The North Face UTMB 2012

Nach ein paar glücklichen Tagen im schönen Österreich kam ich nach Hause, sah auf meinen eMail Accout und staunte nicht schlecht.

Da war doch eine Mail von The North Face, immerhin Hauptsponsor des The North Face Ultra Trail du Mont Blanc 2012, in der ich gefragt wurde, ob ich ein wenig über die Vorbereitung ihres Läufers beim UTMB berichten wolle. Und ob ich dann während des UTMB weiter berichten wolle, direkt vor Ort.
Dabei sein in der Kulisse und das Event mal im Ganzen erleben. Grandios, wenn man schon nicht selbst mitlaufen kann. Hinter der Ziellinie stehen, um Fotos der Finisher zu machen, so wie damals Klaus Duwe die Fotos von mir gemacht hat. Menschen kennen lernen, die über unser Hobby berichten und Menschen kennen lernen, die sich für unser Hobby engagieren, die uns einkleiden, ernähren, die all ihr Wissen für uns verwenden, alles, damit wir solche Herausforderungen wie den UTMB meistern können.
Klar wollte ich das.

Aber nur unter bestimmten Bedingungen, selbstverständlich. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich keine Lobhudeleien mag, mich nicht kaufen lasse und nur etwas schreiben will, wenn es interessant für mich ist. Und hier war es für mich besonders interessant, zu erfahren, über wen ich da berichten sollte. Wen, fragte ich mich, soll ich da portraitieren? Mir fielen viele Namen ein, die „üblichen Verdächtigen“ waren darunter und auch ein paar Andere.
Keinesfalls wollte ich über jemanden berichten, der keiner „von uns“ ist.

Es sollte jemand sein, dachte ich mir, der wie wir ein Amateur ist. Professionals gibt es ja einige und viele Printmedien berichten mehr oder weniger gerne von ihnen. Ein Grund für mich, das nicht zu tun.
Es sollte idealerweise jemand sein, dachte ich mir, von dem ich schon vorher etwas weiß. Und wer mich kennt, der weiß auch, dass ich mir über viele Läufer, die mir über den Weg gelaufen sind, vieles merke, vor allem natürlich über die, die ich bei den ganz großen Events kennen lernen durfte.

Es brauchte drei Telefonate, bis wir zur Beantwortung dieser Frage kamen. Drei lange Telefonate an drei langen Tagen – und ich vermute, dass dann meine Fingernägel vor Spannung schon halb abgekaut waren.

In meinem Kopf rotierten immer die gleichen Fragen: Männlein oder Weiblein? Jung oder Alt? Aus meiner direkten Läuferfamilie oder eher nicht?

Und als hätte mich der Läufergott erhört, kam dann die Antwort, die mich dann sofort zur Zusage zu diesem Projekt bewegt hat: „Unser Läufer ist aus Jesenwang,“ sagte Nicole, meine Gesprächspartnerin. Aus Jesenwang? Ein Dörfchen mit nur wenigen Hundert Einwohnern, mutmaßlich nicht gespickt mit Ultraläufern. Das konnte dann also nur Heiko sein, Heiko Bahnmüller, mein Laufpartner vom TransAlpineRun 2008. Was für ein Zufal, was für eine Freudel!

„Kennst Du ihn?“ fragte Nicole überrascht und ich erzählte ihr kurz unsere gemeinsame Geschichte.

Ich habe Heiko durch das Veranstaltungsteam „Plan B“, durch Uta Albrecht, kennengelernt. Den TransAlpineRun zu laufen war damals, Anfang 2008, mein großer Traum gewesen. Einmal quer über die Alpen – zu Fuß, das ist etwas für die ganz Harten, dachte ich damals.
Aber der TAR ist nun mal ein Teamlauf und so ganz ohne Partner ist ein Team ziemlich klein, zu klein. Aus meinem kleinen Bekanntenkreis erhielt ich bestenfalls ein Schulterzucken auf die Frage, ob Interesse bestehen würde, diese 300 Kilometer mit mir im Team zu laufen. Mancher Zeigefinger fand sogar den Weg an die Schläfe des Gesprächspartners und die obligatorische Antwort war stets, dass man für solch gewaltige Entfernungen doch das Auto erfunden habe.

Uta gab mir dann drei eMail Adressen von potenziellen Laufpartnern und mit Zweien habe ich länger telefoniert. Der eine war der niederländische Importeur von Suunto Laufuhren. Ein wirklich netter Kerl. Und wer weiß, wie sehr ich Niederländer und ihren Humor schätze, der kann erahnen, dass er sofort in meiner engeren Wahl war. Am Ende habe ich mich dann aber doch gegen ihn entschieden, weil er mir einfach „zu gut“ erschien. Zu schnell, zu erfahren. Zudem hatte ich die Sorge, dass ihm die Platzierung des Teams auch für seine beruflichen Aspekte wichtiger war als mir.

Entschieden habe ich mich dann für Heiko. Zwar waren seine Marathonzeiten auch besser wie meine. Eine 3:11 stand da zu Buche (ich weiß, Heiko, dass mittlerweile aus Dir ein „unter drei Stunden – Läufer“ geworden ist). Außerdem war Heiko bis dahin niemals weiter als einen Marathon gelaufen und er hatte Sorge, bei längeren Etappen Probleme zu bekommen. Wenigstens ein kleiner Vorteil für mich.
Das dritte Argument für ihn war damals auch, dass er Pädagoge ist, ein unschätzbarer Vorteil, wenn es Dir mal schlecht geht. Und genau diese Eigenschaft habe ich immer an ihm geschätzt, vor allem am letzten Tag, als ich wegen muskulärer Probleme kaum mehr laufen, sondern nur noch tippeln konnte.

