Es ist nicht immer leicht, ich zu sein …

Du sollts Dich immer da abholen, wo Du bist. Und wenn Du nicht da bist, wo Du Dich hinwünschst und nicht da, wo Du mal gewesen bist, dann gilt das immer noch: Du sollst Dich da abholen, wo Du bist.

Selten wurde mir so deutlich vor Augen geführt, dass regelmäßiges Training einen Sinn hat, dass lange Läufe schwer werden, wenn Du nicht regelmäßig läufst. Sechs Wochen lang bin ich also nicht gelaufen. Zuerst war da der Wunsch nach etwas Regeneration nach den drei Läufen Ende September / Anfang Oktober, gepaart mit chronischer Unlust, vermeintlich zu viel Arbeit und dem latenten Wunsch, ein paar Tage lang die Kartoffel auf dem Sofa spielen zu dürfen.


In Afrika aber sollte alles wieder anders werden.
Aber außer den guten Vorsätzen und einer mit Laufklamotten randvoll gepackten Tasche war das nicht möglich. Auch bei meinem letzten Kilimanjaro-Trip blieb es bei einem einzigen Trainingslauf, dieses Mal fiel sogar der aus. Und dann, wieder in Deutschland, war der Schreibtisch voll, die chronische Unlust wieder da und dann blockierte mein ISG, mein Iso-Sakral-Gelenk. Also wieder nichts mit dem Laufen. Das schlechte Gewissen aber nahm ständig zu, ganz im Gegensatz zum Fitnesszustand.

Und in diesem Zustand zum KiLL50? 50 Meilen durch die kalte und nasse Hildesheimer Nacht, mit Gepäck auf dem Rücken? Was ist, wenn ich nach 20, 40 oder 60 Kilometern nicht mehr kann? Dann stehe ich im Niemandsland mitten in der dunklen Nacht, frierend und alleine und muss schauen, wie ich wieder zum Start/Ziel komme. Mir war klar: das geht einfach nicht, noch nicht an diesem Wochenende.

Als Alternative habe ich mir den 6-Stunden-Lauf in Troisdorf ausgesucht. Dieser Lauf war 2005 mein allererster Ultra, der kein Gruppenlauf war. Es war damals der längste vorstellbare Lauf der Welt: 6 Stunden!
Aber die Troisdorfer M.U.T.-ler um den großartigen Michael Irrgang herum belehrten mich damals schnell eines Besseren. Als ich, ganz sicher, die längste denkbare Strecke zu laufen, mal wieder durch das schöne Aggertal-Stadion lief, stellte der Mann am Mikrophon den Zuschauern einen der anderen Läufer als den Deutschen Meister im 24-Stunden-Lauf vor, just erreicht mit weit über 240 Kilometern in Basel.
Ich muss gestehen: ich war damals schockiert und fasziniert zugleich. Ist es tatsächlich möglich, so lange zu laufen?

Mein „längster denkbarer Lauf“ von 2005 war also am vergangenen Wochenende die kürzere Variante, die Alternative zu den 50 Meilen des KiLL50. Irgendwie ist das schon lustig, oder?

Schon am Freitag habe ich den Veranstalter des KiLL50, meinen lieben Freund Michael Neumann, angeschrieben und um Vergebung gebeten und um Verständnis, dass ich, trotz permanenter anderer Zusagen nun doch nicht nach Hildesheim kommen würde. Leid tat es mir nicht nur um ihn, sondern auch um seine bezaubernde Freundin Su, deren Kochkünste ich gerne einmal kennengelernt hätte.
Leid tat es mir aber auch um die Lauffreunde, deren Namen auf der Startliste des KiLL50 standen. Jeder einzelne dieser Namen steht für eine kleine Geschichte und ein kleines Stück meines Lebens. Andreas, Jochen, Michael, Joachim, Torsten, Robert, Thomas und all ihr anderen, Euch sei gesagt, dass ich wirklich gerne dabei gewesen wäre.
Nie werde ich die schöne Nacht im Vorjahr vergessen, wo ich an der Seite von Martin Raulf auf die Wildsauen dieser Gegend Acht geben musste.

Der Samstag begann schon mit einer kleinen Merkwürdigkeit. Beim Anziehen der X-SOCKS Kompressionsstrümpfe habe ich mich gefragt, ob die ausgeleiert seien. Sie gingen so einfach anzuziehen, das war schon merkwürdig. Dass Muskelabbau so schnell gehen kann …

Und trotzdem freute ich mich wie ein kleines Kind auf diesen Lauf. Nicht wegen des zu erwartenden Regens, der noch viel heftiger ausfiel wie ich es befürchtet hatte, …


… sondern, weil ich das erste Mal bewusst die Runningfreaks Melanie und Steffen treffen würde. Und auch mein Freund Helmut Hardy hatte ich auf der Anmeldeliste entdeckt.
Ich war früh dran in Troisdorf, auch deshalb, weil ich ja noch nachmelden musste und ich traf Melanie und Steffen dann draußen auf dem Weg zum Auto, wo ich noch ein paar Sachen verstauen wollte. Ein wenig Sorge hatte ich schon, ob ich die beiden im RL auch wirklich gleich erkennen würde. Fotos, vor allem Avatare, haben nicht immer viel mit dem Aussehen im „real life“ zu tun, aber ich irrte hier gewaltig. Ein Blick und gleich war klar, wer die Freaks sind.

Aber der CDU-Mann Axel E. Fischer, der uns alle zu kleinen Witzchen herausgefordert hat, hat vielleicht doch Recht. Klarnamen haben Vorteile, eindeutig. Als es plötzlich hieß: „Hi, ich bin die Eva!“ war ich schon erstaunt. Miss Monster hatte ich mir anders vorgestellt. Der Avatar erinnerte mich stets an Frankenstein, in Wahrheit war Eva bezaubernd und räumte mit all meinen Vorurteilen, die ich bislang Monstern gegenüber hatte, auf.
Dabei war es nur der Fehler der Visagistin, die vor dem Foto-Shooting dafür gesorgt hat, dass das Avatarfoto so wenig mit der Realität zu tun hatte. Was doch so eine Visagistin alles verändern kann …

Ich war froh, mit Miss Monster laufen zu dürfen. Unser gemeinsamer Plan, zwei, drei gemeinsame Stunden mit einer knapp über 6:00 er Zeit zu laufen, um dann von meiner Frau Gabi abgelöst zu werden, misslang. Gabi war es zu nass, zu kühl, einfach viel zu eklig.
Also war ich nach gut zwei Stunden allein mit mir, aber nach dreieinhalb oder vier Stunden begleiteten mich Schmerzen in den Oberschenkeln. Ich war so schlapp, so schwach, so untertrainiert …

Aber ich träumte ein wenig. Immer wenn Daniel Schwitter mich überrundete dachte ich, dass ich gerne schneller wäre, fitter, dass ich gerne nicht meine Probleme mit dem Rücken hätte, nicht die mit den beiden rechten Zehen am rechten Fuß und dass ich eigentlich überhaupt gerne ein wenig anders wäre. Es ist eben nicht immer leicht, ich zu sein …

Ich lief wohl zum siebzehnten Mal den aus einer einzigen Schlammpfütze bestehenden Damm hinter dem Stadion entlang, als die Veranstalter das Lied spielten, dessen Text mir gerade durch den Kopf ging. Die Wise Guys sangen: “ Es ist nicht immer leicht …“
Mein Gesicht war schon vom Regen und dem Schweiss klitschnass, das war gut, denn niemand sah, dass da nun auch noch ein paar Tränchen kamen.

