Wer zu früh geht, der verpasst das Dessert …

„Ein freies Wochenende!“ So hieß es plötzlich in der vergangenen Woche.
Die Reise nach Russland, um am Elbrus Race teilzunehmen, musste ich ja leider absagen. Mit argem Bedauern, einem gewissen Neid und größtem Interesse lese und schaue ich, was die Truppe um Michi Raab, vor allem unser Freund Gerald Blumrich, im Kaukasus anstellen. Großartige Geschichten, fantastische Fotos, jeden Tag gibt es neue Fotos von Michi und Co.

Ich also hatte frei, musste nicht arbeiten und war auf der Suche – nach einem Lauf. Ein Ultralauf sollte es schon sein, also schieden der Düsseldorf Marathon und der OEM, der Oberelbe-Marathon, schon aus.
Gefunden habe ich den Helipad, einen 140 K Landschaftslauf auf GPS Basis,

„een ultraloop door Nederland, België en Duitsland“,

dennoch nur einer holländisch-sprachigen Webseite (http://www.helipad.tk/).
Auf der Starterliste fand ich einige Bekannte: Wim Reumkens zum Beispiel, den KÖLNPFAD-Läufer Herman Krijnen, die RheinBurgenWeg-Läufer Renske und Ernst-Jan Vermeulen und nicht zuletzt den JUNUT-Läufer Arno Lux.
Ich verstand einige Details aus der niederländischen Beschreibung nicht, deshalb schickte ich eine kleine Mail über die deutsch-niederländische Grenze, die aber wahrscheinlich an den neu eingerichteten Grenzkontrollen hängen blieb.

Ich fand die drei Bewerbe am Brocken, den Hexenstieg, den Hexentanz und den Hexenritt. Aber der Brocken ist weit und der Hexenstieg noch viel, viel weiter. Und für so viel Länge und Höhe fühlte ich mich nicht ausreichend vorbereitet. Weiterlesen

MyMai …

MyMAI„MyMai“ hatte ich ihn ja genannt, meinen Mai.
Den „Wonnemonat“, in den so viele Läufe fielen.

Da war das Ende der Serie „MMM“, Madeira – Mallorca – Menorca, mit den 185 Kilometern Länge und dem Sturz nach 18 Kilometern auf Menorca, da waren die 24-Stunden von Steenbergen, bei denen ich gefühlt mehr geruht habe als dass ich gelaufen bin, da war der Monatsanfang mit dem Landschafts-Marathon „vor der Haustüre“ in Mendig, da war das Grand Union Canal Race (GUCR), das ich wegen der Nachwirkungen des Sturzes von Madeira nach 59,7 Kilometern am dritten Verpflegungspunkt verlassen musste.
Und da war der fantastische Abschluss beim UTLW, beim Ultra Trail Lamer Winkel, einer der best organisierten Veranstaltungen mit Herzlichkeit und Wärme, die ich je erleben durfte.

Nicht alles hat also funktioniert, zum perfekten „MyMai“ fehlen eben diese rund 180 Kilometer am Grand Union Canal, auf die ich verzichten musste. Schade, denn dieses Event wäre es wert gewesen, zu Ende gelaufen zu werden, schon wegen der schweren und edlen Finisher-Medaille. Und wegen Dick Kearn, dem urigen Veranstalter – oder, leider, besser: dem urigen ehemaligen Veranstalter. Weil der GUCR 2015 sein letztes Event war. Er hat sich mit warmen Worten bei den Läufern bedankt und verabschiedet und hofft, in Zukunft noch eine Rolle in der Organisation dieses Rennens zu spielen, die Zeiten als Frontman aber sind nun für ihn zu Ende.
Dick, you are always in our hearts!

Vorbei ist nun also der „MyMai“, was werden die Monate Juni und Juli bringen?

Der Juni beginnt mit einem privaten Lauf im Muellerthal in Luxemburg, mit Eric Gee, mit dem ich auf Madeira lange Zeit laufen konnte. Irgend etwas um die 100 Kilometer sollen es sein, getreu dem Motto: „Hundert gehen immer!“
Darauf folgt die fünfte Ausgabe des RheinBurgenWeg-Laufs, die erste in einer warmen Zeit mit einer kurzen Nacht. Mal sehen, wie sich das auf die Truppe auswirken wird. Es wird voraussichtlich die größte Truppe sein, die da die 110 Kilometer von Koblenz nach Bingen unter die Füße nehmen wird.
Wir werden also unseren Körpern viel Gutes tun und gleichzeitig auch viel Gutes für Nepal zu tun versuchen. Nach dem schlimmen Erdbeben in Nepal, das dieses schöne Land weitgehend zerstörte, ist es uns allen eine Herzenssache, da unseren Beitrag zu leisten, Hilfe zum Neustart zu geben.HHUnd eine Woche später geht es dann auf die Insel Korsika, für mich das erste Mal in meinem Leben.
Der legendäre Weitwanderweg GR-20 will bezwungen werden. Und das nicht in einem Wettkampf, sondern als Veranstaltung von Trail-ManiaX mit 24 anderen „Säbelzahntigern“ als Wohlfühl- und Kennenlern-Programm. Fünf Tage Zeit haben wir für die rund 180 Kilometer des GR-20, für eine Strecke, für die selbst der Wunderläufer Kilian Journet rund 32 Stunden gebraucht hat.
Wir werden rund 110 Stunden zur Verfügung haben, aber da sollen auch Zehntausend Fotos drin sein, die am Ende der Veranstaltung hoffentlich sogar einmal ein ganzes Buch füllen werden.
Ausnahmslos hervorragende BergläuferInnen werden dort vertreten sein, ein Glück, dass ich in diesem Kreis den Bremser machen darf.
Ein Wahnsinns-Event und ein Wahnsinns-Dank an die Ober-Säbelzahntiger Mario Schönherr und Michi Raab.TMIm Juli dann kommt der KÖLNPFAD, vielleicht das größte Highlight meines bisherigen Läuferlebens. Ich als Organisator, nicht als Läufer. Und aktuell 60 Namen auf der Einzelläufer-Liste und fünf Staffelteams mit jeweils fünf Staffelläufern. Die Erwartungen sind hoch, mal sehen, ob wir, das wunderbare Helferteam und ich, das gut umsetzen können.

