Von Dresden nach Hamburg …

Autor: Hauke König

… Kurs Nord-Nord-West (Teil II)

… Es geht weiter – immer an der Elbe entlang. Am dritten Tag waren wir bis nach Magdeburg gekommen. Und es geht immer weiter…

Tag 4

Es ist Montag. Tom und Thomas müssen wieder nach Hause. Das ist echt schlimm für mich. Susanne hat spontan ihren Urlaub verlängert, um mich weiterhin betreuen zu können. Bis ans Ziel. Das ist der Hammer! Ich weiß nicht, wie ich ihr danken soll. Gegen 13:00 Uhr ist es dann soweit. Tom und Thomas müssen zum Bahnhof nach Stendal gebracht werden. Und weil das nicht auf der Strecke liegt, überlege hin und her und will es mir  am Ende aber nicht nehmen lassen, mitzukommen und den beiden für das, was sie für mich und mit mir gemacht haben, zu danken und sie zu verabschieden. Das ist mir jetzt wichtiger, als der ganze „Wie-weit-kannst-du-am-Stück-laufen-Kram“. Ich fahre also mit nach Stendal und tue, was ich tun muss. Ab dort übernimmt Susanne dann Lenkrad, Herd und Regiment. Weil wir viel Zeit verloren haben und ich ja irgendwann auch mal ankommen will, beschließe ich jetzt durchgehend Gas zu geben. Ich bin alleine und kann mich gut auf meinen Lauf konzentrieren. Ich treffe Susanne etwa alle 17-23 Km und komme im Gegensatz zu den letzten Tagen hervorragend voran.

Ich laufe immer auf dem Deich, durch ein Vogelparadies. Es gibt hier in den Auen und Niederungen so unglaublich viele Vögel. Außerdem ist es bis zum Anbruch der Nacht total warm. Ich laufe garantiert einen Schnitt, der mit einer 5 beginnt. Kurz vor einer Stadt/Ort (ich glaube es war Werben?) führt mich ein Schild in die falsche Richtung. Laut Karte wäre dieser Ort schon längst erreicht, aber die Kopfsteinpflasterallee führt kilometerweit ins Nichts. Also wieder einer dieser Momente von denen es so viele gab auf dieser Reise. Während eines Telefonats mit Susanne kann ich ihr leider nicht sagen, wo ich bin. Sie soll mich hier irgendwie rausholen, aber ich kann ihr nicht sagen wo. Dies ist DER Moment für mein Telefonakku. Der sagt nämlich „Tschüssikowski!“, während ich im Nirgendwo stehe. Ich laufe die Straße wieder zurück bis zum nächsten Haus und frage dort nach meinem Etappenziel. Der Mann schaut mich verwundert an, zeigt in die Richtung aus der ich NICHT kam und sagte: „Man, Junge, det ist doch gleich hier. 300 Meter.“ Ein verrückter Moment. Ich stand in der Pampa und Nichts deutete darauf hin, dass es in der Nähe eine menschliche Ansiedlung geben könnte. Und im gleichen Moment kommt mir Susanne in meinem Auto entgegen. Ich bin so froh über die Rettung und steige ein. Wir fahren durch die „Elbmetropole“.

Es ist zwar schon spät, aber hier ist in keinem Fenster noch Licht. Alles dunkel. Nix los. Völlig tote Hose. Nicht einmal eine Katze. Das gibt es doch nicht. Aber anscheinend doch. Wir fahren dahin, wo für uns der Elberadweg klar definiert erscheint: an die Elbe. Hier übernachten wir, weil meine Beine nicht mehr wollen. Ich war wohl doch zu schnell, die letzten 50-60 Kilometer. Außerdem muß der Telefonakku aufgeladen sein. Eine solche Situation wie vorhin möchte ich auf keinen Fall noch einmal erleben. In Zeiten höchster Not geht das Telefon aus. Also gründlich aufladen. Im Morgengrauen geht es im Nebel weiter, aber es verspricht ein sehr warmer und schöner Tag zu werden.