(Klicken zum Vergrößern ... )

Am Ende war ich froh, nach dem Punkt 42.195 Meter noch die Runde zu beenden und dann auszusteigen. Mein „Marathon und länger Nummer 103“ war erledigt, ich habe nette Menschen kennen gelernt und viel über mich nachdenken können.
Und ich habe eine Entscheidung getroffen: ab sofort wird wieder täglich gelaufen, die Wochenkilometer müssen wieder rauf.

Gestern habe ich damit angefangen. Die Lauffreunde vom TV Altendorf-Ersdorf haben mich auch gleich wieder erkannt, vielleicht nur am Nummernschild des Autos, vielleicht aber auch, weil sie mich wirklich vermisst haben.

MissMonster hat einen kleinen Film mit mir gedreht und Steffen hat auch etwas über unser Treffen geschrieben, alles ist gut.

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Und erstens kommt es anders … und zweitens als man denkt!

Für den Braveheart Battle hatte ich in Münnerstadt ein Quartier gesucht und habe deshalb bei Google „Münnerfeld“ und „Übernachtung“ eingegeben. Ich bekam eine Liste von 5 Hotels, wobei ich eines davon anrief und sofort gebucht habe, weil der Preis stimmte. Als ich am Freitag Abend dort ankam und auf mein Zimmer geführt wurde, ging gerade die Türe zum Nachbarzimmer auf. Die Gäste neben mir waren auch Braveheart Battle – Reisende.

Die junge Dame, die aus dem Zimmer schaute, kam mir ein wenig bekannt vor, ihr Partner aber noch viel mehr. Es waren Michael Neumann und seine Freundin Susanne Holz, die zufällig im gleichen Café Hotel eingebucht waren wie ich.

Michael Neumann und Susanne organisieren Läufe wie den KiLL50, den HiLL50, den STUNT100 und in 2010 noch drei 100-Meiler wie den ESELSTREIBER oder den RUN2KILL, die Bestandteile des „German Sixpack“ sind, was aber nichts mit der gleichnamigen Portion Dosenbier zu tun hat. So kam ich zu einem netten Abendessen mit den beiden beim Münnerstädter Griechen „Taverne Dionnyos“. Und wieder habe ich begriffen, wie klein unsere Welt der Ultra-Läufer ist.

Michael Neumann im säuischen "Kampfdress". Er ist irgend etwas zwischen "Schweinchen Babe" und einem Ursaurier ...

Nach einer großen Flasche griechischen Wassers und einer riesigen Portion Bauernsalat für wirklich kleines Geld sind wir dann noch zusammen auf die Abendparty im Braveheart Battle – Zelt gegangen. Wir erlebten gleich das erste Hindernis des Braveheart Battle schon vor dem eigentlichen Lauf: die Bürgersteige waren hochgeklappt und genauso verhielt es sich mit der groß angekündigten Abendparty im Zelt. Zum Glück waren einige Vertreter der CABANAUTEN anwesend, die wenigstens ein wenig Stimmung verbreiteten. Ohne diese lustige Gruppe wäre das Zelt wohl leer gewesen. Ein Grund für mich, den Heimweg ins Hotel anzutreten.

Nach einem gemeinsamen Frühstück mit Susanne und Michael, bei dem wir uns über die halbe Ultra-Läuferwelt unterhalten haben, bin ich ins Startzelt gegangen, um meine Startunterlagen abzuholen. Völlig ungewohnt war, dass in dem großen Umschlag außer der Startnummer nur noch vier Büroklammern drinnen waren, keine Werbung, keine Pröbchen und auch keines der gefürchteten Gewinnspielchen. Und dann wurde die Zeit lange und ich war froh, dass die CABANAUTEN sich mit Sunblocker und Farbpigmenten eingerieben hatten, so war wenigstens etwas los im Zelt. Michael erstrahlte am Ende in einem neonrosa, das ihn zart und niedlich machte. Am liebsten hätte ich ihn „Babe“ genannt und ihm eine Zitronenscheibe in den Mund geschoben.

Später kamen dann mein TAR– und MdS– Laufkumpel Heiko Bahnmüller, der gleich mit einer ganzen Truppe seiner Luftwaffeneinheit erschienen ist, Bernie Conradt und seine hochschwangere Frau Sabine, der auch mit zwei Freunden da war, mein Lieblingsfotograf Klaus Duwe, den ich nicht erst seit dem fantastischen Foto im Ziel des UTMB in meine Abendgebete einschließe und ich hatte etliche nette Gespräche mit Läufern, die mir einiges über deren Laufleben erzählt haben.


Beim Start fehlte vieles.
Vor allem fehlten Starter. 596 Starter sind einfach nicht viel. Es fehlte aber auch Musik als Aufputschmittel. Es war ungewohnt ruhig und langweilig am Start und die Läuferkollegen hatten Glück, die entweder Freunde oder etwas zu lesen dabei hatten, am besten sogar beides.
Trotz der kleinen Schar an Läufern gab es keinen Massenstart, sondern es wurde in Gruppen gestartet, um nicht den Stau am ersten Hindernis zu haben, der vom StrongManRun her berühmt und berüchtigt ist. Ich startete mit Bernie und seinen Freunden ganz hinten und hatte auch vor, bei den Vieren zu bleiben. Aber schon beim ersten Hindernis, einer Flußdurchquerung, habe ich die Jungs nicht mehr gesehen und musste mich also alleine auf die lange Strecke wagen.

Nach dem ersten Hindernis kam die 6,5 Meter hohe Wand, vor der ich schon ein wenig Sorge hatte. Mir gingen immer Bilder durch den Kopf von Bundeswehr-Übungen, wo man sich an solchen Wänden hochziehen muss. Und das wäre überhaupt nicht mein Ding gewesen. Aber diese Wand war einfach, fast lächerlich einfach. Und schon nach zwei, drei Hindernissen habe ich den Lauf geistig als „gut gemeint“ abgehakt. Es war mir zu dieser Zeit einfach zu wenig anspruchsvoll und ich dachte, dieses Rennen schnell zu Ende zu bringen und dann zur Tagesordnung überzugehen.

Dass mich der erste Eindruck getäuscht hat, sei schon jetzt verraten.

Es ging zwei Kilometer weg von Münnerstadt und dann, nach einer erneuten Flußquerung, wieder zwei Kilometer zurück. Und dann kam die lange Schleife und die anspruchsvollen Hindernisse warteten auf uns.
Erwähnen will ich vor allem die selbst gebastelte Brücke aus labilen Holzscheiten, die es geschafft hat, mich in Wild-West-Manier abzuschütteln und so kam ich zu meinem Tauchgang und zu meinem Szenen-Applaus. Die Tauch-Einlage war nicht schlimm, eklig aber war es, aus diesem Wasser wieder heraus zu kommen. Danke an dieser Stelle dem Läuferkollegen, dessen helfende Hand dafür gesorgt hat, dass ich nicht auch jetzt noch in diesem Loch zubringen muss.


Auch die Hindernisreihe mit den Stromschlägen seien lobend erwähnt. Ich selbst bin dort zwar nicht geweckt worden, aber Heiko erzählte mir im Ziel, dass er ein paar Engelchen singen hörte, als er Kontakt mit den Schnüren hatte. Was streckt Heiko auch seinen Hintern so hoch?