Nach etlichen Telefonaten trafen wir uns dann das erste Mal im „real life“ beim StrongManRun 2008 in Weeze. Er war mit seiner Bundeswehr-Sportgruppe dort und wir machten noch schnell mittels eines schnell aufgebauten Fotohintergrundes einige gemeinsame Fotos. Heiko hatte kurz zuvor ERIMA als unseren Sponsor gewinnen können und die Ware war Tags zuvor bei ihm in Jesenwang eingetroffen. „Team ERIMA Sportswear“ hießen wir also dann.

Nach dem TAR 2008 war der Marathon des Sables 2010 das nächste gemeinsame Highlight. Und nicht nur das. Wir lebten gemeinsam mit Achim Knacksterdt, Tilman Markert und Christian Bechtel eine Woche lang unter dem gleichen Berberzeltdach in der südmarokkanischen Wüste. Was war das schön damals!

Einen Tag nach dem Telefonat mit Nicole telefonierte ich mit Heiko und er erzählte mir, dass er sie gefragt hätte, ob ich mich dort bei der Agentur gemeldet hätte. „Nein,“ sagte sie, „das ist purer Zufall.“
Zufall ja, vielleicht auch Fügung, Schicksal? Auf jeden Fall ist es der Beginn von großartigen 10 Wochen, in denen ich regelmäßig über „Heikos Weg nach Chamonix“ berichten werde.
Veröffentlichen werde ich die Berichte dann aber nicht hier auf der allgemeinen Seite, sondern hier:
https://marathonundlaenger.wordpress.com/the-north-face-utmb/
Vielleicht gelingt es mir auch, die Beiträge hier und dort zu posten, aber das ist nicht versprochen.

Als versprochen aber gilt, dass Du Dir dort ein umfassendes Bild von Heiko und seinem Training für den The North Face UTMB 2012 machen kannst. Vergleiche die Erfahrungen vor dem Rennen und während des Rennens mit Deinen eigenen oder nimm die eine oder andere Information für Dich mit, falls Du diesen großen weißen Berg noch nicht umrundet haben solltest.
Für Deinen Start beim UTMB 2013. So viel Berg muss einfach sein, finde ich. Weil diesen Lauf zu finishen noch für jeden Läufer, den ich kenne, das Größte ist.

Bei dem UTMB 2013 werde ich dann auch wieder als Läufer dabei sein, einen sicheren Startplatz habe ich ja schon …

Rosa Elefanten im Auto und gelbe Enten on air

Der Stau auf der Anfahrtsstraße vor dem ToughGuy Event ist legendär. Nur der StrongManRun kann da noch mithalten in Sachen Läuferbehinderung. Also musst Du früh dort sein, um kein Risiko einzugehen, nicht pünktlich am Start zu sein.
Meine toughen Begleiter Bernie Conradt, Kurt Süsser, Alex Metzler, unsere Haus- und Hof-Fotografin Gabi und ich haben uns also am Sonntag schon um 8.45 Uhr aufgemacht, die 10 Autominuten lange Strecke zu bewältigen.

Beim Frühstück waren wir noch normal verrückte Läufer, aber danach begann unsere Verwandlung. Franz Kafka hätte angesichts dieser Metamorphose sein legendäres Werk umgeschrieben und hätte seinen Romanhelden Gregor Samsa nicht als ekligen Käfer, sondern als rosa Elefanten aufwachen lassen. Weil rosa Elefanten interessanter sind als klebrige Riesenkäfer, vor allem dann, wenn in den Elefanten so toughe Jungs im besten Mannesalter stecken. Nur Alex muss ich hier ausnehmen, weil er fast 20 Jahre jünger ist wie wir, also gewissermaßen noch in den Elefanten-Kindergarten geht.

Klicken: Mehr Fotos von den vier rosa Elefanten gibt es hier auf Facebook!

Die vier rosa Elefanten hatten dann bei der Fahrt zum ToughGuy auch keine Probleme, bei Kreuzungen in den fließenden Verkehr einzufädeln. Auto fahrende rosa Elefanten haben scheinbar stets Vorfahrt.

Es war also erst kurz nach 9 Uhr, als wir am ToughGuy Gelände ankamen, aber es war schon richtig voll dort. Vor allem vor dem „Forehead Marking“, der Hütte, wo uns die Startnummer in schwarzem Filzstift auf die zartrosa Elefantenhaut geschrieben wurde, drängten sich endlos viele Läufer, Journalisten und interessierte Zuschauer.
Unser Elefantenkostüm verfehlte seine Wirkung nicht. Unglaublich viele Menschen wollten sich mit uns fotografieren lassen. Klick hier, klick da, immer wieder. Ein Fernsehteam holte uns zum Interview, schade, dass ich nicht weiß, wo das dann gesendet wurde. So vertrieben wir vier elefantenstarken Jungs die Zeit, weil wir warten mussten: auf unsere graue Maus.


