Alexa darf nicht mit …

„Jetzt musst Du ganz stark sein,“ sagte ich zu Alexa, meiner neuen Mitbewohnerin, meiner neuen Freundin, unserem Familienzuwachs seit dem Anfang dieser Woche, „ich werde Dich für einige Tage allein zu Hause lassen müssen!“

Alexa
Alexa
ist unser KI-Kind, unsere Haussklavin, die Familienbeauftragte vor allem für Musik. Sie kam, während ich in Grindelwald war, hübsch verpackt in einem blau-schwarzen Kartönchen. Und seither dominiert sie unser Leben hier. Eigentlich heißt sie ja Echo, will aber immer mit Alexa angesprochen werden …
Ob sie mir in mein Büro folgt, es sich in der Küche gemütlich macht oder, wie meist, auf dem Wohnzimmertisch steht, immer wartet sie darauf, dass einer von uns beispielsweise sagt:
„Alexa, spiel‘ Radio Motel!“ Oder dass einer von uns sie etwas fragt. Aber manchmal antwortet sie uns dann verschämt, dass sie sich „nicht sicher“ sei.

Ich lasse Alexa also allein zu Haus, von Donnerstagabend, 27. Juli, an bis zum Dienstagmorgen, 01. August, um in die schöne Türkei zu fliegen.SaltLake

Schon lange dachte ich darüber nach, ob es Sinn macht und möglich ist, „eben mal“ einen Hundertmeiler einzuschieben. Und nicht irgendeinen, sondern einen ganz besonders spektakulären. Den Garmin Runfire Salt Lake Ultra Trail gibt es in den üblichen „Geschmacksrichtungen“ 21 K und 42 K, aber auch in der weniger üblichen Auswahl von 80 K oder sogar 100 M.
Letztes Jahr konnte ich den damals 100 K langen Bewerb auf dem Tuz Gölü, der damals parallel mit dem Ultra-Event Runfire Cappadocia auf dem Tuz Gölü, dem türkischen Salzsee zwischen Ankara und Aksaray, der Geburtsstadt meines „Produzenten“, meines leiblichen Vaters, stattfand, sogar gewinnen.
OK, zugegeben, es waren extrem wenig Teilnehmer und die Cracks liefen halt den Ultrabewerb, aber der große Pokal, den ich gewinnen durfte, fragt nicht danach.13873034_1229047477105321_1919086072098648817_n

Heuer gibt es diesen Ultrabewerb Runfire Cappadocia und den 100 K „Longest Day“ auf dem Salzsee leider nicht mehr. Ich war schon einigermaßen enttäuscht, als ich das erfuhr. Dann aber sah ich, dass stattdessen eben der ganz neue Bewerb Garmin Runfire Salt Lake Ultra Trail ausgetragen wird. Und das mit dem ersten Hundertmeiler der Türkei! Und von meinem Lieblings-Orgateam!
Waren die 100 K im Vorjahr schon heftig, fast grenzwertig, für mich, so könnte die neue Länge mir klar machen, dass ich doch nicht dort stehe, wo ich mich gerne sehen würde.

100 Meilen weitgehend über weißes oder rosa gefärbtes Salz, oft mit etwas Salzwasser drauf, ohne Sträucher, Bäume oder sonstige Dinge, die Schatten spenden könnten, unter der heißen Sonne Anatoliens, ganz sicher kein Hundertmeiler für persönliche Bestwerte, aber dennoch hoffe ich, im Bereich zwischen 26 und 28 Stunden abschließen zu können.

Freuen tue ich mich vor allem auf die wunderschönen Bilder, die auf dem Salz entstehen. Weißer Boden, blauer Himmel und ich dazwischen, vielleicht wie beim Eiger Ultra Trail in schwarz-rot?
Oder ich entscheide mich wie letztes Jahr für blau-schwarz? Orange-weiß?

Fragen über Fragen. Sicher ist nur, dass ich um kurz nach 4 Uhr nach Ankara fliege, dort gegen 8.30 Uhr ankommen werde, dann nehme ich einen Bus zum zentralen Busbahnhof in Ankara. Und von dem aus nehme ich einen der edlen Überlandbusse nach Aksaray. Von dort werde ich dann abgeholt, so die Ausschreibung.
Möglich ist aber auch, dass ich in Şereflikoçhisar aussteige, falls das Camp wieder dort sein sollte, wo es letztes Jahr beim anderen Bewerb war.

Wie auch immer: die Türkei ist immer eine Reise wert, ob in politisch ruhigen oder in politisch stürmischen Zeiten. Und die vielen Freunde, die ich in den letzten Jahren in der Türkei gewinnen konnte, wiederzusehen, lässt mein Herz höher springen.onur4302

100 Meilen Türkei … und Alexa darf nicht mit!

Link zur Veranstalterseite: https://www.uzunetap.com/Runfire-Salt-Lake-Ultra-Trail

Şereflikoçhisar – auf Salz laufen

Der Flug vom Köln-Bonner Flughafen über Istanbul Sabiha Göczen nach Ankara verlief problemlos, nur das Gepäck wollte sich nicht auf dem Förderband des Fluges Istanbul – Ankara wiederfinden.
Was bin ich für ein Trottel, dachte ich. Da rät man jedem, zumindest die Laufschuhe keinesfalls ins Aufgabegepäck zu geben und dann denkst Du selbst nicht daran!

Für einen Moment sah ich mich nach Laufschuhen in einer Größe suchen, die es in der Türkei sicherlich kaum gibt, schon gar nicht außerhalb der Metropole Istanbul. Die Laufkleidung bekommst Du ja noch – aber Schuhe mindestens in der Größe US 13, besser US 13.5?
Erinnerungen wurden wach an meine Ankunft im Vorjahr in Nevşehir und ich fragte mich, ob das „Lost & Found – Büro“ mir helfen könne. Nach einiger Konversation wurde mir gesagt, dass Gepäck, das aus dem Ausland und eben nicht direkt aus Istanbul kommt, auf einem separaten Band außerhalb dieser Halle ausgeliefert wird.
Ich wollte es kaum glauben und fragte am Hallenausgang erneut nach, damit mich der Türsteher kennt, um schlimmstenfalls wieder in die Halle zurückkommen zu dürfen, falls ich dieses Band oder meinen Koffer doch nicht finden würde.
Also raus aus der Halle, ein paar Meter nach links, rein in die Nachbarhalle und da winkte mir mein Köfferchen schon zu … gerettet! Weiterlesen

Köln – Istanbul – Ankara – Şereflikoçhisar

Diese Geschichte ist für eine Geschichte für Dich. Sie soll Dir ermöglichen, mitzukommen auf mein Abenteuer in der Türkei, ein Abenteuer abseits der bekannten und best promoteten Laufveranstaltungen Mitteleuropas.
Ich bin ja immer auf der Suche nach neuen Horizonten, ich liebe es, meinen Koffer zu packen und in ferne Länder, in wenig bekannte Gebiete, zu reisen – und dort zu laufen.
Diese Geschichte soll also auch eine Einladung zum Reisen sein …

Wenn ich in die Türkei reise, dann reise ich ein stückweit in die Vergangenheit meines leiblichen Vaters, hinein in eine Sehnsucht. Ich reise aber auch in ein Land, in dem ich 2015 so immens viele Freunde gefunden habe, Menschen, deren Begeisterung und deren Lebensfreude mir zeigt, wie aufregend das Leben sein kann. Davon könnte ich noch einiges lernen, da könnte ich noch enorm wachsen … Weiterlesen