In Kalterherberg wurde es mir warm ums Herz …

Monschau1„Eigentlich hätte Jürgen Sinthofen diesen Bericht schreiben müssen“ schrieb ich im Vorjahr in meinem Bericht über den Monschau-Marathon („New York, Monschau, Tokyo„). Jürgen ist ein „Sammler“ von Hauptstadt-Marathons auf dieser Welt. Und weil Monschau ja die heimliche Hauptstadt der Eifel ist, dachte ich, dass das ein Lauf für ihn sein müsse.

2015 war es dann so weit. Jürgen trat die weite Fahrt nach Konzen bei Monschau an, um diese 42,2 Kilometer unter die Füße zu nehmen.
Heraus kam ein netter und detailreicher Bericht, den zu lesen ich Dir gerne ans Herz lege.
Nur wiederholen will ich nicht, was da schon geschrieben steht.

Muss ich ja auch nicht. Der Monschau-Marathon hatte für mich heuer sowieso eine ganz andere, eine eigene, eine fast heilige Bedeutung.
Nachdem es mir in der Türkei nicht vergönnt war, meinen 200. „Marathon und länger“ (MuL) zu laufen, mir der Mauerweglauf in Berlin zeitlich zu weit weg war und weil ich mich auch richtig frisch und fit fühlte und das gerne überprüfen wollte, dachte ich: „Monschau – this is the place!“
Welcher Lauf wäre denn besser für solch eine „200“ besser geeignet?Monschau2Monschau-Marathon, das ist Heimat.
Nur rund 80 Kilometerchen von meinem Wohnort in der Grafschaft entfernt ist es einer der ganz besonders nahe gelegenen Marathons. Und Monschau und das Umland sind sehr ähnlich wie Ahrweiler und sein Umland. Ein Blick und Du scheinst alles und alle dort zu kennen.

Monschau-Marathon, das sind Freunde.
Obwohl ich dort erst zum zweiten Mal gelaufen bin, kenne ich viele der handelnden Personen. Ich kenne die Stellen, an denen die VPs stehen, ich kenne viele Menschen, die an den HotSpots die Strecke säumen, um uns zuzujubeln und viele der Helferinnen und Helfer, die Dir Wasser, Iso, Tee, Cola, den berühmten Löffel Honig, Riegel, Bananen, Orangen reichen oder eben Schwämme, die Du zur Abkühlung gerne nimmst.

Monschau-Marathon, das ist Familie.
Allein aus meinem, aus Deinem, aus unserem engsten läuferischen Umfeld, standen so viele Namen lieber und liebster LäuferInnen aus der Familie auf der Startliste, dass das Lesen derselben allein schon ein Genuss war. Meine Lauftruppe des TV Altendorf-Ersdorf war mit einer Zweierstaffel vertreten, „statt Köln“ (Margit und Andreas) und beim Marathon lief Frank, mit dem ich die erste Hälfte der Strecke genießen durfte.
Joe Kelbel war auf der Ultrastrecke, ebenso Christian Pflügler, Holger Boller, Thomas Hildebrand-Effelberg, Helmut Hardy, Hans Würl und Lars Schläger, um nur einige der drei Handvoll enger Freunde zu nennen. Betty Mecking, Nile Niederreuther und Jörg Segger als KÖLNPFAD-Läufer waren ebenfalls auf der Ultrastrecke unterwegs.

Und von den 433 Finishern des Marathon will ich erst gar keine Namen heraus picken, es sind einfach zu viele.
Einen aber, der für mich mindestens auch „Familie“ ist und den ich viel zu selten sehe, will ich aber doch erwähnen:
R(ud)olf Mahlburg gab sich die Ehre, als Walker nur, da er zurzeit besser Trecker fährt als läuft, wie er selbst sagt. Meine Ultralauf-„Karriere“ ist eng mit seinem Namen und seinen Veranstaltungen von Laufendhelfen.de verbunden. Mindestens ein gutes Dutzend meiner 200 MuL habe ich bei ihm und mit ihm hinter mich gebracht.Monschau3Und weil es ja dieses Jubiläum war hatte ich tatsächlich gar keine Ziele. Ob ich wieder die 4:18:30 Stunden aus dem Vorjahr erreichen würde, ob es 4:30:00 Stunden oder auch 5:00:00 Stunden würden, es war mir vollkommen egal. Ich war entspannt und glücklich. Für die meisten, die ich überholen durfte, zumeist Ultras, hatte ich die Zeit, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln, ein Drücker hier, ein Küsschen da, ein paar Worte über dies und das und ein paar Hundert Meter mit R(ud)olf – es war herrlich, wunderbar.
So entspannt war ich noch nie, so ziellos, so wenig ergebnisorientiert, war ich noch nie.

Nach der halben Strecke ließ ich Frank stehen, um die zweite Hälfte etwas schneller zu laufen. 2:11:00 Stunden für die erste Hälfte war ja angesichts der Steigungen gar nicht so schlecht, aber da ging noch was, dachte ich. Und eine durchschnittliche Pace von 6:20 Minuten pro Kilometer ist ja auch nicht zu verachten. Zu schnell für Berlin ist sie auf jeden Fall.
Aber wenn man es dann mal lauen lässt, dann sinkt die kumulierte Zeit kontinuierlich und irgendwann war sie dann unter 6:10 Minuten pro Kilometer.
Das war dann in Kalterherberg, am höchsten Punkt der Strecke, dort, wo so viele Menschen unserem bunten Treiben beiwohnten.
Das war der Moment, in den ich beschloss, nun doch auf Zeit zu laufen.
Eine „unter 6“ musste her bei meinem 200. MuL, so der Vorsatz. Und die Menschen an der Strecke klatschten, dass mir warm ums Herz wurde.
Ganz besonders feuerte mich immer wieder eine Lady an, der mein KÖLNPFAD Shirt so gut gefiel. Ich bin zwar sicher, dass sie nicht wirklich wusste, was der KÖLNPFAD ist und wie lange man dafür laufen muss, aber sie las nur „KÖLLE“ und rief jedes Mal „Kölle Alaaf!“ und reckte einen Daumen nach oben.

Das mit der weiteren Beschleunigung funktionierte gut, trotz einiger Steigungen, die mich immer wieder zurück warfen, ich lief auf der Ebene nun meist eine Pace von 5:20 Minuten pro Kilometer, runter bis zu einer kumulierten Zeit von 5:58 Minuten pro Kilometer, mit der ich dann ins Ziel einlief. Nach 4 Stunden, 12 Minuten und 5 Sekunden.

Es flossen keine Tränen bei mir, aber ich war weiterhin entspannt und ich genoss den Moment und die schöne Zeit danach.
Ich traf noch Holger, Lars, Jürgen, Thomas und auch noch Andere, es gab ein Drücker hier, eine Gratulation da.
Was es aber nicht gab, war eine Rose.
Die gab es nämlich nur für die Damen, nicht für die, die ihren 200. MuL gefinished haben.

Und wenn ich nach 2016 schaue und alles einigermaßen nach Plan läuft, dann werde ich dort in Konzen bei Monschau am 14. August 2016 meinen vielleicht 222. MuL finishen.
Denn Monschau-Marathon, das ist Kult.

Backen für Fortgeschrittene …

MallorcaMan nehme:
Eine Insel, nicht allzu groß.
Einen Gebirgszug, möglichst schroff. Man stelle ihn ins UNESCO Welterbe World Heritage.
Einen Trail, möglichst eng und steinig.
Ein Meer, blau, zum drauf schauen.
Eine Horde Läufer, mindestens 350 Stück.
Viel direkte Sonne.
Ein Orga-Team, das sich um die Läufer kümmert.
Zuschauer, die stundenlang applaudieren und anfeuern.

Zuerst nimmst Du die Insel. Du positionierst sie so, dass sie gut erreichbar ist. Und Du positionierst sie im Süden, damit es warm ist, aber nicht zu tief im Süden, damit die Temperaturen noch auszuhalten sind.
Das Gebirge schichte nicht allzu hoch auf, damit noch Platz für Wälder und Sträucher bleibt. Am besten ist es, wenn man das Gebirge nicht mitten in der Insel aufschichtet, sondern irgendwo am Rand.
In dieses Gebirge legst Du nun den Trail. Achte dabei darauf, dass Du diesen möglichst oft wieder bis ganz runter in die Täler führst.
Das Meer legst Du um die Insel herum, damit die Aussichten darauf schön sind.
Die Läufer bereitest Du einzeln vorab vor
(siehe Rezept: Wie mache ich aus Menschen Läufer?),
achte dabei darauf, dass sie alle einen Rucksack tragen, stecke dort etwas Essbares rein und fülle die Trinkblasen mit sehr viel Wasser. Die Läufer werden es brauchen.
Wenn Du all das hast, dann köchle alles unter direkter Sonneneinstrahlung. Achte darauf, dass mindestens 27 Grad erreicht werden und dass die Hitze möglichst lange anhält und nicht allzu sehr abfällt gegen Abend.
Das Orga-Team verteile ungefähr gleichmäßig am Anfang des Trail, den wir „Start“ nennen und an das Ende des Trails, das wir „Finish“ nennen. Und vergiss nicht, dieses Team auch in den vielen Tälern zu verteilen. Statte die Team-Mitglieder mit viel Essen und mit sehr vielen Getränken aus. Sie sollen diese Sachen den Läufern geben.
Und statte die Team-Mitglieder im Finish auch mit hübschen Metallplättchen aus, die Du, damit sie besser um den Hals getragen werden können, mit einem Textilband versiehst. Dazu statte diese letzten Team-Mitglieder auch mit wärmenden Vlies-Pullis aus, die sie am Ende den Finishern geben sollen. Auf die Pullis nähe vorab ein hübsches Bildchen, dann sind die Läufer noch stolzer.
Die Zuschauer verteile sporadisch in den Tälern, die meisten aber stellst Du vor dem Finish auf. Achte darauf, dass die Zuschauer andauernd „¡Ánimo!“ rufen, je lauter, desto besser, je öfter, desto besser. Für den Erfolg des Rezepts ist es vor allem sehr wichtig, dass die Zuschauer vor dem Finish zahlreich und laut sind.
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Wenn Du all das richtig zusammenstellst, Dir die nötige Ruhe antust, das alles wirken zu lassen, dann wird das Ergebnis ein Lauf sein, der seinesgleichen sucht. Der ULTRA TRAIL SERRA DE TRAMUNTANA auf Mallorca ist solch ein Lauf, der es wert ist, von vielen aus unserer Läuferfamilie gelaufen zu werden. Und das sage ich, wohl wissend, dass ich schon den einen oder anderen Lauf auf der einen oder anderen Insel hinter mir habe und deshalb durchaus Vergleiche ziehen kann.
Ganz besonders schön finde ich dabei, dass dieser Lauf nicht wie die meisten Inselläufe von einer Küste zur anderen Küste geht und man dazwischen das Meer meist gar nicht sieht, sondern der Trail läuft parallel zur nord-westlichen Küste und verwöhnt Dich immer wieder mit imposanten Ausblicken auf das große, stille, blaue Meer, das von oben immer so harmlos und glatt aussieht, so mächtig und attraktiv, dass ich stets denke, dass wir Menschen uns heimlich immer noch dahin gezogen fühlen, wo wir eigentlich herkommen.

