New 60 K extreme – Mount Everest Extreme Ultra Marathon

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(Link zur Eventseite)

Schon seit Jahren war der „Mount Everest Marathon“ eines meiner Lauf-Lebensträume. Ich war in diesen Lauf schon verliebt, als ich von einer Mitte 50 Jahre alten Dame von der anderen Rheinseite gelesen habe, die ihn erfolgreich hinter sich gebracht hat. Langsam, aber immerhin.

Sie beschrieb in dem Presseartikel, dass sie mit einer Gruppe von 30 Läufern nach Kathmandu kam. Von diesen 30 Läufern haben es aber nur knapp über 20 überhaupt bis zum Basecamp 1 des Mount Everest, dem Start des Marathons, geschafft. Und nur 14 haben letztendlich das Ziel erreicht.
Manche hatte die Höhenkrankheit ereilt, andere hatten Probleme mit dem Magen. Diese Probleme mit dem Magen sind übrigens auch Ursache dafür, dass auch bei den Mount Everest Besteigern viele schon krank zu dieser Expedition aufbrechen.
Vernünftigerweise sollten diese Menschen gar nicht starten, weil das Wasser, das sie getrunken haben, belastet war, weil der Salat, der mit unsauberem Wasser gewaschen wurde, zu Brechreiz geführt hat oder weil schlicht das Fleisch oder die Eiscreme krank gemacht haben. Aber man startet dann doch, bei einer Mount Everest Besteigung, für die man alleine für das Permit schon 10.000 USD bezahlt hat und die weiteren Startkosten mit weiteren, mindestens den doppelten Kosten dieses Betrags, zu Buche schlugen, sowieso.

Den nächsten Kick bekam ich dann vorletztes Jahr, als wir mit Jeffrey Norris in Brugg/CH beim 24-Stunden Lauf waren und einer der anderen Guides just dort am höchsten Berg der Welt gewesen war. Er war hellauf begeistert, erzählte auch von dem gemütlichen zweiwöchigen Trecking vor dem Marathon und seine Begeisterung ließ meine Flamme für diesen Bewerb noch höher lodern.

2013 haben dann Julia und Jens Vieler für diesen Bewerb gemeldet und so dachte ich, dass dieses Jahr das richtige Jahr für diesen Trip sein müsste.
Und nun werde ich diesen Marathon doch nicht laufen …

map2013 ist das Jubiläumsjahr dieses Laufs, schon die sechzigste Austragung. Und zum Jubiläum schenkten die Veranstalter uns Teilnehmern eine Wahl, die eigentlich gar keine ist. So wird in diesem Jahr 2013 erstmals ein 60 Kilometer langer „60 K extreme“ Ultra angeboten und Du kannst kostenfrei den Startplatz für den Marathon gegen den beim Ultra eintauschen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich keine zwei Minuten gebraucht habe, um meine Wahl zu treffen.

Start dieses Laufs wird ebenfalls am 29. Mai, dem Tag der Erstbesteigung des Mount Everest, sein, am Basecamp 1 auf 5.364 Metern über dem Meeresspiegel, genauso wie beim Marathon, direkt beim berühmten Khumbu Icefall. Und das Ziel ist dann weit, weit drunten auf 3.720 Metern in Syangboche.
Klingt einfach, bis auf die Höhe, in der gelaufen wird?

Aber schon beim Marathon hast Du neben dem Gefälle auch große, steilere und längere Anstiege zu bewältigen und beim „60 K extreme“ kommt dann noch „the World’s highest uphill trail running section“ von Phortse auf 3.820 Metern bis Nha-La auf 4.440 Metern dazu.
Die gesamte Strecke geht über lange Gletscherwege, teilweise auf der historischen Route des Erstbesteigers Sir Edmund Hillary und seinem Sherpa Late Tenzing Norgay. Näher kann Geschichte kaum sein. Glücklicher kann ein Läufer kaum werden. Aber einfach wird das mit Sicherheit für keinen von uns.

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(Klicken, um den Film von Michele Ufer auf VIMEO zu sehen)

Überhaupt klingt alles an Streckenbeschreibung, das ich bisher gelesen habe, fantastisch. So führt die Strecke „durch einen Rhododendren Wald, einen Hain wilder Orchideen und die malerischsten Landschaften der Welt, die von den legendären Sherpas bewohnt werden“.
Ob ich da vor lauter Fotografieren wirklich noch zu Laufen kommen werde?
Ich denke oft an die beiden Kilimanjaro-Besteigungen, die ich hinter mir habe, „Aufwärmübungen“ eigentlich, weil Du es weder mit Eis noch mit echter Kälte zu tun hast. Die Besteigungen des Rinjani, des Cotopaxi und vor allem des Chimborazo hatten da schon mehr Leistungsbereitschaft abverlangt. Und dennoch war ich nach der Chimborazo-Besteigung ernüchtert. Bei diesem Trip am Gipfeltag starteten wir gegen 1 Uhr in der Nacht und waren erst gegen Mittag wieder im Lager, aber die Uhr stand danach nur auf für uns Läufer lächerlichen 12,5 Kilometern.

Wenn Du beim „Mount Everest Marathon“ zwischen 7 und 8 Stunden benötigst, dann bist Du schon bei den besten Europäern dabei, bis zu 12 Stunden sind dort keine Seltenheit. Noch 18 Kilometer mehr, eben diesen höchstgelegenen Anstieg hinauf und wieder hinunter, das wird schon zu Laufzeiten führen, die wir bei anderen 60 K Läufen nicht kennen.
Aber ich bin gewarnt und werde vorbereitet sein.

