Mit Dankbarkeit aus dem Jahr 2015 heraus …

12239693_1071309352879135_2918030219672429241_n2015 ist nun fast vorbei. Fast, das heißt, dass es für mich noch den „Kleinen KoBoLT“ geben wird. Und wieder den „Eisweinlauf“, natürlich. Und vielleicht noch den „Glühwein-Marathon“, je nachdem, wie ich mich an diesem Wochenende fühlen werde.
Danach bleibt dann wirklich nichts mehr, nada, njete, nothing, ketiadaan,hiçlik, فراغ .
2015 war in vielerlei Hinsicht „mein Jahr“. Die läuferische Hinsicht will ich hier einmal beleuchten.

„Nichts geschieht zufällig“, heißt es im Resonanzgesetz, „nihil fiet casu“ auf Latein, alles hat einen Sinn im eigenen Leben. Und so danke ich diesem Sinn des Lebens dafür, 2015 bisher so viele Länder besucht zu haben:
Frankeich, Gran Canaria, Italien, Madeira, Mallorca, die Niederlande, Menorca, England, Korsika, Spanien (Festland), Kappadokien (Türkei), Schweiz, Lykischer Weg (Türkei), Österreich und Luxemburg.
So viel Auswahl wird es wohl für mich nie wieder geben! Weiterlesen

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MyMai …

MyMAI„MyMai“ hatte ich ihn ja genannt, meinen Mai.
Den „Wonnemonat“, in den so viele Läufe fielen.

Da war das Ende der Serie „MMM“, Madeira – Mallorca – Menorca, mit den 185 Kilometern Länge und dem Sturz nach 18 Kilometern auf Menorca, da waren die 24-Stunden von Steenbergen, bei denen ich gefühlt mehr geruht habe als dass ich gelaufen bin, da war der Monatsanfang mit dem Landschafts-Marathon „vor der Haustüre“ in Mendig, da war das Grand Union Canal Race (GUCR), das ich wegen der Nachwirkungen des Sturzes von Madeira nach 59,7 Kilometern am dritten Verpflegungspunkt verlassen musste.
Und da war der fantastische Abschluss beim UTLW, beim Ultra Trail Lamer Winkel, einer der best organisierten Veranstaltungen mit Herzlichkeit und Wärme, die ich je erleben durfte.

Nicht alles hat also funktioniert, zum perfekten „MyMai“ fehlen eben diese rund 180 Kilometer am Grand Union Canal, auf die ich verzichten musste. Schade, denn dieses Event wäre es wert gewesen, zu Ende gelaufen zu werden, schon wegen der schweren und edlen Finisher-Medaille. Und wegen Dick Kearn, dem urigen Veranstalter – oder, leider, besser: dem urigen ehemaligen Veranstalter. Weil der GUCR 2015 sein letztes Event war. Er hat sich mit warmen Worten bei den Läufern bedankt und verabschiedet und hofft, in Zukunft noch eine Rolle in der Organisation dieses Rennens zu spielen, die Zeiten als Frontman aber sind nun für ihn zu Ende.
Dick, you are always in our hearts!

Vorbei ist nun also der „MyMai“, was werden die Monate Juni und Juli bringen?