Und dann wird es auch gleich episch. Die zweite Austragung des „BUFF EPIC TRAIL“, jetzt „BUFF EPIC RUN“ genannt, steht an. In den Pyrenäen, steil und schroff. Ein Event, das im Vorjahr nur 17 Finisher sah. Ich bin also darauf vorbereitet, hier wegen des Reißens der Cut-Off-Zeiten irgendwann herausgenommen zu werden.
Aber ich will es probieren … und ganz vielleicht habe ich ja einen perfekten Tag, die perfekte Vorbereitung mit viel Ruhe davor, immerhin laufe ich den KÖLNPFAD ja nicht selbst, aber ohne nennenswerten Muskelabbau durch eine zu lange Pause.
Vielleicht, vielleicht …

Und abschließen werde ich den Juli dann mit der 260 Kilometer langen „Suche nach meinen Wurzeln“. In der Türkei, in Kappadokien, zwischen den Städten Kayseri und Aksaray.
6 Etappen, darunter die Königsetappe mit 101 Kilometern, die Veranstaltung „Runfire Cappadocia“ wird eine Wallfahrt für mich werden.
„teşekkür ederim“ in die Türkei!Cappadocia2

“MMM 2015″, mein drittes und letztes “M”

MMM7Es war 2 Uhr 30 Minuten, mitten in der Nacht. Ich hatte gerade eine Stunde geschlafen, im ersten VP nach der Dropbag-Station. Die war in Es Castell, genau 100 Kilometer hinter dem Start, gleichzeitig aber ar sie auch das Ende des 100 K Trail Menorca Costa Nord Trails und der Startpunkt des 85 K Trail Menorca Costa Sud. Es war die Stelle, an der ich 2014 raus bin und das süße Gift einer Wertung als 100 K Trailer annahm. Ein Jahr lang habe ich wegen dieses „Finishs zweiter Klasse“ mit mir gehadert.

2015 sollte es ja anders werden, das hatte ich versprochen und so habe ich dort in der Dropbag-Station die Frage, ob ich aufhören oder weiterlaufen wolle, selbstbewusst mit dem Ausdruck „I keep on running“ beantwortet. Nur frische Sachen angezogen, das neue KÖLNPFAD Shirt aus, das langärmelige geile X-BIONIC Teil an, keine Spur von Müdigkeit, also gleich weiter.

Mit Raimund Slabon am Start des Cami de Cavalls, Ciutadella

Mit Raimund Slabon am Start des Cami de Cavalls, Ciutadella

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Merci, thank you, danke schön!

Das Jahr 2014 geht, Zeit für einen Rückblick.
Und Zeit, herzlich DANKE zu sagen, danke zuerst einmal an Dich, die / der Du mich in diesem Jahr hier begleitet hast. Ohne das Gefühl, dass das eine oder andere Wort, der eine oder andere Satz und der eine oder andere Ausdruck diese kleine Welt ein wenig verändern konnte, wäre die Zeit, die ich ins Schreiben investiert habe, vergebens gewesen.
DankeNicht alles lief gut in 2014. Um ehrlich zu sein, vieles lief nicht gut. Da war eine ganze Serie von DNFs, erst im wunderschönen Andorra, dann beim SIT in der Schweiz und abschließend auch beim PTL in Chamonix. Auch mein Plan, ganz auf den Pik Lenin hinauf zu kommen, hat nicht funktioniert.
Unter all diesen Dingen leide ich, freilich unter manchen mehr, unter anderen weniger. Weiterlesen

Trail-Maniaks auf dem GR 20 oder „Vive la Corse!“

GR20Es war schon die Ausschreibung, die mich irgendwie zwischen Frieren und Freuen hievte, die in mir den Wunsch schürte, die Zeit bis Juni 2015 vorzuspulen und wegen der ich endlich einmal nach Korsika muss:

Der 5 Tage, 15 Highlights, 181,8 km und 12.000 Hm
Ein einzigartiges Abenteuer für 25 Trail Runner mit Erfahrung und dem richtigen Spirit.
Sentier de Grande Randonnée 20
wurde 1974 eröffnet und ist mittlerweile ein Klassiker. weltweit zählt er zu den schönsten Fernwanderwegen und ist aufgrund seiner alpinen
Wegführung der extremste in Europa. Und genau deshalb die perfekte Challenge für wahre TRAIL-MANIAX und ein echter guerilla run, denn zu 98 Prozent führt er durch den Parc Naturel Régional de Corse.
GR20Urlaubsparadise und Gebirge im Meer?
Für Pauschaltouristen stehen diese beiden Begriffe im krassen Gegensatz. Für uns jedoch ergeben sie zusammen einen absoluten Premium-Trail.
Wie schwer dieser selbst für einen Ausnahmeathleten wie Kilian Journet ist, zeigt seine Bestzeit von 32 Stunden und 54 Minuten. Das ist nicht einmal ein Schnitt von 5,5 km/h (im Vergleich dazu liegt seine UTMB Zeit bei 8,2 km/h).

Die besonderen Reize des GR20. 

Natürlich zehren sowohl die Höhenmeter in der Summe als auch die Wege über Blockgelände, Grate und entlang an seilversicherten Stellen an den physischen und psychischen Kräften. Deshalb, wenn bei einem Blick auf die Uhr nach einer Stunde nur zwei Kilometer stehen, ganz ruhig bleiben, Kilian Journet war auch nicht viel schneller.