Bis zu meinem Abflug nach Kathmandu am 15. Mai ist ja noch ein wenig Zeit. Zeit für andere Läufe, für den RheinBurgenWeg-Lauf, den JUNUT, den „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ (als Einstimmung auf den „Berg der Berge“?) und vielleicht noch auf den einen oder anderen Lauf, zu dem ich kurzfristig nachmelden kann, wenn ich weiß, ob ich dafür Zeit haben werde.
Aber egal, wo ich vor dem 15. Mai sein werde, ein paar Gedanken sind immer schon auf dieser höchstgelegenen Laufstrecke der Welt.

Yamaste!

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514 Mal „DANKE“: was bisher geschah …

Vor einer Woche, genauer am 18. Februar, habe ich den Blog-Beitrag über meinen Lauf von Nürnberg nach Nürburg geschrieben. Und ich habe nach Hilfe gefragt, weil es viel leichter ist, so ein Vorhaben mit guten Freunden im Rücken zu stemmen.

Viele haben sich spontan beteiligt, ich will nur einige Beispiele davon nennen, die stellvertretend stehen für alle, die mich angerufen, angemailt, angetwittert oder sonstwie unterstützt haben.

So hat „Monsterliesel“ Eva dazu aufgerufen, den Platz auf der Couch freizumachen und hat einen entsprechenden Tweet an ihre Follower auf Twitter und Facebook geschickt. Achim Knacksterdt hat mir eine Schlafgelegenheit mit heißer Dusche und heißem Tee angeboten, Jeffrey Norris hat sich lange mit mir über diesen Lauf ausgetauscht und mir hilfreiche Tipps gegeben, zudem hat er mich eingeladen, wieder in Brugg/CH mit ihm zu laufen und auch wieder den Sprecher der Veranstaltung zu machen.
Torsten Riemer versucht, seinen Dienst so zu tauschen, dass er mich am ersten und vielleicht sogar am zweiten Tag mit dem Auto supporten kann, sensationell, ein herzlichstes „Danke schön“!

Die große Marke SKINS hat auch spontan per Tweet geholfen und auf diesen Lauf hingewiesen und sie haben mir ihren Facebook-Account als Darstellungsfläche angeboten.
Gerne werde ich das im März nutzen.

Unzählige „Gefällt mir“ – Buttons wurden gedrückt und vielleicht wird auch Niels Grimpe-Luhmann beim Lauf vertreten sein. Und wenn, dann definitiv im Röckchen. Ob ich dann einen indonesischen Sarong tragen sollte?

Eine ganz besondere Freude allerdings machte mir Udo Schick aus Fürth bei Nürnberg. Udo Schick ist bei vielen regionalen Läufern Werbeläufer im Kilt für World Vision, er ist in vielen sozialen Bereichen engagiert, so bei Greenpeace, Verdi, Vier Pfoten/Europäisches Tierhilfswerk und eben auch World Vision, er und seine Familie haben seit 2005 ein Patenkind in Kenia.
Udo ist Organspender, Mitglied in der DMKS und Fan vom Laufclub 21/Down-Syndrom Marathonstaffel e.V. und …

… er wird mit mir in Nürnberg an den Start gehen und mich einen Tag lang begleiten!


Darauf freue ich mich und darauf bin ich stolz.

Und wenn Niels noch im Röckchen dazu kommt, wenn Udo im Kilt und ich im indonesischen Sarong laufen würden, dann wäre eine Horde „vollkommen durchgeknallter Läufer“ beisammen.

Eigentlich fehlst dann nur noch …. DU !

Warum ich 514,36 Kilometer laufen werde …

Am Anfang war die Idee

„Nach etlichen Jahren in Weeze wechselt der StrongManRun seinen Veranstaltungsort und geht nach Nürnberg!“

So stand es in einer Pressemitteilung, die ich irgendwie über Twitter bekommen habe. Nürnberg? In meine Geburtsstadt? Wohin denn da genau, fragte ich mich und las weiter, dass der Nürburgring ein ideales Gelände für den 2011er StrongManRun sein würde.
Der Nürburgring bei Nürnberg?

Schon zwei Tage später tickerte die Meldung ein, dass es sich in der besagten Pressemitteilung um einen Tippfehler gehandelt hätte, gemeint war natürlich das Eifel-Städtchen Nürburg am Nürburgring. OK, dachte ich, so klingt das logisch. Nürburg ist von uns aus nur rund 30 Kilometer entfernt, ein Städtchen direkt vor meiner Haustüre also.

Mich lies der Gedanke, der mir dann kam, nicht mehr los: beide Städte haben etwas mit meinem Leben zu tun, der StrongManRun hat mich als Lauf schon immer fasziniert, ich kenne die Macher hinter dem Lauf. „Alles Dinge, die mit Dir zu tun haben,“ dachte ich weiter und dann beschloss ich, diese Dinge miteinander zu verbinden.
Die Idee war geboren.


Der Weg zum Ziel

„Trailschnittchen“ Julia Böttger hat es mit ihrem „Weg nach Chamonix“ vorgemacht, bei meinem Lauf durch die Nacht nach Ratingen („Ein 5.000 Meter-Lauf mit reichlich Anlauf“) bin ich schon einmal zu einem Event lange und weit hingelaufen.
Und jetzt mache ich das als Lauf zum StrongManRun 2011. Ich bin begeistert!

Und ich wurde hektisch. Die Idee musste vorgestellt werden, die Laufroute musste geplant werden. 514,36 Kilometer werden es sein, mehr als ich dachte. Zumindest sagt das map24.de mit der Option „Fußgänger“. Vielleicht werden es sogar noch einige Kilometer mehr, wer weiß das schon.
5 Tage habe ich dafür eingeplant, aber einen Puffertag am Ende gönne ich mir auch noch.

Bei Zurückrechnen der Tage stellt sich heraus, dass der Starttag der Montag, der 11. April sein wird.
Montag, der 11. April 2011?

