Scarlett O’Hara küsst Zauberlehrling

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„Vom Winde verweht“ erlebten wir am vergangenen Samstag beim NEU (Nord Eifel Ultra) live. Und ich dachte ständig an die schöne Scarlett O’Hara, jedes Mal, wenn wir wieder ganz besonders stark „vom Winde verweht“ wurden.
Da war jeder froh, der dank ein paar Pfunden zuviel dem Wind etwas entgegen zu setzen hatte. Ich war einer davon, untertrainiert, übergewichtig und auch im optimalen Fall für Ultraläufer deutlich zu schwer.

Der stamme Wind von vorne treibt Deinen Puls nach oben, Du drückst mit dem ganzen Körper gegen den von vorne blasenden Wind und dennoch kommst Du kaum voran.
Zwei richtig stramme Laufpassagen ziemlich am Anfang der 56,3 Kilometer waren so zu bewältigen und ich überlegte, wie ich mich von diesem Lauf verabschieden könnte, ohne dass es allzu peinlich wirken würde.
Als dann der Wind jedoch nachließ, wir wieder in den Wald kamen und das Laufen wieder erträglicher wurde, war ich dann doch sehr froh, nicht „gekniffen“ zu haben.

Am Vortag noch, als ich mich auf den Lauf einzustimmen versuchte, telefonierte ich mit Susanne Alexi. Ich wusste, dass ich im Grunde seit dem Eisweinlauf Mitte Dezember keine lange Einheit mehr gelaufen bin, außerdem bin ich auch nur sehr wenige kurze Einheiten gelaufen. Ich war also faul, der Arbeit und der chronischen Unlust geschuldet.
Aber Susanne beruhigte mich, als sie sagte, dass Florian Bechtel auch schon lange keine lange Strecke mehr hinter sich gebracht hat und dass es Ultramarathon – Einsteiger geben würde, perfekt.
Auf der Webseite las ich, dass wir in einer Zeit von 7 bis 10 Minuten pro Kilometer laufen würden – und ich lachte innerlich. Doch so langsam?
So würden wir für die Gesamtstrecke bei der 7er Zeit mindestens 6 1/2 Stunden brauchen, bei der 10er Zeit sogar knapp über 9 Stunden! Wie langsam ist das denn, dachte ich. Aber ich war zufrieden, weil ich nach der langen Pause sowieso Sorgen hatte, zu langsam zu sein.
Erst am Ende der Strecke, als wir kurz vor 18.30 Uhr wieder auf dem Annakirmesplatz in Düren angekommen waren, weit über 9 Stunden nach dem Start, wusste ich, dass das alles andere als langsam für mich war. Nicht nur das: zwischen km 50 und 53 war ich weit abgeschlagen hinten, konnte kaum mehr laufen, fühlte mich elend, wechselte Laufpassagen mit Gehpassagen, weil ich vollkommen fertig war und hoffte, zumindest nicht den Anschluss an den vorletzten, an Jörg Segger, zu verlieren.

Und ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich auf die Stirnlampe verzichtet hatte, im irrtümlichen Glauben, 56,3 Kilometer noch am Nachmittag abgelaufen zu haben. Wenn ich also den Anschluss verpasst hätte, dann hätte ich ohne Licht, ohne Karte und ohne Ortskenntnis dagestanden und mich irgendwie durchschlagen müssen. Erst ab km 53 ging es wieder und ich fand Anschluss nach vorne, aber ich sagte mir, dass ich nie wieder einen Lauf vorher einschätzen will.

Der stramme Wind von vorne, der mich stets an Scarlett O’Hara senken ließ, war aber nicht das einzige Problem, das wir hatten. Da war auch noch der Goethe’sche Zauberlehrling – und der sorgte für „Wasser satt“.

Manchmal schien es mir, als wären wir beim „StrongManRun“ oder einem der anderen Matsch-Rennen. Ob es der Schnee war, der so weich war, dass Du permanent eingebrochen bist, ob es das Gras war, das sich in weichen moderigen Schlamm verwandelt hatte oder ob es die meist überfluteten Wege waren: Wasser war immer da, Wasser war omipräsent!

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Und so versuchten wir am Anfang, mit der Auswahl der optimalen Route die Füße noch einigermaßen trocken zu halten, aber schon bald war klar, dass das alles sowieso keinen tieferen Sinn ergeben würde. Von da an ging es eben geradeaus mitten durch das Wasser, mitten durch die Bäche.

