„Keine gute Idee!“

Ich werde nie das erste Mal vergessen, als ich eher zufällig in Ölüdeniz Urlaub machte. Dort gibt es, nur wenige Hundert Meter von der eigentlichen Stadt Ölüdeniz entfernt, die Ferienanlage „Lykia World“, ein ehemaliger Robinson Club, der aber schon etliche Jahre jetzt unter türkischer Leitung ist. Dadurch ist er kaum schlechter geworden,  dafür aber deutlich preiswerter. Und internationaler, was ich sehr schätzte.

Wir sind als komplette Familie hingereist, ich glaube, es war unser letzte gemeinsamer Urlaub. Danach folgten noch manche Urlaube mit der Tochter, manche mit dem Sohn, aber „alle zusammen“ war uns leider nicht mehr vergönnt. Vielleicht ändert sich das wieder, wenn die Studien der erwachsenen Kinder abgeschlossen und Enkelkinder da sind …

Unweit dieses Clubs sah ich damals ein Schild an einem Trail rauf auf den Babadag, den riesigen Hausberg von Ölüdeniz. Ohne GPX-Track, aber mit vollem Vertrauen in eine „ordentliche Beschilderung“, wagte ich den Weg auf den Berg. Der Trail war meist nur zu erahnen und ich begann irgendwann fast zu verzweifeln, weil ich dachte, komplett weg zu sein vom Trail. Ich erblickte noch einen Hügel vor mir, der die Sicht nach oben versperrte und ich sagte zu mir, dass ich dort noch rauf gehe. Wenn ich dann den Gipfel nicht sehen würde, dann würde ich umdrehen.

Und da huschte über mich ein Tandem-Paraglider, so nah über mir, dass ich die Gespräch zwischen dem Lenker und der Gastfliegerin mithören konnte. Sie war Britin, das war unverkennbar. Die ganze Ecke dort ist fest in den Händen von einst blasser, nun aber krebsrot gebrannter, Massentouristen, meist älter, meist mit typisch englischen Tatoos. Und gleich folgte der nächste Paraglider – und noch einer. Männer und Frauen unterschiedlichster Nationalität, aber eines hatten sie gemeinsam: Alle waren glücklich!

Am nächsten Tag paraglidete also die Familie Eller, nur Pascal wollte nicht, was ich bis heute nicht verstehe. Ein Start auf diesem Berg, knapp zweitausend Meter über Ölüdeniz, was angeblich die größte Höhendifferenz für touristisches Tandem-Paragliding auf der Welt ist – und mit einer Aussicht auf ein Stück Welt, das so schön ist, dass Du glaubst, ein Kunstmaler hätte sich das alles ausgedacht und es wäre gar nicht real. Die „Blaue Lagune“ (Fotos der „Blue Lagoon“ findest Du hier), der halbmondförmige, riesige Strand, die meist niedrige Bebauung, Ölüdeniz wirkt beschaulich nur wenig deutet darauf hin, dass es ein Hotspot für Touristen ist, es gibt keine Bettenburgen, Ölüdeniz ist einfach zauberhaft und wahrlich attraktiv.

An einem anderen Tag führte mich mein Lauftraining nur wenig hoch und ich entdeckte den „Lycian Way“, den „Lykischen Weg“ oder auf türkisch den „Likya Yolu“. Weiterlesen

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Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen …

… Du weißt nie genau, was Du bekommst, heißt es ja.

Aber es geht auch anders, nämlich dann, wenn Du Dich beispielsweise für die Pralinen „Rocher“ entscheidest. Da ist dann jede Praline gleich. Gleich gut und gleich lecker …
Und so wie im Leben, so wie bei der Pralinenpackung ist es auch bei den Läufen, Du weißt auch da oft nicht genau, was Du bekommst.

Und dennoch gibt es auch bei den Läufen solch eine „Rocher“ Praline. Und diese Praline heißt Eisweinlauf. 65 Kilometer mit rund 1.800 Höhenmeter vom Bahnhof in Offenburg auf den erleuchteten Weihnachtsmarkt in der Baden-Badener Innenstadt, als Gruppenlauf durchgeführt, mit viel Zeit für alle möglichen Gespräche und das mit Anfangs 100 und zum Ende hin 200 Mitläufern.

R(ud)olf Mahlburg, der Chef des Events

Dabei ist die beste Werbung für diesen Lauf, dass ich seit 2006, mit einer einzigen Ausnahme im Jahr 2011, wo ich unbedingt an der letzten Austragung der berühmten „Georgsmarienhütter Null“ teilnehmen musste, wollte, jedes Jahr aufs Neue dem Ruf von Brigitte und R(ud)olf Mahlburg folge, folgen muss. Es war heuer also das achte Mal, dass ich diese schöne Strecke über die Höhen des Schwarzwaldes gelaufen bin. Kein anderer Lauf hat mich öfters als vier Mal gesehen … Weiterlesen

32 x SM

 … oder warum ich so gerne nach Schmiedefeld laufe

„32x SM“ stand auf einem Schild, das sich ein älterer Läufer vor mir auf den Rücken geheftet hat. 32x SM? Was macht denn der Herr an einsamen Samstagabenden denn so?

