Als Mainzelmännchen unterwegs …

Auf manche Marathonundlänger bereitet man sich lange vor, teilweise sogar sehr lange.
So steht meine Teilnahme an der TorTOUR de Ruhr (TTdR) schon seit Anfang 2011 fest, mehr als ein Jahr vor dem eigentlichen Event.
Aber manchmal geht es auch sehr schnell. Ohne große Vorbereitung, ohne großes Recherchieren, ohne große Vorfreude auf das, was da kommen wird. Und bei diesen Läufen finde ich dann besonders spannend, eben nichts über die Strecke zu wissen und über die Teilnehmer, die dort wohl laufen werden.

So eine Überraschungstüte war der Mainz Marathon am vergangenen Sonntag. An den Startplatz gekommen bin ich erst eine Woche zuvor, als Jan Mihrmeister, auch ein Bewohner des wunderbaren Facebook-Landes, dort gepostet hat, dass er seinen Startplatz vergeben will. In einem Punkt erfüllte ich seine Vorgabe nicht, aber sonst offensichlich schon. Und da hat es mich schon gefreut, dass Jan geschrieben hat, dass er so den Startplatz in guten Händen weiß. Oder in guten Füßen?
Vom Mainz Marathon habe ich schon oft und viel gehört. Es war nicht immer das Beste, zugegeben. Aber es war auch viel Gutes dabei.
Beim Projekt „Von Null auf 42“ vor einigen Jahren, damals, 2004, in dem Jahr, in dem ich auch das Laufen begonnen und meinen ersten Marathon hinter mich gebracht habe, bei dem Projekt des SWR, an dem auch ein Moderator von SWR3 teilgenommen hat (Michael Reufsteck), war der Mainz Marathon eine Etappe auf dem Weg zum angestrebten NewYork Marathon. Die etwas kräftig gebaute Läuferin in der Truppe, Anna Pal-Singh aus Hamburg, die damals immerhin 90 Kilogramm auf die Waage gebracht hatte und die zum Abschluss mit ihrem indischen Ehemann Hand in Hand nach rund 7 Stunden den NewYork Marathon finishen konnte, erlitt in der Hitze von Mainz nach dem Finish des Halbmarathons einen Kreislaufkollaps.

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Später scheiterte dann ein Versuch von mir, beim Mainz Marathon zu starten, schlichtweg daran, dass der Lauf mal wieder sehr schnell ausgebucht war. Das ist er eigentlich immer und das wiederum ist ein Zeichen dafür, dass es nicht so schlecht sein kann im Land der Mainzelmännchen.
Mein RBW-Mitorganisator Achim Knacksterdt wiederum erzählte mir mal, dass Mainz gut beraten wäre, statt des Marathons nur den Halbmarathon anzubieten, weil die zweite Laufrunde, die übrigens nicht exakt wie die erste Runde ist, nur sehr wenig genutzt wird. Fast ausnahmslos meldet man sich in Mainz zum Halbmarathon an, nicht zum Marathon. Und so erlebt man ungerne, dass Stände schon abgebaut werden, während Du noch in der zweiten Runde bist.
Dass die Zielverpflegung fast nur noch aus Bier bestand, zwar alkoholfrei, aber dennoch flüssig, das durfte ich live in Mainz erleben. In dieser Situation kam ich mir vor, als wäre ich derjenige, der, vom Besenwagen getrieben, als Letzter über die Ziellinie getrabt sei. Aber ganz ehrlich, ein oder zwei Läufer müssen doch noch hinter mir gewesen sein …

Mit so einer Startkarte auf falschem Namen ist das so eine Sache. Die Frist für die Ummeldung im Internet war schon längst abgelaufen, so blieb nur die Ummeldung am Samstag vor dem Lauf in Mainz in der Rheingold-Halle. Und dies musste noch vor 18 Uhr geschehen. Nun hatte ich um 14 Uhr noch ein Medenspiel meines Tennisvereins und da ist es so, dass Du auf hoher See und auf Außenplätzen beim Tennis einfach in Gottes Hand bist. Regenpausen können alles immens verschieben, so war mir das Risiko zu groß, nicht rechtzeitig vor dem Schluss der Anmeldung in Mainz sein zu können. Also entschied ich, zuerst am Morgen des Samstags nach Mainz zu fahren, die Ummeldung vorzunehmen, danach nach Rübenach, einem Stadtteil von Koblenz, zu fahren, dort Tennis zu spielen und danach der Einladung der Runningfreaks Melanie und Steffen Kohler Folge zu leisten, den Abend und die Nacht bei den beiden im schönen Ingelheim zu verbringen. Birger Jüchter und Raimund Slabon waren auch für den Abend angesagt, es versprach also, ein interessanter Läuferabend zu werden.