Der Juni beginnt mit einem privaten Lauf im Muellerthal in Luxemburg, mit Eric Gee, mit dem ich auf Madeira lange Zeit laufen konnte. Irgend etwas um die 100 Kilometer sollen es sein, getreu dem Motto: „Hundert gehen immer!“
Darauf folgt die fünfte Ausgabe des RheinBurgenWeg-Laufs, die erste in einer warmen Zeit mit einer kurzen Nacht. Mal sehen, wie sich das auf die Truppe auswirken wird. Es wird voraussichtlich die größte Truppe sein, die da die 110 Kilometer von Koblenz nach Bingen unter die Füße nehmen wird.
Wir werden also unseren Körpern viel Gutes tun und gleichzeitig auch viel Gutes für Nepal zu tun versuchen. Nach dem schlimmen Erdbeben in Nepal, das dieses schöne Land weitgehend zerstörte, ist es uns allen eine Herzenssache, da unseren Beitrag zu leisten, Hilfe zum Neustart zu geben.HHUnd eine Woche später geht es dann auf die Insel Korsika, für mich das erste Mal in meinem Leben.
Der legendäre Weitwanderweg GR-20 will bezwungen werden. Und das nicht in einem Wettkampf, sondern als Veranstaltung von Trail-ManiaX mit 24 anderen „Säbelzahntigern“ als Wohlfühl- und Kennenlern-Programm. Fünf Tage Zeit haben wir für die rund 180 Kilometer des GR-20, für eine Strecke, für die selbst der Wunderläufer Kilian Journet rund 32 Stunden gebraucht hat.
Wir werden rund 110 Stunden zur Verfügung haben, aber da sollen auch Zehntausend Fotos drin sein, die am Ende der Veranstaltung hoffentlich sogar einmal ein ganzes Buch füllen werden.
Ausnahmslos hervorragende BergläuferInnen werden dort vertreten sein, ein Glück, dass ich in diesem Kreis den Bremser machen darf.
Ein Wahnsinns-Event und ein Wahnsinns-Dank an die Ober-Säbelzahntiger Mario Schönherr und Michi Raab.TMIm Juli dann kommt der KÖLNPFAD, vielleicht das größte Highlight meines bisherigen Läuferlebens. Ich als Organisator, nicht als Läufer. Und aktuell 60 Namen auf der Einzelläufer-Liste und fünf Staffelteams mit jeweils fünf Staffelläufern. Die Erwartungen sind hoch, mal sehen, ob wir, das wunderbare Helferteam und ich, das gut umsetzen können.

Und dann wird es auch gleich episch. Die zweite Austragung des „BUFF EPIC TRAIL“, jetzt „BUFF EPIC RUN“ genannt, steht an. In den Pyrenäen, steil und schroff. Ein Event, das im Vorjahr nur 17 Finisher sah. Ich bin also darauf vorbereitet, hier wegen des Reißens der Cut-Off-Zeiten irgendwann herausgenommen zu werden.
Aber ich will es probieren … und ganz vielleicht habe ich ja einen perfekten Tag, die perfekte Vorbereitung mit viel Ruhe davor, immerhin laufe ich den KÖLNPFAD ja nicht selbst, aber ohne nennenswerten Muskelabbau durch eine zu lange Pause.
Vielleicht, vielleicht …

Und abschließen werde ich den Juli dann mit der 260 Kilometer langen „Suche nach meinen Wurzeln“. In der Türkei, in Kappadokien, zwischen den Städten Kayseri und Aksaray.
6 Etappen, darunter die Königsetappe mit 101 Kilometern, die Veranstaltung „Runfire Cappadocia“ wird eine Wallfahrt für mich werden.
„teşekkür ederim“ in die Türkei!Cappadocia2

Life is a Rollercoaster !

Schlapp war ich in Troisdorf beim 6-h Lauf, dem ersten Lauf nach sechs Wochen unfreiwilliger Laufpause, relativ schlapp war ich auch in Bad Berleburg beim 24-h Lauf. Beide Male war ich nur wenig motiviert, relativ langsam und der Puls war für die gelaufene Geschwindigkeit bei weitem zu hoch.

Zwischen diesen beiden schlappen Läufen allerdings war ich in Luxemburg …


Mein zweiter Lauf in Luxemburg in meinem kurzen Läuferleben führte mich auf die 50,1 Kilometer des „Trail Uewersauer“ im luxemburgischen Heiderscheid.
Der „Trail Uewersauer“ ist einer der Läufe, von denen man gar nicht genug bekommen kann und von denen es gar nicht genügend gibt.
Schon das Startgeld ist eine Liebeserklärung an die Läufer: 35 EUR nimmt man da, nur die, die sich weniger als 7 Tage vor dem Lauf anmelden, werden mit 15 weiteren EUR bestraft.