Tag 5

Mittwoch. Die Zeichen stehen auf „Hau rein, Alter und zeig was du kannst, denn das ist der Tag dafür!“ Und das tue ich dann auch. Ich genieße die Sonne und laufe schnell. Komisch, ich werde mit zunehmender Kilometerleistung immer schneller. Der Puls pendelt sich bei angenehmen 120 ein. Nicht im Schnitt, sondern beim Laufen. Ich habe das Gefühl totaler Frische und Fitness, frage mich allerdings, wo das herkommen soll. Zum Teil wird es daran liegen, dass ich mit Freude auf Niedersachsen zulaufe, wo ich aufgewachsen bin und wo ich einen Hauch von Zuhause verspüre. Und weil ich in Richtung Wendland laufe, wo ich mich eher aus anderen Gründen „Zuhause“ und mit der Bevölkerung verbunden fühle. Irgendwann ist es endlich soweit. Ich bin im Wendland und nahe der Heimat. Es bleibt ein sehr warmer und sonniger Tag und als ich um die Mittagszeit am Gartower See vorbeilaufe, kann mich nix mehr halten.
An einem Strand, der voll mit mich fragend anschauenden Menschen und Badenden ist, ziehe ich so schnell es geht die Schuhe aus, schmeiß den Tankrucksack weg, den MP3-Player samt Kopfhörer hinterher und ab ins Wasser. Wo war ich? Tag 5 ohne Dusche? Ich war im Paradies! Weiter auf dem Weg laufe ich einen für die Gegend ziemlich steilen Hügel hinauf und durch ein Dorf. Dahinter gelange ich auf eine Landstraße mit Radweg. Es ist ein typischer Sommernachmittag. Ich habe die Kopfhörer auf, Paul Anker singt Nirvana und Billy Idol Songs und plötzlich bemerke ich etwas. Ich höre etwas Merkwürdiges, obwohl ich Kopfhörer trage und Musik höre. Da ist was. Ich halte an, mache die Musik aus und nehme die Kopfhörer ab. Dann höre ich es richtig. Stille. Absolute Stille. Ich bin irgendwo kurz vor Vietze zwischen Kiefernwald und Feldern und es ist nichts zu hören. In und um Hamburg gibt es ja immer so eine Grundlautstärke. Im Schwarzwald übrigens teilweise auch. Aber hier ist so gar nichts zu hören. Kein Vogel, kein Trecker (der kam dann aber später noch mehrfach) einfach nix. Abwesenheit aller Geräusche. Das ist gut! Ich bin nicht mehr fern der Heimat, das Wetter ist gut, ich habe die Musik nicht an, genieße die absolute Stille und mich kann nichts mehr stoppen. Denke ich.

Das Wendland ist wirklich sehr schön. Zumindest macht es auf mich einen sehr guten Eindruck. Und ich bin getrieben auf einer Welle von Freude beim Durchlaufen und schlage ein Tempo an, das alles Vorherige bei diesem Lauf um vieles übertraf. Was heißt, ich schlage ein Tempo an? Ich laufe einfach und freute mich am Laufen selbst. Ich achte nicht auf Pace, oder so´n Kram. Zuerst.
Aber irgendwann kommt die Nacht. Und zeitgleich mit dem Wegbleiben des Tageslichtes wird es anstrengend. Und wie. Ich war vom Loslaufen am Morgen bis jetzt etwa 120 Km gelaufen, aber jetzt spüre ich meine Hüfte. Und zwar richtig. Ich weiß ja, dass das alles Psychokram ist, aber der ist halt da. Es geht nicht mehr.
In Hitzacker muss ich pausieren. Die Hüfte schmerzt zwar, aber sonst fühle ich mich eigentlich total gut. Aber wie soll es jetzt weitergehen? So schaffe ich es nicht, die verabredete Zeit in Hamburg einzuhalten. Ich bespreche die Situation mit Susanne und wir beschließen: Ich lege mich hin und sie fährt mich in der Zeit ein Stück weiter in Richtung Geesthacht. Leider kann ich dadurch auch nicht mehr die angepeilten 560 Kilometer laufen. Es werden weniger. Das ist mir in diesem Moment egal. Schade, aber egal.

