Wer zu früh geht, der verpasst das Dessert …

„Ein freies Wochenende!“ So hieß es plötzlich in der vergangenen Woche.
Die Reise nach Russland, um am Elbrus Race teilzunehmen, musste ich ja leider absagen. Mit argem Bedauern, einem gewissen Neid und größtem Interesse lese und schaue ich, was die Truppe um Michi Raab, vor allem unser Freund Gerald Blumrich, im Kaukasus anstellen. Großartige Geschichten, fantastische Fotos, jeden Tag gibt es neue Fotos von Michi und Co.

Ich also hatte frei, musste nicht arbeiten und war auf der Suche – nach einem Lauf. Ein Ultralauf sollte es schon sein, also schieden der Düsseldorf Marathon und der OEM, der Oberelbe-Marathon, schon aus.
Gefunden habe ich den Helipad, einen 140 K Landschaftslauf auf GPS Basis,

„een ultraloop door Nederland, België en Duitsland“,

dennoch nur einer holländisch-sprachigen Webseite (http://www.helipad.tk/).
Auf der Starterliste fand ich einige Bekannte: Wim Reumkens zum Beispiel, den KÖLNPFAD-Läufer Herman Krijnen, die RheinBurgenWeg-Läufer Renske und Ernst-Jan Vermeulen und nicht zuletzt den JUNUT-Läufer Arno Lux.
Ich verstand einige Details aus der niederländischen Beschreibung nicht, deshalb schickte ich eine kleine Mail über die deutsch-niederländische Grenze, die aber wahrscheinlich an den neu eingerichteten Grenzkontrollen hängen blieb.

Ich fand die drei Bewerbe am Brocken, den Hexenstieg, den Hexentanz und den Hexenritt. Aber der Brocken ist weit und der Hexenstieg noch viel, viel weiter. Und für so viel Länge und Höhe fühlte ich mich nicht ausreichend vorbereitet. Weiterlesen

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Noch vier Tage …

… bis zum JUNUT, dem „Jurasteig Nonstop UltraTrail“.
Noch vier Tage bis zum zweitlängsten Lauf meiner kleinen Ultralauf-Geschichte.
239 Kilometer weit, 9 Kilometer weiter als der JUNUT 2014, 9 Kilometer weiter als die TorTOUR de Ruhr 2010.
Einzig das „250 Miles Thames Ring Race 2013“ war länger, das dafür aber sehr deutlich. Aber dieses Rennen ist ja schon lange her und ich bin seit zwei Jahren keine Strecken über 185 Kilometer mehr gelaufen.
JunutIch fühle mich, wie viele andere Starter auch, schlecht vorbereitet.
Der längste Lauf der letzten sechs Monate waren die 125 Kilometer des „Trans Gran Canaria“ Anfang März, ansonsten sehr viele, für mich sogar ungewöhnlich viele, kurze Trainingsläufe. Aber die immer mit muskulären Problemen und mit einem Grad der Erschöpfung, die mich vor dem kommenden Wochenende erzittern lässt.

Freude aber macht, sich die lange und exquisite Starterliste zu Gemüte zu führen. Norbert Fasel finde ich darauf, fast mein Nachbar, Michael Frenz, ohne den ein JUNUT wohl kein richtiger JUNUT wäre, Jacek Fugiel und Dieter Ladegast als Laufgruppe, Jungs, die ich meist nur bei extremen Läufen treffen darf, Dieter Gerstner ist dabei und auch Niels Grimpe.Luhmann, den ich so lange nicht mehr gesehen habe. Unvergessen bleibt der Andorra-Trip von 2013, damals auch mit Daniel Heideck und Jin Cao.

Die Liste könnte scheinbar endlos weitergeführt werden, aber das würde unter Umständen langweilen. Die gesamte Liste ansehen kannst Du ja ganz einfach hier:
http://junut.de/starterliste/
Nur zwei Namen will ich noch erwähnen:
Andreas Haverkamp, weil ich mit ihm besprochen habe, diese Strecke gemeinsam zu stemmen, wenn es irgendwie möglich ist. Und natürlich meinen KÖLNPFAD Mitstreiter Thorsten Klenke, weil wir, vielleicht wegen der vielen Arbeit der KÖLNPFAD Organisation, kaum mehr miteinander auf dem Trail sind.
Auf die genannten Läufer, aber auch auf die vielen hier nicht genannten Athleten, freue ich mich sehr. Und diese Vorfreude entspannt mich und lässt mich hoffen, diese Strecke doch irgendwie bewältigen zu können.
MQDer JUNUT ist ja auch ein Teil der „MILLENIUM QUEST“ Laufserie, auch wenn das für mich nicht gilt. Aber denen, die sich dieser Herausforderung stellen, gehört meine gesamte Hochachtung. Immerhin 18 Starter beteiligen sich an diesem Bewerb.