Für dieses Geld bekommst Du nicht nur einen Lauf, der mit ChampionChips persönlich und qualifiziert gemessen wird, einen Lauf, der vielleicht zu den schönsten Landschaftsläufen gehört, die ich kenne, einen Lauf, wo auch die Versorgung Maßstäbe setzt und einen Lauf, der wirklich trailig und matschig ist, wo Asphalt nahezu nicht existiert und dessen Auf und Ab Dich wirklich fordert.
Nein, Du bekommst auch ein Starterpaket, in dem das alkoholfreie Bier in der Tasche noch das Wenigste ist. Da ist auch ein hübsches, dickes SweatShirt dabei. Das ist so kuschelig warm und weich, dass ich mich eigentlich beim Veranstalter beschweren müsste, denn kaum hatte ich das SweatShirt meinem knapp 17-jährigen Sohn gezeigt, war es auch schon in seinem Kleiderschrank.
Es sei ihm gegönnt …

(Klicken zum Vergrößern ...!)

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Neben ein paar weiteren „Goodies“ gibt es in diesem Startpreis am Ende noch eine warme Mahlzeit, eine Lasagne mit Fleischanteilen oder eine Gemüselasagne für die, denen „totes Tier“ nicht schmecken will. Und dazu gibt es noch einmal eine Flasche alkoholfreies Bier, ein Bierchen, das dann nach dem Lauf herrlich erfrischend schmeckt.

Kein Wunder also, dass dieser Trail eine riesige Läufergemeinde vereinigte, zumal das Wetter am vorletzten Wochenende fantastisch werden sollte. Nach dem Regen in Troisdorf und vor der Kälte von Bad Berleburg durften wir wohl zum letzten Mal in 2010 ein Wochenende mit Sonne und warmen Temperaturen genießen.


Für mich und für Günter Meinhold war der „Trail Uewersauer“ irgendwie fast das Gleiche. Während Günter seinen 401. „Marathon und länger“ lief, seinen Jubiläumslauf feierte er in Berlin beim 3-tägigen Mauerwegslauf, feierte ich meinen 104. „Marathon und länger“. Zumindest in der Quersumme habe ich jetzt also mit Günter gleichgezogen.
Auch Birger Jüchter feierte ein Jubiläum, für ihn war es „Marathon und länger“ Nummer 50. Wenn man bedenkt, wie kurz er erst in der Läuferszene ist, ist das eine wirklich beachtliche Zahl.

In Troisdorf lief ich ja teilweise mit Steffen Kohler und auch in Bad Berleburg lief ich mit ihm. Beide Male war ich schlapp und unmotiviert, beim Lauf dazwischen sollte alles anders sein.

Also lief ich mit – Steffen Kohler und seiner Melanie.
Ob es das weibliche Element war, das mich so motivierte, weiß ich nicht. Ich erinnere mich aber noch, dass ich die beiden dann ab Kilometer 22,8 alleine gelassen habe, weil ich das Gefühl nicht los wurde, dass Melanie sich durch mich unter Druck gesetzt fühlte.
Du kannst dreißig Mal sagen, dass Dir das Tagesergebnis gleichgültig ist, dass Du nur zusammen laufen willst, Glauben schenkt Dir deshalb dennoch niemand.

Ab jenem Kilometer 22,8 habe ich es dann aber richtig laufen lassen. Nachdem wir 1:15 Stunden für die ersten 10 Kilometer und 1:25 Stunden für die zweiten 10 Kilometer gebraucht haben, machte ich auf den dritten 10 Kilometern, nun weitgehend alleine, so viel Druck, dass ich diese Passage in 1:03 Stunden absolvieren konnte. Das vierte 10 Kilometer Paket lief ich wieder in 1:15 Stunden und die letzten 10 Kilometer, die „heim in den Stall“ Kilometer, schaffte ich trotz eines heftig steilen Berges am Ende in 1:09 Stunden.