Die Rolle der Elefantenerschreckerin spielte Steffi, die sich schon vor Monaten per eMail unserem Team angeschlossen hatte. Aber Wolverhampton ist zu groß, um sich zufällig zu sehen und Steffi kam einfach zu spät, wirklich sehr schade.
Folglich sind wir dann eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start in die Startbox der „Queen Wisitors“ gegangen, dem zweiten Startblock, gleich nach den „King Wisitors“.
Zwar hätte ich als beurkundeter ToughGuy 2009 auch in einem anderen Startblock starten dürfen, aber als rosa Elefant allein sein wollte ich dann doch nicht. Rosa Elefanten sind eben etwas schüchtern und ängstlich.

Wir vertrieben uns die halbe Stunde erst mit Gesprächen im Startblock. Da waren die blauen Münchner Schlümpfe, die wir schon am Vortag kennen gelernt hatten, die beiden Schweizer mit den Helmkameras aus unserem Hotel, die uns beim Frühstück erzählt haben, dass sie die Wasseraufnahme in Form von vielen Gläsern bitteren Guinness Bieres bis kurz vor 4 Uhr am Morgen noch hart trainiert hatten.
Ganz wach sahen die wirklich nicht aus, bei Schweizern ist man aber nie ganz sicher, ob die Langsamkeit angeboren ist oder vom Trainingslager her stammt.

Und da waren viele anderen, die sich immer für die kleine Elefantenherde interessiert haben, wir aber interessierten uns vor allem für „Mr. Mouse“. Nachdem unsere Maus Steffi nicht bei uns war, wollten wir wenigstens ein Foto mit „Mr. Mouse“ machen. Also überquerten wir die Absperrungen, gingen zu ihm und bekamen, was wir wollten. Ganz begeistert war er nicht, aber er war wenigstens geduldig.
„Mr. Mouse“ war früher mal in Wuppertal und er wurde nicht müde, davon zu erzählen.

Mr. Mouse, der Erfinder des ToughGuy. "Jetzt aber schnell wieder hinter die Absperrung!" meint er danach.

Noch immer waren zehn lange Minuten zu überstehen, bis der legendäre Kanonenböller als Startsignal ertönen würde. Langsam wird es doch etwas zäh, dachte ich.
Zum Glück hatte einer der toughen Wartenden einen Football dabei, den er wahllos in die Menge schoss. Dort von irgend jemandem aufgefangen, wurde er zurück geschossen oder zurück geworfen, wenn der Fänger sich den Abschlag mit dem ovalen Ei nicht zutraute.
Und bei jedem Abschlag ging ein begeistertes Raunen durch die wartende Menge und bei jedem Wurf ein enttäuschtes Grummeln. Dieses Mitmachen hielt die Laune oben, auch wenn nur die wenigsten von uns den Football tatsächlich einmal anfassen konnten.

Noch fünf Minuten vor dem Start, die Anspannung stieg. Die Startboxen wurden voller und voller und die Menge drückte schon merklich in Richtung des vermeintlichen Ausgangs, um später eine bessere Ausgangsposition zu haben.

Wir alle hatten am Vortag in unserer Starttüte eine kleine gelbe Plastikente gefunden. Die sollten wir auf der Unterseite mit unserer Startnummer versehen und später dann in einen See werfen, um dann, wenn wir wieder an dem See vorbei kommen würden, diese wieder aus dem Wasser zu ziehen. Erwischt Du Deine Ente, dann gewinnst Du etwas. Kein großer Gewinn für eine winzig kleine Chance, dachte ich.

Das müssen Andere auch gedacht haben und so entschieden sie, ihre Ente als Wurfgeschoss gegen die ToughGuys des Nachbar-Startblocks zu verwenden. Und so flog eine gelbe Ente von dem Startblock der „Wetnecks“ zu uns „Queen Wizitors“ herüber. Natürlich haben wir dieser Ente gleich ein Rückflugticket spendiert.

Innerhalb kürzester Zeit flogen dann Hunderte gelber Enten von einem Startblock zum nächsten, um gleich wieder zurückgeschickt zu werden. Schon diese Bilder, schon dieser Spaß hat aus diesem Event etwas ganz Besonderes gemacht. Ein Bild für Götter! So viel Spaß vor dem Start hatte ich schon lange nicht mehr.

Oben auf dem Hügel stand „Mr. Mouse“ mit seinem Team, eine schottische Gruppe im Kilt spielte ununterbrochen Dudelsackmusik und wir alle fieberten, dass endlich die große alte Kanone diesen Lauf freigeben würde.
Erst die „King Wizitors“, dann wir. Wir überkletterten die Absperrungen, kämpften uns den steilen Berg hinunter und warteten.

Und dann ging es endlich los …

Scarlett O’Hara küsst Zauberlehrling

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„Vom Winde verweht“ erlebten wir am vergangenen Samstag beim NEU (Nord Eifel Ultra) live. Und ich dachte ständig an die schöne Scarlett O’Hara, jedes Mal, wenn wir wieder ganz besonders stark „vom Winde verweht“ wurden.
Da war jeder froh, der dank ein paar Pfunden zuviel dem Wind etwas entgegen zu setzen hatte. Ich war einer davon, untertrainiert, übergewichtig und auch im optimalen Fall für Ultraläufer deutlich zu schwer.

