Was hättest Du getan … ?

Es war Samstagmorgen, ich arbeitete in Bayern und hatte immer wieder etwas Luft für Facebook, als ich einen Post einer Facebook-Userin, die bis dahin leider noch auf meiner Facebook-Kontaktliste stand, las.
A* K* zeigte darin einen so unverhohlenen Rassismus, dass ich, obwohl wir alle in der letzten Zeit ja gewohnt waren, einiges Schlimmes zu lesen und zu hören, tatsächlich geschockt war. Weiterlesen

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In Kalterherberg wurde es mir warm ums Herz …

Monschau1„Eigentlich hätte Jürgen Sinthofen diesen Bericht schreiben müssen“ schrieb ich im Vorjahr in meinem Bericht über den Monschau-Marathon („New York, Monschau, Tokyo„). Jürgen ist ein „Sammler“ von Hauptstadt-Marathons auf dieser Welt. Und weil Monschau ja die heimliche Hauptstadt der Eifel ist, dachte ich, dass das ein Lauf für ihn sein müsse.

2015 war es dann so weit. Jürgen trat die weite Fahrt nach Konzen bei Monschau an, um diese 42,2 Kilometer unter die Füße zu nehmen.
Heraus kam ein netter und detailreicher Bericht, den zu lesen ich Dir gerne ans Herz lege.
Nur wiederholen will ich nicht, was da schon geschrieben steht.

Muss ich ja auch nicht. Der Monschau-Marathon hatte für mich heuer sowieso eine ganz andere, eine eigene, eine fast heilige Bedeutung.
Nachdem es mir in der Türkei nicht vergönnt war, meinen 200. „Marathon und länger“ (MuL) zu laufen, mir der Mauerweglauf in Berlin zeitlich zu weit weg war und weil ich mich auch richtig frisch und fit fühlte und das gerne überprüfen wollte, dachte ich: „Monschau – this is the place!“
Welcher Lauf wäre denn besser für solch eine „200“ besser geeignet?Monschau2Monschau-Marathon, das ist Heimat.
Nur rund 80 Kilometerchen von meinem Wohnort in der Grafschaft entfernt ist es einer der ganz besonders nahe gelegenen Marathons. Und Monschau und das Umland sind sehr ähnlich wie Ahrweiler und sein Umland. Ein Blick und Du scheinst alles und alle dort zu kennen.

Monschau-Marathon, das sind Freunde.
Obwohl ich dort erst zum zweiten Mal gelaufen bin, kenne ich viele der handelnden Personen. Ich kenne die Stellen, an denen die VPs stehen, ich kenne viele Menschen, die an den HotSpots die Strecke säumen, um uns zuzujubeln und viele der Helferinnen und Helfer, die Dir Wasser, Iso, Tee, Cola, den berühmten Löffel Honig, Riegel, Bananen, Orangen reichen oder eben Schwämme, die Du zur Abkühlung gerne nimmst.

Monschau-Marathon, das ist Familie.
Allein aus meinem, aus Deinem, aus unserem engsten läuferischen Umfeld, standen so viele Namen lieber und liebster LäuferInnen aus der Familie auf der Startliste, dass das Lesen derselben allein schon ein Genuss war. Meine Lauftruppe des TV Altendorf-Ersdorf war mit einer Zweierstaffel vertreten, „statt Köln“ (Margit und Andreas) und beim Marathon lief Frank, mit dem ich die erste Hälfte der Strecke genießen durfte.
Joe Kelbel war auf der Ultrastrecke, ebenso Christian Pflügler, Holger Boller, Thomas Hildebrand-Effelberg, Helmut Hardy, Hans Würl und Lars Schläger, um nur einige der drei Handvoll enger Freunde zu nennen. Betty Mecking, Nile Niederreuther und Jörg Segger als KÖLNPFAD-Läufer waren ebenfalls auf der Ultrastrecke unterwegs.

