Imaginations from the Other Side

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Es gibt nur wenige Fixpunkte in meinem beschaulichen Leben. Da ist die Arbeit mit den drei Säulen Ostergeschäft, Herbstaktionen an den Wochenenden und das Weihnachtsgeschäft, all diese Zeiten sind „tabu“ für Events, leider.
Und da ist der alljährliche Urlaub im Februar auf Gran Canaria, idealerweise abgeschlossen mit dem TransGranCanaria-Event, 2017 hoffentlich sogar mit dem neuen Format „360 Grad“. Dabei sind es die Dünen zwischen Playa del Inglès und Maspalomas, auf die ich mich immer schon vorfreue, wenn ich das immergleiche Appartementhotel wieder buche.

Und da ist regelmäßg diese letzte Woche im August, diese fantastische Woche in Chamonix bei den Bewerben des UTMB.

Ich muss ja kaum erklären, was der UTMB, der „Ultra Trail du Mont Blanc“, ist. Aber weil es vielleicht doch den einen oder anderen Leser gibt, der in diesem Punkt so unwissend ist wie ich es bis Ende 2008 war (*), sei kurz erklärt, dass der UTMB mit den Nebenbewerben OCC (55 km), CCC (101 km), TDS (119 km) und PTL (290 km) ein 170 km Lauf rund ums Mont Blanc Massif ist. 10.000 Höhenmeter sind dabei zu meistern und „normalsterbliche Läufer“ schaffen das nur, indem zwei Nächte durchgelaufen wird.

Zwei Nächte durchlaufen? Geht das denn?
Eine Nacht ohne Schlaf ist reine Gewöhnungssache, zwei Nächte ohne Schlaf aber sind … ja, was sind sie eigentlich?
Ich will es mal blumig formulieren: Wer zwei Nächte ohne Schlaf erlebt, der erlebt in der zweiten Nacht Dinge, die sonst nie zu erleben sind. Bäume, die Spalier stehen und den Läufern zujubeln, Schilder, die vor Dir her wanken, kurz, Halluzinationen, die man nicht kaufen kann. Für alles gibt es ja bekanntlich MasterCard, für Halluzinationen jedoch nicht … Weiterlesen

Das Deutsche Haus in Chamonix

„There was a house in Chamonix, they called the German House …“
Deutsches Haus Als ich 2012 für The North Face ein wenig über deren Läufer und meinen alten Trans Alpine Run – Laufpartner Heiko Bahnmüller schreiben durfte, lernte ich zuerst Judy Ng, die für Denis Wischniewski’s Trail Magazin schrieb und dann ihren Lebenspartner Thomas Bohne kennen. Thomas ist ein junger und sehr schneller Läufer, auch in der unsäglich nassen Nacht von Chamonix 2012. Und Judy, Thomas und ich verstanden uns spontan ausnehmend gut.
Anschließend blieb ich den beiden über das Blog www.thomasbohne.com verbunden und las da von mancher Verrücktheit, vom Laufen im Land von Dschingis Khan, vom Projekt Rim2Rim2Rim, das Thomas von der Südseite des Grand Canyon (South Kaibab Trail) quer durch denselben auf die Nordseite (North Kaibab Trail) und wieder zurück (Bright Angel Trail) geführt hat. Außerdem gibt es dort Berichte über „Hong Kong – zu Fuß in China“ und über Trailrunning in Beijing. Lauter interessante und außergewöhnliche Themen also. Ein wirklich lesenswertes Blog.
DHAußergewöhnlich war auch die Idee der beiden, mitten in Chamonix ein „Deutsches Haus“ einzurichten. Mit der Unterstützung des Trail Magazins, von Patagonia, Erdinger Weißbier Alkoholfrei und 4Deserts.com wurde also ein großes Chalet gemietet, in das sich deutsche Athleten und Medienvertreter einmieten konnten. Und ich war wohl der erste Läufer, der dafür zugesagt hatte. Dabei ging es den beiden darum, eine Anlaufstelle für die doch relativ wenigen vor Ort weilenden deutschen Teilnehmer zu schaffen. Eben so, wie man es beispielsweise auch von den Olympischen Spielen kennt.

Ich wusste anfangs noch nicht, wer sonst noch alles sich dort im Haus aufhalten würde, ich wurde aber dann sehr positiv überrascht. Viele Mitbewohner kannte ich schon lange zuvor, Da war zum Beispiel die Läuferlegende, der Abenteurer, Bergsteiger und Läufer Gerald Blumrich, der unter anderem auch etwas über seine Besteigung des „tödlichsten Bergs der Welt“, des Mt. McKinley verriet oder der stets gut gelaunte Marathon4you und Trailrunning.de Texter Bernie Manhard, bei dessen 50. „Marathon und länger“ im Karwendelgebirge ich dabei sein durfte und der aber mittlerweile auch schon deutlich auf die magische 100 Marathon – Grenze zusteuert.
Manche kannte ich nur vom Namen her aus Facebook, das war Tom Dörner, der sich, sehr engagiert, die ersten Sporen auf wilden und langen Trails, in diesem Fall auf dem des CCC (Courmayeur – Champex – Chamonix) verdienen wollte. Insgesamt liefen übrigens vier Chalet-Bewohner diesen CCC.
Natürlich waren auch Judy und Thomas da, einige andere, die ich alle lieb gewinnen konnte, später kam sogar noch Trailschnittchen Julia Böttger für ein paar Nächte, es waren aber auch – und das fand ich etwas ganz Besonderes – unzählige Gäste da, die entweder zur Patagonia Pasta Party erschienen sind, beim 4Deserts Vortrag anwesend waren oder die einfach so mal diesem Haus, dieser Institution ihre Aufwartung machen wollten, um einen Tee, ein Glas Wein oder ein alkoholfreies Weizenbier zu genießen.
Unter den Gästen war auch der schnelle Thomas Wagner, der angeblich nur unsere Waschmaschine gebraucht hatte. Er kam auf einen Drink und einen Gruß, um gleich weiter zu fahren zum Start des Trans Alpine Run 2013, wo er dort schon einen Tag später als TEAM 357 mit Denis Wischniewski die Konkurrenz ordentlich aufmischen wollte.