Du frierst an den Füßen, an den Zehen – obenrum aber war es warm. Die Sonne erschien immer wieder am Himmel, die Luft war fast frühlingshaft warm, es war ein ganz besonderes Wochenende.
Dazu passte die Strecke, die auch sehr interessant war. Trailig, nicht allzu viele Höhenmeter, aber eben durch die Bedingungen doch sehr anstrengend.
Ob auf dem Smugglerweg, bergauf oder bergab, durch den Wald, die Wiesen oder die Dörfer – ich genoss jeden Meter, auch wenn er anstrengend war.

Und ich redete viel. Mit Susanne Alexi und Jörg Benz zuerst und dann mit Bernd Rohrmann aus Hagen. Er wurde mir beim „Trail Uewersauer“ in Luxemburg schon von Günter Meinhold kurz vorgestellt und wir liefen auch die „TorTOUR de Ruhr“ gemeinsam, er in seiner 100 Meilen-Premiere auf der 160 Kilometer Strecke, ich auf der 230 Kilometer Strecke.
Auch das weitere Programm des Jahres deckt sich auffällig oft. Rennsteiglauf, K-UT, der SH Supertrail … wir redeten ununterbrochen, bis es mir so schlecht ging, dass ich alleine sein und schweigen wollte. Aber da waren schon 50 Kilometer vorbei, es war schon dunkel und ich wollte nur noch nach Hause.

Am Ende konnte ich nicht einmal mehr auf Bernd warten. Es war schon so spät, dass ich schnell Richtung Leichlingen musste. Ein Freund hatte zu einer Après Ski Party eingeladen.
Scarlett O’Hara und der Zauberlehrling blieben auf der Strecke – aber an den unglaublichen Wind, an das viele Wasser und an einen zauberhaft anstrengenden Lauf werde ich noch lange denken.

100 x 397 = ?? – noch ist eine Rechnung offen …

Es ist Sonntag, früher Morgen, kurz vor 6 Uhr: 60 Runden habe ich in den vergangenen 14 Stunden gedreht und meine Rundenzeiten haben das erste Mal die 15-Minuten-Marke überschritten.

Was ich weiß ist, dass ich keine Lust mehr habe, was ich nicht weiß ist, dass ich auch während eines Rennens regenerieren kann. Dass ich keine Lust mehr habe, liegt daran, dass ich mir ausgerechnet habe, mit der letzten Rundenzeit die geforderten 100 Runden bis zum Nachmittag nicht schaffen zu können, aber dennoch ist es doof, aufzuhören.

Am liebsten würde ich sofort nach Hause fahren, aber Gabi, meine allerliebste Gabi, steht noch nicht an der Strecke, sondern ist noch im Zimmer in ihrer Pension und träumt vielleicht noch den Albtraum aller Supporter: das Essen für den Läufer vergessen, den Start verpasst, die falsche Ausfahrt genommen oder die Wechselklamotten zu Hause gelassen …

Ich lasse mich jetzt 20 Minuten lang massieren, das hilft immer, zumindest hilft es, die Zeit tot zu schlagen. Aber Gabi ist auch danach noch nicht an der Strecke, also beginne ich langsam wieder mit dem Lauf und nach der 61. Runde steht sie oben am Wendepunkt und winkt mir fröhlich zu.

„Ich höre jetzt auf,“ sage ich und sie antwortet entgeistert, dass ich noch frisch und gut aussehen würde. Aber weil ich denke, dass ich irgendwo zwischen 92 und 98 Runden den 24-h Lauf abschließen würde, will ich nicht mehr laufen. Ich will nur noch heim und möglichst viel von dem sonnigen Sonntag genießen.

All das ist jetzt knapp ein Jahr her und der Stachel, den ich mir damals ins Fleisch getrieben habe, sitzt noch immer tief. Und er schmerzt. Noch nie habe ich ein wichtiges Rennen abgebrochen, noch nie habe ich ein mir wichtiges Ziel nicht geschafft, außer damals, im Mai 2010 auf der Spitzhaustreppe im sächsischen Radebeul.

