, uns zu begleiten. Auch auf der anderen Rheinseite, liebevoll auch die „schäl sick“, die „schlechte Seite“ genannt, kann man ja jederzeit aussteigen und mit dem Zug zurück nach Koblenz fahren. Jessica hatte etwas Sorge vor der Strecke, immerhin war ihr Limit bislang 42,195 km gewesen und so wollte sie 50 km „plus X“ mit uns laufen.
Sie wiederum brachte eine Freundin mit, Antje Überholz, die wiederum nur 15 km mitlaufen wollte und Thomas, einen Freund, mitbrachte.  Schlussendlich schlug auch Frank Nicklisch vor, uns ein Stück zu begleiten. Für ihn als WiBoLT-Läufer war die Herausforderung natürlich eher gering, für Jessica aber war es schon echtes Neuland, das da betreten werden sollte.

Jessica und Frank blieben am Ende deutlich über 50 km bei uns und Jessica verhält sich seither wie der Wanderer, der am Abend die Steine aufgehoben und mitgenommen hatte. Sie ist glücklich, diese Strecke bewältigt zu haben, gleichzeitig ist sie aber auch traurig, dass es nicht noch mehr Kilometerchen waren, die sie da mitgelaufen ist.
Und weil Trail laufen eben auch süchtig macht, wird sie am 12. Februar ganz alleine eine weitere Etappe auf dem Rheinsteig laufen und dann, bei nächster Gelegenheit, eine weitere. Und abschließen wird sie mit dem Rheinsteig Ende November, wenn sie ganz offiziell den „Kleinen KoBoLT“ laufen wird, 104 km auf dem Rheinsteig.

Ich erzähle diese Geschichte so gerne, weil sie mich auch an mich selbst erinnert, an meine ersten Versuche im Ultramarathon-Bereich und auch daran, wie die Sucht bei mir entstanden ist. Und auch heute, wo ich 60 km Trail ohne Vorbereitung als Trainingslauf verstehe, weiß ich noch genau, dass am Anfang ein Halbmarathon mein sportliches Ziel war, wie weh der erste Marathon 2004 in Frankfurt getan hat und welche Schmerzen ich bei meinem ersten Ultra in Ratingen-Breitscheid, beim leider nicht mehr durchgeführten „Ratinger Rundlauf“, auszuhalten hatte.

Wir starteten also zu sechst bei der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein und folgten stets dem Rheinsteig. Antje und Thomas verließen uns genau dort, wo die Läufer des KoBoLT ihr erstes „Beweisfoto“ machen müssen, wohl auch, um die Neigung, nicht den schönsten, sondern den schnellsten Weg nach Sayn zu nehmen, einzudämmen.
Zu viert ging es dann weiter bis zur ersten Verpflegung, wie beim KoBoLT auch in Rengsdorf gelegen. Gabi fuhr uns dabei ein kleines Stückchen entgegen, was aber einen Bewohner von dort veranlasst hat, seine Gedanken über gesperrte Wege und darüber preis zu geben, was passieren würde, wenn jeder diese zweihundert Meter auf geteertem Grund, aber mit ganz neuen Halteverbotsschildern geschmückt, befahren und beparken würde.
Um den Herrn glücklich zu machen und auch, um jedem Streit aus dem Wege zu gehen, ist Gabi dann doch so weit wieder zurück gefahren, bis der Herr zufrieden genickt hatte. Ich begleitete das Auto mit nacktem Oberkörper, da ich mein X-BIONIC Shirt schon ausgezogen hatte, um es gegen ein trockenes und frisches einzutauschen. Ich habe nicht übermäßig gefroren, zwei oder drei Grad fühlen sich in solch einer Situation durchaus annehmbar an, annehmbarer jedenfalls als die Vorstellung, das wärmende Blinken von blauen Lichtern auf Polizeiwägen, die zu rufen dieser um Gerechtigkeit besorgte Mitbürger gedroht hatte, zu erleben.