Die Organisatoren feilen dabei ständig am Konzept und an den Details. So haben sie gegenüber 2012, wo ich dort das erste Mal gelaufen bin, den Startplatz verändert. Statt ganz profan auf der Straße neben dem „PALAU MUNICIPAL D’ESPORTS“ hat man sich für 2014 ein Kastell ausgesucht, das wunderschön erleuchtet ist und den mitternächtlichen Start besonders bemerkenswert macht.
Für Lars, Hendrik und mich, die wir uns kurz vor dem Start noch ein Wässerchen gegönnt hatten und die die Ruhe weg hatten, obwohl wir mittlerweile nur noch die „letzten Mohikaner“ in dem Bistro waren, hätte das fast ein Riesenproblem werden können. Wissend, dass der Start gleich draußen vor der Türe stattfindet, hatten wir uns gewundert, warum die anderen Läufer alle schon Richtung Start gegangen waren, bis ein aufgeregter Bistro-Mitarbeiter uns darauf hingewiesen hat, dass wir noch einen längeren Fußweg bis zum Start zu bewältigen hätten. Also zogen wir los, nicht in Hektik, aber auch ohne die übliche Gelassenheit, um gerade noch rechtzeitig zum Massenstart auf dem Kastell zu kommen.

Die zweite Änderung war, dass man nach Valldemossa, dem Startort des „Trails“, also der kürzeren Variante, nicht links über die Berge ging, sondern rechts herum durch eine Schlucht, die mich so sehr fasziniert hat, dass ich am liebsten stehen geblieben wäre. Dachte ich bislang, dass die Schlucht auf Gran Canaria, die zum Cruz Grande führt, einen „Magic Moment“ darstellt, so blieb das für mich weit hinter dieser Schlucht zurück.
Der Vorteil auf Mallorca ist dabei, dass es nicht so hoch ist und auch nicht so heiß ist im Jahresverlauf, einen richtigen Winter haben kann und daher Gebiete bewaldet sind, die auf Gran Canaria einfach nur mit niedrigem Buschwerk bewachsen sind. Und dieser optische Vorteil kommt eben dieser Schlucht zu Gute.

Aber jede Münze hat zwei Seiten, sagt man, alles hat seinen Preis. Und der Preis für diese schöne Schlucht war dann nach einem fantastischen Höhenweg mit Blick auf das Meer ein Downhill, den ich erst schnell angegangen bin. Dann aber habe ich gemerkt, dass ich das ja gar nicht kann und ich reduzierte mein Tempo. Bis dahin war ich wirklich gut in der Zeit gelegen, die ersten 56 von 112,2 Kilometern habe ich in 8:58 Stunden hinter mich bringen können.
Aber trotz dessen, dass ich langsamer wurde, begannen die Oberschenkel zu brennen und ich hatte das Gefühl, dass jetzt nichts mehr gehen würde.

Diese Phase war die vielleicht einzige, vor der ich Sorge hatte.
2012 erreichte ich Valldemossa um 7:40 Uhr und dann, nach dem nächsten Uphill, rannten mich die noch frischen Cracks des kurzen Trails TRAIL SERRA DE TRAMUNTANA, der um 8:00 Uhr startet, auf dem Downhill tot. Eingeschüchtert ob meiner Langsamkeit blieb ich immer wieder stehen, um die Züge der Cracks vorbei zu lassen, für die es ja der erste Downhill war.
Die großartige Steph Lieb von den TRAIL-MANIAKs war da auch darunter.
2014 wollte ich diese Situation weitgehend vermeiden. Ich lief also schon um 6:59 Uhr in Valldemossa ein und um 7:02 Uhr dort aus und der erste der schnellen Trailer holte mich erst kurz vor dem Ende des deutlich schwierigeren Downhills ein.
Dennoch blieb das Überholen durch die Trailer ein Dauerzustand und ich weiß nicht, ob ein Start um 10 Uhr da nicht sinnvoller wäre.
Insgesamt überholten mich bis zum Finish 431 der rund 1.200 Starter, also rund ein Drittel der Gestarteten. Und ich war nun wirklich nicht langsam unterwegs.

Von Läufern des Ultra wurde ich sehr selten überholt. Die Schnellen waren ja sowieso vorne, da ich wie immer langsam und verhalten begann. Deshalb war ich anfangs recht weit hinten im Feld, aber dann holte ich Position für Position auf. Natürlich hat jeder seine guten und schwachen Phasen und so gab es einige Ultras, die mich überholten, die ich überholte und mit denen ich im Grunde einen großen Teil des Rennens gemeinsam gelaufen bin.
Aber eben die Trailer, die mich überholten, waren seit Valldemossa mir gegenüber ja 58 Minuten schneller unterwegs, keine Frage, dass die alle nicht mehr einzuholen waren. Dennoch tröstete es mich, dass mir 417 Läufer des Trails diese 58 Minuten nicht abnehmen konnten, obwohl sie die rund 46 Kilometer zuvor nicht in den Beinen hatten und dass beispielsweise der letzte der Trailer kaum mehr als drei Stunden weniger für seine Strecke gebraucht hat wie ich für die gesamte Strecke.

Dann aber kamen die Verpflegungspunkte mit Kohlenhydraten. Hintereinander folgten Nudeln, Reis und erneut Nudeln. Auch das war neu. Ein Mal Nudeln in Soller war alles, was es 2012 gab. Und noch etwas war neu und absolut himmlisch: Wasser und Cola wurden in großen Bottichen gekühlt und waren zwar nicht eiskalt, aber eben nett kühl.
Mit Grausen erinnere ich mich an die Cola im Jahr 2012, die so warm war, dass ich sie nicht mehr haben und trinken konnte.

Und es kam Soller. Soller ist ein wirklich nettes Städtchen mit einem pulsierenden Stadtzentrum, wo Tausende von Menschen vor den Cafés und Bistros im Freien saßen und den April einen schönen Monat sein ließen.
An denen ging es vorbei bis zum großen Verpflegungspunkt und wieder ertönten „¡Ánimo!“ Rufe. Einige der Zuschauer waren dabei enorm sachkundig und erkannten, dass die Läufer mit den grünen Startnummern in Valldemossa gestartet waren, die mit den roten Startnummern aber schon in Andratx los gelaufen waren.
Die mit den roten Startnummern waren wohl 400 Starter gewesen, davon sind 286 Läufer im Ziel angekommen, die letzten kurz vor dem Cut-Off um 24.00 Uhr.
Und weil, wie schon geschrieben, jede Medaille zwei Seiten und alles seinen Preis hat, bezahlten wir das Erlebnis in Soller mit dem Anstieg auf den höchsten Punkt des Rennens. 1.250 Meter ging es nach oben. Und das auf einem Weg, der steil war und direkt von der gnadenlos brütenden Sonne beschienen wurde.
Ein Polizist fing am Anfang jeden Läufer ab, fragte ihn, ob er wisse, wo er sei und was da auf ihn zukommen würde. Ich wusste es. Ich hatte diesen Uphill 2012 hassen gelernt. Und ich hatte die Fotos beispielsweise von Birger Jüchter und Hans-Peter Roden aus dem Jahr 2013 bewundert, die diese Passage im Nebel bewältigen durften. Wo bitteschön, ist das Paradies?
Bei 27 Grad im Schatten wird daraus eine echte Herausforderung.

Ein Sonnenstich in 2012 holte ich mir da, Nasenbluten am höchsten Punkt, weswegen ich anhalten und Läufer um ein Tempo bitten musste, später dann musste ich mich insgesamt vier Mal übergeben, eine Situation, die ich weder davor noch danach noch einmal hatte.
Ja, ich wusste, was mich erwarten würde.
Dem Polizisten sagte ich: „Ja, ich weiß, 1.250 Höhenmeter, steiler Trail, kein Schatten, brütend heiß!“
Er war zufrieden.

Ich war es auch, denn es gab dennoch hin und wieder doch etwas Schatten. Den hatte meine Erinnerung vollkommen ausgeblendet. Aber weil ja meine Oberschenkel noch immer zeitweilig gekrampft haben, musste ich unter dem Krampfpunkt laufen und wählte einen langsamen, aber stetigen Läufer als meinen Pacer, den ich keinesfalls überholen wollte. Das war eine richtig gute Entscheidung, weil ich merkte, wie ich zu regenerieren begann.
Allen, die solch eine Situation noch nie erlebt haben, sei gesagt, dass es immer die Chance gibt, zu regenerieren. Früher bin ich in solchen Situationen gelegentlich ausgestiegen, weil ich dachte, dass ich in dem Zustand, in dem ich war, nicht mehr finishen könnte. Aber wenn Du dann bewusst langsam machst, ein, zwei, drei Stunden lang, dann geht es Dir wieder besser. Und Du „verlierst“ in der Stunde vielleicht zehn Minuten, also maximal eine halbe Stunde, wenn Du das drei Stunden lang machst. Aber Du kannst wieder laufen, kannst finishen und alles wird gut.
Danke an dieser Stelle meinem unbekannten Pacer.

Ein Verpflegungspunkt auf 850 Metern, dann der Anstieg auf den 1.250 Meter hohen Gipfel und dann ging es runter.
Aber eins hätten wir dann doch noch …
Nach dem Abstieg auf etwas mehr als 1.000 Meter geht es dann doch noch einmal auf knapp 1.200 Meter hoch, ein kleiner Test für Deine Psyche, den Du dann aber locker meisterst. Wer bis dahin rund 90 Kilometer bewältigt hat, der lässt sich von so einem letzten Berg nicht abschrecken.
Aber dann ging es wirklich runter, runter bis zum Kloster Lluc. Ich lief und trabte im Wohlfühl-Modus, ich war nicht sicher, wie es mir gehen würde und wollte mich etwas schonen.
Dann aber, nach dem letzten Verpflegungspunkt im Kloster Lluc, ging es einen letzten Trail downhill. Noch etwa 17 Kilometer, da geht noch was. Und wenn danach alles weh tut, dann ist das egal. Dann ist da das Finish und alles wird wunderbar!

Ich heftete mich an die Fersen eines Trail-Experten. Ich lief in seiner Spur, stellte die Füße dort auf, wo er es tat und so bildeten wir einen Zwei-Mann-Kurzzug, der Läufer um Läufer überholte. Wir waren so schnell, wie ich alleine niemals gewesen wäre. Ich bin ja eher ein ängstlicher Downhiller, ständig in Sorge, umzuknicken, zu stürzen oder, noch schlimmer, an jemandem vorbeizulaufen, den ich kenne und ihn nicht grüße!
Ich weiß nicht, wie viele Läufer wir auf diesen 9 Kilometern downhill überholt haben und wie viele davon Trailer und wie viele davon Ultras waren, ich weiß nur, dass ich diesen Lauf fantastisch fand.
Und dann folgten etwas mehr als 7 Kilometer fast flach bis ins Ziel. Mal auf der Straße, mal auf einem Trail daneben. Ich hielt das Laufen nicht mehr permanent durch und wechselte von schnellem Gehen über das Traben zum Laufen und wieder zurück.
Als das Schild „Noch 7 Kilometer“ kam, rechnete ich mit maximal noch 10 Minuten pro Kilometer, also mit maximal noch 70 Minuten. Ein Finish unter 19:30 Stunden war also sicher, bis dahin wären es sogar noch 74 Minuten gewesen. Unter 19:00 Stunden zu finishen war auch illusorisch, da hätte ich nur noch 44 Minuten Zeit gehabt. Eine glatte Sechser-Zeit … aber nicht nach über 100 Kilometern in den Beinen.

Und irgendwann kam dann die Stadt Pollença, das Ziel. Ich wurde schneller.
Je mehr Menschen den Weg säumten, desto schneller lief ich. Nur einmal, an einem Anstieg im Dorf, schaltete ich kurz zurück, um dann mit Verve und Elan die letzten Meter zur Finish-Line zu nehmen.
Ich packte gefühlt eine 4:30er Zeit aus, mein Garmin hatte mich schon lange verlassen, aber ich war so schnell wie selten. Vor mir, kurz vor dem Ziel, machte mir noch ein Läufer Platz und er forderte mich auf, ihn zu überholen.
Aber das wollte ich nicht und ich sagte ihm, dass ich das nicht fair fände. Wir liefen also zusammen ein und schon auf den letzten 50 Metern begannen wieder die Tränen zu laufen.