Susanne hält zwischen Wiesen und Pferdekoppeln, ich steige aus und laufe in Richtung Hamburg. Ach ja, Tom hatte zwischendurch noch von Zuhause (Grafschaft in NRW) angerufen und gefragt, ob es für mich ok wäre, wenn er beim Zieleinlauf in der Hamburger Hafenstraße dabei wäre. Er würde dann noch mal vorbeikommen. OK? Da ist fantastisch! Total verrückt, aber extrem super! Und noch während ich mich auf Tom und Hamburg und eine Dusche freue, klingelt mein Telefon und ein Fotograf der Hamburger Morgenpost möchte mich vor dem Ziel noch sehen und fotografieren. Wir verabreden einen Treffpunkt im Südosten Hamburgs und es werden Fotos gemacht. Er ist Hamburgs rasender Reporter und sieht auch ganz genau so aus. Etwas zerknitterter Leinenanzug, teure Schuhe (ich vermute er tanzt argentinischen Tango, oder will, dass man das von ihm denkt), längere Haare und ein lustiges Gesicht, das offensichtlich schon viel gesehen, aber auch mitgemacht  hat.

Egal wie das Ergebnis wird, es macht Spaß mit dem Kerl. Dann klingelt wieder das Telefon und der NDR möchte mich auch gerne noch vor dem Ziel filmen. Wir treffen uns am Rödingsmarkt/Kajen. Ich, Susanne und Tom werden die letzten 1500m beim Laufen  gefilmt. Als ich endlich am Ziel bin, stehen dort viele Freunde, Bekannte und Kollegen. Ich bekomme erzählt, dass ich entgegen meiner Erwartung heute nicht um 14:00 arbeiten muss, sondern erst morgen. Super!

Aber vor allem freue ich mich über meine kleine Tochter. Welch eine Freude! Nach so langer Zeit mein  Kind wieder auf den Arm nehmen zu können, war der absolute Hammer. Dann waren allerdings noch Interviews dran und so´n Kram. Jana, mein V-Mann aus München, war extra gekommen, um das mit der Presse zu koordinieren. Danke, dass du da warst. Ich wäre eigentlich noch total gerne mit Jana, Tom und Susanne was Essen gegangen, aber jetzt wo die ganze Anspannung abfällt, bin ich einfach nur noch müde. Tom nimmt Susanne samt Klamotten mit und setzt sie direkt vor ihrer Haustür in Köln ab, Enna und ihre Mama fahren mich im Wohnmobil nach Hause. Pommes-Majo, Kuss und tschüß an Enna, Bett. Morgen arbeiten.
Und das Spendenergebnis? frubiase SPORT spendet für Dunkelziffer e.V. pro gelaufenen Kilometer 1€ . So konnten wir mit unserem Elbelauf insgesamt 600 Euro erlaufen. Das ist für die umfangreiche und wichtige Arbeit von Dunkelziffer zwar nicht viel, aber ich hoffe, es hilft. Vielen Dank für die Unterstützung bei meinem Elbeprojekt!

Aus erinnerungstechnischen Gründen musste ich leider viele Dinge, Situationen und Gebäude unerwähnt lassen. Auch Fähren, die nicht fuhren, weil sie kaputt waren, weil kein Wochenende mehr war oder weil es nach 19:00 Uhr war. Und somit natürlich auch die damit verbundenen Umwege. Ach ja, Umwege: Die diversen Baustellen und Umleitungen, die den Weg auf keinen Fall kürzer gemacht haben, spare ich mir auch. Letztlich ergibt sich eine Summe von 530 gelaufenen Kilometern.