Dieses SM aber steht nicht, wir Läufer wissen das alle, für ungewöhnliche Partnerspiele, die in Leder und Nieten gepackt, oft gespielt werden, sondern es steht für einen ausgeprägten Hang zu Unkonventionellem, für einen oft schmerzhaften Hang zum Ultralaufen, für den „Supermarathon“ auf dem Rennsteig von Eisenach nach Schmiedefeld.
Und wo kann man das seit nunmehr 40 Jahren lustvoller tun als auf der ultimativen Kultveranstaltung in Thüringen, dem Rennsteiglauf?

Bevor ich aber vom Rennsteiglauf erzähle, muss ich erst eine Geschichte erzählen, die etwas älter ist:
Verena G. ist die Sandkastenfreundin meiner Gabi. Sie hat auch zwei mittlerweile fast erwachsene Kinder, wohnt noch immer am Niederrhein und ist seit vielen Jahren mit ihrem Rainer verheiratet.
Und mit Rainer verbinden mich zwei Dinge.

Zum Ersten ist da die gemeinsame, leidenschaftliche Ablehnung des Fußballtrainers Dietmar Schacht. Für mich war Schacht der Grund, meine Arbeit als Vereinsvorstand beim bundesligaerfahrenen Frauenfußballvereins SC07 Bad Neuenahr aufzugeben. Im offenen Kampf „Mann gegen Mann“ habe ich mir so viele Stichverletzungen eingefangen, bis der Verein sich zwischen den Rivalen entscheiden musste. Ich wagte damals den Machtkampf und verlor. Haushoch.
Aber das gab mir dafür viel mehr Zeit zum Laufen.

Für Rainer war Schacht der Grund, mit den aktiven Fußball aufzuhören. Schachts bewundernswert unnachahmliche Art, Zwietracht zu säen führte innerhalb nur eines Jahres als Trainer in Moers zur Selbstauflösung von Rainer’s damaligem Fußballverein.
Andererseits, wenn ich es recht bedenke, dann könnte „Didi“ Schacht in Tullius Destructivus aus dem Asterix-Heft „Streit um Asterix“ seinen Meister finden. Er schafft es sogar noch besser, Menschen gegeneinander aufzubringen, aber im Gegensatz zu Schacht ist Destructivus Fiktion. Rainer und ich jedenfalls waren viel zu harmoniebedürftig, um gegen solche Menschen bestehen zu können.
Schade ist nur, dass Rainer und ich erst über das gemeinsame Erleben redeten, als die entsprechende Lebensphase für beide schon vorbei war.

Zum Anderen verbindet uns das Laufen. Aber auch darüber haben wir bei den seltenen Grillabenden in Moers leider nicht geredet. Ich für meinen Teil war ja damals auch noch ein Laufanfänger, Rainer aber war schon damals Laufleiter bei der sympathischen Laufgruppe „Die Stolperer“ aus Moers.

Beide Verbindungen zueinander kamen dann 2007 zusammen, als ich nach 8:31:30 Stunden meinen ersten Rennsteiglauf beendet hatte und im Ziel überraschend Rainer und seine Verena traf.
Ohne die beiden hätten meine Gabi und ich vielleicht nie erfahren, dass es im Ziel von Schmiedefeld jährlich eine kultige Party gibt, bei der schnell auf den Bänken getanzt wird. Wir mussten damals also unsere Planung ändern und seither freuen wir uns alljährlich erneut auf den Rennsteig und auf die Party im Zelt. Mehr noch als für mich gilt das für Gabi.
Suche mal auf YouTube nach „Party“ und „Schmiedefeld“ und Du weißt, was ich meine.

Dass diese Veranstaltung traditionell mit dem „Rennsteiglied“ beginnt, ist klar. Spätestens aber wenn die Band am Abend mit ihrem Programm anfängt, stehen die Zeltgäste auf den Tischen, es wird geschunkelt, getanzt und mitgesungen. Oft wird aber auch nur noch mitgelallt.
Viele der Zeltgäste sind keine Läufer. Begleiter eben oder Thüringer, die die Gunst der Stunde nutzen, an einem der für Schmiedefeld herausragenden Tag das eigene Jammertal zu verlassen und so richtig abzufeiern.
„Wie weit bist Du denn gerannt?“ lallte mich ein enorm angetrunkener junger Mann gegen 23 Uhr von der Seite an, um anschließend seine Bewunderung ob der kaum menschenmöglich erscheinenden 72,7K in mehreren Schlucken Bier zu ertränken.

Saufen, rauchen und feiern sind aber nicht die Dinge, die ich am Rennsteiglauf liebe. Es ist eher die Versorgung und da vor allem der legendäre Haferschleim, natürlich – oder mit Heidelbeer-Geschmack. Andere bekommen glasige Auge beim Gedanken an die Ebertswiese, ziemlich exakt in der Mitte der Gesamtstrecke gelegen, weil die Thüringer Bratwürste dort ein echtes Alleinstellungsmerkmal darstellen.
Wenn dort gegrillte oder gebratene vegetarische Tofu-Würstchen angeboten würden, dann würde ich mich da wohl auch anstellen.

Der Rennsteig ist für mich aber auch der fantastische Blick schon nach wenigen Kilometern auf die über Eisenach thronende Wartburg, der stramme Anstieg auf den Inselsberg und unzählige großartige Aussichten über die Täler und Städte Thüringens.

