On my way to … India!

Ein wenig spät ist es schon für den Vorbericht über das Ultra India Race, immherhin liegt die Finishermedaille ja schon direkt neben mir, aber versprochen ist versprochen …
„Warum nach Indien?“ wurde ich oft gefragt, als ich mich für dieses Event entschieden hatte. Genau, warum eigentlich nach Indien?UltraIndia-315_klein
Salman Rushdie hat einmal gesagt: „Der Mensch drei große Fantasien: Geld, Gott und Indien.“ Ist das nicht schon Grund genug?

Nach Indien wollte ich schon immer mal. Schon als Teenie, als ich noch in Schorndorf, meiner Abitursstadt, im °Hammerschlag° in Hippie-Klamotten die Abende verbrachte und jeden bewunderte, der gerade aus Indien kam, entweder auf der Suche nach Erlösung, meist aber auf der Suche nach individueller Freiheit und einer gewissen Bewusstseinserweiterung.
Während die Glücklicheren unter uns dort den Baghwan oder einen anderen Guru suchten, begnügten wir uns später damit, in den Baghwan-Discos gegen Mitternacht Walzer zu tanzen und über die Geheimnisse hinter den Kulissen dieser Organisation zu philosphieren.
Ich jedenfalls habe es nie geschafft, es denen gleich zu tun, die sich einfach ein Fahrrad geschnappt haben, um die vielen Tausend Kilometer nach Indien zu radeln.

Überhaupt hat Indien die Welt schon lange reich gemacht. Da waren die fahrenden Gewürzhändler, die anfangs über den Landweg Safran zu Goldstaub machten, wenn sie nicht in einer der Wüsten auf dem Weg überfallen wurden, später dann kam der Seeweg dazu.
Die Engländer verdankten lange Zeit einen Großteil ihres Wohlstandes der indischen Kolonie und das Ende dieses Teils des Kolonialismus wurde dann nicht mit einer „stiff upper lip“ ertragen, sondern versucht, mit geradezu bestialischer Gewalt zu zerschiessen.
Aber da hat die Welt dann gesehen, dass die Inder vor allem eines sind: ungeheuer leidensfähig. Der hinduistische Glaube half damals den Menschen, trotzdem friedlich gegen die Engländer stehen zu bleiben.

FarbenIndien? Was ist das eigentlich für ein Land?
°Eine Form wie ein Diamant° sagte mein Zimmer-und Zeltnachbar Sriri poetisch. Ein Land mit 20 offiziell bestätigten Sprachen, aber mit unzähligen davon abweichender Dialekte. Sriri unterschied auch stets zwischen dem wohlhabenderen Südindien und dem bevölkerungsreicheren und ärmeren Nordindien, aber wie soll das denn auch ein Land einigermaßen einheitlich sein, wenn es dort rund 14 Mal so viele Menschen gibt wie bei uns im größer geworden Deutschland?
Jedes Restaurant macht diese Unterscheidung übrigens auch, weil die südindische Küche wesentlich stärker reisbasiert ist, während die nordindische Küche auch stark auf Weizenprodukte setzt.

Richtig erstaunlich aber fand ich eine andere kulinarische Unterscheidung. Während wir zwischen Vegetariern und Veganern unterscheiden, Ovo-Lacto-Vegetarier kennen und selbst Menschen, die keine Fleisch, aber dennoch Fisch essen, suspekt empfunden werden, gibt es in Indien nur zwei Küchen.
In der einen Küche bekommen die Fleischgerichte einen roten Punkt und die fleisch- und eilosen einen grünen Punkt. Und dann gibt es noch etwas, was in Deutschland ganz, ganz selten ist.

Kids°100% Pure Vegetarian Cuisine° heißt dabei, dass in dieser Küche kein Fleisch, kein Fisch, kein Ei zur Verwendung kommt, es also keine Kontaminierung durch nicht-vegetarische Speisen geben kann.
Wahnsinn, finde ich, großartig. In den meisten deutschen vegetarischen Restaurants wird für die weniger Konsequenten dann doch ein Dessert angeboten, das mit Eischnee aufgepeppt wurde.

Also, riesig ist dieses Indien – und Dank der Qualität der Straßen eigentlich noch riesiger. Kurz davor, der bevölkerungsreichste Staat der Welt zu sein ist dieses Indien (Sriri war schon etwas stolz darauf, bald die Chinesen eingeholt zu haben), heiß und schwül ist dieses Indien und es ist ein Traum in Bezug auf Kunsthandwerk (der Metallelefant, den ich nach Hause gebracht habe, ist einfach zu schön), in Bezug auf alle erdenklichen Farben und in Bezug auf wirklich alle Arten Gewürzen. °Spice Supermarkets° gibt es ja in allen Größen und Qualitäten.

Und trotzdem fühle ich mich jetzt, wo alles vorbei ist, wie jemand, der in einem riesigen Keller mit einer kleinen Taschenlampe ein Ecken beleuchtet hat und zu wissen glaubt, wie es in diesem Keller aussieht.