Das „Deutsche Haus“ war also meine Bleibe für eine komplette Woche in Chamonix und die Überlegung, die ich hatte, war, nach einem Eingewöhnungstag am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ein wenig in die Berge zu gehen, um mich für den UTMB (Ultra Trail du Mont Blanc) zu akklimatisieren, noch ein wenig Höhenmeter zu sammeln und sonst einfach eine gute Zeit zu haben.
Aber wie heißt es im Musical „Elisabeth“ an einer Stelle?
„Was nützt ein Plan, ist er auch noch so schlau, er bleibt doch immer Theorie. Und nur das eine weiß man ganz genau: so wie man plant und denkt, so kommt es nie! „
Wie wahr, denke ich heute, wenn ich nachträglich an diese unglaubliche Woche denke.
ElisabethAls ich am Sonntag vor dem UTMB am frühen Abend endlich in Chamonix ankam, brauchte ich schon eine Weile, um das „Deutsche Haus“ zu finden. Eine verdächtige schwarz-rot-goldene Fahne hat mir aber schließlich doch verraten, welches der vielen Chalets damit gemeint war. Außer Judy, Thomas und Marius Keil war noch niemand da, ich bezog mein Einzelzimmer, richtete mich ein und gewöhnte mich langsam an das weiche und sehr hohe Bett.
Und ich telefonierte. Ich hatte erst wenige Tage zuvor erfahren, dass das einzige deutsche Laufteam beim PTL (La Petite Trotte à Léon) um eine Person verkleinert war und ich überlegte, ob ich diesen Makel ausgleichen könnte und am Montagmorgen gegen 11 Uhr entschieden Eric Tuerlings, Uwe Herrmann und ich, dass wir das gemeinsam wagen wollten.
Wunderbar für mich auf der einen Seite, ein wenig schade war es aber auch um die Nächte im „Deutschen Haus“, um das Runningevent, das vom Patagonia-Laden in Chamonix für den Dienstagmorgen vorgesehen war, um die Pastaparty, um die vielen Gäste und um all die schönen Erlebnisse, die man in solch einer großen und einschlägig interessierten Runde haben kann.

Und so verabschiedete ich mich am Montagabend auf die maximal 136 Stunden lange Strecke des PTL. Und ich wurde verabschiedet – von allen Bewohnern dieser neu gegründeten „WG“. Und ich sagte Thomas, dass es schade wäre um mein nun nicht mehr genutztes Bett und dass er dieses gerne weitergeben könne.
Welch ein Glück, dass dies nicht schnell genug geschah, denn schon am Mittwoch war ich zum Frühstück wieder in meinem Zimmer.
Die Mitbewohner des Chalets staunten nicht schlecht, als sie mich, zusammen gefallen wie ein Häufchen Elend, zum Eingang traben sahen und mancher fragte mich sofort, ob ich denn nun doch den UTMB laufen würde.
Tom Dörner wagte sich am weitesten aus der Deckung, als er rief: „50 EUR, dass Du startest!“
Er wusste nicht, dass ich genau darauf gehofft hatte. Aber noch wusste ich ja nicht, ob das überhaupt möglich sein würde. Also antwortete ich stets damit, dass mein Startplatz weg sei und außerdem würde ich nicht glauben, dafür noch Courage und Motivation aufbringen zu können.
Aber ein kurzer Blick auf die Internetseite und ich wusste, dass ich tatsächlich noch auf der Starterliste des UTMB stand, der Platztausch mit dem verletzten Michael Eßer, dessen Platz ich im PTL Team einnahm, hatte nicht dazu geführt, dass ich beim UTMB von der Starterliste genommen wurde. Welch ein Glück!

Und so gönnte ich mir einen harmonischen Mittwoch in unserer WG, am Donnerstag wanderte ich mit Uwe Herrmann auf das Refugio „Bel Lachat“, um bei herrlichstem Wetter auf den grandiosen Mont Blanc zu blicken und am Freitag tat ich alles dafür, um am Spätnachmittag erneut starten zu können. Da mussten zuerst die drei Dropbags des PTL abgeholt werden, damit ich überhaupt Wäsche zum Anziehen und Wechseln haben würde. Dann musste die Einschreibung für den UTMB vorgenommen werden und eine neue Dropbag musste gepackt und abgegeben werden.
Dann ging es zum Mittagessen wieder ins „Deutsche Haus“ und anschließend warteten wir alle gemeinsam darauf, dass es endlich 16.30 Uhr werden möge, damit wir vier UTMB-Starter Chamonix wieder verlassen konnten.

Bei all dem dachte ich mir, dass meine ganzen Rochaden, der spontane Start beim PTL mit dem späteren Abbruch, die Wandertage und dann der Start beim UTMB zum Schluss, nicht möglich gewesen wären, wenn Judy und Thomas nicht diese fantastische Idee mit dem „Deutschen Haus“ gehabt hätten.
Ein wunderbares Haus, fein eingerichtet, internettechnisch auf höchstem Niveau, eine harmonische und liebevolle Bewohnerschaft, zumindest ab dem Mittwoch auch bestes Wetter, es hat einfach alles gestimmt in dieser Woche, in diesem Chalet, mit diesen Menschen.

Ich verneige mich in Dankbarkeit und Zuneigung und hoffe, dass diese Woche nicht die letzte gewesen sein mag, die uns zusammen vergönnt war.
UTMB Abschlussfoto 1
Und 2014?
Vielleicht gibt es dann von jemand Anderem eine Fortsetzung dieser großartigen Idee, einen anderen Anlaufpunkt für Medienvertreter und Athleten, für Freunde und Fans, einen neuen Punkt, wo man sich begegnen und austauschen kann.
Das wäre doch auch ein wirklich schlauer Plan, oder?