Auf meinem Weg nach vorne überholte ich unglaublich viele Läufer, unter ihnen auch Eric Türlings, den Organisator des großartigen Trailwettbewerbs K-UT, des Keufelskopf Ultra. Zuletzt hatte ich ihn mitten in der Nacht beim PTL auf dem Gipfel eines Berges gesehen und dann wieder auf einer sonnenbeschienenen Jausehütte beim zweiten Frühstück. Er sei vollkommen untertrainiert, sagte Eric. Aber das ändert nichts an meiner Botschaft für ihn: Eric, auf deinen Lauf am 28. Mai 2011 freue ich mich ganz besonders!

Kurzum: es ging mir richtig gut auf dem luxemburger Trail, ich war voller Kraft, motiviert und schnell auf den Beinen. Es ist halt wie auf der Achterbahn. Gerade noch unten geht es steil bergauf. Und wenn Du dann glaubst, ganz oben zu sein, dann ist es auch schon wieder vorbei und Du stürzt in rasanter Fahrt wieder in das nächste Tal.

Aber eines ist auf der Achterbahn auch ganz sicher:
solange die Fahrt nicht für immer zu Ende ist, solange wird es auch immer wieder bergauf gehen!
Ist das nicht auch eine Erkenntnis, die uns Mut für das Leben macht?


In Troisdorf schwach, in Luxemburg obenauf und in Bad Berleburg platt – was bedeutet das für den „Kleinen KOBOLT“ am Samstag?

Wir werden es sehen …

The Hidden Run …

… hidden: verheimlicht, hintergründig, versteckt, verborgen, unsichtbar, heimlich, verdeckt. Es gibt viele deutsche Übersetzungen für dieses englische Wort, das mich so angezogen hat, als ich es zum ersten Mal las.
„Es gibt noch 30 Plätze für den HiddenRun!“ stand da auf meinem Twitter-Account. HiddenRun?

Und so googelte ich und surfte, bis ich die notwendigen Informationen zusammengetragen hatte. Der HiddenRun wird vom Orga-Team des Köln-Marathons ausgerichtet, fand nun zum neunten Mal statt und alles klingt nach einer interessanten und skurrilen Alternative zu den normalen Läufen, die mich meist nicht mehr wirklich motivieren.

Schon die Beschreibung des ersten HiddenRun klang gut und machte Lust auf „mehr“:

Der Ford Köln Marathon veranstaltete am 8. April 2006 gemeinsam mit Germanwings, dem Flughafen KölnBonn und Hauptausrüster PUMA den ersten Überraschungslauf auf „verbotener Strecke“. Weltrekord im ‚Speed Boarding‘.

Es begann mit einem Geheimnis und endete mit einem Weltrekord. Es durfte spekuliert werden. Es durfte geraten werden. Gelüftet wurde das Geheimnis aber erst auf der Fahrt zum Start des 1. Hiddenrun am 8. April 2006. Für 50 Läuferinnen und Läufer organisierten die Veranstalter des Ford Köln Marathon einen Lauf der besonderen Art, unvergesslich, unvergleichlich und nicht wiederholbar.