Ich habe also noch eine Rechnung offen mit den 397 Stufen dieser Treppe und diese Rechnung wird am kommenden Wochenende beglichen! Im direkten Duell, die Treppe gegen mich …

Egal, was kommt, es wird mein letzter Start beim „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathon“ sein und wenn ich wieder scheitere, dann soll es auch eine offene Wunde fürs Leben sein. Aber ich werde nicht scheitern! Trotz der noch immer wunden Füße und trotz der mangels Zeit kaum möglichen Regeneration nach dem „Marathon des Sables“ (MdS) werde ich nicht scheitern, sondern langsam, aber stetig Stufe für Stufe nehmen und dabei leise mitzählen:
„Noch 39.699, noch 39.698, noch 39.697 …“

Auf keinen Fall werde ich vorzeitig aufgeben, auch nicht, wenn ich realisiere, dass ich die geforderten 100 Runden innerhalb der gesetzten Laufzeit von 24 Stunden nicht erreichen kann. Dann ende ich halt bei 87 Runden oder bei 94 Runden oder wegen mir auch bei 99 Runden, aber ich gebe nicht auf, denn ich will, dass mein Name in das Gipfelkreuz der Spitzhaustreppe gehauen wird. Es wäre dort in guter Gesellschaft mit all den bisherigen Finishern dieses Laufs, zu denen ich momentan nur ehrfürchtig aufschauen kann.

... mein Ziel, der Eintrag im Gipfelkreuz der Spitzweg-Treppe in Radebeul

Vielleicht sollte ich den „Ausbilder Schmidt“ vom StrongManRun mitnehmen, damit er mir ein paar passende Worte in der Nacht zubrüllt, wenn ich schwach und weich werden sollte. Oder ich leihe mir Bernie Conradt’s Frau Sabine aus, die ihn 2008, mitten in der regnerischen und kalten Nacht von Radebeul, wieder mit den Worten auf die Strecke schickte: „Ich denke, Du bist zum Laufen hier?“ Auch ließ Sabine Bernie’s Hinweis darauf, dass es schwer sei, da zu laufen, nicht gelten und antwortete: „Wenn es leicht wäre, wärest Du nicht hier, Bernie!“

Bernie hatte Sabine tief gefrustet und unterkühlt in der Nacht angerufen, um aufzugeben und um ins warme Bettchen abgeholt zu werden. Ihre „Gardinenpredigt“, sein wiedererwachter Siegeswille und Dutzende von Salamibroten haben es dann bewirkt, dass mein Lauffreund Bernie Conradt einer von denen ist, zu denen ich ehrfürchtig aufschauen muss. Bernie’s Laufbericht über diese Nacht ist auch heute noch wirklich lesenswert.

Und wie wird mein Bericht nächste Woche ausfallen?

… noch 39.700 …

BRAVEHEART-BATTLE: die letzten Updates vor der Schlacht …

BraveheartBattle 2010 – hart, härter, Braveheart!

Die heiße Phase der Schlachtvorbereitungen für den Braveheart Battle 2010 hat begonnen, denn es sind nur noch 3 Tage bis zum Start dieses Extremlaufs.
Langsam bekommen wir Klarheit über das Wetter – es wird richtig gut: eiskalt, windig, eklig, vielleicht wird es in Franken sogar schneien, soll doch keiner sagen, dass wir es kuschelig warm hatten!
Und wir kennen jetzt die Strecke: es ist ein 18,64 km langer Laufparcours ausgewiesen und wir Läufer des Braveheart Battle 2010 müssen uns warm anziehen:


an 33 Folterstationen müssen wir beweisen, dass wir wahrlich echte Bravehearts sind und wir müssen uns mit Tapferkeit, Mut, Ausdauer und absolutem Siegeswillen durch den Höllentrip kämpfen. Ab dem Startschuss am Samstag um 12:00 Uhr bleiben genau 6 Stunden Zeit, um die Strapazen des Rockstar Braveheart Battle 2010 zu bewältigen und die „Medal of Honor“ zu erkämpfen.

6 Stunden? Beim ToughGuy, der ähnlich lang ist, habe ich kaum mehr als 120 Minuten gebraucht! Wenn ich mich also auf 360 Minuten einstellen muss, dann bedeutet dies, dass ich noch mehr frieren werde. Vielleicht sollte ich heute Abend und auch noch bis zum Start am Samstag ordentlich essen, um mir noch eine wärmende Speckschicht anzufuttern, damit ich diesem Problem Herr werde?
Beim Zielfoto allerdings sollten die Speckröllchen wieder weg sein, immerhin könnte ja jemand die Fotos ansehen und erstaunt rufen: „Schau mal da, Dickie Tom!“

Bereits jetzt freue ich mich auf die die Braveheart Battle-Partys vor und nach dem Lauf. Wenn diese nur halb so professionell sind wie die des StrongManRuns, dann werde ich mich doppelt freuen, dass ich auch noch von Samstag auf Sonntag in Münnerstadt schlafen werde. Schade nur, dass ich – entgegen dem StrongManRun – hier wohl nicht in die VIP-Zelte gehen darf. Oder hat einer der vielen Götter im Himmel ein Einsehen mit mir und lässt eine VIP-Karte vom Himmel fallen?