Aus den Tränen wurden Sturzbäche und die Orga-Team-Leute wussten nicht recht, was sie mit mir anfangen sollten.
Dabei war ich einfach nur überglücklich.
Das sind die Momente, für die ich laufe, für die ich lebe!
19:07 Uhr stand auf der Anzeige über mir, die Menge jubelte und ich fühlte mich so, also hätte ich dieses Rennen gerade gewonnen.
Man stellte mir einen Stuhl hin und ich bemühte mich, durch Wackeln des Oberkörpers dem Körper noch etwas Bewegung zu geben, um langsamer runter zu kommen.
Dass ich den 7. Platz der Altersgruppe MÀSTER MASC erreicht hatte, wusste ich erst viel später. Auch der 136. Platz von allen ist für mich in Ordnung. Mehr ist für mich alten Mann eben nicht mehr drin.
Im vorderen Drittel der Gestarteten, deutlich in der vorderen Hälfte der 286 Finisher, was will ich mehr?

So bleibt mir nur, mit guten Gedanken Richtung Mallorca zurück zu denken, den Organisatoren des TRAIL SERRA DE TRAMUNTANA von Herzen zu danken und ihnen zuzurufen:
„Da habt Ihr etwas ganz, ganz Tolles auf die Beine gestellt. Respekt, Hut ab und tief, ganz tief, verneigt!“Start

 

UTMB für Runaways …

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Wenn ein Engel herunter geschwebt kommt vom großen Berg, in diesem Falle vom Weiler Bovine, und wenn Dir dieser Engel dann ein Geschenk anbietet, dann musst Du dem Himmel oder dem Wahnsinn nahe sein …

„Nein, ich gehe auf keine Finisher-Zeit,“ sagte ich Tom Dörner. Schlimm genug, dass er gewonnen hat!
„Ich setze 50 EUR auf Deinen Start,“ hat er gesagt. Aber niemand hat dagegen gehalten, auch ich nicht. Die Oberschenkel fühlten sich noch bis Donnerstagmorgen an wie feste Schienen, erst die Wanderung mit Uwe Herrmann zum „Refugio Belle Lachat“ lockerten sie auf. Aber die Knie und die Kniescheiben wackelten wie Pudding herum. Und richtige Lust zu starten hatte ich eigentlich auch nicht.
Eher war es die Überlegung, nichts mit mir anfangen zu können, wenn alle beim CCC oder UTMB laufen und ich ziemlich alleine im „Deutschen Haus“ herum lungere. Und wieder nur surfen? Facebook, bis die Fingerkuppen qualmen? Nein, dachte ich, dann doch lieber laufen gehen!
UTMB
Die Organisatoren hatten mir mit ihrer Mail am Donnerstagnachmittag die letzten Sorgen genommen, nicht starten zu dürfen. „Wer sich noch nicht eingeschrieben hat, der möge es morgen früh ab 9.00 Uhr bitte tun!“ Also tat ich es.
Es war leichter als befürchtet. Niemand fragte mich wegen des Starts beim PTL, wie auch, bei 2.300 Startern? Aber wenn man die Einschreibeprozedur des PTL hinter sich gebracht hat, dann stellt man fest, das die gleiche Prozedur beim UTMB ein Vielfaches an Zeit benötigt. Alles wird detailliert kontrolliert. Und Du läufst von Pontius nach Pilatus, um erst einen Schein zu erhalten mit Deinen Daten, dann die Materialkontrolle über Dich ergehen zu lassen, das Bändchen für das Handgelenk zu erhalten, das Plastikfähnchen an den Rucksack zu bekommen, die Startnummer und das Starterpack zu erhalten, das Starter-T-Shirt ausgehändigt zu bekommen und noch das nette Sackerl des UTMB für Deine Abfälle abzugreifen, das dann an Deinen Rucksack montiert werden soll.
Mir hätte die Startnummer und das strahlend blaue Starter-T-Shirt schon genügt. Aber das Shirt war schon sehr, sehr wichtig.
Nach den guten Jahren 2009 und 2010 gab es ja manche Geschmacksverirrung im Starter-T-Shirt Design, 2013 aber ist das Shirt wieder ein Traum. Gut, dass ich zwei Mal gestartet bin. Zwei Starts – zwei Shirts, so gehört sich das!

Der 4er Club der UTMB-Starter des „Deutschen Hauses“ setzte sich schon um 14.30 Uhr Richtung Startlinie in Bewegung. Na ja, eigentlich war es gar kein 4er Club, eher ein 2x2er Club. Zwei Rennhasen, Axel, der am Ende eine unglaubliche Zeit abliefern sollte und Gerald auf der einen Seite und zwei Rennschnecken, Marius, der sich selbst wegen seiner Knieprobleme nur eine 50%-Chance gegeben hatte, das Ding zu finishen und ich auf der anderen Seite.
Und wir warteten geduldig vor dem Start auf dem Boden sitzend. Selbst hier wurden manche noch stichprobenartig auf die Vollständigkeit der Pflichtausrüstung kontrolliert. Na ja, alles, was ablenkt, ist gut und hilft, dass die Zeit schneller vorbei geht.
Aber das zog sich hin und erst vielleicht 15 Minuten vor dem Start, alles stand natürlich schon wieder, begann das Kribbeln im Bauch, die Nervosität und der Wille, dieses Ding auch ein zweites Mal zu finishen.

Ich hasse eigentlich die zweiten Läufe.
Bei der TorTOUR de Ruhr hatte ich 2010 die 230 K finishen können, trotz großer Hitze und immenser Schmerzen. 2012 hat wieder etwas weh getan und dann war nach 100 Kilometern Schluss für mich. Nein, Jens Vieler, das passiert mir nicht noch einmal! 2014 musst Du mich wieder im Ziel bei der berühmten Stele empfangen.
Beim KoBoLT konnte ich in der ersten Edition bei klirrender Kälte finishen, ein Jahr später hatte ich schon nach 35 Kilometern mehr Lust, mit Günther Brun Bahn zu fahren und zu quatschen.
Wahrscheinlich ist es das: beim ersten Mal bist Du bis in die Haarspitzen motiviert und Du willst Dir beweisen, dass Du es kannst. Beim zweiten Mal weißt Du, dass Du es kannst. Die Frage ist nur, ob Du es wirklich noch einmal willst.
KarteAber den UTMB wollte ich wirklich noch einmal. Spätestens als „die Musik“ spielte, als sich die 2.300 Läufer in Bewegung setzten und Du gefeiert wurdest wie ein Star. Der Start beim PTL war schon „Emotion pur“, der Start beim UTMB 2013 war einfach unbeschreiblich. Ich würde mich immer wieder dort anmelden, nur, um diesen Start erleben zu dürfen. So viel Gefühl, so viel Begeisterung!
Mit einem Mal sind alle Gedanken an das, was zu Hause an Problemen auf Dich wartet, weg geblasen und Du bist beseelt von dem Wunsch, die Vorschusslorbeeren, die diese Menschen Dir auf den ersten zwei Kilometern gegeben haben, auch wirklich zu verdienen.
Ich hätte den Menschen in Chamonix nicht mehr in die Augen sehen können, wenn ich dieses Rennen ohne triftigen Grund nicht gefinished hätte. Zudem kam dazu, dass schon die ersten Finisher des TDS im Ziel waren. Und die hatten die Weste!
Die Weste des UTMB ist ja eines der am besten gehüteten Geheimnisse dieser Welt. Selbst die Nachfrage bei der NSA hilft da kaum weiter. Aber spätestens, wenn der erste Finisher des TDS im Ziel ist, ist das Geheimnis gelüftet. Und dieses Jahr war das Geheimnis rot! Strahlend rot!
Die Weste passt so schön zum strahlend blauen Starter-T-Shirt! Es ist einfach wunderbar.

Ich begann locker trabend, aber etwas zügiger als 2009. Aber ich hatte immer eine kleine Bremse im Kopf. So viele machen sich schon auf dem Weg nach Les Houches kaputt. Aber was kannst Du auf den ersten 7,6 Kilometern denn gewinnen? Vielleicht 10 Minuten. Aber was kannst Du hinten heraus verlieren?
Das gilt auch für den ersten Abstieg. Abstieg ist da eigentlich nicht der richtige Ausdruck, Abfahrt trifft es besser. Es ist eine ordentlich steile Skipiste, die ich im Winter wohl kaum ohne Päuschen durchfahren würde. Aber bergab laufen scheint ja so einfach zu sein. Und viele, so viele, sind ohne Rücksicht auf Knie, Oberschenkel oder sonstige Verluste da runter gespurtet, als gäbe es kein morgen mehr, keine weiteren vielleicht 150 Kilometer!

Ansonsten gibt es wenig zu schreiben über diesen Lauf bei mir. Das rauf und runter schien weniger als 2009 zu sein, vielleicht weil 9.600 Höhenmeter heute nicht mehr so gewaltig klingen wie damals, vielleicht auch, weil nach den Erlebnissen des PTL die „Bergautobahn“ des UTMB mehr dem Auslaufen als dem Anstrengen zu dienen schien.
Und alles war gut – bis kurz vor Courmayeur.

Ich war ja auch bestens vorbereitet. Als ordentlicher Trail-Maniak hatte ich auf neue Stöcke gesetzt, auf die leichtesten, die es zurzeit gibt, auf die FIZAN-Stöcke. Sie kamen gerade noch rechtzeitig vor meiner Abreise nach Chamonix, schade, dass ich sie heute nicht mehr habe. Aber dazu später.
Und ich habe mich ja dem Fanclub der CLIF BARS angeschlossen, das schrieb ich ja hier an dieser Stelle nach dem Pitztal Gletscher Marathon schon. Und weil ich ja ursprünglich vorhatte, vor dem UTMB erst ein paar Bergtrainingstage einzulegen, habe ich von den fünf leckeren Sorten jeweils vier CLIF BAR Riegel mit nach Chamonix gebracht.
Und zuletzt hatte ich vor allem für die zweite UTMB-Nacht bei unser aller „Dealer“, dem großartigen Rolli von WAT LÄUFT, einige Ampullen des Wachhalters Activator aus dem Hause Sponser bestellt. Da ist so ziemlich alles drin, was mit -in aufhört: Koffein, Taurin, … auch eine gute Wahl, die ich schon in den beiden Nächten des PTL getestet hatte.

Aber auch FIZAN-Stöcke haben so ihre Grenzen. Kurz vor Courmayeur auf dem schmalen Waldweg runterwärts, gar nicht an einer extrem steilen Stelle, sondern eher in einer gemäßigten, die Gedanken schweiften ab, ich fragte mich, ob Eric Tuerlings vielleicht dort zu Besuch wäre, da fädelte ich an einer Wurzel ein, stolperte und konnte mich nicht mehr fangen. Ich sah einen großen Baum auf mich zukommen und drehte ab, den Abhang hinunter. Dort fiel ich dann auf den Rücken, zum Glück durch den Rucksack abgefedert. Und da lag dann ein abgesägter Baumstamm. Es ging alles so schnell und instinktiv. Ich stoppte mit dem linken Fuß an dem Baum, schüttelte mich, zählte meine Extremitäten, alle waren noch da. Nur einer der Stöcke fehlte. Nach knapp der halben Strecke und als passionierter Stöckeschieber musste ich auf einen Stock verzichten. Mehr noch als die Wunde am Rücken, die ich in Courmayeur versorgen ließ, schockierte mich diese Situation und der Verlust enorm und bremste mich auf Stunden ein.
Du glaubst gar nicht, wie vielen Läufern ich danach erklären musste, warum ich nur einen Stock dabei hatte!
ProfilAus Courmayeur heraus lief ich auf Gabi Kenkenberg auf und wir beide beschlossen, lange Zeit zusammen zu laufen. Für Gabi, die auf ebenen Strecken sämtliche Rekorde dieser Welt knacken kann, war es nach dem CCC im Vorjahr der erste wirklich lange Berglauf und ihr ging es sichtlich schlecht. Mir auch, aber eher wegen des Sturzes. Mittlerweile wurde ich beim Kopf drehen immer wieder an den Sturz erinnert, der Nacken tat weh, der Rücken schmerzte und ein Stock war weg.
Und Gabi und ich trabten und trotteten die Berge rauf und runter.
Am einem sonnenbeschienenen Berg ohne Büsche und Bäume, dafür mit hohen Temperaturen, großer Müdigkeit und sinkender Motivation, ich glaube, es war der Grand Col Ferret, mit 2.537 Metern höchster Punkt des UTMB, konnte und wollte ich Gabi nicht mehr halten. Ich musste ein paar Minuten ruhen, mich die Wege hinauf quälen und ich hatte das Gefühl, dass mich in dieser Phase Hunderte anderer Läufer überholten. Aber dann war ich auch dort oben und – alleine.