Nur an einem bestimmten Tag konnte sich die exklusive Gruppe für den „Lauf ins Ungewisse“ anmelden. Und die Plätze waren innerhalb kürzester Zeit vergeben. „Wir waren selbst überrascht über den enormen Zulauf“, sagt Dr. Michael Rosenbaum, Geschäftsführer bei der Köln Marathon GmbH, „man konnte förmlich zusehen, wie die Anmeldungen im Sekundenrhythmus eingingen. Leider mussten wir die Anzahl aufgrund der strengen Sicherheitsbestimmungen aber beschränken.“

Entsprechend motiviert kamen die „Hidden Runners“ zum vereinbarten Treffpunkt, von wo aus sie ein Bus der Kölner Verkehrsbetriebe zum Start am Köln-Bonner Flughafen transportierte. Nach Fototermin, gründlichem Sicherheits-Check und Weiterfahrt in einem Flughafenbus mit Security-Begleitung entlang eines Rundweges um das Flughafengelände ging es schließlich los. In zügigem Tempo machte sich die kleine Läufergruppe, digital festgehalten von drei Fotografen, auf die 10,3 Kilometer lange Strecke.

Im Ziel dann die nächste Überraschung: Freundliche Stewardessen und ein Airbus 319 der Günstig-Airline Germanwings erwarteten die vom Wind zersausten Sportlerinnen und Sportler mit einer Erfrischung. Doch wer geglaubt hatte, jetzt sei alles vorbei, der wurde schnell eines besseren belehrt: Es galt nämlich noch einen Weltrekord aufzustellen – und eine neue Disziplin, das „Speed Boarding“, zu kreieren. Anlaufen, einsteigen, hinsetzen, anschnallen, Karte hochhalten – in 44 Sekunden! „Ein Fall für Gottschalk“, glaubt Christof Müller, einer der Teilnehmer, der bei einer weiteren Optimierung des Weltrekordsversuchs gerne behilflich sein möchte. Genau wie alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten HiddenRun, die im Anschluss an den Lauf noch vom Flughafen KölnBonn auf das eine oder andere kühle Kölsch samt Brezel eingeladen wurden und eine Überraschungstasche überreicht bekamen.

„Das war von Anfang an aufregend, geheimnisvoll und super organisiert“, so Christof Müller. „Von der Anmeldung über das Sicherheitsprocedere und natürlich den Lauf selbst bis hin zum Weltrekord – eine tolle Veranstaltung und ein echtes Lauferlebnis. Beim nächsten Mal wäre ich gerne wieder dabei. Und beim offiziellen Weltrekord natürlich auch!“

Der zweite HiddenRun führte dann ins streng geheime Testgelände von Ford in Lommel (Belgien). Bis zu 35%-ige Steigungen gab es beim Lauf, ein Berglauf-Wettbewerb und die Durchquerung des Hochgeschwindigkeitsovals, echte Highlights, die Du als Läufer sonst nicht erleben darfst.

Beim dritten HiddenRun war die französische Hauptstadt Paris das Ziel der kleinen Läufertruppe.

In zwei Gruppen wurden die Läuferinnen und Läufer danach „auf die Straße geschickt“ – zu der vielleicht sportlichsten Sightseeing-Tour der Welt: Eiffelturm, Trocadéro, Arc de Triomphe, Champs Elyssées, vorbei an den Nobelboutiquen der Avenue George V, zur Place de la Concorde, durch die Tuilerien und den Louvre und im Eilschritt über die Seine, zur Universität und zum Fototermin vor Notre Dame. Eine kleine unfreiwillige Walkeinlage zwang die athletischen Reisenden – bezeichnenderweise am Invalidendom, wo Rennen verboten ist – dann aber doch zu einer „aktiven Regenerationsphase“ bei stark vermindertem Tempo. Im Schlusssprint erreichten die erschöpften aber glücklichen „HiddenRunners“ wieder den wartenden Bus am Eiffelturm.

Am Centre Pompidou, wo sich die Gruppe schließlich in öffentlichen Duschen wieder stadtfein machen wollte, war man angesichts der plötzlichen Übermacht an verschwitzten Leibern offensichtlich verwirrt. Aber schließlich konnten doch noch alle die direkten Folgen der körperlichen Anstrengung loswerden und sich vor dem Rückflug im Germanwings-Flieger im Restaurant „Le Marathon“ im berühmten Quartier Latin stärken.