Das allerwichtigste aber sind die vielen anderen Läufer. Du kommst vor dem Start kaum aus dem Hände schütteln und dem Freunde begrüßen heraus. Allein der vielfach definierte Treffpunkt „kurz vor 6 Uhr am Brunnen“ sorgt dafür, dass Du keine Chance hast, um den Brunnen herum zu gehen, um all die vielen Gesichter zu scannen, so voll ist es da.
Meistens warte ich dann mit Rolf Mahlburg’sLaufend helfen“ Truppe auf den Startschuss, auch dieses Jahr. Also triffst Du viele von denen, die Du auch „kurz vor 6 Uhr am Brunnen“ zu treffen gehofft hast, dann noch auf der Laufstrecke. Das klappt recht gut, weil ich meist weit hinten und stets verhalten in die Läufe starte.
Dieses Jahr waren das beispielsweise Karin Walder aus der schönen Schweiz, Steffen Kohler, dersich spontan entschlossen hat, Didi Beiderbeck zu führen, nachdem Didis Guide nicht beim Start erschienen ist, Günter Bruhn, Gerhard Börner, Thorsten Stelter und dem Suhler Mirco Leffler, mit dem ich ganz am Ende ein paar Kilometerchen gelaufen bin.

Gestartet aber bin ich mit Michi Raab von X-BIONIC, auch aus der schönen Schweiz und seinem Münchner Sandkastenfreund, dem Sport-Allrounder Bernhard Seidl. Ein Golf Handicap von 8 in seiner besten Zeit spricht da Bände.
Michi hatte sein X-BIONIC Shirt und Hose in weiß gewählt, ich war wie fast immer in dezentem Schwarz gekleidet. War es nicht Henry Ford, der sagte: „Egal welche Farbe – Hauptsache schwarz“?
Bis zur Hälfte konnte und wollte ich mit Michi und Bernhard mithalten. Danach ließ ich mich etwas zurück fallen, um am Ende knapp 9 Minuten nach Michi zu finishen. Die beiden schafften also das Finish unter 8 Stunden, ich brauchte 7 1/2 Minuten länger. Aber eine Zeit von 7 Stunden und 67 Minuten ist auch nicht so schlecht, für mich immerhin mein bisher zweitbestes Ergebnis.

Im Ziel erwartete mich wie fast jedes Mal meine Gabi. Sie ist mal wieder den Halbmarathon gelaufen, hatte schon geduscht und ihr zauberhaftes Lächeln aufgesetzt. Und ich traf auch Verena’s Rainer dort. Er ist allerdings dieses Jahr den normalen Marathon gelaufen. Die Sonne schien warm vom Himmel, alle bekamen eine Medaille umgehängt, alle waren glücklich, alles passte also für die Party im Zelt von Schmiedefeld am Abend.

Und so wird es auch 2012 auf YouTube wieder Filmchen zu sehen geben. Ich werde mal danach suchen und „Party“, „Schmiedefeld“ und „2012“ eingeben …
Und 2013 geschieht das alles dann zum 41. Mal und zum 6. Mal für mich …

Laufend helfen …

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Für alle, die Ende Juni und Anfang Juli läuferisch noch nichts vorhaben und die gleichzeitig etwas Gutes tun wollen, empfehle ich zwei Läufe, die ich fest in meiner Planung eingebaut habe.
Da ist zum Einen der 24 Stunden Lauf in Forbach (den PDF-Flyer dazu gibt es hier) vom 30. Juni auf den 01. Juli, ein Lauf, bei dem ich allerdings nicht vorhabe, gewaltige Strecken zu laufen, sondern nur dabei zu sein und die Atmosphäre dort zu genießen.
Dabei hast Du dort die Möglichkeit, als Einzelstarter zu laufen oder als 10-Mann oder 10-Frau Staffel gemeinsamen Spaß zu haben.
Nicht die Erzielung von Höchstleistungen ist dabei das Ziel der Veranstaltung, sondern es stehen das gemeinsame Erleben und das Bewusstsein für die gute Sache im Vordergrund.

Und da ist zum Anderen der Lauf von Renchen-Ulm nach Rheinau-Linx (den PDF-Flyer dazu gibt es hier) am 7. Juli, eine Großveranstaltung, die auf einer schönen Strecke die Chance kombiniert, zu Laufen, Menschen kennen zu lernen und behinderten Kindern zu helfen.
Dieser Lauf ist eine Initiative von WeberHaus und der Familienbrauerei Bauhöfer mit laufendhelfen.de e.V. und die niedrige Teilnahmegebühr von 15 EUR wird ohne Abzug komplett zur Unterstützung der drei Sozialpartner des Freundschaftslaufes verwendet (Aktion Benni & Co. e.V., Förderverein für krebskranke Kinder e.V. Freiburg und Lebenshilfe der Region Baden-Baden/Bühl/Achern e.V.). Und so ganz nebenbei gibt es neben einem Shirt noch eine Laufmütze, warme Duschen und einfach ein gutes Gefühl für alle Läufer.

Veranstaltet werden beide Läufe wie auch etliche andere von Brigitte und R(ud)olf Mahlburg und ihrer Spendensammel-Organisation www.laufen-helfen.de, die seit Jahren viele meist Gruppenläufe organisieren, immer mit dem Ziel, uns Läufer zu verbinden und meist der Aktion Benni & Co., die sich um kranke Kinder mit Duchenne Muskeldystrophie kümmert, zu helfen.

Sehen wir uns dort vielleicht?

Wie schreibt Rolf Mahlburg so schön:

„Viele kleine Leute,
die viele kleine Schritte tun,
können die Welt verändern.“

(Chinesisches Sprichwort)

Österreich, Deutschland, Schweiz und Frankreich …

… oder was für ein cooles Wochenende!