Außerdem ist für uns nicht die Stoppuhr das entscheidende Kriterium, sondern die Schönheit dieses Laufs, die immer wieder phänomenalen Ausblicke auf noch mehr Gipfel und in der Ferne auf das Meer. Auch wenn wir uns fünf Tage als sportliches Ziel gesetzt haben, so sollte auch Zeit zum Genießen, Schauen und Fotografieren sein.

Der inov-8 guerilla run. 

Auf der einen Seite sind hierbei ein hohes Maß an Eigenverantwortung und entsprechende Erfahrungen im alpinen Ultrabereich gefordert, auf der anderen Seite wollen wir für die richtigen Leute das richtige Event mit der besonderen Note an persönlichem Herzblut und individuellem Service bieten. Und genau deshalb bist Du dabei. Wir freuen uns auf Dich und Deinen Spirit!
Gut zu wissen …

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I Think The Answer’s Yes

Relativ kurz nach dem unglaublichen Lauf auf der spanischen Insel „die Größere“ (Mallorca) nun ein Lauf auf der spanischen Insel „die Kleinere“ (Menorca), wobei der Trail auf „die Größere“ kürzer ist wie der auf „die Kleinere“.

Erst einmal etwas über die Lage der Insel:
Neben den Inseln Mallorca und Menorca, die beide die Gymnesischen Inseln darstellen, gehören auch noch die Inseln Ibiza und Formentera, die beide zur Inselgruppe der Pityusen gehören, zur spanischen autonomen Region Balearen. Cabrera, die „Ziegeninsel“, eigentlich ein vorgelagerter Teil von Mallorca, gehört mit seinen rund 20 Einwohnern auch noch zu dieser autonomen Region.

Wie auf Mallorca gibt es auch auf Menorca das Tramuntana-Gebirge im Norden, im Süden liegt Migjorn, das Hügelland. Der Trail Camí de Cavalls (katalanisch für „Weg für Pferde“) ist ein Fernwanderweg auf Menorca, er ist 185 Kilometer lang und trägt im Fernwander-Wegenetz die offizielle Bezeichnung GR 223. Am Wochenende vom 16.-18. Mai sollten wir Trailläufer auf den fünf Streckenlängen von 32 Kilometern bis zu 185 Kilometern die Pferde sein.
CdCNach so viel unnützem Wissen komme ich nun aber doch zu etwas Text über den Lauf, auf den ich mich schon lange freute..

Es war am Donnerstag, dem Tag vor dem Start zum Menorca Ultra Trail.
Wir, das waren Michael (Michi) Raab, seine Lebensgefährtin Kathrin und ich, bewegten uns zur Startnummernausgabe. Das sollte kein Problem sein, dachten wir, immerhin hat Michi diesen Lauf ja in 2013 erfolgreich gefinished.
Wir fanden auch schnell die Zielgegend aus dem Vorjahr, die Halle, in der die Startunterlagen 2013 ausgegeben wurden, zu finden, war schon ein wenig aufwändiger.
2013 war das bei Michi auch schon schwierig gewesen, er war zuerst in der falschen Sporthalle, in der gegenüber dem Hallenbad, und musste dann quer durch die Stadt in die Halle auf der anderen Stadtseite, in die gegenüber dem großen Supermarkt.
Dank einer Eingebung aber erinnerte er sich nun also an den Weg zu dieser Halle, zu der gegenüber dem großen Supermarkt, und dort waren wir dann zum Glück auch nicht alleine. Gleich drei andere Läufer waren dort genauso ratlos wie wir, weil die Halle geschlossen war.
Ein paar Telefonate später war dann klar, dass die Halle gewechselt wurde, weil sich die Teilnehmerzahl so dramatisch gut entwickelt hatte. Jetzt waren wir dann dort richtig, wo Michi noch vor einem Jahr falsch war.
Also erneut quer durch die Stadt, um dorthin zu kommen, in die Halle gegenüber dem Hallenbad.

Dort trafen wir dann gleich Victor, den Chef, den Initiator, den, der für all das verantwortlich zeichnet, was da auf dieser wunderschönen Insel in Sachen Ultralauf passiert. Victor ist ein richtig netter Zeitgenosse, einer, mit dem man sofort warm wird und dessen Freund man auch sofort werden will.
Wir schossen einige gemeinsame Fotos, quatschten über dies und das und natürlich auch über andere Läufer. Und Victor verriet uns, dass noch ein Thomas Dörr kommen würde, der wiederum für ein Laufportal schreiben würde. Für welches aber wusste er im Moment nicht.
Ich hatte ja Victors Wunsch, nach dem Lauf etwas über meine Erlebnisse zu schreiben, schon im Vorfeld positiv beantwortet und war gleich ein wenig eifersüchtig, dass er offensichtlich auch andere deutsche Läufer gebeten hatte, so etwas zu tun.
2014-05-16 08.02.42Es war am Freitag, frühmorgens, vielleicht eine Stunde vor dem Start. Noch war wenig los im Startgebiet und ich suchte Gesprächspartner. Und da war eine Niederländerin, die ihren zweiten Hunderter laufen wollte. Ihre ganze Familie war mitgekommen, um sie nach Kräften zu unterstützen und ihr Vater fotografierte erst mich vor der Startlinie und später dann bat ich ihn, erneut den Auslöser zu drücken, dann aber mit mir und Thomas Dörr.
Ihn sah ich alleine stehend und ich erkannte ihn an dem einen Tag zuvor gehörten Namen. Unter „Kollegen“ sprach ich ihn an und fragte ihn, für welches Portal er denn schreiben würde. „Ich schreibe nicht,“ antwortete er und ich war verdutzt. Wir sprachen weiter und er erzählte mir, dass er erst kurz aus dem Süden in den deutschen Westen gezogen sei und sich Eigentum in der Grafschaft gegönnt habe.
In der Grafschaft?
2014-05-16 08.23.32Und da dämmerte es mir, dass Victor mich Thomas aus der Grafschaft mit ihm Thomas aus der Grafschaft verwechselt haben muss. Ich begann, mich darüber zu freuen, dass Victor meine Berichte offensichtlich doch wohl gut fand und dass er sich wahrscheinlich wirklich über meinen noch ungeschriebenen Bericht über den Menorca Ultra Trail Camí de Cavalls freuen würde.
Was er und ich aber noch nicht wussten, ist, dass es diesen so nie geben würde.