Und von den 433 Finishern des Marathon will ich erst gar keine Namen heraus picken, es sind einfach zu viele.
Einen aber, der für mich mindestens auch „Familie“ ist und den ich viel zu selten sehe, will ich aber doch erwähnen:
R(ud)olf Mahlburg gab sich die Ehre, als Walker nur, da er zurzeit besser Trecker fährt als läuft, wie er selbst sagt. Meine Ultralauf-„Karriere“ ist eng mit seinem Namen und seinen Veranstaltungen von Laufendhelfen.de verbunden. Mindestens ein gutes Dutzend meiner 200 MuL habe ich bei ihm und mit ihm hinter mich gebracht.Monschau3Und weil es ja dieses Jubiläum war hatte ich tatsächlich gar keine Ziele. Ob ich wieder die 4:18:30 Stunden aus dem Vorjahr erreichen würde, ob es 4:30:00 Stunden oder auch 5:00:00 Stunden würden, es war mir vollkommen egal. Ich war entspannt und glücklich. Für die meisten, die ich überholen durfte, zumeist Ultras, hatte ich die Zeit, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln, ein Drücker hier, ein Küsschen da, ein paar Worte über dies und das und ein paar Hundert Meter mit R(ud)olf – es war herrlich, wunderbar.
So entspannt war ich noch nie, so ziellos, so wenig ergebnisorientiert, war ich noch nie.

Nach der halben Strecke ließ ich Frank stehen, um die zweite Hälfte etwas schneller zu laufen. 2:11:00 Stunden für die erste Hälfte war ja angesichts der Steigungen gar nicht so schlecht, aber da ging noch was, dachte ich. Und eine durchschnittliche Pace von 6:20 Minuten pro Kilometer ist ja auch nicht zu verachten. Zu schnell für Berlin ist sie auf jeden Fall.
Aber wenn man es dann mal lauen lässt, dann sinkt die kumulierte Zeit kontinuierlich und irgendwann war sie dann unter 6:10 Minuten pro Kilometer.
Das war dann in Kalterherberg, am höchsten Punkt der Strecke, dort, wo so viele Menschen unserem bunten Treiben beiwohnten.
Das war der Moment, in den ich beschloss, nun doch auf Zeit zu laufen.
Eine „unter 6“ musste her bei meinem 200. MuL, so der Vorsatz. Und die Menschen an der Strecke klatschten, dass mir warm ums Herz wurde.
Ganz besonders feuerte mich immer wieder eine Lady an, der mein KÖLNPFAD Shirt so gut gefiel. Ich bin zwar sicher, dass sie nicht wirklich wusste, was der KÖLNPFAD ist und wie lange man dafür laufen muss, aber sie las nur „KÖLLE“ und rief jedes Mal „Kölle Alaaf!“ und reckte einen Daumen nach oben.

Das mit der weiteren Beschleunigung funktionierte gut, trotz einiger Steigungen, die mich immer wieder zurück warfen, ich lief auf der Ebene nun meist eine Pace von 5:20 Minuten pro Kilometer, runter bis zu einer kumulierten Zeit von 5:58 Minuten pro Kilometer, mit der ich dann ins Ziel einlief. Nach 4 Stunden, 12 Minuten und 5 Sekunden.

Es flossen keine Tränen bei mir, aber ich war weiterhin entspannt und ich genoss den Moment und die schöne Zeit danach.
Ich traf noch Holger, Lars, Jürgen, Thomas und auch noch Andere, es gab ein Drücker hier, eine Gratulation da.
Was es aber nicht gab, war eine Rose.
Die gab es nämlich nur für die Damen, nicht für die, die ihren 200. MuL gefinished haben.

Und wenn ich nach 2016 schaue und alles einigermaßen nach Plan läuft, dann werde ich dort in Konzen bei Monschau am 14. August 2016 meinen vielleicht 222. MuL finishen.
Denn Monschau-Marathon, das ist Kult.

Sag ganz leise Servus!

Heute sind wir zum Start des CCC gefahren und ich war wild entschlossen, dort viel Spaß zu haben. Aber über den Start des CCC in Courmayeur zu schreiben, geht nicht, ohne auch den TdG zu erwähnen.
11 Kilometer lang ist der Tunnel durch den Mont Blanc, 11 Kilometer, deren Langweiligkeit die Eindrücke, die danach kamen, noch verstärkten. Als uns dann nach 10 immer gleichen Kilometern der Berg wieder ausgespuckt hat, war sofort alles wieder präsent.
Wir waren in Italien, wir waren im Aostatal. Die Berge standen wuchtig und majestätisch rechts und links und die Stadt Courmayeur liegt darin an einer besonders engen Stelle.
Ein wenig rechts den Berg hoch liegt das „Refugio Monte Bianco“, wo Eric Tuerlings, Uwe Herrmann, Thomas Ehmke und ich einige Nächte verbrachten.
Ich sah uns vier dort wieder die schmale alte Straße hinauf fahren und die Stockbetten, in denen wir, Uwe über Thomas und ich über Eric, schliefen tauchten in meinen Erinnerungen auf.