Der „eineinhalbte“ VP folgte dann schon wenige Kilometer später und der kam vollkommen ungeplant und überraschend. Eine Wandergruppe, hauptsächlich Rentnerinnen und Rentner, hatte auf einem Teilstück des Rheinsteigs eine ähnliche Idee und ließ sich auf demselben aus einem Auto mit Getränken versorgen. Und es war genug da für alle, auch für uns. Wir erzählten von der Strecke, die wir schon hinter uns hatten und von der langen Strecke, die wir noch vor uns hatten.
Die große Auswahl an sicherlich bekömmlichen Schnäpsen haben wir ausgelassen, aber Wasser und Cola machten diese zusätzliche Pause neben der gefühlten Bewunderung durch drei Dutzend Wanderer zum echten kleinen Highlight.
Aber irgendwann dankten wir, verabschiedeten uns und gingen unseren Weg weiter.

Nach dem zweiten VP, an dem sich Jessica und Frank verabschiedeten, waren Andreas und ich dann alleine. Und wir beschlossen, auf den dritten VP in der tiefen Nacht zu verzichten, dafür aber in Linz noch etwas zu essen. Frank schätzte, dass wir gegen ein Uhr in Linz sein würden und bis zwei Uhr, da war er sich sicher, war in Linz am Samstagabend noch etwas los.
Frank hatte dabei die Linzer Gastronomen richtig eingeschätzt, aber unsere Geschwindigkeit hat er wohl deutlich falsch eingeschätzt. Wir erreichten Linz erst kurz vor drei Uhr und wir fanden eine Kneipe, in der noch die Funkenmariechen für ihren großen Auftritt im Karneval probten und eine Art Disko, in der es auch um 3 Uhr noch Flammkuchen gab.

Aber so ein Flammkuchen ist dann doch nicht die optimale Läufernahrung und wir wurden schnell wieder hungrig. Und dann, so gegen 7.00 Uhr, rief Gabi an und meldete sich ausgeschlafen zurück. Wir diskutierten einen Treffpunkt, das ausgewählte Örtchen wurde dann zwar auf den Wegweisern erwähnt, der Rheinsteig aber lief nicht durch diesen Ort.

Nur keine unnötigen Meter, dachten wir und richteten uns auf die nächste Ortschaft, auf Rheinbrohl, ein. Aber dann merkten wir, dass auch Rheinbrol nur auf Schildern stand und von Zubringern erreicht werden konnte, der Rheinsteig aber läuft 2,5 km an der Ortschaft vorbei. Also zum nächsten Ort?
Aber der Hunger war groß, die Nacht zu Ende und so beschlossen wir, diese 2,5 km Richtung Rhein abzusteigen und dann dort so lange im Tal weiter zu laufen, bis der Rheinsteig wieder zum Rhein runter kam. Nicht aber, ohne ordentlich gefrühstückt zu haben, das war klar.
Diese Wegänderung verkürzte unsere Wegstrecke auf rund 129 Kilometer und unsere Laufuhren zählten nur 4.200 statt der geplanten 4.446 Höhenmeter. Aber wer fragt danach bei einem Trainingslauf?

Als wir dann auf dem Drachenfels auf Bonn blickten, war es schon etwas wärmer, auf dem Petersberg oben war es dann beim nächsten VP, dem „zweiten Frühstück“ scho fast angenehm warm. Dann folgten noch rund 19 Kilometer und als wir dann in Bonn ankamen stand die Januarsonne hoch am Himmel und wir waren deutlich zu warm angezogen. Entscheidend war aber, dass wir angekommen waren, deutlich später als gedacht und deutlich gestresster als geplant.

Aber dieser Stein, der Rheinsteig, hatte sich auch für uns in einen Edelstein verwandelt und wir waren glücklich, es geschafft zu haben. Gleichzeitig waren wir aber auch traurig, dass es nicht noch etwas mehr gewesen war. Andreas beschloss deshalb für sich, die 130 km voll zu machen und lief noch 700 Meter weiter Richtung Bonner Innenstadt.

Trail laufen macht eindeutig süchtig …

Auf dem Rheinsteig nachts um halb eins …

Rheinsteig-Lauf (6)Erst war es nur eine witzige Idee, später wurde dann etwas zwischen langem Training und Miniveranstaltung daraus. Ein Lauf auf dem Rheinsteig, idealerweise dem Track des KoBoLT folgend, mit ähnlich vielen Verpflegungspunkten, mit teilweiser Autonomie und mit ähnlichen Zeitzielen wie bei diesem mittlerweile schon kultig-etablierten Lauf Ende November.