Der stamme Wind von vorne treibt Deinen Puls nach oben, Du drückst mit dem ganzen Körper gegen den von vorne blasenden Wind und dennoch kommst Du kaum voran.
Zwei richtig stramme Laufpassagen ziemlich am Anfang der 56,3 Kilometer waren so zu bewältigen und ich überlegte, wie ich mich von diesem Lauf verabschieden könnte, ohne dass es allzu peinlich wirken würde.
Als dann der Wind jedoch nachließ, wir wieder in den Wald kamen und das Laufen wieder erträglicher wurde, war ich dann doch sehr froh, nicht „gekniffen“ zu haben.

Am Vortag noch, als ich mich auf den Lauf einzustimmen versuchte, telefonierte ich mit Susanne Alexi. Ich wusste, dass ich im Grunde seit dem Eisweinlauf Mitte Dezember keine lange Einheit mehr gelaufen bin, außerdem bin ich auch nur sehr wenige kurze Einheiten gelaufen. Ich war also faul, der Arbeit und der chronischen Unlust geschuldet.
Aber Susanne beruhigte mich, als sie sagte, dass Florian Bechtel auch schon lange keine lange Strecke mehr hinter sich gebracht hat und dass es Ultramarathon – Einsteiger geben würde, perfekt.
Auf der Webseite las ich, dass wir in einer Zeit von 7 bis 10 Minuten pro Kilometer laufen würden – und ich lachte innerlich. Doch so langsam?
So würden wir für die Gesamtstrecke bei der 7er Zeit mindestens 6 1/2 Stunden brauchen, bei der 10er Zeit sogar knapp über 9 Stunden! Wie langsam ist das denn, dachte ich. Aber ich war zufrieden, weil ich nach der langen Pause sowieso Sorgen hatte, zu langsam zu sein.
Erst am Ende der Strecke, als wir kurz vor 18.30 Uhr wieder auf dem Annakirmesplatz in Düren angekommen waren, weit über 9 Stunden nach dem Start, wusste ich, dass das alles andere als langsam für mich war. Nicht nur das: zwischen km 50 und 53 war ich weit abgeschlagen hinten, konnte kaum mehr laufen, fühlte mich elend, wechselte Laufpassagen mit Gehpassagen, weil ich vollkommen fertig war und hoffte, zumindest nicht den Anschluss an den vorletzten, an Jörg Segger, zu verlieren.

Und ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich auf die Stirnlampe verzichtet hatte, im irrtümlichen Glauben, 56,3 Kilometer noch am Nachmittag abgelaufen zu haben. Wenn ich also den Anschluss verpasst hätte, dann hätte ich ohne Licht, ohne Karte und ohne Ortskenntnis dagestanden und mich irgendwie durchschlagen müssen. Erst ab km 53 ging es wieder und ich fand Anschluss nach vorne, aber ich sagte mir, dass ich nie wieder einen Lauf vorher einschätzen will.

Der stramme Wind von vorne, der mich stets an Scarlett O’Hara senken ließ, war aber nicht das einzige Problem, das wir hatten. Da war auch noch der Goethe’sche Zauberlehrling – und der sorgte für „Wasser satt“.

Manchmal schien es mir, als wären wir beim „StrongManRun“ oder einem der anderen Matsch-Rennen. Ob es der Schnee war, der so weich war, dass Du permanent eingebrochen bist, ob es das Gras war, das sich in weichen moderigen Schlamm verwandelt hatte oder ob es die meist überfluteten Wege waren: Wasser war immer da, Wasser war omipräsent!

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Und so versuchten wir am Anfang, mit der Auswahl der optimalen Route die Füße noch einigermaßen trocken zu halten, aber schon bald war klar, dass das alles sowieso keinen tieferen Sinn ergeben würde. Von da an ging es eben geradeaus mitten durch das Wasser, mitten durch die Bäche.

Du frierst an den Füßen, an den Zehen – obenrum aber war es warm. Die Sonne erschien immer wieder am Himmel, die Luft war fast frühlingshaft warm, es war ein ganz besonderes Wochenende.
Dazu passte die Strecke, die auch sehr interessant war. Trailig, nicht allzu viele Höhenmeter, aber eben durch die Bedingungen doch sehr anstrengend.
Ob auf dem Smugglerweg, bergauf oder bergab, durch den Wald, die Wiesen oder die Dörfer – ich genoss jeden Meter, auch wenn er anstrengend war.

Und ich redete viel. Mit Susanne Alexi und Jörg Benz zuerst und dann mit Bernd Rohrmann aus Hagen. Er wurde mir beim „Trail Uewersauer“ in Luxemburg schon von Günter Meinhold kurz vorgestellt und wir liefen auch die „TorTOUR de Ruhr“ gemeinsam, er in seiner 100 Meilen-Premiere auf der 160 Kilometer Strecke, ich auf der 230 Kilometer Strecke.
Auch das weitere Programm des Jahres deckt sich auffällig oft. Rennsteiglauf, K-UT, der SH Supertrail … wir redeten ununterbrochen, bis es mir so schlecht ging, dass ich alleine sein und schweigen wollte. Aber da waren schon 50 Kilometer vorbei, es war schon dunkel und ich wollte nur noch nach Hause.

Am Ende konnte ich nicht einmal mehr auf Bernd warten. Es war schon so spät, dass ich schnell Richtung Leichlingen musste. Ein Freund hatte zu einer Après Ski Party eingeladen.
Scarlett O’Hara und der Zauberlehrling blieben auf der Strecke – aber an den unglaublichen Wind, an das viele Wasser und an einen zauberhaft anstrengenden Lauf werde ich noch lange denken.