Und ich erinnerte mich an die Flüsse von Tränen, die bei mir geflossen sind, weil ich dort für den TdG nicht genug war.
Auf dem Weg zum Start des CCC passierten wir Kreuzungen, die mir bekannt waren. An der einen sind wir immer zum Supermarkt eingebogen, an der anderen sind wir immer rechts abgebogen. Wir passierten die Restaurants, in denen wir vor dem damaligem Event Pizza oder Nudeln, in einem Fall sogar beides hintereinander, aßen. Carboloading vom Feinsten.
Toll war das und Eric, Uwe und Thomas werden bei mir ein Leben lang mit diesem Event positiv verbunden bleiben. Wenn nur das Ende nicht so dramatisch gewesen wäre, das Ende, das noch immer an meinem Selbstbewusstsein nagt.
So eine Aufgabe tut doch mehr weh, als man denkt.
Der Start des CCC war nicht weit vom Start des TdG entfernt. Er war an der Straßenkurve direkt vor der Fußgängerzone, wo 2011 noch das THE NORTH FACE ULTRA TRAIL DU MONT BLANC Banner hing, das wir euphorisch vor dem TdG fotografierten.
Noch waren 90 Minuten abzuwarten, aber der Platz füllte sich ständig. Auffällig war, dass es wenig Deutsche waren, die dort starteten und die wenigen, die ich entdecken konnte, kannte ich nicht.
Erst als der ewig lächelnde Joe Kelbel kam, erinnerte ich mich wieder daran, dass das ja eigentlich eine Familienveranstaltung war.
Wir drückten uns und redeten über gemeinsame Freunde und über das jeweilige Laufprogramm der nächsten 12 Monate. Joe wird noch ein paar Sätze über den CCC auf Klaus Duwe’s Marathon4you.de verlieren. Ganz sicher steht Joe dabei für einen witzigen und eindrucksvollen Bericht, auf den ich mich jetzt schon freue.

Ansonsten war es ein verregneter Vormittag und den Läufern wurde in drei Sprachen eingeschärft, auf den Gipfeln nicht stehen zu bleiben. Es ist eben viel zu kalt dafür. Zum Glück gibt es bei dieser Wetterlage sowieso nicht viel zu sehen, andernfalls hätte dieser Wunsch der Organisatoren manchem Läufer sehr weh getan. Wie oft steht man schon als „Flachland-Indianer“ auf einem Pass oder einem Berg und kann voller Stolz weit und tief blicken?

Und dann ging es endlich los. Noch nie habe ich so einen Start von vorne gesehen. Irgendwie war ich sonst immer dabei im Läuferkreis – oder eben ganz weg. Ein wirklich imposantes Erlebnis. In drei Wellen , immer im 10-Minuten Rhythmus gestartet, waren die vielen an mir vorbei gezogen.
Und mir blieb nur der Gedanke an diesen Satz: „Sag ganz leise Servus!“

Joe und all ihr anderen. Bleibt gesund und achtet auf jeden Schritt.
Wir brauchen Euch noch!

Mein 2010 – ein persönlicher Jahresrückblick …

Steffen Kohler und viele andere sind schneller als ich, Yogi Schranz und viele andere haben gewaltigere Dinge hinter sich als ich, Gerhard Börner und viele andere haben mehr Bergerfahrung als ich, Norman Bücher und viele andere haben spektakulärere Events hinter sich als ich, Jack B. Liver und viele andere haben längere Strecken nonstop gelaufen als ich und Joe Kelbel und viele andere haben mehr „Marathons und länger“ gelaufen wie ich.

Ich weiß, dass ganz viele unserer gemeinsamen und meiner lieben Lauffreunde höher kamen, weiter und schneller liefen, erfolgreicher waren, spektakulärere Event bestritten haben und insgesamt in 2010 besser waren als ich – und doch finde ich, das das Jahr 2010 mein Laufjahr war.


In den Jahren 2008, 2009 und 2010 wuchs ich vom „Marathoni“ zu einem, der Strecken läuft, die ich mir selbst vor einigen Jahren noch nicht zugetraut hätte.
Begonnen hat alles mit der Vorbereitung des TransAlpineRuns 2008, wo ich zwangsweise längere Strecken testen musste. Und durch den TransAlpineRun 2008 erhielt ich 3 UTMB Punkte, von denen ich bis dahin nicht einmal wusste, dass es sie gab und was sie bedeuten.
Erst Bernie Conradt’s  Hinweis, dass ich nun auch den UTMB probieren sollte, führte 2009 zu den langen Strecken um die 100 Meilen, aber erst 2010 kamen Herausforderungen, die ich jetzt, am Ende dieses Jahres, kaum noch zusammen bekomme.