Wenn Du aber so etwas planst und postest, dann hast Du Dich schon verrechnet. Mit Steffen ist so etwas nicht zu machen. „Ökologischer Blödsinn“ und „Zeitverschwendung“ nannte er meine Überlegungen und er schlug vor, dass ich das Anmeldeschreiben einscannen sollte, eine Vollmacht dazu schreiben sollte und dann ging beides per Mail nach Ingelheim. Melanie und Steffen übernahmen dann die Anmeldung für mich. Was für eine tolle Lösung, ich hätte mich nie getraut, danach zu fragen!
Aber so sind sie halt, die Runningfreaks. Immer in Gedanken, wie sie Dir helfen können. Einfach gute Menschen. Gut, wie auch Steffens aktuelles Projekt, seine 230 Kilometer der TTdR zu Gunsten der Ingelheimer Platte in Kilometerhäppchen zu verkaufen.
Laufe und tue Gutes. Körperlich und psychisch für Dich und finanziell für Andere, die es nötig haben.
Danke Melanie, danke Steffen, das ist alles vorbildlich!

Es war ein wunderbarer Abend bei den Ingelheimern, auch wenn Birger und Raimund erst sehr spät dazu kamen. Wir genossen kannenweise Tee, aßen hervorragend, wobei es wie immer bei den Kohlers von Steffen gekocht wurde. Und wir redeten viel. Über die Ernährung und über das, was im Leben wichtig ist. Und dieses Wichtige entdeckten wir immer deutlicher in uns selbst und nicht mehr im alten Traum der Menschheit von Luxus, teuren Autos und Stehrümchen, dem Traum, der so viele Jahre meine Ersatzmotivation war. Das Buch, das ich als nächstes lesen werde, ist dabei auch ein Tipp von Steffen, aber dazu irgendwann einmal hier an dieser Stelle …

Der Mainz Marathon an sich war eigentlich ganz nett. Der Wettergott hat es richtig gut mit uns gemeint. Der Regen, den ich für den ganzen Lauf befürchtet hatte, endete fast direkt mit dem Startschuss und ganz am Ende kam sogar noch die Sonne heraus. Es war ideal kühl, nicht kalt, wirklich ein Wetter, das für das Laufen wie geschaffen war.
Ich lief die ersten Kilometer mit Melanie, Birger und mit Steffen. Wir begannen verhalten, aber das war auch der Enge auf der Laufstrecke geschuldet. Trotzdem liefen wir eine schlechte 6er Zeit, die sich dann in eine gute 6er Zeit gesteigert hatte.
Eigentlich waren Birger und ich vollkommen unmotiviert und nur in Trainingslaune, aber während so eines Laufs ändert sich dann doch manches. Birger vergass seine Rippenprellung und wir beide vergaßen unsere Zielzeitvorstellung von „um die 4:30 Stunden“. Irgendwann fielen die Runningfreaks etwas zurück, aber nur sehr wenig. Und ich bekam ein schlechtes Gewissen, weil ich ja seit Mitte 2005 keinen City-Marathon mehr über vier Stunden abgeschlossen hatte. Sollte das nun in Mainz anders sein?
Aber ich hatte ja Ausreden genug. Ich lief ja nicht für mich, sondern in Begleitung. Und dann kannst Du schon manches auf diesen Umstand schieben.

Als Birger und ich die Halbmarathon-Zwischenzeit aber mit 2:00:30 Stunden erreichten – und das mit so einem langsamen Start, so lässig und locker – da klickte es bei mir im Oberstübchen und ich wusste, dass ich diesen Lauf nicht über vier Stunden absolvieren wollte. Und so schaffte ich es wahrscheinlich zum allerersten Mal, in der zweiten Hälfte schneller zu sein wie in der ersten. Aber am Ende musste ich dann doch ein wenig beißen. Birger ließ mich dann alleine laufen, allerdings ohne mehr als eine Minute auf mich zu verlieren. Und ich endete ganz kontrolliert deutlich unter der 4 Stunden – Marke. Alles war gut.