Für Andreas Haverkamp, mit dem ich diese „Schnapsidee“ ausheckte, und für mich verbanden sich mit diesem langen Lauf gleich eine Unmenge an Zielen. Hauptsächlich ging es Andreas darum, noch einen wirklich langen Lauf mit etlichen Höhenmetern zu stemmen, weil der Anfang März stattfindende Trans Gran Canaria mit seinen 125 Kilometern und seinen 7.500 Höhenmetern für ihn schon eine ganz besondere Herausforderung ist.
Na ja, für mich wird das auch nicht leicht sein, aber immerhin habe ich diesen Lauf 2012 und 2013 jeweils finishen können, jeweils mit einem deutlichen Zeitpolster auf die Cut-Off Zeit. Außerdem darf ich ja mit dem Lauf Burgenland Extrem eine lange flache Strecke und mit der Brocken-Challenge noch eine mittellange Strecke mit viel Arbeit für die Waderln bewältigen, bevor es nach Gran Canaria geht.

Für mich ging es mehr darum, früh im Jahr schon aktiv zu sein, den Makel, beim KoBoLT mal wieder nur an die Arbeit und nicht an das Finish gedacht zu haben, auszumerzen und auch, den schönen Teil des Laufs, die letzten 25 Kilometer vor Bonn, zu genießen. Da liegt die Löwenburg zur Besichtigung herum, da lockt der Drachenfels, das süße Ausflugslokal „Milchhäuschen„, der Petersberg und viel Trail im Wald.
Außerdem wollte ich mich bei Andreas für den gemeinsamen Lauf auf dem Hermannsweg im letzten Jahr revanchieren.

Es gab nur einen einzigen möglichen Termin, also mussten es der Samstag und Sonntag am vergangenen Wochenende sein. Starten wollten wir auch auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz-Urbar, aber etwas früher als beim echten Lauf, dem KoBoLT auf gleicher Strecke und enden wollten wir ebenfalls in Bonn-Beuel an dem Sportstudio, das auch der Dusch- und Schlafplatz im November ist.

Schwieriger war aber, eine Lösung für die Verpflegung zu finden.
Ganz ohne Support geht nicht, weil der Weg außer in Linz meist oberhalb der Örtchen verläuft. Ein Nachmittagsspaziergang mit Kaffee und Kuchen aber sollte es auch nicht werden. Gabi bot sich gleich an, hier helfend zur Seite zu stehen.
Ich werde wohl nie begreifen, was Menschen treibt, ihre Partner an solch einem Wochenende als Supporter zu begleiten, wo es doch so schön sein könnte zu Hause.
Der Mann aus dem Haus, niemand der stört und um Aufmerksamkeit bettelt, eine Freundin eingeladen und ein paar Flöten Sekt geschlürft, ein paar Kannen Kaffee geleert und dabei redet frau sich den ganzen Frust mit den „haarigen Biestern“ von der Seele.
Aber nein, es muss der Support sein, die Kälte der Nacht, das Suchen geeigneter Stellen am Trail, das Bemitleiden der schon direkt nach dem Start kurz vor der Erschöpfung stehenden Läufer und all das, ohne dafür ausreichend gewürdigt zu werden.
Ich würde mich für die Lösung mit der Freundin am heimischen Kamin entscheiden!Rheinsteig-Lauf

Der erste VP war also auch in Rengsdorf geplant. Und dort lernten wir, dass es Rheinsteig-Bewohner gibt, deren bürokratische Korrektheit es verhindert, dass ein VP direkt an der Strecke liegt. Es dürfen ein paar Hundert Meter weit weg sein, hinter bestimmten Markierungen. Das ist natürlich überaus verständlich. Denn wenn alle Lauftrupps, die den Rheinsteig durch die Nacht von Koblenz nach Bonn ablaufen wollen, dort ihre Verpflegungspunkte einrichten würden, dann wäre wohl für diesen engagierten Herren jeder Abend verdorben, weil Dutzende von Läufern sich schmatzend um das Auto mit der Versorgung tummeln würden, weil oft der unangenehme Blick auf verschwitzte Oberkörper geboten würde, wenn die Läufer sich ein neues Shirt anziehen wollen. Und überhaupt, es sind ja auch Kinder im Haus, in welcher Welt sollen die denn leben?