War Jens Vieler’s TorTOUR de Ruhr mit ihren 230 Kilometern wirklich erst dieses Jahr im Mai? Und die sieben Wüstentage des Marathon des Sables – waren die auch in diesem Jahr? Ich war in Nizza beim Canyon du Verdon, in Chamonix beim PTL und in Verbier beim Verbier St. Bernard, ich war auf dem Kilimanjaro-Gipfel und dem Kilimanjaro-Krater, in Rom und Davos, gleich drei Mal in Dresden und in Brugg/CH – ein wirklich unglaubliches Jahr.

Eine besondere Freude war dabei, dass ich Menschen kennen gelernt habe, die ich vorher nur im weltweiten Netz erleben konnte. In Brugg war das Guido Huwiler, in Troisdorf waren es mit MissMonster und Melanie und Steffen Kohler gleich drei „virtuelle“ Menschen, die zu „realen“ Menschen wurden. Den Abschluss machte dann Anne aus Offenburg, die beim Eisweinlauf ein reales Gesicht für mich bekam.

Ich lief mit Hauke König und Susanne Alexi auf dem Elberadweg, mit Martin Raulf auf dem Ruhrradweg, mit Jeffrey Norris und Joey Kelly in Löningen, ich lief mit Steffen Kohler in Bad Berleburg und mit Achim Knacksterdt auf dem Rheinsteig.

Aber nicht alles in 2010 war läuferisch zufrieden stellend. 2010 ist für mich leider auch das Jahr von vier DNF’s. Beim Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon, beim Canyon du Verdon, beim Verbier St. Bernard und beim PTL erreichte ich das Ziel, mein Ziel, nicht. Waren es beim Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon noch die entzündeten Fersen, beim Canyon du Verdon die Sorge um meine Frau Gabi, so war es beim Verbier St. Bernard oben am Großen St. Bernard der unglaubliche Regen, aber spätestens beim PTL aber musste ich begreifen, dass nicht jedes Ziel, dass ich erreichen will, für mich auch wirklich erreichbar ist. Die Fähigkeit jedes Körpers ist begrenzt, meine Grenzen habe ich dieses Jahr in Chamonix kennen gelernt.
Ob hier mehr Training für bessere Resultate sorgt?
Das wünsche ich mir für 2011.
Bessere Resultate wünsche ich mir aber auch für die Politik. Hier war 2010 wieder ein Jahr, in dem die politische Führung deutlich gemacht hat, dass sie einerseits mit den Realitäten überfordert ist, andererseits von den führenden wirtschaftlichen Eliten an der Nase herum und vor uns als Publikum vorgeführt wurde.
Kritik daran wird allerdings nicht erst seit Zensursula Stück für Stück erschwert. George Orwell hätte seine Freude daran, sein Bestseller „1984“ hatte offensichtlich nur den falschen Titel, „2024“ wäre wohl richtig gewesen. Verlassen können wir uns aber darauf, dass „Big Brother“ Stück für Stück Realität wird.

Und während sich die Welt streitet, ob die Thesen von Thilo „Wunderlich“ mit dem scharfen Sarrazinen-Schwert richtig sind, ob es ein Skandal ist, dass ein junger Unteroffizier 250.000 vertrauliche, geheime und streng geheime Dokumente irgendwo auf der Welt einfach auf einen USB Stick laden kann oder ob es der Skandal ist, dass jemand diese geheimen Informationen öffentlich macht, laufen wir alle weiter und hoffen, am Ende des Weges auf eine Welt zu treffen, die besser ist als die, in der wir losgelaufen sind.

Eine Welt, in der die Menschen gebildeter sind, nachhaltiger wirtschaften, gesünder leben und sich nicht so schrecklich abhängig machen von dem, was der „income shortener“ (Joseph Mc´Clendon III. bei Tony Robbins „UPW“ über den Fernsehapparat) ihnen täglich als Wahrheit vorlügt.

Aber weil das alles wohl noch sehr lange dauert, laufe ich wohl auch noch viele Jahre nach dem Jahr 2011. In diesem kommenden Jahr jedoch teste mich bei richtig „langen Kanten“ wie dem „TRA Thames Ring Race“, schwierigen und langen Bergläufen oder einfach bei eiskalten Spaßläufen wie dem „Tough Guy“ in Wolverhampton.

Und irgendwann wird dann die Welt besser sein.