Da ich aber nach dem Marathon noch ein Tennis-Doppel in meiner Grafschafter Heimat zu bestreiten hatte, blieb keine Zeit zum Warten, keine Zeit zum Feiern. Es ging gleich zum Auto und sofort nach Hause. Beim Tennis angekommen konnte ich mich gerade noch umziehen, zum Duschen blieb keine Zeit mehr, es ging direkt auf den Platz. Die Einzel waren gerade alle durch, ich kam perfekt zum Start der Doppel. Dass ich mein Doppel mit einem meiner beiden Lieblingspartner nach einer 1:6 Klatsche im ersten Satz dann doch noch mit 6:2 im zweiten Satz und mit 10:7 im darauf folgenden Champions-Tiebreak gewinnen konnte, rundete den Tag positiv ab.

Nur mit einem bin ich ein wenig unzufrieden. Ich vergaß, in das Ingelheimer Gästebuch zu schreiben.
Und das will ich nun auf diesem Weg nachholen:

Liebe Melanie, lieber Steffen,

Wärme durchströmt Euer schönes Haus. Aber es ist nicht nur die Wärme der Heizung und der Sonnenstrahlen, die durch die Fenster scheinen, es ist auch die Wärme Eurer Herzen. Es ist für jeden Gast so angenehm, bei Euch zu sein, so angenehm, diese Wärme zu spüren. Und zu wissen, dass es diesen warmen Herd guter Gedanken in dieser Welt gibt. Danke, dass Ihr Euch so sehr um mich gekümmert habt. Danke, dass ich bei Euch sein durfte.

Laufrausch – der heilige Sonntag …

Knapp 190 Kilometer waren gelaufen und der Frust des Stoppelfeldes und der überstiegenen Zäune nagte am Sonntag Morgen noch an mir. Die Nacht war kurz und unruhig gewesen, immerhin sind wir ja erst sehr spät in unsern Lagern im Wohnmobil gewesen. Der Morgen graute schon und ich befürchtete, gar nicht schlafen zu können, weil ich einer derjenigen bin, die stets aufwachen, wenn es hell wird.

Aber ein wenig Schlaf durfte sein, sollte sein, musste sein. Auch für Hauke. Und dann musste er wieder laufen und Susanne begleitete ihn. Ich war für das Frühstück zuständig, da „unsere Mutter“ Thomas Unterstützung brauchte. Wenigstens am Sonntag sollte es einen Touch von Luxus geben. Aber alles, was Mühe macht, war gestrichen.
Kein Frühstücksei, schon gar kein Omlett. Also holten wir frische Brötchen, ein paar Croissants und für den Nachmittag insgesamt acht Stücke Kuchen.
Nicht jedes Kuchenstück hat allerdings den Sonntag Nachmittag erlebt.

Susanne und ich teilen dabei eine Leidenschaft und ich war sehr froh, das in diesem Moment zu merken. Weil ich ein Fan von Mohnkuchen bin und weil ich unbedingt wenigstens ein Stück Mohnkuchen haben wollte, hatten wir insgesamt drei Stücke Mohnkuchen gekauft, zwei Stücke Mohnstreusel, den ich so liebe und ein Stück Mohnkuchen mit einem Eierstich.
Susanne nahm sich einen der Mohnstreusel und sagte, dass sie Mohn in jeder Form lieben würde. Er würde so schön „high“ machen – ich war begeistert!
In meiner Familie hält sich die Liebe zum Mohn in engen Grenzen, aber nun kenne ich jemanden, mit dem ich in rauchigen Hinterzimmern und in dunklen Bahnhofsecken der gemeinsamen Sucht frönen kann.


Als Susanne im Wohnmobil saß und über Mohn philosophierte, dachte ich unweigerlich an das WM-Endspiel Deutschland gegen die Niederlande 1974. Ich war damals knapp dreizehn Jahre alt und es war mein erstes Endspiel vor dem Fernseher. Die Spieler waren noch schwarz/weiß, der Fernseher klein und mit nur einer Box ausgestattet, aber meine Mutter hatte ein ganzes Blech Mohnstrudel gebacken. Für die ganze Familie, für fünf Personen.

Und dann machte meine Mutter gleich zwei Fehler:

1. sie stellte das Blech auf den Esszimmertisch und
2. sie ließ meinen Bruder und mich alleine das Endspiel ansehen.

