Ich will, ich kann, ich werde …

Drei lange Monate ist es her, dass ich an dieser Stelle etwas geschrieben habe.
Und nach dieser gefühlten Ewigkeit will ich jetzt wieder da sein, wieder Deine Aufmerksamkeit erhalten.

Manch einem werden jetzt die Worte von Falco aus dem Lied „Verdammt, wir leben noch“ in den Sinn kommen:

Was ist er denn,
Was hat er denn,
Was kann er denn,
Was red’t er denn,
Wer glaubt er, dass er is?

Und vor allem: Worüber schreibt er denn?falco
Nein, es soll kein Jahresrückblick werden. Ich bin mir ja selbst nicht sicher, ob bei mir „das Glas halb voll oder halb leer“ war im letzten Jahr, ob ich mich über die Erfolge freuen oder mich über die Misserfolge ärgern soll. Ist ja auch egal, ist ja vorbei.

Also schaue ich nach vorne auf sieben Events in den ersten sieben Monaten des Jahres 2017, die mich so packen, dass ich es gar nicht mehr erwarten kann, dort zu starten.
Und dort werde ich dann auch jedes Mal finishen, weil ich es will, weil ich es kann, weil ich genau das tun werde.

Diese sieben Events, meine „Glorreichen Sieben“ gewissermaßen, will ich in den nächsten Wochen noch einzeln und detaillierter vorstellen, heute soll erst einmal eine Kurzzusammenfassung reichen: Weiterlesen

“MMM 2015″, mein drittes und letztes “M”

MMM7Es war 2 Uhr 30 Minuten, mitten in der Nacht. Ich hatte gerade eine Stunde geschlafen, im ersten VP nach der Dropbag-Station. Die war in Es Castell, genau 100 Kilometer hinter dem Start, gleichzeitig aber ar sie auch das Ende des 100 K Trail Menorca Costa Nord Trails und der Startpunkt des 85 K Trail Menorca Costa Sud. Es war die Stelle, an der ich 2014 raus bin und das süße Gift einer Wertung als 100 K Trailer annahm. Ein Jahr lang habe ich wegen dieses „Finishs zweiter Klasse“ mit mir gehadert.

2015 sollte es ja anders werden, das hatte ich versprochen und so habe ich dort in der Dropbag-Station die Frage, ob ich aufhören oder weiterlaufen wolle, selbstbewusst mit dem Ausdruck „I keep on running“ beantwortet. Nur frische Sachen angezogen, das neue KÖLNPFAD Shirt aus, das langärmelige geile X-BIONIC Teil an, keine Spur von Müdigkeit, also gleich weiter.

Mit Raimund Slabon am Start des Cami de Cavalls, Ciutadella

Mit Raimund Slabon am Start des Cami de Cavalls, Ciutadella

Weiterlesen

Stories That We Could Have Told …

AwzEs war am 07. Mai 2013 in der Bielefelder Universität bei einem Poetry Slam, einem Hörsaal Slam, wie er sich nannte.
Neben vielen anderen Slammern trat auch Julia Engelmann auf, die Schauspielerin, Poetry-Slammerin, die durch ihre Auftritte in der Soap „Alles was zählt“ nationale Bekannheit erreichte. Mit diesem Auftritt als Slammerin aber hat sie einen Meilenstein gesetzt, eine Art „Bibel für uns Normalbürger“ aufgestellt und gerade wir Ultraläufer, die wir gewöhnt sind, spektakulärere Dinge zu tun als viele andere Menschen unseres Alters, fühlen uns bei diesem Beitrag gut aufgehoben.

Wahrscheinlich hast Du das YouTube-Video, in dem ihr Slam-Beitrag dokumentiert wurde, schon gesehen, der Link wurde ja im Internet rasend schnell und tausendfach geteilt.

In ihrem Slam-Beitrag ruft Julia Engelmann zu einem bewussten Nutzen der Zeit auf, die wir auf diesem Planeten haben. Ihr Text bezieht sich dabei auf das Lied „One Day / Reckoning Song“ des israelischen Folk-Rock-Musikers Asaf Avidan.