Zuletzt bin ich auch sehr gespannt, wie die Tracker funktionieren werden. Es sind übrigens die selben Tracker, die wir auch beim KÖLNPFAD 2016 benutzen werden, sodass sich der eine oder andere Läufer überlegen mag, ob es nicht sinnvoll ist, den Tracker gleich zu kaufen statt ihn immer wieder neu zu leihen.
Wie die Webseite aussieht, wie das Rennen vom heimischen Computer aus begleitet und beobachtet werden kann, das wird sehr spannend sein.
Eines aber sei gesagt: der Punkt ganz weit hinten, das wird meiner sein!

Mit Dankbarkeit aus dem Jahr 2015 heraus …

12239693_1071309352879135_2918030219672429241_n2015 ist nun fast vorbei. Fast, das heißt, dass es für mich noch den „Kleinen KoBoLT“ geben wird. Und wieder den „Eisweinlauf“, natürlich. Und vielleicht noch den „Glühwein-Marathon“, je nachdem, wie ich mich an diesem Wochenende fühlen werde.
Danach bleibt dann wirklich nichts mehr, nada, njete, nothing, ketiadaan,hiçlik, فراغ .
2015 war in vielerlei Hinsicht „mein Jahr“. Die läuferische Hinsicht will ich hier einmal beleuchten.

„Nichts geschieht zufällig“, heißt es im Resonanzgesetz, „nihil fiet casu“ auf Latein, alles hat einen Sinn im eigenen Leben. Und so danke ich diesem Sinn des Lebens dafür, 2015 bisher so viele Länder besucht zu haben:
Frankeich, Gran Canaria, Italien, Madeira, Mallorca, die Niederlande, Menorca, England, Korsika, Spanien (Festland), Kappadokien (Türkei), Schweiz, Lykischer Weg (Türkei), Österreich und Luxemburg.
So viel Auswahl wird es wohl für mich nie wieder geben! Weiterlesen

In Kalterherberg wurde es mir warm ums Herz …

Monschau1„Eigentlich hätte Jürgen Sinthofen diesen Bericht schreiben müssen“ schrieb ich im Vorjahr in meinem Bericht über den Monschau-Marathon („New York, Monschau, Tokyo„). Jürgen ist ein „Sammler“ von Hauptstadt-Marathons auf dieser Welt. Und weil Monschau ja die heimliche Hauptstadt der Eifel ist, dachte ich, dass das ein Lauf für ihn sein müsse.

2015 war es dann so weit. Jürgen trat die weite Fahrt nach Konzen bei Monschau an, um diese 42,2 Kilometer unter die Füße zu nehmen.
Heraus kam ein netter und detailreicher Bericht, den zu lesen ich Dir gerne ans Herz lege.
Nur wiederholen will ich nicht, was da schon geschrieben steht.

Muss ich ja auch nicht. Der Monschau-Marathon hatte für mich heuer sowieso eine ganz andere, eine eigene, eine fast heilige Bedeutung.
Nachdem es mir in der Türkei nicht vergönnt war, meinen 200. „Marathon und länger“ (MuL) zu laufen, mir der Mauerweglauf in Berlin zeitlich zu weit weg war und weil ich mich auch richtig frisch und fit fühlte und das gerne überprüfen wollte, dachte ich: „Monschau – this is the place!“
Welcher Lauf wäre denn besser für solch eine „200“ besser geeignet?Monschau2Monschau-Marathon, das ist Heimat.
Nur rund 80 Kilometerchen von meinem Wohnort in der Grafschaft entfernt ist es einer der ganz besonders nahe gelegenen Marathons. Und Monschau und das Umland sind sehr ähnlich wie Ahrweiler und sein Umland. Ein Blick und Du scheinst alles und alle dort zu kennen.

Monschau-Marathon, das sind Freunde.
Obwohl ich dort erst zum zweiten Mal gelaufen bin, kenne ich viele der handelnden Personen. Ich kenne die Stellen, an denen die VPs stehen, ich kenne viele Menschen, die an den HotSpots die Strecke säumen, um uns zuzujubeln und viele der Helferinnen und Helfer, die Dir Wasser, Iso, Tee, Cola, den berühmten Löffel Honig, Riegel, Bananen, Orangen reichen oder eben Schwämme, die Du zur Abkühlung gerne nimmst.