Meine Planung für das vergangene Wochenende begann mit einem Business-Termin nahe dem Zürichsee am Freitag um 14 Uhr. Ursprünglich hatte ich diese Zeit so spät angesetzt, damit ich am Freitagvormittag dorthin anreisen kann. Aber es kam anders.
Zuerst hatten wir da am Donnerstag vor diesem Freitagstermin in der Firma ein Problem mit einem Verkaufstag in Schalchen / Österreich, kurz hinter der Grenze bei Passau. Und weil ich ja sowieso viel Auto zu fahren hatte, habe ich mich bereit erklärt, diesen Termin zu übernehmen.
Das wiederum bedeutete eine Abfahrt schon gegen Mittwochnachmittag.

Dann postete Sigi Bullig, dass die Zeitschrift „Vegetarisch fit“ einen Vegetarier für ein Interview in dem vegetarischen Nürnberger Restaurant „Chesmu“ suchen würde. Zielzeit in Nürnberg war 16 Uhr. Das wollte ich gerne machen, da ich auf dem Weg Richtung Passau sowieso an Nürnberg vorbei fahren würde. Die relativ frühe Zeit bedingte dann ein noch früheres Abfahren. Aber was tut man nicht alles, um ein paar Fragen beantworten zu dürfen …

Dann dachte ich, dass es sinnvoll wäre, nach dem Freitagstermin noch eine Laufveranstaltung zu suchen. Ich hatte vor, am Freitagabend zu meinen Eltern, die bei Offenburg wohnen, zu fahren und ich erinnerte mich, dass Gerhard Börner für den Sonntag auf seiner Laufagenda den „Trail du Petit Ballon“ stehen hatte. Prima, dachte ich und mailte nach Rouffach, dass ich gerne dabei wäre.

Ein ganzer Tag bei meinen Eltern also, dachte ich, aber nur so lange, bis Guido Huwiler mich für den Samstagvormittag zu einem privaten Läufchen auf seine Juraberge eingeladen hatte. Na ja, immerhin noch ein Abend bei meinen Eltern – was will man mehr?

Und dann postete „Trailschnittchen“ Julia Böttger, dass sie am Donnerstagabend zu einem Nightrun einladen würde. Da wollte ich auch noch dabei sein, also verschob Julia die Startzeit von 19 Uhr auf 19.30 Uhr, damit ich mitlaufen konnte, eine Terminverschiebung, extra für mich. Danke Julia!

Birger Jüchter wiederum postete über Facebook, dass er auch beim „Trail du Petit Ballon“ eingeschrieben sei und weil ich seit September 2011 noch seine Läuferfigur vom „Allgäu Panorama Ultra“ bei uns stehen hatte, die er damals nicht mitnehmen konnte, weil er Hauke König und Susanne Alexi auf der privaten TransGermanyTour auf dem Fahrrad begleiten wollte, dachte ich, dass mich diese Figur im Auto begleiten möge.

Birgit, so nannten wir die Figur in den letzten Monaten liebevoll, wollte erst gar nicht weg von zu Hause. Aber dann hat sie sich doch gefreut, ihren neuen Besitzer kennen zu lernen und so ging es erst einmal nach Nürnberg, um dort mit Alexander Otto über meine Motive, mich vegetarisch zu ernähren, zu reden. Dass es während des Redens auch noch etwas zu essen gab, nämlich super leckeres „Züricher Geschnetzeltes“, sei nur am Rande erwähnt.

Aber Vorsicht: nicht alles, was nach Fleisch aussieht, stammt auch aus der industriellen Massentierproduktion. Tofu heißt das Zauberwort, damit lässt sich Fleisch problemlos ersetzen. Das hilft all denjenigen, die zumindest die Optik traditioneller fleischlastiger Küche haben wollen.
Es war ein phantastischer und inspirierender Nachmittag voller inhaltlicher Tiefe, weil Alexander Otto sehr viel zu dem Gespräch beizutragen hatte. Später dann, auf Facebook, entdeckte ich, dass er in vielen Aspekten ähnlich denkt wie ich.
Nur Birgit musste im Auto bleiben und sie langweilte sich, weil ich den Termin nahezu zeitlich endlos gestreckt hatte.
Aber dann ging es weiter an die deutsch-österreichische Grenze in mein Hotel.

Vegetarisches Restaurant C H E S M U, Nürnberg

Nach dem Frühstück kam der Arbeitstag in einem lokalen Spielemarkt und gleich ging es los Richtung Bad Feilnbach, zu Julia und ihrer Truppe. Schon vorher hatte ich ergoogelt, dass ich 1 Stunde und 34 Minuten für die Strecke benötigen würde und meine Hoffnung, diesen Wert unterbieten zu können, zerplatzte wie eine Seifenblase.
Tempolimits, Stau und genau die Autofahrer, die immer nur dann vor einem auf der Überholspur sind, wenn man es eilig hat, bewirkten zusammen, dass es 1 Stunde und 47 Minuten wurden. Und alle warteten auf mich, war das wieder peinlich.