Und auch die vier tiefen Löcher verdienen eine lobende Erwähnung. Da haben die Veranstalter-Jungs wohl lange gegraben, um so tiefe Löcher zu fabrizieren, deren Wände so steil und rutschig waren, dass ich im ersten Loch lange überlegt habe, wie ich da wohl wieder heraus komme. Nach vier dieser Übungen war ich wirklich gezeichnet, vor allem, weil diese Löcher ganz oben auf dem Berg waren. Und dieser Berg muss auch erwähnt werden.


Natürlich hatte ich im Vorfeld gelesen, dass es irgendwann 3,5 Kilometer bergauf gehen würde, aber dieses bergauf schien harmlos. Erst war es eine längere Straße, dann eine flach ansteigender Wiese, die aber sehr matschig war und dadurch Kraft gekostet hat. Und dann kam wieder ein Feldweg mit einem relativ wenig anspruchsvollen Hindernis, eine schmierige Strecke einen Bach entlang. Und dann musste wieder gerobbt werden, gerobbt bis zu ihm, zu dem Berg.
Im Braveheart Battle – Forum habe ich ein paar Kommentare gelesen, die sich diesen Berg weg gewünscht haben, ich liebte ihn. Beim StrongManRun haben wir stets angemerkt, dass die Laufpassagen zu kurz kamen. Und jetzt wollen wir es einfach und bequem haben?
Beim ToughGuy wiederum gab es das Hindernis „Slalom“, ein steiler Anstieg auf einen Hügel, der dann gleich wieder runter und wieder rauf gelaufen wird, insgesamt zehn Mal ein scharfer kurzer Anstieg, der die ToughGuys in zwei Lager teilte.
Die Läuferfraktion durfte weiterlaufen, die „Wenig-Läufer“ mussten eine Ereigniskarte ziehen, auf der stand: „Du hast Muskelkrämpfe in den Waden. Gehe nicht weiter, ziehe nicht auf Los. Du musst eine Runde aussetzen!“

Der Berg war hart im Anstieg, steil, so steil, dass ich mich in Schwäbisch Gmünd beim „Schwäbische Alb (Ultra-)Marathon“ wähnte. Und dann, endlich oben, kamen die Löcher, die mich vor so große Probleme stellten. Und wenn ich beim Aufstieg noch dachte, dass mich das Tempo machen beim Bergablaufen glücklich machen würde, dann sah ich mich mal wieder getäuscht. Es war steil, stramm durch den Wald, rutschig und glitschig, keine Chance, Zeit aufzuholen.
Es war ein Stück Laufstrecke in bester Trail-Manier und ich war glücklich. Endlich etwas für Läufer! Und ich wusste, dass es von jetzt an leicht werden würde, zumindest leichter, weil es tendenziell berab gehen würde, die Schleife noch zu Ende und dann noch einmal die 4 Kilometer lange Anfangsschleife, ein paar Hindernisse noch, die alles nicht allzu wild waren.

Aber der Berg hatte auch die Mitstreiter des Braveheart Battle getrennt. Nur wenige Läufer waren übrig geblieben, die mit mir noch laufen konnten, viele schalteten um auf das Gehen und sie verwandelten sich in Hindernisse, in Slalomstangen, die ich teilweise bedauert habe und denen ich versucht habe, mit ein paar motivierenden Worten Unterstützung zu geben.
Bei einem der letzten Hindernisse rief mir ein Passant zu: „Du siehst noch gut aus!“ Ich lachte und antwortete, dass ich jetzt, wo ich auf die 30 zugehen würde, mich richtig gut fühlen würde. Er traute wohl seinen Ohren nicht und stand mit offenem Mund da, nur die junge Lady neben ihm war schlagfertig und fragte zurück: „Zum wievielten Mal?“

Beim Überqueren der 6,5 Meter hohen Wand, die bei den ersten beiden Malen noch niedrig und wenig anspruchsvoll schien, hatte ich aber mehr Mühe und ich fragte mich, ob die Organisatoren in der Zwischenzeit noch ein paar Meter aufgestockt hatten. Beim vierten und letzten Überqueren merkte ich durch ein Ziehen im Oberschenkel, dass ich kurz vor dem Krampf war. Und das ist selten bei mir. Es spricht für die Organisatoren und dafür, dass ich die Strecke viel zu schnell in eine falsche Schublade gesteckt habe.

Die erste von insgesamt vier Überquerungen der 6,5 Meter hohen Wand. Und jedes Mal wurde sie höher ...

Es war schon ein gutes Stück Arbeit gewesen, zudem war die Strecke laut meinem GPS Protokoll 20,5 Kilometer lang, also rund zwei Kilometer länger wie ausgeschrieben. Mein Ziel, unter der Marke von 2:30 Stunden zu bleiben, habe ich aber dennoch erreicht. Meine Uhr blieb bei 2:27 Stunden stehen, mal sehen, ob sich das mit dem offiziellen Resultat deckt.
Ganz zum Schluss, nachdem ich erst die hart erarbeitete „Medal of Honor“ erhalten und dann ein Plastiktüte über den Kopf gestülpt bekommen habe, musste ich stoppen und eine nette Lady vom Roten Kreuz schob mir ein Thermometer ins linke Ohr, um meine Körpertemperatur zu messen. Es waren 33,6 Grad – und das war durchaus normal nach diesen Strapazen. Auf welche Temperaturen die Kollegen heruntergekommen waren, die erst zum Ende der Veranstaltung eintrudelten, will ich gar nicht wissen.

Mir jedenfalls ging es trotz der 33,6 Grad gut, kein Vergleich mit dem Zittern und dem Verschütten des warmen Kakaos beim ToughGuy. Welche Körpertemperatur ich damals im Ziel hatte, will ich besser auch gar nicht erst wissen. Oft ist es besser, wenn man nicht allzu viel weiß …


Am Ende sind aus 596 Startern 410 Bravehearts geworden, 186 Startern verbleibt die traurige Erkenntnis, dass auch vermeintlich kurze Läufe Dir alles, aber auch wirklich alles abverlangen können. Aber sind wir nicht genau dafür dort angetreten?

Fotos vom Lauf gibt es unter anderem hier: http://www.lauf-news.de/Bilder_Rockstar_Braveheart_Battle_2010.aspx

Bernie Conradt und seine Freunde nach dem Zieleinlauf im Zelt.

Die Nacht der Entscheidung in Lilienthal …

Vor dem Marathon des Sables, dachte ich Mitte der Woche, sollte ich wenigstens ein Mal noch eine der “langen Kanten” laufen. Im Februar und März allerdings gibt es nicht allzu viele Alternativen. Da gibt es am 7. März den 6-Stunden-Lauf von Stein/NL, aber das ist eher zu wenig, vielleicht 60 km, vielleicht ein wenig mehr. Und es gibt den schönen DURAVIT-Erlebnislauf am 19. März, ein wunderschöner Landschaftslauf über immerhin 65 Kilometer durch den prächtigen Schwarzwald, gespickt mit einigen Höhenmetern.
Im Vorjahr habe ich diesen Lauf genießen dürfen, aber ob es dieses Jahr klappen wird, weiß ich nicht.
Und da gibt es am 20. März den KIENBAUM 100 Lauf in Berlin, allerdings bin ich an dem Wochenende in Rom und eine Woche später gibt es die 100 Kilometer von Kelheim, aber das halte ich für zeitlich zu knapp vor dem MdS.