Ich werde schon am Freitag Nachmittag ins Frankenland fahren und habe mir für zwei Nächte eine Bleibe gebucht. So kann ich mich am Samstag früh gut auf die Schlammlöcher vorbereiten, auf den 6,5 m hohen Wall und auf die rutschigen Seilstege. Aber ich hoffe doch, dass die 6,5 Meter optimistisch gemessen wurden und wir alle nach dem Lauf feststellen, dass das „keine 20 Zentimeter“ waren, die 32,5 Mal diese 6,5 Meter ergeben sollten.

Ich werde mich dann mit einer ganzen Dose Melkfett einreiben, meine ToughGuy Handschuhe reaktivieren und mich in alte Laufklamotten werfen, bei denen es nicht schade ist, wenn ich hier oder da ein Löchlein ins Gewebe reiße.
Den Lauf selbst werde ich sehr bedächtig angehen, um Zeit zu haben, vor den Kameras zu posieren. Außerdem muss ich meine Kraft einteilen, weil ich am Sonntag ja noch einen kleinen „Bonbon“-Lauf absolvieren möchte.

Die Reihenfolge der Hindernisse des Braveheart Battle 2010:

1. Schäferswand „Brave Wall“: Ein höllisch hohes Kletterhindernis eröffnet den Braveheart Battle 2010 Parcours und macht uns Braveheart-Anwärter sogar insgesamt 4 mal schwindelig.
2. Direkt danach zwingt uns der „Creep Trench“ für 50 m auf die Knie. So schön haben wir noch nie gebetet!
3. Schweißtreibend sein wird es sein, wenn wir uns durch das Kriech- und Kletterhindernis „Hell Pipes“ / Seger-Tunnel kämpfen. Wir Kampf-Säue werden dort ein ständiges „Auf und Nieder“ erleben.
4. Das Stufenhindernis „Step Peel“ bringt uns Himmelsstürmer dann dem Braveheart Battle Himmel entgegen und dem Sieg einen Schwertschlag näher. Schlimmer als der „Sächsische Mt. Everest Treppenmarathon“ kann das nicht werden!
5. Danach wird endlich ein wenig gelaufen. Nach einer längeren Strecke an der Lauer entlang, auf der wir richtig Tempo machen können, müssen wir den Fluss über die „Soapy Ropes“ von überqueren – wer hier fällt, holt sich mehr als nur nasse Füße. Aber wer fällt, der fällt wenigstens auf.

Dann ist Halbzeit des Braveheart Battle 2010. Bestimmt bekommen wir dann einen Pausentee und vom Inspektor einen ordentlichen Einlauf. Schon jetzt höre ich die melodische Stimme des Drill Inspektors, der, um die säuselnde Stimme zu schonen, durch ein auf „extrem laut“ gestelltes Megaphon ruft: „Los Ihr Luschen!“. Und damit sich diese freundliche Botschaft bis in die Zehenspitzen verteilt, hält der Coach jedem einzelnen der ermatteten Tee-Trinker dieses röhrende Megaphon direkt ans Ohr. Das Klingeln im Kopf wird uns dann in die gesamte zweite Hälfte begleiten …

Dann wird die Kampflaufstrecke auf der anderen Flussseite ohne weitere Hindernisse zurückgelaufen, wie schade. Aber zum Glück droht an der Verpflegungsstation der Kampf um Wasser, Obst und isotonische Getränke. Wer Glück hat und etwas davon abbekommt, der darf am Ende dieser Braveheart Battle Etappe noch einmal die Hindernisse 3, 2 und 1 bezwingen.