Ich werde immer ganz hektisch und nervös in solchen Situationen, der Lauf aus dem Tal von Bad Feilnbach bis hinauf zum Gipfelkreuz mit einer bemerkenswerten Aussicht und zurück über eine wunderschöne lang gezogene Laufstrecke, die das Zeug hatte, meine Lieblingsstrecke werden zu können, falls ich dort leben würde, entschädigte aber für die Unruhe und die kleine Lauftruppe sah auch meine Verspätung gelassen.
Weil ich aber so hektisch war nach der Ankunft hatte ich ganz vergessen, die Batterien in meiner Stirnlampe zu wechseln. Schon auf GranCanaria waren die Batterien eher schwach. Licht wird in der Regel nicht überbewertet und es wäre sicherlich schön gewesen, die Wurzeln und die Schnee- und Eispassagen, über die wir vor allem bergab liefen, sehen und beurteilen zu können, aber ich kam dennoch runter, auch mit Hilfe von Julias Kopflicht.

In der Nacht im Bad Feilnbacher Hotel durfte Birgit dann mit aufs Zimmer, als dekoratives Element gewissermaßen und am Freitag ging es dann nach einem bescheidenen Frühstückchen über München und Kempten in die Schweiz. Ich hatte recht viel Zeit und so beschloss ich, mir noch die Firmenzentrale von X-BIONIC anzusehen, die im schönen Wollerau am Zürichsee liegt. Von dort aus hast Du einen grandiosen Blick auf richtig hohe und schneebedeckte Berge, ein Traum, dort zu leben und zu arbeiten.
Ich würde es wohl auch so machen we Niels Grimpe-Luhmann, der „Swiss Jura Angel 1“, und jeden Tag nach der Arbeit noch eine Bergstrecke belaufen. Ein Jammer, dass die Berge der Eifel nicht ganz so imposant sind …

Noch immer hatte ich etwas freie Zeit und wollte nach dem Termin um 14 Uhr, wegen dem ich diese lange Reise eigentlich überhaupt gemacht hatte, einen Freund in Pfäffikon besuchen. Dank Navigation war der Ort schnell gefunden. Ein wenig abseits, weg vom Zürichsee, aber immerhin. Nur die Eichenstraße, die ich suchte, gab es nicht.
Es gab aber einen Ort gleichen Namens nur vielleicht 50 Kilometer entfernt, direkt am Zürichsee und der direkte Nachbarort von Wollerau, wo ich am Vormittag noch bei X-BIONIC war. Und 50 Kilometer am Freitagnachmittag am Zürichsee können weit sein. Die Straßen waren voll und das Blumen pflücken während der Fahrt wäre problemlos möglich gewesen.
Als ich dann dort in der Eichenstraße ankam war es schon so spät. dass ich diesen Besuch auf einen anderen Monat irgendwann in der nahen Zukuft verschoben habe und ich fuhr weiter nach Aarau, um mit Rita und Guido Huwiler zu Abend zu essen, eine Flasche edlen chilenischen Cabernet Sauvignon zu schlürfen und über das zu reden, über das sich Läufer am liebsten unterhalten: über die Laufstrecken dieser Welt, über die anderen Läufer und über das wilde Facebook-Land, das uns die Gruppenbildung so sehr erleichtert hat.

Am frühen Samstag genossen Guido und ich das wunderschöne Frühlingswetter, liefen rund 32 Kilometerchen über die Höhen und die Grate der schweizer Juraberge, brachten rund 1.430 Höhenmeter in die Beine, redeten viel und hatten richtig viel Spaß.
Wir haben einige Gipfel und Gipfelchen mitgenommen, eine Ruine besichtigt, ein Gipfelkreuz bewundert, ein paar Mal tief in die Täler geblickt, wir sind an einem Naturfreundehaus vorbei gelaufen, haben etliche Sendemasten bewundert und wir waren vor allem eines: sehr, sehr langsam und sehr, sehr entspannt.
Und dennoch haben die Muskeln im Oberschenkel gezogen und ich befürchtete, im Elsaß nur traben zu können.
Rita kochte noch einmal Reis, mit wilden Reis gemischt und machte dazu eine leckere Gemüsebeilage aus frischem Gemüse. Es war so lecker, dass auch eifrige Fleischesser wohl das Fleisch in der Mahlzeit nicht vermisst hätten.

Dann fuhr ich über Basel und Deutschland nach Rouffach, um dort die Startunterlagen abzuholen und von dort gleich weiter Richtung Offenburg zu meinen Eltern. Dort aber war niemand da. Eltern, so dachte ich immer, sind die Menschen, die immer zu Hause sind, wenn man dort übernachten will. Da braucht man auch nicht vorher anzurufen, da war ich mir bis dahin vollkommen sicher.
Ich suchte mir das wohl schlechteste Restaurant in Gengenbach aus und danach war wenigstens die Mieterin meiner Eltern im Haus, sodass ich wenigstens einen Schlafplatz für die Nacht hatte.
Unter dem Strich aber hätte ich mir die rund 100 Kilometer lange Fahrt von Rouffach nach Offenburg und wieder zurück sparen können, wenn ich gleich im Elsaß genächtigt hätte. Und all das, weil meine Eltern ausgerechnet an diesem Wochenende mit der Regel brechen wollten, immer da zu sein, wenn man eine Übernachtung braucht.

Am Sonntag fuhren Birgit und ich dann wieder nach Rouffach. Birgit war schon ganz aufgeregt und rostete noch ein wenig stärker, weil sie endlich ihren neuen Besitzer sehen wollte. Sie bekam ihn aber nicht zu sehen.