Da kam mir der 100 Kilometer bzw. 100 Meilen Lauf  “X-BIONIC®” von Carsten A. Mattejiet in Lilienthal bei Bremen gerade recht. Ein Lauf, der in der Vollmond-Nacht vom Freitag, 26. Februar 2010 auf den Samstag, 27. Februar 2010 stattfinden sollte. Start war um 20 Uhr, ein Zeitlimit für die 100 Kilometer konnte ich in der Ausschreibung nicht finden, das Zeitlimit für die 100 Meilen sind 30 Stunden, also alles recht gemächlich, fand ich.
Überhaupt wirkte die Veranstaltung für mich schon wegen des exotischen Namens relativ professionell und so startete ich gegen 14 Uhr, um mich durch die vielen Freitags-Staus auf der A1 zu kämpfen. So früh loszufahren war eine wirklich gute Entscheidung, eine bessere als die, von der A1 über Recklinghausen auf die A43 Richtung Münster auszuweichen, um dann bei Münster-Süd wieder auf die A1 aufzufahren. Wenn man “vom Regen in die Traufe” kommen kann, dann habe ich das gestern erlebt.

Aber ich war Punkt 19 Uhr in Lilienthal, also eine Stunde vor dem Start, eine perfekte Punktlandung, fand ich. Vor dem Reihenhaus der Mattejiets stand ein offenes schwarzes 3×3 Meter Zelt, eindeutig der Startpunkt des Laufs. Die Grundbedingung des Laufs kannte ich schon von der Internet-Ausschreibung her, es war ein „Pendel-Lauf“, die Strecke hatte 8,1 Kilometer bis zum Wendepunkt und dann ging es ebenso weit zurück, zusammen also 16,2 Kilometer, nach 6 mal hin- und 6 mal herlaufen hast Du also 97,2 Kilometer auf dem „Tacho“, also musst Du noch eine kleine Ausgleichsrunde laufen, um die 100 „voll zu machen“. Das wollte Carsten uns dann noch sagen und zeigen, aber er hat es dann vergessen …

Schon beim Ankommen hatte ich viele Gründe, mich zu wundern. Meine Frage nach einem Toilettchen wurde mit dem Hinweis auf die Nutzung einer Ecke des Sportfeldes beantwortet, das schöne Reihenhaus hatte wohl keine Gästetoilette. Als Läufer und als Mann bin ich es ja gewöhnt, die Hecken dieser Welt zum Blühen zu bringen und in Laufkleidung habe ich auch keine Probleme damit. Aber in den zivilen Klamotten, die ich noch anhatte, schämte ich mich schon ein wenig, als eine alte Dame mit zwei kleinen Hunden vorbeikam und kopfschüttelnd vorüberging.
Danach frage ich nach einem Platz zum Umziehen. Carsten deutete mit norddeutscher Gelassenheit auf das 3×3 Meter Zelt und sagte ein knappes: „Da!“
Nun muss ich auch die Hosen wechseln und ich trage beim Laufen niemals eine Unterhose darunter, deshalb entschied ich mich für die Wechselstation „Auto“. In meinem Wagen kümmerte ich mich auch noch um meine Zehennägel, um das Einfetten der problemhaften Hautpartien und um das Abkleben der Brustwarzen. Es war eng im Auto, aber es ging.

Die wenigen Läufer, die da waren, wurden nicht miteinander bekannt gemacht, die Stimmung war bremerisch hanseatisch unterkühlt, dem Wetter entsprechend, fand ich. Und wenn Du ins Teufelsmoor rauslaufen sollst, dann solltest Du auch keine Sonne im Herzen tragen, sondern mit gedämpfter Stimmung Deine Meilen abspulen. Im Norden ist halt vieles anders, dachte ich mir. Köln, sagte ich zu mir, ist zwar die schönste Stadt der Welt, aber eben nicht das Vorbild für andere Städte. Wie schade …

Richtig überrascht aber war ich, als uns gesagt wurde, dass es nur einen einzigen Helfer gab. Der saß am Ende der Strecken, am Wendepunkt, die Wende am Start blieb unbesetzt, die Folge wäre gewesen, dass überhaupt „kein Schnack“ möglich gewesen wäre, keine Abwechslung nach jeweils ca. einer Stunde Lauferei. An Musik wollte ich ja gar nicht denken, diese Hoffnung wurde mir ja schon sehr früh genommen.
Du solltest an beiden Wendepunkten aber immer Deine Ankunftszeiten an den einzelnen Wenden auf ein Zettelchen eintragen. Wehe dem, der ohne Uhr unterwegs war, denn der Veranstalter konnte oder wollte keine Uhr neben das Zettelchen stellen. Aber das waren alles Randprobleme einer Frage, die sich mir aufdrängte, seitdem ich Lilienthal erreicht hatte:

„Was will ich hier? Wo bin ich da hingeraten?“

Ein Streckenbriefing gab es nicht, auch bekamen wir keinen Steckenplan. Zwar war mir die Strecke noch aus dem Internet einigermaßen präsent, aber „in realitas“ ist dann doch alles ganz anders, so anders, dass ich mich schon beim Zurücklaufen verlaufen hatte. Aber dazu später. Dafür aber gab es ein Lied, ein Hexenlied, zelebriert von Carstens Tochter, ein kleines Highlight an einem traurigen Abend, fand ich. Und es gab einen Start im Marathontempo. Mindestens. Und alle rannten wie blöd hinter Carsten her, wahrscheinlich, weil alle genau wie ich Sorge hatten, den kaum gekennzeichneten Weg nicht zu finden. Sechs Minuten acht Sekunden für den ersten Kilometer, 5 Minuten 45 Sekunden für den zweiten Kilometer und 5 Minuten 25 Sekunden für den dritten Kilometer….

Ich hatte schon vor dem Start überlegt, gar nicht erst dieses Abenteuer anzugehen und ich zermarterte das bißchen Gehirn, das ich habe, was ich tun sollte, aber ich entschied mich, zumindest zu schauen, wie denn die Strecke aussieht, zumindest das bißchen der Strecke, das man im Dunklen erkennen kann. Aber das, was ich erkennen konnte, war nicht schön. Und es roch nicht gut, mal roch es nach Pferden, mal nach Moor, immer roch es aber irgendwie nicht nach Köln. Die Strecke wiederum war komplett geteert, die entsprechende Straße wiederum war von der Kälte und dem Schnee der vergangenen Wochen her noch in einem erbärmlichen und renovierungsbedürftigen Zustand, es gab sogar ein vierhundert Meter langes Teilstück, wo die Teerschicht abgetragen war, der holprige Untergrund zu sehen war und wahrscheinlich schon bald eine neue Teerdecke darauf gegossen wird. Bald, aber eben noch nicht jetzt.
Und so liefen wir auf Asphalt zwischen Wasserpfützen und Schlaglochern hindurch und ich – ich litt.

Das kurze Ausgleichsstück zum Ende, das Carsten uns noch zeigen wollte, hat er vergessen zu erwähnen, als wir daran vorbei gelaufen sind, andererseits wären mir Streckenmarkierungen auch wichtiger gewesen. Dann hätte ich kontrolliert mit einer 6 Minuten 30 Sekunden Zeit pro Kilometer starten und diese Pace halten können, so aber musste ich hinter Carsten herlaufen, viel zu schnell für so einen langen Lauf.