So kam es also, dass bei drei deutschen Startern, Michi Raab auf dem 100 Kilometer Trail, Thomas Dörr und ich auf den 185 Kilometern, zwei TRAIL-MANIAKS dabei waren, zwei Thomas und zwei aus der kleinen Grafschaft in Rheinland-Pfalz.

Dass ich mich überhaupt entschlossen habe, nach Menorca zu fliegen, um diesen Lauf zu bestreiten, hat seinen Grund in einem wunderbar warmen Abend in Michis Münchner Wohnung. Wer weiß, dass ich keinen Alkohol trinke, dem sei gesagt, dass ich für das Ausbrüten verrückter Ideen keinen Alkohol brauche. Gute Gespräche über schöne Trails auf dieser kleinen Welt führen bei mir schon schnell zu einer ganz eigenen Art von Betrunkenheit.
Und weil ich immer Angst vor den Entzugserscheinungen habe, sollen diese Gespräche auch niemals enden …

Michi erzählte also davon, wie schön dieser Trail sei, wie fantastisch diese Insel wäre und wie wunderbar nett die Organisatoren waren. Und er sagte, dass wir das unbedingt einmal gemeinsam machen sollten.
Trotz unserer menschlichen Nähe, die uns seit Anfang 2010 verbindet, hindert uns leider die fehlende räumliche Nähe daran, auf den Trails allzu viel gemeinsam anzustellen.
Da war ein Rennsteiglauf, eine Tagesetappe beim TransAlpineRun und da war der Lauf auf Mallorca 2012. An mehr erinnere ich mich nicht, der Rest musste immer telefonisch erledigt werden. Oder eben an wunderbar warmen Abenden in München.
Aber all das macht nichts. Wenn man sich im Geiste nahe ist, dann ist auch eine räumliche Entfernung lediglich eine Schwierigkeit, definitiv aber kein Hindernis. Und Schwierigkeiten überwinden üben wir ja alle bei unseren Läufen.

Ein, zwei Mal haben wir dann noch über Menorca geredet, aber uns konkret dort einschreiben wollten wir dann doch irgendwie nicht, scheinbar. Aber irgendwann Anfang 2014 berichtete Michi mir davon, dass er jetzt auf der Starterliste stehen würde und diese Reise mit einem längeren Besuch, einem kleinen Urlaub bei Kathrins Tante auf deren Gut in Portugal verbinden würde.
Für Julian, den gemeinsamen Sohn, sollte es die erste weite Reise sein.

Ab dann war ich in der Pflicht, aber auch in der Zwickmühle. Über so etwas wie eine Auslandsreise reden ist das Eine, sich wirklich dafür entscheiden ist das Andere. Es war ja leider ein Wochenende, an dem ich eigentlich hätte arbeiten müssen. Und ich hatte keinen Ersatz für mich, scheinbar.
Dann aber, als ich doch eine kleine Chance auf eine Realisierung sah, habe ich mich dort sicherheitshalber schon mal eingeschrieben, um mir selbst etwas Druck zu machen. Und dann, als mein Sohn Pascal sich bereit erklärte, für mich zu arbeiten, buchte ich, nach der Zustimmung meiner „besseren Zweidrittel“ auch noch die Flüge dazu. Es war eine gute Entscheidung, eine meiner besten in diesem Jahr.

Menorca ist zweifellos eine Reise wert, oh mit Laufen oder ohne. Diese spanische Insel verzaubert Dich mit einer unvergleichlichen und wechselhaften Landschaft auch deshalb, weil die Verantwortlichen dort schon früh begriffen haben, dass Massentourismus auf Dauer nur wenig bringt. Massentouristen sind wie Heuschrecken, die sich dort niederlassen, wo sie scheinbar für ihr Geld das meiste erhalten, am liebsten „all inclusive“.

Zurück zum Trail. Zurück zum Start, alles wieder auf Anfang.
Michi kam 20 Minuten vor dem Start an, ich machte Thomas Dörr und ihn miteinander bekannt, aber ich bin nicht sicher, ob ich Michi auch erkärt habe, welche Zufälle zusammen spielen mussten, damit wir beide,  in diesem Fall ich Thomas aus der Grafschaft und er Thomas aus der Grafschaft,  realisierten, dass wir, die einzigen Ultraläufer der Grafschaft, gemeinsam auf Menorca am Start standen und dass wir uns, kaum drei Kilometer von einander entfernt wohnend, ausgerechnet dort vor dem Start kennen lernen konnten.