Immer, wenn es rauf ging, kannst Du Dir sicher sein, dass es auch wieder runter geht. Und dann auch wieder rauf. Verpflegungspunkte gibt es zu Hauf beim UTMB, Höhenmeter auch. Und irgendwann kam der Berg, an den ich mich nur mit Grausen erinnern kann. 2009 war der Bovine richtig schwer und steil, enorme Steinstufen waren zu überwinden. Nach einem Regenjahr schrieb Rainer Wachsmann über diesen Berg einmal, er sei „Körperverletzung“. Und dieser Berg kam. Ich habe mir vorher noch in einem Vorsorgungszelt die sich anbahnenden Blasen am linken Fuß versorgen lassen, dabei hatte ich auch den anderen Stock versehentlich stehen lassen. Jetzt war ich also komplett auf mich alleine gestellt. Und das vor dem Bovine.
Die Organisatoren hatten ja schon geschrieben, dass es den Versorgungspunkt auf dem Bovine nicht mehr geben würde, man solle sich essensmäßig und von den Getränken her doch darauf einstellen. Aber direkt vor dem Berg standen drei vielleicht 8-jährige Mädchen, die Spaß daran hatten, die Läufer mit Wasser zu versorgen. Ein kleines Wunder, eines von zweien, das diesen Berg zu meinem Freund werden ließ.
Und als ich die ersten Meter nach oben gelaufen war und den Berg als wesentlich unproblematischer erlebt hatte, kam Engel Gabi Kenkenberg mit einem japanischen Läufer von oben. Sie hatte ein schmerzverzerrtes Gesicht und erzählte mir, dass der Rumpfbeuger nicht mehr mitspielen würde. Sie müsste hier und jetzt aussteigen.
Und sie fragte mich, ob ich mir ihre Stöcke ausleihen wollte! Das zweite Wunder des Bovine. Aber klar doch, nur mal her damit.
Bis dahin dachte ich immer, dass Engel weiße Flügel haben, es gibt sie aber auch in einer Läufer-Edition.

UTMBNun, wieder mit Stöcken, war der Bovine ein eigentlich einfacher Berg. Aber ich schickte bei den nächsten beiden Abstiegen ein Stoßgebet nach oben. Abstiege ist dabei eigentlich nicht das richtige Wort für die Strecken runter nach Trient und nach Vallorcine, die Dinger sind so steil und so wenig griffig, dass Du wirklich froh bist, dass Du Stöcke hast und irgendwann tatsächlich unten bist. Welcher Landschaftsarchitekt sich bei der Planung und dem Bau dieser Berge eine solch üble Passage ausgedacht hat?

Trotzdem war ich dann froh, in Vallorcine zu sein. Seit dem Aufstieg zum Catogne war ich auch nicht mehr alleine gewesen. Jörg, ein Schweizer, kam mir auf dem Weg nach oben entgegen. „Was machst Du denn?“ fragte ich ihn. Und er antwortete vergeistigt, dass er müde wäre, aufhören würde und in Trient schlafen würde. Ich redete auf ihn ein wie auf ein unartiges Kind. „Nein,“ sagte ich, „das machst Du nicht. Du gehst jetzt mit mir auf den Berg, dann wieder runter und schläfst in Vallorcine. Du hast mehr als genug Zeit für das Laufen und das Schlafen.“ Jörg folgte artig. Oben dann, auf dem Berg, war ich froh um ihn, weil ich so müde wurde, mich immer wieder auf die Stöcke stützen musste und in Trance irgendwelchen Blödsinn erzählte. Mehr lallen als ich dort kann auch kein halbwegs ambitionierter Alkoholiker.
Später dann, in Vallorcine, war Jörg dann nicht mehr müde. Schlafen wollte er nicht mehr, also sollte es gleich weiter gehen. Aber Schweizer sind ja eher gemütlich. Bis wir uns wieder weiter bewegt hatten, das dauerte. Und ich hatte mir ausgerechnet, dass wir mein eigentliches und erstes Ziel, die Strecke unter 40 Stunden zu bewältigen, erreichen konnten. Aber Jörg war langsam. Für einen, der in 24h 230 Kilometer laufen kann, der den Halbmarathon in unter 1:30 Stunden ablaufen kann, war er doch sehr, sehr langsam. Ich blieb das flache Stück bis zum Col des Montets bei ihm und dann wurde es wirklich steil. Die üblen Steinstufen waren an diesem Berg, nicht da, wohin meine Erinnerungen sie gepackt hatten.

Aber Dank des Geschenks des absteigenden Engels war ich schnell und ich nahm keine Rücksicht mehr auf den immer langsamer werdenden Schweizer. Ich wollte sicher gehen, unter 40 Stunden einzulaufen, da durfte ich kein Risiko mehr eingehen. Rauf auf den Tete aux Vents, immer in Gedanken an das Jahr 2009, wo ich diese Strecke im Sonnenschein mit Lars Schläger hochgestiefelt bin. Ich wusste noch, dass Du da immer denkst, gleich oben zu sein. Und wenn Du dann scheinbar oben warst, dann ging es noch weiter und noch weiter …
Oben überholte ich noch eine Gruppe Läufer und dann begann ich diesen Berg zu hassen. Eine Steinwüste, nichts war mit Laufen oder Tempo machen, es ging Ewigkeiten von großem Stein zu großem Stein und die Zeit verrann. Noch eine Kontollstelle, noch ein Versorgungspunkt, noch zwei kleinere Anstiege. Und dann ging es abwärts.
Meine Füße, mittlerweile von drei Rot-Kreuz-Leuten begutachtet, waren voller Blasen und schmerzten wie noch nie. Tausend Gründe, langsam zu machen. Aber ich hatte kaum mehr als 38 Stunden auf der Uhr und es waren vielleicht noch 9 Kilometer abwärts, vielleicht noch 10 Kilometer. Vielleicht geht da noch was, die 39 Stunden-Marke schien erreichbar.
Blasen hin, Schmerzen her, der letzte Abstieg darf schmerzen!
Wenn Du drin bist, dann gibt es keinen Berg mehr, Du brauchst keine Reserven mehr. Und so lief ich Trail. Wie ein Trail-Maniak so schnell, wie ich Trails eigentlich nie laufe. Und ich überholte einen Läufer nach dem anderen. Da waren zügige Läufer dabei und Läufer, die sich kaum mehr bewegen konnten. Und vor mir war ein guter Trail-Läufer. Er machte die Geschwindigkeit, ich folgte auf Abstand.
Es war die vielleicht schönste Dreiviertel Stunde meines Lebens. Wir rasten gemeinsam den Wald-Trail hinab, passierten alle und jeden, Läufer, die ehrfürchtig zur Seite gingen, als sie uns anfliegen hörten. Und dann kam der letzte Abschnitt vor Chamonix, die breite Waldautobahn.
Der Trail-Läufer vor mir, ein Franzose, war mir auf der Autobahn vollkommen unterlegen. Ich zündete den Turbo, genau an der Stelle, wo ich 2009 nur noch tippeln konnte und ich rannte und rannte und rannte. Ich ließ ihn einfach stehen, überholte einen weiteren Läufer, der es mir sehr schwer machte und dann kam die Straße.
Und die Staße in Chamonix ist lang.
Ich hatte mittlerweile Zeiten von 4:30 Minuten pro Kilometer, aber ich wusste nicht, wie weit es noch war. Und da kam dann der erste Bogen.
Unmittelbar ein paar Meter vor dem Bogen überholte ich noch einen Italiener und ich sah den Zeitnahmebalken unter dem Bogen. Und ich bekam ein schlechtes Gewissen.
Überholen nach 168 Kilometern fünf Meter vor dem Bogen gehört sich nicht. Also stehen bleiben, die Hand des Italieners greifen und gemeinsam durch das Tor laufen.
Trail-Maniak_LogoAber er korrigierte mich und sagte, dass das erst der Vorbogen wäre. Noch ein weiterer Kilometer! Und er schickte mich los und ich gab wieder Gas. Rechts an der Strecke stand Julia, unser Trailschnittchen und feuerte mich an. Und ich rannte und rannte und rannte wie noch nie nach 100 Meilen. Als die 39 Stunden um waren war ich gerade beim Hotel Alpina und es ging nach rechts ein paar Meter bergauf.
Die Luft war jetzt leider ein wenig raus, also ein paar Meter gehen und verschnaufen. Und dann wieder gebremst Fahrt aufnehmen. Die Fußgängerzone entlang, nach rechts Richtung Start-/Zielbogen und dann nach 39:03 Stunden richtig glücklich rein.

Es hat gar nicht weh getan, das mit den drei Minuten. Ich freute mich, fühlte mich wie im „7. Himmel“, ich wollte endlich meine strahlend rote Weste haben und ich wartete noch ein Weilchen auf andere Läufer.
Ich war tatsächlich richtig glücklich. Die Füße schmerzten zwar sehr, aber der Verstand war so klar und rein wie der Morgen. Trailschnittchen kam, wir warteten noch auf den Einlauf von Marius aus dem „Deutschen Haus“ und dann gingen wir gemeinsam nach Hause.
Erst duschen, dann frühstücken.
Tränen rollten auf dem letzten Weg zum „Deutschen Haus“ mal wieder über meine Wangen, aber es war einer der schönsten Momente meines Lebens.
Nach dem Abbruch beim PTL hatte ich mir doch noch eine Weste erlaufen können. Und nur für diese Weste laufen wir ja.
Ich glaube, ich ziehe sie nie wieder aus …

UTMB Abschlussfoto  3

(klicken zum Vergrößern …)

Bad decisions make good stories …

Der 106,7 K lange Mallorca Ultra Trail Tramuntana war eigentlich schon nach vier Tagen ausgebucht und so hatte ich meine erhoffte Teilnahme schon lange abgehakt. Erst eine Mail eines Freundes, der mich darüber informiert hat, dass ich mich doch noch nachmelden könne, erlaubte mir, nach dem TransGranCanaria nun auch noch als Inselhopper die schöne Baleareninsel Mallorca läuferisch zu durchqueren.

Auf Mallorca waren meine Gabi und ich erst ein Mal. Und das ist schon weit über 20 Jahre her. Und ich erinnerte mich an so gut wie nichts mehr. Schon gar nicht an die Serra de  Tramuntana (kastilisch: Sierra de Tramuntana), die Gebirgskette im Nordwesten Mallorcas. Hätte ich es getan, dann wäre meine Vorfreude auf diesen Lauf wahrscheinlich noch viel größer gewesen als sie sowieso war, denn diese Gebirgskette hat dem Gebirge von GranCanaria eines voraus: Meeresblick allerorten, denn sie verläuft eben parallel zur Küste. Und was ist schöner, als von oben herab auf das Meer zu sehen? Schöner, als Gebirgsseen und Gebirgsstauseen zu erleben und stets das Blau des Meeres im Hintergrund zu haben?