Hast Du Dir schon einmal ein spannendes Fußball-Endspiel angesehen und vor Dir stand ein riesiger Mohnstrudel? Ja? Dann verstehst Du, dass nach 90 Minuten das Blech leer war. Mohn ist halt so eine Sache …
Schade, dass ich damals Susanne noch nicht kannte. Andererseits hätten wir dann den Mohnstrudel durch drei teilen müssen. Aber lustig wäre es bestimmt gewesen.

Nach dem Frühstück lief ich mal mit den beiden, mal nur mit Hauke, mal machte ich wieder eine Pause, damit ich erneut die Nachtschicht übernehmen konnte. Bemerkenswert war vor allem, dass es unglaublich viele Schlösser in Sachsen-Anhalt gibt. Schön restaurierte Schlösser und auch Schlösser, die noch nicht zu den „blühenden Landschaften“ gezählt werden können.
Aber sonst ist doch vieles traurig gewesen. Ortschaften, in denen es weder Bürgersteige noch hübsche Vorgärten gab, Menschen, die traurig aussahen und landwirtschaftliche Gebäude, wahrscheinlich ehemalige LPG’s, die bei der Wende schon alt und marode waren und denen die letzten fast 21 Jahre dann den Rest gegeben haben.
Schöne, neue und renovierte Häuser waren genauso an der Strecke wie Häuser, die nicht mal in der Nachkriegszeit charmant ausgesehen haben.
An ein Haus erinnere ich mich noch ganz besonders gut. Es war direkt an der Elbe gelegen, genau dort, wo die Zufahrt ins Örtchen war, also in einer wirklich fast optimalen Lage. Das Haus war riesig und man konnte noch gut erkennen, wo die Terrasse gewesen war. Es muss einmal ein Restaurant gewesen sein, aber mittlerweile fehlt der Boden im Restaurant, vom Dach sind nur noch Rudimente erhalten und die einzigen Gäste sind Dauergäste.
Büsche und Bäume wachsen seit Jahren da, wo sich früher Menschen vergnüngt haben. Das Gelände ist mit Bauzäunen abgeriegelt und eine Dixie-Toilette steht davor und bewacht dieses Anwesen.

Hauke hat diese Dixie-Toilette auch aufgesucht. Thomas war darüber sehr erstaunt und verwundert, aber Hauke antwortete ihm: „Ich habe früher auf dem Bau gearbeitet. Kannst Du Dir vorstellen, wie die Toiletten dort aussahen?“ Thomas schwieg.

Noch war der Weg nach Hamburg enorm weit und so ging es weiter, Kilometer für Kilometer. Am späten Nachmittag hat sich Susanne dann eine Pause gegönnt, die hatte sie sich auch verdient. Hauke und ich liefen, gingen und trabten weiter.
Wenige Kilometer vor dem nächsten Treffpunkt sahen wir dann zufällig das Wohnmobil in einiger Entfernung. Wir riefen Susanne an und sie erzählte uns, dass die beiden wieder irgendwo auf einem Campingplatz eine Dusche genommen haben. Ich war so neidisch.
Es ist wirklich eine gute Sache, auf Campingplätzen zu duschen. Am Vortag hatten Susanne, Thomas und ich uns das auch schon gegönnt und die Duschen waren brandneu, warm, hatten einen satten Wasserstrahl und machten sofort neue Menschen aus uns Dreien.

Wir sahen also das Wohnmobil in der Ferne, aber Susanne sah uns nicht, trotz meines leuchtend gelben LIVESTRONG – Laufshirts, das mich immer an den New York – Marathon 2007 erinnern wird. Und dann waren Thomas und Susanne auch schon wieder aus der Sichtweite und Hauke und ich waren ein wenig hungrig und wir freuten uns auf einen Schlag Nudeln beim nächsten Treffpunkt.

Als wir dort ankamen, empfing uns eine gut gelaunte und frisch geduschte Susanne, die sich ganz alleine um das Abendessen gekümmert hatte. Sie hat Thomas schlafen gelegt, so konnte sie richtig wirbeln und aus dem Benutzermobil wieder ein Wohnmobil machen.
Die Nudeln waren fertig, die Sauce auch. Alles noch nichts Besonderes. Aber es standen Kerzen auf dem Tisch. Und die leuchteten das Wohnmobil aus und verströmten einen Duft, der zum Bleiben einlud.
Dass Susanne eben noch alle Teppiche aus dem Wohnmobil genommen und gereinigt hat, sei nur nebenbei erwähnt. Auf jeden Fall hatte das Wohnmobil, in dem wir das Abendessen zu uns nahmen, nichts mehr mit dem Wohnmobil zu tun, das wir verlassen hatten. Susanne hatte den Touch von Luxus geschaffen, den ich schon am Morgen haben wollte.