100 x 397 = ?? – noch ist eine Rechnung offen …

Es ist Sonntag, früher Morgen, kurz vor 6 Uhr: 60 Runden habe ich in den vergangenen 14 Stunden gedreht und meine Rundenzeiten haben das erste Mal die 15-Minuten-Marke überschritten.

Was ich weiß ist, dass ich keine Lust mehr habe, was ich nicht weiß ist, dass ich auch während eines Rennens regenerieren kann. Dass ich keine Lust mehr habe, liegt daran, dass ich mir ausgerechnet habe, mit der letzten Rundenzeit die geforderten 100 Runden bis zum Nachmittag nicht schaffen zu können, aber dennoch ist es doof, aufzuhören.

Am liebsten würde ich sofort nach Hause fahren, aber Gabi, meine allerliebste Gabi, steht noch nicht an der Strecke, sondern ist noch im Zimmer in ihrer Pension und träumt vielleicht noch den Albtraum aller Supporter: das Essen für den Läufer vergessen, den Start verpasst, die falsche Ausfahrt genommen oder die Wechselklamotten zu Hause gelassen …

Ich lasse mich jetzt 20 Minuten lang massieren, das hilft immer, zumindest hilft es, die Zeit tot zu schlagen. Aber Gabi ist auch danach noch nicht an der Strecke, also beginne ich langsam wieder mit dem Lauf und nach der 61. Runde steht sie oben am Wendepunkt und winkt mir fröhlich zu.

„Ich höre jetzt auf,“ sage ich und sie antwortet entgeistert, dass ich noch frisch und gut aussehen würde. Aber weil ich denke, dass ich irgendwo zwischen 92 und 98 Runden den 24-h Lauf abschließen würde, will ich nicht mehr laufen. Ich will nur noch heim und möglichst viel von dem sonnigen Sonntag genießen.

All das ist jetzt knapp ein Jahr her und der Stachel, den ich mir damals ins Fleisch getrieben habe, sitzt noch immer tief. Und er schmerzt. Noch nie habe ich ein wichtiges Rennen abgebrochen, noch nie habe ich ein mir wichtiges Ziel nicht geschafft, außer damals, im Mai 2010 auf der Spitzhaustreppe im sächsischen Radebeul.

Ich habe also noch eine Rechnung offen mit den 397 Stufen dieser Treppe und diese Rechnung wird am kommenden Wochenende beglichen! Im direkten Duell, die Treppe gegen mich …

Egal, was kommt, es wird mein letzter Start beim „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ sein und wenn ich wieder scheitere, dann soll es auch eine offene Wunde fürs Leben sein. Aber ich werde nicht scheitern! Trotz der noch immer wunden Füße und trotz der mangels Zeit kaum möglichen Regeneration nach dem „Marathon des Sables“ (MdS) werde ich nicht scheitern, sondern langsam, aber stetig Stufe für Stufe nehmen und dabei leise mitzählen:
„Noch 39.699, noch 39.698, noch 39.697 …“

Auf keinen Fall werde ich vorzeitig aufgeben, auch nicht, wenn ich realisiere, dass ich die geforderten 100 Runden innerhalb der gesetzten Laufzeit von 24 Stunden nicht erreichen kann. Dann ende ich halt bei 87 Runden oder bei 94 Runden oder wegen mir auch bei 99 Runden, aber ich gebe nicht auf, denn ich will, dass mein Name in das Gipfelkreuz der Spitzhaustreppe gehauen wird. Es wäre dort in guter Gesellschaft mit all den bisherigen Finishern dieses Laufs, zu denen ich momentan nur ehrfürchtig aufschauen kann.

... mein Ziel, der Eintrag im Gipfelkreuz der Spitzweg-Treppe in Radebeul

Vielleicht sollte ich den „Ausbilder Schmidt“ vom StrongManRun mitnehmen, damit er mir ein paar passende Worte in der Nacht zubrüllt, wenn ich schwach und weich werden sollte. Oder ich leihe mir Bernie Conradt’s Frau Sabine aus, die ihn 2008, mitten in der regnerischen und kalten Nacht von Radebeul, wieder mit den Worten auf die Strecke schickte: „Ich denke, Du bist zum Laufen hier?“ Auch ließ Sabine Bernie’s Hinweis darauf, dass es schwer sei, da zu laufen, nicht gelten und antwortete: „Wenn es leicht wäre, wärest Du nicht hier, Bernie!“

Bernie hatte Sabine tief gefrustet und unterkühlt in der Nacht angerufen, um aufzugeben und um ins warme Bettchen abgeholt zu werden. Ihre „Gardinenpredigt“, sein wiedererwachter Siegeswille und Dutzende von Salamibroten haben es dann bewirkt, dass mein Lauffreund Bernie Conradt einer von denen ist, zu denen ich ehrfürchtig aufschauen muss. Bernie’s Laufbericht über diese Nacht ist auch heute noch wirklich lesenswert.

Und wie wird mein Bericht nächste Woche ausfallen?

… noch 39.700 …

Braveheart Battle in Münnerstadt – mehr Arbeit für die Bestatterschule?

In der fränkischen Stadt Münnerstadt befindet sich nicht nur das Bundesausbildungszentrum Bestatter, sondern dort gibt es auch 30 Gräber, an denen niemals Trauernde stehen ...