Da war doch was …, dachte ich und dachte an die Afrika-Rundreise, die nicht anzutreten aus verschiedenen Gründen die erste Familien-Entscheidung in 2011 gewesen war.
An jenem 11. April wollte ich eigentlich in Tansania am N’gorongoro Krater sein, um am Abend meinen, nein unseren  … ja genau … 25. Hochzeitstag zu feiern.
Auch dieses Datum hat mit meinem Leben zu tun. Manche mögen darüber spekulieren, ob das herzlos ist, ich finde aber, dass es ein hervorragendes Datum ist, um so einen Lauf zu beginnen.

Am Freitag Abend will ich dann in Nürburg sein und bis dahin jeden Tag durchschnittlich 103 Kilometer weit gelaufen sein. Und dann gibt es einen Tag lang Entspannung und Massagen.
Oder ich muss „nachsitzen“, falls ich die Strecke innerhalb der geplanten Zeit nicht schaffen sollte.
Also besser pünktlich sein und sich nett verwöhnen lassen.
Und am Sonntag danach noch die 18 Kilometer des StrongManRuns ablaufen, ganz entspannt, ohne jeglichen Zeitdruck.
Einfach den Lauf genießen.

Die Umsetzung

Eine Weile habe ich daran gedacht, diesen Lauf sogar mit dem blinden Weltrekordler Jeffrey Norris zu machen, aber er hat nach zwei Telefonaten leider abgesagt, weil der zeitliche Abstand zu seinem nächsten Event zu gering ist. Schade, immerhin hätten wir uns dann mit dem Wohnmobil begleiten lassen können.
So aber bleiben noch viele Fragen offen.

Da ist zum Beispiel die Frage, wo ich nächtigen werde. Eine Frage, die fast automatisch zur Einschätzung der Wetterverhältnisse an diesen Tagen führt. Ich überlege hier, eventuell mit einem Single-Bivy unterwegs zu sein, aber der notwendige Schlafsack, das Bivy und die Isomatte erzeugen ein zusätzliches Gewicht, das ich eigentlich nicht tragen will.
Oder ich versuche, in Pensionen unterzukommen. Das macht manches gemütlicher, aber es hat auch Nachteile.
Wenn ich die Nächtigungen vorbuche, dann muss ich mich definitiv und verbindlich auf bestimmte Etappenlängen einstellen. Mit Grausen erinnere ich mich noch an den unglaublichen Regen, in den Hauke König, Susanne Alexi und ich beim Lauf auf dem Elberadweg von Dresden nach Hamburg gekommen sind.
Und wenn Du dann noch 30 Kilometer bis zu Deiner Herberge laufen musst, dann verflucht man schon mal den Wettergott, Frau Holle und die Kachelmänner dieser Welt, einzeln oder auch alle zusammen.
Wenn ich aber nicht vorbuche, dann muss ich vielleicht gegen oder nach Mitternacht irgendwo klingeln. Ob honorige Pensionswirtinnen einem nassgeschwitzten Läufer mitten in der Nacht aber wirklich noch ein Zimmerchen anbieten?
Immerhin sehe ich weder so gut aus wie George Clooney noch bin ich so gewinnend wie Thomas Gottschalk.
Wie man es dreht und wendet: mit einem Wohnmobil an der Seite wäre vieles einfacher.
Das aber geht nicht, also weg mit diesem Gedanken.

Weiterhin ist da auch die Frage, wie ich an Wechselwäsche und Wechselschuhe komme und wo ich ausgewechselte Wäsche und Schuhe deponieren kann. Natürlich denke ich da sofort an die vielen Läufer, Blogger, Twitterer und Förderer, die an meiner Laufstrecke wohnen. Vielleicht hilft es, hier fündig zu werden, wenn Du diesen Artikel tweetest?

Auch will ich ja fotografieren, twittern und bloggen während der Veranstaltung.
Zeit dafür habe ich aber eigentlich nicht, immerhin habe ich rund 17 Stunden pro Tag zu laufen.
Und ich will die Fotos auch irgendwie Euch zur Verfügung stellen. Der Transport der Fotos ins Internet wird aber nicht in einer Plastiktüte stattfinden können und auch Upload-Zeit ist Zeit, die mir fehlen würde.
Ein weiterer Grund für Freunde und Unterstützer rund um die Laufstrecke, mir da Arbeit abzunehmen.

Unterstütze mich, wenn Dir die Idee gefällt

52 Tage vor dem Beginn des Events bitte ich Dich, mir beim Finden von lokalen Unterstützern behilflich zu sein.

Wenn Du bei Deinen Followern und Freunden diese Idee und Bitte erwähnst und das auch andere tun, dann sollten wir alle gemeinsam doch das eine oder andere hierbei erreichen. Die Läufer-, Twitter- und Facebook-Gemeinde ist doch riesig.

Und dann heißt es hoffentlich mal wieder: „TomWingo, you never walk alone!“

Und was ist mit der Startkarte für den wunderschönen Wien-Marathon? Na ja, für diesen Lauf lasse ich die doch gerne ungenutzt …

Mallorca-Marathon

(Klicken zum Vergrößern!)

Mallorca ist die Insel der Deutschen, das 17. Bundesland Deutschlands, die Wahlheimat von Jürgen Drews und anderer Prominenter, die die halbwegs betrunkenen Disco-Gäste in die billigen Doppelzimmer grölen, Mallorca ist aber auch die Insel bezaubernder Natur, erstklassiger Sportmöglichkeiten und meist frühlingshaftem Wetter.

Radfahrer und Tennisspieler lieben die Vorbereitung auf die Sommersaison auf „Malle“, Läufer lieben den Mallorca-Marathon und Kultur liebende Deutsche genießen die sonnendurchfluteten Gassen, um in den dortigen Restaurants bei spanischer Paella und kräftigem Rioja zu sehen und gesehen zu werden.
Und dabei liest man, wenn man deutsch lesen will, die Mallorca-Zeitung.