Und so ging es weiter, zur „Piazza Metallica“, dem Start und Zielpunkt im Landschaftspark Duisburg Nord, wo fünf der Teilnehmer sich sogar im Hochseilgarten aus schwindelerregender Höhe abseilen durften, anschließend ging es durch die Innenstadt von Brüssel und der 6. HiddenRun führte die Läufer nach Luxembourg zum „verstoppte Laaf“, wo es unter anderem auch durch den genau 980 Meter langen alten Atomschutztunnel ging, der das Pfaffenthal mit dem Petrustal verbindet, 65 Meter unter der Erde liegend.
Danach folgten 21 Kilometer „Vienna SightJOGGING“ und eine Stadtrundfahrt durch die beeindruckende österreichische Metropole Wien, die vielleicht zu Recht meine Lieblingsstadt in Mitteleuropa ist.
Der letzte HiddenRun, von dem ich lesen konnte, fand am Bodensee statt. Der Flug nach Friedrichshafen, der Bus nach Lindau, ein kleiner Aufwärmlauf über die Deutsch-Österreichische Grenze und dann der eigentliche Start an der Pfänder Talstation in Bregenz. Es folgte ein Berglauf mit 700 Höhenmetern, der ganz oben einen atemberaubenden Blick auf das Bergpanorama und den Bodensee bot. Danach ging es weitere 12 Laufkilometer durch eine herrliche Landschaft Richtung Rucksteig bei Möggers, eine abschließende warme Dusche, gefolgt von einem anschließenden Sonnenbad auf einer Bergwiese und ein Mittagessen in der seit 124 Jahren dort ansässigen Käserei Bantel.
Dieser 8. HiddenRun war wohl der beste Lauf auf geheimer Strecke überhaupt, ein echter Urlaubstag voller Highlights.
Und alle bisherigen HiddenRuns zählten zwischen 50 und 65 Teilnehmern, eine kleine und überschaubare Gruppe.

Bei diesen Beschreibungen der letzten HiddenRuns erwachsen natürlich Erwartungen. Und diese Erwartungen waren auch der Grund dafür, dass ich sofort buchte und die 99 EUR für den 9. HiddenRun überwies. „Da musst Du dabei sein,“ dachte ich mir. Es war eine grobe Fehleinschätzung, wie sich zeigen sollte.

Nach Wien, Brüssel, Paris und Luxembourg nun also: Nümbrecht.
Nach Atomtunnel, Hochgeschwindigkeitsoval und Berglauf nun also: Schnitzeljagd.

Ich weiß nicht, ob es die Legalisierung von Marihuana in Köln war, die die Planer so abstürzen ließ oder einfach die plumpe Gier nach Geld, aber das, was da angeboten wurde, grenzte schon deutlich an das, was landläufig „Frechheit“ genannt wird.
Aus einer kleinen und persönlichen Truppen wurde ein vier Busse starkter Tross von 160 Läufern, die, in zehn Gruppen aufgeteilt, zur Hälfte im Süden und zur Hälfte im Norden Nümbrechts ausgesetzt wurden.
Die einzelnen Gruppen erhielten jeweils eine Beschreibung, wie wir sie als Achtjährige bei unseren Schnitzeljagd-Abenden bekommen hatten. Anhand dieser Wegbeschreibungen mussten wir den Weg zum Ziel finden. Um das Erlebnis aber abzurunden und auch, um unseren Verstand etwas zu beleben, wurden je Team insgesamt 7 Fragen gestellt, die an 7 unterschiedlichen Punkten beantwortet werden mussten.