Der zweite VP folgte nur 15 Kilometer später. Eigentlich hatte sich mein Sohn Pascal angeboten, gegen 22 Uhr einen VP zu machen, aber weil wir langsamer waren als geplant hat das alles nicht gepasst. Also zogen wir den zweiten VP deutlich vor, verzichteten dafür auf einen Support in der Nacht.
Die verrauchte Disko in Linz, in der es neben den bewundernden Fragen etlicher deutlich angetrunkener Gäste auch ganz passablen Flammkuchen gab, profitierte davon. Aber wir hatten in der Nacht schon lange Hunger, spätestens „auf dem Rheinsteig nachts um halb eins“ begann das Knurren in der Magengegend. Und als wir dann endlich um 3 Uhr in Linz waren, mussten wir froh sein, überhaupt noch etwas Warmes zu bekommen.
Und dass wir hier auf die Gnade der Chefin angewiesen waren, die sich im Alkoholpegel ihren Gästen angenähert hatte, sagte sie uns überdeutlich. Schuld daran war vor allem Andreas, weil er den vegetarischen Flammkuchen abgelehnt hatte, weil der ja nicht vegan sei. Damit hat er die Dame geistig deutlich überfordert und als sie das bemerkte, wurde sie schnippisch. Die Unterschiede zwischen „kleinem Feigling“ und einem „Willi“ hätte sie uns wohl erklären können, aber warum Veganer keinen vegetarischen Flammkuchen essen können, der mit viel Käse bestreut ist, das gehört nicht zur Allgemeinbildung, zumindest nicht in Linz am Rhein.

Der nächste VP am frühen Morgen wurde dann zum Problem. Im ersten Örtchen, in dem Gabi aufgebaut hatte, kamen wir gar nicht vorbei, es wurde einfach umlaufen. 700 Meter weit hätten wir den Rheinsteig verlassen, vielleicht noch 200 Meter im Ort gesucht und dann das ganze zurück? Nein, war unsere einhellige Meinung, wir warten auf das nächste Örtchen.
Dort aber war der Rheinsteig 2.400 Meter vom Ort entfernt und der Rheinsteig war weit oben, der Ort ganz unten im Tal. Ganz unten hingen auch unsere Mägen, also entschieden wir, an dieser Stelle den Rheinsteig zu verlassen, um dann nach dem Frühstück solange im Tal zu laufen, bis wir wieder einen Einstieg zum Rheinsteig finden würden.

Und dann war da noch der VP oben auf dem Petersberg, der letzte VP für das späte zweite Frühstück.
Zusammen also vier Mal Auto mit besorgter Gabi und ein Mal verrauchte Disko mit schnippischer Chefin, wir hätten es schlechter treffen können.Rheinsteig-Lauf (2)

Um nicht ganz „alleine zu zweit“ zu sein, fragte ich die Koblenzerin Jessica Junker, ob sie nicht ein paar Stunden mit uns laufen wolle. Und sie wiederum brachte mit Antje Überholz und Thomas noch zwei Kleinetappenläufer mit, die dort ausstiegen, wo die Läufer beim KoBoLT das erste Pflichtfoto machen müssen.
Und zwei Tage vor dem Lauf bot sich auch noch der WiBoLT-erfahrene Frank Nicklisch an, unsere Moral zu stärken und einen Teil der Strecke mit uns zu laufen.
Jessica und Frank beendeten ihren Lauf beim VP2 und Gabi fuhr die beiden dann in nahe liegende Neuwied zurück.

Andreas bastelte noch für diesen Lauf ein eigenes Logo-Bildchen und über Facebook streuten wir die Information, dass wir nun für viele Stunden nicht erreichbar sein werden. Spätestens jetzt war eine Miniveranstaltung auf dem Rheinsteig aus dem Projekt geworden.
Was also als eine Wiederholung des zweisamen Laufs auf dem Hermannsweg geplant war, wuchs zu einem Gruppenlauf heran, in dem sich zwei Veganer, zwei Teilzeit-Veganer und zwei Carnivoren vor allem über das Essen unterhielten.
Ich war mal wieder beeindruckt, was doch manche Menschen in kürzester Zeit lernen können. Jessica, die  erst vor 6 Monaten auf eine vegane Ernährung umgestellt hatte, erzählte von Keimen und Chia-Samen, von selbst gezogenem Gemüse, weil ihr Mann da den „grünen Daumen“ beweisen kann, wir redeten über Quinoa, Bulgur und über all das, was Vegetarier und Veganer so bewegt.