Die kölschen Jungs von BAP hätten gesungen: „Do kanns zaubere“, so schön war es …

Lyrics BAP – Do kanns zaubere

E wieß Blatt Papier, ne Bleisteff, Jedanke bei dir setz ich
Ahm Finster un hühr, wat sich avvspillt vür der Dür, bess ich
Avvrötsch en die Zick, en der et dich für mich nit joov
un mir ming Levve vürm Daach X op einmohl vüürkütt wie en Stroof.

Do kanns zaubre, wie din Mamm, die Kate läät,
– Irjendsujet muss et sinn –
Jede Andre hätt jesaat: ‚Et ess zo spät,
dä Typ ess fäädisch, nä dä typ,
Dä krisste wirklich nit mieh hin.‘

Mem Rögge zur Wand, spaßend un jede Nacht voll woor ich,
Ming bessje Verstand hassend, total vun der Roll wor ich.
T’schlemmste woor, als mir, wie do mich endlich registriert,
Entsetzlich klarwood, dat et jetz oder nie met uns zwei passiert.

Mensch woor ich nervös, als ich dir alles jesaat – hektisch
Un trotzdämm erlös, weil do mich nit treck ussjelach un dich
Für mich intressiert häss, für all dä Stuss, dä uss mir kohm
Für all dä Laber, dä’sch jebraat hann, weil die Chance zo
plötzlich kohm.

Do kanns zaubre …

E wieß Blatt Papier, ne Bleisteff, Jedanke bei die setz ich
Ahm Finster un hühr en mich, krich kaum jet notiert, weil ich
Immer noch nit raffe, dat mir uns tatsächlich hann,
Un mir deshalb halt wießmache,
Dat do wirklich zaubre kanns …

Aber trotz des schönen Heims ging es für Hauke und mich weiter. Die Nacht kam und dieses Mal wollte ich unbedingt den Sonnenaufgang erleben. Wegen der nicht mehr arbeitenden Fähren mussten mal wieder die Straße nehmen und wir hatten vor, das 25 Kilometer lang zu tun. Ich hatte meine Laufjacke aus der „Brooks Nightlife Kollektion“ an, damit wir besser gesehen werden. Außerdem trugen wir unsere Stirnlampen, wobei eine davon hinten sogar noch ein rotes Licht hatte.

Alles unnötig, wir waren alleine auf den Straßen. Im Osten war in dieser Sonntag Nacht einfach nichts los.
Wir kamen aber nur rund 15 Kilometer weit, als Hauke Schmerzen in den Beinen bekam. Erst setzten wir uns an den Straßenrand, dann gingen wir weiter und dann riefen wir Thomas und Susanne an, dass sie uns abholen sollten.
Und wir gingen langsam weiter.
Es dauert lange, bis sich ein Wohnmobil unter Thomas in Bewegung setzt. Thomas, der Fan jedes Navigationssystems, fragte mich als erstes nach der Adresse, wo wir stehen würden. Zu diesem Zeitpunkt waren wir irgendwo im Niemandsland zwischen zwei Ortschaften, aber an einer Bundesstraße. Der Strauch, neben dem ich stand, sagte auch nichts, als ich ihn nach der genauen Adresse fragte. Aber irgendwann fuhr das Auto dann und rettete uns. Und wir gingen zu Bett.

Hauke musste sich erholen, die Beine mussten wieder lockerer werden. Für ihn war die Nachtruhe wichtig und hilfreich, für mich war sie der Abschluss der Elbe-Tour.
Am nächsten Morgen …

… Fortsetzung folgt.

New York, Rio, Tokio …

… durch das Laufen sieht man ja wirklich viele Städte. Und man sieht diese Städte meist intensiver als gewöhnliche Touristen, weil Du nicht mit dem Auto, dem Bus oder unterirdisch mit der U-Bahn von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fährst, sondern Du erlebst diese Highlights laufend. Und gestern kam mir plötzlich ein Gedanke:

Welche Stadt ist denn die schönste Stadt der Welt?

