Von Bergen, Sonne, Gletschern … und vom totalen Glück!

… und vom TransGranCanaria – Lauf

Meine Nacht war um 4:00 Uhr zu Ende, dann weckte mich mein schlechtes Gewissen, das mir einflüsterte, dass heute mein letzter Bürotag ist. Mein letzter Bürotag vor dem Abflug nach Quito, um von dort aus den Chimborazo und den Cotopaxi zu besteigen. Und es gibt an diesem letzten Tag im Büro noch so viel zu tun, noch so viel zu organisieren …

Ich freue mich sehr auf die Anden,  gleichzeitig aber habe ich einige Sorgen und Fragen. Die meisten der konfusen nächtlichen Gedanken drehen sich dabei um die eiskalten Nächte in großer Höhe. Bin ich dafür ausreichend gewappnet? Nichts wäre schlimmer, als wegen der Kälte jede Nacht wach zu liegen.
Sollte ich mich jetzt, wo es auch in Deutschland so kalt ist, „zum Üben“ im Schlafsack in den Vorgarten legen?

Und ich träume schon: wenn alle Fasching oder Karneval feiern, dann stehe ich oben auf dem „höchsten Berg der Welt“, am Faschingsdienstag! In Deutschland tragen die Menschen dann rote Nasen vom Restalkohol, wir werden rote Nasen haben von der Kälte des Aufstiegs. Aber wir werden glücklich sein.
Und wir wissen, wer an diesem Morgen neben uns liegt oder steht. Nicht jedem der Karnevalsjecken ist das vergönnt.

Einen der anderen Teilnehmer habe ich schon im Internet recherchiert. Michael Fode, Unternehmer – Berater – Abenteurer … ich bin tief beeindruckt. Ihm wird der Trip weniger ausmachen als mir, immerhin war er schon auf dem Aconcaqua, dem höchsten Berg Südamerikas, dem Berg, dem zuerst mein bergsteigerisches Interesse galt. Und er hat aus diesem Aufstieg auf den südamerikanischen Teil der „Seven Summits“ eine Spendenaktion gemacht, bei der er unglaubliche 30.000 EUR für einen guten Zweck erzielt hat.
Es scheint mich vieles mit ihm zu verbinden und so bin ich sehr gespannt, was ich in diesen drei Wochen von ihm lernen kann.

Aber ich wäre kein Läufer, wenn ich nicht schon den nächsten großen Lauf im Focus hätte. Und der wird ein hartes Stück Arbeit sein, der TransGranCanaria (TGC). Begleitet von einer Vielzahl Facebook-Läufern, RheinBurgenWeg-Lauf-Matadoren oder anderer Menschen, die mein kleines Leben in den letzten Monaten und Jahren wärmer und herzlicher gemacht haben werde ich die 30 Stunden Laufzeit in dem Bewusstsein genießen, dass so etwas Schönes nur uns Läufern gegönnt ist.

Ob es Julia ist, Jens, Achim, Hans-Peter, Georg, Tanja, Kurt, Didi, Michi, Rolf oder einer der vielen anderen TGC-Starter: ich freue mich schon jetzt so sehr auf diese 123 Kilometer wie sich ein kleines Kind auf Weihnachten freut.

Diese 123 Kilometer werden etwas ganz Besonderes sein, Du läufst in Gegenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es werden Gebiete dabei sein, die uns an den klassischen Regenwald erinnern, es gibt weite vulkanische Öden, es gibt Sand, Wasser und ganz sicher auch Sonne satt.
Wenn wir um Mitternacht starten, dann werden wir den Sand und den Strand nicht würdigen können, über den wir zu Beginn laufen, wenn es aber in die Berge hinauf geht, dann sollte sich der Himmel aufhellen. Es wird hart werden, aber es wird auch schön werden.