Also muss ich noch einmal hinunter in diesen Keller. Und da versuche ich dann, ein anderes Eckchen auszuleuchten, noch einmal frische Gewürze holen, die „Indian Vegetarian Cuisine“ genießen und noch einmal die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Inder erleben.
Vielleicht gelingt es mir dann, auch die volle Freude an den indischen Farben zu erleben. Das indische „Farbenfest“, das „Holi“, wird ja im Wesentlichen im Norden Indiens gefeiert. Wär doch was, oder?
Holi

Alles neu macht der Januar …

Drei Monate ohne Schreiben, drei Monate nahezu ohne Laufen, drei Monate, die ich so nicht wiederholen will. Aber „Alles neu macht der Januar …“ heißt es ja, also nicht nach hinten sehen, sondern voraus schauen. Und dort wieder anknüpfen, wo ich im Spätsommer 2012 aufgehört habe. Aber wie beginnt man den ersten Blog-Beitrag nach so einer langen Pause?

Reinhard Mey sang vor vielen Jahren:

„Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, so viel Gedanken und mein Herz ist übervoll, so viel Gefühle drängen sich zur selben Zeit:
Freude und Demut – und Dankbarkeit.“

Mir geht es da sehr ähnlich. Ich freue mich, dass Du trotz meiner langen Abstinenz noch da bist in meinem Leserkreis und ich empfinde Demut und ein wenig schlechtes Gewissen, dass ich noch nicht vorher wieder schreiben konnte, wieder schreiben wollte. Mancher von Euch hat mich schon gebeten, das wieder zu tun – und manchem von Euch habe ich einen früheren Wiedereinstieg versprochen.
Und da ist auch Dankbarkeit, gegenüber Dir und den anderen Lesern, den Läufern, den Veranstaltern, den Partnern!

clip_image001Es ist ja so viel passiert in dieser Zeit. Joe Voglsam hat mir schon Anfang November ein Musterpaket „FitRabbit“ zum Testen geschickt, nicht wissend, dass ich für Wochen nicht mehr zu Hause sein würde.
Ein BIO Sport Drink des führenden BIO-Fruchtsaftherstellers aus dem schönen Österreich, auf Basis meiner geliebten Rote Bete-Knolle, ob das etwas hilft?
Ich habe ihm nun versprochen, die Säfte ab morgen täglich zu probieren, also fünf Tage vor dem nächsten Lauf, um dann in Indien beim Ultra India, meine zu vielen Pfunde zu kompensieren.

Gesund und wohlschmeckend - die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Gesund und wohlschmeckend – die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Apropos „zu viele Pfunde“. Auch das ist passiert in den letzten Monaten: Ich habe Muskeln ab- und Fett aufgebaut. Nicht allzu tragisch, aber der kleine Rettungsring um die Lenden nagt soch sehr an meinem Selbstbewusstsein. Und deshalb habe ich beschlossen, dass ich mich von mindestens 5 meiner vielen Kilos trennen werde. Und ich habe gleich vorgestern mit der Diät begonnen. Mal wieder „BCM“, wie damals, als alles angefangen hat.

Auch andere haben mich kontaktiert und noch nicht jeden konnte ich zurückrufen, aber all das folgt noch in diesem Monat, auf den ich voraus schaue, voraus schauen muss, wenn ich auf das Jahr voraus sehe.
Und dieses Jahr hat es doch wirklich in sich. Entweder ich werde am Jahresende der frustrierteste Läufer der westlichen Hemisphäre sein oder ich kann die mir selbst gesteckten Hürden überwinden.

Indien ist da dabei, mein schon Jahre alter Traum, Nepal, auch ein Jahre alter Traum von mir, Gran Canaria, England, die schönen Länder Schweiz und Österreich sowie auch ein paar Wiederholungsläufe, die Treppe in Radebeul zum Beispiel, der JUNUT und … auch der UTMB.
Nach 2009 muss es 2013 doch mal wieder der UTMB sein!

Und auch das hat sich in diesen drei Monaten läuferischer Abstinenz getan. Dr. Reuther, der Arzt, der mir zuletzt einen Stapel von vier ärztlichen Bescheinigungen auf einmal unterschrieben hatte, ist in den Ruhestand getreten. Und der Neue in der Praxis, Dr. Thomas Kemkes, durfte mir gleich zwei dieser neuen Bescheinigungen unterschreiben, eine für das Ultra India Race, gepaart mit einem EKG und eine für den UTMB.
Und das Beste daran: Dr. Thomas Kemkes ist auch ein Marathoni. „Nur einem im Jahr,“ sagte er mir, aber besser als gar keiner. Wichtig für mich ist ja nur, dass wir hier eine gemeinsame Sprache sprechen. Wer Marathons läuft, der weiß halt, wie Marathonis ticken. Und Ultramarathonis ticken ja genau gleich, vielleicht noch ein wenig lauter und intensiver.

Reinhard Mey singt dann weiter über sein Kind:

„Du bist ein Licht in ungewisser Zeit, ein Ausweg aus der Ausweglosigkeit, wie ein Signal, den Weg weiterzugeh‘n, Herausforderung weiter zu besteh‘n.
Wo vieles voller Zweifel, manches zum Verzweifeln ist, da macht ein Kind, dass du alle Zweifel vergißt.
Es sind in einer Welt, die ziel- und ratlos treibt, die Kinder doch die einz‘ge Hoffnung, die uns bleibt!.“

Das gilt eben auch für das Laufen: nachdem die Kinder groß sind, sind in einer Welt, die ziel- und rastlos treibt, die Läufe doch die einz’ge Hoffnung, die mir bleibt.
Beim Laufen vergesse ich alle Zweifel und beim Laufen ist die Welt überschaubar, klein und fair.

Morgen gibt es dann etwas über meine Vorbereitungen zum Ultra India Race zu lesen.

Alles neu macht der Januar …