Und am Ende fehlt noch die alles bedeutende Antwort auf die Frage: „Sind 560 Km am Stück machbar?“
Antwort: „Keine Ahnung. So jedenfalls nicht. Aber anders vielleicht. Ich bleibe dran!“

Susanne Alexi: Du bist 285(?) Kilometer mit mir gelaufen und hast im Anschluss noch das Wohnmobil samt meiner Betreuung übernommen und dir dafür extra noch mal Urlaub „nachbeantragt“. Was soll ich sagen…

Thomas Eller: Du hast dir die wirklich schweren Nächte mit mir um die Ohren gehauen und hast mich mitbetreut. Du warst total präsent und eine große Stütze und Freund. Was soll ich sagen…

Thomas Batteiger: Du hast immer die richtig guten Stellen gefunden, obwohl du vorher so unsicher warst. Du warst ein Fels in der Brandung und unser Mutti. Was soll ich sagen…

…ich werde euch das nie vergessen und vielen lieben Dank von ganzem Herzen!

Bis zum nächsten mal Love & Peace!

Die Abendpost!

Die Hamburger Morgenpost (MoPo) hatte uns am Samstagmorgen mit ihren drei Seiten über den „irren Lauf“ auf dem Elbe-Radweg ja erst richtig auf Trab gebracht und dafür gesorgt, dass die Depressionen verschwanden und sich in ein Hochgefühl verwandelte, das uns fliegen lies.
Und wenn die MoPo am Morgen etwas schreibt, dann gibt es auch am Abend Post …

Das Hamburger Abendblatt berichtete am Ende auch über Hauke, den „härtesten Sportler der Stadt“ und zeige Hauke ganz weich und gefühlvoll mit Töchterchen Enna auf dem Arm.

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Viel Spaß beim Lesen …

Eines Deutschen Laufweg II …

Der terroristische Angriff auf die Luftfahrt war also aufgeflogen und verhindert und so konnten wir beruhig Richtung Osten abheben.
Kaum hatten Susanne und ich einen Teil der Neuigkeiten untereinander ausgetauscht, landeten wir auch schon wieder. Eine gute Stunde kann doch sehr kurzweilig sein.
Wir wurden noch im Flughafen von Hauke König und Thomas, unserer „Mutter der Truppe“, abgeholt. Irgendwie findet man sich wichtig, wenn hinter der Absperrung jemand auf einen wartet.
Thomas ist ein interessanter Typ. Ich hätte ihn der rastlosen Kolonie der Harley-Davidson-Fahrer zugeschrieben, in Wahrheit liebt Thomas aber eine Ente. Mit dem 2CV von Citroen, eben der legendären „Ente“, hat er schon so einiges erlebt. So fuhr er damit quer durch die Vereinigten Staaten, durchquerte damit den Kontinent Australien und er dokumentiert seine stille Liebe auch dadurch, Mitglied in einem 2CV-Club zu sein. Sein größter Wunsch war es, am Mittwoch nach dem Lauf bei einem „Enten-Treffen“ in Süddeutschland vor Ort zu sein.
Und Thomas machte einen Vorschlag, nämlich den, zum Griechen zu gehen. Er habe dort, so sagte er, ein All-U-Can-Eat Buffet für kleines Geld gesehen.

Griechisches Essen ist eigentlich nicht wirklich meine Welt. Es ist extrem fleischlastig und zudem wird viel Knoblauch verwendet. Aus Rücksicht auf Haukes Wohnmobil habe ich mich beim Knoblauch sehr zurück gehalten, denn die Gerüche und die Ausdünstungen von vier mit Knoblauch vollgepumpten Personen können die Außenwände eines Wohnmobils schnell nach außen ausbeulen und dieses so zur Kugel werden lassen.
Und abgesehen davon, dass ich ja sowieso kein Fleisch esse, hätte es mich auch gewundert, wenn die Tiere, die für dieses Buffet ihr Leben lassen mussten, einigermaßen artgerecht gehalten worden wären. Noch ein Grund mehr, zumindest auf dieses Fleisch zu verzichten.

Aber ich kam auch so auf ein gutes und ein einigermaßen gesundes Abendessen mit viel Salat und viel mit Tomatensauce durchmischtem Reis, mit gefüllten Weinblättern und leckeren Oliven. Carboloading einmal ganz anders.