Julia Engelmann beginnt mit:
„Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können. …“
(Original: „Oh baby, we’ll be old and think of all the stories that we could have told. …“) und sie fährt später fort mit: „Einmal bin ich fast einen Marathon gelaufen,und hätte fast die Buddenbrooks gelesen und einmal wär ich beinahe bis die Wolken wieder lila waren noch wach gewesen, und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehn, wir sind die Gleichen, und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten.“
Zuletzt will ich sie noch aus ihrem Beitrag hiermit zitieren:
„Lass uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen, lass uns nachts lange wach bleiben, aufs höchste Hausdach der Stadt steigen, lachend und vom Takt frei die allertollsten Lieder singen, lass uns Feste wie Konfetti schmeißen, sehn, wie sie zu Boden reisen und die gefallenen Feste feiern, bis die Wolken wieder lila sind und lass mal an uns selber glauben, ist mir egal, ob das verrückt ist, und wer genau guckt sieht, dass Mut auch bloß ein Anagramm von Glück ist.“

Den ganzen Beitrag siehst Du hier, er ist es wert, öfters angesehen zu werden, finde ich:

Als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte, war ich tief bewegt. Und ich begann, nachzudenken.
Ich will am Ende meines Lebens glauben, ein guter Vater gewesen zu sein.
Und ein guter Vater ist für mich nicht zwangsläufig der, der immer zu Hause ist, sondern auch der, der seinen Kindern Vorbild sein will und sein kann und der etwas zu erzählen hat von seinem Leben.
Wir können keine Helden werden, aber wir können unser Leben so gestalten, dass wir etwas zu erzählen haben. Wir haben es in unserer eigenen Hand, Gestalter unseres eigenen Lebens zu sein. Wenn nicht wir selbst, wer dann?

Wir können einen Marathon laufen, wir dürfen die Buddenbrooks lesen und wir wollen wenigstens einmal so lange wach bleiben, bis die Wolken wieder lila werden, am liebsten beim Durchlaufen einer oder sogar mehrerer Nächte, wir dürfen und sollen uns demaskieren und zeigen, wer wir wirklich sind und dann erkennen, dass wir alle irgendwie gleich sind. Und nicht zuletzt sollten wir uns gegenseitig sagen, dass wir uns viel bedeuten, bevor es zu spät ist und das nicht mehr gesagt werden kann. Kennen wir das nicht alle, dass wir einem verstorbenen Verwandten, einer Oma beispielsweise, noch gerne etwas gesagt hätten, warum haben wir es nicht rechtzeitig getan?

Gute Väter haben mehr Gehirnzellen im Kopf als Zylinder im Auto, davon bin ich überzeugt. Und gute Väter versuchen, ihren Kindern mitzugeben, dass sie selbst auch, so sie einmal eigene Kinder haben werden, diesen wiederum gute Väter und Mütter sind und diesen Kindern auch Geschichten erzählen können, die sie erlebt haben. Und eben nicht die Geschichten, die sie fast erlebt hätten.

Ich will ab August meinen Kindern und der Welt um mich herum eine weitere Geschichte erzählen können. Eine Geschichte, die aus meiner heutigen Sicht total verrückt ist.
Ich war zwei Mal auf dem Kilimanjaro/Tansania, ich war in Equador auf dem Cotopaxi und dem Chimborazo, immerhin auf 6.320 Metern über N.N., ich war auf dem Rinjani/Lombok, Indonesien und auf dem Auyan Tepui, wo der Angel Fall ist, der mit rund 1.000 Metern höchste Wasserfall der Welt, mitten im Venezuelanischen Regenwald.
Und jetzt will ich auf den Lenin Peak, auf 7.000 Meter über N.N.
Скайраннинг 2014Dabei will ich das erste Mal nicht auf den Berg wandern, hiken, bergsteigen, sondern ich will da hoch rennen, so weit das möglich ist. Es ist ein Rennen der russischen SkyRace-Serie, es findet am 29. Juli statt, startet auf 4.400 Metern über N.N. und endet kurz unter dem Gipfel auf einem Plateau auf exakt 7.000 Metern, endlich eine „7“ vorne … !
Dass ich dafür auf den wunderschönen Lauf im Pitztal verzichten muss, nehme ich dabei gerne in Kauf. Dass ich dafür lange Zeit weg sein werde, um mich vernünftig zu akklimatisieren, auch das nehme ich gerne an.