Die Wegbeschreibung war dabei durchaus verwirrend. Wer kommt denn schon darauf, dass er nach links abbiegen muss, wenn da steht: „Nach 360 Metern biegst Du dahin ab, wo der Daumen rechts ist.“
Und auch die Fragen waren kompliziert und überaus knifflig. Ohne genaue Ortskenntnisse von Nümbrecht und der näheren Umgebung würdest Du wohl nie diese Frage beantworten können: „Bei mir bekommst Du kein Geld, dennoch bin ich eine …. !“
Bemerkst Du, wie wichtig ein gut ausgebildeter einheimischer Guide gewesen wäre?

Zum Glück allerdings liefen wir in den 2 Stunden und 15 Minuten, auf den 14 langen Kilometern durch die kühle Nümbrechter Nacht immer wieder auf den gleichen Wegen, um einen Golfplatz herum, kreuz und quer durch den Wald und weil die anderen vier Gruppen, die ebenfalls im Süden Nümbrechts ausgesetzt wurden, nur wenige Meter nach uns frei gelassen wurden, trafst Du oder sahst Du im Minutentakt wenigstens eine der anderen Gruppen. Wenn Du permanent auf den gleichen Wegen unterwegs bist und alle Kopflichter tragen, dann begreift man spätestens nach einer Stunde, dass die sich bewegende Kette von fünfzehn Kopflichtern wahrscheinlich auch dieses Mal keine Gruppe nachtblinder Rehkitze mit Stirnlampen, sondern eben wieder Läufer sind. Und wenn die stehen bleiben, dann weißt Du, wo das nächste Zwischenziel ist, bei dem Du die schwierige Frage nach der Nummer des Golflochs beantworten musst, das sich neben diesem Zwischenziel verbirgt.

Um es kurz zu machen: wenn Du 160 Menschen in vier Busse steckst, sie in die Metropole Nümbrecht karrst, sie zwei Stunden auf langweiligen Feldwegen unterwegs sein lässt, dann ist das für die Erwartungshaltung, die erzeugt wurde, eindeutig zu wenig. Dafür muss dann schon eine der anderen Bedeutungen des englischen Wortes „hidden“ herhalten: verborgen.
Dieser 9. HiddenRun hat es verdient, verborgen zu bleiben und wenn die Macher des Laufs aus ihrer Trance wieder aufwachen, dann werden sie es sicher auch so sehen.

Dass diese Nacht für mich dennoch nicht zum vollkommenen Frust-Erlebnis wurde, dafür sorgte Klaus Adelmann. Ich traf ihn zufällig vor dem vierten Bus und blieb an seiner Seite bis zum Ende der Veranstaltung. Klaus ist nicht nur ein total netter Kerl und ein unermüdlicher Marathoni, er gibt auch den „RunME.de Laufkalender“ im Internet heraus, zudem ist er einer der Blogger des Frubiase SPORT Blogs, in dem auch meine Lauffreunde Hauke König und Volker Schillings schreiben, in dem Thomas Ehmke und Carsten A. Mattejiet bloggenderweise unterwegs sind und dessen Macher dankenswerterweise und überaus erfolgreich die Promotion für „Haukes irren Lauf“ von Dresden nach Hamburg übernommen haben.

Ich habe Klaus zum letzten Mal vor fast genau einem Jahr getroffen, beim Einlauf in die Stadt Baden-Baden am Ende des Eisweinlaufs von Offenburg nach Baden-Baden. Es ist immer schön, mit ihm zu reden. Er erzählt interessant und hat teilweise einen Blick hinter die Kulissen des Laufsports, der mich sehr interessiert. Und er ist auch ein Süddeutscher, der zurzeit zwischen Freiburg und Würzburg pendelt. Auch das verbindet.

Ob Klaus mit dem HiddenRun ähnlich unzufrieden war wie ich, weiß ich nicht, ich weiß aber, dass für ihn diese Nacht besonders kurz werden würde. Während ich, nachdem ich um 3.00 Uhr frühmorgens zu Hause war, lange ausschlafen konnte, musste er schon früh wieder raus, um einen Freund in Frankfurt abzuholen. Beide wollten dann nach Hahn, um schon am frühen Vormittag nach Palermo zu fliegen.
Der Marathon in Palermo wird die Erinnerungen von Klaus an diesen HiddenRun wahrscheinlich verblassen lassen. Und das ist auch gut so.