Und ich dachte nach, was ich bei diesem Lauf will und was für mich an diesem Abend richtig ist. Ich überlegte sogar noch, ein Zimmerchen zu mieten und am nächsten Tag den Marathon zu laufen, der am Samstag vormittag ausgeschrieben war. Oder einfach langsam zu laufen, mich irgendwann ins Auto zu setzen und das mitgebrachte Federbett zu genießen, um dann entspannt am nächsten Tag weiter zu laufen, denn Liegemöglichkeiten wurden von Carsten nicht angeboten, nicht in dem schönen Reihenhaus und auch nicht in dem 3×3 Meter Zelt davor.
Wenn ich die Übernachtungslösung gewählt hätte, dann wäre der Samstag weg gewesen und eine gewertete Laufzeit von vielleicht 18 Stunden für einen 100km-Lauf motiviert mich auch nicht wirklich.
Nein, zumindest sollte ich unter der 7er Marke von 11 Stunden und 40 Minuten bleiben. Das ist die 100km – Durchgangszeit bei der 24-h DLV Challenge in Delmenhorst aus dem Vorjahr gewesen, die normalen 100er-Läufe habe ich bisher in 11 Stunden 19 Minuten, 10 Stunden 43 Minuten und 10 Stunden 51 Minuten hinter mich gebracht und diese Zeiten will ich nicht signifikant verschlechtern.

„Was will ich hier? Wo bin ich da hingeraten?“

Und ich überlegte, was es mir bringt, 16,2km, 32,4km oder 48,6km zu laufen. Nichts. Keine Wertung, kein Finish, dafür aber ein Ende des Laufs gegen 22 Uhr, Mitternacht oder sogar zwei Uhr nachts. Und dann geht es noch vier Stunden Richtung Heimat! Wofür das alles?
Ich dachte an die Aussage von Carsten, dass seine Kinder einen ganz leichten Schlaf hätten und wir deshalb sehr ruhig sein sollten am Wendepunkt „Home“ und ich war richtig froh, dass ich Carsten nicht meine Wertsachen zum Einschließen gegeben hatte, sonst hätte ich sie wohl nicht vor dem nächsten Morgen zurück erhalten und hätte entsprechend laufen müssen.
Und ich überlegte, dass ich alles andere wie Gastfreundschaft erlebt hatte, eher Gleichgültigkeit den Läufern gegenüber, außer natürlich dem „Gerebelten“ gegenüber, den 30 EUR Startgeld, die allerdings nicht dafür ausgereicht hatten, genügend Becher zu besorgen, also sollten wir unsere Pappbecher nach Möglichkeit öfters benutzen und irgendwo abzustellen. Die Idee, den Läufern persönliche Becher auszugeben und somit auf Pappbecher zu verzichten, wie es beispielsweise beim UTMB gemacht wurde oder, ganz legendär mit faltbaren Bechern, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte, beim KiLL50.

Es war dann bei Kilometer vier, als ich beschloss, mich erst unauffällig nach hinten fallen zu lassen, um dann die Stirnlampe auszumachen, mich weiter nach hinten abzusetzen und klammheimlich und ohne Reue den alleinigen Rückweg anzutreten, um dann auf den Zettel bei der Heim-Wedemarke zu schreiben: „SORRY, ABER DAS IST WIRKLICH NICHT MEIN DING HIER!“

Ich dachte an die beiden Ameisen aus dem Gedicht von Joachim Ringelnatz und lief insgesamt rund 8 der geplanten 100 Kilometer.
Auf den kleinen Rest der Reise verzichtete ich, genauso weise.

Es war die Nacht der Entscheidung in Lilienthal, nicht in Altona auf der Chaussee, aber ich war glücklich, als ich noch vor 21 Uhr wieder auf der Autobahn war, um kurz nach Mitternacht wieder zu Hause zu sein.

Ich weiß nicht, was die beiden Ameisen am nächsten Tag nach ihrem Lauf getan haben, ich habe mich auf das konzentriert, was ich noch mehr liebe als das Laufen: auf meine Familie.

Das einzige, was mir noch bleibt, ist DANKE zu sagen. DANKE an die beiden Ameisen, die mir mit ihrem Beispiel Vorbild waren …

Der Bad Arolsener Waldmarathon …

… modern ist was anderes!

Seit dem KiLL50 bin ich keinen „Marathon und länger“ mehr gelaufen. Trainiert habe ich auch viel zu wenig. Und ich merke, wie unausgeglichen ich geworden bin und wie ich dem nächsten langen Lauf entgegen fiebere. Aber die Schmerzen beim Laufen, die ich beim Hachenburg Marathon, beim „schrägen O. Weg“ rund um Oberhausen und nicht zuletzt beim KiLL50 rund um Hildesheim hatte, machen mir noch immer Angst. Angst davor, dass sie wieder kommen und ich mich wieder Kilometer für Kilometer quälen muss. Angst aber auch davor, dass sich so etwas einläuft, was am Ende chronisch wird.

Heinrich Kuhaupt beim Briefing vor dem Start

Zwar hat der Doc Arndt Kirchner aus Köln die Schiefstellung des Beckens weitgehend repariert und ich habe seither auch beim Tennis keine Schmerzen mehr, aber ich traue diesem Frieden, den mir mein Körper angeboten hat, nicht wirklich weit. Am Montag, 15 Uhr, beginnt in Bad Neuenahr-Heppingen bei meinem Freund Roger Steiner meine Physiotherapie. Nach maximal 6 Therapie-Einheiten und eventuell weiteren 6 Wärmetherapie-Einheiten sollte alles wieder sein wie früher. Aber bis dahin bleibt die Angst, bleiben die Sorgen.

Aber das sollte mir egal sein, dachte ich vorgestern Abend und suchte mal nach einem Marathon am Samstag. Den einzigen Marathon, den ich fand, war der Bad Arolser Waldmarathon. Es ist ein legendärer Lauf, mit dem mich verbindet, dass ich dort schon im Vorjahr nach meiner Laufpause nach dem TransAlpineRun 2008 getestet habe, ob ich wieder laufen kann, um sicher zu sein, dass ich mich zum „Unter-Tage-Marathon“ in Sondershausen traue.
Im Vorjahr bin ich nach dem Halbmaratathon ausgestiegen, aber ich wusste, dass ich eine Woche später zumindest finishen kann. Aber mir ist in Erinnerung geblieben, dass ich Bad Arolsen als den „Marathon der alten Männer“ erlebt habe, weil so viele Seniorenläufer des 100MC anwesend waren, als eine Personality-Show des Heinrich Kuhaupt, aber eine Show, die von der überwiegenden Mehrzahl der Läufer geliebt wird. Ich erinnere mich an Schneefall am Tag zuvor und an Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und ich erinnere mich daran, dass ich damals für mich gesagt habe, dass ich diesen Lauf irgendwann einmal finishen muss.