Meine Gabi und ich wollten uns also auf Mallorca ein schönes und langes Wochenende machen und hatten die Chance, bei Mario Schönherr und seinem Wörthersee Trail Team beim Trail Maniac Camp ein paar Tage dabei zu sein. In netter Gesellschaft, mit netten anderen Läufern ist doch jedes Laufevent und jeder Kurzurlaub noch schöner. Ein wenig abseits war das Hotel zwar, aber es war relativ nahe dem Ziel und eine Busstunde von Palma entfernt. Aber das Hotel war groß und sauber und direkt am Strand gelegen, das Buffet bot für uns Vegetarier ausreichend Alternativen und es gab WLan wenigstens im Restaurant und an der Bar.

Die Teilnehmer und die Organisatoren, aber auch der begnadet schnelle Traillauf-Trainer Thomas Bosnjak wuchsen uns schnell ans Herz. Ich hatte nie das Gefühl, nicht dazu zu gehören, nur, weil wir nur ein Drittel der Camp-Zeit anwesend sein konnten. Manche der Teilnehmer waren sogar zwei Wochen lang Trail Maniac, die anderen immerhin eine Woche lang. Sie sind zusammen durch die Büsche gerannt, haben sich gemeinsam die Schienbeine zerkratzt und hatten alle eine richtig gute Zeit.
Und die war nicht nur schön, sie war auch sehr erfolgreich.

Thomas lief zwar am Ende als Einziger die lange Distanz, die er als Gesamtzweiter bewältigte. Nur der mallorcasiegerprobte Miquel kam an ihm vorbei. Die anderen liefen alle die 67K Kurzstrecke, wenn man 67K als kurz bezeichnen darf. Und dort räumten sie ordentlich ab. Platz 1 und Platz 3 bei den Ladies auf den Spuren von Trailschnittchen Julia Böttger, ein Platz 1 bei den Senioren Herren in der Altersklasse … da muss etwas passiert sein mit den Läufern, dort, auf den Wegen rund ums Hotel, getrieben von den Tipps und Tricks des B’jac Thomas.
Die meisten werde ich ja am Rennsteig wiedersehen und vor allem bei den Damen werde ich genau nachsehen, wie die sich in diesem großen Teilnehmerfeld dann schlagen werden.

„Bad decisions make good stories“ habe ich diesen Artikel betitelt. Was für schlechte Entscheidungen?
Oh ja, diese schlechten Entscheidungen gab es bei diesem Lauf zuhauf.

Bad decision number 1

Die erste falsche Entscheidung habe ich aus einer falschen und verklärten Erinnerung an den TransAlpineRun 2008 getroffen. Damals bin ich mit einem großen Beckengurt gelaufen und das war so schön. Der Rücken war frei, alles war leicht erreichbar, alles war perfekt. In der Erinnerung. Aber so vieles in der Erinnerung scheint gut, was erst durch den Filter guten Willens und beginnender Senilität betrachtet wird.
Um es deutlich zu sagen: Beckengurte sind wie Leggings! Vielleicht war das mal modern und gut, objektiv betrachtet hat die deutsche Geschichte eines gezeigt: Leggings und Beckengurte sind Scheiße!
Ich bemerkte meinen Fehler schon nach wenigen Metern. Wenn Du den Taschenteil auf dem Hintern trägst, dann schlägt er dauernd hoch und runter, Laufen ist kaum möglich. Wenn Du den Taschenteil aber nach vorne drehst, was ich auch beim TransAlpineRun 2008 getan habe, dann schlägst Du permanent mit den Oberschenkeln von unten auf die Wasserflaschen. Zweifellos ist das noch etwas besser als das Herumgewackele, aber ich hätte viel darum gegeben, in diesem Moment den Rucksack dabei gehabt zu haben, der sich an diesem Tag im Hotelzimmer eine Auszeit gönnen durfte.

Bad decision number 2

Beim RheinBurgenWeg-Lauf habe ich bewusst auf die Stöcke verzichtet, um auch mal wieder Hügel ohne Stöcke zu laufen. Zudem tat ich mir so viel leichter, Didi Beiderbeck zu führen. Es war aber kein Wettkampf, keine Eile, wir gingen nicht ans Limit und es war auch nicht heiß. Beim Ultra Trail Tramuntana auf die Stöcke verzichten war ein großer Fehler, den ich stundenlang bereuhen durfte.
Warum in aller Welt hatte ich die Dinger im Koffer hin- und her transportiert, wenn ich sie dann doch nicht verwenden wollte?
Vielleicht hat mich die Hitze, der Strand und die Gruppendynamik an klaren Gedanken mangeln lassen. Mein Rat an Dich, vor allem aber an mich: 4.300 Höhenmeter machst Du mit Stöcken! Und zwar immer!

Bad decision number 3

Meine Gabi hat früher unseren Kindern im Urlaub immer eingeschärft: „Iss nie Eis in südlichen Ländern!“ Und das hat seinen Grund. Wenn das Stromnetz instabil ist – und das ist sogar im hochtechnisierten Deutschland gelegentlich der Fall – dann bleibt auch mal die Kühlung aus. Und das kann, vor allem bei heißen Außentemperaturen, zum Problem werden. Irgendwann laufen die Eistüten dann unter Umständen auch ganz von alleine.
Aber ich wollte ja nicht hören. Und wer nicht hören kann muss fühlen. Und ich fühlte mich schon während des Laufs nicht wirklich gut. Das OREO-Eis vom Vortag war zwar süß, extrem süß sogar, aber es hat mir mehr geschadet als genutzt.
Ich wollte ja, dass es rein geht in meinen Körper, das Eis aber wollte raus. Und zwar so schnell wie möglich. Und da war dem Eis der Weg über den Darm zu weit oder zu langsam und so wählte das Eis die Abkürzung über den Weg, über den es auch in den Körper hinein gelangt war. Unterstützt von einem leichten Sonnenstich zwang es mich irgendwo im Tal zwischen der letzten Verpflegung in Lluc und dem Ziel in Polenca gleich vier Mal dazu, mich zu übergeben.
Neben einem nicht gerade ansprechenden Anblick sorgte das auch für eine kleine zusätzliche Pause, aber danach ging es mir dann sukzessive wieder besser.
Also gibt es beim nächsten Mal im Süden kein Eis mehr, schon gar nicht am Tag vor einem Wettkampf, außer es gäbe neben der Altersklassenwertung auch eine eigene Wertung für Reiher. Ob man dort dann vielleicht eine gute Platzierung erreichen könnte?

Bad decision number 4

Vieles war ähnlich auf Mallorca wie beim TransGranCanaria. Es war fast genauso heiß, fast genauso staubig, ich war fast genauso frustriert und ich haderte fast genauso mit der Verpflegung. Nein, auf Mallorca haderte ich sogar erheblich mehr mit der Verpflegung als auf GranCanaria, vor allem die flüssige Verpflegung ließ doch manchen Wunsch offen.
Es gab stilles Wasser, das immer wärmer wurde und immer ekliger schmeckte. Das Iso-Getränk, das ausgeschenkt wurde, war vollkommen ungenießbar und die warme Billigcolabrühe, die es gab unterstützte eher den Würgereiz als das ich Lust darauf bekommen hätte. In einem Dorf, in Soller, lief ich an einem Bistro vorbei. Da musste ich rein und ich gönnte mir zwei Flaschen eiskalte leckere Coca Cola. Ich war im Himmel, zumindest für ein paar Minuten.
Ansonsten trank ich, aber ich trank definitiv zu wenig. Zu wenig für die lange Strecke, zu wenig für die Hitze, zu wenig für die viele direkte Sonneneinstrahlung. Und auch das war eine definitiv falsche Entscheidung.
Der Körper wurde also heißer und heißer, der Blutdruck stieg und als ich dann den höchsten Punkt erklommen hatte, begann das rechte Nasenloch zu bluten. Fast sturzbachähnlich strömte es aus mir heraus und es wollte nicht mehr aufhören. Ich legte mich ins Gras und versuchte, den Nacken zu kühlen. Ein vorbei laufender Spanier sagte mir, dass das die falsche Taktik sei. Nach vorne beugen, meinte er. Das Blut muss raus. Und dann hört es auch von ganz alleine wieder auf.
Ich versuchte es mal so, mal so, nahm die Taschentücher eines Mitläufers dankbar an und ging mit gebremstem Tempo und an die Nase gedrücktem Taschentuch weiter, als das Bluten schwächer wurde.
In Lluc ging ich zuerst zur Ambulanz-Station. Die vier Mediziner waren froh, endlich mal Besuch zu haben und hatten nicht vor, mich so schnell wieder gehen zu lassen. Anstatt mir schnell etwas gegen die Blutungen zu geben wurde erst einmal ausgiebig der Blutdruck gemessen. Der war ihnen dann wohl zu hoch.
Anschließend wurden die vier Zahlen auf meiner Garmin-Uhr bewundert.

So lange bist Du schon unterwegs?
Wann bist Du denn dann gestartet?
Und das ist Deine durchschnittliche Geschwindigkeit? Uiuiui …
Und so weit bist Du schon gelaufen? Ich fühlte mich wie im falschen Film und ich fragte mich, ob die nicht wissen, auf welcher Veranstaltung sie hier Dienst schieben.

Aber mein Puls machte ihnen doch Sorgen. 242, unverändert. Du musst wissen, dass die vier Ambulanz-Mediziner nur ein sehr schlechtes Englisch sprachen und nun war es meine Aufgabe, denen zu erklären, dass die vierte Zahl auf dem Display nicht der Puls ist, sondern „the altitude“, die Höhe über NormalNull. Bei Bergläufen brauche ich diesen Wert, um meine Kraft einzuteilen und auch, um mich kurz vor den Gipfeln neu zu motivieren.
Es hat ein Weilchen gedauert, bis der Groschen beim medizinischen Personal fiel und die Besorgnis um mich abnahm. Dann bekam ich mit auf den Weg, mich jetzt 30 Minuten hinzulegen und zu pausieren, danach wieder zu kommen. Dann würde erneut der Blutdruck gemessen und dann würden die vier entscheiden, ob ich weiterlaufen dürfe.
Ich war nett und sagte artig zu, verließ dann aber eiligst die Station, ging noch etwas essen und trinken und machte mich auf den Weg, weg von den fantastischen Vier von der Medizin-Tankstelle. Aber ich sagte mir auch, dass ich den Kreislauf unten halten sollte und begab mich auf Wanderschaft. Die meisten anderen allerdings wanderten zu diesem Zeitpunkt auch nur noch und wenn das Eis nicht mitten auf dem Wanderabschnitt hätte meinen Körper verlassen wollen, wäre wohl alles OK gewesen.

Die letzten vier, fünf Kilometer ging ich dann mit Jacqueline, mit „Jacky“. Und wir liefen sogar wieder, immerhin. Ohne Eis im Körper ging es mir von Minute zu Minute wieder besser und wir wollten dann einfach nur noch drin sein, heim in den Stall, wo ihr Ehemann aus Yorkshire und meine Gabi auf uns warteten.
Und es warteten auch wunderschöne Finisher-Jacken, aber das habe ich erst kurz vor dem Abflug von Lars Schläger und Hans Würl erfahren, mit denen wir noch eine Stadtbesichtigung von Palma vor dem Abflug nach Hause machten.

Bad decision number 5

Ich dachte noch, dass es sehr schade ist, dass es weder ein Finisher-Shirt noch eine Medaille im Ziel von Polenca gibt und die Entscheidung, im Ziel nicht nach Finisher-Geschenken zu suchen, war die letzte der falschen Entscheidungen.
Nun habe ich die Veranstalter angeschrieben und ganz lieb nach der Finisher-Jacke gefragt. Eine Antwort habe ich bisher noch nicht bekommen, aber ich hoffe noch …

Null – Null – Zwei

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Schon etwas länger her ist der 50 K Lauf „Georgsmarienhütter Null“, aber ich will jetzt, bald zwei Monate später, doch eine kleine Hommage an diesen Lauf veröffentlichen, den ich allerdings noch im alten Jahr geschrieben habe:

Georgsmarienhütte? Ein Städtchen, das aus Läufersicht eher ungeeignet für große Läufe scheint, vor allem wegen des langen Namens. Denn entweder hast Du ein Kreuz wie ein Schrank, Du machst die Buchstaben auf dem Vereins-Shirt sehr klein oder – und das ist die Lösung, die die meisten Georgsmarienhütter Läufer bevorzugen – Du kürzst Georgsmarienhütte mich Gm’hütte ab.
Ob das aber alle Leser richtig interpretieren können bezweifle ich stark.