Drei Menschen wollte ich dort am Start unbedingt treffen: Gerald Blumrich aus Kempten, mit dem ich via Facebook Chat sogar noch die Startnummern ausgetauscht hatte, Mario Schönherr, den Oranisator des Wörthersee Trails, der auch im April auf Mallorca ein interessantes Laufseminar gibt und eben Birger Jüchter, um ihm seine Birgit übergeben zu können. Es war aber so voll im Startgebiet, dass ich keinen der drei, die ich zu sehen wünschte, entdecken konnte.

Regelrecht gestolpert aber bin ich über eine Vielzahl lieber Bekannter, einer großen Truppe von Rolf und Brigitte Mahlburgs „laufend-helfen.de“, die beiden Autoren von netten Laufberichten, Günter Kromer (laufspass.com) und Bernie Manhard (M4U), ich sah Gerhard Börner, wir unterhielten uns über seinen JUNUT, seinen Jurasteig nonstop, wo ich schon jetzt beim Gedanken daran eine Gänsehaut bekomme und ich lief mit Achim Knacksterdt und wir hatten ausgiebig Zeit, noch einmal die Organisation des RheinBurgenWeg-Laufs zu diskutieren.
Iris Eschelbach sah ich bereits vor dem Start, Nicola Wahl überholten Achim und ich erst ziemlich am Schluss. Niels Grimpe-Luhmann war in netter weiblicher Begleitung und wenn ich hier jemanden vergessen haben sollte, dann mag man mir das verzeihen.
Dass Raimund Slabon und Eule Frings auch vor Ort waren habe ich erst auf den Ergebnislisten bemerkt, schade eigentlich.

Der „Trail du Petit Ballon“ ist ein wirklich netter, gut organisierter Lauf. Zwar verstecken sich 2.100 Höhenmeter auf den rund 47 Laufkilometern, aber die Strecke ist fast durchweg gut laufbar, rauf und runter, kein Vergleich mit den technisch schwierigen Graten der Juraberge, die ich tags zuvor mit Guido gelaufen bin.
Das Startgeld war für die Leistung des Orga-Teams fast beschämend niedrig (25 EUR für Vorangemeldete, 30 EUR für die Spätberufenen wie mich). Dafür gab es eine Packung grüne Nudeln und einen Cremant Sekt in der Starter-Tüte und noch eine Quechua Vliesweste für die Finisher, überall Streckenposten, die auf Dich aufgepasst haben, eine vorbildliche Versorgung, was die Auswahl der angebotenen Essen und Getränke angeht und auch, was die Häufigkeit der Versorgungspunkte angeht.
Ich selbst habe mein mitgeführtes Wasser erst ganz kurz vor dem Ziel geleert, aber auch das nur, um das Wasser nicht noch weiter tragen zu müssen.

Insofern habe ich mit dem kumulierten Schnitt von fast exakt 7:00 Minuten pro Kilometer eine für mich sehr gute Zeit herausgeholt und mein 291. Platz (42. der Altersklasse) spiegelt das auch wider. Dass Birger zurzeit so fantastische Zeiten läuft und Raimund sowieso in einer anderen Liga läuft, dass ich 12 Kilometer vor dem Ziel Achim bitten musste, alleine weiter zu laufen, um selbst einen Gang runter schalten zu können, all das war mir von Anfang an klar.
Aber wirklich interessant für mich war, dass das Muskelziehen vom Vortag schon nach wenigen Kilometern weg war, wieder ein Indiz dafür, dass Du viel mehr, viel länger und viel öfter laufen kannst als man das landläufig denkt.

Auch im Ziel habe ich Birger nicht gesehen und so musste Birgit doch wieder mit mir nach Hause fahren. Jetzt steht sie auf meinem Schreibtisch im Büro und träumt von der „verbotenen Stadt“ Düsseldorf. Denn sie war schon ein wenig traurig, wieder zu mir nach Hause zu müssen, aber sie war recht tapfer, als ich ihr sagte, dass Birger schon in 14 Tagen beim RheinBurgenWeg-Lauf teilnehmen wird. Dann werde ich sie endlich ihrem neuen Besitzer übergeben können.

Birger und Birgit werden dann ganz bestimmt eine sehr gute Liaison für die Zukunft eingehen.

„Wer sich nicht bewegt, der kann auch nichts bewegen!“

Der Baden-Badener Weihnachtsmarkt - auf der Skala der Weihnachtsmärkte sicherlich relativ weit oben zu finden!

Es ist 18 Uhr am Samstag Abend auf dem wunderschönen Baden-Badener Weihnachtsmarkt. Menschenmassen schieben sich durch die Gassen des Weihnachtsmarktes und der Duft von Glühwein lässt Weihnachten erahnen. In der Mitte des Weihnachtsmarktes befindet sich eine hell erleuchtete Muschel, eine Aula, eine Bühne und auf der sammeln sich neben R(ud)olf Mahlburg und seiner Frau Brigitte noch der Bürgermeister von Baden-Baden sowie Repräsentanten von der „Aktion Benny & Co.“, die muskelkranken Duchenne-Kindern hilft und andere Repräsentanten unterschiedlichster Organisationen.

Gerade sind wir als Laufgruppe mit weit über 100 Läufern in Baden-Baden eingelaufen und wir alle haben unseren Weckmann bekommen. Einen leckeren frischen Weckmann und ein Glas Glühwein oder Kinderpunsch für die Läufer und ein paar warme Worte der Repräsentanten für die Weihnachtsmarkt-Besucher. Worte darüber, dass wir die langen Weg von Offenburg bis nach Baden-Baden bewältigt und dabei viel Gutes für kranke Kinder getan haben, Worte über die soziale Aufgabe, der sich Brigitte und Rolf Mahlburg gestellt haben und Worte der Bewunderung für die vielen Läufer, die da unten vor der Bühne standen, allesamt glücklich und stolz, diese 65 Kilometer mit den 1.800 Höhenmetern bewältigt zu haben.