Am gestrigen Freitag Nachmittag entschied ich mich, dass meine Gier zu laufen größer ist als mein Respekt vor den möglichen Schmerzen und ich schaute mir die Homepage des Waldmarathons an. Eine schöne Webseite ist das nicht wirklich, aber sie bietet alle notwendigen Informationen und sie ist werbefrei, immerhin. Aber die Homepage verrät, dass Nachmeldungen am Starttag nicht möglich sind. Für mich gilt so etwas ja nicht, dachte ich, und ich rief die Familie Kuhaupt an, um meinen Start anzukündigen und nach ein paar Minuten der Verhandlung wurde mir gestattet, mich doch noch am Starttag einzuschreiben, weil ich nicht schon am Freitag Abend anreisen will. Bad Arolsen ist nur 150 Autominuten weg, da will ich dort nicht übernachten.

Um 11.00 Uhr am Samstag soll der Start sein, mir wurde aber gesagt, dass ich spätestens um 9.00 Uhr vor Ort sein muss, sonst wäre eine Einschreibung nicht mehr möglich. Ich wies darauf hin, dass meine Daten dort vorhanden wären, es half nichts. Ich bot an, meine Daten eben noch per eMail zu senden, weil ich das Gefühl hatte, dass es keine Läufer-Datenbank gibt. Und ich erfuhr, dass die eMail gar keine gute Idee ist.
Und ich erinnerte mich wieder an das Vorjahr, wo ich ähnliche Probleme hatte. Der „Marathon der alten Männer“ wird nicht nur von alten Männern gelaufen, sondern auch von alten Männern organisiert, schade. Deshalb gibt es auch keine Starterliste, die man online abrufen kann, es gibt nicht die Möglichkeit einer Online-Anmeldung, auch nicht, wenn ich früh genug an diesen Lauf gedacht hätte, es geht technisch schlichtweg nicht und dass es überhaupt eine Webseite gibt, grenzt an ein Wunder.

Auf der Webseite steht: „Meldungen: werden ab sofort angenommen auf beigefügtem Anmeldeformular, können aber auch formlos mit sämtlichen Angaben (Jahrgang!) gemacht werden. Sie haben jedoch nur Gültigkeit bei gleichzeitiger Zahlung der Startgebühr, durch Scheckbeilegung oder bar. Keine Meldebestätigung.“

Einen Scheck der Anmeldung beilegen geht nur, wenn ich die gute alte Post bemühe und einen Umschlag ausfülle. Ist das nicht wirklich mittelalterlich? Wenn Du so etwas tust, dann hoffst Du inständig, dass der der Anmeldung beiliegende Scheck möglichst bald Deinem Konto belastet wird, damit Du weißt, dass Dein Brief angekommen ist. Tagelang denkst Du über die Anmeldung nach anstatt Dich online zu registrieren und sofort eine Bestätigungs eMail zu erhalten … dass es so etwas noch gibt!

Und ich erinnerte mich wieder an das Vorjahr, wo der Veranstalter mir vorgeschlagen hatte, die Startgebühr in bar in einen Umschlag zu stecken und zuzusenden. Ich habe das damals gemacht, aber ich hatte ein wirklich blödes Gefühl und hatte gehofft, dass die Sendung nicht verloren geht, dass sie rechtzeitig ankommt und dass ich auf der Starterliste sein werde. Es ging damals gut, aber dieses Erlebnis unkonventioneller Startgeldzahlung war schon einmalig.

Gut, wenn ich am Samstag um 9.00 Uhr in Bad Arolsen sein muss, dann muss ich um 6.15 Uhr losfahren, also irgendwann zwischen 5.00 Uhr und 5.15 Uhr aufstehen, meine Sachen fertig packen, eine Kleinigkeit essen und alles noch einmal kontrollieren. Ich hasse es, wenn ich etwas vergessen habe. Ein Lauf ohne Startband oder mit einem Laufshirt, das ich nicht wirklich schön finde, geht nicht. Ich denke dann die ganze Zeit an das vergessene Teil und bemerke, was für ein Spießer ich in dieser Beziehung sein kann.

Mein Terminplan am gestrigen Freitag war eng gestrickt. Um 16.30 Uhr hatte ich ein Meeting mit den Tennisspielern einer neuen Tennisgruppe, zu der ich über den Winter für Freitags, 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr eingeladen wurde. Ich kann ja nicht „nein“ sagen, wer mich besser kennt, der weiß das. Also 2 Stunden Tennis Doppel mit alten Männern am Freitag Spätnachmittag, 2 Stunden Tennis Doppel mit der üblichen Tennistruppe am Sonntag Vormittag und eine Stunde Tennis Einzel am Sonntag Abend. Warum tue ich mir so etwas an?
Das Meeting diente dazu, damit wir uns alle mal kennen lernen und das war gut so.
Um 17.00 Uhr begann also das Tennisspiel und am Ende zog ich den Tennisdress aus, um in meine Skinfit Laufsachen zu steigen. Keine Zeit für eine Dusche, es ging gleich rüber nach Ahrweiler, weil um 19.30 Uhr meine freitägliche Spinning-Stunde, die von meinem Freund Rainer Kehrbusch vom TuS Ahrweiler angeboten wird, beginnt. Rainer macht auch den Instructor und das sorgt für reichlich Schweiß rund um mein Trainingsfahrrad. Ich liebe es!

Diese Spinning-Stunde gab mir auch die Möglichkeit, das erste Mal „mein Liebchen“ auszuführen. Erst diese Woche konnte ich die GARMIN 310XT laden, die neue Software auf meinem Rechner installieren und überhaupt mal probieren, wie denn hier alles geht. Und gestern abend schmeichelte sie also meinem Handgelenk. Verliebt war ich ja schon, aber jetzt bin ich erst recht verstrickt in tiefen Gefühlen für meine neue Liebe!

Nach der Spinning-Stunde fuhr ich sofort nach Hause, weil ich mit meiner Frau Gabi vereinbart hatte, dass ich zu Hause dusche und sie in der Zeit ein paar Sachen ins Auto packt, die wir noch einem Mitarbeiter übergeben wollten. Also kurz geduscht und dann sind wir zum Spätabend-Shopping in das Bornheimer porta! – Möbelhaus gefahren, das gestern bis 23.00 Uhr geöffnet war. Gekauft haben wir nichts, aber dennoch war der Shoppingbesuch sehr nett.
Nun noch kurz nach Erftstadt zu einem Mitarbeiter, dort etwas abgegeben und dann nach Hause. Es war fast 1.00 Uhr in der Nacht, als wir zu Hause ankamen und mich beschlichen die Zweifel, ob ich wirklich nach Bad Arolsen fahren sollte. Immerhin habe ich den Wecker im Handy auf 5.15 Uhr gestellt, aber mein Unterbewusstsein hat dafür gesorgt, dass ich das Handy im Wohnzimmer vergessen habe und nicht mit ans Bettchen genommen habe.

Als ich heute um 7.15 Uhr aufgewacht bin, wusste ich, dass Bad Arolsen ohne mich glücklich werden muss. Ich bin nicht sicher, ob ich mich darüber freuen darf oder ob ich mich statt dessen lieber abgrundtief ärgern sollte …

Auf jeden Fall habe ich heute dann deutlich mehr Zeit als geplant, ein langes Trainingsläufchen durch den Wildschwein-Wald bei Altenahr sollte es dann schon sein heute. Aber mein „MuL“ Nummer 84 muss noch eine Woche warten …

Der „schräge O. Weg“ – starke Strecke, schwacher TOM

O-Weg
Na endlich,“ wirst Du sagen. Endlich ist der Bericht von meinem schrägsten Lauf fertig. Endlich.