Mein U (ltra) T (rip zum) M (ont) B (lanc)

Sie ist nun also auch schon wieder einige Tage vorbei, die Pressereise zum „weißen Berg“, dem Mont Blanc.
Heiko Bahnmüller ist, wie rund 2.285 andere Läufer auch, glücklich und gesund im Ziel angekommen, die ersehnte Finisher-Weste wurde mittlerweile schon gewaschen. 15 und eine halbe Stunde hat er gebraucht und einen hervorragenden 270. Platz gemacht, weit besser, als das zu erwarten war.
Wir in der großen Läuferfamilie beginnen schon, unsere Aufmerksamkeit auf andere Events zu richten.
Ganz aktuell findet da ja etwas statt, dass gar nicht so weit von Chamonix entfernt ist, aber ein paar Blicke zurück auf dieses legendäre Event müssen schon noch sein …
Auch ich habe vieles von Chamonix mitgebracht. Materielle Dinge einerseits, ein paar federweiche Laufschuhe von THE NORTH FACE zum Beispiel, aber das meiste, was ich mitgebracht habe, ist immateriell, sind Eindrücke und Gedanken, sind Gefühle und Einsichten und diese werden mich wohl noch lange bewegen.

Wenn man so eine Pressereise macht, dann erlebt man ein Event auch so, wie es wirklich ist, „backstage“ gewissermaßen. Und da erscheint einem alles erheblich komplizierter zu sein, erheblich aufwändiger zu sein und auch erheblich kritischer, als man es als Läufer, als Teilnehmer auf der anderen Seite, erlebt hat und erleben will.
Die Show, die uns Läufern da Jahr für Jahr geboten wird, hat dabei oft nur wenig mit dem zu tun, was da wirklich passiert.

Es ist irgendwie wie in einem guten Western. Wir schauen auf den Saloon in der heißen und sandigen Kleinstadt im amerikanischen Mittelwesten und freuen uns über dieses Bild. Aber hinter der Fassade stehen viele eifrige Menschen, die die wackligen Wände gerade zu halten versuchen, die die Schwingtüren in den Saloon ölen und wieder instand setzen, die die Pferdeäpfel von der Straße entfernen, die unsere Gäule verursacht haben, und die dafür Sorge tragen, dass stets genug Whisky am Tresen zu ordern ist und auch, dass im Saloon alles akribisch verfolgt und aufgezeichnet wird, ständig und detailliert.

Solange das Wetter dabei sonnig ist, ist das alles relativ einfach. Aber wenn der Sturm einsetzt und an den Fassadenteilen wackelt, wenn die Nachschubversorgung wegen unpassierbarer Straßen nicht mehr funktioniert, dann wird es richtig harte Arbeit für die Veranstalter dieser Show. Und weil „Billy the Kid“ latent oft damit gedroht hat, seinen Advokaten vorbei zu schicken, wenn die Show nicht so läuft wie er sich das vorstellt, müssen die Veranstalter auch in juristischer Hinsicht viel Vorsicht und Voraussicht walten lassen.
Das gewaltige ORGA-Team des THE NORTH FACE ULTRA TRAIL DU MONT BLANC um Catherine Poletti herum hat schon einen aufreibenden und nervenzerfetzenden Job bei diesem Event und nur selten lief dieses Event nach Plan.
Die sich rapide verschlechternden Wettervorhersagen waren schuld, dass ständig am Plan gefeilt werden musste, dass Planänderungen beschlossen werden mussten und dass dann diese Änderungen auch erhebliche Anstrengungen für den Rest des Teams bedeutet haben.
Allein die Verkürzung der Laufstrecke und die Entscheidung, den Lauf nicht über die hohen Pässe zu führen, war eine Entscheidung von allergrößter Tragweite, denn was hilft Dir ein Plan beispielsweise für die Verpflegungspunkte, wenn die Laufstrecke nun ganz woanders ist?
Dass der Aufbau des Verpflegungspunktes umdirigiert werden muss, die Anlieferung der Getränke geändert werden muss und die Menschen woanders eingesetzt werden müssen ist das Eine. Das Andere aber ist, dass auch die Strecke neu geflaggt werden muss – und das in kürzester Zeit.
Ich für meinen Teil kam oft aus dem Staunen nicht heraus, wie professionell all das gemanagt wurde. Und die anderen Medienvertreter, mit denen ich unterwegs sein durfte, waren ähnlicher Ansicht.

Am Freitag früh nach dem Start des CCC hörten wir die ersten Gerüchte, dass der UTMB verkürzt würde. „Auf 100 Kilometer!“ meinten manche. „Nein, auf 100 Meilen,“ wussten andere. Erst am frühen Vormittag waren die neuen Eckdaten und die neue Laufstrecke klar und für alle einsehbar. 103,4 Kilometer und 6.600 Höhenmeter war die offizielle Mitteilung. Und ab der mussten dann die Arbeitsteams auch im langen Tal von Chamonix ihre Arbeiten aufnehmen.

Durch die Verschiebung wurde es auch nichts mit unserer geplanten Hüttennächtigung oberhalb der Laufstrecke. Geplant war, dort nach einer 90-minütigen Bergwanderung an der „Maison Vielle Hut“ am Col Checrouit gegen 1:30 Uhr in der Nacht zum Samstag anzukommen, ein paar Stunden zu schlafen und um 5 Uhr ein „Breakfast at Sunrise“ einzunehmen.
Aber was sollten wir da, wo eben keine Läufer sind? Also wurde das Programm mit der „heißen Nadel“ umgestrickt und wir begleiteten die erstplatzierten Läufer mit dem Bus von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle bis hin zum Zieleinlauf.
Ich wiederum habe mich mit einigen anderen Medienvertretern um 1 Uhr ausgeklinkt, bin nach Chamonix zurück gefahren, habe dort ein wenig geschlafen, um dann ab 8.30 Uhr an der Ziellinie auf Heiko Bahnmüller zu warten.
Ein paar Fotos von ihm hätte ich dann doch gerne gehabt.
Aber das hat sich dann als relativ schwierig herausgestellt, weil wir uns zu sehr auf die letzte SMS seiner Ankunft verlassen hatten. Heiko war schon drin, als uns diese SMS sagte, dass wir uns nun jubel- und fotografierfertig machen sollten.
Überhaupt ist so eine Pressereise tatsächlich richtig harte Arbeit. Am Anfang dachte ich, einen Wochenend-Kurzurlaub verleben zu dürfen, aber Pressekonferenz folgt Pressekonferenz, Einladung folgt Meeting, kurzum: Deine Agenda ist vollgestopft mit „must have“ Terminen und ein wenig Zeit für Dich gibt es nur zufällig und auch nur sehr wenig. Macht aber nichts, denn zum Sudoku lösen und zum Fingernagel schneiden sind wir ja nicht nach Chamonix gekommen.