Aber Georgsmarienhütte hat auch zumindest zwei ganz hervorragende Sachen. So habe ich zum ersten Mal von Georgsmarienhütte gehört, als Winfried Bornemann in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrtausends, damals, als Briefe noch etwas zählten und noch nicht durch eMails oder SMS ersetzt wurden, mit seinen legendären „Briefmacken“ für viel Verwirrung und noch mehr Lacher gesorgt hat.

Sofern Dir Winfried Bornemann’s „Briefmacken“ bekannt sind, kannst Du den nachfolgenden Teil überspringen, falls nicht, so empfehle ich Dir, Dich mal mit diesen „Briefmacken“ auseinander zu setzen.
Winfried Bornemann schrieb diese Briefe teilweise unter seinem eigenen Namen, meist aber unter einem Pseudonym. Die in aller Form und mit der gebotenen Höflichkeit verfassten Briefe wurden hin und wieder beantwortet. Hatte man den passenden Anlass und die verlockende Gelegenheit gefunden, konnten die Antworten auf diese Briefe doch schon sehr entlarvend sein. Winfried Bornemann nervte damals Behörden, Firmen, Prominente und Amtsträger.
Die oft todernsten Antworten sind zum Lachen. Zumindest für uns Leser.

Ein Beispiel sei hier zitiert:

Anschreiben: Samenspende

Finanzamt Osnabrück
Beratungsstelle
Postfach
45 OSNABRÜCK

Betr.: SAMENSPENDE

Sehr geehrte Damen und Herren,

verzeihen Sie mir die peinliche Frage (ich möchte nicht persönlich erscheinen):
Muss ich mir im Falle einer Samenspende eine Spendenquittung geben lassen, um später Gemeinnützigkeit dieser Sache anerkannt zu bekommen?
Ich bin von einer Dame mittleren Alters um diese Spende gebeten worden und möchte diesem Ansinnen sehr gern nachkommen, wenn mir daraus keine steuerlichen Nachteile entstehen.

Hochachtungsvoll

Winfried Bornemann

Antwortschreiben: Samenspende

Finanzamt Osnabrück-Land
Az.: IX
Hannoversche Straße 12
4500 Osnabrück
Sprechstunden: Montag bis Freitag 9-12 Uhr

Herrn
Winfried Bornemann
Fillerschloß

4504 Georgsmarienhütte

Osnabrück, 30. April 1982

Betr.:Samenspende
Bezug: Ihre Schreiben vom 25.02. und 13.04.1982

Sehr geehrter Herr Bornemann!

Nach § 10 b EStG (Einkommensteuergesetz) sind bestimmte Ausgaben zur Förderung mildtätiger oder als besonders förderungswürdig anerkannter gemeinnütziger Zwecke als Sonderausgaben (Spenden) abzugsfähig.
Leider lassen Ihre recht kurzen Angaben keine eindeutige Stellungnahme zu. Wie Sie bereits andeuten, stellt in diesem Fall die Abwägung zwischen der gebotenen Zurückhaltung vor Ihrer Privatsphäre und den Erfordernissen einer erschöpfenden Aufklärung des Sachverhalts ganz besonders hohe Anforderungen.
Nach § 10 b Abs. 1 Satz 3 EStG gelten als Ausgaben auch die Zuwendungen von Wirtschaftsgütern (sog. Sachspenden). Wenn diese jedoch als unentgeltliche Arbeitsleistung angesehen werden müssten, so könnte eine Ausgabe nicht angenommen werden.
Falls Sie jedoch auf Ihnen bereits zustehendes Arbeitsentgelt verzichten, bildet der Verzicht auf die Auszahlung eine Verfügung über Ihr Vermögen und damit eine Ausgabe (Spende). Ich stelle anheim, Ihre Darlegungen insoweit zu präzisieren, insbesondere den Umfang Ihrer Leistungen anzugeben und auch Ihre persönliche Einschätzung mitzuteilen, ob Sie in Ihrer Spendenaktion eine Arbeit erblicken.
Eine Sachspende setzt außerdem voraus, dass das Wirtschaftsgut vor seiner Zuwendung zu Ihrem Vermögen gehört hat. Daran fehlt es nach Auffassung von Kommentatoren bei Bestandteilen des menschlichen Körpers, die beim Spenden entfernt werden und nach der Trennung unmittelbar in das Eigentum der entnehmenden Stelle gehen. Auf die Beurteilung Ihres Vermögens durch die Empfängerin der Spende kommt es dabei nicht an.
Obwohl nach Ihren Ausführungen mildtätige Beweggründe nicht von vornherein entfallen, zielt Ihre Frage wohl mehr auf die gemeinnützigen Aspekte der Spenden. Ich möchte nicht ausschließen, dass angesichts des stagnierenden Wachstums zumindest der einheimischen Bevölkerung Ihren Plänen gewisse gemeinnützige Momente nicht abzusprechen sind.
Nur kommt es in diesem Fall ausschließlich auf die Gemeinnützigkeit des Empfängers der Spende an, der eine gemeinnützige Personenvereinigung oder Körperschaft sein muss. Dabei ist zu bedenken, dass eine Personenvereinigung im steuerlichen Sinne nicht die Ihnen vorschwebende Tätigkeit, sondern eine Gesellschaft ist, bei der die Gesellschafter Unternehmer (Mitunternehmer) sind.
Nur vorsorglich weise ich darauf hin, dass bei Ihrem Vorhaben eine Personenvereinigung selbst dann nicht gegeben ist, wenn noch weitere Mitunternehmer beteiligt sein sollten. Gegebenenfalls müssten von Ihnen zur Unternehmereigenschaft der Spendenempfängerin nähere Angaben gemacht werden.
Auch eine Körperschaft mag sich der steuerliche Laie etwas anders vorstellen, als es nach den einschlägigen Vorschriften geboten ist. Da es sich überwiegend um Kapitalgesellschaften handelt, spielen sie hier keine Rolle.
Ich hoffe, Ihnen die steuerliche Problematik Ihres Vorhabens ein wenig näher gebracht zu haben. Falls Sie den Eindruck gewonnen haben, dass die Subsumption einer so ganz und gar elementaren Lebensäußerung unter die Steuergesetze allzu beschwerlich erscheint, bitte ich, die Komplikationen nicht Ihrem Finanzamt anzulasten, sondern Erleichterung beim Gesetzgeber zu suchen. Im übrigen können Sie sich stets vertrauensvoll und wirklich ohne Scheu an das Finanzamt wenden, da alle Ihre Verhältnisse durch das Steuergeheimnis geschützt werden.
In diesem Sinn möchte ich Sie freundlichst bitten, Ihre Einkünfte aus schriftstellerischer Tätigkeit, die Sie bisher erzielt haben und mit denen Sie in Zukunft rechnen können, dem Finanzamt mitzuteilen, damit aus Gründen der Steuergerechtigkeit Ihre Einkommensteuer in richtiger Höhe festgesetzt werden kann. Ihrer Antwort sehe ich bis zum 20.05.1982 entgegen.

Hochachtungsvoll

Im Auftrag
(Heiser)

Meine Lieblingsbriefe aber sind vor allem das Schreiben unter dem Pseudonym eine älteren Rentnerin an die RWE AG, die vier Wochen vor der Hauptversammlung der RWE AG eine Verlegung des Termins von Montag auf den darauf folgenden Dienstag erbittet, weil sie mit ihren beiden Aktien am Montag wegen ihres Stricknachmittags sonst nicht an der Hauptversammlung teilnehmen könnte.
Wie verhält sich ein Unternehmen in so einem Fall politisch korrekt?

Sensationell war auch sein Schreiben kurz nach dem Mauerfall unter dem Pseudonym eines Adligen, der den Bürgermeister einer thüringischen Kleinstadt als Vertreter der Dorfgemeinschaft mit den Worten „Liebe Untertanen“ anschrieb und das gesamte Dorf als sein Hab und Gut einforderte.
Die Kleinstadt-Bürger fanden das alles andere als lustig und wehrten sich vehement gegen diesen Scherz, den sie nicht als solchen erkennen wollten.

Zusammengefasst sind diese Schreiben und die dazu gehörigen Antworten in mehreren Büchern, die man auch heute noch erwerben kann. Dort liest Du auch, wie mancher Prominente vor Gier sabbernd sich auf das angekündigte Erbe der „Carola von Gästern“, immerhin ein Wasserschloss, gefreut hat. Mit jedem Schreiben wurde alles dann skurriler, vom Schlossgespenst angefangen bis hin zu „nassen Füßen“ des Schlosses.
Einmal zugestimmt und „angebissen“ sollten diese Einschränkungen dann die Entscheidung der Prominenten nicht wieder ändern.

Und Georgsmarienhütte hat noch ein Highlight, etwas ganz, ganz Uriges, ein kleines Juwel unter den persönlichen Landschaftsläufen und das nicht nur, weil die 50 K lange Laufstrecke wirklich attraktiv ist. Viele Trails, aber auch Straßenabschnitte, Anstiege und welliges Gelände gibt es da, aber auch das ist nicht das Besondere.

Besonders ist, dass es zwei offizielle Starts gibt, dass Du aber auch auf eigene Gefahr hin schon vorher starten kannst.
Besonders ist, dass es keinerlei Zeitnahme gibt. Es gibt nur die Vorgabe, spätestens um 16 Uhr wieder im Ziel zu sein. Es gibt auch keine Startnummern, keinen Streß und keine Kontrollen an den Verpflegungspunkten. Wie auch, wenn die Teilnehmer ohne Startnummern unterwegs sind.
Besonders ist auch, dass die, die einen der letzten 49 Läufe mitgemacht haben, offiziell danach „Nuller“ heißen.
Georg, der Organisator dieses skurrilen Laufs, nennt sich dabei die „Obernull“.
Und alle Läufer – und auch das ist etwas ganz Besonderes – haben dort „besondere Aufstiegsmöglichkeiten“.
Nach fünf Teilnahmen wird man Berg- und Talführer und auf dem Laibchen, das man dann erhält, steht: „Georg sagt, ich kenne die Strecke!“
Und nach zehn Teilnahmen darf der Läufer „jubilieren“, weil er zum „Magister bergum et talum“ befürdert wurde. Auf dem Laibchen, dass er nun bekommt, steht dann: „Georg sagt, ich verlauf‘ mich nicht!“

Bei diesem Lauf gibt es unglaublich viele Läufer in einem der beiden Laibchen, ein sicheres Zeichen, dass die meisten dort Wiederholungstäter sind.

Gehört habe ich schon oft von diesem Lauf, aber dieses Jahr wollte ich das Mitlaufen endlich wahr machen. Wenn ich schon altersbezogen „nulle“, dann sollte ich auch die zweite Null abholen und dort in Georgsmarienhütte „nullen“. Zwei Mal „nullen“ in einem Jahr ist doch auch etwas Besonderes, oder?

Beim Lauf selbst lief ich erst mit Thomas Hagel und Lars Schläger, beides Läufer, die mir sehr nahe sind, die ich aber beide schon länger nicht mehr gesehen habe. Danach lief ich lange mit Raimund Slabon, Stefan Beckmann und Peter Kaminski.
Bei km 27 aber musste ich die drei dann aber ziehen lassen, weil ich einen Hungerast bekam und fünf Kilometerchen lang gar nichts mehr ging. Aber was kommt, das geht auch schnell wieder und so erreichte ich nach 5:35 Stunden doch das Ziel, kumuliert mit 6:39 Minuten pro Kilometer, besser als erwartet und durchaus akzeptabel für einen so hügeligen und trailigen Lauf. Aber wer fragt danach?