Ach ja, gelaufen sind wir natürlich auch noch.
Aber wie das war, das erzähle ich ganz bald in der nächsten Geschichte …Reeperbahn

Mein Mann kann …

MMM_1Der Mainzer Maaraue Marathon, der MMM von Brigitte Mollnar und Sascha Kaufmann, der Marathon, der ein kleines Stück zu lang ist für einen Marathon, aber doch vielleicht auch ein Stück zu kurz, um sich vollwertig Ultramarathon zu nennen, sollte ja mein Abschluss des Laufjahres 2013 werden.
Ich hatte wegen der vielen Arbeit im Weihnachtsgeschäft seit dem UTMB Ende August nur sehr wenig trainiert, selbst in einem Sabbat-Jahr kann ich mich der Arbeit in der Hochsaison wirklich nicht entziehen. Und Wettkämpfe gelaufen bin ich eigentlich auch kaum.

Da war der Lauf auf dem Hermannsweg mit Andreas Haverkamp, den ich vom Start in Rheine bis nach Bielefeld begleitet hatte, da war der Trail Uewersauer in Luxemburg, den ich verhältnismäßig gut abschließen konnte und da war der halbe KoBoLT, den ich am VP2 am späten Abend für mich abgebrochen hatte, um meinen nachfolgenden Geschäftstermin in Berlin nicht zu gefährden.
Und da waren noch der Glühwein-Marathon, der aber kaum zählt, weil die gut sechs Stunden, die wir dafür, als Gruppe laufend, benötigt haben, doch deutlich über meiner normalen Marathonzeit lagen und der Eisweinlauf, auch ein eher ruhiger Gruppenlauf, der mir auch nicht alles abgefordert hat, so schön und harmonisch er auch war.

Viele Gründe also, meine Ziele und Erwartungen niedrig zu hängen.

Drei Mal war ich schon dabei beim MMM, zuerst 2011, wo ich 4:33 Stunden für diese 45 nicht immer flachen Kilometer brauchte. Beim zweiten Start sah es deutlich düsterer und dunkler aus. Aber nur auf dem Parcours, weil es eine Nachtausgabe dieses Laufs war. Ich brauchte 4:29 Stunden und ich war einigermaßen stolz auf mich. Es war Ende 2011 und auch da hatte ich monatelang eher lausig trainieren können.
2012 dann, wieder kurz vor Weihnachten, wieder der Laufjahres-Abschluss, wieder mit einer Trainingsvorbereitung nahe Null, weil ich wochenlang fast permanent arbeitend in der Schweiz unterwegs war, brauchte ich nur noch 4:25 Stunden.

Aber so schlecht vorbereitet wie ich es 2013 war, konnte es nur in einem Wandertag enden, dachte ich. Die 6er Zeit schaffe ich sowieso nicht, dann ist es ja auch egal, wie lange ich brauche, solange ich mich im vorgegebenen Zeitfenster bewege, dachte ich.
Meiner Familie hatte ich vorausgesagt, dass ich „zwischen 5:00 und 5:30 Stunden“ unterwegs sein werde. Danach sollte es gleich weiter gehen zum Wohnsitz meiner Eltern, wo wir, wie fast in jedem Jahr seit Anbeginn der Zeitrechnung, Weihnachten feiern wollten. Meine Familie ist dabei mit einem zweiten Auto angereist, weil … na ja, das wäre jetzt zu aufwändig zu erklären, auf jeden Fall hatten wir eine Rundreise mit Arbeit, Freizeit und Neujahrsfeier geplant, die nur so hätte klappen können.