Ein Beleg dafür? Schau Dir doch auch mal die Laufstrecke in diesem YouTube Filmchen an:


Bis dahin werde ich wohl nicht mehr zum langen Laufen kommen, nicht in Equador und vielleicht auch nicht an den wenigen Tagen nach der Landung in Deutschland, bevor es wieder weiter geht Richtung Kanarische Inseln.
In der Gruppe ist der Zeitplan meist eng gestrickt und in der wenigen verfügbaren Zeit ist es oft, dem Gruppenzwang geschuldet, nicht möglich, wirklich für sich zu sein und laufen zu gehen. Dennoch glaube ich, dass mir die vielen Höhenmeter, die wir auf dem Weg zu den insgesamt 11 Gipfeln erklimmen, gut tun werden, dass mir die zusätzlichen roten Blutkörperchen, die sich durch die Akklimatisation bilden, noch einen Schub geben, wenn es auf die Berge Gran Canarias geht.
Eingentlich ist die Zeitspanne zwischen dem Verlassen der Höhe von Equador und dem Lauf auf Gran Canaria fast zu lang, länger als eine Woche, sagt man, hält sich die besondere Situation im Blut nicht, die Situation, die es Dir ermöglicht, mit wenig Sauerstoff klar zu kommen, weil dieser eben, dank der Vermehrung der roten Blutkörperchen, besser verwertet werden kann.
Vielleicht bleibt aber dennoch ein kleiner Rest dieser Höhenanpassung übrig …

Julia, Jens, Achim, Hans-Peter, Georg, Tanja, Kurt, Didi, Michi, Rolf und Ihr anderen TGC-Starter: ich freue mich auf Euch und wenn Ihr nicht zu schnell lauft, dann habe ich wahrscheinlich auch Einiges zu erzählen.

Von Bergen, Sonne, Gletschern … und vom totalen Glück!

Wirklich keine Petitesse: der „La Petite Trotte à Léon“!

Vorgestern war der letzte Tag der Einschreibung für den „PTL“, für den „La Petite Trotte à Léon“ gewesen. Ursprünglich sollten sich maximal 60 Teams aufmachen, die Umrundung des Mont Blanc in der schwierigeren Version zu versuchen, aber die Veranstalter haben die Teilnehmergrenze auf 80 Teams erhöht.
Ein Glück auch für uns, weil es die Chancen, dass Carsten Quell, Bob Lovegrove und ich dabei sein dürfen, erhöht. Am Vorabend des letzten Einschreibetags waren 64 Teams gemeldet, also gehe ich davon aus, dass wir auf dieses Mega-Event hintrainieren dürfen.

Mindestens zwei andere Teams aus dem Freundeskreis werden dabei sein: Eric Türlings, der Veranstalter des Keufelskopf Ultras, des „K-UT“, wird mir zwei Saarländern starten und Jens Vieler, der Veranstalter der „TorTOUR de Ruhr“, wird mit Wolfgang Olbrisch und einem dritten Läufer ebenfalls ein Team stellen. Natürlich laufe ich neben dem „K-UT“ auch die „TorTOUR de Ruhr“, genug Gelegenheit also, über den „PTL“ zu diskutieren und Strategien zu besprechen, die dann sowieso nicht funktionieren, denn eines ist sicher: am Berg ist jedes Team für sich alleine!

(Klicken zum Vergrößern!) Die Strecke des PTL 2010

Ein Lauf, der in etwa so viele Höhenmeter zu bieten hat wie diese Erde ingesamt von den Tiefen des japanischen Grabens bis zu den Höhen des Mount Everest – und das verteilt auf 240 Laufkilometer – wird mir sicher alles abverlangen, wird alles von mir nehmen, aus mir herausnehmen. Vielleicht auch mehr. Viel mehr.

Aber Carsten, Bob und ich haben auch viel zu geben. So werden wir aus diesem Lauf, aus diesen 3x 240 Kilometern, aus diesen 3x 18.000 Höhenmetern einen Spendenlauf machen. Wahrscheinlich für UNICEF. Oder für eine andere Organisation, die sowohl in Kanada, in England als auch in Deutschland einen guten Ruf hat und die diese Welt ein wenig besser machen will, als sie ist.
Also wird jeder Schritt für einen guten Zweck sein und die Muskelverhärtung in den Oberschenkeln, die ich wahrscheinlich wie beim TransAlpineRun 2008, dem SwissJuraMarathon 2009 und dem UTMB 2009 wieder bekommen werde, wird mich während der 100 Stunden, die wir für diesen Lauf Zeit haben, permanent daran erinnern, dass wir uns und anderen an diesem verlängerten Wochenende im August etwas Gutes tun wollen.