Alle relevanten Gemeinden haben sich vorgestellt und haben uns auf USB-Sticks hübsche Sommer- und auch begeisternde Winterfotos geliefert. Chamonix, Champex und auch Courmayeur haben sich mächtig Mühe gegeben, uns zu zeigen, dass der Mont Blanc nicht nur für Läufer, sondern auch für Wanderer, für Bergsteiger und für Wintersportler ein Traumziel sein kann.

Die Gruppe von Medienvertretern, mit denen ich unterwegs war, bestand im Wesentlichen aus einer großen Schar durchweg netter und hübscher Ladies, die bei THE NORTH FACE oder deren Agentur arbeiten, aus einem interessanten niederländischen Journalisten des „Dagblatt“, aus einer taffen belgischen Bloggerin, die selbst Marathons läuft, keine Selbstverständlichkeit bei Medienvertretern, aus einem schwedischen, einem dänischen und einem französischen Blogger, aus einer kleinen Schar vorwiegend spanischsprachiger Zeitungen und nicht zuletzt aus dem Team Thomas Bohne, der selbst sehr erfolgreich den UTMB 2012 gefinished hat und Judy Ng, die vom deutschen TRAIL MAGAZIN kamen.
Zwei herrlich unkomplizierte Menschen, die kennen zu lernen eine echte Bereicherung war.

Judy wiederum nutzte die lange Laufnacht, um mit dem eigenen Wagen all die Stellen anzufahren, die ihr die Chance auf Fotos von Thomas geboten haben. Der Bus der Medienvertreter war dann schon immer wieder weg. Und ich konnte mich ihr nicht anschließen, weil Heiko immer eine Stunde hinter Thomas lief.
Bei Nacht und bei dunklen Regenwolken wäre die fotografische Ausbeute bei mir sowieso nur gering gewesen.
Catherine Poletti hat als Chefin des ORGA-Teams auch viele Läufer persönlich im Ziel begrüßt und nichts war ihr dabei anzumerken von der sicherlich sehr kurzen Nacht, die sie hinter sich hatte. Sie war stets freundlich zu allen, auch in den schwierigsten Situationen, sie war geduldig und verbreitete stets eine gute Stimmung bei uns. Alles hat nach Plan geklappt, keine größeren Probleme sind bekannt geworden.

Und ganz zu Schluss der Reise, am Sonntag, war dann auch wieder die Sonne da – perfektes Laufwetter für die letzten Ankömmlinge des PTL. Dieser Lauf hat wenigstens unverändert stattfinden können. Die UTMB Finisher waren zu dieser Zeit oft schon zu Hause oder noch in ihren warmen Hotelbetten.
Wir aber wurden vom „Moutain Pickup Service“ abgeholt und zum Flughafen gebracht – perfekt organisiert wie das ganze Wochenende auch.

2013 werde ich dann wieder die Seiten wechseln und mir die Show von vorne ansehen. Dann wird es mir egal sein, welche Mühen die Organisatoren zu bewältigen haben. Ich will dann wieder die perfekte Show erleben und keinen Gedanken an die Probleme verschwenden, die auf der anderen Seite entstehen könnten.

Aber 2013 wird das Wetter beim UTMB auch sicher wieder perfekt sein, so wie damals, 2009.

Rauf geht’s auf den Kronplatz!

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Er hat schon fast Kult-Status. Wie der Marathon des Sables. Oder der New York Marathon. Und dass, obwohl er heuer erst im 8. Jahr ausgetragen wird.

2005, im ersten Jahr, war es vor allem die Idee, die ihn so anziehend wirken ließ. Quer über die Alpen ziehen – zu Fuß. Und das in erträglich bequemen Etappen. Nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz. Eine echte Herausforderung für die Läufer sollte es ja schon sein.

2008 war ich dann dabei. Im vierten Jahr wurde erstmals die Route gravierend geändert und zur Westroute eine Ostroute dazugefügt. Landschaftlich vielleicht etwas weniger spektakulär, dafür aber insgesamt deutlich länger. Diese neue Route war von Anfang an auch ein Erfolg und so wechselte man in den Jahren danach immer wieder hin und her.

2012 ist wieder die Ostroute dran. Wieder geht es vom bayerischen Ruhpolding bis nach Sexten in Südtirol. Wieder sind es acht Etappen, insgesamt überwinden 330 Teams (660 Läufer) 320 Kilometer in der Vertikaldistanz und dabei stemmen sie noch rund 15.000 positive Höhenmeter.

Du hast längst erraten, um welche Veranstaltung es sich dreht: um den TransAlpineRun, den Traum fast aller Läufer!
Wenn ich heute an den TransAlpineRun (TAR) denke, dann erwachen zugleich Freude und Traurigkeit.

Freude, weil es das bisher vielleicht größte Event war, an dem ich teilhaben durfte.
Ich habe da tolle Landschaften und Sehenswürdigkeiten entdeckt, die Krimmeler Wasserfälle zu Beispiel.
Ich habe einen Freund gewonnen, Heiko Bahnmüller, zu dem die Bindung seither nie aufgehört hat. Wir haben einige Läufe gemeinsam gemacht, lagen gemeinsam unter dem Berberzelt in der marokkanischen Wüste und waren auch jetzt wieder gemeinsam in Chamonix, er als Läufer beim UTMB und ich erstmals als begeisterter Zuseher und Kommentator.
Ich habe meine Jugend und Kindheit wiederentdeckt, spätestens auf der letzten Etappe, wenn es an den „Drei Zinnen“ vorbei Richtung Sexten geht. Eine der zweifellos schönsten Gegenden der Alpen. Und in dieser schönen Gegend sind 500 Läufer mittendrin.
Wie schön diese Gegend ist, siehst Du auch, wenn Du hier klickst (http://www.dolomiten.net/entdecken-geniessen/taeler-almen-berge/drei-zinnen.asp).