Mit Michi laufen wollte ich nicht. Er wollte sowieso „nur“ die kurzen 100 Kilometer Trailsprint laufen, außerdem wollte er auf Zeit laufen, angreifen, um mindestens in die Top Ten zu kommen. Zehnter werden hat er am Ende dann doch nicht geschafft, als Altersklassenerster wurde er Gesamtzweiter. Wahrscheinlich war dieses Übertreffen des Ziels psychisch kein allzu großes Manko, bleibende Schäden und eine nennenswerte Erosion des Selbstwertgefühls sind also nicht zu erwarten.
Und dieser zweite Platz wurde ihm dann mit einer wunderschönen Trophäe versüßt. Die hätte es ja auch nicht gegeben, wenn er „nur“ Zehnter geworden wäre.
Michi hat sich also mal wieder als ein TRAIL-MANIAK mit Vorbild-Charakter gezeigt, so hat er auch das Recht und die Pflicht, die Mädels und Jungs vom TRAIL-MANIAK Lauftreff München ein wenig zu ziehen und zu quälen, aber nur so weit, dass man gefordert ist, der Spaß aber nicht vergessen wird.
2014-05-28 20.22.05Also lief ich mit Thomas Dörr. Zwei Grafschafter auf dem Weg von Ciutadella nah Ciutadella, zwei Grafschafter, die beide dieses Ziel nicht sehen würden, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Ich blieb bei Thomas bis zum ersten Verpflegungspunkt. Dazwischen lief er mir immer wieder davon, wenn ich Fotos machte. Und eine Lücke von wenigen Metern zulaufen ist doch schwerer, als man denkt.
Dann aber verschwand ich eher aus dem Verpflegungspunkt als er und ich sah ihn danach auch nicht mehr wieder, leider.
Heute weiß ich, dass er am Ende nur rund eine halbe Stunde hinter mit lag, wahrscheinlich hätten wir zusammen bleiben sollen.
Hinterher ist man halt immer schlauer …

Beim Lauf selbst ging es mir fantastisch. Ich fühlte mich gut und ich war komplett schmerzfrei. Ein Aussteigen am 100 Kilometer Punkt war vollkommen undenkbar, auch deshalb nicht, weil mich die Landschaft so faszinierte.
Aber die Strecke, die Temperaturen und das Profil waren alle härter als ich das erwartet hatte. Und mir saßen das Wissen um das Endspiel im DFB-Pokal, das am Samstagabend übertragen wurde und das ich so gerne sehen wollte, im Nacken.
Ich erlebte, deutlich langsamer zu sein, wie ich es erwartet hatte und wähnte, meinen Plan voraussichtlich nicht erreichen zu können, das demotivierte mich.

Die Strecke aber war ein Traum. Die Szenerie wechselte ungefähr alle 10 Kilometer, ein Tal war schöner als das andere, ein Ausblick auf die Insel schöner als der nächste.
Aber ich stürzte schon nach 25 Kilometern und die Wunde am Ellenbogen des rechten Arms wird mich noch eine ganze Weile begleiten. Ich wollte mal wieder ein „nice guy“ sein, als ich beschleunigte, weil ein vor mir laufender Kollege für mich eines der unzähligen Gatter aufhielt, um es mir leichter zu machen. Um ihm ein paar Sekunden zu ersparen, hektikte ich Richtung Tor, allerdings ohne auf den Boden zu achten und so lernte mein Ellenbogen die Härte und den Staub des Bodens kennen und ich schlug mit dem Kopf gegen das Gatter. Nur meine neue X-Kross Sportbrille verhinderte, dass ich auch im Gesicht verletzt wurde.
Der Kratzer auf der orangenen Sichtscheibe heilt hoffentlich noch irgendwann. Für den GUCR habe ich jetzt erst einmal auf die Radfahr-Scheiben umgestellt.
Ich ersparte dem unbekannten Läufer also keine Zeit, sondern ich hielt ihn auch dadurch auf, weil er sich nun erst einmal um mich kümmern musste, dafür hatte ich meinen Laufpartner für die nächste Etappe des Laufs gefunden.

Beim Lauf ging es mir dann nicht mehr so gut. Ich litt unter der Hitze, die Oberschenkel schmerzten und ich begann, mir Sorgen zu machen wegen der 145 Meilen beim GUCR (Grand Union Canal Race), das am nächsten Wochenende folgen würde. Meine Aufenthalte in den Verpflegungspunkten wurden länger und ich begann, mir Gedanken darüber zu machen, dass ich langsamer und langsamer wurde.
Zwar lief ich noch immer in der gleichen Liga wie die Mädels und Jungs um mich herum, da waren zwei, die ich immer laufend überholte, beim nächsten Berg aber zogen die beiden wieder an mir vorbei. Solch ein Spiel kann man stundenlang spielen, es erweckt aber den Eindruck, dass Du Stück für Stück nach hinten durchgereicht wirst.

Harte Trails, sandige Passagen über die zauberhaften und vollkommen leeren Strände des Nordens, eingebettet in aufregende Felsformationen und weit entfernt von menschlichen Ansiedlungen, Holztreppen, die schön, aber auch sehr heftig waren und dann kamen knapp 10 Kilometer, vor denen schon ein Schild auf dem Tisch des Verpflegungspunktes davor gewarnt hatte. Auf Deutsch!
Es waren die einzigen deutschen Worte, die ich auf Menorca gelesen habe und die waren tatsächlich wahr. Aber auch diese Etappe ging vorüber.
2014-05-16 13.11.04

Beim Lauf ging es mir dann richtig schlecht. Ich haderte an mir und an meinem Tempo. Das GUCR, das Pokalendspiel, die Hitze des nächsten Tages, die nässende Wunde am Ellenbogen, die Oberschenkel und nicht zuletzt das Gefühl, nun wirklich niemanden mehr hinter mir zu haben, ließen mich an Alternativen denken.
Ich fand einen dritten und letzten Laufpartner, mit dem ich in den Verpflegungspunkt bei 100 Kilometern einlief. Nach 15 Stunden und 3 Minuten!
Ich hatte in diesem Moment fast schon genug, also fragte ich, ob ich den Bewerb switchen könnte. „Ja“, sagte die Lady dort, „ich nehme Dich auf die 100 K Liste“. Ich bekam das Finishershirt und später auch die Medaille und dann gönnte ich mir die weiche Matraze, die mich sicher und warm durch die Nacht gebracht hat.