Das tat auch meine Freundin Inka, die sich auf Mallorca von der harten und selbstlosen Arbeit für den Bonner „Bunten Kreis“ erholt hat. In der Mallorca-Zeitung las sie dabei einen Vorbericht auf den Mallorca-Marathon 2010 und war schon überrascht, auch mich darin zu entdecken.
Das für den Bericht über Joey Kelly, der den Mallorca-Marathon 2010 gelaufen ist, verwendete Foto wurde beim Remmers Hasetal Marathon in Löningen aufgenommen, wo Joey, Jeffrey Norris und ich zusammen gelaufen sind.

Letztendlich hat sich dieser Marathon in Löningen also doch noch gelohnt – wer kommt denn schon nach Mallorca, ohne dafür einen Flieger betreten zu müssen … ?

Mein 2010 – ein persönlicher Jahresrückblick …

Steffen Kohler und viele andere sind schneller als ich, Yogi Schranz und viele andere haben gewaltigere Dinge hinter sich als ich, Gerhard Börner und viele andere haben mehr Bergerfahrung als ich, Norman Bücher und viele andere haben spektakulärere Events hinter sich als ich, Jack B. Liver und viele andere haben längere Strecken nonstop gelaufen als ich und Joe Kelbel und viele andere haben mehr „Marathons und länger“ gelaufen wie ich.

Ich weiß, dass ganz viele unserer gemeinsamen und meiner lieben Lauffreunde höher kamen, weiter und schneller liefen, erfolgreicher waren, spektakulärere Event bestritten haben und insgesamt in 2010 besser waren als ich – und doch finde ich, das das Jahr 2010 mein Laufjahr war.


In den Jahren 2008, 2009 und 2010 wuchs ich vom „Marathoni“ zu einem, der Strecken läuft, die ich mir selbst vor einigen Jahren noch nicht zugetraut hätte.
Begonnen hat alles mit der Vorbereitung des TransAlpineRuns 2008, wo ich zwangsweise längere Strecken testen musste. Und durch den TransAlpineRun 2008 erhielt ich 3 UTMB Punkte, von denen ich bis dahin nicht einmal wusste, dass es sie gab und was sie bedeuten.
Erst Bernie Conradt’s  Hinweis, dass ich nun auch den UTMB probieren sollte, führte 2009 zu den langen Strecken um die 100 Meilen, aber erst 2010 kamen Herausforderungen, die ich jetzt, am Ende dieses Jahres, kaum noch zusammen bekomme.

War Jens Vieler’s TorTOUR de Ruhr mit ihren 230 Kilometern wirklich erst dieses Jahr im Mai? Und die sieben Wüstentage des Marathon des Sables – waren die auch in diesem Jahr? Ich war in Nizza beim Canyon du Verdon, in Chamonix beim PTL und in Verbier beim Verbier St. Bernard, ich war auf dem Kilimanjaro-Gipfel und dem Kilimanjaro-Krater, in Rom und Davos, gleich drei Mal in Dresden und in Brugg/CH – ein wirklich unglaubliches Jahr.

Eine besondere Freude war dabei, dass ich Menschen kennen gelernt habe, die ich vorher nur im weltweiten Netz erleben konnte. In Brugg war das Guido Huwiler, in Troisdorf waren es mit MissMonster und Melanie und Steffen Kohler gleich drei „virtuelle“ Menschen, die zu „realen“ Menschen wurden. Den Abschluss machte dann Anne aus Offenburg, die beim Eisweinlauf ein reales Gesicht für mich bekam.

Ich lief mit Hauke König und Susanne Alexi auf dem Elberadweg, mit Martin Raulf auf dem Ruhrradweg, mit Jeffrey Norris und Joey Kelly in Löningen, ich lief mit Steffen Kohler in Bad Berleburg und mit Achim Knacksterdt auf dem Rheinsteig.

Aber nicht alles in 2010 war läuferisch zufrieden stellend. 2010 ist für mich leider auch das Jahr von vier DNF’s. Beim Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon, beim Canyon du Verdon, beim Verbier St. Bernard und beim PTL erreichte ich das Ziel, mein Ziel, nicht. Waren es beim Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon noch die entzündeten Fersen, beim Canyon du Verdon die Sorge um meine Frau Gabi, so war es beim Verbier St. Bernard oben am Großen St. Bernard der unglaubliche Regen, aber spätestens beim PTL aber musste ich begreifen, dass nicht jedes Ziel, dass ich erreichen will, für mich auch wirklich erreichbar ist. Die Fähigkeit jedes Körpers ist begrenzt, meine Grenzen habe ich dieses Jahr in Chamonix kennen gelernt.
Ob hier mehr Training für bessere Resultate sorgt?
Das wünsche ich mir für 2011.
Bessere Resultate wünsche ich mir aber auch für die Politik. Hier war 2010 wieder ein Jahr, in dem die politische Führung deutlich gemacht hat, dass sie einerseits mit den Realitäten überfordert ist, andererseits von den führenden wirtschaftlichen Eliten an der Nase herum und vor uns als Publikum vorgeführt wurde.
Kritik daran wird allerdings nicht erst seit Zensursula Stück für Stück erschwert. George Orwell hätte seine Freude daran, sein Bestseller „1984“ hatte offensichtlich nur den falschen Titel, „2024“ wäre wohl richtig gewesen. Verlassen können wir uns aber darauf, dass „Big Brother“ Stück für Stück Realität wird.

Und während sich die Welt streitet, ob die Thesen von Thilo „Wunderlich“ mit dem scharfen Sarrazinen-Schwert richtig sind, ob es ein Skandal ist, dass ein junger Unteroffizier 250.000 vertrauliche, geheime und streng geheime Dokumente irgendwo auf der Welt einfach auf einen USB Stick laden kann oder ob es der Skandal ist, dass jemand diese geheimen Informationen öffentlich macht, laufen wir alle weiter und hoffen, am Ende des Weges auf eine Welt zu treffen, die besser ist als die, in der wir losgelaufen sind.