Julia Engelmann sagt in dem Slam-Beitrag:
„Lass uns jetzt schon Gutes säen, damit wir später Gutes ernten, … also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen.“
Wie wahr, finde ich. Sie spricht mir da aus dem Herzen, wie ich es selten erlebt habe.

Der Lenin Peak ist ist der höchste Berg der Transalai-Kette im nördlichen Teil des Pamir (Zentralasien). Mit 7.134 Metern über N.N. ist er hinter dem Pik Ismoil Somoni (früher: „Pik Stalin“ oder „Pik Kommunismus“, 7.495 Meter) der zweithöchste Gipfel des Pamir.
Lenin_peak_from_Sary-mogollogoUnd auf diesen Berg führt ein Schnelllaufrennen, das von AK-SAI Travel, Sovetskayastr. 65, 720005 Bischkek, Kirgisische Republik, http://www.ak-sai.com/ds/actions/52, durchgeführt wird.
AK-SAI Travel präsentiert sich vom 05.-09. März auf dem Stand 304 in der Halle 7.2A auf der ITB in Berlin. Wenn Du also Lust hast, da mehr Informationen zu erhalten, dann bist Du dort sicher sehr willkommen.sky-runner-series
Auf der Webseite http://www.ak-sai.com/en/mountaineering/run-up kannst Du die Details des Rennens nachlesen. Ich bin dort mit dem „2 – Program Osh – Osh full package“ dabei, ich fliege also nach Osh und nicht nach Bishkek, um die Reise ein wenig zu verkürzen.
Dort siehst Du auch die Voraussetzungen, die Leistungen und nahezu alles, was wichtig ist, zu wissen. Den Startzeitpunkt am 29. Juli allerdings habe ich noch nicht finden können, wohl aber die Schlusszeit. Um 15 Uhr am darauf folgenden Tag müssen die Teilnehmer wieder im Camp sein.

Ein guter Vater sein, das ist wirklich eine schwere Aufgabe. Geschichten zu erleben, die es wert sind, erzählt zu werden, ist auch nicht allzu leicht. Aber auch in diesem Punkt hat Julia Engelmann recht:
„… unsere Zeit, die geht vorbei, das wird sowieso passieren und bis dahin sind wir frei und es gibt nichts zu verlieren.“

Wem habe ich wegen dieser Reise zu danken? Natürlich in erster Linie meiner Frau Gabi, die für mich in Deutschland die Stellung hält, meinen Kindern, die wieder einmal eine längere Zeit auf mich verzichten müssen, aber auch Thomas Schmidtkonz, ohne dessen Unterstützung diese Reise nicht möglich gewesen wäre.
Alles über dieses Rennen findest Du dann im August auf auf Laufspass.com, natürlich.
Also los, schreiben wir diese Geschichte.

Edit: Nachlesen kannst Du diese Geschichte, Neuigkeiten darüber und das Tagebuch während des Aufstiegs und des eigentlichen Rennens hier:
https://marathonundlaenger.wordpress.com/lenin-peak-2014/
bg

Der Rambo unter den Läufern

OggauOggau am Neusiedler See ist ein ganz besonders Örtchen.
Der kleine lokale Supermarkt hat am Donnerstagnachmittag geschlossen und überhaupt sieht alles so aus wie man sich das platte Land vorstellt. Es ist ruhig und heimelig.
Da bellt ein Hund, hier quakt eine Ente. Und über der Eisschicht auf dem gefrorenen Boden liegt eine Handbreit Schnee.

Und auch das ist ganz besonders an diesem Örtchen: da gab es ein Event, den „24 Stunden Burgenland Extrem“, 120 Kilometer rund um den Neusiedler See.
Zum dritten Mal ausgetragen am letzten Tag des Jänner und nach 50 Startern bei der Premiere in 2012, nach 250 Startern bei der Wiederholung im Vorjahr haben sich jetzt 600 Starter eingefunden, um zu rennen, zu gehen oder zu walken. Und wenn die Veranstalter kein Teilnehmerlimit gesetzt hätten, dann wären es wohl noch deutlich mehr geworden.