Thomas Dörr stieg, wie ich später erfahren habe, auch bei 100 K aus. „Falsche Schuhe, falsche Einstellung, andere falsche Entscheidungen“ schrieb er mir. Und so kam es, dass alle deutschen Teilnehmer nicht über die 100 K heraus kamen und wir alle in Es Grau, einem Städtchen nahe der Hauptstadt Maó, das Ende unserer Läufe fanden.

Für Michi, der mit einer so guten Platzierung wohl nicht gerechnet hatte und seinen Rückflug nach Deutschland schon auf einen Zeitpunkt vor der Siegerehrung terminiert hatte, nahm ich stellvertretend die Ehrung als Altersklassen-Sieger in Empfang. Dabei freute ich mich ein wenig darüber, in der nächstjüngeren Altersklasse noch eine einigermaßen gute Figur zu machen.
Und ich nahm, wieder stellvertretend für Michi, auch die Ehrung als Gesamtzweiter in Empfang. Dabei freute ich mich aber gar nicht, ich fühlte mich eher unwohl. Auf dem Podest des Altersklassen-Siegers stand ich ja schon manchmal, ein Mal sogar ganz oben, auf dem Podest der Gesamtsieger aber war ich noch nie. Und da werde ich auch nie hinkommen, außer Umstände wie auf Menorca führen mich da hinauf, um andere zu vertreten.
2014-05-18 13.02.03Für Thomas Dörr war dieser Trail sicher eine Lernerfahrung, die ihn in eine läuferisch großartige Zukunft führen wird und für mich war Menorca auch ein Signal, auf mich selbst zu achten und immer, wirklich immer, unterhalb meiner Möglichkeiten zu laufen. Denn nur dann hast Du noch Kraft für die Kilometer, die nach dem 100 Kilometer Sprint, nach dem 100 Kilometer Bambini-Lauf, kommen.
Und mit diesem Bewusstsein flog ich nach England, nach Birmingham, wo der Start zum GUCR war.

Auf den Heimflug wartend amüsierte ich mich noch darüber, dass es zwar keinen Direktflug von Deutschland aus nach Menorca gibt, wohl aber einen von Birmingham, dem Startort des GUCR. Ich hätte also gleich dort diesen Flieger besteigen können und ich hätte mir so viel Zeit gespart.

Und eine weitere positive Überraschung erlebte ich nach dem Menorca Trail Costa Nord.
Ich war nicht der Einzige, der sich in diese Insel und in diesen Lauf verliebt hat.
TRAIL-MANIAK organisiert für 2015 eine Gruppenreise nach Menorca.

Und wenn die TRAIL-MANIAKS mich fragen, ob ich dabei bin?
Dann würde ich wohl an das zauberhafte Lied der Gruppe „The Beautiful South“ denken und ich glaube, die Antwort wäre „Yes“.

MP3-Soundplayer „The Beautiful South – I think the Answer’s Yes“ – hier klicken …

Und wie wäre Deine Antwort?

Die Bildergalerie zu diesem Lauf:
Menorca_GalerieMenorca_Galerie

Was für eine geile Strecke …

Nach den 400 Kilometern des „Thames Ring Race“ vom letzten Wochenende war ich noch nicht richtig regeneriert, zudem bekam ich am Dienstagabend zuerst leichte Kopfschmerzen, dann Bauchschmerzen, Fieber und einen Darminfekt, der mich bis Freitagfrüh im Griff hatte.
Lauter gute Gründe, an diesem Wochenende nicht allzu viel zu tun.
Trail-ManiakWas machst Du aber, wenn an diesem Wochenende der TRAIL-MANIAK Pitztal Gletscher Ultra stattfindet und Du dort für die 95 K Distanz gemeldet bist?
Ich habe über diese Frage lange gegrübelt und viele Meinungen eingeholt.
Gar nicht laufen und einfach die schöne Landschaft genießen?
Das ist auch keine Alternative, weil  ich mich gut genug kenne, dass ich dann nur die Zeit vertrödeln würde.
Den 13 K Einsteiger Trail-Lauf mitmachen?
Mit solchen Distanzen fange ich wirklich nicht an, schon gar nicht, wenn die Veranstaltung immerhin 9 Autostunden von mir zu Hause entfernt ist.
Doch den 95 K Trail machen?
Spät ins Bett kommen, sehr früh raus, auch noch die Nacht zum Sonntag durchlaufen und das in meinem Zustand? Nee, an diesem Wochenende wollte ich das nicht auf mich nehmen, obwohl ich immer ein kleines Problem damit habe, wenn ich eine Strecke laufe, die kürzer ist als die Hauptstrecke des Events.
Also den 42 K Bergmarathon laufen.
Das heißt schlafen bis nach 7 Uhr am Morgen, ordentlich frühstücken, ein zweites und finales Racebriefing um 9 Uhr und ein Start um 10 Uhr.

Die Maximalzeit betrug laut Ausschreibung 9 Stunden, weil Mario Schönherr und Michi Raab gut drauf waren, gab es vom Anfang an eine Stunde „gratis“ oben drauf. Wie lange braucht man für solch einen Lauf?
Beim Gondo-Event hatte ich 6.15 Stunden und 6.45 Stunden gehabt und kam mir extrem langsam vor. Wie sehr ich in diesem Punkt irrte!
Direkt nachdem ich mich für das „Downgrading“ vom 95 K auf den 42 K entschieden hatte, klingelte mich Didi Beiderbeck mit der Frage an, ob ich ihn dort guiden könnte. Kann ich, sagte ich gerne. Ich weiß, dass Didi zuvor eine ellenlange Telefonliste abtelefoniert hatte, wo auch zumindest mit Birte Döring eine Läuferin dabei war, die Didi überhaupt nicht kannte.
Wie sagte doch John Wayne im Film „The Fighting Seabees“: „It’s a dirty job, but somebody has to do it.“
Didi und ich trafen uns kurz vor dem Start im Läuferzelt, bastelten das Seil um unsere Hüften und gingen nach dem Startschuss gemächlich los.