Warum heißt es „Der schräge O. Weg„? Weil das „O.“ immer ein wenig schräg gestellt wird, wenn man es schreibt, so auch im Logo des CentrO. Einkaufszentrums?
Oder weil die Strecke rund um Oberhausen herum fast exakt ein schräg gestelltes Oval ist, das wie ein „O.“ aussieht? Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass dieser Gruppenlauf recht schön war und dass es eine starke Strecke war. Es war kalt, aber trocken und es ging durch sehr viel Wald. Obwohl ich schon wusste, dass es im Ruhrgebiet außer Asphalt sogar noch einige Bäume geben soll, war ich überrascht, wie grün doch die Gegend ist. Und wenn ich an eine lange Gerade durch den Wald denke, dann zittere ich noch heute am ganzen Körper, so schön war es da:

Ein breiter Weg, nicht allzu weich, über und über bedeckt mit gelblichem Laub. Bäume rechts und links des Weges, die schon einen Gutteil ihrer herbstlichen Blätterlast abgeworfen haben, aber noch genügend Blätter tragen, dass sie schön aussehen. Die Herbstsonne dringt durch die Baumkronen und Du siehst das Licht in Streifen vor Dir. Ein leichter Wind, der noch ein paar Blätter von den Bäumen löst, die dann leise und in Wellen herabfallen. In dem Sonnenlicht sieht das so aus, als würde es schneien, die Luft ist angenehm kühl, Du denkst an den „Indian Summer“ der Neuengland-Staaten und Du bist Dir ganz gewiss: an einem Tag wie diesem ist es ein Geschenk Gottes, dass wir Läufer sind!

Leider blieb die Sonne nicht den ganzen Tag sichtbar, aber es blieb trocken. Für mich war es erstaunlich, zu sehen, wie nah die Städte hier aneinandergebaut sind und so sind wir ein paar Schritte in andere Städte getippelt oder wir haben zumindest die Ortsschilder davon gesehen: Dinslaken, Essen, Mülheim/Ruhr, … ein tolles Erlebnis!
Und wenn Du nur in einer kleinen Gruppe läufst, die gerade mal aus vier Läufern und einer Fahrradbegleitung besteht, dann hast Du auch Zeit, all das zu genießen. Bei einem Gruppenlauf gibt es ja keine Zeitnahme, nur eine unverbindliche Zielgeschwindigkeit. Und es gab auch drei Pausen. Zwei kürzere und gegen Mittag eine, die fast 30 Minuten lang gedauert hat.
Das war, als alle Mägen auf „Hunger“ standen und wir einem EDEKA-Ladenbesitzer ein schönes Wochenende bescheren wollten.

Das hätte es tatsächlich werden können, wenn die Gruppe etwas größer gewesen wäre, denn wir alle hatten nicht nur Hunger, sondern auch viel Durst. Ich habe mich für einen halben Liter Bio Karottensaft entschieden, zudem noch für einen Liter Gerolsteiner Linée, gutes, aber überpreistes flavourisiertes Wasser … tat das gut!
Gerolsteiner

Was gibt es sonst noch von so einem Gruppenlauf zu berichten? Na ja, das Wichtigste natürlich: organisiert und geführt hat den Lauf der Ultra-Yogi Jörg Schranz, einer, der, wenn er vom Double Ironman oder sogar vom Triple Ironman erzählt, einem Wehmutstränchen in die Augen treiben kann, weil Du Dir das denkst, was an diesem Punkt die meisten Läufer denken: „Und Du kannst nur Brustschwimmen … !“ Wirklich schade. Aber außer laufen, schwimmen und Gruppenläufe organisieren kann Jörg auch schreiben: „Die erste schräges O. Tour – der Bericht“
Dort erfährst Du auch, dass mein Lauffreund Achim Knacksterdt genauso dabei war wie die bezaubernde Susanne Alexi aus Köln und Bernd Wagner aus Duisburg, alle wurden wir begleitet von Markus aus Essen.

Warum aber „schwacher TOM“? Seit den Rückenproblemen kurz vor der Deutschen Meisterschaft im 100km Straßenlauf in Bad Neuenahr am nationalen Feiertag, dem 3. Oktober 2009, bekomme ich nach 18 Kilometern zuerst leichte Schmerzen und ein Ziehen in die rechte Sehne der linken Kniekehle und dann, ab km 25, bekomme ich ein Stechen, ein Ziehen, einen Schmerz in die linke Seite, in etwa in der Höhe des Beckens.
Zuerst habe ich das beim Hachenburg-Marathon erlebt, da dachte ich mir noch nichts dabei und schob es auf das langsame Laufen, weil ich ja mit einer Freundin gelaufen bin. Nun, in Oberhausen, passierte mir das Gleiche wieder. Und ich bin mir sicher, dass die anderen Gruppenläufer darüber „not amused“ waren.
Und dieser Schmerz kam auch am vergangenen Samstag Abend wieder, obwohl ich die Schuhe gewechselt und wieder Einlagen gewählt hatte. Deshalb habe ich ja den KiLL50 (Meilen) zu meinem persönlichen KiLL50 (Kilometer) gemacht.

Schwacher TOM, wie sollen so 230km nonstop funktionieren? Ich muss zum Doc …

Kill Bill …


„Kein idyllischer Landschaftslauf“
heißt es ja bei Michael Neumann, dem Organisator der Läufe HiLL50 und KiLL50, wobei der KiLL50 der „böse Bruder“ des HiLL50 ist. Um  diesem Titel gerecht zu werden, lässt sich der Racedirector auch immer lustige Sachen einfallen, die mir zugegebenermaßen schon ein wenig Sorge bereitet haben. Schon die Webseite (www.kill50.de) sorgt für ein gewisses Magenkribbeln, wenn da beispielsweise unter „Sponsoren“ steht:

Leider hat sich noch kein Sponsor dazu bereit erklärt den KiLL50 zu unterstützen.
Besonders interessant ware eine Werbeanbringung doch wohl für

  • Beerdigungsunternehmen
  • Taxiunternehmen
  • Physiotherapeuten

Danach folgen, wenn Du eine der begehrten Einladungen zu diesem Event ergattern konntest, eMails vor dem Lauf, die Dich auf die Tücken des Wettkampfes hinweisen sollen. Diese Mails haben dann dafür gesorgt, dass ich sicherheitshalber meine Lebensversicherung erhöht und meine weltlichen Dinge vor dem Lauf noch geregelt habe. Ein Glück, dass es wegen des möglichen Erbes nicht zu Familienstreitereien gekommen ist!

Du begreifst, dass es dunkel ist, dass es kalt sein wird und dass möglicherweise Jäger die Schwarzkittel jagen. Und Hildesheimer Jäger sind weder wählerisch noch scharfsichtig. Also kann es schon mal vorkommen, dass ein Läufer den Weg über die Jägersflinte in die gute klassische Hildesheimer Wildsauen-Wurst findet. Und Du begreifst, dass Du es wahrscheinlich auch nass sein wird und dass Du schlecht versorgt wirst, also trägst Du sicherheitshalber alles bei Dir, was Du zu essen und trinken und für Deine Lebensrettung brauchst. So schreibt Dir der Racedirector einen Kompass genauso vor wie eine Überlebensdecke, eine Trillerpfeife, Ersatzbatterien und andere Kleinigkeiten, die ich teilweise erst besorgen musste.