Beim anschließenden Tischgespräch mit dem „härtesten Sportler der Stadt“ (Hamburger MoPo) folgten dann bei Kerzenschein die „Geständnisse im weichen Licht“ (Ulla Meinecke).

Lyrics: Ulla Meinecke – Nie wieder
Ich hab‘ dich oft gesehen und hab‘ mich nie getraut
Mal waren wir nicht allein, mal die Musik zu laut
Ein Blick von dir, ich fang zu zittern an
Geh’n wir zu mir? Weiß nicht mal, ob ich laufen kann
Ich red‘ zu viel und lach‘ zu laut
Und spür‘, du hast mich längst durchschaut
Geständnisse im weichen Licht
Und du sagst leise „Ich dich nicht.“

Verliebt, verlor’n, verbrannt
Gelacht, geweint und weggerannt
Und dann im Regen steh’n
Das Herz in der Hand
Nie wieder, bis zum nächsten Mal
Du sagst „Sein wir Freunde“, ich hab‘ hoch verloren
Ohne Halt auf dünnem Eis, ich wär‘ fast erfroren
Roxy Music, tausend mal, Tränen in der Nacht
Und dann zurück im Turm versteckt, die Brücke ist bewacht
Die Wachen sind jetzt aufmarschiert, behüten meinen Schlaf
Drachen fressen Prinzen auf, bevor ihr Blick mich traf

So sagte Hauke, dass seine Addition der Einzelstrecken nicht 560 Kilometer von Dresden nach Hamburg ergeben hätte, sondern 623 Kilometer. 63 Kilometer mehr, 16 Kilometer mehr für jeden geplanten Lauftag. Dadurch können wir die Planung entsorgen, dachte ich spontan. Mir wurde schwindlig und schummrig vor den Augen.
Thomas ergänzte zudem, dass einige Abschnitte des Elberadwegs wegen der Erhöhung der Deiche gesperrt seien. Spätestens heute weiß ich, dass es die Alternativrouten in der Nacht waren, die zu Sucherei, zu längeren und doppelt gelaufenen Strecken und zu Psychofallen wurden.
Ich hatte mich organisatorisch überhaupt nicht auf den Lauf vorbereitet. Wenn ich es aber getan hätte, dann hätte ich bemerken müssen, dass man oft über den Fluß muss, dass man mal rechtselbisch (ist das ein Dialekt?) und mal linkselbisch läuft. Da es aber nur sehr wenige Brücken gibt, ist man auf die Fähren angewiesen. Und die fahren nicht in der Nacht und am Wochenende seltener und kürzer als in der Woche. Die fatalen Folgen spürte ich dann spätestens in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Aber dazu mehr in einem der nächsten Blog-Beiträge.


Das nächste Geständnis kam dann von Thomas. Seine Internet-Recherche hatte zahlreiche Diskussionen gezeigt, die häufig den gleichen Tenor hatten: Da laufen Drei, die sich viel zu viel zumuten und die sich maßlos überschätzen.
So ein Frust. Da tauge ich schon nichts als Terrorist – und auch nichts als Langstreckenläufer!

Und das letzte Geständnis war dann, dass bereits um 5.30 Uhr am Freitag Morgen ein Redakteur der „Dresdner Morgenpost“ zum Wohnmobil kommen würde, um Fotos zu schießen und auch, um ein paar Fragen zu stellen.
Dass wir erst kurz vor 23.00 Uhr im Wohnmobil das Licht löschen konnten, war angesichts der Weckzeit von 5.00 Uhr sicher zu spät. Zum Schlafen zog ich mir schon die kompletten Laufklamotten an, außer die Strümpfe. Das spart Zeit am nächsten Morgen.
Gute Nacht.