6. Mit einem „Riverdance“ – Tanz über den Fluss – geht es weiter bei Station 6: nur wer seine innere Balance erlangt, kommt trocken über die rutschige Dünisch-Brücke. Ich glaube, ich setze mich dort im Schneidersitz auf das Holz, falte meine Hände zur Meditation auseinander, lasse ein tiefes „Ommm“ durch den Körper jagen und stehe erst wieder auf, wenn ich so viel innere Balance gefunden habe, dass ich über diese Hürde fliegen kann.
7. Direkt danach folgen die „Straw Hump“ Swinger-Barrikaden: Münnerstadts „rote Meile“ besteht aus mehreren Strohballen verschiedener Höhen. Offensichtlich wissen die Münnerstädter also nicht, dass Swinger ihr Glück nicht unbedingt in Strohballen suchen.
8. Bis wir Braveheart-Möchtegerns uns wieder bei einer langen, geraden und hindernisfreien Sprint-Strecke erholen können, kommen wir erst noch zum „Hoop Tomb“, der „Knochenbrecher“-Hürde.
9. Eine wahrlich große Herausforderung des Braveheart Battle 2010 wird der enorm kräftezehrende Quad-Schwarz-Graben, „Death Valley“ genannt, bei dem es durch einen unwegsamen Hohlweg 3,5 km steil bergauf geht. Dagegen wird mein Juni-Trip zum „Canyon du Verdon“ ein wahres Zuckerschlecken sein. Aber Zucker kann sehr gefährlich sein …
10. Zum Abkühlen dürfen wir dann durch die „Sludge Zone“ kriechen, durch 50 m Schlamm. Das klingt irgendwie eklig. Zwar hat Mutti gesagt: „Dabei sein ist alles!“, aber sie hat auch gesagt, dass ich mich nicht schmutzig machen soll.

11. Danach wartet das  „Straw Hump“ Strohhindernis, die Reichenbacher Barrikaden, errichtet von der Reichenbacher Dorfjugend, auf uns, der ideale Hautkitzel, bevor wir anschließend durch den Reichenbacher Schlammsee getrieben werden. Den Schlamm seh’n im Schlammsee …, aber „Dabei sein ist alles!“
12. Das „Loch Ness“ ist nur für Braveheart-Schwimmer geeignet. Mitte März bietet es sicher eine erholsame Badetemperatur, zumindest wird das Wasser ein halbes Grad wärmer sein als die umgebende Luft – diese Schikane wird von den Fischfreunden aus Reichenbach betreut. Vielleicht sollte ich mir von meinem Vater doch die Angelrute leihen und dort nach Fischen und Ertrinkenden fischen?
13. Beim Outdoor-Extrem-Berglauf „Hamburger Hill“ auf 380 m quer durch den Wald wird es uns Braveheart Battle 2010 „fast schon“ Bezwingern sicher schnell wieder warm werden – der eine oder andere wird aber vermutlich auf der Strecke bleiben, das ist aber auch wichtig, damit die Nachfolgenden die Gestrauchelten nach dem Weg fragen können …
14. Die Bad Kissinger Höhe wird masochistischen Läufern mit Sicherheit „ein königliches Vergnügen“ bereiten. Hier verteilt der Slalomparcours „Iron Curtain“ leichte elektrische Schläge an ungeschickte Braveheart Battle Torkler. Beim ToughGuy gab es diese Stromschläge auch. Sie sind preiswerter als die Qual im örtlichen S/M – Studio, also ran an die Fäden: „Gimme more, more, more, more, more …“
15. Zu guter Letzt geht der Spaziergang wieder in das beschauliche fränkische Städtchen Münnerstadt zurück, doch muss erneut ein Braveheart Battle 2010 Schlammhindernis durchquert werden, die „Funk Holes“ der Gessner-Gräben. Langsam glaube ich doch, dass ich nicht vollkommen sauber bleiben kann. Mutti wird sich ärgern …

Bevor der kräftezehrende Rückweg beginnt gibt es noch eine erneute „Schlacht am kalten Buffet“. Zwar gilt da: „All U Can Eat“, aber nicht jeder wird zwei, drei Stündchen verweilen können, um dieses Angebot auch ausgiebig zu nutzen. Vielleicht, ganz vielleicht, haben die Betreuer der Verpflegungsstelle auch einen DELIVERY SERVICE? Sicherheitshalber schreibe ich die Adresse und die Zimmernummer meines Hotels mal auf ein Zettelchen, das ich dort liegen lasse. Wer weiß, am Ende bekomme ich noch abendlichen Besuch vom Pizza-Buffet-Man?