Ob die Veranstalter des Braveheart Battle gerade Münnerstadt als Schlachtfeld ausgewählt haben, weil es dort eine Bestatterschule gibt? Im Zweifel hat das für uns Teilnehmer ja Vorteile, es entstehen nur geringe Wartezeiten, um nach dem Scheitern auf dem „Battlefield“ in die weiche, warme Erde zur letzten Ruhe gebettet zu werden. Was in diesem Fall wohl auf den Grabsteinen stehen würde?
Andererseits kann eine Beerdigung in Münnerstadt auch ein echtes Problem werden. Wenn die Schüler der Bestatterschule sich nicht sicher sind in dem, was sie tun, kann das übel enden.

Nicht übel enden aber wird unser Kampf auf dem Schlachtfeld gegen die Barrikaden, gegen kaltes Wasser, zähen Schlamm und gegen uns selbst. Und härter als die „langen Kanten“ im derzeitigen Schnee kann es ja eigentlich auch nicht werden. Gespannt bin ich, wie die Abschnitte sein werden, wo wir durch den Schlamm robben müssen. Beim ToughGuy sind nur wenige Zeitimeter über Dir Metalldrähte gespannt, gute Gründe, den Kopf auch tief unten zu halten und immer wieder von dem teigigen Schlamm zu kosten.

Beim ToughGuy gab es auch etwas höher gehängte Netze, die scheinbar leichter zu bewältigen sind. Sind sie aber nicht, weil ruckzuck eine Schnur des Netzes einen roten Striemen auf der Stirn hinterlässt und Dein Kopf gleichzeitig in den Nacken gestoßen wird. Noch nach mehr als einem Jahr denke ich an den Schmerz, den schon das erste Netz bei mir verursacht hat. Danach habe ich mir immer einen groß gewachsenen Vorläufer ausgesucht und bin hauteng hinter ihm unter den Netzen durchgelaufen, das hat geholfen.
Das Risiko aber war, dass sich Deine Nase, wenn der Vorläufer überraschend stehen geblieben ist, mitten in der Po-Ritze dieses Läufers bohrt und Deine Wangen nehmen unangenehmen Kontakt mit den Po-Backen von ihm auf. Aber besser als einen weiteren Striemen zu riskieren. Es riecht zwar, aber es tut nicht weh.

Gespannt bin ich auch darauf, ob wir durch Wasser laufen, im Wasser schwimmen oder sogar im Wasser tauchen müssen. Sicherlich wird dieses, bestimmt unappetitlich schmutzige Wasser Mitte März nicht nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt kalt sein, das wird den Kontakt mit dem kühlen Nass angenehmer machen.

Ob aber die Veranstalter angenehmer sein werden als Mr. Mouse vom ToughGuy oder die professionellen Kollegen vom StrongManRun wage ich zu beweifeln. Während die Veranstaltungsagentur des StrongManRuns mit dem „Ausbilder Schmidt“ einen kabarettistischen Bundeswehr-General engagieren, der Dich mit liebevollen Worten wie „Los Du Lusche!“ motiviert, sind die Veranstalter des Braveheart Battle selbst und wirklich Drill-Inspektoren der „Truppe“.
Die Liegestützen, die wir machen müssen, wenn eine Übung misslingt, machen mir schon jetzt Kopfschmerzen und sie sind wohl noch die geringsten Strafen, die uns blühen, wenn wir schwach und ausgelaugt wirken.

Noch müssen wir harte 28 Tage, exakt einen Monat, warten, bis wir erst auf dem Schlachtfeld in Münnerstadt Erfolg haben und siegen werden, um dann eines der dreißig räber in Münnerstadt zu besichtigen, an denen niemals getrauert wird, weil es ja nur Übungsgräber sind.

Wir jedenfalls werden auch nicht trauern, sondern ein oder zwei der leckeren oberfränkischen Biere im Ziel austrinken, nicht um diese zu genießen, sondern, um denen zu gedenken, die am 13. März 2010 auf dem Schlachtfeld in Münnerstadt aufgeben müssen …
Und wir trinken auf die Sinnsprüche, die im Bundesausbildungszentrum Bestatter an der Wand hängen, so beispielsweise zwischen Raum 1.16 und der Übungskapelle:

„Den eigenen Tod immer ein bisschen im Auge behalten: das beruhigt und erfrischt zugleich.“ Oder:
„Meine Tante antwortete mir neulich auf die Frage, ob sie Angst vor dem Tode habe: ›Nein, nein. Nur ein bisschen Reisefieber.‹“

Helden für ein ganzes Leben …

Am Sonntag ist es wieder soweit:
der TOUGH GUY startet in England, in der Nähe von Wolverhampton!

Es ist zwar nicht das „härteste Rennen der Welt“, aber ein ganz besonderes Ding ist das schon. Immerhin treffen sich mehr als 5.000 Läufer aus der ganzen Welt, um wenigstens 110 Pfund Startgeld loszuwerden – und auch ein wenig mehr, wenn Du ganz vorne starten willst. Und wenn es Dir auf die Zeit ankommt, dann bist Du gut beraten, diese 75 Pfund Zuschlag zu bezahlen, denn es gibt nur eine Brutto-Zeit und die beginnt zu laufen, wenn die erste Startgruppe den Berg herunterrennt und so durch die Kanonenschläge hastet.