Ich weiß noch, wie ich als Kind oft dort mit meinen Eltern und meinen Geschwistern gewandert habe. Ich sehe noch heute den Hund meiner Eltern (wer meine Angst vor Hunden kennt, der weiß, es war nun wirklich nicht „mein Hund“), wie er über die Geröllfelder vor den „Drei Zinnen“ läuft und ich weiß noch, wie bezaubernd ich damals schon diese Gegend fand. Das war wirklich nicht selbstverständlich, immerhin sind wir meist gegen den erklärten Willen von uns Kindern auf Berge gelaufen, die so gleich und langweilig waren, dass man sie später auf den Fotos kaum mehr voneinander unterscheiden konnte.
Die „Drei Zinnen“ sind da in der Tat etwas ganz Spezielles, etwas mit einem Zauber, der einen nie mehr ganz loslässt.
Und Trauringkeit, weil ich auch 2012 schon wieder nicht dabei sein kann. Ursprünglich hatte ich ja geplant, mit Herbert Paulus über die Heckmair-Route von Oberstdorf nach Riva di Garda zu laufen, es waren die Begleitumstände, die der „Christliche Sportverein Stuttgart“ maßgeblich zu verantworten hatte, die meine Teilnahme an diesem Projekt dann leider unmöglich machten.
Und direkt nach dem Beschluss, mich aus diesem Projekt auszuklinken, kam die Einladung von THE NORTH FACE, den UTMB zu besuchen, deren Läufer, meinen TransAlpineRun – Partner von 2008, zu portraitieren und ein wenig über die Zeit zu erzählen.
Also kein TAR 2012?
Im wunderschönen Facebook-Land habe ich dann einmal geschrieben, dass ich ein Stoßgebet Richtung Himmel gesendet habe. „Wenn ich nur einen einzigen Tag da dabei sein dürfte,“ habe ich geschrieben, „das wäre schon das Größte für mich.“ Gerade dieses Jahr dabei sein, wo doch so viele Freunde, so viele aus der großen „Familie“, da laufen!

Und wie ist es oft im Leben?

Wer seinen Teller leer isst, wird mit schönem Wetter belohnt.
Wer das ganze Jahr artig war, dem bringt der Nikolaus etwas Weihnachtliches mit.
Und wer Stoßgebete Richtung Himmel schickt, der darf für einen Tag beim TAR 2012 mitlaufen.
Gerade war ein Presseticket frei geworden und die Möglichkeit, die Geschichten über den UTMB, der ja so verregnet und verschneit war, und über den TAR, der auch im Regen begann, sich aber wohl auf eine fantastisch schöne Woche freuen darf, miteinander zu verbinden hat wohl zu dieser Einladung geführt.
Ein Tag nur, immerhin.
Und meine Aufgabe wird es sein, dort kleine Geschichten und Geschichtchen über drei Läuferpaare zu erzählen. Diese Geschichten und Geschichtchen folgen dann alle am Ende dieser Woche und in der kommenden Woche. Und dabei wird es sich drehen um Julia und Jens Vieler vom „RACING TEAM RONJA„, um Michi Raab von X-BIONIC und seinen Teampartner vom „TEAM GRÜNWALD CONNECTION„, Bernhard Seidl und um ein drittes Team, das ich hier und heute noch nicht verraten will. Ein klein wenig Spannung soll ja doch noch übrig bleiben …

Vielleicht, so meine Lehre aus dem Leben, hätte ich für zwei Tage Stoßgebete schicken sollen. Aber das wäre dann vielleicht auch etwas zu viel des Glücks gewesen.
Und so werde ich am Donnerstag von Sand im Taufers nach St. Vigil, beide Orte im schönen Südtirol, laufen dürfen.

Zitat aus der offiziellen Beschreibung dieser Tagesetappe:
„Am folgenden Tag zieht sich die 38,5 Kilometer lange 6. Etappe mit brutalen 2.289 Höhenmetern bis zum Ziel in St. Vigil zunächst entlang des Osthanges des Tauferer Tals bis in das Stadtzentrum von Bruneck. Danach folgt der endlos scheinende Anstieg auf den Kronplatz, der erst im Gipfelbereich die Aussicht auf die Dolomiten im Süden freigibt.“

Wahnsinn, oder?
Also: Schuhe schnüren und rauf geht’s auf den Kronplatz!

Der Sportlehrer

Einen langen Lauf in den Bergen machen kann so schön sein. Du nimmst zwei, drei Tage Urlaub vorher, fährst frühzeitig zur Akklimatisation in die Höhen der Alpen, Du studierst den Lauf so intensiv, dass Du die Lage jedes Verpflegungspunktes im Schlaf aufsagen kannst, genau weißt, wo und wie lange die einzelnen Anstiege sind und auf welche Cut-Off Zeiten Du zu achten hast.
Du lädst Dir den GPX-Track für Deinen Garmin herunter, druckst Karten aus, laminierst sie, druckst die Höhenprofile aus, um alle wichtigen Informationen trotzdem noch einmal am Körper zu haben, wenn es dann wirklich los geht.
Und dann isst Du am Vorabend ordentlich, schläfst ausgiebig und bist bestens präpariert, wenn dann endlich der Startschuss fällt.

Es geht aber auch anders ...

Das habe ich nun bei meinen beiden letzten Läufen bewiesen. Beim Ticino-Trail beschloss ich am Freitag vor dem Start, dass ich es doch irgendwie in die schöne Schweiz schaffen könnte. Wichtig war nur, dass ich um 6.30 Uhr am Start sein musste, um mich noch schnell nachmelden zu können. Einzig meinem Lauffreund Achim Knacksterdt erzählte ich von meinem Spontan-Plan und hielt ihn per SMS auf dem Laufenden.
Mein Plan war, spätabends in Airolo zu sein, mir noch schnell ein Hotelzimmer zu nehmen und dann in der Frühe zu packen, nachzumelden und zu frühstücken. Kein schlechter Plan, fand ich.
Aber jeder Plan ist eben nur Theorie und so schreibt das Leben oft Geschichten, die Du eigentlich gar nicht erzählen willst.