Auf der Urkunde steht keine Zeit, es gibt weder eine Platzierung noch eine Einlaufliste. Das einzige, was es gibt, ist das gute Gefühl, an einem Lauf teilgenommen zu haben, der etwas ganz Besonderes ist.

Und wenn im nächsten Jahr die „Georgsmarienhütter Null“ auch selbst „nullt“ und zum 50. Mal stattfindet, dann sollte der 50-jährige TomWingo wohl wieder dabei sein, vielleicht nur, um zu testen, ob der Lauf wirklich echt ist.
Und dieser Aspekt führt wiederum zu dem Georgsmarienhütter Schriftsteller Winfried Bornemann, desses „Briefmacken“ so harmlos begannen, indem er ein Pfennigstück an die Deutsche Münzanstalt in Karlsruhe schickte mit der Bitte, nachzuprüfen, ob der denn echt sei. Der Ernst und die Akribie der Antwort Deutschen Münzanstalt verblüfften Bornemann damals:
Ja, so war die Antwort, der sei echt, Jahrgang 1978, mit einem Gewicht von 19,9992 Gramm, 16,55 Millimetern Durchmesser und 1,37 Millimeter dick.

Es zeigt sich: das Lustige und Skurrile ist in Georgsmarienhütte zu Hause, der „Bierernst“ aber ist im restlichen Deutschland verteilt.

Danke also an Winfried Bornemann und Danke an Georg, die „Obernull“, ich komme wieder!

Der Ottonenlauf von Stiege nach Quedlinburg

Es sollte eingentlich das GONDO EVENT Wochenende sein, dafür jedoch zwei Bürotage opfern konnte ich nicht.  Aber die beiden Lauffreunde, die mich dorthin mitnehmen wollten, HaPe Gieraths und Eule Frings, fuhren schon am Freitag früh um 6 Uhr in die Schweiz und wollten erst am Montag danach nach dem Frühstück wieder in die Heimat aufbrechen. Vor dem späten Montagnachmittag wäre diese Reise also nicht zu Ende gewesen.


Also musste eine Alternative her und die fand ich im 69 km Ottonenlauf in Sachsen-Anhalt. Ein kurzer Blick in die Starterliste freute mich. Lars Schläger und Hans Würl waren dort verzeichnet. Vor allem Lars hatte ich lange nicht mehr gesehen, mit ihm aber verbinde ich Läufe wie den TransAlpineRun 2008, die Unter-Tage-Marathons in Sondershausen, die Mt. Everest Treppenmarathons in Radebeul, den 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst, den UTMB und den Brocken-Ultramarathon von Braunschweig über den Brockengipfel nach Schierke.
Für den Ottonenlauf sprachen auch das außergewöhnlich niedrige Startgeld von 20 EUR und der günstige Rücktransport von Quedlinburg zum Start für nur 6 EUR.
Dass mich aber das Profil des Laufs, es geht mehr runter als rauf, zu der Annahme verleitet hat, ich könnte schnell sein, war einer der Irrtümer am Samstag.


Das einzige Problem, das ich sah, war, dass dieser Lauf am Samstag schon frühmorgens um 7.00 Uhr beginnen sollte. Dass ich am Freitag noch im Büro sein wollte war dabei nur ein Aspekt. Ich wollte auch beim wöchentlichen Freitagabend-Tennisspiel mit meinen „Herren40“-Mannschaftskollegen dabei sein und außerdem wollte ich noch das Eröffnungsspiel der Bundesliga ansehen.
Was also machst Du, wenn Du um 22.30 Uhr noch zu Hause bist, aber spätestens um 6.30 Uhr am nächsten Morgen rund 435 Kilometer weit weg angekommen sein willst?

Ich packte also meine Sachen in aller Eile in der Halbzeitpause des Fußballspiels und verließ Haus und Familie direkt nach dem Abpfiff. Wenn ich dann durchgefahren wäre, wäre ich um 3 Uhr in Stiege gewesen, also gönnte ich mir nach einer Stunde Autofahrt kurz hinter Wuppertal dreieinhalb Stunden Schlaf im Auto. Ich hatte meine mollig warme Bettdecke mitgenommen, schlief gut und tief und wäre sicherlich nicht aufgewacht, wenn ich den Wecker nicht auf 3.00 Uhr gestellt hätte.
Und dann ging es wieder weiter und so war ich um 6.10 Uhr in dem schönen Städtchen Stiege, direkt an der Touristinformation am Stiegener See. Ich meldete mich nach, bereitete mich auf den Lauf vor und bemerkte, dass ich neben dem Startnummernband auch mein Handtuch und das Duschgel vergessen hatte.
Da hast Du schon über 100 Mal Deine Läufertasche gepackt und dennoch fehlt Dir die Routine, das ordentlich und komplett zu tun …

Ein paar warme Worte vom Veranstalter, etwas Offizielles vom Bürgermeister und eine kurze Ansprache eines Läuferkollegen, der dem Veranstalter dafür dankte, dass es noch so schöne Landschaftsläufe von Läufern für Läufer gibt, garniert mit dem Hinweis, dass dieser Lauf mehr Läufer verdient hätte.
Ich war also hoch gespannt auf die Strecke und schon ging es los.

Lars, Hans und ich starteten locker im Mittelfeld, orientierten uns an einer 6er Zeit, quatschten über gemeinsame Freunde und gemeinsame Ziele und so hätte es noch lange weiter gehen können, wenn nicht nach 6,5 km etwas passiert wäre, was ich bei all meinen bisherigen Läufen noch nicht erlebt hatte.
Ich hatte mich mal wieder für das geliebte X-Bionic Visor Headband als Kopfbedeckung entschieden, weil es leicht ist und nirgendwo drückt. In der einen Situation aber hätte mir ein richtiges Basecap mehr Schutz geboten, weil ich ganz überraschend und plötzlich einen großen, stechenden Schmerz am Hinterkopf spürte, direkt oberhalb des Headbands.
Ich schrie: „Shit, was ist das denn?“ und riss mir das Headband und die Laufbrille vom Kopf. Ich sah dann noch, dass etwas Großes wegflog.
„Was war das denn?“ fragte ich erneut und ich erfuhr von dem Läufern um mich herum, dass es der Angriff einer Hornisse war, die offensichtlichin meinen immer kahler werdenden Hinterkopf mochte.


Der Schmerz war riesig und hörte den ganzen Tag und die folgende Nacht nicht mehr auf und die erste Angst war groß. So schön Sachsen-Anhalt ist, keine Region ist schön genug, um dort ein gravierendes medizinisches Problem zu erleben.

Der eine Läufer fragte mich, ob ich auf Hornissengift allergisch reagieren würde, aber ich konnte das nicht beantworten, weil ich noch nie von einer Hornisse angegriffen wurde.
Der andere Läufer erzählte mir, was im schlimmsten Fall hintereinander passieren würde. „Wenn Du allergisch reagierst, dann wirst Du erst schwarze Flecken im Sichtfeld haben, danach wird Dir schlecht, dann wirst Du Dich übergeben und dann kippst Du um.“
Dann milderte er die Aussichten noch etwas ab: „Aber Du lebst dann noch immer.“

Ich beschloss, auf mich und auf die angekündigten Symptome aufzupassen und solange weiter zu laufen, so lange mir nicht schlecht würde. Aber ich bat die Supporter am ersten Wasserstand, sich mal meinen Hinterkopf anzusehen.
Hornissen beißen mehr als dass sie stechen und ein kleines Hautstück, das aus der Kopfhaut herausgerissen wurde, fehlte. Es blutete, sah aber eher beruhigend aus. Und Schmerzen halten wir ja alle aus, nur Sorgen um das körperliche Wohlbefinden wären ein Lauf nicht wert, also ging es weiter.

Ich lief dabei mit zwei Jungs, von denen mir einer sehr bekannt vorkam. Ich kam ihm auch bekannt vor und er fragte mich, woher wir uns kennen könnten. Nun ist es bei den vielen Läufen nicht allzu leicht, den richtigen herauszufinden. Er fragte mich nach der Brocken-Challenge und ich antwortete, dass ich dort dabei war. Aber ich sei ganz schlecht drauf gewesen und kam erst oben an, als es schon schneite, nach 10 Stunden und 43 Minuten.
Das war aber nicht der gesuchte gemeinsame Lauf, aber dann kamen wir später zusammen auf den Brocken-Ultralauf vom Mai 2010, wo ich richtig gut drauf war.
Er erzählte mir, dass er damals mit Lars Schläger und einem „älteren Mann“ ins Ziel gelaufen sei. Ich erinnerte mich, dass ich mit Lars Schläger auf dem Brocken-Gipfel einen anderen Läufer motivieren und mitnehmen musste und dass wir dann gemeinsam zu dritt in Schierke ins Ziel gelaufen sind.

Es war der unausgesprochene Moment, in dem er bemerkte, dass ich damals der „ältere Mann“ gewesen war und sein Lauffreund erwähnte, dass er schon die Fettnäpfchen gesehen hätte, in die Björn Gnoyke, so heißt der Laufkollege, hinein tappen sollte.
Jetzt gehöre ich also zu den „älteren Männern“, das war mir noch gar nicht bewusst.
Eine Weile lang lachten wir noch über die neu gewonnene Erkenntnis, redeten über Ultraläufe, dann beschleunigte ich etwas, um mich den nächsten Läufern anzuschließen.

Die Laufstrecke als solche ist durchweg wunderschön, trailig, fast ausschließlich auf Wald- und Forstwegen, nur die letzten vier Kilometer läufst Du leider auf Asphalt. Es geht durch Wälder, vorbei an kleinen Seen, die am Morgen noch von den Nebeln des Sonnenaufgangs verziert waren. Die Dörfer, die man sieht, sind, typisch für Ostdeutschland, natürlich schön und ursprünglich und manche Großimmobilie am Weg, die in exponierter Lage gebaut wurde, ist entweder stilvoll restauriert und renoviert worden oder sie gammelt langsam vor sich hin und dokumentiert so auch noch 20 Jahre nach dem Mauerfall ungeklärte Eigentumsfragen oder SED-  und Volksarmee-Nachwehen.
Sehenswert ist die Strecke allemal und laufenswert ist sie sowieso.

Das Profil allerdings täuscht sehr. Wer einen „leichten“ Ultra erwartet, der sieht sich genauso getäuscht wie der, der an persönlichen Bestzeiten arbeiten will. Dieses Jahr kamen noch die hohe Temperatur von immerhin 28 Grad genauso dazu wie die extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Ich schwitzte, litt und bereute meine Entscheidung, ohne eigene Wasservorräte zu laufen.
Kurz nach der 40 km Marke war ich deutlich dehydriert, konnte nur teilweise nur noch gehen und trug ab dann immer eine ganze Wasserflasche von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt in der Hand, damit ich stets so viel trinken konnte wie ich  wollte.
Die Kilometer 40 bis 50 blieben allerdings schwierig, weil Dein dehydrierter Körper dann gar nicht mehr so viel Wasser aufnehmen kann wie er bräuchte.

Die Verpflegung an sich aber war vollkommen ausreichend, fast üppig, variantenreich und geschmackvoll, genug Auswahl auf für uns Vegetarier. Besonders bemerkenswert fand ich aber, dass überall ausreichend Salz vorhanden war. Das hat bei den besonderen Bedingungen vom Samstag wirklich sehr geholfen, es wurde auch ausgiebig von allen genutzt.