Nach der ausgedehnten Mittagspause am „All U Can Eat“-Stand geht es über die Folterkammern 11 – 6 zurück nach Münnerstadt und noch einmal am Fluss entlang über die Stationen 2, 3, 4, 5 sowie 3 und 2. Wenn ich es dann, noch vollgefuttert von dem Mittags-Buffet, erneut über die mörderisch hohe Schäferswand „Brave Wall“ schaffe, dann bin ich verdient im Braveheart Battle 2010 Himmel angelangt, schnappe mir die begehrte „Medal of Honor“ und trinke den Veranstaltern den ganzen Rest an ROCKSTAR-EnergyDrink leer.

Und ich werde feiern und mich derart daneben benehmen, damit die Veranstalter mich im nächsten Jahr auf keinen Fall erneut einladen.
Der gute Eindruck, den ich noch vor dem Lauf gemacht habe, wird dann weg sein, die „Medal of Honor“ aber wird bleiben!

Was will ich mehr?

Braveheart Battle in Münnerstadt – mehr Arbeit für die Bestatterschule?

In der fränkischen Stadt Münnerstadt befindet sich nicht nur das Bundesausbildungszentrum Bestatter, sondern dort gibt es auch 30 Gräber, an denen niemals Trauernde stehen ...

Ob die Veranstalter des Braveheart Battle gerade Münnerstadt als Schlachtfeld ausgewählt haben, weil es dort eine Bestatterschule gibt? Im Zweifel hat das für uns Teilnehmer ja Vorteile, es entstehen nur geringe Wartezeiten, um nach dem Scheitern auf dem „Battlefield“ in die weiche, warme Erde zur letzten Ruhe gebettet zu werden. Was in diesem Fall wohl auf den Grabsteinen stehen würde?
Andererseits kann eine Beerdigung in Münnerstadt auch ein echtes Problem werden. Wenn die Schüler der Bestatterschule sich nicht sicher sind in dem, was sie tun, kann das übel enden.

Nicht übel enden aber wird unser Kampf auf dem Schlachtfeld gegen die Barrikaden, gegen kaltes Wasser, zähen Schlamm und gegen uns selbst. Und härter als die „langen Kanten“ im derzeitigen Schnee kann es ja eigentlich auch nicht werden. Gespannt bin ich, wie die Abschnitte sein werden, wo wir durch den Schlamm robben müssen. Beim ToughGuy sind nur wenige Zeitimeter über Dir Metalldrähte gespannt, gute Gründe, den Kopf auch tief unten zu halten und immer wieder von dem teigigen Schlamm zu kosten.

Beim ToughGuy gab es auch etwas höher gehängte Netze, die scheinbar leichter zu bewältigen sind. Sind sie aber nicht, weil ruckzuck eine Schnur des Netzes einen roten Striemen auf der Stirn hinterlässt und Dein Kopf gleichzeitig in den Nacken gestoßen wird. Noch nach mehr als einem Jahr denke ich an den Schmerz, den schon das erste Netz bei mir verursacht hat. Danach habe ich mir immer einen groß gewachsenen Vorläufer ausgesucht und bin hauteng hinter ihm unter den Netzen durchgelaufen, das hat geholfen.
Das Risiko aber war, dass sich Deine Nase, wenn der Vorläufer überraschend stehen geblieben ist, mitten in der Po-Ritze dieses Läufers bohrt und Deine Wangen nehmen unangenehmen Kontakt mit den Po-Backen von ihm auf. Aber besser als einen weiteren Striemen zu riskieren. Es riecht zwar, aber es tut nicht weh.

Gespannt bin ich auch darauf, ob wir durch Wasser laufen, im Wasser schwimmen oder sogar im Wasser tauchen müssen. Sicherlich wird dieses, bestimmt unappetitlich schmutzige Wasser Mitte März nicht nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt kalt sein, das wird den Kontakt mit dem kühlen Nass angenehmer machen.

Ob aber die Veranstalter angenehmer sein werden als Mr. Mouse vom ToughGuy oder die professionellen Kollegen vom StrongManRun wage ich zu beweifeln. Während die Veranstaltungsagentur des StrongManRuns mit dem „Ausbilder Schmidt“ einen kabarettistischen Bundeswehr-General engagieren, der Dich mit liebevollen Worten wie „Los Du Lusche!“ motiviert, sind die Veranstalter des Braveheart Battle selbst und wirklich Drill-Inspektoren der „Truppe“.
Die Liegestützen, die wir machen müssen, wenn eine Übung misslingt, machen mir schon jetzt Kopfschmerzen und sie sind wohl noch die geringsten Strafen, die uns blühen, wenn wir schwach und ausgelaugt wirken.