Nicht gemächlich los aber ging der Trail. Gleich auf den ersten 3 Kilometern waren 600 Höhenmeter zu bewältigen, das aber war noch ein relativ leichtes Unterfangen, weil sich vor uns oft ein Stau bildete und wir dadurch immer wieder eingebremst wurden. Eigentlich blieb Dir auch nichts anderes übrig, als das Tempo Deiner Vor-Läufer mitzugehen, nicht schneller, nicht langsamer. Und dann kommt nach der Seilbahn-Mittelstation irgendwann auch die Bergstation und damit Wasser, Isodrink, Red Bull in verschiedenen Variationen und etwas, was ich bisher nicht kannte. CLIF heißt ein Riegel, der für mich einfach perfekt ist. Er schmeckt richtig gut, ist weder hart und trocken noch weich und klebrig, sondern er hat eine Konsistenz, die sehr angenehm ist. Diese Riegel haben das Zeug, meine Lieblingssnacks auf den Bergen zu werden, eine echte Entdeckung!
(Hinweis: CLIF Bars bei http://www.bergfreunde.de)
Blueberry_CrispCrunchy_Peanut_ButterBei dieser ersten, wirklich sehr frühen, Labestation habe ich auch endlich einmal den Laufspass.de-Betreiber Thomas Schmidtkonz persönlich kennen gelernt. Am Abend sollte ich auch noch Jörg Kornfeld kennenlernen, beides Läuferkollegen, von denen man viel auf Facebook liest, mit denen man aber bis dato noch nie direkt kommuniziert hat. Auch zwei kleine Gewinne für mich.
Wir wussten, dass die nächste Labestation sehr weit weg sein würde, also gönnten wir uns ein paar Minuten Ruhe in der Sonne der Berge und stritten und danach mit Thomas und einer weiteren Läuferin um die „rote Laterne“.
Rechts herum um den Rifflsee und dann begann eine lange und sehr trailige Passage, die uns ständig schräg nach oben und weit weg von der Rifflsee-Bergbahn führte. Und wo Trail draufstand war auch Trail drin. Echter Trail. Da waren Klettersteigpassagen verpackt, wo Du Dir mich Eisen-Fixseilen helfen musstest, da gab es in den Stein eingelassene Metalltritte, kurz, es war ein Stück Welt, wie es kaum schöner sein konnte.

Chocolate_Almond_FudgeChocolate_Chip

Und Didi und ich waren langsam. Sehr langsam.
Um die um eine Stunde verlängerte Zeitvorgabe zu erfüllen, darfst Du im Schnitt nicht mehr Zeit brauchen als 14 Minuten, Pausen inklusive. Und wir waren nach einem Viertel der Strecke schon kumuliert bei über 18 Minuten. Da begann ich darüber nachzudenken, dass wir eventuell keine Finisher werden könnten. Und da begann ich auch, zu treiben, zu ziehen und einen Schlag schneller zu laufen. Es endete aber immer damit, dass wir eben frisch gewonnenen Raum durch ein Atem-Päuschen schon wieder verloren.
Nach 13.8 Kilometern kamen Didi und ich dann überein, dass das wohl nichts ist an diesem Tage in dieser Situation an diesem Berg und ich bat den direkt vor uns laufenden Detlef, Didi zu übernehmen.
Und ich hatte noch fast 30 Kilometer Zeit, ein wenig Luft zwischen die rote Laterne und mich zu bringen. Lange war da aber niemand. Aber dann traf ich die ersten Läuferinnen und Läufer, später überholte ich dann Grace Sacher und ich überholte und überholte und muss mich wohl für die vor mir Laufenden wie eine Lokomotive angehört haben, die laut schnaubend und donnernd durch das Gebirge fuhr. Meistens ließ man mich sofort passieren.
Und weil jeder Loop auch einen Wendepunkt hat, ging es irgendwann zurück, ein steiles Sandstück herunter, nicht aber, ohne zuvor einen Panoramablick zu bieten, wie Du ihn nur sehr selten hast. Dieser Ausblick, gepaart mit echtem Kaiserwetter, wäre schon allein die Mühe Wert gewesen, dorthin zu laufen.

Nach der zweiten Labestation, wieder mit CLIF Bars, Red Bull, viel Wasser und etwas Iso, ging es daran, aus meiner kumulierten Zeit, die ich auf 15 Minuten 30 Sekunden gedrückt hatte, eine gute Zeit zu machen. Da kam der lange und flach abfallende Forstweg bis nach Mandalfen gerade recht. Unter fünf Minuten pro Kilometer lief ich die vielen Kilometerchen ins Tal und drückte die kumulierte Zeit auf 12 Minuten und 14 Sekunden, immerhin.
Das Ziel war auch die Durchgangsstation für die Zwischenzeit-Messung und auch die dritte Labestation, gekrönt mir schon trinkfertig eingeschenkten Bierbechern mit alkoholfreiem Erdinger Weißbier. So ein Becher musste natürlich rein, kühl, köstlich, aufbauend.
Es ging noch zwei weitere Kilometer leicht abwärts, ich trabte gemeinsam mit Karin Walder und ich dachte, dass ich für die noch anstehenden 15 Kilometer vielleicht noch 3.30 Stunden oder 3.45 Stunden benötigen würde, nachdem die ersten 27 Kilometer mit 4:50 Stunden trotz des langsamen Starts so gut gelaufen sind. Das aber war eine klassische Fehleinschätzung.
Gut, es waren, als es nach links in den Berg ging, ziemlich genau 1.000 Höhenmeter, die zu bewältigen waren. Und weil das Pitztal kein Tal wie andere ist, sondern eher ein in Länge und Breite geschrumpftes Tal, ist da alles steiler rauf und runter als anderswo.