Ich wählte einen DACIA Logan vom Hof als Transportmittel. Zugegeben, ein Abblendlicht war schon ein paar Wochen defekt, das wusste ich, ansonsten war aber alles in Ordnung damit. Die Klimaanlage funktioniert, das Auto fährt sparsam auf LPG und Musik ist auch drin. Alles im Plan also.
Ich war ungefähr 100 Kilometer vor dem Gotthard-Tunnel, als es dunkel zu werden begann. Und auch dunkel blieb. Ich brauchte zwar eine kleine Weile, um zu merken, dass nun auch das zweite Abblendlicht ausgefallen war, aber je dunkler es wurde, desto mehr wurde mir klar, dass ich so unmöglich noch bis Airolo fahren kann. Etwa 40 Kilometer vor dem Gotthard-Tunnel fand ich dann ein Hotel, das noch ein Zimmerchen für mich frei hatte und wo auch die Küche noch offen hatte.
Der Beilagensalat, für den man eine Lupe brauchte und die Nudeln mit Gemüse, die zwar nicht auf der Karte standen, die man mir aber anbot, waren lecker, allerdings auch sehr, sehr teuer. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben schon jemals ein so teures vegetarisches Gericht bekommen habe. Und definitiv auch kein so mengenmäßig kleines …
Aber es musste ja sein, dass ich dort blieb und so kann ich nicht sagen, welch üppiges Frühstücksbuffet mir dort entgangen ist, als ich um 5.30 Uhr, als es endlich so hell wurde, dass ich ohne allzu große Angst weiterfahren konnte, Richtung Gotthard-Tunnel aufbrach.
Nur 40 Kilometerchen bis dorthin, noch vor 6 Uhr dort – und dennoch gab es schon eine Blockabfertigung. Und die Zeit lief herunter, erbarmungslos. Und ich wurde nervöser und nervöser, hektischer und hektischer …

Ich simste Achim, dass ich wohl nur den Semi Trail machen kann. Kaum geschlafen, noch nicht vorbereitet, wahrscheinlich zu spät ankommend …
Aber dann ging es doch irgendwann durch den Tunnel und ich war dann gegen 6.45 Uhr am Ziel. Achim wartete schon auf mich und ich erzählte ihm erst einmal meine blöde Licht-Geschichte. Ich schrieb mich schnell ein und war dankbar, dass ich das trotz meiner Verspätung noch tun durfte. Und dann bin ich in den Frühstücksraum des Hotels gegangen, in dem die meisten unserer Familienmitglieder logierten.
Thomas Ehmke, Niels Grimpe-Luhmann, Didi Beiderbeck und viele mehr, um nur einige zu nennen. Dort bekam ich dann wenigstens etwas für den Magen, zwei Croissants und ein wenig Pfefferminztee.
Dann sah ich mir noch den Start des langen Trails an, begann, meine Sachen zu packen und begab mich in Ruhe zur Busstation, die uns zum Start des Semi Trails brachte. Beim langen Trail hätte ich sicher nicht starten können, so zeitlich eng wie alles war.

Im Ziel des Semi Trail Ticino.

Oder am vergangenen Wochenende. Da hatte ich vor, am Samstag mit dem Zug nach Lindau zu fahren, dort in einem nahegelegenen Dörfchen ein Auto zu übernehmen, nach Sonthofen zu fahren, um dann am Sonntag am Allgäu Panorama Ultra teilzunehmen. Birger Jüchter war da und dabei zu sein, wie seine „Birgit“ eine kleine Schwester bekam, das hätte schon etwas gehabt.
Aber da war doch noch der Mountain Man am Samstag. A bisserl höher, a bisserl schöner. Und dort lief Norman Bücher. Das wäre doch auch etwas, dachte ich und als ich die Chance hatte, schon am Freitagmittag mit einer Mitfahrgelegenheit (www.mitfahrgelegenheit.de) nach Ulm zu fahren, dort einen Zug nach Lindau zu nehmen, dann ein Taxi nach Hergensweiler, dort etwas Carboloading zu machen, um dann in die Schweiz zu düsen, immer Richtung Luzern bis nach Engelberg, da ergriff ich die Chance und wählte diese Variante.
Eine kurze Mail an den Veranstalter, der zurück schrieb, dass ich mich Samstag in der Frühe um 5 Uhr in der Talstation in Engelberg noch nachmelden dürfte, immerhin.

Mit Tankstopps, Verfahrern bei Luzern und sonstigen Hindernissen kam ich dann um 1.30 Uhr in Engelberg an. Zu spät für ein Hotel, also nur ein Nickerchen im Auto. Den Wecker hatte ich dann auf 4.45 Uhr gestellt, um mich dann umzuziehen und um dann pünktlich bei der Einschreibung zu sein. Diese Hektik, dieser ständige Zeitdruck und der Umstand, so wohl nicht meine innere Mitte gefunden zu haben, vielleicht waren es diese Punkte, die zu meinem Sturz kurz hinter der 20K Markierung führten.
Die rechte Seite aufgerissen, das ging ja noch. Aber ich hatte mir die Rippen so stark geprellt, dass ich nicht mehr tief atmen konnte. Und es wurde nicht mehr besser. Ich probierte es noch zwei Verpflegungspunkte lang, dann gab ich auf und stieg aus. Schade, ich wäre schon gerne auch ein „Mountain Man“ geworden …

Vielleicht würdest Du mir raten, etwas zu entspannen, um gut vorbereitet in die Events zu gehen? Ich würde Dir zustimmen, sicherlich. Aber wer mich näher kennt, der weiß, dass hektische Betriebsamkeit zu mir gehört wie die Schmeißfliege zur Kuh. Leider, daran darf ich noch arbeiten und wachsen …

Aber bei manchen Geschichten ist eben der Anfang der schönste Teil. So auch am vergangenen Wochenende. Ich suchte ja nach einer Mitfahrgelegenheit nach Ulm und fand etliche Angebote, von denen drei Stück zeitlich einigermaßen in meinen Plan passten. Die beiden ersten wären mir am Liebsten gewesen, weil sie schon am frühen Freitag morgen in Köln bzw. Erftstadt losgefahren wären. Aber der Eine meldete sich nicht, der Andere sagte mir ab.
Blieb also noch der Dritte. Abfart in Kerpen gegen 13.00 Uhr, spät, aber eben nicht zu spät, um noch nach Trübsee zu gelangen.
Daniel F. war schon am Telefon freundlich, herrlich unkompliziert und unser Deal war schnell besiegelt. Zwei weitere Mitfahrer nach Pforzheim und Stuttgart hatten wir auch noch an Bord.