Meinen kleinen Bericht über dieses wunderbare Event zeige ich ausnahmsweise nicht an dieser Stelle, sondern auf www.laufspass.com.

In Zukunft werde ich immer zwei Berichte über die Läufe schreiben, an denen ich teilnehmen darf. Einen etwas globaleren dort auf Laufspass.com und eine kleine persönliche Geschichte hier an dieser Stelle.

Wenn es hier und heute keine meiner kleinen Geschichten gibt, dann gibt es wenigstens eine für mich sehr wichtige Neuigkeit: ich habe mich mit Thomas Schmidtkonz darauf geeinigt, ab sofort regelmäßig auch auf seiner Plattform zu schreiben. Für diese Möglichkeit sage ich „herzlichen Dank“!.

Ich verspreche mir von der Partnerschaft mit diesem Laufportal, dass ich eine breitere Zielgruppe erreichen kann. Ich denke ja, dass es auch für Andere nett sein könnte, etwas andere Laufberichte zu lesen, Berichte, die sich nicht im Wesentlichen um die „hard facts“ eines Laufs drehen, sondern in denen die Menschen um mich herum die „erste Geige“ spielen.

Also: den Bericht über den „24 Stunden Burgenland Extrem“ durch Österreich und Ungarn findest Du hier: www.laufspass.com.

Danke fürs Anklicken …Rambo

Österreich, Deutschland, Schweiz und Frankreich …

… oder was für ein cooles Wochenende!

Meine Planung für das vergangene Wochenende begann mit einem Business-Termin nahe dem Zürichsee am Freitag um 14 Uhr. Ursprünglich hatte ich diese Zeit so spät angesetzt, damit ich am Freitagvormittag dorthin anreisen kann. Aber es kam anders.
Zuerst hatten wir da am Donnerstag vor diesem Freitagstermin in der Firma ein Problem mit einem Verkaufstag in Schalchen / Österreich, kurz hinter der Grenze bei Passau. Und weil ich ja sowieso viel Auto zu fahren hatte, habe ich mich bereit erklärt, diesen Termin zu übernehmen.
Das wiederum bedeutete eine Abfahrt schon gegen Mittwochnachmittag.

Dann postete Sigi Bullig, dass die Zeitschrift „Vegetarisch fit“ einen Vegetarier für ein Interview in dem vegetarischen Nürnberger Restaurant „Chesmu“ suchen würde. Zielzeit in Nürnberg war 16 Uhr. Das wollte ich gerne machen, da ich auf dem Weg Richtung Passau sowieso an Nürnberg vorbei fahren würde. Die relativ frühe Zeit bedingte dann ein noch früheres Abfahren. Aber was tut man nicht alles, um ein paar Fragen beantworten zu dürfen …

Dann dachte ich, dass es sinnvoll wäre, nach dem Freitagstermin noch eine Laufveranstaltung zu suchen. Ich hatte vor, am Freitagabend zu meinen Eltern, die bei Offenburg wohnen, zu fahren und ich erinnerte mich, dass Gerhard Börner für den Sonntag auf seiner Laufagenda den „Trail du Petit Ballon“ stehen hatte. Prima, dachte ich und mailte nach Rouffach, dass ich gerne dabei wäre.

Ein ganzer Tag bei meinen Eltern also, dachte ich, aber nur so lange, bis Guido Huwiler mich für den Samstagvormittag zu einem privaten Läufchen auf seine Juraberge eingeladen hatte. Na ja, immerhin noch ein Abend bei meinen Eltern – was will man mehr?

Und dann postete „Trailschnittchen“ Julia Böttger, dass sie am Donnerstagabend zu einem Nightrun einladen würde. Da wollte ich auch noch dabei sein, also verschob Julia die Startzeit von 19 Uhr auf 19.30 Uhr, damit ich mitlaufen konnte, eine Terminverschiebung, extra für mich. Danke Julia!