Beim Aufstieg sammelte ich Läufer ein wie selten und ich fühlte mich gut. Dank des Thames Ring und dank der Darmerkrankungen vor und nach diesem Event hatte ich am vergangenen Freitag das niedrigste Gewicht auf die Waage gebracht, das ich seit meiner Jugend hatte. Und das hilft sehr beim Aufstieg. Trotzdem war ich am Ende froh, dass es vorbei war. Gerade die letzten dreihundert Höhenmeter in der Sonne waren extrem steil. Meine kumulierte Zeit sank trotz der 1.000 Höhenmeter auch nur auf 13 Minuten und 49 Sekunden je Kilometer ab.
Und von nun an geht es ja „nur noch runter“.

Dieser Downhill aber war der härteste Downhill, den ich je erlebt habe. Nicht einmal die schwierigen Passagen des PTL oder des TdG hätten da mithalten können. Steinig und wirklich supersteil am Anfang, dann kamen längere Passagen über Schneefelder, insgesamt sicher ein Kilometer lang. Da war das Rutschen auf dem Hintern oft noch die beste Idee, ansonsten musst Du Deine Hacken fest in den Schnee drücken und mutig viel Körpergewicht drauf geben. Feigheit wird sofort bestraft, insgesamt drei Mal durfte ich den Boden küssen.
Noch schwerer als diese Downhillpassage auf dem Schneefeld war aber eine Schneefeld Querung an einem recht steilen Stück. Jeden Fuß bewusst und kontrolliert aufsetzen, langsam sein, denn wenn Du da ausrutschst, dann findest Du Dich am unteren Ende des Schneefelds wieder.
Meine kumulierte Zeit erhöhte sich permanent.
Mann, dachte ich, Du bist nicht einmal in der Lage, im Downhill eine kumulierte Zeit von 13:49 nach unten zu korrigieren? Wo bist Du hier?

Irgendwann war der Schnee weg und das nasse Gras begann. Die Latschenkiefern begannen. Und unter denen mussten wir durch. Jeder Läufer über 120 Zentimeter Körpergröße hatte damit seine Probleme und viele Läufer haben am Ende eine Blessur auf der Stirn gehabt. Du schaust nach unten, weil es steil ist und matschig, steinig und nass. Du schaust aber auch nach oben, weil immer wieder die Latschenkiefern Brücken gebaut haben. Und so ging es rund 1.300 Höhenmeter bis hinunter ins Tal. Endlos.
Im Tal angekommen hatte ich eine kumulierte Zeit von 14 Minuten und 45 Sekunden erreicht. Mit einem einfachen Dreisatz wäre jetzt auszurechnen, wie lange ich effektiv für jeden Downhill-Kilometer gebraucht habe. Ich kann es nicht mehr, ich will es auch gar nicht wissen, es ist einfach zu traurig.

Unten im Tal ging es dann erst einmal rund 300 Meter lang nach links zur letzten Labestation beim Kilometer 36. In dieser Phase kam mir Stefanie Lieb entgegen, die beim 95 K Ultra an dieser Station aufhören musste, weil sie die Cut-Off Zeit überschritten hatte. Steffi die Schnelle hat den Cut-Off nicht erreicht!
Beim 95 K Ultra haben insgesamt sowieso nur 10 Teilnehmer die gesamte Strecke bewältigen können, die anderen wollten oder mussten vorzeitig unter die Dusche. Es soll wirklich niemand sagen, dass das im Pitztal kein Trail war oder das das einfach war!

9 Stunden und einige Minuten waren nun vergangen, die ursprüngliche Maximalzeit für den Marathon war abgelaufen, aber noch hatte ich ausreichend Zeit, das Ding innerhalb der „Bonus-Stunde“ fertig zu rocken. Noch 6 Kilometer Forstweg, permanent um insgesamt 300 Höhenmeter ansteigend. Ich entschied mich für eine Mischung aus Laufen und schnellem Gehen, ich holte Steffi ein, übholte noch drei oder vier andere Teilnehmer, aber auf halber Strecke ist dann doch das Entsetzliche geschehen: ich wurde überholt!
Seit der Trennung von Didi gab es nur Ranking-Verbesserungen und nun das!
Ich heftete mich an die Fersen des Delinquenten und schob ihn vor mir her. Er zog mich hinter sich her und ich kam nicht wieder ran, er kam nicht wirklich weg. Und so rannten wir am Ende immer schneller bis ins Ziel.

Ein langer roter Teppich, das riesige Red Bull – Tor, eine jubelnde Menge, etliche Hände, die ich abklatschen durfte, es war himmlisch. Und es war ein verdienter Lohn für insgesamt 9 Stunden und 45 Minuten „hardloop“, wie die Niederländer sagen.
Eine Veranstaltung war nun fast vorbei, die ihresgleichen sucht. Hochprofessionell organisiert, beste Wetterbedingungen, super trailige Laufstrecken, die mich bis an die Grenze forderten. Die anfängliche Sorge, ich könnte nach dem Marathon noch nicht ausgelastet sein, war unnötig. Es war genau das, was ich am Samstag brauchte. Und glücklicherweise auch nicht mehr.
Aber allem voran war es vor allem eines:

WAS FÜR EINE GEILE STRECKE WAR DENN DAS DA IM PITZTAL!
Tor