Monschau-Marathon, das ist Familie.
Allein aus meinem, aus Deinem, aus unserem engsten läuferischen Umfeld, standen so viele Namen lieber und liebster LäuferInnen aus der Familie auf der Startliste, dass das Lesen derselben allein schon ein Genuss war. Meine Lauftruppe des TV Altendorf-Ersdorf war mit einer Zweierstaffel vertreten, „statt Köln“ (Margit und Andreas) und beim Marathon lief Frank, mit dem ich die erste Hälfte der Strecke genießen durfte.
Joe Kelbel war auf der Ultrastrecke, ebenso Christian Pflügler, Holger Boller, Thomas Hildebrand-Effelberg, Helmut Hardy, Hans Würl und Lars Schläger, um nur einige der drei Handvoll enger Freunde zu nennen. Betty Mecking, Nile Niederreuther und Jörg Segger als KÖLNPFAD-Läufer waren ebenfalls auf der Ultrastrecke unterwegs.

Und von den 433 Finishern des Marathon will ich erst gar keine Namen heraus picken, es sind einfach zu viele.
Einen aber, der für mich mindestens auch „Familie“ ist und den ich viel zu selten sehe, will ich aber doch erwähnen:
R(ud)olf Mahlburg gab sich die Ehre, als Walker nur, da er zurzeit besser Trecker fährt als läuft, wie er selbst sagt. Meine Ultralauf-„Karriere“ ist eng mit seinem Namen und seinen Veranstaltungen von Laufendhelfen.de verbunden. Mindestens ein gutes Dutzend meiner 200 MuL habe ich bei ihm und mit ihm hinter mich gebracht.Monschau3Und weil es ja dieses Jubiläum war hatte ich tatsächlich gar keine Ziele. Ob ich wieder die 4:18:30 Stunden aus dem Vorjahr erreichen würde, ob es 4:30:00 Stunden oder auch 5:00:00 Stunden würden, es war mir vollkommen egal. Ich war entspannt und glücklich. Für die meisten, die ich überholen durfte, zumeist Ultras, hatte ich die Zeit, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln, ein Drücker hier, ein Küsschen da, ein paar Worte über dies und das und ein paar Hundert Meter mit R(ud)olf – es war herrlich, wunderbar.
So entspannt war ich noch nie, so ziellos, so wenig ergebnisorientiert, war ich noch nie.

Nach der halben Strecke ließ ich Frank stehen, um die zweite Hälfte etwas schneller zu laufen. 2:11:00 Stunden für die erste Hälfte war ja angesichts der Steigungen gar nicht so schlecht, aber da ging noch was, dachte ich. Und eine durchschnittliche Pace von 6:20 Minuten pro Kilometer ist ja auch nicht zu verachten. Zu schnell für Berlin ist sie auf jeden Fall.
Aber wenn man es dann mal lauen lässt, dann sinkt die kumulierte Zeit kontinuierlich und irgendwann war sie dann unter 6:10 Minuten pro Kilometer.
Das war dann in Kalterherberg, am höchsten Punkt der Strecke, dort, wo so viele Menschen unserem bunten Treiben beiwohnten.
Das war der Moment, in den ich beschloss, nun doch auf Zeit zu laufen.
Eine „unter 6“ musste her bei meinem 200. MuL, so der Vorsatz. Und die Menschen an der Strecke klatschten, dass mir warm ums Herz wurde.
Ganz besonders feuerte mich immer wieder eine Lady an, der mein KÖLNPFAD Shirt so gut gefiel. Ich bin zwar sicher, dass sie nicht wirklich wusste, was der KÖLNPFAD ist und wie lange man dafür laufen muss, aber sie las nur „KÖLLE“ und rief jedes Mal „Kölle Alaaf!“ und reckte einen Daumen nach oben.

Das mit der weiteren Beschleunigung funktionierte gut, trotz einiger Steigungen, die mich immer wieder zurück warfen, ich lief auf der Ebene nun meist eine Pace von 5:20 Minuten pro Kilometer, runter bis zu einer kumulierten Zeit von 5:58 Minuten pro Kilometer, mit der ich dann ins Ziel einlief. Nach 4 Stunden, 12 Minuten und 5 Sekunden.

Es flossen keine Tränen bei mir, aber ich war weiterhin entspannt und ich genoss den Moment und die schöne Zeit danach.
Ich traf noch Holger, Lars, Jürgen, Thomas und auch noch Andere, es gab ein Drücker hier, eine Gratulation da.
Was es aber nicht gab, war eine Rose.
Die gab es nämlich nur für die Damen, nicht für die, die ihren 200. MuL gefinished haben.

Und wenn ich nach 2016 schaue und alles einigermaßen nach Plan läuft, dann werde ich dort in Konzen bei Monschau am 14. August 2016 meinen vielleicht 222. MuL finishen.
Denn Monschau-Marathon, das ist Kult.