Das Schönste dabei war: Daniel und die Mitfahrerin waren beides Läufer. Keine Ultras, aber immerhin. Etwas, was verbindet. Also redeten wir vom Kölner Women’s Run , ich zeigte die schönen rosa Fotos von Betti Mecking aus dem wunderbaren Facebook-Land und wir quatschten von anderen schönen Dingen bis hin zum Halbmarathon. Daniel hat sich den Halbmarathon in München für 2012 zum Ziel gesetzt.
Und ich erzählte auch ein wenig von den etwas längeren Läufen.

Daniel arbeitet bei der Bundeswehr und bildet dort Rekruten aus, auch in sportlicher Hinsicht. Und er hat selbst einen Coach, der die Rekruten-Ausbilder ausbildet und auf dem Stand der Wissenschaft hält. Und von diesem Coach erzählte er mir. Weil der auch läuft. Und auch die schmutzigen, langen und schmerzhaften Dinger wagt.
„Das muss auch ein interessanter Typ sein,“ dachte ich. Er hatte den Rekruten-Ausbildern erzählt und Fotos gezeigt vom TransAlpineRun, vom Marathon des Sables, er erzählte von Qualifikationspunkten und vielem mehr. Alles hat Daniel nicht richtig auf die Reihe bekommen, aber mir war schon klar, welches der Teamlauf war, wofür man die Qualifikationspunkte braucht und welcher Wüstenlauf das nur sein konnte.

Ich suche ja immer nach Gemeinsamkeiten bei den Menschen um mich herum. Und da bietet es sich doch an, auch zu erwähnen, dass man selbst einen Lauffreund hat, der sogar der Teampartner beim TransAlpineRun war, der zwar kein Soldat, aber eben Zivilangestellter bei der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck ist. Und während ich das erzählte, schlug Daniels Herz höer und er sagte mir, dass der, genau der, sein Coach sei. Der, von dessen Läufen er die letzte Viertelstunde erzählt hatte.
Heiko Bahnmüller, „der Sportlehrer“.
Ich war sprachlos.

Wie klein ist denn diese Welt?

Und dann erzählte ich ihm von Heiko, von unseren gemeinsamen Läufen, vom TAR, dem MdS und auch davon, dass ich ihn Ende August zu seiner größten Herausforderung begleiten darf, wenn es für ihn zum ersten UTMB geht.

Ob die abschreckenden Fotos von Füßen beim MdS meine waren oder die von Dr. Tilmann Markert weiß ich nicht, ich weiß nur, dass das eine Geschichte war, die wirklich nur das Leben schreiben kann. Ich fühlte Dankbarkeit und ein Glücksgefühl, das mich jetzt die Tage abzählen lässt, bis ich mich in den Flieger nach München / Genf setzen darf.

THE NORTH FACE ULTRA TRAIL DU MONT BLANC, ich darf Dich zwar nicht laufen, aber ich freue mich auf Dich, wie verrückt … !

Was macht eigentlich … Heiko Bahnmüller?

Sodele, der erste Schritt in Sachen THE NORTH FACE UTMB 2012 ist getan.
Heiko und ich haben uns auf eine Fassbrause zusammen gesetzt und etwas geredet.
Seine Antworten auf meine Fragen findest Du hier:

https://marathonundlaenger.wordpress.com/the-north-face-utmb/

Mehr Fotos und mehr Informationen folgen bald …

The North Face UTMB 2012

Nach ein paar glücklichen Tagen im schönen Österreich kam ich nach Hause, sah auf meinen eMail Accout und staunte nicht schlecht.

Da war doch eine Mail von The North Face, immerhin Hauptsponsor des The North Face Ultra Trail du Mont Blanc 2012, in der ich gefragt wurde, ob ich ein wenig über die Vorbereitung ihres Läufers beim UTMB berichten wolle. Und ob ich dann während des UTMB weiter berichten wolle, direkt vor Ort.
Dabei sein in der Kulisse und das Event mal im Ganzen erleben. Grandios, wenn man schon nicht selbst mitlaufen kann. Hinter der Ziellinie stehen, um Fotos der Finisher zu machen, so wie damals Klaus Duwe die Fotos von mir gemacht hat. Menschen kennen lernen, die über unser Hobby berichten und Menschen kennen lernen, die sich für unser Hobby engagieren, die uns einkleiden, ernähren, die all ihr Wissen für uns verwenden, alles, damit wir solche Herausforderungen wie den UTMB meistern können.
Klar wollte ich das.

Aber nur unter bestimmten Bedingungen, selbstverständlich. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich keine Lobhudeleien mag, mich nicht kaufen lasse und nur etwas schreiben will, wenn es interessant für mich ist. Und hier war es für mich besonders interessant, zu erfahren, über wen ich da berichten sollte. Wen, fragte ich mich, soll ich da portraitieren? Mir fielen viele Namen ein, die „üblichen Verdächtigen“ waren darunter und auch ein paar Andere.
Keinesfalls wollte ich über jemanden berichten, der keiner „von uns“ ist.

Es sollte jemand sein, dachte ich mir, der wie wir ein Amateur ist. Professionals gibt es ja einige und viele Printmedien berichten mehr oder weniger gerne von ihnen. Ein Grund für mich, das nicht zu tun.
Es sollte idealerweise jemand sein, dachte ich mir, von dem ich schon vorher etwas weiß. Und wer mich kennt, der weiß auch, dass ich mir über viele Läufer, die mir über den Weg gelaufen sind, vieles merke, vor allem natürlich über die, die ich bei den ganz großen Events kennen lernen durfte.