Eine Welt, in der die Menschen gebildeter sind, nachhaltiger wirtschaften, gesünder leben und sich nicht so schrecklich abhängig machen von dem, was der „income shortener“ (Joseph Mc´Clendon III. bei Tony Robbins „UPW“ über den Fernsehapparat) ihnen täglich als Wahrheit vorlügt.

Aber weil das alles wohl noch sehr lange dauert, laufe ich wohl auch noch viele Jahre nach dem Jahr 2011. In diesem kommenden Jahr jedoch teste mich bei richtig „langen Kanten“ wie dem „TRA Thames Ring Race“, schwierigen und langen Bergläufen oder einfach bei eiskalten Spaßläufen wie dem „Tough Guy“ in Wolverhampton.

Und irgendwann wird dann die Welt besser sein.

100 Geschenke auf einmal …

Es ist der 24. Dezember, der Tag, an dem es Geschenke gibt.
Ich bin freudig gespannt, obwohl meine Gabi und ich uns fest versprochen haben, uns dieses Mal gegenseitig wirklich nichts zu schenken. Die großen Kinder werden nicht vergessen, wir selbst aber haben eigentlich alles, was wir brauchen.

Zumindest sagt das meine „beste Ehefrau von allen“.
Ob ich das glauben soll?

Also habe ich mich kurzerhand selbst beschenkt und ich habe mir 100 Geschenke auf einmal gegönnt. So einfach, lieber Weihnachtsmann, kommst Du hier nicht an mir vorbei …

Am 26. September habe ich beim 24-h Lauf in Brugg meinen 100. „Marathon und länger“ gelaufen, nein, ich habe ihn zelebriert!
Ich war stundenlang der Speaker der Veranstaltung und durfte die großen Namen immer und immer wieder verkünden, stets aufs Neue ein paar persönliche Worte an die Läufer richten und mich mit den Jungs und Mädels dort freuen, die Runde um Runde durch den schweizerischen Regen gedreht haben.
Und ich war knapp drei Stunden lang der Guide von Jeffrey Norris. Nachdem ich wegen der Nachtruhe um 21 Uhr als Speaker die Nachtruhe verordnet bekommen habe, bin ich gemütlich mit Jeffrey einige Kilometer gelaufen, ohne Wertung und ohne Startnummer, um dann, eigentlich zu Mitternacht, effektiv aber in etwa 20 Minuten später, tatsächlich mit Startnummer beim 12-h Lauf zu starten.
Immer noch sehr gemütlich und nur mit dem Ziel, einen Marathon, meinen Marathon Nummer 100, zu laufen.

Ich habe dabei mit einigen der Läufer ein paar Runden gedreht und da die schon 12 Stunden auf den Beinen war, war das Tempo insgesamt doch sehr, sehr moderat. Mir war es egal. Und dann, so nach weiteren drei Stunden, habe ich mich erneut Jeffrey und seinem neuen Guide angeschlossen und dann wurde es noch langsamer, wir haben häufig Gehpausen eingelegt, es war entspannt und entspannend, ein echter Jubiläumslauf.

Nachdem ich den Marathon voll und die nächste Runde beendet hatte, ging ich unter die Dusche, schlief ein Stündchen und nahm dann meine Arbeit als Speaker wieder auf. Ein ganz besonderes Wochenende, das ich mit meiner „Nummer 100“ verbinde.

Danach aber hatte ich wenig Zeit, vielleicht auch einfach wenig Lust. Ich sollte …, ich müsste …, aber diese Woche ganz bestimmt … mich endlich dafür anmelden, wofür ich so lange gekämpft habe. Aber ich war wie ein schwerer Stein und ich bewegte mich nicht.
Nicht kurz vor meinem Geburtstag, um mich mit der Mitgliedschaft im „100 Marathon Club“ („100MC“) zu belohnen und auch nicht in den vier Wochen danach.
Aber jetzt vor Weihnachten sollte es denn sein: ich meldete mich an und hatte vorgestern diesen Brief in der Post:

(Klicken zum Vergrößern!)

Meine Mitgliedsnummer im „100MC“ ist als die 304 – ein Zeichen?

Ich hatte in einem der früheren Blogbeiträge geschrieben, dass mir vielleicht nach dem Erreichen der 100er Marke die Ziele ausgehen würden – jetzt habe ich ein Neues: die nächste Hürde, die nächste Messlatte, die ich habe, ist das Erreichen der 304er Marke – 107 davon habe ich schon.

Für mich kommt dieser Brief natürlich genau zur richtigen Zeit, es sind 100 Geschenke auf einmal und das zur Weihnachtszeit.

Gott muss ein Läufer sein …

Ein 5.000 Meter Lauf mit reichlich Anlauf…

Ich neige dazu, Geschichten von hinten nach vorne zu erzählen, also mit dem Finish zu beginnen. Das stimmt. Und nicht immer ist das richtig, aber bei meinem Wochenendlauf ist das ein „MUSS“.

Wenn Du um 8.20 Uhr nach einer kühlen und nebligen langen Nacht im Ziel einläufst und Dir ein großes Bettlaken entgegen gehalten wird, auf dem steht: „TOM WINGO, YOU NEVER WALK ALONE!“ und Du in diesem Moment vor Glück zu zerspringen drohst, dankbar, aber auch ein wenig verschämt wegen dieses Empfangs bist, wenn Du Dich umsiehst und viele Menschen entdeckst, die alle es wert sind, Freunde genannt zu werden, dann weißt Du, dass es diese Situation zweifellos verdient hat, als erstes genannt zu werden.