Etwas Gutes sollen aber auch unsere Augen bekommen. Schon im August 2009 habe ich mich in den Anblick des Mont Blanc verliebt, bei Ski fahren in La Plagne sah ich den „weißen Riesen“ wieder ganz nah vor mir stehen. Erfurcht und Respekt muss diesem Berg gezollt werden und Du wirst Dir Deiner Bedeutungslosigkeit bewusst, wenn dieser Berg, dieses Massiv aus Dutzenden von hohen und höchsten Bergen, auf Dich hinabschaut.
Und nun darf ich mir diesen Berg gleich 100 Stunden lang ansehen – aus allen Perspektiven! Was wird das für ein Erlebnis sein!


Aber nach dem UTMB 2009 und hoffentlich dem PTL 2010 will ich noch etwas anderes, noch etwas Neues von diesem Berg: ich will ihn besteigen. Ganz hinauf auf den Gipfel!
2011 – vielleicht mit Dir?

Zwar gehört er nicht zu den „Seven Summits“, aber zumindest früher wurde er in Westdeutschland als „höchster Berg Europas“ bezeichet. Erst der Mauerfall und die objektivere Sicht der Geographie Europas hat ihn auf Platz 2 abrutschen lassen und er musste den Spitzenplatz der höchsten Berge Europas dem Elbrus überlassen. Aber auch da streiten sich die Geographen der Welt, ob der Elbrus nun asiatisch oder europäisch ist.
Zu den „Seven Summits“ jedenfalls gehört der Elbrus für Europa dazu – macht aber nichts. Der „weiße Riese“, der Mont Blanc, der will bestiegen sein.
2011.
Ein Ziel.
Mein Ziel.

Seven Summits für „Normalos“ …

Dr. med. Karl Flock aus dem deutschen Weilheim hat sich einen Lebenstraum erfüllt: Er hat die höchsten Berge von sieben Kontinenten bezwungen, die so genannten „Seven Summits“.

Im TOYOTA-Magazin wurde seine Geschichte abgedruckt und ich muss sagen: ich war beeindruckt!

ein Weilheimer bezwingt die sieben höchsten Berge der einzelnen Kontinente

Ein Weilheimer bezwingt die sieben höchsten Berge der einzelnen Kontinente - Klicken zum Vergrößern und lesen!

Da ist der KIBO (Kilimanjaro, Uhuru Peak, Afrika) dabei, auf dem ich auch schon gestanden habe und auch der Aconcagua in Südamerika, der nächste Berg auf meiner Wunschliste.
Auch der Elbrus als höchster europäischer Berg ist relativ einfach zu besteigen, irgendwann werde ich auch von diesem Berg herab schauen …
Beim Elbrus denke ich immer, wie schön doch der kalte Krieg funktioniert hat. Da haben Generationen von Schülern eingetrichtert bekommen, dass der Mont Blanc der höchste Berg sei – Pustekuchen.
Hinter den 7 eisernen Vorhängen bei den 7 bösen Kommunisten liegt ein Berg, der noch viel höher ist als der Mont Blanc, dort, im tiefen Kaukasus.

Die Carstensz-Pyramide in Australien (Puncak Jaya) ist auch noch eine Herausforderung, der man sich stellen kann, anders aber sieht es bei den drei letzten der „Seven Summits“ aus.
Ist der Mount Vinson in der Antarktis mit seinen 4.892 Metern trotz der immensen Kälte noch bezwingbar, aber spätestens der Mount Everest als höchster Berg Asiens hat es wirklich in sich.
Es ist dabei nicht nur die Höhe und die Kälte, das kleine Zeitfenster, das man für die Besteigung hat und die manchmal monatelange Warterei im Basis-Camp auf dieses kleine Zeitfenster. Zwar gilt der Mount Everest für einen 8.000-er Berg als relativ leicht zu besteigen, aber das ist eben auch relativ, auch mit Sauerstoff-Maske und dem entsprechenden Training.

Den größten Respekt allerdings habe ich vor dem tödlichsten Berg der Welt, dem Mount McKinley in Alaska. Obwohl er nur 6.195 Meter hoch ist und damit kaum höher ist als der Kibo sind nirgendwo so viele Menschen gestorben wie an diesem Berg. Innerhalb von Minuten kann die gefühlte Temperatur von relativ erträglichen -30 Grad auf -60 Grad abfallen, weil starke Winde ihren Teil dazu beitragen. Jeder, der da oben war, ist für mich ein echter Held.

Der Mount McKinley - der kälteste und tödlichste Berg der Welt!