Mein Glück am Samstag war, dass die anderen Läufer offensichtlich genauso litten wie ich. Wo ich befürchtete, nach hinten durchgereicht zu werden, konnte ich meine Position im Rennen trotzdem wenigstens behaupten. Und auf den letzten neun Kilometern, als mich der „Heim-in-den-Stall“-Trieb packte und ich den Bündener Läufer Sascha, einen Freund von Lars und Hans, mit dem ich lange gelaufen und gegangen war, stehen ließ, konnte ich sogar noch etwas Positives für die Endplatzierung tun, aber das war wirklich nicht wichtig.

Für mich entscheidend war, dass ich die ersten 40 Kilometer in 4 Stunden und einer Minute laufen konnte, für die offiziell folgenden 29 Kilometer, die allerdings 31,5 Kilometer waren – Männer vermessen sich doch oft – brauchte ich jedoch bedrückende 3 Stunden und 44 Minuten. Eine gute Rennaufteilung sieht natürlich vollkommen anders aus.

Im Ziel in Quedlinburg angekommen bewiesen die anderen Läufer mal wieder, dass Ultraläufer einfach nettere Menschen sind. Dann hatte ich ein Handtuch zur Verfügung und auch ein Duschgel. Die Dusche war warm und angenehm.
Die Rückreise nach Stiege war nur rund 30 Kilometer lang, was bewies, dass wir zwar nicht die kürzeste, wohl aber die schönste Strecke von Stiege nach Quedlinburg erlebt hatten.

Nach der schwierigen Anreise folgte noch die lange Rückreise in die Grafschaft. Eine Vollsperrung der B49 zwischen Gießen und Limburg zerrte an den Nerven, der insgesamt lange Tag sorgte für eine latente Müdigkeit, gegen die nur sehr viel „Red Bull“ half.
Und trotz allem war ich zu köstlichen Spaghetti mit gebratenen Pilzen sogar noch vor 21 Uhr wieder zu Hause.
Nur mich der Familie widmen konnte ich nicht mehr, so laut rief das Bettchen nach mir …

Geschichten von neunundneunzigundeinem Luftballon …

Der Münster-Marathon sollte etwas Besonderes für mich sein. Das erste Mal war ich als Brems- und Zugläufer eingespannt und das für 4:00 Stunden, entsprechend nervös war ich. Meine Sorgen gingen in die Richtung, dass ich es gar nicht mehr schaffen würde, schnell, so schnell zu laufen. Die „langen Kanten“ haben mich langsamer gemacht und ich habe seit Monaten nicht mehr richtig trainiert. Wie oft beneide ich die Marathonis, die sich über Wochen konsequent einem Trainingsplan unterordnen können und auch die, die jeden Tag laufen können – oder zumindest jeden zweiten Tag.
Bei mir passiert da seit langem kaum mehr etwas in der Woche. Am Wochenende etwas Langes und Langsames, in der Woche: eindeutig viel zu wenig.


Aber der Zug- und Bremsläufer Luftballon machte mich schon sehr an.

Zudem sollte der Münster-Marathon meine „Nummer 99“ sein, wenn ich nicht drei DNFs in diesem Jahr in meinem Lauf-Lebenslauf gehabt hätte, dann wäre ich schon längst über der Marke von 100 Marathons. So aber heißt es abwarten und stilles Wasser trinken … Ein Luftballon für jeden „Marathon und länger“ macht 99 Luftballons, zusätzlich zu dem Luftballon, der die Zahl 4:00 trug.

Der wichtigste Grund, den Münster-Marathon endlich zu laufen, war aber der Umstand, dass ich von 1982 bis 1984 für 24 Monate in Münster gewohnt habe. Das Warenhaus HORTEN, in dem ich seinerzeit gelernt habe, ist mittlerweile ein Galeria Kaufhof geworden, aber im Grunde hat sich dort nicht allzu viel geändert. Noch immer hängen im Lambertiturm der Lamberitkirche die Täuferkäfige, in denen die münsteraner Täufer hingerichtet wurden. Sie herrschten in den 1530er Jahren im sogenannten „Neuen Jerusalem“, lehnten die Kindstaufe ab und tauften die Erwachsenen erneut (Wiedertäufer). Das Taufen von Erwachsenen aber widersprach dem Reichsrecht, was zu erheblichen Konflikten mit dem Fürstbischof Franz von Waldeck führte.
Die münsteraner Täufer regierten lange die Stadt und bauten die Strukturen in der Stadt radikal um. Die Täufer führten unter anderem die Gütergemeinschaft ein und ließen das Stadtarchiv verbrennen. Diese Radikalität führte zu erneuten Auseinandersetzungen. Vor allem der zunehmende Endzeitwahn der Propheten stieß auf Ablehnung. Für Ostern 1534 verkündete der Kopf der Wiedertäufer, Jan Mathys, sogar das Erscheinen Jesu Christi in der Stadt. Aber Christi erschien nicht und Jan Mathys wurde am Ostertag mit einigen Getreuen vor der Stadt getötet.

Ab diesem Zeitpunkt war Jan van Leiden Kopf der münsterschen Täufer, unter dem sich die Bewegung weiter radikalisierte. Zwar schaffte er die Folter vor Vollstreckung eines Todesurteils ab, vollstreckte aber die Todesurteile nicht selten persönlich. In der Stadt wurde im Sommer 1534 auf Grund des erheblichen Frauenüberschusses – unter den münsterschen Täufern gab es fast dreimal so viele Frauen wie Männer – die Polygynie eingeführt und das, obwohl die Täufer sich anfangs für eine strenge Sittenwacht ausgesprochen hatten. Jan van Leiden selbst nahm im Verlauf des Täuferreiches 16 Ehefrauen.

Die Militanz der münsterschen Täufer folgte unter anderem aus der militärisch ausweglosen Situation innerhalb der Stadtmauern. Die Belagerung führte bald zur Hungersnot. Die weiße Kalkfarbe der Kirchen soll abgekratzt, in Wasser aufgelöst und als Milch verteilt worden sein. Es half aber nichts: Nach anderthalb Jahren wurde Münster am 24. Juni 1535 eingenommen. Ein Blutbad beendete das Täuferreich.
Rund 650 Verteidiger wurden getötet, die Frauen aus der Stadt vertrieben. Die obersten Täufer wurden für ihre Abtrünnigkeit zu Tode gefoltert:
Am 22. Januar 1536 wurden Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling auf dem Prinzipalmarkt mit glühenden Zangen die Fingernägel ausgerissen und schließlich wurden sie erdolcht. Ihre Leichen wurden in eigentlich für den Gefangenentransport bestimmten eisernen Körben an den Turm der Lambertikirche gehängt, teils zur Information, teils zur Abschreckung.

Über den Prinzipalmarkt ging ich heute auch und ich dachte dort auch an den wunderschönen holzgetäfelten Saal im Münsterschen Rathaus, in dem ich vor knapp 30 Jahren einmal gewesen bin und in dem der „Westfälische Frieden“ geschlossen wurde, durch den der 30-jährige Krieg endlich zu Ende ging.

Der Münster-Marathon sollte also etwas Besonderes für mich sein, er wurde aber ein Lauf voller Hektik. Schon zu Hause habe ich getrödelt und fuhr 30 Minuten später als geplant ins Münsterland. Zwar versuchte ich, die Zeitverzögerung durch besonders schnelles Fahren auszugleichen und ich fuhr von den 34 Minuten, die ich als zu spät für das Treffen der Brems- und Zugläufer ausgerechnet war, rund 24 Minuten herein. Gescheitert bin ich aber daran, dass die Polizei die Zufahrtsstraße gesperrt hatte und weil die Existenz von Parkplätzen in Münster nur unzulänglich bekannt ist.
Als ich dann einen Firmenparkplatz von „Westfleisch“ für mein Auto ausgekuckt hatte, weil dort am Sonntag sicher nicht gearbeitet wird, befand ich mich genau auf der falschen Seite der Innenstadt. Schwer bepackt mit einer großen Sorttasche, die meinen Wechselklamotten beinhaltete, rannte ich erst Richtung Paulinum, wo wir uns treffen wollten und dann Richtung Start.

Klaus Duwe von „marathon4you.de“ sah ich als erstes und danach auch gleich Jens Vieler, der den Brems- und Zugläufer für 3:30 Stunden gegeben hat. Weiter ging es bis zum 4:00 Stunden Block und dort bekam ich meine Startnummer und mein Shirt. Noch zwei Minuten bis zum Start, ich war schon verschwitzt und nervös. Ich wechselte das Shirt, befestigte die Startnummer am Startnummernband, während mit der orangene Luftballon angebunden wurde. Passt, geschafft, es konnte losgehen.
Ein kleiner Informationsaustausch mit den beiden anderen Brems- und Zugläufern und dann kam Lars Schläger auf mich zu. Endlich konnte ich ihn wieder herzen und drücken. Lars war auch ein Opfer der Absage des UTMB, aber der gemeinsame Lauf mit ihm im Vorjahr dort und die vielen anderen gemeinsamen Läufe lassen mein Herz immer höher schlagen, wenn ich ihn sehe. Und es ging los.
Nach wenigen Metern lief ein junger Läufer neben mir, Wolfgang, den ich schon beim Remmers Hasetal Marathon in Löningen kennen gelernt hatte und der dort und damals ein Autogramm von mir wollte. Dort brauchte er 4:15 Stunden für den Marathon, in Münster konnte er sich unter die 4:00 Stunden Marke ducken.

Zum Lauf selbst sei nur erwähnt, dass der Lauf durch die Innenstadt Münsters super schön war und dass die Innenstädter auch ihre sprichwörtliche münsteraner Zurückhaltung aufgeben konnten, die Passagen außerhalb der Stadt und in den vorgelagerten Teilorten aber waren zäh und langweilig. Einzig der Abschnitt um den Aasee herum befriedigte meine Lust auf schöne Gegenden.
Mir ging es gut, ich lief seit längerem endlich mal wieder schmerzfrei los und spürte mein armes linkes Knie tatsächlich erst nach gut drei Stunden – herrlich!
Aber ich musste ab km 36 schon beißen und kämpfen, mehr, als mir lieb war. Ich wollte mir aber auch keine Blöße geben und mich aus dem Projekt „unter 4:00 Stunden“ verabschieden. Jetzt, mit einem gewissen Abstand, freue ich mich, dass ich nicht der Versuchung erlegen bin, es mir leichter zu machen. Zu oft schone ich mich hier, eine meiner größten Schwächen, finde ich.

Ab km 40 haben wir das Tempo ein wenig reduziert, um nicht allzu früh im Ziel einzutreffen, dann gab es das Finisher-Shirt und die Medaille, ein Becher alkoholfreies Bier, eine wirklich warme Dusche und dann begann die Suche nach meinem Auto.
Hast Du schon mal in Hektik geparkt und Du wolltest nur schnellstmöglich irgendwo ankommen? Ich habe mir leider nicht gemerkt, wo ich geparkt hatte, nur eine Straße in etwa nach der Hälfte des Weges hatte ich in Erinnerung. Aber wer kennt in Münster schon die Straßen, schon gar an so einem Sonntag? Fast jeder war nicht aus der Stadt und hatte mehr Fragen an mich als umgekehrt.
Ich suchte insgesamt knapp über eine Stunde lang, bis ich endlich Glück hatte.

Superknapp beim Start, superknapp unter der 4:00 Stunden – Linie und dann die Sucherei, aber die „Nummer 99“ war drauf auf der Liste, 99 Luftballons für die 99 Läufe und ein Luftballon, der mich als Brems- und Zugläufer ausgewiesen hat. Ich wurde nicht wegen des Überschreitens der 4:00 Stunden Marke in den Täuferkörben ausgestellt und genoss diese schöne Stadt, durch die Sucherei nach dem Auto sogar länger als erhofft und geplant.
„Hektik ist der Feind jeglichen Erfolgs!“ habe ich als Lebensmotto zur Geburt unserer Tochter Milena in die Geburtsanzeige geschrieben, der nächste Lauf wird wieder besser vorbereitet sein!