(klicken zum Vergrößern) - viele Fotos sind hier vom SMR, aber Bild 2 & 3, Bild 5 & 6 sowie Bild 11 & 12 (Feuer, Matsch, Balancieren) sind vom TG

Ich erinnere mich noch gut an meine Teilnahme in letzten Jahr, an die Kälte, an das Eiswasser, an den Schnee und an das unkontrollierte Zittern am Ende des Laufs – schade, dass ich 2010 nicht wieder dabei sein kann!
Ich allerdings war 2009 nicht bereit, jene 75 Pfund an Zusatzkosten zu berappen, um in einer vorderen Gruppe starten zu können, aber dennoch konnte ich am Ende ein respektables Ergebnis vorweisen. Von ganz, ganz hinten gestartet kam ich immerhin noch ins vordere Drittel.
Aber wer interessiert sich hier wirklich für die Zeit, die Du brauchst? Ist es nicht viel schöner, dieses Event ausgiebig zu genießen?

Jeder Sprung ins eiskalte Wasser, jeder Tauchgang unter den Holzbalken durch, jeder gefühlte Hammerschlag, der auf Deinen Kopf trifft, wenn Du in das braune und eiskalte Wasser eintauchst, alles ist eine klare Botschaft für Dich. Und die Botschaft heißt: „DANKE, lieber Gott, dass ich hier dabei sein darf! DANKE, dass ich leben darf!“
Die ersten Kilometer sind ja noch verhältnismäßig einfach, es sind die „Country Miles“, aber auch da gibt es schon schwierige Hindernisse, Stromschläge und zwei Dinge, die ich wohl nie vergessen werde:

„Slalom“, hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Anstieg auf einen Hügel, der nicht allzu hoch, dafür aber verdammt steil ist. Und kaum bist Du oben machst Du auch sofort eine 180 Grad-Wende und läufst parallel den Hügel wieder runter. Und Du machst eine 180 Grad-Wende und rennst wieder hoch … und wieder runter … und wieder hoch … und wieder runter … insgesamt 10 Mal geht es den Hügel hinauf und spätestens nach fünf Runden trennen sich die Läufer, denen es noch einigermaßen gut geht, von den Kraftsportlern, die jetzt von Wadenkrämpfen geschüttelt werden.

der Kanal, ein Wassergraben, der Dich bis zur Hüfte in schmutzig-kaltes Wasser bringt. Ein tiefer Sprung ins kalte Nass, zwei Meter durchwaten und eine schlammige und sehr hohe Kante wieder rauf. Dabei rutscht Du bestimmt ein paar Mal ab und somit wieder ins Nasse zurück und schließlich freust Dich, wenn sich jemand erbarmt und Dir aus dem Wasser hilft. Aber kaum hast Du diese Prozedur hinter Dich gebracht machst Du eine 180 Grad-Wende und … ach den Rest kennst Du ja schon vom Slalom. Aber es sind nicht 10, sondern 20 solcher Bahnen zu machen und die nassen Zehen frieren, Du zitterst am ganzen Körper und hoffst, dass Du danach wieder etwas Tempo aufnehmen kannst, um nicht mehr zu frieren.

Schade aber ist es um diejenigen, die keine Kraft mehr für einen Spurt haben, denn die frieren weiter. Wenn Du hier Deine Körpertemperatur nicht mehr hoch bekommst, dann brauchst Du die schwierigen Passagen erst gar nicht mehr angehen.

Die schwierigen Passagen heißen „The Killing Fields“ und nicht nur dort wirst Du stets gewarnt und erinnert, dass Du ja ein „Death Warrant“ unterschrieben hast, die Bestätigung, dass Du selbst verrückt genug warst, diese Herausforderung aus eigenem Antrieb zu bewältigen und dass Deine Angehörigen keinerlei Regress-Ansprüche gegenüber dem Veranstalter erheben werden, wenn Du dabei sterben solltest.
Sterben tut natürlich niemand dort, aber für eine eklige Hypothermie (Unterkühlung) und für Erschöpfungszustände aller Art ist dieser Lauf schon geeignet. Man kann es auch so formulieren: die Krankenhäuser der Umgegend bekommen durch dieses Event recht viel Arbeit.


Was dann auf den „The Killing Fields“ auf die Läufer zukommt?

Einiges, vor allem viel kaltes Wasser, immer und immer wieder. Vergleicht man den TG mit dem StrongManRun (SMR), dann merkst Du, dass viele Elemente des TG beim SMR Einzug gefunden haben, aber eben in einer abgemilderten Form und vor allem nicht so penetrant permanent. Ein Mal ins kalte Wasser beim SMR pro Runde, ein steiler Hügel, ein Hindernis dieser Art, aber eben nicht zehn, nicht zwanzig Mal das gleiche. Und endet das Wasser beim SMR beim Schwimmen, dann bist Du beim TG mindestens fünf Mal komplett unter Wasser, ob beim oben schon erwähnten Tauchen unter den Holzbalken und der Holzbrücke durch oder beim Sprung ins kalte Elend von dem drei, vier Meter hohen Balken.
Jump – hinein ins Vergnügen! Und tauchen und schwimmen und frierend schnattern!

