Alles neu macht der Januar …

Drei Monate ohne Schreiben, drei Monate nahezu ohne Laufen, drei Monate, die ich so nicht wiederholen will. Aber „Alles neu macht der Januar …“ heißt es ja, also nicht nach hinten sehen, sondern voraus schauen. Und dort wieder anknüpfen, wo ich im Spätsommer 2012 aufgehört habe. Aber wie beginnt man den ersten Blog-Beitrag nach so einer langen Pause?

Reinhard Mey sang vor vielen Jahren:

„Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, so viel Gedanken und mein Herz ist übervoll, so viel Gefühle drängen sich zur selben Zeit:
Freude und Demut – und Dankbarkeit.“

Mir geht es da sehr ähnlich. Ich freue mich, dass Du trotz meiner langen Abstinenz noch da bist in meinem Leserkreis und ich empfinde Demut und ein wenig schlechtes Gewissen, dass ich noch nicht vorher wieder schreiben konnte, wieder schreiben wollte. Mancher von Euch hat mich schon gebeten, das wieder zu tun – und manchem von Euch habe ich einen früheren Wiedereinstieg versprochen.
Und da ist auch Dankbarkeit, gegenüber Dir und den anderen Lesern, den Läufern, den Veranstaltern, den Partnern!

clip_image001Es ist ja so viel passiert in dieser Zeit. Joe Voglsam hat mir schon Anfang November ein Musterpaket „FitRabbit“ zum Testen geschickt, nicht wissend, dass ich für Wochen nicht mehr zu Hause sein würde.
Ein BIO Sport Drink des führenden BIO-Fruchtsaftherstellers aus dem schönen Österreich, auf Basis meiner geliebten Rote Bete-Knolle, ob das etwas hilft?
Ich habe ihm nun versprochen, die Säfte ab morgen täglich zu probieren, also fünf Tage vor dem nächsten Lauf, um dann in Indien beim Ultra India, meine zu vielen Pfunde zu kompensieren.

Gesund und wohlschmeckend - die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Gesund und wohlschmeckend – die rote Knolle, die ich so sehr liebe!

Apropos „zu viele Pfunde“. Auch das ist passiert in den letzten Monaten: Ich habe Muskeln ab- und Fett aufgebaut. Nicht allzu tragisch, aber der kleine Rettungsring um die Lenden nagt soch sehr an meinem Selbstbewusstsein. Und deshalb habe ich beschlossen, dass ich mich von mindestens 5 meiner vielen Kilos trennen werde. Und ich habe gleich vorgestern mit der Diät begonnen. Mal wieder „BCM“, wie damals, als alles angefangen hat.

Auch andere haben mich kontaktiert und noch nicht jeden konnte ich zurückrufen, aber all das folgt noch in diesem Monat, auf den ich voraus schaue, voraus schauen muss, wenn ich auf das Jahr voraus sehe.
Und dieses Jahr hat es doch wirklich in sich. Entweder ich werde am Jahresende der frustrierteste Läufer der westlichen Hemisphäre sein oder ich kann die mir selbst gesteckten Hürden überwinden.

Indien ist da dabei, mein schon Jahre alter Traum, Nepal, auch ein Jahre alter Traum von mir, Gran Canaria, England, die schönen Länder Schweiz und Österreich sowie auch ein paar Wiederholungsläufe, die Treppe in Radebeul zum Beispiel, der JUNUT und … auch der UTMB.
Nach 2009 muss es 2013 doch mal wieder der UTMB sein!

Und auch das hat sich in diesen drei Monaten läuferischer Abstinenz getan. Dr. Reuther, der Arzt, der mir zuletzt einen Stapel von vier ärztlichen Bescheinigungen auf einmal unterschrieben hatte, ist in den Ruhestand getreten. Und der Neue in der Praxis, Dr. Thomas Kemkes, durfte mir gleich zwei dieser neuen Bescheinigungen unterschreiben, eine für das Ultra India Race, gepaart mit einem EKG und eine für den UTMB.
Und das Beste daran: Dr. Thomas Kemkes ist auch ein Marathoni. „Nur einem im Jahr,“ sagte er mir, aber besser als gar keiner. Wichtig für mich ist ja nur, dass wir hier eine gemeinsame Sprache sprechen. Wer Marathons läuft, der weiß halt, wie Marathonis ticken. Und Ultramarathonis ticken ja genau gleich, vielleicht noch ein wenig lauter und intensiver.

Reinhard Mey singt dann weiter über sein Kind:

„Du bist ein Licht in ungewisser Zeit, ein Ausweg aus der Ausweglosigkeit, wie ein Signal, den Weg weiterzugeh‘n, Herausforderung weiter zu besteh‘n.
Wo vieles voller Zweifel, manches zum Verzweifeln ist, da macht ein Kind, dass du alle Zweifel vergißt.
Es sind in einer Welt, die ziel- und ratlos treibt, die Kinder doch die einz‘ge Hoffnung, die uns bleibt!.“

Das gilt eben auch für das Laufen: nachdem die Kinder groß sind, sind in einer Welt, die ziel- und rastlos treibt, die Läufe doch die einz’ge Hoffnung, die mir bleibt.
Beim Laufen vergesse ich alle Zweifel und beim Laufen ist die Welt überschaubar, klein und fair.