Oft habe ich mich schon gefragt, ob es die einzig denkbare Art ist, Hunderte von Kilometern durch die Gegend zu fahren oder sogar zu fliegen, um dann 42 Kilometer und 195 Meter weit zu laufen. Und ich habe manchmal spöttisch festgestellt, dass die Rolltreppe, die zum Fitness-Studio im ersten Stock führt, eigentlich nicht notwendig wäre.
In einem Buch eines amerikanischen Autors über die Merkwürdigkeiten des amerikanischen Lebens habe ich von einer Frau gelesen, die die nur rund 400 Meter von zu Hause bis ins Fitness-Studio mit dem Auto zurücklegt, um dann dort im Studio aufs Laufband zu steigen und zu laufen. Als der Autor sie fragte, warum sie das Auto nehmen würde, da antwortete die agile Lady souverän: “Weil sonst der Kilometer, den ich laufen würde, umsonst wäre. Ich kann den ja dann nicht in mein Trainigs-Tagebuch eintragen!“ Stimmt doch, irgendwie.
Andererseits gibt es auch beeindruckende Beispiele wie der unbekannte Läufer beim „Mt. Everest Treppenmarathon“ in Radebeul, der mit dem Fahrrad zum Wettkampf gekommen ist, um dann, nach 24 Stunden Treppen auf- und ab gehen, damit auch wieder nach Hause zu radeln.
Oder „Trailschnittchen“ Julia Böttger. Sie wollte am UTMB in Chamonix teilnehmen und beschloss, die rund 814 Kilometer vom oberbayrischen Hinterriss ins französische Chamonix über die Alpen zu laufen und dabei rund 42.400 Höhenmeter zu bewältigen.


Es waren diese Beispiele, die mir durch den Kopf gegangen sind, als ich überlegt habe, was ich in Ratingen-Breitscheid denn laufe. Durch ein paar DNFs wäre Breitscheid mein „Marathon und länger“ (MuL) Nummer 99 gewesen, der Münster-Marathon meine Nummer 100, aber das motivierte mich nicht ausreichend. Der 24-h Lauf in Breitscheid ist eine Benefiz-Veranstaltung und da sieht man vieles eher locker. Nichts für Bestwerte, nichts für Bestzeiten. Aber eben etwas von Freunden für Freunde.

Mir kam dann ganz plötzlich die Idee, dort hin zu laufen. Bis Köln kenne ich die Strecke gut, in Köln denke ich an den KÖLNPFAD, wo ich mich an den Kölner Ford-Werken in der Nacht verlaufen habe, zwischen Köln und Ratingen aber gibt es nur die Autobahn für mich. Das sollte sich ändern, dachte ich und druckte mir den Reiseweg von map24.de aus. Die gewählte Option war „Fußgänger“ und ich kam auf erst auf rund 93 Kilometer (Ratingen) und dann auf rund 99 Kilometer (Breitscheid, Mintarder Weg). Perfekt, dachte ich.

Mit den Nachtläufen hatte ich ja so meine Probleme in der letzten Zeit. Beim Elbelauf von Dresden nach Hamburg war ich in der ersten Nacht indisponiert und in den nächsten Nächten „schwächelte“ Hauke König ein wenig, einmal wegen des Verlaufens im Stoppelfeld und einmal, weil es einfach nicht gepasst hatte.
Beim PTL war die erste Nacht ja nach dem Spätstart um 22 Uhr relativ kurz, das ist ja noch verhältnismäßig einfach, und in den beiden nächsten Nächten hatte ich ja 3 Stunden bzw. 2 ¼ Stunden geschlafen. Ich wollte aber mal wieder die Nacht durchlaufen.

Als ich die Idee bei FACEBOOK gepostet habe, ärgerte ich mich schon schnell darüber, weil es nicht unbemerkt blieb. Und wenn es bemerkt wird, dann entsteht ein gewisser Druck und das ist gut und schlecht zugleich. Gut, weil es mich zwingt, ein wenig das Weichei-Dasein zu verlassen und aus der Wohlfühlzone zu fliehen, schlecht, weil ich dann unter Zugzwang bin. Also laufen, schön parallel mit den Breitscheidern, Start war also am Freitag um 18.00 Uhr, pünktlich.

Mein GARMIN-Ührchen aber wollte 14 Minuten lang nicht mit mir spielen und weigerte sich, die Satelliten zu finden. Ich lief also vielleicht zweieinhalb Kilometer, bis GARMIN-Ührchen sich erbarmte und für mich da war.
Ich hatte mich seit langem wieder einmal für ein ERIMA Outfit entschieden, auch, weil ich in der kurzen X-BIONIC-Hose bei der TorTOUR de Ruhr und beim PTL das hübsche Spiel „TOM und der böse Wolf“ gespielt hatte. Das führte bei der TTdR230 dazu, dass zwei ältere Herren, mutmaßlich Menschen mit einem erhöhten Maß an Schamgefühl, mich verbal attackierten, weil ich die Hose dann so weit nach unten gezogen hatte, dass zwar die Schmerzen weg waren, dafür war aber der obere Teil meines Hinterns zu sehen. Um es kurz zu machen: die beiden Herren fanden das sehr anstößig.
Also ERIMA und einen kleinen Camelback mit 2 Litern Wasser, ein paar Riegel, wenige Salztabletten und etwas Magnesium. Und natürlich meine geliebte Petzl-Stirnlampe mit drei Ersatzbatterien, Größe AA, man weiß ja nie, wie lange die alten noch halten.
Aber leider ist meine Petzl seit dem PTL verschwunden. Trotz intensiver Suche ist sie nicht mehr aufzufinden und ich frage mich, ob ich sie im letzten Nachtlager habe liegen lassen. Ich erinnere mich nicht mehr, ich weiß nur noch, dass ich sie dort abgenommen und zu meinen Sachen gelegt hatte. Von da an war alles hell, nur in meinem Oberstübchen bleibt es diesbezüglich eher dunkel.
Also habe ich schnell umdisponiert und eine andere Stirnlampe eingepackt. Die Nacht wird ja lang und dunkel.