Aber Du bekommst einen Anflug von homoerotischen Liebesgefühlen gegenüber den Tauchern, die mit Argus-Augen darüber wachen, dass keinem wirklich etwas Schlimmes geschieht. Die Taucher im Wasser sehen Dich an, fragen Dich etwas und nehmen Dich aus dem Rennen, wenn sie den Eindruck haben, dass Du nicht mehr Herr Deiner Sinne bist. Hypothermie kann ganz schön gefährlich sein, Du selbst bekommst das dabei noch nicht einmal mit, nur die Menschen um Dich herum denken über Deinen Geisteszustand nach …

Der Geisteszustand der Läufer muss sowieso nahe der Unzurechnungsfähigkeit sein, denn diese Strapazen nimmt der gewöhnliche Läufer auf sich, nur um in den „The Killing Fields“ Held für ein ganzes Leben zu werden. Und so bekommt auch der Sieger dieses Laufs regelmäßig nicht mehr als Ruhm und Ehre. Und einen Kakao, von dem Du die Hälfte, unkontrolliert zitternd, verschüttest.
Bekleckert mit Ruhm und Ehre, im Gefühl, Held für ein ganzes Leben zu sein, saß ich am Ende im Auto und beobachtete den fallenden Schnee und die Unglücklichen, die oft erst zwei, drei Stunden nach mir im Ziel ankamen. Und je langsamer Du läufst, desto mehr frierst Du.

Held für ein ganzes Leben sein ist wirklich nicht einfach!

BraveheartBattle 2010 – ich freue mich darauf!

18 Kilometer durch Matsch und Schlamm - aber mit den besten Freunden!

Der 13. März 2010 wird für die Tapfersten der Tapferen ein ganz besonderer Tag sein. Ein Tag, an dem die ToughGuys und die StrongMen zu Bravehearts werden können!

Es ist der Samstag knapp drei Wochen, bevor es Richtung Marokko zum MdS (Marathon des Sables) gehen wird, der Samstag, der kein normaler Samstag sein wird. Wieder werde ich viele Freunde treffen, Mädels und Jungs, die sich beim UTMB bewährt haben, die nonstop 166 Kilometer um den MontBlanc gelaufen sind und dabei 9.400 positive Höhenmeter bezwungen haben.
Mädels und Jungs, die eisenhart scheinen und das bei unzähligen Marathons und Ultra-Marathons bewiesen haben – und doch werden wir alle zittern!

Zittern, ob wir auch dieser Prüfung gewachsen sein werden: dem Braveheart Battle 2010!

Das Battlefield: 18 Kilometer sind zu absolvieren und unzählige Hindernisse und Barrikaden sind zu überwinden. Dreck wird gefressen werden, wie die Säue werden wir uns im Schlamm suhlen und durch kaltes und trübes Wasser waten. Wir werden über Hindernisse klettern, den einen oder anderen Hieb abbekommen und ohne Blessuren wird der Tag nicht zu Ende gehen – aber wir werden Spaß haben!

Hindernisse mit so wohlklingenden und romantischen Namen wie Loch Ness, Brave Wall, Creep Trench, Step Peel, Hell Pipes, Sludge Zone, Hoop Tomb, Soapy Rope, Hamburger Hill, Water Zone, Iron Curtain, Riverdance, Woodpecker oder Straw Hump versprechen all das Schöne, das Weicheier hassen: Kälte, Pein und Krämpfe!

Szene aus dem ToughGuy in England - so schön soll es auch beim BraveheartBattle werden!

Der Höllenparcours wird zumindest mich an die psychischen und physichen Grenzen bringen – das hoffe ich zumindest.
Mein Maßstab für die Qualität dieses Events wird zweifelsohne der ToughGuy im englischen Wolverhampton sein, die Erinnerung an zwei Dosen Melkfett im Gesicht und auf dem Körper, an das häufige Tauchen in Wasser am Gefrierpunkt und an das unkontrollierte Zittern im Ziel bei diesem Event sind bei mir ja noch allgegenwärtig. Von dem heißen Kakao, den es im Ziel gab, habe ich zumindest die Hälfte bei diesen Zitterattacken verschüttet!

Der Veranstalter des BraveheartBattle, das PAS-Team, hat sich einiges ausgedacht und hat uns Schweiß, Schmerzen und Spaß garantiert! Wenn Du also mit Grace, Bernie, Kurt und mit mir leiden willst, dann sei dabei!

All das werden wir unter den Augen von Thomas D, dem „real Braveheart“ tun, angefeuert von Musik und einem hoffentlich großen und begeistertem Publikum. Und stattfinden wird dieser Lauf in der schönen fränkischen Stadt Münnerstadt. Als gebürtiger Franke habe ich zwar nicht erwartet, diese Region bald wegen so einer schweißtreibenden Sauerei zu besuchen, aber ich freue mich, dass ich nun das Frankenland gedanklich nicht nur mit Lebkuchen, diverse Biersorten und Nürnberger Rostbratwürste verbinden kann, sondern dass dieses nordbayrische Gebiet auch für die angenehmen Seiten des Lebens steht, für Blut, Schweiß und Erde. Und natürlich auch für die Medal of Honor, die das bestätigen wird, dass ich dieses Battelfield am 13. März als Braveheart verlassen haben werde.

Wetten wir, dass ich das schaffe?

Edit: ich habe am 27. Januar einen Artikel über die „Mutter des BraveheartBattle“, über den „ToughGuy“ geschrieben. Interessiert? Dann klicke hier …

Edit 2: ich habe am 13. Februar 2010 einen ergänzenden Artikel über das „BraveheartBattle“ geschrieben. Du willst ihn lesen? Dann klicke hier …

Edit 2: ich habe am 10. März 2010 ein letztes Update über das „BraveheartBattle“ geschrieben. Etwas zum lachen oder zumindest zum lächeln! Klicke hier …