Und ich dachte an New York, wo ich so oft bin, an New Orleans, die Stadt des „Mardi Gras“, an Stockholm, an Edinburgh, an Copenhagen, an Istanbul oder auch an die deutschen Städte Berlin, Hamburg und München, alles Städte, in denen ich läuferisch unterwegs war.

Gestern Abend waren wir von unserer Steuer- und Unternehmensberatungsgesellschaft, der Kölner GDS-Gruppe, zu einem der ersten Abende der „Stunksitzung 2010“ eingeladen. Es war das dritte oder sogar schon das vierte Mal, dass ich diese Truppe lustiger Schauspieler erleben durfte, diesen „Anti-Karneval“, diese Ansammlung von politisch nicht immer korrekten Sketches, garniert mit der Musik, die wir alle kennen, allerdings gesungen mit neuen und inhaltsreichen Texten.

Die Gruppe „Köbes Underground“ macht dabei die Musik und macht aus dem Lied der Pointer Sisters „I’m so excited“ schon mal „Scheiße verkleidet“ und der Bandleader Ecki Pieper steht im Einteiler-Hasenkostüm auf der Bühne und müffelt singend herum, ein echter Spaß! Ganz besonders liebe ich aber auch das Lied aus der Session 2006, als der 1. FC Kölle das getan hat, was er zurzeit auch oft tut: auf dem Fußballplatz verloren. Da wurde dann aus Dean Martin’s Song „That’s Amore“ „Kölsche Amore – Verloren“. Der Text dazu ist dann so:

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Gestern gab es natürlich neue Sketche, neue Lieder und erneut begeisterte Zuschauer, denen spätestens am Ende der Vorstellung die Lachmuskeln weh taten vom vielen Lachen und die Handflächen vom vielen Klatschen schmerzten. Aber wir haben ein paar Zugaben herausgeklatscht, die es alleine wert gewesen wären, hier dabei zu sein.

Surf doch bei YouTube mal nach „Stunksitzung“ und schau Dir mal ein paar Clips an – Du brüllst Dich weg! Ein Beispiel?
Eine der besten je von den „Stunkern“ gemachten Dinge ist Anne Rixmann in „Die weiße Massai“. Nimm Dir eine gute Viertelstunde Zeit und sieh Dir die beiden YouTube-Videos an, ich weiß noch genau, wie beeindruckt ich damals in der Session 2006 davon war.


Anschließend gab es noch eine Party in einem Nebenraum mit anregenden Gesprächen und all dem, was die Kölner auszeichnet. Du kommst mit jedem sofort ins Gespräch und Du fühlst Dich einfach überall wohl. Und ich traf eine Hamburgerin, die erst seit 18 Monaten in der Kölner Ecke lebt. Und sie erlebt Köln so wie ich und in unseren Gesprächen erinnerte ich mich an die Zeit in Süddeutschland und daran, wie froh ich war, als ich vor fast 30 Jahren endlich ins „gelobte Land“ kam und dann später, nach knapp fünf neuen Jahren in Süddeutschland, vor etwa 20 Jahren wieder dorthin durfte, wo mein Herz vor Freude höher schlägt: Richtung Köln!

Köln bei Nacht ...

In diesem Moment fiel sie mir auch wieder ein, die Antwort auf die Frage nach der schönsten Stadt der Welt. Die Antwort traf mich wie ein Blitz, als mir klar wurde, dass eine Stadt nicht alleine durch Gebäude wie den Kölner Dom schön wird, nicht allein durch einen Fußballverein wie den „1. FC Köln“ attraktiv wird und nicht nur wegen eines eigenen Bieres wie des „Kölsch“ geliebt wird, sondern, dass es die Menschen sind, die eine Stadt schön machen.

Und die Menschen in Köln sind einfach super drauf und so wusste ich gestern: Köln, Du schönste Stadt der Welt, Du erweckst die Liebe in meinem „Kölschen Hätz“.


Lust auf die Stunksitzung bekommen? Dann schau mal im WDR nach:
Donnerstag, 11. Februar 2010, 22.00 Uhr bis 23.30 Uhr – Stunksitzung 2010 im WDR Fernsehen oder
Samstag, 13. Februar 2010, 00.00 Uhr bis 3.00 Uhr – Die lange Stunksitzung 2010