Meine Motivation war schon kurz hinter Wesseling am Boden und ich fragte mich, was mich wohl getrieben hat, eine so doofe Idee zu verfolgen. Menschen bewegen sich seit Jahrtausenden vernünftigerweise in Autos, warum tue ich das nicht? Dabei war die Strecke wirklich schön, immer den Rhein entlang, hübsche Häuser auf der linken Seite, ein ziemlich voller Rhein auf der rechten Seite. Für die, die mitdenken, sei gesagt: Ja, ich lief auf der „richtigen“ Rheinseite!
Bei Köln-Sürth und Köln-Rodenkirchen wurde es noch schlimmer, die Nacht brach herein, die Ersatz-Stirnlampe funzelte vor sich hin und die Muskeln schmerzten. Und ich fragte mich, wie ich jemals in meinem Leben wieder einen Marathon bestreiten könne, wenn ich jetzt hier, bei diesem niedrigen Lauftempo, schon Muskelprobleme hätte. Zudem schmerzte das linke Knie, leider laboriere ich schon ein paar Monate mit diesem Problem.
In Köln wurde ich dann von einem schnellen Läufer überholt, der aber ein paar Minuten später japsend und hechelnd am Wegesrand stand. Ich sprach mit ihm und nahm ihn mit. Es war ein nettes Gespräch mit einem, der auf seinen 2. Marathon hin trainiert und der – natürlich – den Köln-Marathon vor Augen hat.
Und wir liefen gemeinsam durch Köln-Mitte an den Kranhäusern vorbei, wir passierten das ehemalige Stollwerck Schokoladenmuseum, das jetzt aber das Lindt Schokoladenmuseum ist.
Nach dem Verlust der Köln-Arena geht mit dem Stollwerck Museum wieder ein Stück Heimat weg. Eine Schande ist das …


Und wir sahen die Absperrungen für den KÖLN 226 Triathlon am nächsten Tag und Dutzende von Motorhomes, in denen die Triathleten nächtigten. Ganz bestimmt wäre es schön gewesen, einfach zu bleiben und am nächsten Tag dort zuzuschauen.
Mich aber hat dieser gemeinsame Laufabschnitt wieder richtig motiviert. Wenn Du das Gefühl hast, etwas weitergeben zu können, jungen Läufern eine Ahnung geben zu können, was es heißt, etwas anderes zu laufen als flache Straßen, wie es schmeckt, gesunde Bergluft zu atmen, wie viel Spaß es macht, Kühe wegzuscheuchen und auf hohen Gipfeln zu schwitzen, dann fühlst Du Dich schnell wieder besser.


Als ich wieder alleine war, beschloss ich, an der Mülheimer Brücke auf die „schäl Sick“ zu wechseln, um den Wegen bei den Ford-Werken zu entgehen. Es war ein Fehler, obwohl ich bis kurz vor Leverkusen dort fantastische neue Luxuswohnungen gesehen habe und edle gediegene Alt-Villen.
Ich sah immer seltener das Fahrradweg-Zeichen und landete in einem Teil, das eigentlich für „nicht Befugte“ verboten war. Irgendetwas von Wasserbehörde stand da, aber ich hatte einfach keine Lust, zurück zu gehen und den richtigen Weg zu suchen. Am Ende traf ich dann doch noch auf den normalen Weg, aber ich hatte viel Zeit verloren.

Kurz bevor ich auf dem Damm wieder den richtigen Radweg betreten konnte, wurde es gefährlich. Da stand ein Schild, das darauf hinwies, dass es keinen Winterdienst gäbe und dass das Begehen des Dammes auf eigene Verantwortung stattfinden würde. Auf eigene Verantwortung? Das hatte ich ja noch nie gemacht. Immer ist doch irgendjemand für mich verantwortlich. Aber das war es nicht, was mich störte. Mir fiel auf, dass gerade eben meine Ersatz-Stirnlampe ausgegangen war.
Aber ich hatte Glück, es war eine Bank genau zur rechten Zeit da, ich hatte die Ersatzbatterien –  was willst Du mehr, TOM?

Leider hatte ich erst die Ersatzbatterien eingepackt und wollte dann die Petzl-Stirnlampe dazu packen. Als ich die nicht finden konnte und umdisponierte, dachte ich aber nicht mehr an die Ersatzbatterien. Und die Batterien der Ersatz-Stirnlampe waren kleiner, Größe AAA. Du kannst machen, was Du willst, Du bekommst die großen AA Batterien da einfach nicht rein.
Ich habe dann den Strahler ausgeschaltet und eine kleine LED eingeschaltet, weil die nur wenig Strom braucht. Dafür war noch ein wenig Reserve da, aber die Nacht wurde fortan deutlich dunkler und ich durfte mir den Satz ins Stammbuch schreiben, dass Ersatzbatterien alleine nicht glücklich machen, es sollten schon die richtigen sein!

Und so ging es weiter, bis ich den Rhein auf der linken Seite hatte und den langen Zaun der BAYER-Werke auf der rechten Seite, ganz lang weiter.
Dann aber endete der immer schlechter werdende Weg im Rhein, einfach so.

Ich hätte nie gedacht, dass das BAYER-Gelände doch so groß ist! Wenn Du fast das ganze Gelände zurück laufen musst, dann das Gelände in der Breite abläufst und dann irgendwann das Gelände auf der anderen Seite erneut abtrabst, dann weißt Du, dass dort sehr viele Menschen arbeiten müssen.
Meine Probleme waren dann aber noch nicht vorbei. Die Beschilderung war miserabel, oft hattest Du an einer Kreuzung zwei Fahrradweg-Zeichen, eines nach rechts, eines geradeaus. Dann denkst Du Dir, dass Du durchaus siehst, dass das Fahrradwege sind, aber wohin führen die?
Und wenn dann mal eine Beschilderung nach Ortschaften vorhanden war, dann steht da nicht „Langenfeld“ oder „Hilden“, sondern „Leverkusen-Hitdorf“, „Leverkusen-Opladen“ und andere Teilorte Leverkusens, von denen ich noch nie etwas gehört hatte.
Wie genau war denn noch einmal die Aufreihung der Teilorte Leverkusens gewesen?