Birger Jüchter wiederum postete über Facebook, dass er auch beim „Trail du Petit Ballon“ eingeschrieben sei und weil ich seit September 2011 noch seine Läuferfigur vom „Allgäu Panorama Ultra“ bei uns stehen hatte, die er damals nicht mitnehmen konnte, weil er Hauke König und Susanne Alexi auf der privaten TransGermanyTour auf dem Fahrrad begleiten wollte, dachte ich, dass mich diese Figur im Auto begleiten möge.

Birgit, so nannten wir die Figur in den letzten Monaten liebevoll, wollte erst gar nicht weg von zu Hause. Aber dann hat sie sich doch gefreut, ihren neuen Besitzer kennen zu lernen und so ging es erst einmal nach Nürnberg, um dort mit Alexander Otto über meine Motive, mich vegetarisch zu ernähren, zu reden. Dass es während des Redens auch noch etwas zu essen gab, nämlich super leckeres „Züricher Geschnetzeltes“, sei nur am Rande erwähnt.

Aber Vorsicht: nicht alles, was nach Fleisch aussieht, stammt auch aus der industriellen Massentierproduktion. Tofu heißt das Zauberwort, damit lässt sich Fleisch problemlos ersetzen. Das hilft all denjenigen, die zumindest die Optik traditioneller fleischlastiger Küche haben wollen.
Es war ein phantastischer und inspirierender Nachmittag voller inhaltlicher Tiefe, weil Alexander Otto sehr viel zu dem Gespräch beizutragen hatte. Später dann, auf Facebook, entdeckte ich, dass er in vielen Aspekten ähnlich denkt wie ich.
Nur Birgit musste im Auto bleiben und sie langweilte sich, weil ich den Termin nahezu zeitlich endlos gestreckt hatte.
Aber dann ging es weiter an die deutsch-österreichische Grenze in mein Hotel.

Vegetarisches Restaurant C H E S M U, Nürnberg

Nach dem Frühstück kam der Arbeitstag in einem lokalen Spielemarkt und gleich ging es los Richtung Bad Feilnbach, zu Julia und ihrer Truppe. Schon vorher hatte ich ergoogelt, dass ich 1 Stunde und 34 Minuten für die Strecke benötigen würde und meine Hoffnung, diesen Wert unterbieten zu können, zerplatzte wie eine Seifenblase.
Tempolimits, Stau und genau die Autofahrer, die immer nur dann vor einem auf der Überholspur sind, wenn man es eilig hat, bewirkten zusammen, dass es 1 Stunde und 47 Minuten wurden. Und alle warteten auf mich, war das wieder peinlich.

Ich werde immer ganz hektisch und nervös in solchen Situationen, der Lauf aus dem Tal von Bad Feilnbach bis hinauf zum Gipfelkreuz mit einer bemerkenswerten Aussicht und zurück über eine wunderschöne lang gezogene Laufstrecke, die das Zeug hatte, meine Lieblingsstrecke werden zu können, falls ich dort leben würde, entschädigte aber für die Unruhe und die kleine Lauftruppe sah auch meine Verspätung gelassen.
Weil ich aber so hektisch war nach der Ankunft hatte ich ganz vergessen, die Batterien in meiner Stirnlampe zu wechseln. Schon auf GranCanaria waren die Batterien eher schwach. Licht wird in der Regel nicht überbewertet und es wäre sicherlich schön gewesen, die Wurzeln und die Schnee- und Eispassagen, über die wir vor allem bergab liefen, sehen und beurteilen zu können, aber ich kam dennoch runter, auch mit Hilfe von Julias Kopflicht.

In der Nacht im Bad Feilnbacher Hotel durfte Birgit dann mit aufs Zimmer, als dekoratives Element gewissermaßen und am Freitag ging es dann nach einem bescheidenen Frühstückchen über München und Kempten in die Schweiz. Ich hatte recht viel Zeit und so beschloss ich, mir noch die Firmenzentrale von X-BIONIC anzusehen, die im schönen Wollerau am Zürichsee liegt. Von dort aus hast Du einen grandiosen Blick auf richtig hohe und schneebedeckte Berge, ein Traum, dort zu leben und zu arbeiten.
Ich würde es wohl auch so machen we Niels Grimpe-Luhmann, der „Swiss Jura Angel 1“, und jeden Tag nach der Arbeit noch eine Bergstrecke belaufen. Ein Jammer, dass die Berge der Eifel nicht ganz so imposant sind …