Mir persönlich hat dabei dieser Satz aus der Seele gesprochen: „Wer sich nicht bewegt, der kann auch nichts bewegen!“ Wie wahr, dachte ich am Samstag und ich erinnerte mich sofort an die vielen Laufkilometer, die ich seit dem April 2004 gelaufen bin, seit jenem läuferischen Startpunkt, an dem ich begonnen hatte, in meinem Leben etwas zu bewegen. Ich habe mich fortan bewegt und ich habe auch vieles in meiner Umgebung bewegt. So habe ich viele fantastische und bewunderswerte Läuferinnen und Läufer kennen und schätzen gelernt, ich habe noch nicht alles, aber einiges von dem unnötigen Fett weggebrannt, das sich als Schwimmring deutlich sichtbar abgesetzt und mich zu einem „Sitzsack“ gemacht hatte und das sich auch im ganzen Körper verteilt hat, in jeden einzelnen Muskelstrang.

Vor allem aber habe ich neue Prioritäten im Leben gesetzt und erkannt, dass ich nicht auf Dauer ohne einen einigermaßen fitten und gesunden Körper leben will. Und heute freue ich mich beim Duschen immer wie ein kleines Kind, wenn ich meine Waden sehe oder den Oberschenkel-Muskel, der, wenn er angespannt ist, so stark akzentuiert und fest ist, dass ich denke: „Yes, I can!“ Oder ich fasse eine Po-Backe an und merke, wie fest und muskulös diese geworden ist. Schon dafür hat sich das Laufen gelohnt!

Und auch bei meiner Einstellung zur Familie und zum Beruf hat sich etwas bewegt. Während ich früher ein extremer Workoholic war ist mir heute die Balance zwischen den beruflichen Notwendigkeiten und dem Recht der Familie auf Beachtung, Liebe und Gemeinsamkeit sehr wichtig geworden. Erhalten habe ich dafür das Gefühl, ein ganz besonderer Vater zu sein, von den Kindern geliebt und von der Familie verehrt und gebraucht.

Wir standen also unter der Bühne in Baden-Baden und erlebten, wie R(ud)olf Mahlburg  für seine Webseite „Laufend-helfen.de“ einen Scheck von insgesamt immerhin 3.500 EUR an drei Hilfsorganisationen verteilt, das meiste Geld geht dabei wie immer an die Duchenne-Forschung, getreu dem Motto: gesunde Muskeln für kranke Muskeln.

Es ist nicht vollständig das „doppelte Familientreffen“ geworden, das ich erwartet hatte, aber dafür kamen Menschen dazu, die mir bei der ersten Durchsicht der Teilnehmerliste gar nicht aufgefallen waren. Schon am Vorabend traf ich die meisten Lauffreunde bereits in Bühl, wo diese die Nacht verbringen sollten. Ich habe meinen Freund Achim Knacksterdt in Baden-Baden abgeholt und nach Bühl gebracht und dort angekommen, durfte ich herzlich so viele Läuferinnen und Läufer begrüßen, dass ich voller Stolz war und hoffte, dass dieser Abend nie vorbeigehen möge. Allen voran waren es natürlich Heidi Stöhr, die ich schon im Eingangsbereich traf und die „Geschwister Fürchterlich“, die ich herzen und knuddeln durfte, zudem waren es die badischen Lauffreunde Peter Wiedemann, Brigitte Mahlburg und Rolf Mahlburg.
Dann aber erinnerte ich mich an meinen zweitlängsten Lauf meines bisherigen Läuferlebens, an den KÖLNPFAD. Fast vergessen hatte ich die Situation, als Hans-Peter Gieraths und ich vielleicht bei km70 von hinten von einem Läufer eingeholt wurden, der ein aufrichtiges Interesse an unserem kleinen Laufwettbewerb hatte. Er fragte uns, was die Startnummern zu bedeuten hätten und danach, welcher Lauf das denn wäre. Er fragte uns weiter, wie weit wir bislang gekommen wären und welche Strecke noch zu bewältigen sei.
Er lief vielleicht zwei, drei Kilometer mit uns gemeinsam und erzählte uns, dass auch er „einmal einen Ultralauf wagen“ würde, aber nicht im Kölner Raum, sondern im Dezember bei seinem Bruder Andreas, der im Badischen leben würde.
Ich fragte ihn dann, welchen Lauf er denn meinen würde, ich würde die Ultras im Badischen fast alle kennen und er antwortete: „Ich laufe den Eisweinlauf!“

Der Eisweinlauf von Offenburg nach Baden-Baden, ein Gruppen- und ein Spendenlauf, 2009 zum achten Mal durchgeführt!


Jörg Benz, nicht verwandt mit dem Möbeldesigner, hat also einen Bruder im Badischen – und ich kannte diesen sogar von früheren Eiswein-Läufen! Und meine Eltern wohnen im Badischen und Jörg und ich treffen uns unvermittelt und zufällig irgendwo im Niemandslang zwischen Bergisch-Gladbach und Köln. Und Jörg Benz war am Freitag Abend auch in Bühl. Mit seinem Bruder Andreas, der aber wegen einer Erkältung nicht zu den Läufern, sondern „nur“ zum Supporter-Team gehörte.