Es brauchte drei Telefonate, bis wir zur Beantwortung dieser Frage kamen. Drei lange Telefonate an drei langen Tagen – und ich vermute, dass dann meine Fingernägel vor Spannung schon halb abgekaut waren.

In meinem Kopf rotierten immer die gleichen Fragen: Männlein oder Weiblein? Jung oder Alt? Aus meiner direkten Läuferfamilie oder eher nicht?

Und als hätte mich der Läufergott erhört, kam dann die Antwort, die mich dann sofort zur Zusage zu diesem Projekt bewegt hat: „Unser Läufer ist aus Jesenwang,“ sagte Nicole, meine Gesprächspartnerin. Aus Jesenwang? Ein Dörfchen mit nur wenigen Hundert Einwohnern, mutmaßlich nicht gespickt mit Ultraläufern. Das konnte dann also nur Heiko sein, Heiko Bahnmüller, mein Laufpartner vom TransAlpineRun 2008. Was für ein Zufal, was für eine Freudel!

„Kennst Du ihn?“ fragte Nicole überrascht und ich erzählte ihr kurz unsere gemeinsame Geschichte.

Ich habe Heiko durch das Veranstaltungsteam „Plan B“, durch Uta Albrecht, kennengelernt. Den TransAlpineRun zu laufen war damals, Anfang 2008, mein großer Traum gewesen. Einmal quer über die Alpen – zu Fuß, das ist etwas für die ganz Harten, dachte ich damals.
Aber der TAR ist nun mal ein Teamlauf und so ganz ohne Partner ist ein Team ziemlich klein, zu klein. Aus meinem kleinen Bekanntenkreis erhielt ich bestenfalls ein Schulterzucken auf die Frage, ob Interesse bestehen würde, diese 300 Kilometer mit mir im Team zu laufen. Mancher Zeigefinger fand sogar den Weg an die Schläfe des Gesprächspartners und die obligatorische Antwort war stets, dass man für solch gewaltige Entfernungen doch das Auto erfunden habe.

Uta gab mir dann drei eMail Adressen von potenziellen Laufpartnern und mit Zweien habe ich länger telefoniert. Der eine war der niederländische Importeur von Suunto Laufuhren. Ein wirklich netter Kerl. Und wer weiß, wie sehr ich Niederländer und ihren Humor schätze, der kann erahnen, dass er sofort in meiner engeren Wahl war. Am Ende habe ich mich dann aber doch gegen ihn entschieden, weil er mir einfach „zu gut“ erschien. Zu schnell, zu erfahren. Zudem hatte ich die Sorge, dass ihm die Platzierung des Teams auch für seine beruflichen Aspekte wichtiger war als mir.

Entschieden habe ich mich dann für Heiko. Zwar waren seine Marathonzeiten auch besser wie meine. Eine 3:11 stand da zu Buche (ich weiß, Heiko, dass mittlerweile aus Dir ein „unter drei Stunden – Läufer“ geworden ist). Außerdem war Heiko bis dahin niemals weiter als einen Marathon gelaufen und er hatte Sorge, bei längeren Etappen Probleme zu bekommen. Wenigstens ein kleiner Vorteil für mich.
Das dritte Argument für ihn war damals auch, dass er Pädagoge ist, ein unschätzbarer Vorteil, wenn es Dir mal schlecht geht. Und genau diese Eigenschaft habe ich immer an ihm geschätzt, vor allem am letzten Tag, als ich wegen muskulärer Probleme kaum mehr laufen, sondern nur noch tippeln konnte.

Nach etlichen Telefonaten trafen wir uns dann das erste Mal im „real life“ beim StrongManRun 2008 in Weeze. Er war mit seiner Bundeswehr-Sportgruppe dort und wir machten noch schnell mittels eines schnell aufgebauten Fotohintergrundes einige gemeinsame Fotos. Heiko hatte kurz zuvor ERIMA als unseren Sponsor gewinnen können und die Ware war Tags zuvor bei ihm in Jesenwang eingetroffen. „Team ERIMA Sportswear“ hießen wir also dann.

Nach dem TAR 2008 war der Marathon des Sables 2010 das nächste gemeinsame Highlight. Und nicht nur das. Wir lebten gemeinsam mit Achim Knacksterdt, Tilman Markert und Christian Bechtel eine Woche lang unter dem gleichen Berberzeltdach in der südmarokkanischen Wüste. Was war das schön damals!

Einen Tag nach dem Telefonat mit Nicole telefonierte ich mit Heiko und er erzählte mir, dass er sie gefragt hätte, ob ich mich dort bei der Agentur gemeldet hätte. „Nein,“ sagte sie, „das ist purer Zufall.“
Zufall ja, vielleicht auch Fügung, Schicksal? Auf jeden Fall ist es der Beginn von großartigen 10 Wochen, in denen ich regelmäßig über „Heikos Weg nach Chamonix“ berichten werde.
Veröffentlichen werde ich die Berichte dann aber nicht hier auf der allgemeinen Seite, sondern hier:
https://marathonundlaenger.wordpress.com/the-north-face-utmb/
Vielleicht gelingt es mir auch, die Beiträge hier und dort zu posten, aber das ist nicht versprochen.

Als versprochen aber gilt, dass Du Dir dort ein umfassendes Bild von Heiko und seinem Training für den The North Face UTMB 2012 machen kannst. Vergleiche die Erfahrungen vor dem Rennen und während des Rennens mit Deinen eigenen oder nimm die eine oder andere Information für Dich mit, falls Du diesen großen weißen Berg noch nicht umrundet haben solltest.
Für Deinen Start beim UTMB 2013. So viel Berg muss einfach sein, finde ich. Weil diesen Lauf zu finishen noch für jeden Läufer, den ich kenne, das Größte ist.

Bei dem UTMB 2013 werde ich dann auch wieder als Läufer dabei sein, einen sicheren Startplatz habe ich ja schon …