Noch immer hatte ich etwas freie Zeit und wollte nach dem Termin um 14 Uhr, wegen dem ich diese lange Reise eigentlich überhaupt gemacht hatte, einen Freund in Pfäffikon besuchen. Dank Navigation war der Ort schnell gefunden. Ein wenig abseits, weg vom Zürichsee, aber immerhin. Nur die Eichenstraße, die ich suchte, gab es nicht.
Es gab aber einen Ort gleichen Namens nur vielleicht 50 Kilometer entfernt, direkt am Zürichsee und der direkte Nachbarort von Wollerau, wo ich am Vormittag noch bei X-BIONIC war. Und 50 Kilometer am Freitagnachmittag am Zürichsee können weit sein. Die Straßen waren voll und das Blumen pflücken während der Fahrt wäre problemlos möglich gewesen.
Als ich dann dort in der Eichenstraße ankam war es schon so spät. dass ich diesen Besuch auf einen anderen Monat irgendwann in der nahen Zukuft verschoben habe und ich fuhr weiter nach Aarau, um mit Rita und Guido Huwiler zu Abend zu essen, eine Flasche edlen chilenischen Cabernet Sauvignon zu schlürfen und über das zu reden, über das sich Läufer am liebsten unterhalten: über die Laufstrecken dieser Welt, über die anderen Läufer und über das wilde Facebook-Land, das uns die Gruppenbildung so sehr erleichtert hat.

Am frühen Samstag genossen Guido und ich das wunderschöne Frühlingswetter, liefen rund 32 Kilometerchen über die Höhen und die Grate der schweizer Juraberge, brachten rund 1.430 Höhenmeter in die Beine, redeten viel und hatten richtig viel Spaß.
Wir haben einige Gipfel und Gipfelchen mitgenommen, eine Ruine besichtigt, ein Gipfelkreuz bewundert, ein paar Mal tief in die Täler geblickt, wir sind an einem Naturfreundehaus vorbei gelaufen, haben etliche Sendemasten bewundert und wir waren vor allem eines: sehr, sehr langsam und sehr, sehr entspannt.
Und dennoch haben die Muskeln im Oberschenkel gezogen und ich befürchtete, im Elsaß nur traben zu können.
Rita kochte noch einmal Reis, mit wilden Reis gemischt und machte dazu eine leckere Gemüsebeilage aus frischem Gemüse. Es war so lecker, dass auch eifrige Fleischesser wohl das Fleisch in der Mahlzeit nicht vermisst hätten.

Dann fuhr ich über Basel und Deutschland nach Rouffach, um dort die Startunterlagen abzuholen und von dort gleich weiter Richtung Offenburg zu meinen Eltern. Dort aber war niemand da. Eltern, so dachte ich immer, sind die Menschen, die immer zu Hause sind, wenn man dort übernachten will. Da braucht man auch nicht vorher anzurufen, da war ich mir bis dahin vollkommen sicher.
Ich suchte mir das wohl schlechteste Restaurant in Gengenbach aus und danach war wenigstens die Mieterin meiner Eltern im Haus, sodass ich wenigstens einen Schlafplatz für die Nacht hatte.
Unter dem Strich aber hätte ich mir die rund 100 Kilometer lange Fahrt von Rouffach nach Offenburg und wieder zurück sparen können, wenn ich gleich im Elsaß genächtigt hätte. Und all das, weil meine Eltern ausgerechnet an diesem Wochenende mit der Regel brechen wollten, immer da zu sein, wenn man eine Übernachtung braucht.

Am Sonntag fuhren Birgit und ich dann wieder nach Rouffach. Birgit war schon ganz aufgeregt und rostete noch ein wenig stärker, weil sie endlich ihren neuen Besitzer sehen wollte. Sie bekam ihn aber nicht zu sehen.