Oder dachten die Macher dieses Laufs, dass wir alle direkt danach nach Sizilien fliegen würden, um dort zu laufen? Vielleicht war das sogar ein Teil des Laufs, ich habe es nur leider nicht bemerkt und die Party zu früh verlassen …

Der Ford Köln Marathon veranstaltete am 8. April 2006 gemeinsam mit Germanwings, dem Flughafen KölnBonn und Hauptausrüster PUMA den ersten Überraschungslauf auf „verbotener Strecke“. Weltrekord im ‚Speed Boarding‘.

Köln, 10. April 2006. Es begann mit einem Geheimnis und endete mit einem Weltrekord. Es durfte spekuliert werden. Es durfte geraten werden. Gelüftet wurde das Geheimnis aber erst auf der Fahrt zum Start des 1. Hiddenrun am 8. April 2006. Für 50 Läuferinnen und Läufer organisierten die Veranstalter des Ford Köln Marathon einen Lauf der besonderen Art, unvergesslich, unvergleichlich und nicht wiederholbar.

Nur an einem bestimmten Tag konnte sich die exklusive Gruppe für den „Lauf ins Ungewisse“ anmelden. Und die Plätze waren innerhalb kürzester Zeit vergeben. „Wir waren selbst überrascht über den enormen Zulauf“, sagt Dr. Michael Rosenbaum, Geschäftsführer bei der Köln Marathon GmbH, „man konnte förmlich zusehen, wie die Anmeldungen im Sekundenrhythmus eingingen. Leider mussten wir die Anzahl aufgrund der strengen Sicherheitsbestimmungen aber beschränken.“

Entsprechend motiviert kamen die „Hidden Runners“ zum vereinbarten Treffpunkt, von wo aus sie ein Bus der Kölner Verkehrsbetriebe zum Start am Köln-Bonner Flughafen transportierte. Nach Fototermin, gründlichem Sicherheits-Check und Weiterfahrt in einem Flughafenbus mit Security-Begleitung entlang eines Rundweges um das Flughafengelände ging es schließlich los. In zügigem Tempo machte sich die kleine Läufergruppe, digital festgehalten von drei Fotografen, auf die 10,3 Kilometer lange Strecke.

Im Ziel dann die nächste Überraschung: Freundliche Stewardessen und ein Airbus 319 der Günstig-Airline Germanwings erwarteten die vom Wind zersausten Sportlerinnen und Sportler mit einer Erfrischung. Doch wer geglaubt hatte, jetzt sei alles vorbei, der wurde schnell eines besseren belehrt: Es galt nämlich noch einen Weltrekord aufzustellen – und eine neue Disziplin, das „Speed Boarding“, zu kreieren. Anlaufen, einsteigen, hinsetzen, anschnallen, Karte hochhalten – in 44 Sekunden! „Ein Fall für Gottschalk“, glaubt Christof Müller, einer der Teilnehmer, der bei einer weiteren Optimierung des Weltrekordsversuchs gerne behilflich sein möchte. Genau wie alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten HiddenRun, die im Anschluss an den Lauf noch vom Flughafen KölnBonn auf das eine oder andere kühle Kölsch samt Brezel eingeladen wurden und eine Überraschungstasche überreicht bekamen.

„Das war von Anfang an aufregend, geheimnisvoll und super organisiert“, so Christof Müller. „Von der Anmeldung über das Sicherheitsprocedere und natürlich den Lauf selbst bis hin zum Weltrekord – eine tolle Veranstaltung und ein echtes Lauferlebnis. Beim nächsten Mal wäre ich gerne wieder dabei. Und beim offiziellen Weltrekord natürlich auch!“