Ich lief wohl kreuz und quer in dieser Zeit und deshalb beschloss ich, dem Rhein „Lebewohl“ zu sagen und dem ausgedruckten Plan zu folgen, den ich dabei hatte. Aber ich war ganz woanders und musste erst einmal einen Punkt finden, der auf der Liste verzeichnet war. Zwei „Red Bull“ Dosen halfen mir durch die erste Hälfte der Nacht, zudem leerte ich eine große Flasche Apfelschorle. Der Kioskbesitzer, ein Perser, war nett und füllte sogar meinen Camelback mit frischem Wasser. Später dann half mir ein ganzer Liter „Take Off“, auch so ein Energy-Drink, durch die zweite Nachthälfte.

Wenn Du um 2.00 Uhr, 3.00 Uhr oder 4.00 Uhr auf der Straße jemanden etwas fragst, dann realisierst Du, dass zu dieser Zeit jeder betrunken ist. Bei unseren Nachtläufen fällt das kaum auf, weil die Menschen um Dich herum auch Läufer sind, die Wege markiert sind und die Zaungäste nur klatschen. Reden tust Du mit denen ja nie. Aber hier war das vollkommen anders. Ich musste wissen, wie ich nach Langenfeld komme, nach Hilden, nach Ratingen und nach Breitscheid.
Wenn die Gefragten noch lallen konnten, dann war ich einigermaßen zufrieden, die Antworten aber waren meist sehr dürftig. Und während ein Russe mich in Russisch zutextete und seine Freundin halb verständlich versuchte, das alles zu übersetzen, was ihr aber nicht gelang, war eine Gruppe von vielleicht 8 oder 10 jungen Leuten in Langenfeld, die auf einer Empore saßen, schon kreativer. Der erste hielt mir eine Whiskey-Flasche vor die Nase und fragte mich, ob ich etwas Whiskey haben wolle, der zweite empfahl mir „Berentzen musst Du trinken!“ und ich weiß nicht, welche Angebote ich noch bekommen hätte, wenn ich das alles nicht unterbrochen hätte.
Manche bezeichneten mich als Alien, wahrscheinlich wegen der Stirnlampe, andere als Schneemann und einer fragte mich verwundert, ob ich den Lauf „als Sport“ machen würde. Ich denke, er war in Sorge, ich könnte antworten, dass ich mir das Busticket durch die Nacht nicht leisten könne.

Dem Gefragten in Ratingen war meine Frage, wie ich von Ratingen denn nach Ratingen-Breitscheid kommen würde, einfach noch zu früh am Morgen und die Frau, die ich danach ansprach, sagte, dass „da vorne links“ der Busbahnhof sei und dort solle ich den Bus nehmen.
Dort, es war dann der Ostbahnhof, habe ich einen Taxifahrer nach dem Weg gefragt, den er mir zuerst gar nicht und dann falsch erklärte. Zudem bemerkte er: „Das ist aber weit! Mindestens 10 Kilometer!“ Aber ich wollte nun wirklich nicht Taxi fahren und obwohl er mir zwei Kreuzungen weit folgte, verirrte ich mich nicht in sein Taxi. Irgendwann gab er entnervt auf und ließ mich weiter ziehen, zum Glück gab es dann irgendwann einen detaillieren Stadtplan von Ratingen, an den ich mich halten konnte.

Gerade war ich auf der Mülheimer Straße aus Ratingen heraus gelaufen, rief mich Susanne Alexi an, um nachzufragen, wo ich denn bliebe. Ich hatte ja gesagt, dass ich um 8 Uhr beim gemeinsamen Frühstück vor Ort sein wolle. Sie gab mich dann weiter an Stefan, der mir den weiteren Weg erklärte. Also erst nach Breitscheid herein bis zum Kreisverkehr mit den beiden Tankstellen und dann noch einen Kilometer bis zu einer skurrilen modernen Kirche, die als rote Pyramide ausgebildet war. Dort hat Stefan mich abgeholt und ist als Radbegleitung mit mir den letzten Kilometer durch das Wohngebiet geradelt.

Dort, auf dem Sportplatz von Breitscheid, gab es dann den „TOM WINGO, YOU NEVER WALK ALONE!“ Empfang, Frühstück, nette Gespräche und ein Nickerchen für mich. Lust auf einen Marathon, Lust auf meine „Nummer 99“, hatte ich aber nicht mehr.

Als die Sonne dann wärmte, lief ich mit Susanne Alexi und Joachim Siller eine 5.000 Meter „Ehrenrunde“, eine Runde, für die ich wirklich reichlich Anlauf genommen hatte.

Und da waren noch die Gespräche mit Sigi Bullig, der mich nicht nur mit einem Altbier verwöhnte, sondern mir auch einen Schlafsack um die Schultern legte, weil er sah, wie sehr ich fror und die mit Bernd Nuss, mit dem ich über seinen Geburtstagslauf „Rund um den Seilersee“ geredet habe, über den heftigen Regen in der damaligen Nacht, über Jeffrey Norris, den ich dort zum ersten Mal gesehen habe und über Gott und die Welt, eben über all das, was uns Läufer vereint.

Und wieder wurde mir klar, dass wir Ultra-Läufer nie alleine sind und nie alleine laufen: „TOM WINGO, YOU NEVER WALK ALONE!“

Danke, lieber Bernd Krayer, liebe Susanne Alexi, liebe Breitscheider Freunde, für diese Nacht, für diesen Tag.