Noch müssen wir harte 28 Tage, exakt einen Monat, warten, bis wir erst auf dem Schlachtfeld in Münnerstadt Erfolg haben und siegen werden, um dann eines der dreißig räber in Münnerstadt zu besichtigen, an denen niemals getrauert wird, weil es ja nur Übungsgräber sind.

Wir jedenfalls werden auch nicht trauern, sondern ein oder zwei der leckeren oberfränkischen Biere im Ziel austrinken, nicht um diese zu genießen, sondern, um denen zu gedenken, die am 13. März 2010 auf dem Schlachtfeld in Münnerstadt aufgeben müssen …
Und wir trinken auf die Sinnsprüche, die im Bundesausbildungszentrum Bestatter an der Wand hängen, so beispielsweise zwischen Raum 1.16 und der Übungskapelle:

„Den eigenen Tod immer ein bisschen im Auge behalten: das beruhigt und erfrischt zugleich.“ Oder:
„Meine Tante antwortete mir neulich auf die Frage, ob sie Angst vor dem Tode habe: ›Nein, nein. Nur ein bisschen Reisefieber.‹“

Helden für ein ganzes Leben …

Am Sonntag ist es wieder soweit:
der TOUGH GUY startet in England, in der Nähe von Wolverhampton!

Es ist zwar nicht das „härteste Rennen der Welt“, aber ein ganz besonderes Ding ist das schon. Immerhin treffen sich mehr als 5.000 Läufer aus der ganzen Welt, um wenigstens 110 Pfund Startgeld loszuwerden – und auch ein wenig mehr, wenn Du ganz vorne starten willst. Und wenn es Dir auf die Zeit ankommt, dann bist Du gut beraten, diese 75 Pfund Zuschlag zu bezahlen, denn es gibt nur eine Brutto-Zeit und die beginnt zu laufen, wenn die erste Startgruppe den Berg herunterrennt und so durch die Kanonenschläge hastet.

(klicken zum Vergrößern) - viele Fotos sind hier vom SMR, aber Bild 2 & 3, Bild 5 & 6 sowie Bild 11 & 12 (Feuer, Matsch, Balancieren) sind vom TG

Ich erinnere mich noch gut an meine Teilnahme in letzten Jahr, an die Kälte, an das Eiswasser, an den Schnee und an das unkontrollierte Zittern am Ende des Laufs – schade, dass ich 2010 nicht wieder dabei sein kann!
Ich allerdings war 2009 nicht bereit, jene 75 Pfund an Zusatzkosten zu berappen, um in einer vorderen Gruppe starten zu können, aber dennoch konnte ich am Ende ein respektables Ergebnis vorweisen. Von ganz, ganz hinten gestartet kam ich immerhin noch ins vordere Drittel.
Aber wer interessiert sich hier wirklich für die Zeit, die Du brauchst? Ist es nicht viel schöner, dieses Event ausgiebig zu genießen?

Jeder Sprung ins eiskalte Wasser, jeder Tauchgang unter den Holzbalken durch, jeder gefühlte Hammerschlag, der auf Deinen Kopf trifft, wenn Du in das braune und eiskalte Wasser eintauchst, alles ist eine klare Botschaft für Dich. Und die Botschaft heißt: „DANKE, lieber Gott, dass ich hier dabei sein darf! DANKE, dass ich leben darf!“
Die ersten Kilometer sind ja noch verhältnismäßig einfach, es sind die „Country Miles“, aber auch da gibt es schon schwierige Hindernisse, Stromschläge und zwei Dinge, die ich wohl nie vergessen werde:

„Slalom“, hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Anstieg auf einen Hügel, der nicht allzu hoch, dafür aber verdammt steil ist. Und kaum bist Du oben machst Du auch sofort eine 180 Grad-Wende und läufst parallel den Hügel wieder runter. Und Du machst eine 180 Grad-Wende und rennst wieder hoch … und wieder runter … und wieder hoch … und wieder runter … insgesamt 10 Mal geht es den Hügel hinauf und spätestens nach fünf Runden trennen sich die Läufer, denen es noch einigermaßen gut geht, von den Kraftsportlern, die jetzt von Wadenkrämpfen geschüttelt werden.