Auf diesen MMM freute ich mich ganz besonders. Frau und Herr VeranstalterIn, Biggi und Sascha, sind mir in den letzten Jahren richtig ans Herz gewachsen, nicht nur wegen der Läufe auf den MMM’s und ihrer Teilnahme beim RheinBurgenWeg-Lauf, sondern auch, weil beide auch auf Facebook eine richtig gute Figur machen. Manchmal, denke ich, macht es doch Sinn, über ein wenig Bildung und Herzlichkeit zu verfügen.MMM

Ich hatte auch sehr lange vor dem MMM schon meinen Facebook-Titelbild auf diesen MMM hin geändert und entgegen meiner sonstigen Angewohnheit hatte ich sogar die vorläufige Teilnehmerliste studiert. Spät zwar, aber immerhin.
Und ich war sehr erstaunt. War der MMM doch bislang eine Veranstaltung ausgewählter verstrahlter Laufdeppen wie mich gewesen, alles Leute, denen am Sonntag vor Weihnachten nichts besseres einfällt, als sich vor dem Christbaumschmücken zu drücken. In 2013 war aber alles anders. Die Teilnehmerliste war ellenlang, so lang, dass die ursprünglich avisierte Teilnehmerzahl deutlich nach oben korrigiert werden musste.
Es wurde eine Warteliste eingerichtet, aber die Unglücklichen, die darauf landeten, wurden noch vorweihnachtlich beglückt und sind doch alle noch auf die richtige Liste nach oben gerutscht. Mehr als 70 Teilnehmer waren es wohl, rund drei Mal so viele wie bei den letzten Läufen.
An der Strecke, die optisch nun wirklich wenig zu bieten hat, kann das nicht liegen. Fünf Runden mit jeweils 9 Kilometern ohne echte Highlights, mit zwei Rampen bergauf, einer Rampe bergab, unter anderem der großen Mainzer Theodor-Heuss-Brücke zur Innenstadt, nichts Besonders jedenfalls.
Vielleicht aber liegt der Erfolg aber daran, dass Frau und Herr VeranstalterIn auch anderen ans Herz gewachsen sind?
Vielleicht liegt der Erfolg auch daran, dass zwar kein Startgeld erhoben wird, dennoch kann jeder Läufer durch das Füttern der großen Spendensau etwas Gutes für Anita Kinle’s Laufclub 21 tun kann.

Was kann es auch Schöneres geben als beispielsweise das, was Biggi beim Nacht-MMM gezeigt hat: Biggi stand alle fünf langen und dunklen Runden lang am Verpflegungspunkt und sie sah aus wie ein Engel. Ein weißes Engelskleid, Goldfäden in den Haaren, einen goldenen Heiligenschein auf dem Kopf – einfach wunderbar.
Und Sascha zeigt sich oft als Rüstung tragender Römer, mit langem rotem Samtumhang, auch ein echter Hingucker.
Empfangen wirst Du immer wie ein alter Freund. Aber sind wir das nicht alle in der großen Ultraläufer-Familie?MMM_2

Mein RheinBurgenWeg-Partner Achim Knacksterdt, mit dem ich ein außerordentlich langes läuferisches Kerbholz teile, war auch unter den Teilnehmern. Das erste Mal, obwohl er als Mainzer wohl die kürzeste Anreise hatte. Aber in diesen Teil von Mainz verirrt sich wohl der gemeine Mainzer nur selten. Thomas Hagel, Melanie und Steffen Kohler, Esther Miess, die an diesem Tage sogar mal wieder ihren 29. Geburtstag feiern durfte, Mel Zett, der Dauerläufer Klaus Neumann, der Steckenrekordinhaber von 2011 Andy Dyrtz, Markus Liesch, den zu sehen mich besonders gefreut hat, Jens Hilpert, auch so ein RheinBurgenWeg-Lauf – Veteran, mit dem ich auch schon ein mittelgroßes gemeinsames läuferisches Kerbholz teile und, um die Liste nicht endlos werden zu lassen, auch die schnelle Gabi Kenkenberg, meine erklärte Wunschpartnerin für den kommenden PTL im Augsburg.
Die Liste wäre es wert, nahezu endlos weitergeführt zu werden, alle, die ich jetzt nicht erwähnt habe, mögen mir das nachsehen. Die Teilnehmerliste findest Du aber am Ende des Beitrags.