Gefehlt hat leider die an der Archillessehne verletzte Wilma Vissers und auch Heinrich Dahmen konnte den Weg in den Süden nicht antreten, das war schade, weil ich gerne mit den beiden ein paar Erinnerungen geteilt hätte, dafür traf ich aber Henk Geilen und Joachim Siller, beide Namen sind mir in der langen Teilnehmerliste nicht aufgefallen.
Henk Geilen ist einer der ganz besonders erfahrenen Ultraläufer, mit dem ich etliche lange Läufe gemeinsam gelaufen bin, teilweise in Belgien oder Holland, aber eben auch im Badischen oder in der Eifel, ein echter Gewinn an Gefühl und Witz bei jedem Ultralauf und JoSi, Joachim Siller, ist auch seit Jahren für mich menschlich einer der ganz Großen unter den Ultraläufern. Als TransSwiss 2009 Finisher hat er auch allen Grund, stolz auf seine Läuferbiografie zu sein.

Am Samstag Morgen sprach mich dann Tilmann Markert an, ein Arzt aus Gaggenau, der als Nachrücker ebenfalls im April 2010 zum Marathon des Sables (MdS) nach Südmarokko reisen wird. Für Achim Knacksterdt und mich war das eine gute Gelegenheit, diesen neuen Mitstreiter kennen zu lernen. Während des Laufs entdeckte ich mit Freude auch Nicola Wahl, auch eine von denen, die mich in 2009 besonders oft begleitet haben. Sie war beim SwissJuraMarathon 2009 (SJM) genauso dabei wie beim UTMB 2009. Dass sie selbstverständlich beide Wettbewerbe erfolgreich gefinished hat, sei nur am Rande erwähnt.
Ganz besonders erinnere ich mich aber an den fünften Tag des SJM, an dem ich die schlimmsten Muskelbeschwerden bekam. Ich hatte bestimmt 30 Minuten Vorsprung auf Nicola herausgelaufen, bis die Oberschenkel verhärtet waren und die Sehnenscheidenentzündung in den Füßen mich zwang, bergab nur noch zu tippeln. Irgendwann dann stürmte von hinten Nicola an mir vorbei und sie ließ mich stehen wie eine Slalomstange und ich fühlte mich damals alt, krank und langsam.

Es gab noch viele andere, mit denen ich reden konnte, so beispielsweise Marco Köhler aus Rastatt, mit dem ich über unseren gemeinsamen Lauffreund Dirk Joos geredet habe, den wir beide sehr vermisst haben, so viele, dass der Artikel zu lange würde, wenn ich alle, die es verdient hätten, erwähnen würde.
Nur einen will ihc noch nennen, Klaus Adelmann aus Freiburg, der die Webseite www.runme.de betreibt. Klaus und ich haben in der Vergangenheit schon oft miteinander kommuniziert, live gegenübergestanden haben wir uns aber meines Wissens noch nicht. Klaus sprach mich erst ganz spät am Abend an, als wir von den Bergen aus kommend im Dunklen in Baden-Baden einliefen. Wir liefen eine Straße entlang, die gesäumt wurde von schönen und riesigen Häusern, die deutlich den Reichtum ihrer Besitzer zeigten. Nicht umsonst gilt Baden-Baden als eine der TOP 10 – Städte mit den meisten Millionären pro 1.000 Einwohner und diese Millionäre prägen mit deren Prunk den Charakter der Stadt.
Der Prunk der Häuser spiegelt sich dann auch wider in den öffentlichen Bauten wie dem Theater und in den hell erleuchteten edlen Restaurants und Hotels, die den Ruhm von Baden-Baden mitgeprägt haben.

Und so endete dort vor der Bühne des Weihnachtsmarktes in Baden-Baden ein langer und bestens organisierter Gruppenlauf, der EISWEINLAUF, der die über 100 Teilnehmer über 65 Kilometer und über die Höhen des Schwarzwaldes führte, ein Lauf, bei dem neben dem Wunsch, Gutes für kranke Kinder zu tun, auch die Gelegenheit geliebt wurde, mit vielen unterschiedlichen Menschen zu reden. Und wenn man diesen Lauf, der 2009 schon zum insgesamt 8. Mal durchgeführt wurde, wie ich schon zum vierten Mal absolviert, dann sind es die Gesichter der „Stammkunden“, die diesem Lauf seinen Charakter geben.
Und es sind Rolf Mahlburg, der mit großer Routine das Tempo vorgibt und Brigitte Mahlburg, die sich liebevoll um die hinteren Läufer kümmert, weil das Ziel des Laufs ist, alle Teilnehmer ins Ziel zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Gruppe zusammen bleibt, die beiden prägen diesen Lauf mit ihrer Liebe zu den Menschen und ihrem großen Herz für alle Menschen, Läufer oder Nicht-Läufer, Kranke oder Gesunde.

Und wenn sich mehr als 100 Läufer mit Kopflichtern, Sicherheitswesten und Nikolausmützen in Baden-Baden durch den Kurgarten bewegen, dann stehen die Passanten still, salutieren, grüßen und freuen sich über dieses seltene Bild. Und sie begreifen den Sinn des Weihnachtsfestes, der guten Tat und der Bewegung und sie verstehen: „Wer sich nicht bewegt, der kann auch nichts bewegen!“