der Kanal, ein Wassergraben, der Dich bis zur Hüfte in schmutzig-kaltes Wasser bringt. Ein tiefer Sprung ins kalte Nass, zwei Meter durchwaten und eine schlammige und sehr hohe Kante wieder rauf. Dabei rutscht Du bestimmt ein paar Mal ab und somit wieder ins Nasse zurück und schließlich freust Dich, wenn sich jemand erbarmt und Dir aus dem Wasser hilft. Aber kaum hast Du diese Prozedur hinter Dich gebracht machst Du eine 180 Grad-Wende und … ach den Rest kennst Du ja schon vom Slalom. Aber es sind nicht 10, sondern 20 solcher Bahnen zu machen und die nassen Zehen frieren, Du zitterst am ganzen Körper und hoffst, dass Du danach wieder etwas Tempo aufnehmen kannst, um nicht mehr zu frieren.

Schade aber ist es um diejenigen, die keine Kraft mehr für einen Spurt haben, denn die frieren weiter. Wenn Du hier Deine Körpertemperatur nicht mehr hoch bekommst, dann brauchst Du die schwierigen Passagen erst gar nicht mehr angehen.

Die schwierigen Passagen heißen „The Killing Fields“ und nicht nur dort wirst Du stets gewarnt und erinnert, dass Du ja ein „Death Warrant“ unterschrieben hast, die Bestätigung, dass Du selbst verrückt genug warst, diese Herausforderung aus eigenem Antrieb zu bewältigen und dass Deine Angehörigen keinerlei Regress-Ansprüche gegenüber dem Veranstalter erheben werden, wenn Du dabei sterben solltest.
Sterben tut natürlich niemand dort, aber für eine eklige Hypothermie (Unterkühlung) und für Erschöpfungszustände aller Art ist dieser Lauf schon geeignet. Man kann es auch so formulieren: die Krankenhäuser der Umgegend bekommen durch dieses Event recht viel Arbeit.


Was dann auf den „The Killing Fields“ auf die Läufer zukommt?

Einiges, vor allem viel kaltes Wasser, immer und immer wieder. Vergleicht man den TG mit dem StrongManRun (SMR), dann merkst Du, dass viele Elemente des TG beim SMR Einzug gefunden haben, aber eben in einer abgemilderten Form und vor allem nicht so penetrant permanent. Ein Mal ins kalte Wasser beim SMR pro Runde, ein steiler Hügel, ein Hindernis dieser Art, aber eben nicht zehn, nicht zwanzig Mal das gleiche. Und endet das Wasser beim SMR beim Schwimmen, dann bist Du beim TG mindestens fünf Mal komplett unter Wasser, ob beim oben schon erwähnten Tauchen unter den Holzbalken und der Holzbrücke durch oder beim Sprung ins kalte Elend von dem drei, vier Meter hohen Balken.
Jump – hinein ins Vergnügen! Und tauchen und schwimmen und frierend schnattern!

Aber Du bekommst einen Anflug von homoerotischen Liebesgefühlen gegenüber den Tauchern, die mit Argus-Augen darüber wachen, dass keinem wirklich etwas Schlimmes geschieht. Die Taucher im Wasser sehen Dich an, fragen Dich etwas und nehmen Dich aus dem Rennen, wenn sie den Eindruck haben, dass Du nicht mehr Herr Deiner Sinne bist. Hypothermie kann ganz schön gefährlich sein, Du selbst bekommst das dabei noch nicht einmal mit, nur die Menschen um Dich herum denken über Deinen Geisteszustand nach …

Der Geisteszustand der Läufer muss sowieso nahe der Unzurechnungsfähigkeit sein, denn diese Strapazen nimmt der gewöhnliche Läufer auf sich, nur um in den „The Killing Fields“ Held für ein ganzes Leben zu werden. Und so bekommt auch der Sieger dieses Laufs regelmäßig nicht mehr als Ruhm und Ehre. Und einen Kakao, von dem Du die Hälfte, unkontrolliert zitternd, verschüttest.
Bekleckert mit Ruhm und Ehre, im Gefühl, Held für ein ganzes Leben zu sein, saß ich am Ende im Auto und beobachtete den fallenden Schnee und die Unglücklichen, die oft erst zwei, drei Stunden nach mir im Ziel ankamen. Und je langsamer Du läufst, desto mehr frierst Du.

Held für ein ganzes Leben sein ist wirklich nicht einfach!