Und der Racedirector wird nicht wie bei anderen Läufern von Helfern begleitet, alle Mithelfenden – und das sind Junge wie Alte, die unermüdlich für die Läufer da sind, nennen sich Psychotherapeuten oder Psychologen und die braucht man schon, wenn man ein Rennen startet, das vom Sensenmann persönlich eingeläutet wird. Wohl dem, der Erfahrung im Umgang mit der Psychoanalyse hat.

Für mich war der Samstag von Anbeginn an ein Problemtag. Ein Kölner Kunde hat mich gebeten, ihm noch etwas zu bringen und so war das mein erster Termin, gleich morgens um 8.30 Uhr. Wer kann auch einem Kölner etwas abschlagen? Danach ging es nach Duisburg, wo ich einen zweieinhalb Stunden dauernden Termin hatte, für den ich aber nur 90 Minuten eingeplant hatte. Also musste es dann schnell gehen, aber ich war schon mehr als nervös, als das Navigationssystem meinte, dass ich erst um 16.18 Uhr dort in Hildesheim anlanden sollte und das Briefing begann um 16.00 Uhr, der Start sollte um 17.00 Uhr sein.

„Kein Briefing – kein Lauf!“ hatte Michael geschrieben und ich bin ja so fürchterlich gläubig. Und deshalb war ich auch fürchterlich nervös und hektisch und begann, Minute für Minute gegenüber der vorgegebenen Zeit einzufahren. Ich wusste schon, dass ich es wahrscheinlich schaffen würde, aber noch immer war ich in meinen zivilen Klamotten und ich hatte weder gefrühstückt noch zu Mittag gegessen. Mein Vorsatz, irgendwo anzuhalten, um mir ein paar Spaghetti zu bestellen, war unerreichbar und mein Magen knurrte schon, als ich endlich hektisch und nur wenige Minuten vor dem Briefing eintraf.

Das war schon schlecht für die Truppe, weil ich mich als erstes an der Kuchentheke zu schaffen gemacht habe. Leider gab es nur „Süßkram“, außerdem ein „Chili con carne“, aber Fleisch, das weißt Du, esse ich nicht. Und auch keine der kleinen Würstchen, die da rumlagen, also blieb es bei ein paar Kuchenstückchen. Noch nie bin ich nur mit Kuchenstückchen gefüllt bei einem Ultra gewesen. Aber irgendwann ist jedes Mal das erste Mal.
Umziehen, Brustwarzen abkleben, Compeed Pflaster präventiv um den kleinen rechten Zeh, meinen Problemzeh, kleben, die Blase des Trinkrucksacks füllen, alles ordnen, die Tasche wieder für die einzige Verpflegungsstation packen …
Es war hektisch und holprig. Und ich hatte nichts richtiges gegessen, der Puls wurde nicht angezeigt und ich war nicht sicher, ob ich mit der Wahl der Schuhe ein glückliches Händchen hatte. Alles andere also als eine gute und ruhige Vorbereitung auf diesen Lauf.

Beim Briefing habe ich nichts verstanden, nur so viel, dass ich mir sicher war, mit einem Kollegen laufen zu müssen, der den KiLL50 schon mal hinter sich gebracht hat. Martin Raulf kam mir da gerade recht. Ich glaube, dass er auch ganz froh war, nicht alleine den Schwarzkitteln gegenüber stehen zu müssen. Martin kannte ich ja schon von der 24-h DLV Challenge in Delmenhorst, vom UTMB, wo wir zusammen die Startunterlagen abgeholt hatten. Und ich kenne Martin von etlichen Mails, ein richtiger Glücksgriff, dass er da war. Auch Michael Eßer, mein Lauffreund aus Wesseling, war vor Ort, er wäre meine zweite Wahl gewesen.

Bedauert habe ich, dass Thomas Hildebrand-Effelberg genauso absagen musste wie Florian Bechtel, mit dem ich eigentlich beim KiLL50 über die große Herausforderung 2010, den „Petit Trotte de Leon“, den PTL, reden wollte. Diesen 230 Kilometer und 17.500 Höhenmeter starken Parcours rund um Chamonix laufen zu dürfen ist mir ein Herzenswunsch, aber es setzt eine Dreiergruppe voraus und dazu fehlen mir noch zwei Lauffreunde. Flo könnte und sollte einer davon sein, ein zweiter könnte vielleicht auch der schnelle Dirk Joos (www.luminati.de/dirk) sein. Da er aber noch nicht den UTMB gefinished hat, müssen zwei der drei Läufer UTMB Finisher sein. Na ja, heute habe ich glücklicherweise Kontakt nach Kanada bekommen zu einem Läufer, der dieses Abenteuer mit mir wagen will, fehlt noch „der dritte Mann“.

Der Lauf ist schnell beschrieben: das Wetter war zu gut für die Ankündigung, wir starteten bei heißen 6 Grad und auch in der Nacht sank das Thermometer nicht unter die Marke von warmen 2 Grad ab, zudem war es trocken. Von der Strecke siehst Du nicht viel, aber die Laufstrecke selbst geht viel durch den Wald, oft auf schmalen Single-Trails, für meinen Geschmack ist der Lauf ein „MUSS“ für ambitionierte Ultraläufer. Martin und ich liefen gemeinsam die ersten 50 Kilometer, aber bei mir kamen wieder die seit der Deutschen Meisterschaft im 100km Straßenlauf andauernden Schmerzen. Es beginnt mit einem Ziehen in der rechten Sehne der linken Kniekehle und dann gibt es einen permanenten Stich in die linke Seite, in etwa auf der Höhe des Beckens, leicht Richtung linker Po-Backe nach hinten versetzt.
Schon beim Hachenburg Marathon hatte ich diese Probleme und beim „schrägen O. Weg“ litt ich noch mehr darunter als jetzt in Hildesheim.

Dennoch erinnerte ich mich etwa bei km 35 an die Aussage von Michael, dass er auch die Läufer nach 50km werten wird und so beschloss ich, nichts zu riskieren, sondern, mit Martin Raulf auf dem 11. Platz liegend, nach 50 Kilometern auszusteigen. Weiter laufen hätte nur noch mehr Schmerzen gebracht und so weiß ich, dass ich jetzt erst einmal wieder einen Sportarzt aufsuchen muss, der sich mal ansieht, ob meine Statik überhaupt noch stimmt.

Ich bin bis jetzt noch nicht sicher, ob ich stolz auf mich sein soll, dass ich so vernünftig war oder ob ich traurig sein soll, weil das vorzeitige Ausscheiden meinem Ego nicht schmeichelt. Was mich aber tröstet, ist, dass ich dort wunderbare Menschen kennen gelernt habe. Einige davon, vor allem diejenigen, die mit Michael Eßer, Martin Raulf und mir auch noch die 230 Kilometer der „TorTOUR de Ruhr“ laufen, kannte ich bislang nur dem Namen nach. Jetzt kann ich diesen Namen ein Gesicht zuordnen.
Und ich habe den Racedirector Michael kennen gelernt, den ich auch sehr schätze. Und wenn er mich auch ein wenig schätzt, dann lädt er mich in der Zukunft auch noch einmal zu seinen Läufen ein, obwohl ich diesen Lauf nicht zu Ende gebracht habe.

Bitte, lieber Racedirector, bitte …