Drei Menschen wollte ich dort am Start unbedingt treffen: Gerald Blumrich aus Kempten, mit dem ich via Facebook Chat sogar noch die Startnummern ausgetauscht hatte, Mario Schönherr, den Oranisator des Wörthersee Trails, der auch im April auf Mallorca ein interessantes Laufseminar gibt und eben Birger Jüchter, um ihm seine Birgit übergeben zu können. Es war aber so voll im Startgebiet, dass ich keinen der drei, die ich zu sehen wünschte, entdecken konnte.

Regelrecht gestolpert aber bin ich über eine Vielzahl lieber Bekannter, einer großen Truppe von Rolf und Brigitte Mahlburgs „laufend-helfen.de“, die beiden Autoren von netten Laufberichten, Günter Kromer (laufspass.com) und Bernie Manhard (M4U), ich sah Gerhard Börner, wir unterhielten uns über seinen JUNUT, seinen Jurasteig nonstop, wo ich schon jetzt beim Gedanken daran eine Gänsehaut bekomme und ich lief mit Achim Knacksterdt und wir hatten ausgiebig Zeit, noch einmal die Organisation des RheinBurgenWeg-Laufs zu diskutieren.
Iris Eschelbach sah ich bereits vor dem Start, Nicola Wahl überholten Achim und ich erst ziemlich am Schluss. Niels Grimpe-Luhmann war in netter weiblicher Begleitung und wenn ich hier jemanden vergessen haben sollte, dann mag man mir das verzeihen.
Dass Raimund Slabon und Eule Frings auch vor Ort waren habe ich erst auf den Ergebnislisten bemerkt, schade eigentlich.

Der „Trail du Petit Ballon“ ist ein wirklich netter, gut organisierter Lauf. Zwar verstecken sich 2.100 Höhenmeter auf den rund 47 Laufkilometern, aber die Strecke ist fast durchweg gut laufbar, rauf und runter, kein Vergleich mit den technisch schwierigen Graten der Juraberge, die ich tags zuvor mit Guido gelaufen bin.
Das Startgeld war für die Leistung des Orga-Teams fast beschämend niedrig (25 EUR für Vorangemeldete, 30 EUR für die Spätberufenen wie mich). Dafür gab es eine Packung grüne Nudeln und einen Cremant Sekt in der Starter-Tüte und noch eine Quechua Vliesweste für die Finisher, überall Streckenposten, die auf Dich aufgepasst haben, eine vorbildliche Versorgung, was die Auswahl der angebotenen Essen und Getränke angeht und auch, was die Häufigkeit der Versorgungspunkte angeht.
Ich selbst habe mein mitgeführtes Wasser erst ganz kurz vor dem Ziel geleert, aber auch das nur, um das Wasser nicht noch weiter tragen zu müssen.

Insofern habe ich mit dem kumulierten Schnitt von fast exakt 7:00 Minuten pro Kilometer eine für mich sehr gute Zeit herausgeholt und mein 291. Platz (42. der Altersklasse) spiegelt das auch wider. Dass Birger zurzeit so fantastische Zeiten läuft und Raimund sowieso in einer anderen Liga läuft, dass ich 12 Kilometer vor dem Ziel Achim bitten musste, alleine weiter zu laufen, um selbst einen Gang runter schalten zu können, all das war mir von Anfang an klar.
Aber wirklich interessant für mich war, dass das Muskelziehen vom Vortag schon nach wenigen Kilometern weg war, wieder ein Indiz dafür, dass Du viel mehr, viel länger und viel öfter laufen kannst als man das landläufig denkt.

Auch im Ziel habe ich Birger nicht gesehen und so musste Birgit doch wieder mit mir nach Hause fahren. Jetzt steht sie auf meinem Schreibtisch im Büro und träumt von der „verbotenen Stadt“ Düsseldorf. Denn sie war schon ein wenig traurig, wieder zu mir nach Hause zu müssen, aber sie war recht tapfer, als ich ihr sagte, dass Birger schon in 14 Tagen beim RheinBurgenWeg-Lauf teilnehmen wird. Dann werde ich sie endlich ihrem neuen Besitzer übergeben können.

Birger und Birgit werden dann ganz bestimmt eine sehr gute Liaison für die Zukunft eingehen.