Achim und mein gemeinsames läuferisches Kerbholz zeigt sehr viele gemeinsame Läufe, aber neben einem gemeinsamen Zieleinlauf bei der ersten Austragung des KoBoLT nur zwei Läufe oder Etappen, wo ich vor ihm im Ziel war. Da war die Mittwochs-Etappe vom Swiss Jura Trail von Genf nach Basel 2009. Achims Pech, zu stürzen und sich eine Rippe zu brechen, machte ihm beim Weiterlaufen doch etwas Probleme. Schlecht für ihn, gut für mich …
Apropos Sturz: als Achim dann am darauf folgenden Montag bei seinem Arzt vorbei schaute, damit der sich die Rippe ansehen konnte, da fragte ihn dieser Arzt vorwurfsvoll, warum er denn nicht schon früher bei ihm aufgeschlagen hätte, der Sturz sei doch schon 5 Tage her.
„Weil ich noch 200 Kilometer laufen musste,“ so Achims Antwort. Noch heute biege ich mich vor Lachen, wenn ich daran denke.
Und da war noch der TransGranCanaria 2012, da überholte ich Achim ziemlich am Ende, als er sich ein Mal ein wenig verlaufen hatte. Ansonsten hatte Achim immer die Aufgabe, im Ziel schon das Lager zu richten, die Getränke kühl zu stellen und auf mich zu warten, oft sehr, sehr lange …

Warum Achim den MMM so schnell anging und warum ich ihm eine Runde lang folgte weiß ich nicht genau. Es war einfach schön, auch wenn es gefährlich war. Ich habe leider die fatale Eigenschaft, ein einmal eingestelltes Tempo nicht mehr ändern zu können, nicht nach unten, nicht nach oben. Aber wenn es dann nicht mehr geht, dann müssen kleinere Gehpausen, die dann immer öfter notwendig werden, diesen Makel kompensieren.
Am Ende der ersten Runde zog sich Achim um und ich lief einen kleinen Vorsprung heraus, der auch eine ganze Runde und noch etwas länger hielt. In der dritten Runde, am höchsten Punkt auf der Theodor-Heuss-Brücke, also fast exakt nach der Hälfte der Gesamtdistanz, war Achim wieder bei mir und er begleitete mich ein paar Meter und zog dann vorbei.
Ich sagte ihm, dass er, wenn er das Tempo halten würde, noch die Chance hätte, knapp unter 4:00 Stunden abzuschließen. Am Ende der Brücke musste er sich die Schuhe neu binden, ein Boxenstop zuviel, dachte ich. Ich zog wieder an ihm vorbei und ab dann hatte er ein wenig Probleme, das Tempo zu halten. Ich aber war wie aufgedreht. Und das ging dann bis zum Ende der Südbrücke in der vierten Runde.

Ich bekam zwar keinen Besuch vom „Mann mit dem Hammer“, aber es wurde nun wirklich schwer. Und ich verlor einen Platz bis zum Rundenende und weitere drei Plätze in der fünften Runde. Aber ich konnte, trotz regelmäßiger kurzer Gehpausen, zumindest noch Kilometerzeiten von 6:20 bis 6:30 Minuten realisieren. Und dann, am Ende der fünften Runde, holte ich einen der drei Jungs wieder ein, die mich am Anfang der Runde überholt hatten. Und wir liefen vielleicht zwei Kilometer lang nebeneinander her, um dann Hand in Hand gemeinsam zu finishen. Ein „Rat Race“ wäre auch wirklich unangemessen gewesen.

Die 4h-Marke schaffte ich nicht, das zu erwarten wäre auch vermessen gewesen, aber mit 4:08 Stunden war ich viel, viel besser als erwartet, deutlich besser als bei den ersten drei Starts und ein paar Minuten vor Achim.
Und das wird auf dem gemeinsamen läuferischen Kerbholz mit einem roten Ausrufezeichen besonders hervor gehoben …

Beim KoBoLT noch hatte ich Achim am VP2 alleine weiterlaufen lassen, beim MMM aber passte bei mir alles.
Und die Moral von der Geschicht: je weniger ich trainiere, desto schneller laufe ich.
Das macht doch Mut und Zuversicht, danach will ich mein zukünftiges Training ausrichten. Couch statt Laufschuhe, dann klappt es auch mit dem PTL!

Anschließend fuhr ich nach Gengenbach bei Offenburg, zu meinen Eltern. Meine Familie informierte ich schon vorweg von dem unerwartet guten Ergebnis.
Und meine Gabi? Siedachte wohl an die unsägliche Serie im  Privatfernsehen sagte nur: „Mein Mann kann …“
Wenn das keine Motivation ist!
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