Eines Deutschen Laufweg …

Am Ende waren es effektiv rund 530 Kilometer auf dem Elberadweg. Für Hauke, nicht für mich. Und dennoch bin ich für jeden Schritt dankbar, den ich mitlaufen durfte, vor allem aber für die Schritte, die ich durch die Nacht mit Hauke gegangen bin, ein besseres Training für den PTL, „La Petite Trotte à Léon“, hätte es für mich kaum geben können. Dort warten immerhin fünf harte Nächte auf die insgesamt 210 Verdammten, die sich auf diese Strecke weit herum um den „weißen Berg“ machen.

Eines Deutschen Laufweg, Hauke Königs „irrer Lauf“ von Dresden nach Hamburg (Hamburger Morgenpost, MoPo vom Samstag vergangener Woche) begann für mich mit einem hektischen Donnerstag.
Viel Arbeit hält das Büro zurzeit für mich bereit, eigentlich ein Grund, die Laufschuhe nicht zu schnüren und die Nachtetappen im Büro zu verbringen. Aber so verrückt bin ich dann doch nicht …
Erst auf den „letzten Drücker“ habe ich meine Siebensachen für die geplanten vier Lauftage gepackt und mein kleiner Koffer platzte fast vor all dem Inhalt, obwohl ich mich sehr beschieden habe. Fand ich jedenfalls.
Meine Gabi brachte mich dann zum Flughafen und unmittelbar vor der Ankunft rief Susanne Alexi schon besorgt an. Aber noch durfte sie ihren Koffer einchecken, ganz glücklich sah der Mann am Schalter aber nicht aus, immerhin musste er ein Mal mit der Flughafenlogistik telefonieren. Und dann ging es auch schon zur Sicherheitskontrolle. Die üblichen Fragen, die üblichen Antworten. Aber ich hatte nicht mit Susanne’s „Red Bull“ gerechnet. Natürlich wurde die Energydrink-Dose entdeckt und der Kollege, der sie inspizierte, fragte sie, ob sie diese noch austrinken wolle. Wollte sie aber nicht.

Und Susanne hat wohl nicht mit meiner gefährlichen Fracht gerechnet. Große Aufregung herrschte, mein übervoller Koffer musste aufgemacht und ausgepackt werden, um den vermeintlichen Anschlag auf „der Ehrenmänner Wohlergehen“ im Flugzeug zu verhindern. Eine Dose äußerst gefährlichen Melkfetts sollte in meinem Koffer an Bord geschmuggelt werden, 250 Gramm Gefahrgut. Während ich noch mit dem Kollegen, der mich inspizierte, über die nur geringe Explosionsgefahr von Melkfett diskutierte und den Vorschlag machte, diese suspekte Masse als Medizin einzustufen und durchgehen zu lassen, wurden zuerst Susanne und ich über die Lautsprecher persönlich aufgerufen, dann wurden wir entsprechend nervös und anschließend erklärte mir dieser Herr, dass diese Medizin nicht verschreibungspflichtig und daher nicht für den Flug zugelassen war.

Auf den Schreck wollte ich etwas trinken und nahm Susannes „Red Bull“ Dose, die sie ja weder ins Flugzeug mitnehmen durfe noch austrinken wollte.
„Das dürfen Sie aber nicht!“ sagte mein Herr und Gebieter auf der anderen Seite des Tisches. Warum ich das nicht öffnen und trinken durfte, der andere Kollege das aber zugelassen hätte, weiß ich nicht, aber wir mussten ja schnell zum Schalter. 250 Gramm hochgefährliches Melkfett und die ungeöffnete Energydrink-Dose verschwanden im Mülleimer.

Der Bus, der uns zum Flugzeug brachte, wartete nur noch auf uns, eine peinliche Situation. Aber wenn ich den mitfliegenden Menschen im Bus erklärt hätte, dass sie nur Dank des unerschrockenen Einsatzes des mutigen Sicherheitsbeamten gegen dubioses Melkfett sicher nach Dresden fliegen konnten, dann hätten die mir vielleicht ein Schild um den Hals gehängt:
„Hier ist einer, der Terrorist werden wollte. Zum Glück hat er es nicht geschafft!“
Fortsetzung folgt …