Morgen gibt es dann etwas über meine Vorbereitungen zum Ultra India Race zu lesen.

Alles neu macht der Januar …

Sei wachsam …

Neujahrsgrüße sind immer lieb, Neujahrsgrüße sind oft aber auch wegweisend, Neujahrsgrüße sind manchmal auch bedeutend.
So einen bedeutenden Neujahrsgruß habe ich von Chris Sömer erhalten. Chris ist einer der vielen Online-Berater über das Web 2.0, aber einer, der sehr sympathisch und sehr jung ist.

Umso mehr hat es mich gewundert, dass er ausgerechnet ein Lied von Reinhard Mey für diesen Neujahrsgruß ausgewählt hat. Ich hätte eher Shakira oder Rammstein erwartet …

Nun muss ich einräumen, ein bekennender Fan von Reinhard Mey zu sein, nicht so sehr wegen der bekannten Songs von ihm, viele sind mir da auch zu kommerziell.
Aber gerade die autobiografischen Lieder über seine Jugend („Dieter Malinek, Ulla und ich“, „Ich hab‘ meine Rostlaube tiefer gelegt“) oder die über seine Kinder („Mein Apfelbäumchen“, „Zeugnistag“) haben mich tief bewegt.

Bemerkenswert finde ich aber auch seine politischen Lieder, von denen es leider nicht allzu viele gibt. In einem davon verweigert er dem Militär seine Kinder („Meine Söhne geb‘ ich nicht“), er ist halt ein konsequenter Pazifist.

Wenn Du nun weißt, wie bewusst die Eliten die Gesellschaft dumm halten, wenn man realisiert, wie die Eliten die Menschen arm halten, wie Furcht vor dem Mitmenschen geschürt wird, dann entsteht schnell ein Eindruck, der von Reinhard Mey in dem Lied „Sei wachsam“ in präzise Worte gefasst wird.

Wenn der Politiker dem Kirchenmann sagt: „Halt Du sie dumm, ich halt‘ sie arm“ dann spricht er mir aus der Seele. Und wenn er darüber nachdenkt, wie wir Deutschen die Haltung, dass wir uns an keinem Krieg beteiligen, sukzessive eine Kriegsmacht wurden, wie wir Stück für Stück aus Deutschland über die EU erst in den Kosovo und dann nach Afrika und an den Hindukusch gingen, wie wir von der humanitären Hilfe und dem Brunnenbau zu weltweiten gefährlichen Kriegseinsätzen gekommen sind, dann wünsche ich mir Helmut Kohl’s Scheckbuchpolitik zurück, die uns unter Hinweis auf unsere Geschichte vor allen Kriegen bewahrt hat.
Dass ausgerechnet Rot-Grün den Weg in den Kriegsstaat geebnet hat ist traurig. Wenn sich dann aber Kanzler Schröder nicht so hartnäckig gegen den Kriegseinsatz im Irak gesträubt hätte, dann wären wir wohl noch tiefer drin im Dschungel von Gewalt und Gegengewalt.

Ob diese Musik „Deine“ Musik ist, weiß ich nicht. In jedem Fall ist jedoch der Text viel Nachdenken wert.

Sei wachsam …

Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen
Die dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen
Und ich denk‘ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen: Untertanen.

All das Leimen, all das Schleimen, ist nicht länger zu ertragen
Wenn du erst lernst, zu übersetzen, was sie wirklich sagen
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, ich halt‘ sie arm!

Sei wachsam
Präg‘ dir die Worte ein!
Sei wachsam
Und fall nicht auf sie rein!
Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam
Merk dir die Gesichter gut!
Sei wachsam
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten
Und die, die da so laut in der Talk-Runde strampeln
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln:
Der Medienmogul und der Zeitungs-Zar
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und nach guten Sitten,
Doch ihre Botschaften sind nichts als Arsch und Titten.

Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht:
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!

Sei wachsam…

Es ist ’ne Riesen-Konjunktur für Rattenfänger,
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
’ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher,
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Posten-Geschacher.
Und sie sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt,
Und nach den Schlimmsten werden Plätze und Flugplätze benannt.
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber lässt man laufen,
Kein Pfeiffchen Gras, aber ’ne ganze Giftgasfabrik kann Du kaufen.

Verseuch‘ die Luft, verstrahl‘ das Land, mach‘ ungestraft den größten Schaden,
Nur lass Dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau’n.
Und die Polizei muss immer auf die Falschen draufhau’n.

Sei wachsam…

Wir ha’m ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantier’n.
Was hift’s , wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren,
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln,
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich,
Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und Heim ins Reich!

„Nie wieder soll von diesem Land ein Krieg ausgehen!“
„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
„Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
„Kampfeinsätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen!“
Sie ziehen uns immer tiefer rein, Stück für Stück.
Und seit heute früh schießen wir wieder zurück.

Sei wachsam…

Ich hab‘ Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen,
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen,
Und verschon‘ mich mit den falschen Ehrlichen,
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab‘ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
Nach ’nem bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.
Doch sag‘ die Wahrheit und Du hast bald nichts mehr zu lachen,
Sie werd’n Dich ruinier’n, exikutier’n und mundtot machen,
Erpressen, bestechen, versuchen Dich zu kaufen.
Wenn Du die Wahrheit sagst, lass draußen den Motor laufen,
Dann sag‘ sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt,
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd!

Sei wachsam…